
von Hosalia
"Du siehst toll aus, Rosie", lächelte ich meine Tochter an, die ein schönes weißes Kleid trug, dass bis zu den Knien ging. Heute war es so weit. Heute würden George und Angelina heiraten. Direkt nach Roxy's Geburt vor knapp 2 Monaten, hatte George Angelina einen Heiratsantrag gemacht, denn sie natürlich bejahte.
Und die Entscheidung hatte ich getroffen. Ich würde mit der Chemotherapie weiter machen. Vielleicht würde es ein Fehler sein, aber das würde ich erst zu spät erfahren. Heute ging es mir zum Glück doch besser. Ich hatte ein wenig mehr Farbe im Gesicht bekommen und sah nicht mehr ganz so krank aus.
Ich ging in die Hocke und kämmte einmal Rose' braune lockigen Haare durch. Sie hatten ein leichten dunkelroten Stich, schöne weiche Haare und nicht wie ich früher als ich in ihren Alter war. Nachdem ich sie fertig geflochten hatte, zog ich mir ebenfalls mein rotes Kleid an, was Harry mir an Weihnachten geschenkt hatte. Es war das erste Mal das ich es trug. Ich betrachtete mich im großen Spiegel in meinem Schlafzimmer. Das Kleid schmiegte sich schön an mein sehr schlanken Körper. Es war wunderschön und erinnerte mich immer wieder an früher. Meine Haare ließ ich offen und zog mir zum Schluss noch dunkelrote Ballerina's an. Hohe Schuhe mochte ich immer noch nicht.
Die Hochzeit würde heute Vormittag um ungefähr halb eins beginnen, doch ich würde mit den Vorbereitungen mithelfen und Angelina wollte, dass ich ihr helfen würde. Und genau deswegen würde ich zwei Stunden früher kommen.
Ich half Rose aus dem Auto und nahm sie an der Hand, die ganz schön hibbelig war, weil es ihre erste Hochzeit wäre (natürlich nicht ihre eigene. Da wäre ich froh wenn ich noch zwei Jahrzehnte drauf warten müsste) und beobachteten schon wie die anderen - also George der Bräutigam, Arthur, Harry und welche aus Angie's Familie- das große Zelt aufbauten. Doch Ron sah ich noch nicht...
"Mummy, hast du auch mal geheiratet?", fragte mich Rose und sah mit großen Augen zu, wie die Jungs das Zelt zum schweben brachten und so sicher auf den Boden platzierten.
Ich wusste doch, dass die Frage mal kommen würde. Ich schüttelte den Kopf.
"Wieso denn nicht?", fragte sie mich und ich steuerte den Weg zu den Jungs nur um zu Versuchen das Thema zu wechseln.
"Weißt du, der Prinz auf dem weißen Pferd, hatte mich einfach nicht gefragt.", grinste ich sie an. Sie kicherte und rannte zu George und Harry die gerade die Seile festmachten, damit das Zelt nicht umkippte. Während sie zu denen rannte fiel sie einmal hin, rappelte sich sofort auf und rannte weiter. Ich sah schon von weitem, das ihre Knie Braun-grün vom Boden war und ich schüttelte lächelnd den Kopf, ehe ich ihr hinterherrannte.
"Wieso habe ich kein Zauberstab?", quengelte Rose als ich bei Harry, George (die mittlerweile fertig waren) und ihr ankam.
"Wenn du nach Hogwarts gehst, kriegst du auch einen Zauberstab.", antwortete ich und stellte mich hinter ihr. "Das dauert aber noch ein ein bisschen"
Ich streichelte ihr über den Kopf während sie vor sich hin schmollte, als ihr klar wurde, dass das noch gute 6 Jahre dauern würde. Harry lächelte mich an und betrachtete das rote Kleid. Ich wusste, dass es ihn freuen würde. Er fragte George nochmal,ob er noch nicht kalte Füße bekommen hatte, doch George antwortete nur gelassen: "Meine sind ganz schön warm."
Ich erschrak leicht als plötzlich jemand ein Strauß weißer Rosen vor mir hielt.
Ich drehte mich um und mir blieb kurz die Luft weg als ich sah wer mir die Blumen hin hielt. Ron. Ron Weasley im Anzug. Das soll ja auch mal vorkommen.
