Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Luciana Bradley und der Orden des Phönix - Krankenbesuche

von Picadelly

Wie sollte Luciana die nächsten Tage beschreiben? Der Montagmorgen wurde mit einem Beben eingeleitet - und dies nicht im metaphorischem Sinne. Der Boden unter ihren Füßen hatte gebebt, als sie in den frühen Morgenstunden dabei gewesen war, sich für einen kleinen Joggingausflug durch das Schloss anzuziehen.

Zunächst war sie davon ausgegangen, sich dieses eingebildet zu haben, doch eine weitere Erschütterung, die kurz darauf folgte und selbst ihren Zauberstab vom Nachtisch rollen ließ, belehrte sie eines Besseren. Die darauffolgenden Stunden hatten sie dieses Ereignis fast vollständig vergessen lassen, bis Luciana auf dem Weg zum Frühstück auf den Schulleiter traf.

Dumbledore hatte einen leicht zerstreuten Eindruck auf sie gemacht, das sollte heißen, noch mehr als üblich. Auf die Frage, wie es Professor Snape nach dem kleinen Keksdisaster gehen würde, hatte er zunächst ausweichend reagiert - als sie sich dann allerdings, eigentlich scherzhaft gemeint, erkundigte, ob Snape gleich nach dem Erwachen den halben Kerker auseinander genommen habe, weil sie die ?Nachbeben` in der Früh noch im Gryffindorturm zu spüren bekommen hatte, schien sie genau ins Schwarze getroffen zu haben.

Dumbledore versicherte ihr zwar darauf, dass er ihm nochmals genauestens zu verstehen gegeben hatte, dass es sich um ein Missverständnis zwischen Remus und Johnny gehandelt habe und nicht (wie Snape anscheinend vermutet hatte), um einen gezielten Anschlag auf seine Person. Nach dem Hinweis Dumbledores, Luciana solle die folgenden Begegnungen mit ihrem Zaubertranklehrer nicht zu persönlich nehmen und dass seine momentane Art (welche Art dies im Detail sein sollte, ließ der Schulleiter selbstverständlich aus) seine ganz persönliche Bewältigungsstrategie seines tiefsitzenden Schamgefühls sei, hatte sie es mit der nackten Angst zu tun bekommen. Und diese erwies sich als nicht ganz unbegründet.

Zunächst hatte sich Snape beim Frühstückstisch nicht blicken lassen, gut, mit etwas anderem hatte sie auch nicht gerechnet. Aber der Zaubertränkeunterricht am Vormittag war … ein Erlebnis. Professor Snape war nicht sauer auf sie. Nein. Dieses Wort vermochte die Realität nicht vollends zu erfassen. Für das Gefühl, welches er ihr entgegenbrachte, musste ein neues Adjektiv erfunden werden. Vielleicht mordrig? Ja genau, er war ziemlich furchtbar mordrig auf sie und es schien sehr an seinen Kraftreserven zu zerren, ihr nicht beide Hände um den Hals zu legen und ein paar Minuten fleißig und kräftig zuzudrücken.

Stattdessen fand er sich damit ab, nicht einen einzigen ihrer Arbeitsschritte außer Augen zu lassen und jede, wirklich jede verdammte Bewegung ihrer Hände mit schnippischen Kommentaren über ihre ?schlampige Arbeit` zu versehen, um sie somit aus dem Konzept bringen zu können. Zu ihrem Bedauern war er damit sogar teilweise erfolgreich … allerdings nicht wegen seiner Worte, sondern eher wegen Lucianas nervtötenden Kopfkinos, welches Snape hin und wieder in nichts weiter, als einer angegrauten Unterhose vor ihrem geistigen Auge erscheinen ließ. Und sie hätte schwören können, hin und wieder, wenn er einen Blick in ihre Augen erhaschen konnte und ihr zu diesem Zeitpunkt genau dieses Bild vorschwebte, bebten seine Nasenflügel und sein Blick wurde noch eine Spur mordriger - als wüsste er ganz genau, an was sie gedacht hatte.

Am Ende der Doppelstunde war Luciana unglaublich erleichtert, einen intakten Sinnesschärfungstrank gebraut zu haben. Sie verkorkte eine Probe davon in einer Phiole und stellte sich zur Abgabe in die Schlange aus Schülern, die sich vor Snapes Pult gebildet hatte. Es dauerte ein paar Minuten, in denen ihre Knie (aus total unerfindlichen Gründen) ein wenig weich wurden, bis sie an der Reihe war. Sie streckte ihm die Probe wortlos und ohne ihn dabei anzusehen, entgegen - im nächsten Moment war ein lautes Klirr zu hören … Snape hatte die Phiole fallen gelassen, direkt zu ihren Füßen, in purer, boshafter Absicht, wie sie mit einem Blick in sein Gesicht mehr als deutlich zu spüren bekam.

