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Fanfiction

Bat in my heart - Kapitel 29: Unverzeihliche Verspätung

von Dilli

Na warte, die kann was erleben, wenn ich sie in die Finger bekomme.
Nichts hasste ich mehr als Unpünktlichkeit. Meinen Schülern brummte ich mindestens eine Woche Nachsitzen auf, wenn sie es wagten, zu spät in meinen Unterricht zu kommen. Es sei denn natürlich, sie hatte einen guten Grund für ihr Fernbleiben, aber das musste mindestens ein abgetrennter Kopf oder ähnliches sein. Auch ein Gespräch mit einem anderen Lehrer ließ ich nicht gelten, denn dafür hatte jeder von uns eine Sprechstunde. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass meine kaum in Anspruch genommen wurde. Nur die ganz Mutigen wagten es, der alten Fledermaus eine Frage zu seinem Unterricht zu stellen. Albus hatte mich schon mehr als einmal für meine Strenge gemaßregelt, aber das war mir so was von scheißegal.
Aber nun zurück zu meinem eigentlichen Problem und das hieß ganz eindeutig Mimi. Mittlerweile war es sieben Uhr, das Abendessen lag in den letzten Zügen, und sie war noch immer nicht aufgetaucht. Ich hatte meine Mahlzeit kaum angerührt, weil mir die Sorge, aber auch die Wut, den Magen abschnürte. Auch der Nachttisch, Apfelstrudel mit Vanillesoße, reizte mich nicht wirklich. Ich wollte nur eins. Das Mimi gefälligst hier auftauchte. Sie hatte mir doch versprochen, pünktlich zum Abendessen wieder zurück zu sein. Ja genau, mir wurde gerade deutlich vor Augen geführt, was Frauen unter Pünktlichkeit verstanden. In diesem Moment konnte ich viele Männer verstehen, die ihren Weibern eine falsche Uhrzeit nannten, wenn es um den Beginn einer Veranstaltung ging. Ansonsten würden ja mindestens 99 Prozent der Paare immer zu spät kommen. Ein Pech nur, dass Mimi genau wusste, wann das Abendessen in Hogwarts stattfand.
Eigentlich sollte ich mir ja tierische Sorgen machen, aber um ehrlich zu sein glaubte ich nicht daran, dass ihr irgendetwas zugestoßen war. Immerhin konnte sie sich sehr gut verteidigen, da sie eine brillante Hexe war. Und nicht nur, was Verwandlung anging. Sie hatte auch Flüche und Zauber drauf, die viele Todesser neidisch machen würde. Zumindest war das so, als Mimi noch süße 16 gewesen war, also vermutete ich, dass sie jetzt noch um einiges besser war.
Nein, wahrscheinlich hatte sie während dem Shoppen einfach die Zeit vergessen. Weiber, echt! Kaum sehen die ein Paar Schuhe oder eine Handtasche, da ticken die auch schon aus und vergessen die Welt um sich herum. Dann gab es nichts anderes mehr als das Objekt ihrer Begierde. Darüber hinaus konnte man auch schon mal seinen Liebsten vergessen, der hier in dieser bescheuerten Schule seinem Job nachging und an nichts anderes denken konnte als an seine Angebetete.
Na, die würde heute noch ihr blaues Wunder erleben. So etwas ließ ich nicht mit mir machen. Immerhin bin ich kein Geringerer als Severus Snape, ehemaliger Todesser (Gut, okay, das wusste Mimi ja nicht) und der am meisten gefürchtetste Lehrer, den die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei je gesehen hatte. In Gedanken knackste ich bereits mit meinen Fingerknöcheln und bereitete mich auf meine Schimpftirade vor, die ich einfach loswerden musste. Sonst würde ich platzen vor Wut und das wollte Mimi wirklich nicht erleben. Von einer Uhr hatte sie anscheinend noch nie etwas gehört. Nur kurz zur Erklärung: Eine Uhr ist ein Gerät, mit der die Zeit nicht nur gemessen wird, sondern die diese auch noch anzeigt. Vorzugsweise wird dieses Gerät mit Hilfe eines Bandes am Handgelenk getragen. Aber, ob man es glaubt oder nicht, diese Dinger hängen auch an der Wand oder befinden sich an Kirchtürmen. Und wenn Mimi dann mit einer Ausrede, von wegen, sie habe ihre Armbanduhr vergessen, daher kommt, dann muss ich ihr leider an den Kopf hauen, dass es in jedem verfickten Laden so ein Ding gibt, allein schon, um den wohlverdienten Feierabend anzuzeigen. Oh, meine Süße sollte sich lieber warm anziehen, denn ich tobte innerlich schon fast wie ein wild gewordener Hippogreif.
Nachdem Albus das Essen endlich für beendet erklärt hatte und die Schüler in ihre Häuser schickte, erhob ich mich schnell und marschierte aus der Großen Halle hinaus. Bereitwillig machten mir die kleinen Bälger Platz, denn mein Blick allein schien schon alles zu sagen. „Haltet euch bloß von mir fern und stellt ja keine Dummheiten an, sonst zerreiße ich euch in Stücke.“ Tja, wenn ich sauer war, dann hatte das einen gewaltigen Vorteil: Niemand wagte es, sich mit mir anzulegen und das war auch gut so, denn im Moment konnte ich nicht garantieren, dass ich nicht den erstbesten Schüler mit einem Fluch belegen würde, sodass ihm oder ihr auch noch in drei Wochen die Ohren geklingelt hätten.
Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, nach unten in die Kerker zu gehen. Schließlich hatten Mimi und ich uns oben in ihren Gemächern verabredet und ICH würde mich daran halten, ob es ihr nun passte oder nicht. Und wer wusste schon so genau, ob Mimi nicht doch schon zurück war und nur einfach nicht zum Dinner erschienen war. Vielleicht hatte sie ja unterwegs etwas gegessen und deswegen keinen Hunger mehr. Doch ich glaubte selbst nicht so wirklich daran. Selbst wenn dem so gewesen wäre, wäre Mimi trotzdem in der Großen Halle erschienen. Sie war einfach noch nicht wieder hier und hatte somit ihr Versprechen gebrochen. Grrr, wie ich so etwas hasste. Die werde ich so zusammen stauchen, dass sie sich wünschen wird, sich niemals mit mir angelegt zu haben. So etwas würde sie nie wieder tun.
Wie ein tobender Stier hastete ich nach oben zum Astronomieturm. Als ich schließlich schnaufend dort ankam, wusste ich nicht so recht, ob ich anklopfen sollte oder nicht. Eigentlich war es sinnlos, da Mimi ohnehin nicht da war, aber die Höflichkeit verlangte es nun einmal. Man betrat nicht einfach einen Raum, ohne vorher sein Kommen zu signalisieren. Ich mochte vielleicht oft ein riesiges Erzgranatenarschloch sein, aber mit Gepflogenheiten kannte ich mich schon aus und hielt mich strikt an sie. Meistens zumindest. Gut, eher nur ab und zu, denn es gehörte sich sicher nicht, heimlich in das Zimmer einer anderen zu schleichen und sie beim Schlafen und Träumen zu beobachten. Und schon gar nicht sollte man dann noch in diesen Traum eintauchen. Aber ich hatte einen guten Grund dazu gehabt, das bei Mimi zu tun. Immerhin hatte sie meinen Namen geflüstert, also hatte ich auch ein Recht... Ach, was redete ich mir denn jetzt schon wieder ein? Es war scheiße von mir gewesen und damit Schluss. Wobei... Mir hatte es mehr als nur gefallen und es hatte mir ja auch gezeigt, dass Mimi mich immer noch liebte und dass ich doch eine Chance hatte, bei ihr zu landen.
Ich seufzte einmal tief, hob die Hand an und pochte laut und deutlich gegen die Tür. Sie sollte ruhig schon im Voraus wissen, dass ich tierisch angefressen war. Plötzlich schoss ein kleiner Kopf mit Glockenhut aus dem Holz hervor und eine piepsige Stimme schrie laut: „Keiner Zuhause!“
Ich erschrak fast zu Tode, sprang vor Schreck drei Schritte rückwärts und zog meinen Zauberstab aus der Hosentasche.
Der kleine, nervtötende Poltergeist gackerte zufrieden und schwebte ganz aus Mimis Zimmer heraus.
„Peeves, Du elender Mistkerl, was treibst Du denn hier“, brüllte ich ihn an. „Was hast Du in Mimis Zimmer zu suchen?“
„Was denn, glaubst Du etwa, ich lasse den ganzen Spaß Dir alleine“, fragte er keck zurück und leckte sich über seine Geisterlippen.
„Du... Sag mal spinnst Du? Du wagst es, Mimi heimlich zu beobachten? Du widerlicher, kleiner Scheißkerl, das wirst Du büßen.“
„Ach komm schon, Sevi, sei doch nicht so. Du kannst es mir wohl kaum übel nehmen, wenn ich der Kleinen heimlich beim Anziehen zuschaue, oder? Sei doch mal ehrlich, das würdest Du doch auch gern tun. So knackig, wie die ist. Da würde selbst ich eine Latte bekommen, wenn ich es noch könnte.“
„Hör bloß auf, so von ihr zu reden. Das lasse ich nicht zu. Und wehe, Du wagst es, noch einmal bei ihr zu spannen, dann...“
„Dann was? Wirst Du dann böse? Ooooh, jetzt habe ich aber Angst, Sevilein.“
„Ich warne Dich, Peeves!“
Ich machte zwei Schritte auf ihn zu und riss meinen Zauberstab in die Höhe. Jetzt schien es der Quälgeist doch mit der Angst zu tun zu bekommen, denn er schwebte rückwärts und hob beschwichtigend die Hände in die Höhe. Er wusste einfach, wozu ich fähig war.
„Schon gut, schon gut. Mann, gönn mir doch auch mal was. Seit fast einem Jahrtausend muss ich mein Dasein als Geist fristen und da bekommt man nicht oft so was rattenscharfes... Ja, ja, ja, ich hör ja schon auf. Ist ja gut jetzt.“
Ich hatte bereits Luft geholt und mit meinem Zauberstab eine Bewegung angedeutet, um dieses Arschloch zum Schweigen zu bringen. So sprach der nicht über meine Mimi... auch wenn es stimmte, was er sagte. Mimi war rattenscharf.
„Was geht es Dich überhaupt an, dass ich in dem Schlafzimmer der Französin herum geistere“, besaß Peeves doch glatt die Frechheit mich zu fragen. „Gib doch zu, dass Du es auch tun würdest, wenn Du in meiner Lage wärst.“
„Glaub mir, Peeves, um Mimi dabei zuzuschauen, wie sie sich auszieht, brauche ich nicht durch Wände zu fliegen oder mich verstecken.“
In dem Moment, als ich es sagte, wollte ich mir auch schon am liebsten selbst in den Hintern treten. Es war mir einfach so heraus gerutscht, weil ich so wütend war. Oje, Mimi wird mich umbringen. Wenn dieser Quälgeist von unserer Beziehung wusste, dann wusste es in fünf Minuten das ganze Schloss. So eine Scheiße aber auch. Aber es war nicht meine Schuld, denn ich war im Moment nicht Herr meiner Sinne. Ich konnte nur hoffen, dass niemand Peeves diese Story abnahm, wenn er sie in der Schule herum posaunte.