Ich sah aus den Augenwinkel wie sich George, Harry mit Rose in den Armen von uns entfernten und den Weg zum Fuchsbau ansteuerten. Na toll.
Ron lächelte mich schief an ehe ich die Blumen dankend annahm und betrachtete sie kurz bevor ich wieder aufsah. Und doch obwohl ich wieder so ein ähnliches Gefühl hegte, wie als Ron während der Horcrux-Reise abhaute, ließ ich die Rosen aus der Hand fallen und umarmte ihn fest. Er schien überrascht und zögerte kurz bevor er selber die Arme um mich schlang.
Ich hatte ihn so vermisst. Ich hatte mir auch Sorgen gemacht. Ich meine, er verschwand einfach. Keiner wusste wo er war, und beantwortete keine Briefe die wir ihn schickten, außer die vor 2 Wochen die Hochzeitseinladung.
"Ich bin froh, dass du da bist.", murmelte ich nach einer Zeit wo wir nur uns umarmend da standen. "Ich dich auch, Mine." Jetzt waren wir hoffentlich wieder ein Trio. Ich hatte ihn in den 2 Monaten mehr vermisst, als während der Zeit, die er in Frankreich war. Und wenn ich ehrlich war, hegte ich immer noch Schuldgefühle.
Ich löste mich von ihm, hob die Rosen wieder auf und betrachtete Ron kurz von oben bis unten. Er trug einen schwarzen Anzug, dazu eine rot/goldene Krawatte. Seine roten Haare waren zurück gegellt und insgesamt sah er nicht schlecht aus.
"Gut siehst du aus", lächelte ich ein wenig schüchtern. Ich wusste auf einmal nicht mehr so genau was ich sagen sollte.
"Kann ich nur zurückgeben.", erwiderte er und ließ sein Blick runter gleiten um mich besser zu betrachten. "Ist das nicht das Kleid, dass du auf Fleur's und Bill's Hochzeit getragen hast?"
Ich nickte. "Ja, nicht so ganz. Harry hatte es nach schneidern lassen und mir zu Weihnachten geschenkt." War vielleicht nicht ganz so schlau es zu sagen, denn nur ganz kurz, ich wusste nicht genau was es war, leuchteten Ron's blaue Augen auf und ich war mir nicht ganz sicher ob das ein gutes Zeichen war. Er hatte mein Versprechen sicherlich nicht vergessen.
"Rose ist auch da.", versuchte ich das Thema zu wechseln. "Hast' sie bestimmt gerade gesehen... Wollen wir nicht rein? Angelina wartet bestimmt schon auf mich." Schweigend gingen wir den schön geschmückten bepflasterten Weg entlang, der zum Fuchsbau führte.
***
"Oh Hermine! Ron! Ihr seht toll aus!", begrüßte uns Molly direkt, zog mich aber nicht in die Arme, weil sie die kleine schlafende Roxy die ein gelbes Kleidchen trug im Arm hielt. Sie hatte dunkle Haare und eine leicht bräunliche Haut. Molly hingegen trug ein süßes grünes Blumenkleid was perfekt zu ihren Feuerroten Haaren - wo man schon graue Strähnen sehen konnte - passte.
"Danke, Molly", lächelte ich sie an. "Wo ist Angie? Ich sollte ihr mit dem Kleid helfen."
Nachdem ich Angie davon überzeugen konnte, dass sie wunderschön aussehe und George bestimmt die Augen ausfallen werden, wenn er sie später sehe, half ich ihr noch ihr Koffer für die Flitterwochen zu packen. Danach kam Ginny, die ein trägerloses blaues Kleid mit schwarzer Spitze trug, die ihr die Haare zu einer schönen und eleganten Hochsteck' Frisur machte. Schließlich kamen noch Angie's Eltern ins Zimmer worauf Ginny und ich schweigend das Zimmer verließen. Nur zu Info: Ginny redete sehr selten mit mir, fast gar nicht mehr.
Wir gingen ohne etwas zu sagen die knarzende Treppe runter. Ich wollte gerade versuchen ein Gespräch anzufangen, weil ich wusste das das nicht so weiter gehen konnte, doch als ich den Mund schon öffnete um etwas zu sagen, sprach sie, als wüsste sie, dass ich was sagen wollte.
