
von Dilli
Alles lief nach dem gleichen Schema ab.
Von links nach rechts und von rechts nach links gehen... Den Schreibtisch durchwühlen... Zur Tür trampeln... Die Hand auf die Klinke legen… Einen Blick auf die Uhr werfen... Feststellen, dass noch nicht genügend Zeit vergangen ist… Zurück zum Schreibtisch und Mimis Foto anschauen… Einmal tief seufzen… Eine Zigarette hervorkramen… Versuchen sie anzuzünden… Feststellen, dass das Feuerzeug nicht funktioniert… Fluchen wie das letzte Arschloch… Zum Regal stampfen… Zauberstab nehmen und Kippe anzünden… Diese mit sechs tiefen Zügen rauchen… Noch einen Blick auf die Uhr… Und das ganze Spiel wieder von vorne.
Wo zum Teufel steckte Mimi bloß? Sie hatte mir doch versprochen, sofort nach dem Gespräch mit dem anderen Arsch zu mir zu kommen. Sprach sie denn etwa immer noch mit ihm? Wie lange konnte denn so was dauern? Das war doch eine Sache von vielleicht fünf Minuten. Gut, sagen wir zehn, wenn meine Süße wieder einmal einen auf lieb, nett und freundlich machte. Aber sie war jetzt schon seit fast einer Stunde mit diesem Kerl unterwegs.
Ich kochte förmlich vor Wut und vor allem vor Eifersucht. Dieser Wichser wollte etwas von MEINER Freundin. Das hieß jetzt nicht, dass Mimi mein Eigentum war, aber ich packte den Gedanken einfach nicht, dass er ihr an die Wäsche wollte. Mit jedem Blick zog er sie förmlich mit den Augen aus. Wahrscheinlich stellte er sich vor, wie sie sich nackt vor ihm rekelte, während er sich einen runter holte. Bah, widerlich! Mimi ist meine Frau und nur ich allein darf sie berühren oder mir nackt vorstellen. Dieser Schleimscheißer soll sich gefälligst seine eigene Braut suchen und meine in Ruhe lassen.
Ich zog weiter meine Kreise durch mein Büro. Ich hielt das einfach nicht mehr aus. Diese Ungewissheit machte mich wahnsinnig. Wo bleibt sie nur? Gott, sie musste ihm doch nur einen kurzen Satz an den Kopf hauen. „Das wird nichts mit uns“ oder „Zieh Leine“ oder meinetwegen auch „Ich lasse mich lieber von der Fledermaus vögeln“. Wenn danach alles geklärt war, dann konnte sie mich ruhig so nennen. Das war mir scheißegal. Hauptsache ist, dass Mimi danach ganz alleine mir gehört und ich keinen Nebenbuhler mehr habe, um den ich mir Sorgen machen muss. Die letzten Stunden hatten mir schon gereicht. Vielen Dank auch, aber ich habe genug von diesem Chaos.
Wieder zum Schreibtisch und zurück… Warum verdammt nochmal war Mimi nicht von vorneherein ehrlich zu mir gewesen? Sie hätte mir doch sagen können, dass es da jemanden gab, der mehr von ihr wollte als nur Freundschaft. Vielleicht hat sie es aber auch gar nicht gewusst? Oder wollte sie mich einfach nur nicht verletzen?
Herrgott, ich war wirklich nicht der Richtige, wenn es darum ging, jemandem Vorwürfe wegen Unehrlichkeit zu machen. Immerhin hatte ich meiner Süßen auch nicht die Wahrheit über meine Vergangenheit erzählt. Sie wusste bis heute nicht, dass ich ein Todesser gewesen war und ich hoffte, dass sie das nie heraus finden würde.
Ich zog den Ärmel meines Umhangs hoch. Da war es, ganz leicht schimmerte es gräulich auf meiner Haut. Das Dunkle Mal. Ich fragte mich wie schon so häufig in der letzten Zeit, warum es wieder deutlicher wurde. Lebte der Dunkle Lord doch noch? Würde er irgendwann zurückkehren? Was sonst sollte das zu bedeuten haben? Gott sei Dank hatte ich es immer gut vor meiner Liebsten versteckt. Die wenn das sehen würde… Hilfe, das wollte ich mir lieber nicht ausmalen.
Apropos meine Liebste: Habe ich schon gesagt, dass ich hier kurz vor dem Ausrasten bin? Wenn ja, dann tut es mir leid, aber ich wiederhole es gerne noch tausend Mal. Wo ist sie nur?
Könnte es vielleicht sein, dass sie das ganze schon hinter sich gebracht hat und einfach nach oben in den Astronomieturm gerannt ist, weil sie ein bisschen Zeit für sich braucht, um herunter zu kommen? Ja, das konnte ich mir durchaus vorstellen. Vielleicht saß sie jetzt dort oben und weinte sich die Augen aus dem Kopf, weil sie sich selbst als gemeines, hinterhältiges Biest sah. Das würde ihr mal wieder ähnlich sehen. Dabei war es doch für alle Beteiligten das beste, dass sie mit der Wahrheit heraus gerückt war. Ich hoffte nur, dass sie es jetzt nicht bereute, sich für mich entschieden zu haben.
Ob sie wohl meine Hilfe braucht? Meine Zuneigung? Wollte sie mich überhaupt sehen? Das hoffte ich doch, denn immerhin war ich ihr Freund.
Wieder zum Regal und eine Zigarette anzünden. Ich saugte den Rauch ganz tief in meine Lungen und behielt ihn kurz drin, bevor ich ihn wieder ausstieß. Was sollte ich bloß machen? Ich hielt es hier unten keine Sekunde länger aus. Ich wollte endlich wissen, was mit Mimi war. Hatte sie es schon hinter sich gebracht? Ging es ihr jetzt schlecht? Ich brauchte endlich die Gewissheit, dass alles in Ordnung war. Auch noch zwischen uns. Denn wer wusste schon so genau, ob meine Kleine nicht mir die Schuld daran geben würde, wenn dieser Schwachkopf ihr die Freundschaft kündigte. Gut, in gewisser Art und Weise war ich daran schuld, aber ICH hatte Mimi nicht gezwungen, die Freundschaft zu diesem Arsch zu beenden. Nein, meinetwegen konnte sie sich gerne noch mit ihm unterhalten, wenn sie einen Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter einhielt. Doch wenn ich mitbekommen sollte, dass er sie auch nur einmal anbaggert, dann verarbeite ich ihn zu Hackfleisch. Das schwöre ich, so wahr ich Severus Snape heiße.