„Was soll das denn heißen“, rief der Poltergeist jetzt aus. „Du und die kleine Froschschenkelfresserin? Schon wieder? Oi, die lernt wohl nie aus ihren Fehlern. Also echt, besonders helle scheint sie nicht zu sein.“
„Halt endlich Deine dumme Fresse und schau, dass Du Land gewinnst, bevor ich Dich eigenhändig aus dem Schloss schmeiße.“
„Mann, Du musst wirklich dringend mal wieder Druck ablassen, Alter, so verkniffen, wie Du drein schaust.“
„HAU ENDLICH AB!“
„Ist ja gut, ich gehe ja schon. Ich komme dann später wieder, wenn ihr beide fröhlich durch die Betten turnt.“
„DU KLEINER...“
Ich holte mit meinem Zauberstab aus und peitschte ihn durch die Luft, doch leider war dieser Dreckskerl schneller. Er wich dem blauen Lichtstrahl gekonnt aus und machte sich dann lachend von dannen. Natürlich sang er auch wieder ein Lied, bei dem mir fast Angst und bange wurde:

„Sevi, unser Loverboy,
hat ein neues sexy Toy.
Die hübsche frenchy Mimi,
lutscht an seinem Pimmi.
Severus der lachte,
als er es ihr machte,
das Bett danach dann krachte,
Quieck, quieck, quieck!“

Spätestens jetzt hätte ich ihn am liebsten gepackt und zum Schlossportal hinaus befördert, aber natürlich nicht ohne dafür zu sorgen, dass er nie wieder auch nur einen Fuß nach Hogwarts setzen konnte. Doch ich hatte dringlichere Sorgen und das war eine nicht zum Abendessen erschienene Mimi. Und das obwohl sie es versprochen hatte. Die konnte wirklich noch was erleben, wenn sie endlich auftauchte.
Ohne ein weiteres Mal anzuklopfen, löste ich die Schutzzauber von Mimis Tür und betrat ihr Wohnzimmer. Es sah immer noch genauso aus wie beim letzten Mal, als ich es betreten hatte. War ja auch erst zwei Tage her. Hirn einschalten Snape.
Ich ließ mich auf die große Ledercouch fallen und zündete mir eine Zigarette an. Und dann... wartete ich.

****************************************************************

Cole kam mir immer näher. Es waren vielleicht noch zehn Zentimeter, dann würden seine Lippen auf meine treffen. Ich war zu einer Salzsäule erstarrt. Alles in mir schrie laut „NEIN“. Ich wollte das nicht, wollte mich nicht von ihm küssen lassen, das würde alles kaputt machen, denn spätestens dann würde ich ihm doch noch die Wahrheit sagen müssen. Gott, ich war so blöd. Ich hätte das doch gleich hinter mich bringen und nicht auf seine Gefühle Rücksicht nehmen sollen. Deswegen steckte ich jetzt buchstäblich in der Scheiße.
Cole hatte noch immer seine Hände auf meinen Schultern und hielt mich fest umklammert, so fest, dass ich mich nicht so einfach losreißen konnte. Ich wusste auch nicht, ob das richtig war. Gott, ich war doch so bescheuert. Selbst jetzt noch machte ich mir Gedanken, wie Cole darauf reagieren würde, wenn ich ihn jetzt von mir stoßen würde. Mimi, Du bist wirklich ein Schaf.
Nun war er ganz nah. Vielleicht noch einen Zentimeter, maximal zwei, von meinem Mund entfernt.
„Oh Mimi, meine Kleine“, flüsterte Cole und hob seine gesunde Hand, um mir über die Wange zu streicheln.
Und genau in diesem Moment – genau in letzter Sekunde – erwachte ich endlich aus meiner Starre. Cole hatte mich unbewusst genau so genannt, wie Severus es immer tat. Er hatte mich „meine Kleine“ genannt. Sofort hatte ich das Bild meines Liebsten, der wahrscheinlich schon verzweifelt in Hogwarts auf mich wartete, vor meinem inneren Auge. Sofort stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich wollte zu Severus.
Deshalb war es auch kein Wunder, dass ich den Kopf schnell abwandte und zwar just in dem Moment, als Cole seine Lippen auf meine legen wollte. So traf er nur meinen Mundwinkel. Doch auch das löste schon einen Schauder in mir aus. Severus... ich will zu meiner lieben Fledermaus!
„Bitte nicht, Cole“, sagte ich leise und versuchte nun doch, mich von ihm los zu machen.
„Warum denn nicht, Mimi“, wollte er wissen und streifte mit der Nase meinen Kieferknochen entlang.
„Ich kann das nicht.“
„Aber wieso? Nach dem Halloweenfest habe ich Dich doch auch geküsst und da schien es Dir nichts ausgemacht zu haben.“
Ha, das glaubte ER, aber ich wusste, dass es anders war, denn ich hatte nicht umsonst an Severus' und meinen letzten Kuss denken müssen, als Cole meine Lippen berührt hatte.
„Bitte, Mimi“, flehte er mich an. „Nur ein einziges Mal. Ich will Dir doch nur zeigen, wie sehr ich Dich liebe (Lalalala, ich will das nicht hören) und dass ich Dich vermisse.“
„Ich kann das aber nicht, Cole. Bitte akzeptiere das!“
„Nein, ich schaffe das nicht mehr. Ich will Dir nahe sein, Dich berühren, schmecken...“
Er wanderte nun wieder in Richtung Mund, seine Lippen streiften meine Wange. Die Hand, mit der er eben noch mein Gesicht gestreichelt hatte, umfasste mein Kinn. Oh oh, das war gar nicht gut.
„Bitte, Cole, lass das“, sagte ich etwas bestimmter und versuchte nun deutlicher, mich zu wehren.
Ich legte meine Hände auf seine Brust, weil ich ihn weg schieben wollte, doch er gab einfach nicht nach. Er war um so vieles stärker als ich und ich wollte nicht auf mein Wissen in Kickboxen zurück greifen. Das hatte ich einmal getan und ich hatte es mein ganzes Leben lang bereut. Noch einmal würde ich das nicht tun. Es gab immer noch andere Mittel und Wege.
„Nein, Mimi. Ich möchte einen Abschiedskuss.“
Er hatte meinen Mund beinahe erreicht.