"Du brauchst nichts sagen, Hermine.", sagte sie. Ihre Stimme verriet nicht ihre Stimmung. Ich sah sie leicht verwirrt an. "Ich kann mir schon denken was du sagen willst, aber ich weiß es schon längst." Damit lies sie mich verwirrt, doch zugleich ahnend was sie meinte, an der Treppe stehen. Ich wollte lieber nicht nachfragen, was sie meinte. Hatte ich doch zu große Angst vor der Wahrheit.
***
Alle klatschten als sich Angelina und George sich das Ja-Wort gaben und sich schließlich küssten um die Ehe zu besiegeln. Die meisten lachten, freuten sich für sie, doch Molly konnte sich ihre Krokodilstränen nicht verkneifen und Arthur musste sie schließlich trösten.
Während der Feier konnte ich die Sache mit Ginny zum Glück vergessen oder besser gesagt, ich konnte mich ablenken. Es zerbrach mir fast den Kopf, das sie womöglich von der Sache schon was wusste, bevor ich die Möglichkeit hatte es den anderen zu erzählen. Ich will dann gar nicht erst wissen was dann mit Ron wäre. Er hatte mir ja wirklich ein Blumenstrauß geschenkt, was in einer Blumenvase an meinem Tisch (mit Rose, Harry, Ron, Ginny und Fleur und Bill) stand.
Ich setzte mich zurück an meinen Stuhl als das Hochzeitspaar anfing zu tanzen und andere zu ihnen stießen. Eigentlich wollte ich heute nicht besonders viel tanzen. Es gehörte nicht besonders zu meinen Stärken. Doch schließlich bat Harry mich um einen Tanz, und da ich nicht unhöflich sein wollte, willigte ich ein. Und wenn ich ehrlich war, wollte ich mit ihm tanzen, obwohl er kein guter Tänzer war. Wir tanzten eher am Rande der tanzenden und ich fing doch an Spaß zu haben.
"Rose scheint doch Spaß zu haben, obwohl ich Hochzeiten als Kind ziemlich langweilig fand", sagte ich, als ich schmunzelnd betrachtete wie Rose sich voll und ganz den Kuchen widmete. Sie war einer dieser Kinder, die so viel aßen, trotzdem das Gegenteil von dick waren.
"Ja, aber es waren auch Muggelhochzeiten. Ich denke, die der Zauberer unterscheiden sich schon.", erwiderte Harry nur und schwang mich weiter durch die Menge.
"Übrigens freut es mich, dass du das Kleid angezogen hast. Es steht dir wirklich gut."
"Danke, Harry! Du-"
"Darf ich abschlagen, Harry?", unterbrach mich Ron der auf einmal hinter Harry stand. Harry nickte langsam und sah ihn nicht an, als er meine Hand in Ron's legte. Er vermied komplett den Blickkontakt. Ich schluckte. Ich war nicht besonders erpicht darauf alleine (!) mit Ron zu reden.
Ron hatte sich im Tanzen wirklich verbessert. Er tanzte wirklich gut, fiel mir auf nachdem wir ein paar Minuten lang tanzten.
"Wie geht es dir, Hermine?", fragte er auf einmal und ich hob mein Blick. Er schaute mir direkt und tief in die Augen. Ich hielt kurz die Luft an bevor ich anfing zu reden. Er machte mich schier nervös.
"Ähm, momentan ganz gut.", theoretisch gesehen log ich ihn nicht an. Im Moment ging es mir wirklich ganz gut. "Dir hoffentlich auch."
Er nickte. "Ich war vor kurzem im Ministerium und wollte dir ein Besuch abstatten... Aber du warst nicht da. Dein Arbeitsplatz war leer." Mist! Natürlich musste das mal kommen! Hab mich schon gewundert, warum das den anderen nicht aufgefallen ist. Was soll ich den jetzt sagen?
"Ja, das hat auch ein bestimmten Grund.", fing ich an und Ron drehte mich einmal im Kreis. "Nun ja, ich wollte nur für ein paar Monate eine Auszeit nehmen... Damit ich mehr Zeit für Rose habe." Mal wieder nickte er nur.
"Darüber wollte ich auch mit dir sprechen."
Ich sah ihn fragend an.
"Nun ja, wie soll ich anfangen?... Ich denke, dass Rose eine Zeit lang zu mir ziehen sollte. Ich meine, Du bist alleine und hättest dann mehr Zeit für deine Arbeit und außerdem bin ich ihr Vater und habe auch ein Recht darauf." Er klang immer noch freundlich, doch war ich mittlerweile stehen geblieben und sah ihn schockiert an.