Ich drückte meine Kippe im Aschenbecher aus und schob meinen Zauberstab in meinen Hemdsärmel. Ich musste jetzt endlich etwas unternehmen. Ich würde jetzt 8 Stockwerke nach oben traben (Baaaah..) und schauen, ob Mimi mich brauchte oder nicht. Und dann… Dann sehen wir weiter.
Im vierten Stock war ich schon total aus der Puste. Gott, ich sollte wirklich weniger rauchen und vielleicht das eine oder andere Mal Sport treiben. Mimi hatte mir mehr als einmal angeboten, mit ihr laufen zu gehen, doch nach spätestens zwei Kilometern starb ich einen qualvollen Tod, während meine Süße noch immer ganz locker und lässig neben mir her joggte. Wie sie das schaffte, war mir wirklich ein Rätsel. Aber sie war nun einmal in Topform und ich liebte es. Ihrem Körper hatte es jedenfalls nicht geschadet, ganz im Gegenteil sogar. Sie hatte Beine wie ein junges Reh: lang und muskulös. Ich liebte es, wenn sie sie nach oben streckte, während ich sie nahm. So konnte ich viel tiefer in sie eindringen.
Plötzlich hörte ich ein ganz komisches Geräusch. Es klang so, als hätte sich Filchs dämliche Katze ihren Schwanz irgendwo eingeklemmt. Es war so ein jämmerliches Gejaule und Gefiepe. Ich wollte schon weiter gehen. Sollte dieses blöde Mistvieh ruhig weiter jammern, das ging mir doch am Arsch vorbei. Das einzige, was man mit diesem Staubwedel anfangen konnte, war, ihr einen riesigen Arschtritt zu verpassen, dass sie auf den Mond oder sonst wohin flog.
Doch da ertönte plötzlich ein kleines Bellen. Nanu, seit wann konnten Katzen denn bellen? Hatte wieder irgendein Schüler das stinkige Vieh verhext? Wäre ja nicht das erste Mal. Bei solchen Aktionen war ich dann prinzipiell blind. Warum eine Strafarbeit erteilen, wenn ich so etwas am liebsten selbst gebracht hätte?
Aber dann sah ich auf einmal etwas ganz kleines den Gang entlang auf mich zu kommen, ein schwarz weißes Wollknäuel mit blauen Augen. Er wedelte fröhlich mit dem Schwanz und sprang immer wieder an meinem Bein nach oben, seine Zunge hing seitlich aus seinem Maul.
„Balu, Du kleiner Racker“, meinte ich und hob ihn hoch. Er schleckte mir einmal übers komplette Gesicht. Iiiih, na vielen Dank auch. Ich hab Dich auch total lieb. „Was machst Du denn hier? Wo hast Du denn Deine Mama gelassen?“
Wau wau…
Ja, genau, weil ich das ja so gut verstehe. Ich bin doch nicht, Mimi. Himmel, mit Filou war das viel einfacher. Der war schon älter und hat verstanden, was ich von ihm wollte. Ich glaube kaum, dass ein 8 Wochen alter Welpe schon checkt, wenn ich ihm sage „Belle zweimal für Ja“.
Ich bekam ein ganz komisches Gefühl. Warum ließ Mimi den Kleinen einfach so alleine durch die Gegend laufen? Das passte so gar nicht zu ihr. Irgendetwas stimmte da nicht. Oh Gott… Mimi würde doch nicht etwa in Schwierigkeiten stecken? Was ist, wenn dieser schmierige Typ… Oh Gott, oh Gott, ich will gar nicht daran denken. Ich muss ihr helfen und zwar schnell.
Ich presste den kleinen Hund fest an mich und sprintete so schnell wie es ging die Treppen nach oben. Meine Lungen brüllten und drohten zu zerplatzen, aber ich ignorierte es. Das war wirklich nicht wichtig. Meine Süße brauchte jetzt meine Hilfe. Ich war mir sicher, dass Taylor versuchte, ihr an die Wäsche zu gehen. Das musste ich um alles in der Welt verhindern. Das ist mein Mädchen und kein anderer darf sie anfassen. Und wenn er es doch versucht, dann stirbt er. Auf der Stelle.
Oben angekommen fand ich die Tür mit Schutzzaubern verriegelt vor, aber das musste ja nichts heißen. Das konnte man auch von innen tun. Und dieser Arsch war immerhin ein ehemaliger Auror, der konnte so was schon dreimal.
Schnell zog ich meinen Zauberstab und löste die Zauber, indem ich meinen Stab auf die Türklinke richtete und die Gegenformeln dachte. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, doch dann sprang die Tür auf. Ich stürmte sofort hinein.
„Mimi?“
Im Büro war keiner, also rannte ich weiter ins Schlafzimmer. Ich schmiss mich gegen die Tür und fiel beinahe auf die Fresse, als sie aufging. Ich erfasste den Raum mit einem Blick. Keine Mimi, kein Taylor. Das war schon mal gut. Auch, dass alles so aussah wie heute Morgen. Meine Klamotten von gestern Abend lagen sogar noch auf dem Stuhl neben dem Bett, was bedeutete, dass Mimi mich nicht verstecken wollte oder dass ich ihr peinlich war. Unwillkürlich stieß ich die Luft aus, die ich angehalten hatte.
