
von Dilli
Überraschenderweise konnte ich in der Nacht sogar ein klein wenig schlafen. Ich hatte zwar zuerst Probleme gehabt, zur Ruhe zu kommen, aber als ich es dann geschafft hatte, ging es eigentlich. Und in den Armen meines Liebsten ging das sogar schneller als gedacht.
Als ich am Weihnachtsmorgen erwachte, schlief mein Liebster noch und so nutzte ich die Zeit, um noch schnell Coles Geschenk einzupacken. Eigentlich hatte ich ihm den magischen Terminplaner ja mit einer Eule schicken wollen, aber da mein Freund ja jetzt hier war, erübrigte sich das. Gott sei Dank hatte Severus einen Schlaf wie ein Murmeltier, sodass er nicht mitbekam, wie ich im Wohnzimmer herum hantierte. Ich hatte zwar ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Schatz gewissermaßen hinterging, aber er konnte ja wohl kaum etwas dagegen sagen, wenn ich Cole etwas schenkte. Außerdem hatte das ja wohl kaum eine Bedeutung. Das von Sev hingegen sehr wohl, aber das würde er erst später bekommen. Ich konnte ja wohl vor den Lehrern von Hogwarts schlecht in Reizwäsche herum springen. Und auch das Foto würde ich ihm erst im Raum der Wünsche geben. Zwar wussten mittlerweile alle, dass Severus und ich ein Paar waren, aber trotzdem wollte ich solch persönliche Geschenke lieber unter vier Augen mit meinem Schatz austauschen.
Nachdem ich fertig war, sprang ich schnell unter die Dusche, denn ich hatte nur noch eine Stunde Zeit, bis wir in der Großen Halle zu erscheinen hatten und Frau braucht bekanntlich ihre Zeit. Ich rasierte mir schnell die Achseln und die Beine, wusch mir die Haare und seifte mich von oben bis unten ein. Nachdem ich fertig war, trat ich aus der Dusche, trocknete zuerst meinen Körper ab und rubbelte mir dann meine langen Haare ab. Noch ein bisschen Deo und die Sprühkur, bevor ich nackt wie Gott mich schuf zurück in mein Schlafzimmer trat. Und siehe da, wer da von den Toten auferstanden war und nun auf mich wartete. Mein liebster, grummeliger Morgenmuffel höchstpersönlich. Seine Augen weiteten sich deutlich sichtbar, als ich vor ihm stehen blieb.
„Guten Morgen“, meinte ich und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln
„Oh ja, das ist er wirklich“, gab Severus zurück. „Vor allem bei diesem Anblick. Da geht ja förmlich die Sonne auf.“
Oha, Sev war in Spiellaune, aber leider hatten wir dafür jetzt keine Zeit, auch wenn ich nur zu gerne nachgegeben hätte. Was war nur in letzter Zeit mit mir los? Ich lechzte ja geradezu nach Sex, war mehr oder weniger süchtig danach. Aber wundert es irgend wen? Ich hatte ja immerhin lange genug darauf verzichtet. Und wer einmal in den Geschmack von Sevs Liebeskünsten gekommen war, der wollte gar nicht mehr damit aufhören.
„Danke für das Kompliment, Mister Snape, aber leider muss ich Ihnen sagen, dass wir jetzt keine Zeit mehr für eine Nummer haben. Wir müssen in einer dreiviertel Stunde in der Großen Halle sein und ich muss mich noch fertig machen. Und ich sage es Dir gleich: Ich habe keine Lust zu spät zu kommen.“
„Mmmmh“, grummelte er und verschränkte spielerisch beleidigt die Arme vor der Brust. „Nicht mal für fünf kurze Minütchen?“
„Die hätten wir gehabt, wenn Du nicht immer so lange schlafen würdest.“
„Es ist einfach so schön gemütlich bei Dir im Bett.“
„Tja, das ist jetzt nicht mein Problem.“
„Oh doch, Miss Duchesse, das ist es.“
„Wie meinst Du das?“
Und ehe ich es mich versehen konnte, sprang Severus aus dem Bett, packte mich und schmiss mich zurück in die Federn. Ich schrie auf und kicherte aber gleichzeitig, als ich unter im landete. Ich liebte es, wenn mein Liebster so verspielt war. Dann kam er mir immer vor wie der Junge von damals und nicht wie der fiese Professor aus den Kerkern, der er heute so oft war.
„Severus, bitte“, flehte ich, als er versucht, die Lippen auf meine zu drücken. „Wir haben wirklich keine Zeit. Du warst noch nicht einmal duschen.“
„Glaub mir, ich bin schnell.“
„Ha, seit wann denn das? Ich habe jedes Mal das Gefühl, gleich eine ganze Rettungsmannschaft losschicken zu müssen, wenn Du unter der Dusche stehst. 20 Minuten und länger. Klingelt's da bei Dir?“
„Ich meinte nicht das Duschen, Mimi.“
Er grinste lüstern.
„Sondern?“
Zur Antwort kreiste er einmal mit den Hüften und rieb dabei seine Erektion an meiner Vagina. Und schon hatte er mich. Ich schlang die Arme und Beine um Severus und zog ihn zu mir herunter.
Wir schafften es gerade noch rechtzeitig. Ja gut... Fast... Wir waren zwei Minuten zu spät dran, aber guter Sex dauert nun einmal seine Zeit. Und sich hinterher einigermaßen ordentlich her zu richten gleich zweimal.