„Ups“, ließ er verlauten und zog beide Brauen in die Höhe, ganz als sei ihm ein ?kleines Missgeschick` passiert.
„Da müssen Sie wohl eine neue holen.“ Wie gesagt, Snape hatte nicht eine von Lucianas Bewegungen außer Augen gelassen, demnach wusste er sehr genau, dass sie ihren Kessel schon längst gereinigt hatte. Sie hätte es wissen müssen.

„Das geht nicht“, presste sie aus zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich habe den Rest schon entsorgt.“

„Bedauerlich.“ Snape legte seinen Kopf leicht schief, als müsse er angestrengt nachdenken. „Was meinen Sie, zehn Punkte von Gryffindor sollten genügen?“

Selbstverständlich. Das waren dann wohl die zehn Punkte, die er ihr gestern für die 'Gehirnakrobatik' gegeben hatte. Luciana hätte viel darauf sagen können, einiges mehr, einiges weniger abgezielt unter die Gürtellinie - aber sie war nicht Snape. Und so begnügte sie sich damit, ihm ein schiefes Lächeln zu schenken, dabei den Kopf zu schütteln und aahh ja, Gesten sagten doch viel mehr als tausend Worte.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Unterhemd, Unterhose (UNTERHOSE, kein Tanga, Weltpremiere!) T-Shirt, Bluse, V-Schnitt Pullover, Cardigan, Winterumhang, zwei Paar Wollhandschuhe, drei Mal Strumpfhose, Rock, zwei Paar Socken, gefütterte zwanzig-Loch Lederstiefel, ein drei Meter Gryffindorschal und eine riesengroße Bommelmütze trugen vielleicht dazu bei, dass sich Luciana am nächsten Tag, auf dem Weg zum Pflege magischer Geschöpfe Unterricht, vorkam wie ein Michelin-Männchen, jedoch erzielte dieses Zwiebelschalenprinzip nicht wirklich den gewünschten Wärmeeffekt.

Um Hogwarts hatte sich eine fast meterhohe Schneedecke ausgebreitet und mit ihrer knappen eins sechzig Körpergröße war sie fast versucht gewesen, sich mit Schwimmbewegungen einen Weg durch diese weiße Hölle zu erkämpfen. So war sie schließlich dazu übergegangen, einem Grüppchen Slytherins an die Versen zu hängen, genauer gesagt, dieses bestimmte Grüppchen, bestehend aus Malfoy und seinen zwei Bodyguards, die ihrem Schützling, und somit auch unfreiwilligerweise Luciana, einen Pfad durch die Schneeberge pflügten. Die beiden waren wirklich vorzügliche Eisbrecher, das musste man ihnen lassen. Und so kam sie auch nicht umhin, ein paar Wortfetzen der Unterhaltung aufzuschnappen, die die drei miteinander führten, oder besser gesagt: Die höhnischen Bemerkungen über einen gewissen ?Volltrottel` namens Hagrid.

„Vater und ich sind einer Meinung, nach Umbridges Inspektion geben wir ihm höchstens zwei Wochen … nur können wir uns bei den Folgen nicht einig werden: Vater sagt Suspendierung, ich meine Rauswurf!“ Die beiden Schneepflüge johlten auf. Schon wieder dieser Name, wer zum Geier war Hagrid?

Luciana fand es zwei Tonnen Schnee weiter heraus, denn am Waldrand wartete nicht die übliche Pflege magischer Geschöpfe Lehrerin (sie hatte es aufgegeben sich diesen unmöglichen Namen merken zu wollen), sondern ein … ja wie konnte man dieses Erscheinungsbild in Worte fassen? Mann mit Dino-Knochen? Kerl, der in Originalgröße aus einer Kinoleinwand spaziert war? Groooßer, verdammt haariger Mann, der es scheinbar mochte, mit dem Gesicht voran in Kreissägen zu laufen - nein wirklich, er war grün und blau, versehen mit noch blutenden Schnittwunden und - was war das denn? Er trug eine halbe, tote Kuh über der rechten Schulter. Vielleicht war dies eine Zombiekuh und er hatte sie eigenhändig erlegt?