Blieb jedoch die Frage, wo Mimi dann steckte, wenn sie nicht hier in ihren Räumlichkeiten war. War sie immer noch mit diesem Widerling spazieren oder waren sie…
Seine Gemächer! Scheiße, die waren in den Kerkern, nicht weit von meinen eigenen entfernt. Severus Snape, Du Riesenrindvieh! Wieso hast Du nicht gleich daran gedacht? Wenn die beiden auf den Ländereien gewesen waren, dann war es doch viel leichter, sie nach unten zu verschleppen, als sie die ganzen 8 Stockwerke nach oben zu tragen. Du bist ja so ein Vollidiot! Jetzt musst Du wieder durch das ganze Schloss laufen und das nur, weil Du nicht gleich Dein Gehirn benutzt hast. Himmel, das kostete mich wertvolle Minuten.
„Komm Balu“, rief ich dem Kleinen zu, als ich schon wieder aus Mimis Gemächern stürmte. „Komm mit. Wir suchen jetzt Deine Mama!“
Er bellte einmal kurz auf und watschelte dann hinter mir her.
Der Weg kam mir ewig lang vor und Balu war mir einfach zu langsam. Am liebsten hätte ich ihn einfach stehen gelassen und wäre voraus gerannt, aber jedes Mal, wenn ich mich weiter als zehn Meter von ihm entfernte, fing er an zu winseln. Irgendwann wurde es mir zu doof und ich nahm ihm wieder auf den Arm, um so schnell wie möglich zu meiner Liebsten zu kommen. Irgendwie hatte ich ein blödes Gefühl in der Magengegend. Etwas stimmte hier nicht, ganz und gar nicht.
Und ich sollte recht behalten, denn als ich im zweiten Stock ankam, drang ein wütendes Geschrei von der Eingangshalle herauf. Es war nicht Mimi, denn die Stimme war männlich, aber ich meinte zu erkennen, dass es sich um die von Taylor handelte.
„Scheiße“, flüsterte ich und rannte weiter die Treppe nach unten.
Meine Süße steckte also doch in Schwierigkeiten, nur nicht so, wie ich gedacht hatte. Trotzdem hatte ich Angst. Ich wusste zwar, dass Mimi eine brillante Hexe war und sich durchaus zu verteidigen wusste, aber wer wusste schon so genau, zu welch fiesen Tricks dieses Arschloch greifen würde. Meine Süße brauchte mich jetzt. Ich musste sie beschützen, koste es, was es wolle.
Immer zwei Stufen auf einmal nehmend sprang ich nach unten. Das Geschrei wurde immer lauter und es drangen auch einzelne Wortfetzen zu mir nach oben, aber ich achtete nicht darauf, was der Vollidiot brüllte, denn ich hatte nur Mimis Rettung im Sinn.
Schlitternd kam ich vor den letzten Stufen zum Stehen. Mir bot sich ein furchtbares Bild. Der Dreckskerl hatte meine Freundin gepackt und hielt sie fest wie ein Schraubstock. Mimi selbst zitterte am ganzen Körper, aber ihren Gesichtsausdruck konnte ich nicht sehen, da sie mit dem Rücken zu mir stand.
„Ich liebe Dich, Mimi“, sagte dieses Vollblutarschloch doch tatsächlich zu MEINER Freundin. Na warte, Du elendes Schwein, Dir zeige ich's. „So sehr… Und ich will Dich, schon seit dem ersten Tag in Beauxbatons. Wie Du da standest… In diesem sexy Hosenanzug… Und wie Du mich angelächelt hast… Mein Herz war sofort verloren. Also bitte… Lass mich Dich küssen. Nur dieses eine Mal. Stoße mich nicht von Dir. Bitte...“
Ich war fuchsteufelswild. Wie konnte dieser Wichser es wagen, so etwas zu MEINER Mimi zu sagen?
Doch das schlimmste sollte noch kommen, denn kaum hatte er geendet, zog dieser Widerling Mimi an sich und presste seine Lippen auf ihre. Ich erkannte deutlich, wie er seine ekelhafte Zunge in ihren Hals schob.
Das konnte doch jetzt echt nicht wahr sein. Dieses Arschloch küsste und betatschte MEINE Freundin. Seine Hände wanderten nämlich gerade gefährlich weit gen Süden. Ich sah dunkelrot und handelte, ohne großartig nachzudenken. Balu entglitt meinen Händen und landete zu meinen Füßen. Blitzschnell zog ich meinen Zauberstab und zielte damit auf meinen Feind. Ich dachte mit aller Macht „Depulso“ und sah zufrieden, wie es ihn von Mimi weg und gegen die hinter ihm liegende Wand schleuderte. Ich bebte vor Wut und fing automatisch an zu brüllen.
„Nimm gefälligst Deine Dreckspfoten von meiner Frau!“
Ja, ich weiß, dass Mimi noch nicht meine Frau war und dass sie auch meinen Antrag noch nicht angenommen hatte, aber scheiß doch drauf. Wir waren zusammen, also gehörte sie zu mir. Punkt, Schluss, Aus, Ende!
Leider hatte ich Taylor nicht ernsthaft verletzt, denn er rappelte sich sofort wieder auf und zog ebenfalls seinen Zauberstab. Ich schwang meinen eigenen erneut und schickte einen Fluch in seine Richtung. Ich wollte ihn am Boden liegen sehen. Doch der Wichser war gut. Er lenkte den blauen Lichtblitz gekonnt ab und funkelte mich böse an.
Schnell rannte ich die Treppe hinab und stellte mich vor Mimi. Ich musste sie aus der Schusslinie bringen, denn ich wusste, dass sie sich nur zu gerne einmischen würde. Doch das hier war eine Sache zwischen ihm und mir. Einer von uns beiden würde untergehen und ich wusste, dass das nicht ich sein würde.
Ich nahm meine Kampfposition ein und machte mich bereit. Für Mimi!
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Der blaue Lichtblitz raste direkt auf Cole zu, doch der schaffte es, ihn mit einem Wisch seines Zauberstabs gekonnt abzulenken. Doch mehr bekam ich nicht mehr mit, denn in diesem Moment stellte sich Severus schützend vor mich. Er schirmte mich vor Coles Blicken ab.