Ich hatte es im Übrigen geschafft, Severus zu überzeugen, dass wir die Große Halle nicht gemeinsam betraten. Er hatte es mehr oder weniger hingenommen, wenn auch Zähne knirschend. Aber er hatte meine Erklärung, dass ich nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und somit eine Prügelei beim Frühstück verursachen wollte, verstanden. Also trennten wir uns am Fuße der Marmortreppe. Ich wandte mich nach links und ging noch einen kleinen Seitengang entlang, um schließlich durch die hintere Seitentür in die Halle zu gehen, während Severus den Weg durch die Flügeltüren nehmen würde.
„Guten Morgen, Mimi“, sagte Cole, der schon auf seinem Platz saß und eine Tasse Kaffee vor sich hatte. „Hast Du gut geschlafen?“
„Es war in Ordnung“, gab ich zurück und angelte mir die Kaffeekanne.
Das brauchte ich jetzt. Kaffee am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen. Außerdem musste ich so nicht so viel reden.
„Hübsch siehst Du übrigens aus.“
Ich blickte an mir herunter. Ich trug einen schwarzen Bleistiftrock und meine rote Bluse. Es war ein typisches Outfit wie ich es jedem Tag im Unterricht trug. Eigentlich fehlte nur mein Umhang. So hatte mich Cole also schon oft genug gesehen. Es konnte also nur eines bedeuten: er checkte die Lage. Oh nein! Was machte ich jetzt nur?
Um nicht unhöflich zu wirken, murmelte ich ein kleines „Danke“ und goss ein klein wenig Milch in meine Tasse. Sofort hob ich sie an meine Lippen und trank einen großen Schluck. Tat das gut.
„Ist alles in Ordnung mit Dir“, wollte Cole wissen.
„Natürlich“, antwortete ich ihm. „Wieso fragst Du?“
„Du wirkst nur so anders als noch vor ein paar Wochen. Hat es damit zu tun, dass ich Dich küssen wollte? Hör zu, Mimi, ich habe mich zwar schon dafür entschuldigt, aber trotzdem sage ich es gern noch einmal. Es tut mir leid. Ich wollte Dich zu nichts drängen. Ich wollte doch nur... Herrgott, Du hast mir doch nur so gefehlt und tust es immer noch. Jede Minute, die ich nicht mit Dir verbringen kann, ist verlorene Zeit.“
Heilige Scheiße, musste er mir das ausgerechnet jetzt und hier sagen? Wir waren immerhin in der vollbesetzten Großen Halle und keine drei Meter weg saß Minerva und beobachtete uns. Ich dankte Gott jedoch, dass Severus auf mich gehört und noch ein paar Minuten gewartet hatte, bevor er herein kam, denn sonst hätte er das ganze mitbekommen und ich hätte für nichts mehr garantieren können.
Als hätte er es jedoch mitbekommen, kam er jetzt durch die Türen geeilt und kam auf den Lehrertisch zu. Sein Blick suchte und fand den meinen und unwillkürlich breitete sich ein kleines Lächeln auf meinen Lippen aus. Meine Gedanken wanderten sofort etwa eine dreiviertel Stunde zurück, als er es mir mehr als einmal besorgt hatte. Wie er so tief in mich gestoßen war und mich mit einer Leidenschaft genommen hatte. Hmmm...
„... nicht“, riss mich Coles Stimme aus meinem Flashback.
„Wie bitte“, fragte ich zurück. Ich hatte ihm nicht wirklich zugehört. Gut, gar nicht.
„Ich sagte nur: Ich fasse es nicht.“
„Was denn?“
„Dass Du mit diesem Kerl überhaupt noch sprichst.“
„Wieso sollte ich denn nicht mit Severus sprechen?“
„Hast Du denn vergessen, was er Dir angetan hat, Mimi? Er hat Dich mit Deiner Freundin betrogen. Du selbst hast doch gesagt, dass Dich das alles heute noch quält. Du wolltest gar nicht hierher. Und jetzt... Ich verstehe Dich einfach nicht. Und ihn auch nicht. Dass er es überhaupt wagt, das Wort an Dich zu richten...“
„Cole, bitte, das ganze ist doch nun wirklich Schnee von gestern. Es ist fast achtzehn Jahre her und wir sind in der Zwischenzeit beide erwachsen geworden. Und als solche benehme ich mich auch und weiß, dass man manchmal die Vergangenheit hinter sich lassen muss. Ich könnte es ohnehin nicht mehr ändern. Außerdem hat er mir alles erklärt und...“
„Und Du kannst ihm das verzeihen? Du kannst ihm tatsächlich vergeben, dass er Dir das Herz gebrochen hat und Du daraufhin Dein ganzes Leben umgekrempelt hast? Mimi, Du hast die Liebe aufgegeben und alles getan um diesem Thema aus dem Weg zu gehen. Und das alles nur wegen ihm.“
„Das war meine eigene Entscheidung, Cole und das weißt Du auch. Severus hat damit nichts zu tun und er hat sich wirklich dafür entschuldigt.“
Mehr als einmal.
„Du bist wirklich unglaublich, Mimi. Ich könnte das nicht. Ich könnte niemanden mehr ansehen, der mich so hintergeht. (Oh oh)“
„Auch das ist meine Sache.“
„Ich meine es doch nur gut.“
„Dann halt Dich aus dieser Sache raus, denn sie geht Dich überhaupt nichts an. Es ist mein Leben.“
„Mimi, bitte verstehe mich doch. Ich will doch nur...“
„Guten Morgen, Mimi“, meinte Severus und hatte ein strahlendes Lächeln aufgesetzt.
