
von Hosalia
Es war Ende Februar und der Winter neigte sich dem Ende zu. Es wurde wärmer und der Schnee schmolz langsam.
Nun war es 2 Monate her, dass ich Ron gesehen habe und Roxanne - Angelina und Goerge's Tochter - geboren wurde.
Ich hatte die Hoffnung gehabt, dass Ron zum Sylvester kommen würde doch vergebens. Er kam nicht und meldete sich nicht. Gab kein Lebenszeichen von sich und ich wusste nicht wo er genau war.
Doch genau jetzt brauchte ich ihn. Mir ging es schlechter, war öfters im Krankenhaus und selbst die Heiler meinten es Stände momentan nicht so gut - eine eindeutige schlechte Nachricht. Ich hatte seit gerade 5 Monaten Krebs und schon jetzt schieb es so als würde ich den Kampf verlieren. Doch so schnell gab ich nicht auf.
Und doch zitterte ich jedes Mal wenn ich im St. Mungos war. Hatte Angst vor noch mehr schlechten Nachrichten.
Eine Situation wie gerade eben. Ich saß im Warteraum und wartete bis mich die kleine und mittlerweile auch bekannte Mrs Dawson aufrief. Was sie dann auch endlich tat.
"Ms. Hermine Granger.", rief sie mich auf und ich folgte ihr schnell. Obwohl sie so klein war lief sie ziemlich schnell sodass ich fast nicht mitkam.
Sie klopfte an eine weiße Tür bevor sie diese öffnete. Wieder wurde mir mulmig zumute. Ich folgte ihr rein.
"Ms. Granger wäre dann hier.", sagte sie mit ihrer hellen fast schon piepsigem Stimme bevor sie ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen wieder raus.
"Guten Tag, Ms. Granger. Setzten Sie sich doch.", sagte Heilerin Laween höflich die mit zusammengefalteten Händen hinter ihrem Schreibtsich saß und mich aus ihrer Brille anschaute das mich immer wieder an Dumbeldore erinnerte.
Ich lächelte freundlich und setzte mich.
"Sie hatten mich her gebeten? Ich hoffe es ist nicht schlimmes?"
Mrs. Laween drehte sich um und holte eine Akte zum Vorschein die sie öffnete. Sie las kurz und schaute mich wieder an.
"Nun ja, wir hatten bei der letzten Untersuchung letzte Woche einen Tumor in ihren Eierstöcken entdeckt.", erklärte sie mir und sah mich weiterhin aus ihren braunen Augen an. Ich schluckte. "Und wir sollten es entfernen."
"Dann tuen Sie es doch oder geht das nicht?" Ich war verwirrt und gleichzeitig traurig.
"Eigentlich schon, aber wegen der Chemotherapie besteht sie Gefahr das es wiederkommt, da sich diese nur auf die Gebärmutter bezieht."
"Das heißt?"
"Um es zu entfernen müssten wir die Therapie abbrechen doch wiederum dann besteht das hohe Risiko das Ihr schlimmer wird und wir dann nichts mehr für Sie tun können."
Es herrschte Stille und ich in meinem Kopf drehten sich Loopings.
"Es liegt an mir. Ich muss das entscheiden oder?"
Sie nickte.
"Muss ich mich sofort entscheiden?" Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. So richtig war es noch nicht bei mir angekommen.
"Nein aber bald. Am Empfang können Sie einen Termin ausmachen. Überlegen Sie es sich gut." Obwohl sie bedachte Wörter wählte, wirkte sie emotionslos als hätte sie keine Gefühle. Ich selber kam mir gerade so vor. Es fühlte sich einfach so unrealistisch an. War das einfach ein böser Traum?
___~*~___
Ich wollte es nicht wahrhaben. Ich wollte diesen verdammten Tumor nicht. Warum lief einfach alles schief?