Das war ja wieder mal so was von klar. Klein Mimi musste man ja wieder mal wie ein Kleinkind behandeln. Wobei Sev dieses Mal jedes Recht der Welt hatte, wütend zu sein. Immerhin hatte er gesehen, wie mich ein anderer Mann geküsst hatte. Doch trotzdem musste ich etwas unternehmen, denn ich wusste nur zu gut, wie sehr mein Liebster ausrasten konnte. Er würde Cole am liebsten in der Luft zerreißen oder ihn zu Pastete verarbeiten. Sein Feind musste am Boden liegen und bluten wie ein abgestochenes Schwein, erst dann würde er sich zufrieden geben.
Doch das konnte ich nicht zulassen. Cole war immer noch mein Freund, auch wenn er mich gegen meinen Willen angefasst und geküsst hatte. Das war nicht richtig, das wusste ich selbst, aber das war noch lange kein Grund, ein zweifellos tödliches Duell anzufangen.
Deswegen legte ich meinem Schatz schnell die Hände auf die Schultern und versuchte ihn weg zu ziehen. Aber es war sinnlos, er rührte sich keinen Millimeter.
„Severus, bitte“, flehte ich ihn an. „Bitte, mein Schatz, lass es sein. Jetzt zu kämpfen ist doch Quatsch. Er hat Scheiße gebaut, ja, aber das ist noch lange kein Grund…“
„Tu mir einen Gefallen, Mimi, und halt die Klappe“, fuhr er mich an. Na vielen Dank auch. Heute wieder Freundlichkeitspillen zu sich genommen, Mister Snape? „Dieser Wichser hat Dir einfach so seine Zunge in den Hals gesteckt. Darüber kann und will ich nicht hinwegsehen.“
Das war so typisch meine Fledermaus. Habe ich es nicht gesagt? Rache bis aufs Blut.
„Doch, Du kannst. Komm, lass uns nach oben gehen und...“
„Wenn Du glaubst, dass mir jetzt irgendwelche Geschenke oder gar Sex helfen werden, das zu vergessen, dann hast Du Dich geschnitten, Mimi. Und jetzt lass mich endlich dieses Arschloch fertig machen.“
Ich war so perplex über seine Worte, dass ich zu keiner Handlung fähig war und so musste ich mit ansehen, wie die beiden langsam anfingen sich zu umkreisen. An mich dachte keiner mehr von den beiden. Sie hatten nur noch Augen füreinander. Wie auch schon beim Frühstück führten sie sich auf wie bei den Hottentotten.
„Ich habe Dich gewarnt“, zischte Sev und klang dabei so bedrohlich wie eine Giftschlange, die ihre Beute hypnotisierte. „Ich habe Dir heute Morgen schon gesagt, dass Du Mimi in Ruhe lassen sollst. Und jetzt weißt Du auch endlich warum. Sie gehört mir.“
„Dir? Dass ich nicht lache“, gab Cole nicht minder böse funkelnd zurück. „Du hast diese Wahnsinnsfrau doch gar nicht verdient, nach allem, was Du ihr angetan hast.“
„Du wiederholst Dich, Taylor, aber ich kann Dir gerne das gleiche wie vorhin auch schon sagen: Diese Entscheidung musst Du schön ihr selbst überlassen. Aber sie hat sie ja bereits getroffen und zwar für MICH und nicht für Dich.“
„Ja, weil Du ihr wahrscheinlich irgendwelche Märchen aufgetischt hast, auf die sie so blöd war herein zu fallen. (Wie bitte? Ich und blöd? Das sind 2 Wörter, die definitiv nicht in einen Satz gehören!) Aber noch habe ich eine Chance. Irgendwann wird Mimi einsehen, dass Du sie nur ins Bett kriegen wolltest und dann werde ich da sein und sie trösten.“
„Hey Jungs, jetzt lasst doch mal den Scheiß“, versuchte ich mich einzumischen, aber sie hörten nicht auf mich. Warum auch? Bin ja bloß ich.
„Darauf kannst Du lange warten,“ meinte mein Schatz, „denn ob Du es glaubst oder nicht, aber ich liebe Mimi und ich werde ihr nicht noch einmal so weh tun wie damals. Wobei ich auch dafür nichts konnte, aber das geht Dich einen verfluchten Scheißdreck an.“
„Weißt Du, Mimi mag Dir diesen Schwachsinn vielleicht abkaufen, aber ich weiß es besser. Du hast es doch genossen, mit Lilly zu vögeln. Sei ein Mann und gib es wenigstens jetzt zu, Snape. Wie war es denn, Deinen Schwanz in ihr zu versenken? Hat sich geil angefühlt, oder?“
„Cole“, schrie ich laut auf.
Das war ja wohl das Allerletzte. Wieso fing er jetzt wieder damit an? Wollte er mich absichtlich verletzen, oder was? Ich hatte diese Szene erfolgreich aus meinem Gedächtnis verdrängt, doch jetzt hatte ich die Bilder natürlich wieder vor Augen. Danke Cole! Jetzt werde ich sicher wieder Albträume haben. Und wenn Du denkst, dass ich dann zu Dir komme, dann hast Du Dich getäuscht. Severus ist derjenige, der mich trösten wird und… Wobei… Er hat Lilly mit diesen Händen berührt. Scheiße, ich weiß überhaupt nichts mehr!
Severus' Blick durchbohrte Cole quasi mit Giftpfeilen, doch dann lächelte er triumphierend. Oh oh, diesen Blick kannte ich. Was hatte er denn jetzt schon wieder vor?