„Wir arbeit'n heute dort drin!“ Für einen Menschen, der aussah, als sei er auf einer Intensivstation besser aufgehoben, als irgendwo sonst, hatte er einen erstaunlich gut gelaunten Tonfall aufgelegt. „Bisschen geschützter! Jedenfalls sind sie lieber im Dunkeln.“

„Was ist lieber im Dunkeln?“, fragte Malfoy schrill und panisch, wandte sich dann zu seinen Kumpanen und hakte dort noch einmal nach. „Was, hat er gesagt, will lieber im Dunkeln sein - habt ihr es gehört?“

„Fertig?“ Wieder sprach der Riesenkerl in dieser fröhlichen Stimmlage und schaute in die Runde aus Schülern. „Also dann, ich hab mir für euer fünftes Schuljahr `nen kleinen Waldspaziergang aufgespart. Dachte, wir könnten uns diese Geschöpfe in ihrem natürlichen Lebensraum ansehen. Nun passt mal auf, was wir heute betrachten, is` ziemlich selten, ich schätz mal, ich bin so ziemlich der Einzige in Britannien, der's geschafft hat, die zu dressieren“, verkündigte er, nicht ohne ein wenig Stolz.

„Und Sie sind sich sicher, dass sie dressiert sind, ja?“ Wieder Malfoy und der panischer Unterton hielt sich dabei hartnäckig.

„`türlich sind die dressiert“, antwortete Hagrid. Diesmal klang er weniger gut aufgelegt.

„Soll ich dir meine Eierstöcke leihen?“, erkundigte sich Luciana darauf bei Malfoy, der sie nur verständnislos ansah.
„Nicht zu vergleichen mit dem männlichen Pendant, aber immer noch besser, als gar keine Eier!“

„Also, wenn ihr keine Fragen mehr habt, folgt mir!“, rief Hagrid.

Grinsend ließ Luciana den erschüttert dreinschauenden Slytherin stehen und lief mit den anderen in den Verbotenen Wald hinein.

Hier drin war es vielleicht nicht sehr einladend und gemütlich, aber die Baumkronen hatten den größten Teil der Schneeflocken aufgefangen. Genauer gesagt führte der Riesenkerl sie sogar so weit in den Wald hinein, dass am Ende, als sie anscheinend ihr Ziel erreicht hatten, gar kein Schnee mehr auf dem Boden lag, weil die Bäume hier dichter und dichter wurden. Auf der anderen Seite waren die Lichtverhältnisse dementsprechend … miserabel.

Die halbe Kuh wurde von dem Kerl, Hagrid, auf den Waldboden abgelegt, der dann ein paar Schritte davon zurücktrat. Dieses Bild kam ihr seltsam bekannt vor … wie war das denn noch gleich? Oh … Ja, da war der Geistesblitz - Jurassic Park und die Methoden seiner Betreiber, die Fleischfresser anzulocken. Luciana schluckte. Jetzt haste den dicken Macker markiert, da bitte, bad deine mega Klappe bloß selbst aus … Darauf hielt sie ein wenig panisch nach dem garantiert nahenden Unheil Ausschau. Verdammt, wieso hatte man auch kein Glas Wasser dabei, wenn man es mal brauchte!

„Näher ran, näher ran“, rief die halbe Tonne Gesichtsmett. „Also, der Fleischgeruch wird sie anlocken, aber ich ruf sie trotzdem, weil sie gern wissen möchten, dass ich's bin.“

Okay … es gab einige Kreaturen, die von dem Geruch von Fleisch und/oder Blut angezogen wurden - jedoch fiel Luciana, bei ihrer gedanklichen Aufzählung, keines ein, welches nicht lange, scharfe Zähne hatte, aggressiv war und/oder hoch giftig war. Jetzt legte der Kerl ernsthaft seinen Kopf in den Nacken und stieß einen Lockruf aus, dass ihr bei dem Klang die Haare zu Berge standen. Na welch ein Glück, jetzt wurde ihr plötzlich warm. Sie griff an den obersten Rand ihrer Stiefel und zog dort ihren Zauberstab heraus. Den Ruf wiederholte Hagrid noch einmal. Es dauerte noch eine weitere, nervenzerreisende Minute, bis Luciana endlich aufatmen konnte. Aus der Lücke zwischen zwei dicken Baumstämmen lugte der Kopf eines dieser mageren Drachenlederhautskelettwesen, die zu Anfang des Jahres die Kutschen vom Bahnhof hoch zum Schloss gezogen hatten. Das Wesen beäugte das Grüppchen, welches Luciana und ihre Mitschüler bildeten, befand diese anscheinend für harmlos (oder viel mehr, wehrlos?) und lenkte seine Aufmerksamkeit auf das tote Stück Fleisch zu seinen Füßen.