„Hör auf“, meinte ich laut und drückte noch einmal gegen seine Brust.
Da umfasste er mich mit beiden Armen und drückte mich an seinen Körper. Er seufzte auf und presste seinen Unterleib gegen meinen. Ich konnte deutlich die Erektion fühlen, die gegen meinen Bauch drückte. Außerdem fing er an, meinen Hals zu küssen. Heilige Scheiße, das durfte jetzt aber nicht wahr sein, oder? Hatte ich mich denn nicht klar und deutlich ausgedrückt? Ich wollte das nicht. Ich erkannte deutlich, dass Cole, dem ich das nie und nimmer zugetraut hätte, nicht nachgeben würde. Er würde nicht eher ruhen, bis er mich geküsst hatte. Doch dazu gehörten immer zwei und ich dachte ja gar nicht daran, das über mich ergehen zu lassen, auch wenn es vielleicht die naheliegendste Möglichkeit war, wie ich aus dieser Scheiße wieder heraus kam. Nein, ich hatte keine andere Wahl. Ich musste mich wehren, auch wenn ich das eigentlich gar nicht wollte.
Ich schloss die Augen und beschwor meine innere Magie herauf. An meinen Zauberstab kam ich nicht heran, denn Cole hatte ja meine beiden Arme in seiner Umarmung eingeklemmt. Bevor ich den Zauber dachte, entschuldigte ich mich in Gedanken bereits bei meinem Freund. Es tut mir leid, Cole, aber es gibt keinen anderen Weg. Depulso!
Der Zauber war nicht stark, aber trotzdem reichte seine Kraft aus, um Cole zwei Meter von mir fort zu schleudern. Er krachte mit dem Hintern voll auf meinen Glastisch, dessen Scheibe daraufhin mit einem lauten Knirschen zersprang. Gott sei Dank krachte er nicht durch, sodass Cole sich nicht an den Scherben schneiden konnte.
„Ich habe gesagt, hör auf“, schrie ich nun laut und begann am ganzen Körper zu zittern. Der Schock über das ganze trat jetzt im Nachhinein ein. „Aber nein, Du bist ja genauso wie jeder andere Mann und musst Dir das holen, was Du Dir in den Kopf setzt. Ich habe echt genug davon!“
Cole sah mich verdattert an, als würde ihm jetzt erst klar werden, was er da gerade eben beinahe getan hätte.
„Mimi“, flüsterte er und versuchte, sich aufzurappeln.
„Bleib, wo Du bist“, kreischte ich auf und zog meinen Zauberstab. Sicher ist sicher. „Ich werde jetzt gehen und ich möchte nicht, dass Du mir folgst. Hast Du verstanden? Ich möchte einfach nur meine Ruhe haben. Vielleicht werde ich das ganze hier irgendwann einmal als einen einmaligen Ausrutscher von Dir sehen können, aber bis dahin möchte ich einfach nur meinen Frieden.“
„Mimi, bitte, es...“
„Ich will nichts mehr von Dir hören. Ich möchte einfach nur nach Hogwarts.“
„Mimi, lass es mich erklären.“
„Da gibt es nicht zu klären. Das war einfach zu viel. Leb wohl!“
Ich warf noch einen letzten Blick auf sein trauriges, aber auch entsetztes Gesicht, dann drehte ich mich um und lief davon.

Ich hastete die Gänge entlang und über das Schlossgelände in Richtung Apparierplatz. Ich kam mir vor, als wäre ich im vollen Lauf gegen eine Wand gelaufen. Was hatte sich Cole nur dabei gedacht? Dass er versucht hatte, mich zu küssen, wollte ich ihm ja nicht einmal vorwerfen, aber dass er dann nicht aufgehört hatte, als ich zu ihm gesagt hatte, dass ich das nicht wollte... Das hatte ich nie von ihm erwartet, vor allem nicht, weil er ja wusste, was Avery, Nott und Mulciber – Severus' ach so tolle Freunde aus seiner Jugendzeit – mir einst angetan hatten. Im Endeffekt war das eben nicht einen Deut besser gewesen. Ja gut, okay, er war mir nicht richtig richtig an die Wäsche gegangen, aber einen Kuss zu erzwingen, war auch nicht die feine englische Art.
Auf dem ganzen Weg drehte ich mich immer wieder um, um zu sehen, ob Cole mir vielleicht folgte, aber er tat es Gott sei Dank nicht. Anscheinend hatte er sich meine Worte doch zu Herzen genommen. Aber trotzdem konnte ich die aufsteigende Panik nicht ganz unterdrücken. Und dann musste ich mich wahrscheinlich noch einem tobenden Severus stellen. Wie sollte ich ihm das alles nur erklären? Was sollte ich ihm sagen, wenn er mich fragte, wo ich gesteckt hatte? Und was war, wenn er wissen wollte, warum ich so durch den Wind war? Scheiße, ich wusste es nicht. Der kleine Abstecher nach Beauxbatons war vielleicht doch keine gute Idee gewesen.
Endlich, endlich, endlich erreichte ich den Apparierplatz. Er kam mir vor, als wäre er eine rettende Insel für einen Schiffbrüchigen wie mich. Ich wollte nur noch weg von hier und schnellstmöglich zu meinem Liebsten, auch wenn er noch so sauer oder krank vor Sorge war. Da musste ich jetzt eben durch. Aber alles war besser, als sich von jemandem zu einem Kuss zwingen zu lassen.
Ich warf keinen Blick mehr zurück auf das Schloss, das ich eigentlich ziemlich gerne mochte, und drehte mich auf der Stelle. Sofort hatte ich das Gefühl, als würde ich durch einen engen Gummischlauch gepresst werden, aber dieses Mal nahm ich es liebend gern in Kauf. Es brachte mich zurück zu meinem Schatz.