„Guten Morgen, Severus“, entgegnete ich nicht nicht weniger fröhlich. Diese Lippen auf meiner Haut...
„Taylor“, wandte mein Liebster sich an Cole. Sein Blick sprach Bände.
„Snape“, gab dieser eiskalt zurück.
Uuuuh, diese Eiszeit würde sogar die Hölle dazu bringen, zu zu gefrieren.
„Hattest Du eine angenehme Nacht, Mimi“, wollte Sev nun von mir wissen, obwohl er genau wusste, wie die gewesen war. Klar, er hatte sie ja mit mir verbracht.
„Ja, hatte ich. Vielen Dank der Nachfrage. Wie war denn Deine?“
„Die war unbeschreiblich erholsam.“
„Das freut mich.“
„Sag mal, Mimi“, mischte sich Cole nun wieder ein und natürlich wandte ich mich zu ihm um. Er war ja immer noch mein Freund. „Hättest Du Lust, nach der Feier später mit mir eine Runde laufen zu gehen? Ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr dazu gekommen.“
Oh Joggen. Auch bei mir war es schon eine Zeit her und ich hätte zu gerne einmal wieder ein bisschen Gesellschaft dabei. Ich würde ja zu gerne, aber das Zähneknirschen neben mir hielt mich davor zurück, sofort zuzusagen. Ich warf Severus einen Blick zu. Oje, der sah nicht wirklich begeistert aus...
„Ich... ich...“, stotterte ich. „Wir werden sehen, wie lange die Party dauert und wie viel Punsch ich dann intus habe, okay?
„Ach komm schon, Mimi. Sei keine Spielverderberin. Hast Du denn schon vergessen, dass wir in Frankreich auch mit 3 Flaschen Wein im Blut noch Joggen waren?“
„Nein, aber... das schauen wir später.“
„Bitte, Mimi.“
„Cole, ich...“
„Biiiiiiiitteeeeeeee!“
„Hast Du eigentlich nicht zugehört, was sie gesagt hat“, rief Severus nun so laut, dass ich vor Schreck zusammen zuckte und mir beinahe meine Kaffeetasse aus der Hand fiel. „Oder hast Du vielleicht Tomaten in den Ohren? Sie hat gesagt, dass ihr das später sehen werdet.“
Überrascht sah ich meinen Liebsten an. Ich hatte zwar gewusst, dass es in ihm brodelte, aber ich hatte nie gedacht, dass er sich nicht im Griff haben und komplett ausrasten würde. Vor allem nicht vor allen Schülern. Außerdem hatte er mir doch versprochen, sich zurück zu halten, bis ich mit Cole gesprochen hatte. Typisch, dass er sich nicht dran hielt, ich hätte es wissen müssen.
Auch Cole schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Und was bitte geht Dich das an“, wollte er wissen und grinste ironisch.
„Ich mag es einfach nicht, wenn man einen anderen Menschen zu etwas zwingt, dass er nicht will“, entgegnete Severus und klang dabei brandgefährlich.
„Ich zwinge sie doch nicht, ich habe sie lediglich gebeten... Ach, was verteidige ich mich eigentlich? Das ist immerhin ganz alleine eine Sache zwischen Mimi und mir. Da hast Du Dich raus zu halten, Snape. Egal, ob es Dir passt oder nicht.“
„Ich werde ganz sicher nicht dabei zuschauen, wie Mimi etwas tut, das sie nicht will.“
„Ich glaube, DU hast ihr nicht richtig zugehört. Sie hat nicht gesagt, dass sie nicht WILL, denn das tut sie nämlich. So gut kenne ich sie, das kannst Du mir glauben. Sie ist immerhin meine Freundin.“
Äh, Mimi, ich glaube spätestens jetzt wäre eine gute Gelegenheit, sich einzumischen und das ganze vorzugsweise, BEVOR sich die beiden Männer zerfleischen. Außerdem schauen die Kollegen schon. Wenn Du also eine Prügelei verhindern willst, dann solltest Du jetzt endlich etwas tun.
Meine innere Stimme hatte ja so was von recht.
„Ähm, darf ich vielleicht auch mal etwas sagen“, mischte ich mich daher ein, doch keiner der beiden hörte mir zu. Typisch!
„Lass sie endlich in Ruhe“, zischte Severus bedrohlich.
„Einen Scheißdreck werde ich tun“, gab Cole nicht minder böse zurück. „DU bist derjenige, der die Finger von ihr lassen sollte. Dass Du es überhaupt noch wagst, das Wort an sie zu richten, nach allem was Du ihr angetan hast.“
„Ich werde mich jetzt garantiert nicht vor Dir rechtfertigen. Ich habe mich bei Mimi entschuldigen und sie hat mir verziehen. Ende der Durchsage. Das ist Mimis Sache und nicht Deine.“
„Aber Mimi kann...“
„Apropos Mimi“, sagte ich laut, um mir Gehör zu verschaffen. „Die im Übrigen genau zwischen euch sitzt. Ja, ganz genau, ich bin auch noch da. Also darf ich jetzt endlich auch mal meine Meinung zu der ganzen Sache sagen? Das wäre wirklich...“
„Als Lehrer solltest Du eigentlich ein bisschen mehr Geist haben“, fuhr Cole fort, Sev anzumaulen und ignorierte mich dabei komplett.