„Nicht halb so geil wie ihn in Mimi zu stecken, das kannst Du mir glauben.“
„SEVERUS!!!“
Das hatte er jetzt nicht gesagt, oder? Wie konnte er es wagen? Das war immerhin unsere Privatsache. Die musste man nicht vor meinem Freund breit treten. Ich ging doch auch nicht zu Minerva und sagte, dass Sevs Schwanz so geil ist. (Das ist er, mal ganz nebenbei bemerkt…) Wobei sie im Rausch danach gefragt hatte, doch ein lautes „Minerva“ hatte sie wieder auf die richtige Spur gebracht.
Boah, wenn mir mein so genannter Schatz heute Abend in die Finger kommt, dann kann er aber was erleben. Den bestrafe ich mit Sexentzug und lasse ihn erst wieder ran, wenn er eingesehen hat, dass er sich wie ein absolutes Machoschwein benommen hat. Also bitte, so etwas geht wirklich gar nicht!!!
Jetzt war es Cole, der wütend drein schaute. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Mir gefiel auch die Tatsache nicht, dass sein Stabarm gerade gefährlich gezuckt hatte.
„Na, Du bist aber ein netter Freund“, meinte er und warf dabei einen Seitenblick zu mir. „Sexuelle Details mit Deiner Freundin auszupacken, die hier genau neben uns steht. Du bist wirklich ein wahrer Gentleman, Snape, das kann man nicht leugnen.“
„Du bist doch nur eifersüchtig, weil Du nie in den Genuss davon kommen wirst.“
„So ihr Zwei“, versuchte ich es erneut. „Jetzt reicht es aber langsam. Hört endlich auf über mein Sexualleben zu diskutieren, denn das geht keinen etwas an.“
„Mich sehr wohl“, fuhr Severus dazwischen.
„Schnauze, Snape“, zischte Cole. „Das will ich gar nicht hören.“
„Ihr haltet jetzt beide die Klappe“, rief ich laut und machte einen Schritt auf die beiden zu. „Wir sind doch hier nicht im Kindergarten, wo man sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf haut und dann später heulend zur Mama rennt.“
„Aber er hat...“
„Severus, das interessiert mich jetzt nicht. Steckt die Zauberstäbe weg und dann ist Schluss.“
„Halt Du Dich einfach da raus“, schleuderte Cole nun in meine Richtung. „Das ist eine Sache zwischen ihm und mir. Geh nach oben in Deinen Turm und dann komme ich später nach oben und berichte Dir, wie ich Deinen Schnucki fertig gemacht habe.“
„COLE!“
„Du und mich fertig machen“, lachte Severus nun laut. „Der war gut. Aber mal ganz abgesehen davon: Du hast bei Mimi nichts zu suchen. Dort werde nämlich ich sein.“
„Wie denn, wenn Du im Krankenflügel liegst?“
„Hört doch jetzt endlich mal auf!“
„Klappe, Mimi!“ Danke Schatz!
„Hör auf, so mit ihr zu reden. Himmel Herrgott, so spricht man doch nicht mit der Frau, die man angeblich liebt. So etwas lässt Du Dir gefallen, Mimi? Ich fasse es ja nicht.“
„Na ja, ich...“
„Was heißt hier denn angeblich? Ich liebe sie, ob es Dir passt oder nicht. Ich habe sie sogar gefragt, ob sie mich heiraten will. Na, da staunst Du, was?“
Cole schaute einmal von Severus zu mir und wieder zurück. Ich spürte deutlich seinen Blick auf meinem linken Ringfinger ruhen, doch da war nichts, was es zu sehen gab. Kein wunderschöner Ring funkelte da, weil ich nicht in der Lage gewesen war, meinem Liebsten eine Antwort zu geben. Da fing Cole schallend an zu lachen. Ich glaubte sogar, Tränen in seinen Augen zu sehen, aber ich war mir nicht ganz sicher.
„Du hast sie gefragt, das vielleicht schon“, japste er. „Aber ich sehe keinen Ring an ihrem Finger, was wiederum bedeutet, dass sie Deinen Antrag nicht angenommen hat. Klar, warum sollte sie denn auch? Wer will schon den Rest seines Lebens mit Dir verbringen? Da schaufelt man sich doch gleich sein eigenes Grab oder landet in der Geschlossenen von St. Mungo.“
„Halt die Fresse“, schrie nun mein Liebster und riss seinen Zauberstab in die Höhe.
„Severus, nein“, rief ich dazwischen. „Cole, hör zu, misch Du Dich da nicht ein. Das ist eine Sache zwischen Sev und mir. Und die geht Dich überhaupt nichts an. Du bist mein Freund, ja, aber es ist mein Leben und ich entscheide, was ich damit anfange und was nicht.“
„Oh, ich mische mich ja gar nicht ein, Mimi. Du hast bereits selbst eine Entscheidung getroffen und das war die vollkommen richtige. Ich meine, wer will schon mit einem Mann zusammen sein, der ein totaler Versager ist und der in seinem Leben nichts zustande gebracht hat, außer seine Schüler zu quälen? Das einzige, was er kann, ist anderen Leuten weh zu tun und zu saufen. Und nicht zu vergessen, Geheimnisse für sich zu behalten und zu lügen. Ist es nicht so, Snape?“
Ich sah zwischen den beiden hin und her. Was ging denn jetzt ab? Wovon sprach Cole da? Geheimnisse? Lügen? Könnte mich mal jemand aufklären?
„Was meinst Du damit, Cole“, wollte ich wissen.
„Ich hab Dir doch gesagt, Du sollst Du Fresse halten, Taylor!“
Täuschte ich mich oder klang mein Schatz auf einmal ziemlich panisch? Sein sonst so ruhiger Zauberstabarm zitterte ganz leicht. Irgendetwas stimmte da nicht.
„Hmmm“, machte Cole und kratzte sich am Kinn. „Soll das etwa heißen, dass Du Mimi gar nichts erzählt hast? Oh, oh,oh, böser Severus, schäm' Dich!“
„Wovon erzählt?“
„Überleg' doch mal, Mimi. Du kommst sicher...“
„AAAAAAAAAAAH!“
Severus peitschte mit seinem Zauberstab durch die Luft und erneut flog ein Lichtblitz durch die Luft auf Cole zu, dieses Mal ein lilafarbener. Mein Schatz hatte die Beherrschung verloren und den Fluch abgeschossen, den Cole Gott sei Dank wieder ablenken konnte.