„Holla, da kommt noch eins!“, rief Hagrid aus und deutete mit seiner riesenhaften Pranke in die Richtung einer weiteren Baumreihe. Tatsächlich, und auch dieses gesellte sich zu dem Fleischberg und fraß.

„Also dann … wer sie sehen kann, meldet sich!“ Hö? Wie, was sollte das heißen, wer sie sehen kann? Luciana drehte sich langsam um die eigene Achse und tatsächlich: Die meisten anderen Schüler fixierten mit ihren Augen nicht die pferdeähnlichen Wesen, sondern sahen entweder hindurch oder in die vollkommen falsche Richtung. Potter meldete sich, Longbottom, ein Slytherin und, als Luciana mit ihrer Drehung wieder an ihrem Ausgangspunkt angelangt war, sie ebenfalls.

„Jaah … ja, das hab ich mir gedacht, Harry. Un` du auch, Neville, was? Un…“

„Verzeihung bitte“, Malfoy hätte auch gleich sagen können 'Halt mal eben deine haarige Schnauze' - vom Tonfall wäre es auf dasselbe hinausgelaufen, „aber was genau sollen wir sehen?“

Hagrid deutete wortlos auf die tote Kuh. Ah, jetzt schien die Klasse zu begreifen, dass da etwas sein musste, denn ein Kadaver fraß sich nicht von selbst auf.

„Wer macht das?“, quietschte ein Gryffindormädchen mit panikerfüllter Stimme - Pavianti, Parva - was auch immer, Mädchen, und versteckte sich sogleich hinter den nächstbesten Baum. „Wer frisst das Fleisch?“

„Thestrale“, verkündete Hagrid, wieder mit Stolz in der Stimme. Ah - nach dem entzückten, stöhnenden Geräusch, welches Granger daraufhin abließ, schien diese begriffen zu haben. „Hogwarts hat'ne ganze Herde davon hier drin. Also, wer weiß …“

„Aber die bringen ganz, ganz viel Unglück“, unterbracht ihn diese Parva - das Mädchen. „Den Leuten, die sie sehen, sollen alle möglichen schrecklichen Dinge zustoßen. Professor Trelawney hat erzählt-“

„Nein, nein, nein“, schnitt Hagrid ihr amüsiert das Wort ab, „das is` alles nur Aberglaube, nich wahr, die bringen kein Unglück, die sind total klug und nützlich! `türlich, die hier haben nich viel zu tun, ziehen hauptsächlich die Schulkutschen, außer wenn Dumbledore mal'ne lange Reise macht und nicht apparier'n will - und da sind noch'n paar, seht mal …“

Tatsache, da kamen zwei weitere Thestrale durch das Dickicht der Bäume. Eines der beiden hatte das abergläubische Gryffindormädchen beinahe dabei gestreift, die sich darauf erschrocken gegen den Baum presste und dann sagte: „Ich glaube ich hab was gespürt. Ich glaube, es ist mir ganz nah!“

„Mach dir keine Sorgen“, wieder Hagrid, „das beißt nicht. Na denn, wer kann mir jetzt sagen, warum manche von euch sie sehn können un'manche nicht?“

Granger meldete sich. Luciana rollte mit den Augen.

„Dann schieß ma' los“, sagte Hagrid.

„Die einzigen Menschen, die Thestrale sehen können sind Menschen, die den Tod gesehen haben.“ Ha … wie witzig … den musste sie Gordon bei Gelegenheit erzählen.

„Das stimmt genau“, Hagrids Stimme war dabei sehr ernst. „Zehn Punkte für Gryffindor. Also, Harry, wie sieht's aus, magst deinen Klassenkammeraden erzähl'n wie die Thestrale ausschaun?“ Potter sah ein wenig überrascht aus, so eine direkte Aufforderung bekommen zu haben.

„Ja, also, sie sind in etwa so groß wie Pferde und haben auch eine ähnliche Statur - nur der Kopf ist … eh, drachenartig? Ihre Augen sind weiß und es sieht so aus, als hätten sie nur ein Skelett, wo man Leder drüber gespannt hat, ohne Fleisch darunter. U-und sie haben zwei lederne Flügel un …“

„Sechs“, unterbrach Luciana ihn.

„Was?“, fragte Potter und schaute sie an.

„Sie haben sechs Flügel. Siehst du doch, das erste Paar fängt kurz vor den Schulterblättern an“, sie deutete auf den Thestral, der ihnen am nächsten stand und der seine Flügel ein klein wenig ausgebreitet hatte, „das zweite und dritte läuft mit dem ersten ineinander.“

Harry drehte sich, mit immer noch verwirrter Miene, zu Hagrid um. Jetzt meldete sich Longbottom zu Wort: „Nein, sie haben wirklich nur zwei Flügel!“

Luciana rieb sich die Augen, schaute noch einmal hin, beobachtete jedes der vier Wesen ganz genau. Es blieben noch immer sechs Flügel, pro Thestral.