„Ja und, dann bin ich halt Lehrer“, fauchte mein Liebster ihn an. „Aber wenigstens nicht ihrer.“
„Ich doch auch nicht.“
„Aber Du warst es mal. Das ist doch so was von widerlich.“
„Hallooooo... Jungs“, versuchte ich es noch einmal. „Kann mir mal nicht endlich jemand zuhören?“
Ich wurde immer wütender. Was sollte das ganze sein? Mir fiel auf Anhieb nur eine Antwort ein: Platzhirschgehabe. Na toll! Und ich hatte gedacht, ich könnte in Ruhe meinen Kaffee genießen. Stattdessen sehnte ich mich jetzt nach dem Punsch, den es gleich auf der Party geben würde.
„Mimi wird sich nie wieder mit Dir einlassen“, rief Cole nun laut. „Nicht nachdem Du sie mir ihrer Freundin betrogen hast. Du kannst ihr ja viel erklären, aber das verzeiht sie Dir nie. Also versuch es gar nicht erst.“
„Wenn ich dazu mal etwas anmerken dürfte“, meinte ich verzweifelt, wurde aber von Severus unterbrochen.
„Ha und das willst ausgerechnet Du wissen? Ich glaube, dass Mimi viel lieber mit einem Troll in die Kiste springen würde, als sich auch nur eine Sekunde lang von einem alten Sack wie Dir betatschen zu lassen.“
„Jetzt reicht's“, brüllte ich und sprang so rasch auf, dass mein Stuhl krachend zu Boden fiel. Beide Männer starrten mich verwirrt an. „Was soll dieser Scheiß eigentlich? Ihr tut gerade so, als wäre ich gar nicht da, aber das bin ich rein zufällig. Das ist mein Leben, das ihr hier vor allen breit tretet. Ich habe die Schnauze voll.“
Ich flüchtete aus der Großen Halle. Was ich jetzt ganz dringend brauchte, war eine Zigarette. Was sollte dieser Mist? Es ist mein Leben und darüber konnte immer noch ich entscheiden, ob es den beiden Männern passte oder nicht. Aber nein, sie führten sich lieber auf wie zwei aufgeblasene Gockel. Aber nicht mit mir.
Ich war zwar schnell, aber nicht schnell genug. Ich hörte, wie mir beide Kerle hinterher riefen, doch als ich nicht reagierte, ging hinter mir die Diskussion wieder los.
„Da siehst Du, was Du angerichtet hast!“
„Ich? Das war ja wohl kaum meine Schuld. Wenn DU nicht...“
Grrrrr... Lasst mich doch bloß alle in Ruhe. Ich mag nicht mehr!
Ich ging direkt ins Lehrerzimmer und von dort aus direkt in den angrenzenden Raucherraum. In dem großen Besprechungsraum hatte man das Rauchen aufgrund der vielen Wandteppiche und anderen Kunstgegenstände verboten, dafür aber ein extra Nebenzimmer eingerichtet. Im Lehrerzimmer selbst war bereits alles für die Feier vorbereitet, aber ich ließ das alles links liegen. Das einzige, was mich interessierte, waren meine Zigaretten, die in meiner Handtasche ruhten, die ich über meiner Schulter trug.
Ich ließ mich in einen der knautschigen Sessel fallen und zündete mir mit zitternden Fingern eine Kippe an. Schon der erste Zug beruhigte mich ein wenig, aber noch spielten meine Nerven verrückt. Was hatten sich Severus und Cole nur dabei gedacht, sich in der Großen Halle beinahe zu zerfleischen und das auch noch mitten beim Frühstück? Hatten die eigentlich noch alle Eulen auf der Stange? Das konnte ja wohl echt nicht wahr sein. Vor allem, dass sie sich so laut über MICH und MEIN Leben gestritten hatten, machte mich rasend. Die einzige, die darüber Entscheidungen zu treffen hatte, war ICH und sollte so etwas noch einmal vorfallen, dann würde ich die Französin in mir raus lassen und die beiden Streithähne in der Luft zerfetzen. Ich meine, geht’s eigentlich noch? Mussten die mir denn unbedingt Weihnachten versauen? War das irgendein neues Spiel? „Ruinieren wir Mimi ihr Lieblingsfest“ oder „Hahnenkampf“ vielleicht? Aber nicht mit mir, da spiele ich nicht mit. Die werden schon sehen, was sie von ihrem bescheuerten Verhalten haben.
Da wurde auf einmal die Tür aufgestoßen und ich erwartete schon fast Cole, Severus oder vielleicht sogar beide im Türrahmen zu sehen, aber es war meine riesenhafte Chefin, die in den Salon kam.
„Puuuh“, machte sie, rümpfte die Nase und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. „Marie, wie hältst Du diesen Gestank nur aus? Und dass Du Dir dann selbst auch noch die Lungen verpestest. Das ist doch ekelhaft.“
Sie sprach im Übrigen Französisch, wie immer wenn wir alleine waren.
„Das ist immer noch ganz alleine meine Entscheidung, Olympe“, gab ich angefressen zurück. „Ich brauche das einfach und damit Schluss. Darüber werde ich jetzt auch nicht mit Dir diskutieren.“
Auf eine Standpauke oder der gleichen hatte ich jetzt wirklich keine Lust und die konnte ich auch definitiv nicht gebrauchen. Zwei Streithähne reichten mir schon, da musste ich nicht noch selbst einer werden.