"Natürlich hast du ein Recht darauf! Du kannst Rose sehen wann du willst." Meine Stimme war leise und ich trat einen Schritt auf Ron zu. "Siehst du Rose nicht? Sie ist glücklich. Ihr fehlt nichts und dass ist doch das wichtigste." Ich deutete mit den Finger auf Rose die auf dem Schoß von Molly saß, die ihr gerade den Krümel und Sahne vom Kuchen wegwischte. Sie lachte ihr schönes und süßes Kinderlachen. Doch Ron schielte nur einmal kurz dahin.
"Hermine, wäre es denn nicht besser? Ich meine es wirklich nicht böse. Ihr fehlt der Vater. Und bei mir hätte sie auch eine Mutter-"
"Ach, Gabrielle soll ihre Mutter sein? Ron was ist los mit dir? Hat man dir irgendwas ins Feuerwhiskey getan oder warum bist du so?" Welche hatten sich zu uns umgedreht doch ich ignorierte es. Ich wollte seine Antwort gar nicht hören und drehte mich einfach um und ging mit schnellen Schrittes raus aus dem Zelt, wo gerade anfing die Sonne im Horizont unterzugehen.
Ich atmete tief die Luft ein, als ich ein paar Meter vom Zelt lief und stehen blieb. Man hörte nur dumpf die Musik und die Stimmen. Ein frischer Windzug wehte meine Haare durcheinander und ließ mich frösteln.
Ich weiß, dass er das nicht böse meinte, aber ich wollte Rose nicht verlieren. Ron hat womöglich recht. Auch wenn er das aus einem anderen Grund sieht. Die Heiler meinten meine Chancen seien 50/50 und wenn ich vielleicht bald nicht mehr da sein würde... Würde es ihr vielleicht nicht so schwer fallen. Doch das kam einfach so plötzlich. Ich weiß, dass ich nicht die perfekte Mutter bin - wer ist das schon? - aber sie ist bei mir gut aufgehoben. Doch das Ron das anders sieht... Vielleicht hat Gabrielle es ihm eingeredet? Apropos, Gabrielle. Es war schon irgendwie merkwürdig, dass er anscheinend immer noch... Ein Verhältnis zu ihr hat, wo er mir doch vor etwas längerer Zeit ein Liebesgeständnis gemacht hat. Muss einer Mal Männer verstehen...
"Hermine? Alles gut bei dir?", ertönte die Stimme von Harry neben mir. Ich hatte ihn gar nicht bemerkt. Ich drehte mich halb zu ihm um. Er lächelte mich sanft an und vergrub seine Hände in den Hosentaschen. Yep, er sah heute gut aus...
"Ja, alles gut.", nickt ich. "Im Zelt ist es nur so voll und stickige Luft, da wollte ich nur mal frische Luft holen."
"Mitten im Tanz von Ron? Ein wahrer Gentleman hätte dich nach draußen begleitet", grinste er leicht. Nun ja, Ron war eigentlich kein Gentleman.
"Genauer gesagt, habe ich ihn stehenlassen, aber das erzähle ich dir ein andermal." Er bemerkte meine Gänsehaut und Strich mit seinen warmen Händen über meine Arme. Meine Gänsehaut blieb. Ich wollte ihm das jetzt ungern erzählen.
"Du machst dir einfach immer Sorgen. Zwar hast du mir noch nicht gesagt, was los ist, aber man sieht es dir an. Naja, ich hoffe jedenfalls die Sorgen sind unnötig." er zog mich in seine Arme indem er seine Arme um mich schlang. Wenn uns jemand sieht, alarmierte es in meinen Kopf, doch ich bewegte mich keinen Zentimeter. Wir waren draußen die einzigen weit und breit und es war mittlerweile dunkel.
"Entspann dich", murmelte er gegen meine Stirn. Ich spürte seine Atemzügen an meiner Haut. Ich versuch's. im nächsten Moment hatte er seine Lippen leidenschaftlich mit meinen versiegelt. Wie lange ich sie schon nicht mehr gespürt hatte. Eine gefühlte Ewigkeit war es her. Ich zog mich an seinen Kragen noch näher an ihn ran und erwiderte den Kuss begierig. Es war zwar ziemlich riskant, aber das war mir im Moment egal.
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