Als der Druck endlich nachließ, öffnete ich meine Augen und schaute auf das hell erleuchtete Schloss, das mir nun eher wie ein Zuhause vorkam als Beauxbatons. War es in Frankreich gerade einmal ein wenig dämmig gewesen, so war es hier bereits stockdunkel. Außerdem war es schweinekalt im Vergleich zu der Cote d'Azur. Ich wickelte mich fester in meinen Reiseumhang und ging dann auf das schmiedeeiserne Tor zu. Ich legte meine Hand auf das kalte Eisen und murmelte den Zauber, der mich einließ, aber gleichzeitig die Schutzzauber nicht aufhob. Eine Lehrerin zu sein hatte eindeutig seine Vorteile. Da bekam man wirklich coole Tipps und Tricks verraten, die ein Traum für jeden Unruhe stiftenden Schüler wären.
Als ich den langen Zufahrtsweg entlang lief, knirschte der Kies unter meinen Schuhen. Es war wirklich ein beruhigendes Geräusch. Bald hatte ich es geschafft. Hier konnte mich Cole vorerst nicht erreichen. Gleich war ich bei Severus, meinem Liebsten.
Stolpernd erreichte ich die Treppe – scheiß Schuhe, wirklich – und sprintete halb nach oben. Ich wollte so schnell wie möglich zu Severus. Halb rechnete ich schon damit, ihn in der Eingangshalle auf und ablaufen zu sehen, aber als ich durch das Schlossportal trat, sah ich niemanden. Das Abendessen war seit circa einer Stunde beendet und die meisten Schüler waren bereits in ihren Häusern.
Kurz überlegte ich, ob ich nicht gleich in die Kerker marschieren und Severus um Verzeihung bitten sollte, aber dann fielen mir die Einkaufstüten wieder ein, die ich in meiner Handtasche verstaut hatte. Ich hielt es für besser, die Sachen zuerst nach oben zu bringen, damit sie Severus auch ja nicht entdeckte. Das Kleid und die Dessous würde er schon noch früh genug zu sehen bekommen. Und das Bild, das in einem Kuvert ebenfalls in meiner Tasche steckte, durfte er erst recht nicht finden. Also gut, dann mache ich eben einen „kleinen“ (Guter Witz, ich weiß) Umweg über den Astronomieturm. Wenn es denn weiter nichts ist. Ich würde ohnehin schon einen derben Anschiss bekommen, weil ich in etwa zwei Stunden zu spät kam. Da machte diese Viertelstunde auch nichts mehr aus. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. So dachte ich zumindest.
Ich stieg die Marmortreppe nach oben in den siebten Stock und verfluchte dabei schon wieder einmal dieses altbackene Schloss. Ein Aufzug wäre hier wirklich eine zwingend notwendige Anschaffung gewesen. Aber nööö, das braucht man ja nicht. Machen wir doch lieber einen auf ultraaltmodisch. Wenn es weiter nichts ist. Ist doch schließlich supercool. Aber Fluchen war gut. Das lenkte mich von den Gedanken an Cole ab. Schließlich musste ich gleich meiner wütenden Fledermaus gegenüber treten, da brauchte ich einen klaren Kopf. Über das andere konnte ich morgen, wenn ich frei hatte, in Ruhe nachdenken. Jetzt hatte ich dafür keine Zeit.
Schnaufend und pustend kam ich oben an und wandte mich nach links, um nur wieder zahlreiche Gänge entlang zu rennen, damit ich endlich in mein Zimmer kam. Da hörte ich von rechts auf einmal eine vertraute Stimme.
„Das Bett danach dann krachte. Quieck, quieck, quieck.“
Oje, Peeves, der Poltergeist. Nichts wie weg hier, bevor der mich noch sieht und mich dann mit irgendeiner Scheißaktion wieder aufhält. Das konnte ich jetzt wirklich nicht gebrauchen. Wobei... Was sang er denn da für ein komisches Lied? Ein Bett, das kracht? Oje, was hatte er denn jetzt schon wieder aufgeschnappt? Na ja, vielleicht hatte er es einfach nur aus Langweile gedichtet. Ich stellte mir nämlich den Alltag eines Geistes ziemlich langweilig vor. Da existierst Du für viele Jahrhunderte und bist immer nur am gleichen Ort. Sicherlich triffst Du immer wieder neue Leute und dergleichen, aber wenn Du immer nur das gleiche siehst... Also, ich werde einmal nicht als Geist zurück auf diese Welt kehren. Ich bin lebend schon blass genug. Wie würde ich dann erst in ganz weiß und durchsichtig aussehen? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir das stand. Vielen Dank also, aber ich verzichte.
Da war sie endlich: Die steinerne Treppe, die den Turm hinauf führte. Jetzt hatte ich vielleicht noch zwanzig Stufen, dann war ich endlich da und konnte diese Schuhe ausziehen. Sie waren wirklich nicht für ewige Rennereien durch zwei Schlösser geeignet. Und für Kieswege schon gleich dreimal nicht.
Ich erreichte die Tür, die in meine Gemächer führte. Sie kam mir auf einmal so wunderschön vor wie noch nie. Ich war zuhause.
Ich zog meinen Zauberstab aus meiner Umhangtasche und wollte gerade die Schutzzauber lösen, als ich bemerkte, dass diese bereits aufgehoben worden waren. Was in drei Teufels Namen ging denn da ab? Ich war mir ziemlich sicher, dass ich die Zauber heute Morgen ausgeführt hatte (Ich bin ja schließlich nicht von gestern), aber jetzt war da nichts mehr. Keine Spur von Magie. Jemand musste hier gewesen sein und sie... Oh oh, ich ahnte schreckliches. Das konnte fast nur eines bedeuten. Severus hatte unsere Verabredung von vorhin nicht vergessen und wartete jetzt hier auf mich, um mir die Hölle heiß zu machen. Oje, das konnte etwas geben. Und dabei war ich noch nicht einmal ansatzweise ruhig. Meine Hände zitterten noch immer von dem Schock, den ich vor etwa einer halben Stunde erlebt hatte. Meine Gedanken waren immer noch nicht sortiert. Das war der denkbar ungünstigste Moment um es mit einem tobenden Rhinozeros aufzunehmen. Es gab zwei Möglichkeiten, wie ich reagieren würde, wenn Severus mich jetzt zur Schnecke machen würde: Entweder brach ich in Tränen aus oder ich schrie mindestens genauso laut zurück. Und da ich mich selbst einfach zu gut kannte, wusste ich, dass ich wahrscheinlich auf Möglichkeit 2 zurück greifen würde. Mist, das bedeutete tatsächlich Streit.