„Nein“, vernahm sie dann von Hagrid, der sie eingehend gemustert hatte und - was war denn das für ein Ausdruck in seinen Augen? „Is` schon richtig, sie sieht sechs Flügel.“

RÄUSPER

Die restliche Stunde versuchte Luciana so viel Raum wie nur möglich zwischen sich und ES zu bringen, die sich plötzlich wie aus dem Nichts in die Gruppe der Schüler eingereiht hatte und die ihren Pflege magischer Geschöpfe Lehrer weniger zu inspizieren, sondern mehr vorzuführen schien. Vielleicht sollte sie sich bei Gabriel wenigstens mal nach der Nummer dieses diskreten Auftragskillers erkundigen, nur zur Sicherheit.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

In den nächsten Wochen, um genau zu sein, bis zu den Weihnachtsferien, hatte Luciana allerhand mit Hausaufgaben und Ordenskram zu tun - dem sie fast nicht Herr werden konnte, weil Professor Snape ihr bei jeder Begegnung, sei es im Unterricht oder nur auf dem Flur, eine Strafarbeit bei Filch auf's Auge drückte. Dass die Begründungen von Mal zu Mal irrsinniger und an seinen fetttriefenden Haaren herbeigezogen waren, schien ihn nicht zu kümmern („Zwanzig Punkte Abzug und zwei weitere Abende Nachsitzen bei Mr Filch wegen Rauchens auf einer Schultoilette.“ „Aber Sir, ich war doch nur auf'm Klo!“ „Noch ein Wort und es wird eine ganze Woche werden.“ „MEINE FRESSE DARF ICH NICHT MAL MEHR PISSEN GEHEN?!“ „Mh, ich korrigiere mich, Strafarbeiten bis zum Ferienbeginn! Und hören Sie auf, Ihren Dickschädel gegen die Wand zu hauen, ich habe keine Zeit Sie zum Krankenflügel zu eskortieren!“). Nein, er hatte offensichtlich einen Heidenspaß daran, seine Position als Lehrer auszunutzen und wenn er sie schon nicht eigenhändig umbringen konnte, nun, dann kam es ihm offensichtlich wenigstens auf den Versuch an, sie in den Freitod zu treiben.

Die letzten Abende bei Filch waren erstaunlicherweise angenehmer, als sie es erwartet hatte. Nach dem Abendbrot hatte sich Luciana, gewappnet mit selbstgebastelten Knieschonern (bestehend aus diesen unförmigen Strick-Ergebnissen von Granger, die diese jede Nacht im Gemeinschaftraum liegen ließ und viel Panzertape) für das folgende Herumrutschen auf Hogwarts Fußböden (dieser Hausmeister fand immer irgendetwas zum Putzen), in Filchs Büro begeben und ihn dort aus voller Kehle fluchend vorgefunden.

„… was haben sie dir nur angetan, diese verfluchten Geschwüre von Kindern, oh was wünsche ich mir die Zeit zurück, in der man sie noch an den Füßen baumelnd von den Kerkerwänden auspeitschen konnte … meine arme Mrs Norris.“

Die Katze, von der er sprach, lag unbeweglich, mehr wie versteinert, auf dem Schreibtisch und streckte alle Viere von sich. Dieses Bild sah für Luciana eigentlich recht wohltuend aus, so konnte diese Kratzbürste sie wenigstens nicht anfallen. Was weniger wohltuend ausfiel, war das Gesicht von Mr Filch - er schien bei dem Anblick seines gehandicapten Haustieres (oder doch eher Lebensgefährtin?) Höllenqualen zu leiden. Und von George und Fred wusste sie, dass Filch ein Squib war, ein von magisch begabten Eltern gezeugtes Kind, welches keine magischen Fähigkeiten besaß - sehr selten und ungefähr so ein Sechser im Lotto, wie Lucianas ?Behinderung` (um Snape zu zitieren). Also konnte er seiner Katze selbst nicht helfen. Oder den Boden magisch reinigen - oder die Klassenräume - oder sich effektiv gegen Peeves zur Wehr setzen … und so weiter …

„Finite Incantatem!“, murmelte sie dann mit erhobenem Zauberstab, gerichtet auf das Fellknäuel. Ah ja, und kaum hatte der Zauber gewirkt, war Mrs Norris auch schon von der Tischplatte gehüpft, um ihr die Krallen in die Waden zu schlagen. Herrlich …

„Also - ich denke die Mundbirne hat mehr Vorteile, schindet mehr Eindruck, als einfaches Auspeitschen“, merkte Luciana im Plauderton an und ließ ihren Zauberstab wieder ungesehen in ihren Ärmel gleiten. Filch schien sich nicht recht entscheiden zu können, ob er sie wegen der Befreiungsaktion von seiner Katze anschreien oder es gar nicht mehr erwähnen sollte - außerdem erschien ein interessierter Ausdruck auf seinem Gesicht.