„Deswegen bin ich auch gar nicht hier“, meinte sie und lächelte mich aufrichtig an. „Ich wollte Dir eigentlich nur gratulieren.“
„Hä, wieso denn das?“
„Na ja, zuerst hast Du jahrelang überhaupt keinen Kerl und dann liegen Dir gleich zwei zu Füßen. Und zwei ziemlich heiße, wenn ich das einmal so sagen darf.“
Ich stöhnte innerlich auf. Nein, nicht die auch noch. Ich wollte die Aktion beim Frühstück nicht unter die Nase gerieben bekommen. Aber das ließ sich nicht verhindern, denn wahrscheinlich war der Streit zwischen Severus und Cole schon längst das Gesprächsthema Nummer 1 bei den Lehrern und Schülern. Na super. Ich freute mich jetzt schon auf die Gerüchte, die ich beim Mittag- und Abendessen zu hören bekommen würde.
Ich sah meine Chefin einfach nur an, hilfesuchend und flehend, dass sie jetzt bitte nicht weiter darauf eingehen möge, aber natürlich nahm Olympe mal wieder überhaupt keine Rücksicht auf mich.
„Ach komm schon, Mimi, jetzt hab' Dich doch nicht so“, maßregelte sie mich und grinste. „Das ist doch toll.“
„Toll“, rief ich laut aus. Ich konnte es nicht fassen. Hatte die sie eigentlich noch alle? „Also ich kann mir wirklich schöneres vorstellen, als zwei Männer, die sich um mich streiten. Hast Du denn gar nicht mitbekommen, wie die beiden sich aufgeführt haben? Wie zwei Kleinkinder, die sich um ein Spielzeug streiten.“
„Ja, das war wirklich ein kleines bisschen übertrieben, aber sieh doch mal die ganzen Vorteile, die sich für Dich dadurch ergeben könnten.“
„Vorteile?“
„Ja klar. Die beiden würden im Moment wahrscheinlich alles dafür tun, um Deine Aufmerksamkeit zu erregen. Das könntest Du doch glatt ausnutzen.“
Sie grinste diabolisch.
„Olympe, darum geht es doch gar nicht. Ich bin nicht der Typ, der aus allem einen Nutzen ziehen will. Das einzige, was ich will, ist geliebt zu werden und mit dem Mann, den ich liebe, zusammen zu sein.“
„Und welcher von den beiden wäre das?“
„Das dürfte doch wohl klar sein.“
In diesem Moment brach mehr oder weniger das Chaos im Lehrerzimmer aus, denn alle Lehrer von Hogwarts plus Igor Karkaroff, der Schulleiter von Durmstrang, hatten anscheinend das Frühstück beendet und stürmten die Bar nebenan. Ich drückte schnell meine Kippe im Aschenbecher aus und erhob mich aus dem Sessel.
„Lass uns gehen und Weihnachten feiern“, sagte ich zu meiner Chefin / Freundin und ging an ihr vorbei ins Lehrerzimmer.
Severus und Cole standen soweit auseinander wie es der Raum zuließ und beide versuchten, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Cole lächelte mich strahlend an und winkte, während Sev mich einfach nur anfunkelte und die rechte Augenbraue hochzog.
Doch was machte ich? Ich ging zur Bar, nahm mir einen großen Becher Apfelpunsch und gesellte mich zu Minerva, die bereits bei dem gigantischen Tannenbaum stand, der im Lehrerzimmer aufgebaut worden war. Er war mit Kugeln in den Farben der Schulhäuser geschmückt, kleine Elfen umkreisten ihn und bestreuten ihn mit Kunstschnee und Glitzer. Er war wunderschön, aber mir gefielen auch die vielen Päckchen, die darunter lagen. Ich war zwar 34 Jahre alt und eigentlich sollte man meinen, dass ich mich nicht mehr wie ein kleines Kind aufführen sollte, aber überlegt doch mal selbst... GESCHENKE!!! Gibt es denn etwas schöneres als das Knistern des Papiers und das Abtasten der Schachtel, während man sich fragt, was denn darin versteckt ist? Also ich liebe diese Überraschungen und da kann man mich meinetwegen auslachen oder sonst etwas. Ich bleibe bei meinem Standpunkt. Schluss, Aus, Ende, Finito!
„Sag mal, was für ein Affenzirkus war denn das gerade beim Frühstück“, wollte nun auch Minerva wissen. „Ich war wirklich kurz davor, den beiden eins über die Rübe zu hauen, damit sie sich endlich wieder normal benehmen.“
„Hättest Du es doch bloß getan“, seufzte ich und nahm einen tiefen Zug vom Punsch. Tat das gut.
„Das beste hast Du doch verpasst. Die beiden hätten sich beinahe geprügelt, wenn Albus nicht eingeschritten wäre. Die haben sich beschimpft wie zwei Teenager. Aber was da für Ausdrücke hin und her geflogen sind... Die nehme ich lieber gar nicht erst in den Mund.“
Oh Gott, ich will sterben!
