
von La_Mischa
Das Klatschen erfüllte den Raum. Johlen und Pfeifen. Die Große Halle war in den Farben der Adler dekoriert worden. Banner mit dem Wappen des Hauses waren überall zu sehen und Marlene huschte ein stolzes Lächeln über das Gesicht. Nicht, dass sie wirklich großartig daran beteiligt gewesen war, dass sie den Hauspokal geholt hatten. Aber auch sie hatte Hauspunkte gesammelt und war damit ein Teil des Gefüges, dass sie zum Sieg geführt hatte. Den einzigen Sieg in ihren sieben Schuljahren. Freudig klatschte auch sie. Während Professor Dumbledore auf dem Rednerpult versuchte sich Ruhe zu verschaffen. „Herzlichen Glückwunsch“, er hob die Arme, ein Lächeln zierte sein Gesicht. Es war ein überraschender Sieg gewesen. Bis vor einigen Tagen hatten noch die Löwen und die Schlangen Kopf an Kopf gelegen, doch dann... ja, was war eigentlich passiert. Sie hatte es nur gehört. Selbst war sie nicht dabei gewesen. Gerüchte waren es gewesen, die im Gemeinschaftsraum herum gegangen waren. „Hast du schon gehört Marly?“, hatte Clarice aufgeregt gerufen und sie zu sich gewunken. „Was?“, verwirrt war die Blondine zu der Mädchengruppe heran getreten, die auf den blauen Sesseln nah der Südfenster saßen. „Sie haben den Schlangen hundert Punkte abgezogen, wir stehen jetzt auf Platz 2“, sie schien aufgeregt zu sein. „Und es gibt keine Quidditchspiele mehr, nur noch Unterricht. 30 Punkte Unterschied zu Gryffindor, Marly! Weißt du was das heißt“, mischte sich auch die hochgewachsene Wendy ein, die wie immer ihre Nase in einem Buch hatte, es aber nun andächtig zuschlug. Da die Blondine rechnen konnte, war ihr sehr wohl klar, was das bedeutete. Sie hatten nun 50 Punkte Abstand auf die Schlangen. Für die restlichen Schultage ein Vorsprung den man aufrecht erhalten konnte und 30 Punkte mehr zu bekommen als die Löwen war ebenfalls ein Ziel, dass nicht utopisch war. Doch das war es nicht, was die McKinnon interessierte. Sie zog die Stirn kraus. „Ja, aber wieso haben sie den Abzug bekommen“, immerhin musste man schon ziemlichen Unsinn anstellen, um so viele Punkte auf einmal zu verlieren. Sie konnte sich kaum erinnern, dass es den Adlern schon einmal passiert war. Natürlich 5 oder 10 Punkte, das war immer mal wieder möglich, aber 100 Punkte? Das war absoluter Wahnsinn. „Oh, Matty hat erzählt“, sie wies mit dem Kinn auf einen der Lockenköpfe die aufgeregt vor dem Kamin gestikulierten. Er war einen Jahrgang unter ihr und gehörte zu den Quidditchspielern. „Ja, Matty“, unterstützte sie Wendy beherzt, die sonst nie Feuer und Flamme für derartigen Klatsch war. Aber die Chance den Hauspokal im letzten Schuljahr zu gewinnen schien die Lage deutlich zu ändern. „Und was hat Matty erzählt?“, langsam wurde Marlene ungeduldig. Sie konnte die Aufregung ihrer Freundinnen ja gut verstehen, aber langsam wollte sie wissen was der angebliche Grund dafür war. „Ja, also...“, begann Clarice andächtig und überschlug die Beine. Sie hatten noch keinerlei Sonnenbräune bekommen und waren schneeweiß. Ihr Rock hob sich ein Stück, doch gab nichts zu sehen, was niemand sehen sollte. Langsam beugte sie sich vor, als wäre es ein Geheimnis, aber eigentlich sprach ja bereits der ganze Gemeinschaftsraum darüber. Das machte sie doch mit Absicht. „Clary!“, ärgerlich schlug Marlene nach dem nackten Oberschenkel ihrer Freundin. „Aua … ja schon okay. Also ein paar Jungs von den Slytherins hatten sich wohl auf die Lauer gelegt, um ein paar Erstklässler zu überfallen oder ihnen eher einen Schrecken einzujagen, nur haben sie dabei einen Hufflepuff aus dem fünften Jahrgang erwischt, der das ganze nicht besonders lustig fand. Es kam zu einer Schlägerei und jemand von den Slytherins soll sogar gezaubert haben. Der Hufflepuff liegt jetzt im Krankenflügel. Da aber nicht ganz klar ist wer schuld ist und wer was war, sind es nur 100 Punkte, aber eigentlich wären noch mehr gewesen. Den Dachsen haben sie auch 30 Punkte abgezogen. Weil der Kerl es nicht einfach gemeldet hat“, beendete Clary ihre Ausführungen. Gut, das klang nach Slytherins. Aber 100 Punkte waren für eine solche Aktion doch immer noch reichlich wenig.