Ich knallte die Haustüre zu, warf meine Tasche und Jacke auf dem Boden und zog meine Schuhe aus, die ich vor Wut gegen die Badezimmer Tür warf und mit einen 'plops' auf den Boden landeten. Das Tat ehrlich gesagt mal gut. Die Wut raus lassen.
Ich war wütend - sehr wütend, doch auch gleichzeitig so unendlich traurig.
Ich hätte schreien können. Am liebsten alles kaputt gemacht... Doch etwas hielt mich davon ab, alles zu zerstören.
Doch am Ende waren 2 Teller, 2 Tassen und eine Vase kaputt. Was ich aber keinesfalls bereute. Ich raufte mir die Haare und ließ mich auf den Boden sinken. So einen Gefühlsausbruch hatte ich wirklich nie.
Ich ließ mich seufzend auf mein Sofa fallen. In der Hand eine volle Flasche Feuerwhiskey - doch bald nicht mehr. Der Krebs war mir gerade egal, der Tumor war mir egal, mein Leben war mir einfach egal. Ich hatte keine Lust mehr.
Ich Trank ein Schluck vom Whiskey und verzog in der nächsten Sekunde schon mein Gesicht, als der brennende Alkohol meine Kehle hinab rang. Und schon wenig später verfehlte der Feuerwhiskey seine Wirkung nicht.
Und so lief es den restlichen Abend. Es gab nur den Alkohol und mich.
Es war kalt. Sehr kalt sogar. Ich Stand in Godric's Hollow - auf einem Friedhof. Der Friedhof. Ich sah um mich herum. Kein einziger Mensch. Nur vereinzelte Blätter die zum Boden fielen und vom Wind vertrieben wurden. Es war unheimlich still.
Aber wieso war ich hier?
Ein Rascheln und ich drehte mich um. Da kam jemand auf mich zu. Es war Ginny.
Sie trug ein enges grasgrünes Kleid mit Spaghettiträgern. Es stand ihr gut, sie sah wunderschön aus. Doch frierte sie nicht?
Ihr Gesicht war emotionslos, an ihren Wangen rannen Tränen hinunter. Wieso weinte sie?
Sie blieb vor mir stehen und kniete sich hin. Die Hände faltete sie in ihrem Schoß.
,,Wieso Hermine?" ,murmelte sie vor sich hin. ,,Wieso hast du mir... Uns nichts erzählt."
,,Wovon redest du Ginny ?" Doch sie ignorierte mich und starrte nach unten, auf etwas hinter mir.
,,Jetzt wo du tot bist, erfahre ich es erst. Wie konntest du mich nur so hintergehen?"
Ich sah sie geschockt an. Was meinte sie mit tot? Was redete sie da?
,,Du wusstest genau wie sehr ich Harry liebte."
Erst jetzt wurde mir klar, das sie gar nicht mit mir sprach. Es kam mir vor, als würde sie durch mich durch gucken. Als sei ich unsichtbar. Ich drehte mich langsam um... Und riss geschockt meine Augen auf.
Ich stand auf meinem Grab. Mit verzierter und geschwungener Schrift stand auf dem großen Grabstein: 'Hermine Jean Granger.'
geb. 02.08.1979
gest. 14.04.2006
Ich wachte schweißgebadet auf. Mein Atem ging schnell und unregelmäßig. ich stützte mich mit den Unterarmen ab.
Beruhige dich, redete ich mir ein. Es war doch nur ein Traum. Ein verdammt realer Traum.
Ich war bei mir im Schlafzimmer. Die Gardinen waren zugezogen und versperrten so das Sonnenlicht.
Ich fuhr mir durch mein Schweißnasses Haar und sah auf meine Digitaluhr. 10:17. Ich zerrte mich aus der Decke und stand auf. Mein Schlafanzug Oberteil klebte mir fast schon auf der Haut.
Ich öffnete die Gardinen, öffnete das Fenster und ließ frische Luft rein, bevor mein Weg ins Bad ging.