„Was genau ist denn eine Mundbirne?“

Und so kam es, dass Luciana nun schon den dritten Abend in Folge mit dem Hausmeister in seinem Büro saß, sich mit ihm über mittelalterliche und neuzeitige Folterinstrumente und Methoden austauschte und dabei eine Kanne Tee nach der anderen trank (langsam, aber sicher, gewöhnte sie sich an diese Plörre), bis -

„ … Bambusrohr gesteckt und dann lässt man diese, äußerst ausgehungerten Ratten hindurchlaufen und -„

„Was“, donnerte eine wohlbekannte Stimme, „soll das hier werden?“

Snape stand im Türrahmen und machte sich, mit immer düsterer werdendem Mienenspiel, ein Bild über das höchst seltsame Geschehen, welches das ungleiche Paar aus Hausmeister und Schülerin abgab.

„Professor Snape!“ Filch war aufgesprungen und hatte in seiner Eile seine Teetasse umgeschmissen. „Die Sache ist die-„

„Ich reagiere hoch allergisch auf das Chlor in den Putzmitteln“, unterbrach ihn Luciana schnell, „und da war Mr Filch gezwungen, mir eine kleine Pause zu gönnen!“

„Hoch allergisch!“, bestätigte dieser und nickte wild mit seinem Kopf. „Hat überhaupt keine Luft mehr holen können, schrecklicher Anblick!“

Snape kniff misstrauisch seine Augen zusammen, sein Blick huschte zu dem Schreibtisch, an dem Luciana und Filch sich gegenüber gesessen hatten und fixierte dann die Pergamente, auf denen sie ein paar Skizzen angefertigt hatten. Auch wenn Filch ein hässlicher, ungepflegter, nicht wirklich heller und äußerst griesgrämiger Typ war, er reagierte schnell genug, um diese Zettel zu einem Haufen zu schieben und sie dann an sich zu bringen, bevor Snape danach greifen konnte.

„Mein Kwik-Zauberkurs“, haspelte Filch. Snape hob eine Augenbraue, schaute nach einigen Sekunden zu Luciana.

„Miss Bradley“, Snapes Kopf ruckte kurz Richtung Tür - und sie kam dieser Aufforderung nach.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Es war ein Tag vor Heiligabend, als die Eule von Mr Weasley die Fronhofstraße erreichte. Seitdem Luciana während der Weihnachtsferien wieder in Deutschland war, fiel ihre Laune einfach glänzend aus - und so kam es, dass sie, zusammen mit Johnny, gerade einen Weihnachtsbaum in monströsem Ausmaß quer durch den Bunker in die Wohnung, direkt ins Wohnzimmer schmuggelte, als in der Küche ein ohrenbetäubendes Scheppern zu vernehmen war.

„LUCIANA!“ Gabriel war im großen Durchgang zum Wohnzimmer erschienen, in der rechten Hand hielte er, an den Krallen und kopfüber, eine zerzauste, kreischende Eule und in der Linken einen Briefumschlag.

„Was zum verschissenen Rippenspreizer ist DAS?“, hauchte er fassungslos und hob die Hand (inklusive Eule kreisch) Richtung Baum. Johnny, der gerade dabei gewesen war, den Stamm in einen gusseisernen Ständer festzuziehen, lugte unter den Ästen hervor und schielte unheilvoll zu Luciana hinüber.

„Ehm … eine Zimmerpflanze?“ Sie grinste unsicher und zog sich langsam die Santa-Mütze vom Kopf.

„Jo, ham wir bei Ikea im Angebot gekauft!“, bestätigte Johnny - er machte sich nicht die Mühe, seine werksgleiche Mütze abzunehmen, oder das Lametta, welches um seinen Hals geschlungen war.