„Und das alles nur wegen mir.“
„Mach Du Dir mal keine Vorwürfe, Marie. Nur weil die beiden irgendeinen Testosteron geladenen Schub haben.“
„Aber weil ich nicht ehrlich zu Cole war, haben sie sich doch erst in die Haare gekriegt.“
„Glaub mir, das hätten sie sich auch so. Du kennst doch Severus. Der ist ein Heißsporn wie er im Buche steht. Und dazu kommt seine rasende Eifersucht.“
„Ja, ich weiß. Aber was soll ich denn jetzt tun?“
„Außer dass Du mit Taylor redest, fällt mir keine andere Lösung ein. Aber die Frage wird sein, ob der dann so einfach aufgibt. Du kennst doch die Männer, Marie. Ein Nein ist für die ein Ja und jedes 'Verpiss Dich' eine Liebeserklärung.“
„Wie recht Du doch hast.“
Leider. Wieso konnten Männer denn auch nie richtig zuhören und das ganze ernst nehmen, was Frau ihnen sagt? Nein, wir gehen lieber aufeinander los und schlagen uns gegenseitig die Köpfe ein. Und der Gewinner zieht sich anschließend aus und springt nackt um ein Feuer herum. Wie bei den Neandertalern oder Hottentotten. Gott sei Dank bestand die Weltbevölkerung aus mehr weiblichen Bewohnern, sonst hätte es verdammt schlecht ausgesehen mit der Erde.
In diesem Moment trat Dumbledore vor den wunderschönen Christbaum und lenkte mich somit kurzzeitig von meinen Problemen ab, um die ich mich später aber dringend noch kümmern musste. Oder zumindest eine Lösung finden. Und wenn ich die beiden Kerle in ein Verlies sperre und an die Wand ketten musste, aber auf noch so eine Szene hatte ich wirklich keine Lust.
„Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde“, begann der Schulleiter und lächelte dabei fast liebevoll in die Runde. „Ich freue mich sehr, dass wir uns auch in diesem Jahr wieder hier versammelt haben, um gemeinsam das Fest der Liebe zu feiern. Besonders schön ist es dabei natürlich auch, unsere mittlerweile 4 Gäste zu begrüßen: Professor Igor Karkaroff aus Durmstrang sowie Olympe Maxime, Marie Duchesse und Cole Taylor aus Beauxbatons. Vielen von euch ist Professor Taylor sicher noch bekannt, als er selbst für ein Jahr hier an der Schule unterrichtete. Deswegen freue ich mich auch ganz besonders, dass er hierher gekommen ist, um seinen Urlaub hier bei uns zu verbringen.
Aber nun zurück zu Weihnachten und dem ganzen Brimborium: leider haben wir auch in diesem Jahr nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, weil unsere lieben Schüler sonst auf die Idee kommen könnten, das Schloss in eine Millionen Stücke zu zerlegen. Und außerdem weiß ich doch, dass viele von euch darauf brennen, endlich die Geschenke aufzumachen. Also, ich würde sagen, trinken wir noch einen Schluck auf ein wunderschönes Weihnachtsfest und dann ran an den Baum. Fröhliche Weihnachten, euch allen!“
„Fröhliche Weihnachten“, sangen wir alle im Chor und prosteten uns gegenseitig zu, bevor wir schließlich den Baum stürmten.
Nein, ich stürmte nicht, sondern ging langsam zu dem kleinen Stapel Päckchen, vor dem ein Schild mit meinem Namen stand. Langsam und vorsichtig öffnete ich die Geschenke und ließ mir dabei alle Zeit der Welt um die Vorfreude noch ein bisschen zu steigern. Dabei beobachtete ich die anderen Lehrer, wie sie ihre Pakete öffneten. Minerva zum Beispiel packte gerade den Poncho mit Karomuster aus, den ich ihr geschenkt hatte. Anscheinend hatte ich dabei voll ins Schwarze getroffen, denn meine Freundin grinste mich breit an und reckte den Daumen in die Höhe.
Dann schaute ich wieder auf meinen Stapel hinunter. Die Ausbeute war bisher nicht schlecht: Eine Flasche Scotch und ein Liebesschmöker von Minerva, ein teures Parfum von Olympe und ein großes Fresspaket mit französischen Leckereien und anderen Dingen von meiner Tante. Sie wusste eben ganz genau, wie sehr mir manche Dinge fehlten, wenn ich nicht in Frankreich war. Pralinen von meinem Lieblingskonditor zum Beispiel oder das tolle Lavendelbad, das bei uns zuhause hergestellt wurde.
Nun war nur noch ein Geschenk übrig (Es bestand aus zwei länglichen Teilen) und ich vermutete, dass es nicht von meinem Liebsten war. Doch dieses Mal würde ich nicht ausrasten so wie vor 18 Jahren, denn heute wusste ich ja, dass Severus und ich später noch eine Bescherung für uns beide allein machen wollten. Wobei ich dazu nur sagen kann, dass mein Schatz lediglich wusste, dass wir uns im Raum der Wünsche treffen würden. Er war ziemlich überrascht gewesen, als ich ihm das heute morgen beim Anziehen mitgeteilt hatte. Doch auf seine Nachfrage (Gut, es war eher in einem Betteln und Flehen ausgeartet) hatte ich lediglich mit einem „Lass Dich doch einfach überraschen“ reagiert. Ein Severus Snape musste schließlich nicht alles wissen, was eine Marie Duchesse plante. Hui, der würde Augen machen. Darauf freute ich mich wirklich jetzt schon.