Ja, dennoch hatte es gereicht und wie viel an dieser Geschichte dran gewesen war, keine Ahnung. Bis jetzt hatte sie noch weitere Versionen gehört und jeder war abenteuerlicher geworden. Wer die beteiligten Slytherins waren hatte sie leider auch nicht herausbekommen. Etwas, was Marlene immer noch wurmte. War sie doch etwas neugierig. Etwas zu sehr in manchen Situationen. „Es war ein Kopf an Kopfrennen! Auf den letzten Metern haben die Adler überzeugt. Ein knapper Sieg, aber das heißt nicht, dass man sich nicht weniger freuen darf. Wir hatten ein aufregendes Schuljahr, wie eigentlich immer“, Dumbeldore lächelte und schob die kleine halbmondförmige Brille wieder einige Millimeter die Nase herauf. Wieder Klatschen und die Professor Flitwick erhob sein Glas. Was man allerdings kaum sah. Doch sein „Hört, hört“, war dafür umso deutlicher. Marlene musste schmunzeln. Ihr Hauslehrer würde ihr gewiss fehlen. Der kleine Mann mit dem eigenwilligen Kleidungsstil hatte ihren Zauberkunstunterricht immer sehr amüsant gestaltet und hatte sich immer sehr für seine Schüler eingesetzt. „Ravenclaw“, tönte es vom anderen Ende der Tafel und schallende Rufe der anderen, sodass es wieder einen Moment dauerte, bis Professor Dumbledore weitersprechen konnte. Marlene konnte sich jedoch nicht so recht auf das konzentrieren was er sagte. Ihr Blick glitt in der Großen Halle umher. Die meisten Gesichter waren nach vorne gerichtet, auf jenen Mann der die Schule führte und dem Orden, dem sie sich angeschlossen hatte. Dem Orden des Phönix. Nicht nur sie, sondern auch andere aus ihrem Jahrgang würden sich anschließen, doch die meisten davon waren nicht mehr als Bekannte aus dem Unterricht. Dieser Umstand würde sich nun sicherlich ändern. Ihr Blick ging über die Schultern. Sie erkannte Emmeline Vance und Dorcas Meadowes. Die beiden Hufflepuffs, die ebenfalls in den Orden eingetreten waren. Beide mit einem frechen Mundwerk. Emmeline eine großartige Duellantin und Dorcas flink und unheimlich gut in Verwandlungen, nicht zu vergessen, dass sie auch auf dem Besen eine gute Figur machte. Mit beiden hatte sie in den Kursen für Verteidigung gegen die dunklen Künste häufiger zusammen gearbeitet. Freunde waren sie nicht, aber sie verstanden sich soweit ganz gut. Das konnte man sagen. Dennoch wusste man nie, wie es unter den Umständen sein würde, die auf sie zukamen. Wieder klatschten die Schüler. Pfiffe und Jubelrufe. Wie ein Weckruf ließ auch sie die Hände ineinander klatschen. Doch ihre geistige Abwesenheit schien aufgefallen zu sein. „Ist dir nicht gut“, erschrocken sah sie in das Gesicht ihres Sitznachbarn. Dirk Cresswell sah sie besorgt an. „Nein, alles gut“, eilig griff sie nach dem Kelch und nahm einen Schluck. „Es ist nur alles so .. viel“, ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich verstehe... dein letzter Abend“, er nickte nachdenklich. Dirk war einer jener Freunde auf die Marlene sich immer hatte verlassen können. Der schlanke junge Mann war zwar ein Jahr jünger als sie selbst, aber dennoch gehörte er zu den Menschen, die unheimlich reif waren. Dirk hatte ein erstaunliches Talent und war dennoch nicht überheblich. Etwas, was die Blondine sehr an ihm schätze. Sie ließ den Kelch wieder auf dem Tisch nieder. „Ich werd dich vermissen, Dirk. Hab ich dir das schon gesagt?“, leicht drückte sie seine Hand und es kam ihr vor wie ein endgültiger Abschied. Dabei musste er lediglich ein Jahr länger die Schulbank drücken, doch bei dem, was ihr bevor stand konnte sie nicht wissen, ob sie dann noch leben würde. „Ich dich auch Marlene, aber wir sehen uns doch bestimmt wieder“, ein Nicken ihrerseits. Sie war sich da nicht so sicher.