„Die Regeln“, Luciana und Johnny seufzten gleichzeitig genervt auf, „in diesem Haus sind glasklar: KEIN WEIHNACHTSKRIMSKRAMS, haben wir uns VERSTANDEN?!“ Er schaute die beiden an, mit weit aufgerissen Augen - dann wurde sein Gesicht entspannter. „Ausgenommen davon: Glühwein“, die beiden sprachen in monotoner Stimmlage mit, ganz, als ob sie diese Aufzählung schon etwas öfter zu hören bekommen hatten, „warmer Met, Spekulatius, Rumkugeln, ja und diese wunderbaren Schokoladenkränze mit den kleinen, bunten Zuckerkügelchen drauf.“

„Och, lass uns doch bitte wenigstens den Baum, bitte bitte bitte bitte!!“, winselte Luciana, machte dabei kugelrunde, große Augen und schob ihre Unterlippe hervor. Mit einer Handbewegung (ja, immer noch die Hand mit der Eule) war der Baum verschwunden.

„NEIN!“, donnerte er dann.

„Boahr, du WEIHNACHTSNAZI!!“, rief sie aufgebracht.

„Ich werde dieses kommerziell ausgerichtete Wirtschaftsgroßereignis“, Luciana rollte mit den Augen, dieser Vortrag kam ihr auch ?wage` bekannt vor, „nicht in meinem Haus dulden, welches unter dem Vorwand einer Geburt eines Massenblenders vor knapp zwei Jahrtausenden“, sie setzte sich in Bewegung und war fast an Gabriel vorbeigelaufen - doch dieser packte sie am Arm (oooh ja, die Snape Stelle), „überzelebriert wird und dann auch noch zu einem vollkommen unkorrekten Zeitpunkt - der Knabe wurde im März geboren und nicht im Dezember“, schloss er endlich seinen Monolog ab und reichte ihr den Briefumschlag, „Hier, Post für dich - von einem Arthur Weasley.“

Hallo Luciana,

ich möchte dir schon gleich schöne Weihnachtsfeiertage wünschen, bevor ich es vergesse.

Ja genau, die würde sie sicher haben …

Wie mir Molly erzählte, warst du bei der letzten Sitzung dabei, daher spare ich mir eine Wiederholung des Ereignisses, welches mich hier her ins St. Mungos gebracht hat.

Ja, die letzte Sitzung war kurz vor Ferienbeginn in den frühen Morgenstunden einberufen worden (die Patronuskatze von Professor McGonagall hatte sich letztendlich auf Lucianas Bett begeben müssen und hatte ihr direkt ins Ohr geschrien, damit sie erwachte - nun ja, sie pflegte eben nicht mit Gürtel schlafen zu gehen). Zu Lucianas Verwunderung war diese Sitzung fast mit allen Ordensmitgliedern besetzt gewesen, da es in der vorletzten Nacht, während der Wachschicht vor der Mysteriumsabteilung, einen Angriff auf den Posten gegeben hatte. Mr Weasley war von der Schlange des Schwarzen Führers angefallen worden, die wohl über ihn gestolpert (oder geschlängelt) war, als sie die Gegend ausgekundschaftet hatte. Dieser Schlangenbiss hätte ihn fast das Leben gekostet, wäre da nicht Potter gewesen, der unter höchst fragwürdigen Umständen Alarm geschlagen hatte.

Meine Bitte mag sich wahrscheinlich etwas seltsam anhören, aber du hast sicherlich von meiner Begeisterung für die Muggel und ihre Erfindungen gehört. Mr Pye, ein Praktikant hier im St Mungos, hat einen sehr interessanten Vorschlag zur Behandlung meiner Wunde gemacht. Und da fiel mir gleich ein, dass dein Pate ein Muggeldoktor ist. Ich weiß, zu der Zeit der Weihnachtsfeiertage hat er sicher Wichtigeres zu tun, aber wenn es möglich wäre, würde ich mich über einen baldigen Besuch von ihm sehr freuen.

Mit aufrichtigem Gruß

Arthur Weasley

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

„Jetzt hör schon auf zu schmollen!“
Selbstverständlich hatte Gabriel sich Zeit nehmen können. Mit sehr viel Begeisterung sogar. Denn auch wenn er dieses Fest verpönte, der Großteil der westlichen Bevölkerung tat dies nicht. Und so schickte man ihn jedes Jahr von der medizinischen Fakultät mit einem gepfefferten Arschtritt in den dreitägigen Zwangsurlaub und auch mit seiner Vampir- und Werwolfsorganisation hatte er nicht viel zu tun - selbst den Untoten und Tiermenschwesen waren diese Tage heilig. So kam es, dass er sich Luciana geschnappt hatte und gleich am nächsten Tag mit ihr nach London gereist war („Er hat dir geschrieben, da gebietet es die gute Erziehung, ihm einen Besuch abzustatten!“)

Zunächst war sie davon ausgegangen, dass sich das Zauberkrankenhaus in der Winkelgasse befinden müsse, aber da hatte sie weit gefehlt. Gabriel lief mit ihr mitten durch eine Einkaufsmeile der Londoner Innenstadt und blieb dann vor einem Geschäft mit dem Namen Reinig & Tunkunter stehen.