Okay, Mimi, ganz ruhig bleiben. Einmal tief durchatmen und den Kopf frei bekommen. Na siehst Du, ist doch ganz einfach.
Ha, von wegen einfach. Ich zitterte immer noch. Außerdem strengte ich jetzt, da ich einen Gast in meinen Räumlichkeiten erwartete, meine Lauscher erst recht an. Und tatsächlich hörte ich die dumpfen Schritte eines Mannes in meinem Wohnzimmer auf und ab gehen. Allein an deren Klang erkannte ich, dass mein Liebster stinksauer war. Er stampfte richtig auf, so hörte sich das zumindest an. Na toll, das hatte ich ja super hin gekriegt.
Kurz schlich sich der Gedanke in meinen Kopf, dass ich mich einfach so davon schleichen könnte, um somit der Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Aber was sollte das schon bringen? Früher oder später musste ich Severus so oder so gegenüber treten, also konnte ich das gleich jetzt auf der Stelle tun. Außerdem wollte ich kein Weichei sein, nicht schon wieder. Man hatte ja vorhin ganz eindeutig gesehn, wozu das führte. Zu riesigen Missverständnissen. Also dann, Bauch rein, Brust raus. Auf in den Kampf, Duchesse!
Ich legte sachte meine Hand auf die Türklinke, atmete noch einmal tief durch und drückte sie dann herunter.

Severus ließ mich nicht mal eine Sekunde, um den Raum richtig wahr zu nehmen. Ich erkannte nur ihn, wie er ruckartig auf Höhe meines Kamins stehen blieb und sich mir zu wandte, das Gesicht zu einer wütenden Maske verzerrt und beinahe schon scharlachrot.
„Wo zur Hölle bist Du gewesen“, brüllte er los. „Weißt Du eigentlich, wie spät es ist?“
Ich wich vor Schreck einen Schritt zurück und spürte das Holz der Tür in meinem Rücken. Oje, er war wirklich stocksauer. So hatte ich ihn noch nie erlebt und so hatte er auch noch nie geschrien, zumindest was mich anging. Sicher hatte ich ihn schon ausrasten gesehen – zum Beispiel als er mich in diesem Kellerloch gefunden hatte, wo Nott gerade dabei war, seine Jungfräulichkeit an mich zu verlieren (Bah, nicht dran denken, Mimi) – aber sein Zorn hatte damals nicht mir gegolten. Jetzt traf er mich allerdings mit voller Wucht.
„Ich... ich...“
Ich hatte keine Ahnung, wie ich darauf reagieren sollte, deshalb stotterte ich auch. Ich wollte nicht streiten, aber ich spürte bereits, wie es in mir brodelte. Immer schön ruhig bleiben, Mimi.
„Hast Du eigentlich eine Ahnung, was für Sorgen ich mir gemacht habe“, schrie er mich nun weiter an und machte keinerlei Anstalten, auf mich zu zu gehen oder mich in den Arm zu nehmen. Geschweige denn zu küssen. Aua, das tat weh!
„Es ist doch nichts passiert“, gab ich leise zurück und ballte meine Hände zu Fäusten.
„Ach ja, es ist nichts passiert? Das hätte es aber tun können. Du bist zwei Stunden zu spät.“
Und da war er wieder: Severus' heißgeliebter Konjunktiv. Den hatte er früher schon immer benutzt und mich damit mehr oder weniger in den Wahnsinn getrieben. Hätte, wäre, wenn... Himmel, man (Oder wohl eher MANN) konnte es auch übertreiben.
„Severus, bitte, ich weiß, dass ich zu spät bin“, meinte ich vorsichtig. Vielleicht brachte ihn ja meine Zurückhaltung ein wenig runter. „Das tut mir leid. Aber ich habe einfach...“
„Was hast Du? Die Zeit vergessen oder vielleicht gar unsere Verabredung? Das ist ja ganz toll, Mimi, wirklich großartig!“
„Nein, das ist es nicht. Ich...“
„Was ist es dann? Ich wünsche sofort eine Erklärung.“
„Die kriegst Du ja, wenn...“
„Wenn was, Mimi? Hör endlich auf um den heißen Brei herum zu reden. Ich will die Wahrheit wissen. AUF DER STELLE!“
„Die wüsstest Du doch schon längst, wenn Du mich endlich einmal aussprechen lassen würdest. Herrgott nochmal.“
Jetzt wurde ich auch sauer. Er führte sich hier gerade auf, als wäre er Professor Doktor Doktor Oberschlau höchstpersönlich. Als wäre ich eine seiner Schülerinnen, die er nach Lust und Laune herunter putzen konnte. Aber nicht mit mir, Freundchen. Ich bin 34 Jahre alt und eine Lehrerin genauso wie Du. Und was DU kannst, das kann ICH schon dreimal. Das sollte er doch eigentlich wissen. Außerdem hasste ich es, wenn man mich so nieder machte. Das ließ ich mir nicht gefallen.
„Sprich jetzt endlich, Mimi, sonst...“, versuchte er weiter zu donnern, doch dieses Mal war ich es, die ihn unterbrach. Zieh Dich warm an, jetzt erwacht die Französin in mir.