„Severus, hör auf“, kreischte ich laut.
Aber es half alles nichts. Wer musste schon auf seine Freundin hören? Das brauchen wir doch nicht. Wir führen uns lieber wie ein kompletter Vollidiot auf.
„Halt Du Dich da raus, Mimi“, meinte er nur kalt. „Ich mache diesen Wichser jetzt ein für alle mal fertig.“
„Na, da bin ich aber mal gespannt“, gab Cole zurück und hob nun auch seinen Zauberstab.
„Fresse, Du alter Sack!“
„Ich geb' Dir gleich alt!“
Aus beiden Stäben drang ein Lichtblitz. Sie rasten auf den Gegner zu.
„NEIN!“
Oh Gott, ich glaube, ich träume. Das kann einfach nicht die Realität sein. In wenigen Augenblicken werde ich die Augen aufschlagen und feststellen, dass ich in meinem kuscheligen Bett im Astronomieturm liege und mich ganz fest an Severus gekuschelt habe. Es konnte einfach nicht sein, dass die zwei wichtigsten Männer in meinem Leben (Sirius einmal ausgenommen) sich gegenüber standen und wild mit Flüchen um sich ballerten.
Ja waren die denn verrückt geworden? Oder von allen guten Geistern verlassen? Den beiden gehört aber so was von der Hintern versohlt und das am besten mitten in der Großen Halle vor der versammelten Schülerschaft.
„AUFHÖREN“, schrie ich laut, aber ich stieß auf taube Ohren.
Immer mehr Lichtblitze schossen zwischen den beiden hin und her. Sie bewegten ihre Waffen so schnell, dass man sie fast gar nicht mehr sehen konnte. Ich konnte auch nicht erkennen, wer von beiden die Oberhand hatte und ich wusste auch nicht, um wen ich mir jetzt mehr Sorgen machen sollte. Beide waren hervorragende Duellanten, wie ich wusste. Cole war ein ehemaliger Auror und als solcher musste er Flüche drauf haben, die ein normaler Zauber nicht in seinen dunkelsten Träumen anwenden würde. Und Severus hatte ich schon kämpfen sehen. Er war schon als Sechzehnjähriger hervorragend gewesen und wie ich sah, hatte er sich sogar noch verbessert. Um wen sollte ich also mehr Angst haben? Um meinen Freund oder um die Liebe meines Lebens? Um beide natürlich! Herrgott, die sollten überhaupt nicht kämpfen, sondern diesen Schwachsinn einfach sein lassen. Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten oder wie? Zumindest kam es mir so vor wie ein Streit zwischen zwei Kleinkindern, die das schönste Spielzeug für sich haben wollten. Nur dass es sich bei diesem Spielzeug um eine Frau mit Gefühlen handelte.
„Sag mal, spinnt ihr jetzt komplett? Lasst endlich diese Scheiße!“
„Mimi, halt Dich jetzt endlich da raus!“
Das war ja wieder mal so was von klar gewesen, dass Severus mich blöd anmaulte. Das machte er ziemlich gerne, wenn er hochkonzentriert oder stinksauer war. Und im Moment traf bei ihm beides zu.
„Sag Du ihr nicht, was sie tun soll“, rief Cole und schoss einen Fluch auf Severus ab. „Sie ist alt genug, um für sich selbst zu sprechen und ihre eigene Entscheidungen zu treffen.“
„Sagt derjenige, der kämpft wie eine lahme Ente. Was ist los mit Dir, Taylor? Zwickt es schon im Rücken? Oder bekommst Du keinen mehr hoch? Bei deinem Alter wäre das ja auch kein Wunder!“
„Ich bin weder alt noch habe ich irgendwelche Probleme da unten. Soll ich es an Mimi einmal demonstrieren? (Bitte WAAAAS?) Können wir gerne machen.“
„Cole, Severus, es REICHT jetzt!“
Doch wieder hörten sie nicht. Typisch Männer! Schlagen wir uns doch gegenseitig die Köpfe ein und ziehen uns anschließend aus und springen dann nackt um ein Feuer herum. Wie in der Steinzeit. Das kann es echt nicht sein.
Äääähm… Mimi? Ich will mich ja nicht großartig einmischen, aber willst Du nicht langsam aber sicher etwas UNTERNEHMEN? Und zwar BEVOR die sich noch in Jenseits schicken.
Meine innere Stimme! Gott sei Dank ist wenigstens die noch bei klarem Verstand, denn ich war es nicht. Ich hatte keine Ahnung gehabt, was ich tun sollte. Doch sie hatte mir die Augen geöffnet.
Schnell zog ich meinen eigenen Zauberstab aus dem Ärmel meines Reiseumhangs und zielte auf die zwei Streithähne. Doch was sollte ich tun? Einen von ihnen entwaffnen? Beide an der Decke aufhängen und bis zum Abendessen nicht mehr runter lassen? Sie in zwei Vibratoren verwandeln und mich dann mit ihnen vergnügen?
Mimi, ein bisschen mehr Ernst, bitte! Die beiden zerfleischen sich gerade vor Deinen Augen und Du denkst wieder nur an das eine. Wach endlich auf, Mädchen, und tu etwas! Scheißegal was!!!
Ich ließ meinen Zauberstab in Richtung Cole wandern, zögerte aber. War es richtig, ihn zu entwaffnen oder ihm einen Fluch in den Rücken zu jagen? Würde Severus die Situation nicht ausnutzen und meinen Freund ernsthaft verletzten? Wäre es da nicht besser, Severus zu verfluchen? Mein Zauberstab zielte nun auf meinen Schatz, doch auch das kam mir nicht richtig vor. Meine Hand begann zu zittern.