Nachdem ich mein Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen hatte, betrachtete ich mich im Spiegel. Ich war blass. Aber das war ich fast immer in letzter Zeit. Ich versuchte an den letzten Abend, den letzten Tag nicht zu denken. Es würde nur meine Laune verschlimmern. Und vor allem wollte ich nicht an gestern Abend denken. Wie leichtsinnig und dumm ich war. Der gestrige Abend verdankte mir auch noch Kopfschmerzen.
Ich wollte gerade das Bad verlassen, da überkam mich der Schwindel und ich lehnte mich an den Türrahmen.
Mir wurde kurz schwarz vor Augen, doch ich schüttelte leicht den Kopf und machte mich nachdem es mir besser ging, die Tür von Rose' Zimmer auf.
Ich hatte aber ganz vergessen das Rose ja bei Molly war. Jetzt hatte ich auch noch Alzheimer, so vergesslich und unkonzentriert war ich in letzter Zeit.
Nachdem ich ausgiebig Baden gegangen war und kurz gefrühstückt habe hatte ich mich fertig gemacht und durch den Flohnetzwerk nach Godric's Hollow zu Harry's neuer Bleibe gereist. Er hatte sich in seinem modernen Haus mit Ginny nicht wohlgefühlt, so hatte Harry es mir erzählt. Er hatte das alte Haus von seinen Eltern renoviert und wollte dort heute einziehen. Und wie nett ich war, half ich ihm.
Ich taumelte aus dem Kamin und hustete erstmal kräftig bevor ich mir den vorhandenen Staub vom Leibe schüttelte.
,,Ach, Hermine. So früh habe ich dich gar nicht erwartet." ,sagte Harry der vor der offenen Haustüre stand und mich leicht grinsend musterte. Der Wohnzimmer war sehr groß und führte auch zur Haustüre.
"Hatte nichts zu tun" ,erwiderte ich und gab ihm ein kurzen Wangen Kuss.
Er stellte die Kiste neben den anderen Kisten im Wohnzimmer und wandte sich wieder an mich. ,,Dann kannst du mir ja helfen. Im Pick-Up sind noch Kisten. Aber nehm' bitte die kleinen und nicht schweren"
"Ja, Mama und außerdem wozu haben wir Zauberstäbe?" ich verdrehte belustigt die Augen und folgte ihm nach draußen wo auch schon Harry's großer Volvo mit einen Pick-Up stand. Er besaß zwei Auto's. Einen kleineren schwarzen und der große 'Dicke' vor mir.
Die Sonne schien und hüllte alles in eine schöne gemütliche Atmosphäre. Kalt war es auch nicht wirklich.
Harry gab mir eine Kiste die ich mit dem Zauberstab vor mir zum schweben brachte. Das erinnerte mich an unser erstes Schuljahr als ich Ron besserwisserisch erklärt habe das es 'Wingardium Leviosa' hieß und nicht Leviosaaa. Ich schmunzelte doch ließ mich die Erinnerung traurig stimmen. Ron...
"Sag mal, hat sich Ron bei dir gemeldet?" ,fragte ich und ließ die Kiste wo 'Wohnzimmer' drauf stand zum Boden schweben.
,,Nein.", gab er die schlichte Antwort.
,,Ich hoffe doch trotzdem das er zur Georges und Angie's Hochzeit kommt. Ich ... Ich vermisse ihn irgendwie." Ohne ihn waren wir einfach nicht komplett. Nicht das Goldene Trio.
,,Er kommt. Er hat die Zusage an George verschickt." ,sagte Harry und kam mit der letzten Kiste rein.
,,Toll das ich das alles immer als letzte Erfahre" ,sagte ich und wir fingen an die Wohnzimmer Kisten zu öffnen.
,,Apropos, wie ist es auf der Arbeit? Hab ich was verpasst?" Ich stellte die Vase an die Fensterbank und widmete mich den anderen.
,,Ja. Hast du den Tagespropheten nicht gelesen? In den letzten 3 Wochen wurden 3 Muggelfamilien gefoltert und 2 Familien sind bis auf die Kinder die auf Hogwarts sind getötet worden."