„Sonst was? Hetzt Du mir dann einen Fluch auf den Hals? Oder erteilst Du mir eine Strafarbeit? Nur damit wir uns richtig verstehen: Übers Knie legen lasse ich mich definitiv nicht von Dir.“
„Das ist absolut nicht witzig, Mimi.“
„Das war auch kein Witz, sondern mein voller Ernst. Ich verlange doch nur von Dir, dass Du mich ausreden lässt.“
„Dann sprich doch endlich!“
„Wie denn, wenn Du mir ständig ins Wort fällst?“
Darüber musste er ganz kurz nachdenken. Ha, Eins zu Null für mich würde ich sagen.
„Also schön“, meinte er schließlich. „Ich versuche, mich zurück zu halten, was mir aber im Moment nicht sonderlich leicht fällt. Das solltest Du wissen.“
„Ach wirklich? Das habe ich gerade eben überhaupt nicht gemerkt“, gab ich sarkastisch zurück. „Darf ich jetzt endlich Deine Frage beantworten?“
„Ich bitte darum.“
„Ich war beim Shoppen...“
„Zehn geschlagene Stunden? Das glaube ich Dir nicht, Mimi. Das kannst Du jemandem anderen erzählen, aber nicht...“
„Da, Du tust es schon wieder. Wie soll ich Dir denn erklären, was ich sonst noch alles gemacht habe, wenn Du mich ständig unterbrichst? Du hast jetzt zwei Möglichkeiten, Severus. Entweder Du lässt mich jetzt endlich ausreden oder Du verschwindest. Das war es dann mit unserem Date.“
Severus brummelte irgendetwas vor sich hin. Ihm schien das nicht wirklich zu passen, dass ich ihn vor die Wahl stellte, aber anders ging es nun einmal nicht. Schließlich verschränkte er die Arme vor der Brust und funkelte mich böse an. Ich fasste das als ein „Also schön, dann bleibe ich eben“ auf.
„Vielen Dank, wirklich sehr zuvorkommend“, sagte ich, als er nichts weiter sagte. „Also wo war ich? (Musste der denn jetzt so die Nasenlöcher blähen?) Ach ja... Also, ich war beim Einkaufen in London und habe dann noch im Geschäft meiner Mutter vorbei geschaut, um nach dem Rechten zu sehen. (Er musste ja nicht unbedingt wissen, dass ich nur da gewesen war.) Danach bin ich noch zu mir nach Hause, weil ich...“
„Was soll das heißen, Du bist zu Dir nach Hause“, unterbrach er mich schon wieder. Mann, der tieb mich noch in den Wahnsinn. „Nach Cornwall, oder was? Ich wusste gar nicht, dass Du das Haus dort immer noch hast.“
„Nein... Also, ich meine, doch, ich habe es noch, aber ich habe es vermietet. Was ich eigentlich sagen wollte, ich bin rüber an die Cote d'Azur und dann...“
„DU WARST IN FRANKREICH???“
Aua, musste er denn gleich so schreien? Mein Gehör funktionierte bestens. Es war immerhin doppelt so gut wie bei normalen Menschen.
„Ja, war ich“, gab ich zurück und zuckte mit den Schultern. „Ist das denn verboten?“
„Ob das... Sag mal, hast Du sie eigentlich noch alle? Du haust einfach so nach Frankreich ab, ohne mir etwas davon zu sagen? Was wäre gewesen, wenn Dir etwas passiert wäre? Wenn Du nicht mehr aufgetaucht wärst? Ich hätte nicht einmal eine Ahnung gehabt, wo ich Dich suchen soll. Wahrscheinlich hätte ich ganz England abgesucht, ohne eine Spur von Dir zu finden. Auf die Idee, dass Du nach...“
„Stop“, schrie ich nun laut. „Severus, jetzt reicht es aber wirklich. Du behandelst mich wie ein kleines Kind. Wie einen Deiner Schüler. Kapier es endlich: Ich bin 34 Jahre alt und kann sehr gut auf mich selbst aufpassen. Und wenn ich, verdammt nochmal, in mein Haus nach Frankreich möchte, dann appariere ich auch dorthin. Das lasse ich mir von Dir auch garantiert nicht verbieten. Ich liebe Dich, das weißt Du, aber ich habe auch noch ein eigenes Leben.“
„Das ist ja alles schön und gut, aber Du kannst nicht einfach in ein anderes Land reisen, ohne mir Bescheid zu geben. Außerdem ändert das nicht an der Tatsache, dass Du zu spät gekommen bist.“
„Dafür habe ich mich bereits entschuldigt.“
„Ja, aber...“
„Kein Aber, Severus. Ich sage es jetzt ein letztes Mal: Es tut mir leid und es wird nicht wieder vorkommen.“
Er schnaubte durch die Nase wie ein wild gewordenes Pferd, das kurz davor war durchzugehen.
„Da hast Du vollkommen recht, weil ich Dich nämlich nirgendwo mehr hingehen lasse.“
„Was?“
„Du hast mich schon richtig verstanden!“
„Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?“
Das konnte er nicht so meinen. Ich war 34 Jahre alt, Herrgott nochmal, und kein kleines Mädchen, das man unbedingt beschützen musste. Er führte sich auf wie mein Vater. Grrr, diese Eigenschaft hatte ich schon früher an Severus gehasst und anscheinend hatte er sich in dieser Beziehung kein bisschen geändert.
„Und ob ich das ernst meine, Mimi.“
„Na schön, fein. Wenn Du es so haben willst... Raus!“
Ich packte die Türklinke und riss die Tür auf. Deutlicher konnte ja man wohl nicht mehr mit dem Zaunpfahl winken.