Was sollte ich nur tun? Noch immer flogen zahlreiche Lichtblitze hin und her und es war nur eine Frage der Zeit, bis einer davon sein Ziel treffen würde. Es war zum verrückt werden. Wieso mussten sich die beiden auch so dämlich aufführen?
Doch plötzlich wurde mir die Entscheidung mehr oder weniger abgenommen, denn nun führten die beiden gleichzeitig einen Zauber aus. Ich handelte, ohne großartig zu überlegen, denn keiner von den beiden konnte sich so verteidigen und das konnte und wollte ich nicht zulassen.
Aus diesem Grund riss ich meinen Arm in die Höhe und schrie ganz laut: „Protego!“
Gerade noch rechtzeitig breitete sich der riesige Schild zwischen den beiden Kampfhähnen aus. Aber mit was ich nicht gerechnet hatte, war die Kraft, mit der die beiden Flüche darauf prallen würde.
Es gab einen lauten Knall und mein Schild explodierte. Die Druckwelle, die daraufhin entstand, riss mich von den Füßen und schleuderte mich an die hintere Wand. Ich krachte mit voller Wucht dagegen und schlug ziemlich hart mit dem Kopf auf. Noch bevor ich auf dem Boden knallte, umfing mich Dunkelheit.
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BUUUUUUMMMMMMMMMM…
Ich hatte den Sectumsempra in Richtung dieses Arschlochs geschleudert, doch er sollte sein Ziel leider nie erreichen. Dabei hätte ich diesem Widerling zu gerne ein Stück seines Körpers abgetrennt. Doch es kam ganz anders, denn der türkisfarbene Lichtstrahl prallte gegen eine unsichtbare Mauer und plötzlich explodierte die Luft um uns herum. Die Kraft, die dies mit sich brachte, ließ mich taumeln und ein paar Schritte rückwärts wanken. Mir gegenüber sah ich, wie es Taylor genauso erging.
Was zur Hölle war passiert? Doch ich wusste es schon, bevor ich einen Blick zu meiner Süßen warf. Sie hatte diesem Kampf nicht mehr mit ansehen können und hatte sich wieder einmal eingemischt. Hörte die denn nie auf mich? Gott, es war zum aus der Haut fahren. Irgendwann würde sie mich mit dieser Eigenschaft noch in den Wahnsinn treiben.
Ich wandte mich ihr zu und wollte gerade anfangen, ihr gehörig die Meinung zu geigen, als ich stutzte. Wo war sie denn hin? Sie war doch noch eben dort bei der Treppe gestanden. Doch jetzt… Und dann sah ich sie. Sie lag an der Wand links von mir und schien ohnmächtig zu sein. Scheiße!
„Mimi“, schrie ich laut auf, gleichzeitig mit diesem Vollpfosten. Anscheinend hatte er sie auch soeben entdeckt.
Ich steckte schnell meinen Zauberstab weg und rannte zu meiner Freundin. Ich ließ mich neben ihr auf die Knie fallen.
„Mimi!“
Schnell versuchte ich die Situation zu erfassen. Meine Liebe blutete aus einer Wunde am Hinterkopf, schien aber ansonsten keine äußerlichen Verletzungen zu haben.
„Sieh nur, was Du angerichtet hast“, brüllte ich Taylor an, der eben zu uns trat und total beunruhigt wirkte. „Du bist schuld daran, dass Mimi jetzt verletzt ist.“
„Ich“, wagte er es doch tatsächlich total unschuldig zu fragen. „Ich habe überhaupt nichts gemacht, Du blöder Vollidiot. Falls ich daran erinnern darf, warst Du derjenige, der angefangen hat, wild mit Flüchen um sich zu ballern. Ich habe mich lediglich verteidigt.“
„Du hast meine Freundin geküsst, verdammt nochmal! Wie hätte ich Deiner Meinung nach reagieren sollen? In die Hände klatschen und sagen 'Uiiii, das ist ja toll'? Träume weiter.“
„Ach, halt' doch einfach die Schnauze und lass mich Mimi lieber in den Krankenflügel bringen, wenn Du lieber weiter auf mir herum hackst.“
„Das tue ich schon schön selber, Freundchen!“
„Dann mach und rede nicht weiterhin solchen Stuss!“
„Ich gebe Dir gleich...“
„WAS IN GOTTES NAMEN GEHT HIER VOR???“
Taylor und ich zuckten beide erschrocken zusammen und ich hob meinen Blick. Oben an der Treppe stand Minerva, die Arme in die Hüften gestützt und uns böse an funkelnd. Sie kam langsam die Treppe hinunter.
„Was treibt ihr hier, verdammt nochmal“, wollte sie giftig von uns wissen. „Nehmt ihr hier die Eingangshalle auseinander, oder was? Los, raus mit der Sprache!“
Achtung, Achtung! Feuerspeiender Drache auf drei Uhr. Gleich kommt eine Stichflamme aus ihren Nasenlöchern geschossen, ich schwöre es.
Doch ich hatte jetzt keine Zeit, mich mit Minerva McGonagall anzulegen, denn in einem musste ich Taylor leider recht geben, wenn auch zähneknirschend. Mimi musste so schnell wie möglich auf die Krankenstation, denn ihre Wunde am Kopf machte mir Sorgen. Mit so einer ist nicht zu spaßen.
„Ich kann mich jetzt nicht mit Dir streiten“, meinte ich deshalb schnell, schob meine Hände unter den Körper meiner Liebsten und hob sie hoch. Sie stöhnte leicht auf und griff sich an den Kopf. „Marie muss so schnell es geht nach oben zu Poppy. Frag diesen Helden da, der ist immerhin schuld an dieser ganzen Misere.“
„Spinnst Du jetzt“, rief der Arsch laut. „Ich habe doch eben schon...“
„Was ist passiert, zum Teufel“, unterbrach Minerva ihn und ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich war dankbar dafür, denn das verschaffte mir ein bisschen Luft.