„Dann will ich auch gar nicht mehr so lange reden und damit soll der gesellige Teil des Abends beginnen“, das Essen erschien gewohnt auf dem Tisch. Leckere Speisen, wie man es gewohnt war, doch so wirklichen Hunger hatte sie nicht. Vielleicht lag es an der Wärme, vielleicht an der Tatsache, dass das Morgen so ungewiss war. Während die anderen sich die Teller voll schaufelten und eifrig mit dem Essen begannen, schob Marlene die Kartoffeln und das Gemüse nur hin und her. „Jetzt machst du mir doch Sorgen, Marly“, der Cresswell legte sein Besteck nieder und drehte sich zu ihr. „Was ist denn nur mit dir los? Der Sommer steht vor der Tür, das sollte doch ein Grund sein sich zu freuen“, was im Allgemeinen auch der Fall war. Früher hatte Marlene sich immer gefreut. Ihren Bruder und ihre Schwester im Haus zu haben, sich mit ihren Freunden zu treffen und durch die Gegend rund um Cornwall zu ziehen. Das Meer zu genießen. Ja, aber mittlerweile sah die Sache anders aus. Sie hatte sich für etwas entschieden und diese Entscheidung würde ihr Leben verändern. „Es ist die Wärme, vielleicht habe ich einen Sonnenstich oder so was“, ihre schmalen Schultern zuckten und das leicht lockige blonde Haar wippte leicht hin und her. „Ist dir denn schlecht, hast du Kopfschmerzen?“, wie immer war er besorgt. Seine Augen musterten sie nach Anzeichen. „Nein, aber … es war vielleicht doch einfach zu viel und bei der Wärme vergeht mit der Appetit dann immer“, mit einem Lächeln versuchte sie ihn zu beruhigen, zu sagen, dass alles in Ordnung war. Doch das war es nicht. Marlene war nachdenklich. Nicht, dass sie Zweifel hatte, nicht direkt. Aber die Angst davor, was geschehen könnte war groß. Im Grunde war sie gerade einmal 18 Jahre, würde 19 werden. Da sollte doch niemand daran denken in den Krieg zu ziehen und doch tat sie genau das. Am Tisch der Gryffindors konnte sie weitere zukünftige Mitglieder des Ordens ausmachen. Da waren Alice und Lily, die die Köpfe zusammensteckte. Die eine mit so feuerrotem Haar, dass es bis hier her zu scheinen schien, die andere mit kurzem Blonden. Die wenigen Mitglieder, die sie zu ihren Freunden zählte. Neben Lily saß Mary McDonald. Von hier war es schwer die Mimik genau zu erkennen, doch sie hatte das Gefühl, dass die Blondine ungewöhnlich unglücklich aussah, während die Schüler zu ihrer rechten munter am Essen und feiern waren. „Mary sieht traurig aus, oder?“, sie lehnte sich zu Dirk herüber, der nun auch den Blick in Richtung des Tischs der Löwen gleiten wird. „Stimmt. Meinst du die beiden haben sich gestritten?“, mit die beiden waren Lily und Mary gemeint. Eine unzertrennliche Einheit, die doch jetzt durch den Orden getrennt wurde, dem die eine beiwohnen würde, während die andere es für ein Himmelfahrtskommando hielt. Marlene hatte einige Streitigkeiten zwischen den beiden mitbekommen, doch sie war der Überzeugung gewesen, dass es sich gelegt hatte, dass die beiden sich wieder vertragen hatten. „Ich glaube sie hat Angst um Lily“, vermutete Marlene nachdenklich und schob den Teller von sich. Lediglich ein paar Erbsen hatte sie gegessen, der Rest war unangetastet geblieben. Ihre Ellenbogen auf dem Tisch aufstützend, legte sie ihren Kopf in die Hände. Das lange blonde Haar glitt zu beiden Seiten hinunter, während sie das Dreiergespann am Tisch der Löwen weiter beobachtete. „Hm... ist die Angst denn berechtigt? Sollte ich auch Angst um dich haben?“, erschrocken drehte sie sich zu ihm um. „Nein, du brauchst keine Angst haben, Dirk“, oder zumindest wollte Marlene nicht, dass Dirk Angst hatte oder sonst irgendjemand, der ihr am Herzen lag, dennoch pochte ihr eigenes Herz wie wild. Vielleicht hatte Mary recht gehabt und es war ein Himmelfahrtskommando dem sie sich anschlossen, doch wenn sie es nicht taten,... wer würde es dann tun?
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