„Was“, fragte die Fledermaus verdattert. „Du schmeißt mich raus?“
„Allerdings.“
„Mimi, nein. Bitte, ich...“
„Habe ich mich vielleicht irgendwie unmissverständlich ausgedrückt? Du sollst verschwinden. Unser Date ist hiermit gestrichen.“
„Aber warum?“
„Weil ich mich von Dir nicht bevormunden lasse.“
„Ich... ich... ich will nicht gehen. Bitte, Mimi, es tut mir leid, ehrlich!“
Er sah wirklich bekümmert drein und ich war kurz davor, klein bei zu geben. Dieser verzweifelte Gesichtsausdruck, den er mir zuwarf, war aber auch zu gemein. Ich bin ehrlich, ich wollte ja gar nicht, dass er ging, aber so ging es nun einmal nicht. Er konnte nicht so mit mir umspringen. Ich gebe es zu: Dass ich zu spät gekommen war, war wirklich nicht okay von mir. Ich konnte ja auch verstehen, dass er sich Sorgen gemacht hatte, aber dass er mich einfach hier drin einsperren wollte, nur damit mir nichts passierte... Das ging gar nicht. Und man konnte es wirklich übertreiben und das tat Severus im Moment. Doch trauriger Blick hin oder her, ich wollte ihn noch ein kleines bisschen schmoren lassen. So zwei Minuten oder so. Das hatte er nämlich eindeutig verdient.
Severus machte einen Schritt auf mich zu, doch gleichzeitig wich ich zurück und hob abwehrend die Hände.
„Wage es ja nicht, mir jetzt zu nahe zu kommen, Severus“, sagte ich und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken. „Heute hast Du eindeutig genug gesagt.“
„Aber es tut mir doch wirklich leid“, bettelte er. „Es war blöd von mir, zu sagen, dass Du das Schloss nicht mehr verlassen darfst. Bitte, Mimi...“
„Du kannst Dir die Süßholzraspelei sparen. Die zieht heute nicht.“
„Mimi...“
Er klang jetzt fast wie ein jammerndes Kind. Okay, ich musste langsam aber sicher aufhören, er litt schon fast genug. Deswegen seufzte ich theatralisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was willst Du, Severus“, fragte ich und reckte das Kinn in die Höhe.
„Ich will, dass Du mir verzeihst“, gab er zurück. „Und ich will nicht gehen müssen.“
„Was bist Du bereit, dafür zu geben?“
„Alles, wirklich.“
„Würdest Du es mir auch schriftlich geben, dass Du im Unrecht warst?“
„Natürlich, wenn ich dann bleiben darf.“
„Okay.“
Ich ging zu meinem Schreibtisch und zog die Schreibtischschublade auf, um daraus eine Feder und einen Bogen Pergament zu holen. Beides reichte ich an meinen Schatz weiter. Verdutzt schaute er mich an.
„Was soll das“, fragte er und zog seine rechte Augenbraue in die Höhe.
„Du hast gesagt, Du gibst es mir schriftlich“, erwiderte ich.
„Ich dachte, das sollte ein Scherz sein.“
„Über so etwas mache ich keine Witze, Severus. Also, wenn Du wirklich hier bleiben möchtest, dann schreibst Du jetzt folgendes auf: Ich, Severus Snape, bestätige hiermit... Na los, worauf wartest Du?“
Severus sah mich pikiert an.
„Du kannst natürlich auch gehen, wenn es Dir lieber ist.“
Er seufzte und ließ mich noch eine Sekunde lang zittern. Doch dann setzte er sich tatsächlich auf mein Sofa, legte das Blatt auf meinen Glastisch und begann zu schreiben.
„Braver Junge“, konnte ich mir nicht verkneifen. „Also... Ich, Severus Snape, bestätige hiermit, dass ich im Unrecht war und meine Freundin, Marie Lucie Duchesse, nicht hätte zurecht weißen dürfen, obwohl sie ihren Fehler eingestanden hat. Desweiteren weise ich darauf hin, dass es falsch von mir war, meiner Freundin damit zu drohen, sie nirgendwo mehr hingehen zu lassen. Ich weiß, dass sie ihr eigenes Leben führen kann und werde in Zukunft dieses und auch ihre Entscheidungen respektieren. Außerdem verspreche ich, nie wieder so einen Schwachsinn von mir zu geben. Gezeichnet Severus Snape. Vergiss das Datum bitte nicht.“
Und tatsächlich hatte Severus jedes Wort aufgeschrieben, dass ich ihm diktiert hatte. Nachdem er seine krakelige Unterschrift unten auf das Pergament gesetzt hatte, gab er es an mich zurück. Ich nahm es an mich und sperrte es in meinen Schreibtisch. Das hier würde ich noch brauchen, wenn er sich das nächste Mal wie ein vollkommen verblödeter Hornochse aufführen würde. Denn ich war mir sicher, dass das sicherlich noch einige Male passieren würde.
„Zufrieden“, wollte Severus schließlich wissen. „Darf ich jetzt bleiben?“
„Nicht ganz“, erwiderte ich und versuchte verzweifelt, ein Grinsen zu unterdrücken.
„Was willst Du denn noch?“
„Seit ich diesen Raum betreten habe, gibt es da eigentlich nur eins.“
„Und das wäre?“
„Einen Begrüßungskuss.“
Zuerst starrte mein Liebster nur ungläubig drein, doch dann kam plötzlich Leben in ihn. So etwas ließ er sich schließlich nicht zweimal sagen. Er eilte auf mich zu, nahm mich fest in den Arm und presste seine warmen, weichen Lippen lustvoll auf meine. Er zwang sie auseinander und drang mit einem leisen Stöhnen mit seiner Zunge in meinen Mundraum ein. Oh, ich liebte solche Versöhnungsküsse. Sie waren so innig und schmeckten eindeutig nach mehr.
„Du hast mir gefehlt, Mimi“, hauchte er schließlich, als er den Kuss kurz löste.
„Du mir auch“, antwortete ich ihm wahrheitsgemäß.
„Lass mich nie wieder so lange alleine.“
„Ich werde es versuchen.“
„Ich liebe Dich!“
Und bevor ich noch irgendetwas erwidern konnte, verschloss er meinen Mund erneut mit seinen Lippen.


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