Ich blieb in der Position verharren. Das kam in den letzten Jahren immer häufiger vor. Die Todesser die in der Schlacht fliehen konnten - und das waren nicht sehr wenige - schworen Rache. Blutige Rache. Wenn wundert's - die Muggelfamilien wurden getroffen. Mir Taten die Kinder leid. Sie hatten keine Familie mehr. Meine größte Angst in der Schulzeit .und auch jetzt war es gewesen, das mir genau das passierte. Aber könnte es nicht auch sein, das sie eine Auge auf mich und/oder Rose geworfen haben?
,,Meinst du, sie würden auch zu uns kommen?" ,fragte ich und sah ihn leicht unsicher an. Er hörte auf zu kramen und sah mich durch seine Brille durch an.
,,Also zu Rose und mir. Immerhin bin ich Muggelstämmig und hab geholfen Voldemort zu vernichten. Rose ist meine Tochter, sie ist ein Halbblut."
''Ich weiß es nicht. Aber ganz ausschließen sollte man es nicht, aber keine Panik. Ihr seit ihn Sicherheit." ,versucht er mich zu beruhigen und kommt auf mich zu. Er schlingt seine Arme um meinen Oberkörper und schob mich sanft zu sich. Meine Hände wanderten seinen Oberkörper rauf und spielte mit den Kragen seines Shirts. Er küsste meine Stirn und lehnte sie an meine.
"Und ähm wo ist Ginny?" ,fragte ich und versuchte es beiläufig klingen zu lassen. Das hatte wahrscheinlich eh die Stimmung zerstört.
,,Nicht da"
Ich runzelte meine Stirn. "Wie 'nicht hier'? Sollte sie dir nicht vielleicht mal helfen? Immerhin wohnt sie-" er unterbrach mich.
,,Nein. Sie hat kein Grund mitzuhelfen. Sie ist ziemlich sauer auf mich, weil ich mich von ihr getrennt habe, anstatt ihr ein Heiratsantrag gemacht zu haben. Und ich kann es ihr noch nicht mal verübeln. Sie war unglücklich, ich war unglücklich..."
Das überraschte mich jetzt aber schon. Es kam so plötzlich. So ... Unerwartet. Und wenn ich ehrlich war, störte es mich nicht im geringsten.
,,Also noch 'ne schlechte Nachricht" ,murmelte ich leise. Heute war wohl oder übel - wie immer - nicht mein Tag.
,,Wie meinst du das ?" ,fragte er verwirrt und sah mich an. Ich jedoch wich seinem Blick aus.
Ich erklärte ihm alles. Er unterbrach mich nicht und schaute mich nicht einmal an. Sein Blick war die ganze Zeit auf dem weißen Küchentisch gerichtet. Es beunruhigte mich ein wenig, so wusste ich nicht, was er fühlte oder seine Stimmung war, was ich oft in seinen Augen lesen konnte. Er war für mich wie ein offenes Buch.
Es herrschte Stille. Eine für mich eher beunruhigene Stille. Ich würde so gerne wissen was er jetzt dachte. Doch traute ich mich nicht die Stille zu brechen.
"Was hat die Heilerin gesagt?" Er sah mir intensiv in die Augen und lehnte sich nach vorne.
"Das es meine Entscheidung ist. Egal welche ich treffe, es würde Risiken mit sich ziehen. Aber ich weiß nicht wie ich mich entscheiden soll."
"Mach dir nicht so viele Gedanken. Ich hatte dir versprochen, ich werde auf die acht geben."
"Ich weiß, Harry", lächelte ich. "Aber du kannst mich nicht vor alles und jeden beschützen... Es gibt Dinge im Leben die kann man nicht aufhalten." Und damit gab ich ihn einen kurzen, sanften Kuss auf die Lippen und ging mit schnellen Schritten die Treppe rauf - vor mir die 2 fliegenden Badezimmer Kisten.
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