Also konnte es nur von Cole sein. Oje, ich hoffte mal, dass nichts allzu schlimmes dabei herauskommen würde. Severus würde ausrasten und dann konnte ich wirklich für nichts mehr garantieren.
Ich öffnete das erste der beiden Pakete. Darin war eine etwa 25 Zentimeter lange Pergamentrolle. Was darin wohl stand? Langsam und bedächtig rollte ich sie auseinander
STERNENURKUNDE
Der Stern mit dem Taufdatum vom 20.12.1994 aus dem Sternbild Großer Bär / Wagen (UMa) und den Daten
Sternenname Katalog-Nr. mag RA(2000) DECL(2000)
Alioth HR 4905 1.77 12 54 1.77 +55 57 35
wurde für Marie Lucie Duchesse von Deinem lieben Cole Ruphus Taylor auf den Namen
MICO
mit der folgenden Widmung getauft:
Dieser Stern wird Dich für immer beschützen!
Es ist nur einer unter vielen, aber er leuchtet nur für Dich.
Nein, wie süß! Cole hatte mir doch tatsächlich einen Stern geschenkt. So etwas hatte ich mir ja schon immer gewünscht. Einen Stern ganz für mich allein, der immer für mich da war. Woher hatte er das nur gewusst? Unwillkürlich musste ich lächeln, denn ich freute mich wirklich über diesen Teil des Geschenks. Schnell öffnete ich noch das zweite, da ich natürlich überhaupt nicht neugierig war. Eine rote, längliche Schachtel mit goldener Aufschrift kam zum Vorschein. Ich kannte natürlich sofort die Verpackung und das ohne das Wort 'Cartier' lesen zu müssen. Heilige Scheiße! Hatte der sie eigentlich noch alle? Ich bekam Angst, das Ding genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich wusste, dass Schmuck, den man bei Cartier kaufte, mehr als nur teuer war. Oje, Severus wird ihn umbringen, ich sah es schon deutlich vor mir.
„Gefällt es Dir“, erschrak Cole, der plötzlich hinter mir aufgetaucht war, mich beinahe zu Tode.
Ich drehte mich um. Da stand er in seiner schwarzen Anzughose und dem hellblauen Hemd, dessen oberer Knopf geöffnet war – wie immer. Cole mochte es nicht, wenn er so eingeschnürt wurde. Verdammt, woher wusste ich denn so eine Kleinigkeit? Ich schien ihn ziemlich gut zu kennen. Ich wusste nicht mal bei Sirius wie er seine Hemden trug. Wenn er denn das einmal tat, denn so viel Auswahl an Klamotten hatte er im Moment ja nicht.
Mein Herz schlug immer noch rasend schnell, weil ich so erschrocken war.
„J... j... ja, das tut es“, stotterte ich. „Danke für den Stern. Das habe ich mir schon immer gewünscht.“
„Das weiß ich“, gab er lächelnd zurück. „Aber Du hast ja den Hauptakteur noch gar nicht aufgemacht.“
„Ja, schon, aber... Cole, das ist mit Sicherheit viel zu viel. Du sollst doch nicht...“
Er legte mir den Finger auf den Mund, sodass ich nicht mehr weiter sprechen konnte. Sein Blick war so innig und brannte sich regelrecht in meine Augen.
„Ich schenke Dir aber gern etwas, Mimi. Bitte lasse mir doch diese eine Freude.“
„Aber Du hast Dich sicher in Unkosten gestürzt und ich habe Dir nur eine Kleinigkeit geschenkt. Das kommt mir einfach nicht richtig vor. Dabei habe ich ein schlechtes Gefühl.“
„Einen Terminplaner, der einen an die anstehenden Verpflichtungen erinnert, ist wirklich sehr nützlich. Den kann ich gut gebrauchen. Das war genau das richtige. Und was Dein Geschenk angeht. Glaub mir, wenn ich Dir sage, dass ich es mir leisten kann.“
„Aber...“
„Kein Aber, Mimi. Schau es Dir doch einfach einmal an.“
Ich seufzte. Ich konnte wohl kaum widersprechen. Mit zitternden Fingern öffnete ich die rote Schachtel. Ein zartes, weißgoldenes Armband mit drei schimmernden Diamanten kam zum Vorschein. Es war wirklich wunderschön und genau mein Geschmack. Das hätte ich mir selbst auch ausgesucht.
„Cole, das ist...“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. „Es ist... Es gefällt mir sehr. Danke. Aber ich kann das nicht annehmen. Es ist zu viel.“
„Keine Diskussion. Du würdest mich todunglücklich machen, wenn Du es nicht behältst.“
„Ich... ich... okay.“
Ich konnte ja wohl schlecht ein Geschenk ablehnen. Das macht man ja auch nicht, nicht einmal wenn es um die potthässliche Vase von Tante Hildegard geht. Die stellt man auch nur als Staubfänger irgendwo ganz hinten in den Schrank. Mit dem Armband war es nicht anders, auch wenn ich es liebte. Aber ich würde es niemals tragen können, denn das würde Severus nicht gut heißen. Also würde ich es in mein Schmuckkästchen legen, wo es bleiben würde – ein Erinnerungsstück an eine wunderbare Freundschaft. Gott, warum musste das nur so kompliziert sein? Ich wollte ihn nicht verlieren, aber eben als Freund und nicht als Lebenspartner.
„Komm, ich lege es Dir gleich an“, riss mich Cole aus meinen Gedanken.