Meine Kollegin ließ ihren Blick über das Chaos schweifen, dass ringsherum herrschte. Aus Decke und Boden hatte es Gesteinsbrocken heraus gesprengt, in den Wänden waren kleine Risse und überall lag eine dicke Staubschicht. Sie schaute auf Mimi, dann auf Taylor, auf mich und wieder durch den Raum. Dann schien es bei ihr Klick zu machen, denn war sie vorhin nur wütend, so wurde sie jetzt stinksauer. Sie explodierte vor unseren Augen und wieder zuckten Taylor und ich zusammen, dieses Mal vor Angst.
„Das ist nicht euer Ernst“, kreischte sie laut. „Ihr habt euch hier ein Duell geliefert? Seid ihr denn komplett bescheuert???“
„Ich… ääähm...“, machte der andere Wichser und ich stöhnte auf.
Drückte der sich immer so klar aus? Kein Wunder, dass er bei keiner Frau landen konnte.
„Minerva, bitte“, zischte ich sie an. „Ich habe jetzt...“
„Oh doch. Diese Zeit wirst Du Dir nehmen, Severus Snape! Ich wünsche sofort eine Erklärung! Und wage es ja nicht hier herum zu drucksen, sonst können wir auch gleich zu Albus gehen.“
„Aber Mimi...“
Meine Süße stöhnte in meinen Armen.
„Marie ist offensichtlich gerade dabei, wieder aufzuwachen und ich bin mir sicher, dass sie es gutheißen würde, wenn ich euch beiden gehörig in den Hintern trete. Also raus mit der Sprache! Habt ihr gekämpft oder nicht?“
Ich senkte den Blick. Musste die olle Spinatwachtel denn ausgerechnet jetzt die Konrektorin raus lassen? Ich hätte viel lieber mit Albus darüber gesprochen, denn der hätte mich verstanden oder es zumindest versucht. Aber Minerva würde sich sicher auf die andere Seite schlagen, denn mich konnte sie ja nicht ausstehen.
Und natürlich fiel mir auch dieser falsche Hund in den Rücken. Klar, er hatte ja auch nichts zu befürchten, außer dass man ihn zurück nach Beauxbatons schickte. Ich dagegen konnte meinen Job verlieren.
„Ja, haben wir“, meinte er. „Aber ich kann Ihnen gleich sagen, dass ich nicht daran schuld war, meine Liebe. Er war derjenige, der...“
„Es ist mir egal, wer angefangen hat und warum“, unterbrach ihn McGonagall rüde. (Wo bin ich denn jetzt? Normalerweise würde sie mir mit Freuden ein Messer in den Rücken jagen…) „Seid ihr jetzt vollkommen durchgedreht? Was wäre passiert, wenn ein Schüler euch gesehen hätte? Feine Vorbilder seid ihr. Wirklich.“
„Na, dann hätten sie wenigstens eine erstklassige Demonstration bekommen, wie ein richtiges Duell aussieht“, konnte ich mir nicht verkneifen.
„Ha ha, wirklich sehr witzig, Severus!“
„Was denn, ist doch wahr!“
„Das sieht Dir wieder einmal ähnlich. Du denkst nur an Dich und Deine dunkle Magie. Die Kinder interessieren Dich kein bisschen.“
„Das ist doch jetzt scheißegal, Minerva. Hör zu, ich bringe Mimi (Die schon langsam etwas schwer wurde, aber das durfte sie niemals aus meinem Mund hören) jetzt nach oben in den Krankenflügel und dann...“
„Das kann ich doch auch machen“, warf der Vollarsch ein. „Ihr wäre es sicher lieber...“
„Oh nein“, fuhr der Drache wieder fort. „ Ich werde Marie nach oben bringen. Ihr beide beseitigt dieses Chaos hier. Und wehe, wenn ich zurück komme und es ist nicht picobello, dann setzt es Ärger, verstanden?“
Sofort kam ich mir wieder wie ein kleiner Schuljunge vor. 'Wehe die Strafarbeit ist nicht ordentlich erledigt, Mister Snape…' Was sollte denn dann schon passieren? Wollte sie mir die Ohren langziehen oder mir den Hintern versohlen? Nachsitzen konnte sie mir nicht mehr aufbrummen, denn ich war mittlerweile selbst Lehrer. Ätsch!
Doch das war jetzt nicht wichtig. Etwas anderes stank mir viel mehr.
„Ich werde Mimi nach oben bringen, Minerva. Sie ist immerhin meine Freundin!“
„Ja, ein toller Freund bist Du. Lieferst Dir am helllichten Tage ein Duell mit dem derzeitigen Schulleiter von Beauxbatons, der noch dazu ein sehr guter Freund von Marie ist. Wirklich, sehr erwachsen, Severus.“
„Ich hatte meine Gründe.“
„Ich habe schon gesagt, dass mich die nicht interessieren. Ich bringe Marie jetzt nach oben und Schluss. Je länger wir jetzt darüber diskutieren, umso mehr Blut verliert sie. Also sei jetzt ein braver Junge, Severus, und tu, was ich Dir gesagt habe.“
„Aber...“
„Kein Aber! Räumt jetzt gefälligst diesen Saustall auf und versucht nebenbei eure Unstimmigkeiten zu klären. Sonst bin ich mir nicht sicher, ob Marie euch noch einmal sehen will.“
Mir fiel die Kinnlade runter. Das konnte sie doch jetzt nicht ernst meinen, oder? Mimi würde mich deswegen jetzt nicht verlassen, oder? Ich hatte immerhin allen Grund dazu gehabt, diesen Mistkerl zu verfluchen. Er hatte seine Zunge in meine Freundin gesteckt, verdammt nochmal!!!
Ich wollte zu einer giftigen Antwort ansetzen, doch bei dem Blick, den mir Minerva zuwarf, hielt ich lieber die Klappe.
Fast hilflos musste ich zulassen, wie dieser fiese Besen den Zauberstab zog, Mimi sich von meinen Armen erhob und die beiden sich auf den Weg in Richtung Krankenstation machen.
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