„Das können wir doch später...“, versuchte ich zu widersprechen.
„Tu mir doch einfach den Gefallen.“
Wie sollte ich da 'Nein' sagen? Vor allem bei dem Blick, den er mir zuwarf. Verdammt, ich war einfach ein verfluchtes Weichei. Warum nur gab ich immer nach?
Zur Antwort hielt ich Cole meinen rechten Arm in. Er holte das Armband heraus und legte es mir um mein Handgelenk. Muss ich wirklich erwähnen, dass es wie angegossen passte? Doch mein Freund hörte nicht auf, mich zu berühren. Mit seinem Zeigefinger strich er über die dünne Haut meines Unterarms. Die feinen Härchen meines Armes stellten sich auf, aber nicht vor Erregung oder dergleichen, sondern weil es ein bisschen kitzelte.
„Chrm, chrm...“
Hastig entzog ich Cole meinen Arm und schnellte herum. Vor mir stand Severus, mein Traummann ganz in schwarz. Er schaute ziemlich böse drein, aber der Blick galt nicht mir sondern Cole. Die Ader an seiner Stirn, die immer wie wild zuckte, wenn er sauer war, tobte unter seiner Haut wie verrückt. Alarm, Alarm. Vulkan steht kurz vor dem Ausbruch. Ich sah es schon kommen: Gleich würde mein Schatz auf meinen Freund zuspringen, ihn zu Boden reißen und ihm sein Gesicht zermatschen, weil er so heftig darauf einschlug. Ich musste dringend etwas dagegen unternehmen.
„Hey“, sagte ich deshalb betont fröhlich. „Alles okay bei Dir? Gefällt Dir die Party.“
„Nicht besonders“, gab er zurück und schaute nun endlich mich an.
„War ja klar“, hörte ich Cole hinter mir flüstern, aber ich ignorierte es.
„Hast Du schöne Geschenke bekommen“, wollte ich von Sev wissen.
„Wie man es nimmt“, antwortete er immer noch bissig. „Einen Jahresvorrat an Shampoo kann man schließlich immer gebrauchen.“
„Wie meinst Du das?“
„Moody fand die Idee anscheinend ziemlich komisch und hat alle anderen dazu überredet, mir eine Flasche Shampoo zu schenken. Nur von Albus habe ich etwas anderes bekommen.“
„Oje, Du Armer. Aber sei mal ganz beruhigt. Von mir...“
Ich biss mir auf die Unterlippe, um erstens nicht zu viel zu verraten und zweitens stand Cole hinter uns und lauschte jedem noch so kleinen Wort, das Severus und ich sprachen.
„Apropos Geschenk“, meinte Severus nun deutlich ruhiger und lächelte mich an. „Ich habe da auch noch etwas für Dich.“
„Aber ich dachte...“
Ruhig, Mimi. Kein falsches Wort, solange Du Cole noch nicht die Wahrheit gesagt hast.
„Ich glaube, das Geschenk kann nicht mehr länger warten. Komm mal mit.“
Hä, was sollte das denn jetzt? Seit wann warteten Geschenke? Was hatte Severus denn jetzt schon wieder vor? Oh Gott, er würde mir jetzt aber nicht noch einmal vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag machen, oder? Das würde ich nicht überleben. Außerdem wusste ich noch immer nicht, welche Antwort ich ihm geben sollte.
Doch Severus zog mich nur ein Stück in Richtung Tür, blieb dann stehen und legte mir die Hände auf die Schultern.
„Warte hier“, sagte er nur. „Ich bin sofort zurück.“
Dann verließ er das Lehrerzimmer und ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Dabei war es auch nicht gerade hilfreich, dass alle Anwesenden mich anstarrten und sich wahrscheinlich auch fragten, was jetzt abging. Ich spitzte meine Ohren und hörte Severus mit irgendjemandem auf dem Gang reden. Doch ich hörte noch etwas anderes. Ein kleines, schnell schlagendes Herz. Was war denn das?
Doch die Antwort sollte nicht lange auf sich warten lassen, denn in diesem Moment öffnete sich erneut die Tür und mein Schatz kam mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht wieder herein. In der Hand hatte er eine Leine und daran hing... Oh mein Gott, wie süüüüüüß! Nein, das hatte er nicht getan.
Zusammen mit Severus kam noch jemand in den Raum. Ein kleiner Welpe, genauer gesagt ein Siberian Husky. Er sah aus wie ein kleines kuscheliges Wollknäuel mit weißem Bauch und dunkelgrauem, fast schwarzen Fell am Rücken. Seine Augen waren von einem strahlendem Blau wie damals die von Filou. Um den Hals hatte Severus ihm eine große dunkelblaue Schleife gebunden.
Ich war sofort hin und weg von diesem kleinen Wesen, das gerade mit wedelndem Schwänzchen auf mich zu kam. Ich kniete mich auf den Boden und hielt ihm die Hand hin, sodass er daran schnüffeln konnte.
„Mmmm, Du riechst aber lecker“, ertönte ein kleines Stimmchen in meinem Kopf. Ich zuckte zusammen, da ich schon so lange nicht mehr mit einem richtigen Hund gesprochen hatte. „Mein Name ist übrigens Balu. So hat mich meine Mami immer genannt. Die hat aber gesagt, dass ich jetzt alt genug bin um bei einer neuen Mami zu wohnen. Wie sieht es denn aus? Bist Du meine neue Mami?“
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