Dieses machte den Eindruck, als würde es schon seit ein paar Jahren leer stehen - nur ein paar Schaufensterpuppen waren hinter dem verdreckten Glas auszumachen und ein Schild verkündete 'Wegen Renovierung geschlossen'. Luciana runzelte die Stirn, als Gabriel sie näher zu sich zog, dann nahe an eine Stelle am Schaufenster trat und gegen die Scheibe wisperte: „Patient Arthur Weasley.“ Hatte die Puppe gerade genickt? Im nächsten Augenblick wurde sie von ihrem Paten direkt durch die Scheibe geschoben - plötzlich standen sie in einem fast menschenleeren Empfangsraum.

Luciana war kurz davor ein Donnerwetter vom Stapel zu lassen, weil ihr zum wiederholten Male vor Augen gehalten wurde, wie sparsam ihr Ziehvater sie auf eine Welt vorbereitet hatte, in die sie theoretisch gehörte und in der er sich offenkundig sehr gut auskannte. Aber dann fiel ihr etwas auf, das sie sogleich auf ganz andere Gedanken brachte. Im Prinzip ähnelte dieser Krankenhausempfangsraum sehr dem der nicht-Magischen - abgesehen von den Patienten. Die paar Hexen und Zauberer, die auf Stühlen, die in Reihen zusammengestellt worden waren, auf Behandlungen warteten, hatten irgendwie nicht die normalen … blutigen Verletzungen. Ein Mann mit langem, dunkelbraunen Bart, hatte keine Haare mehr auf dem Kopf - diese waren einer vollgeschmückten Miniaturausgabe eines Christbaums gewichen, dessen Wurzeln mit seiner Kopfhaut verwachsen waren. Gabriel warf ihr einen Blick á la ?Ich sag doch das ist das Böse` zu und lief mit ihr vorbei an all den Magieverunglückten zu einem Schalter, hinter dem eine junge Hexe mit schwarzem Haar und grünen Strähnchen saß, kaugummikauend und mit ausgestreckter Hand (eine Nagelfeile war gerade dabei ihr von selbst die Nägel zu stutzen).

„Wir wollen zu Arthur Weasley“, sagte Gabriel.

Die Frau schaute von ihrer Hand zu ihm auf, als habe er sie bei etwas fürchterlich Wichtigem gestört.

„Die Besuchszeit ist in'ner halben Stunde rum“, antwortete sie nur gelangweilt und deutete, ohne dabei hinzusehen, auf die Uhr, die hinter ihr an der Wand hing. Es war neunzehn Uhr dreißig. Gabriels flache Hand donnerte auf das Pult, an dem die Hexe saß - ah, sie wäre zwar fast von ihrem Hocker gestürzt, aber er hatte nun ihre Aufmerksamkeit.

„Arthur Weasley?“, fragte er noch einmal, in einem zuckersüßen Tonfall und lächelte die Dame an.

„E-erster Stock“, schnappte sie schnell und beeilte sich, den Namen auf der Liste, die sie unter einem Hochglanzmagazin namens Hexenwoche hervorgezogen hatte, zu finden, „Z-zweite Tür links, ehm, nein rechts, Dai-Llewellyn-Station.“

Gabriel warf der Hexe noch einen scharfen Blick zu und schob Luciana durch eine Flügeltür, die in einen schmalen Gang führte. Dieser wurde von massenhaft vielen Kerzen erleuchtet, die hoch oben an der Decke schwebten und nicht nur Hogwarts schien ein Faible für Portraits zu haben - dies schien sich einer allgemeinen Beliebtheit in der Zaubererwelt zu erfreuen, auch hier waren die Wände voll damit.

„Pff, bestehen immer peinlichst genau darauf, bloß nicht als Ärzte bezeichnet zu werden, weil Muggelärzte ja sooo rückständig und barbarisch sind, nein, sie sind ja Heiler … und selbst so weit zurückgeblieben, dass sie selbst in Krankenhäusern nicht auf diese beknackt hirnrissige Altertumsbeleuchtung verzichten wollen. Schizophrene Vollschwachmaten“, murmelte Gabriel vor sich hin. Sie liefen weiter eine Treppe hoch und betraten den ersten Stock, die Abteilung für Verletzungen durch Tierwesen. Die zweite Tür rechts führte zu einer Unterabteilung von dieser. Ein Schild daran verriet: Dangerous' - Dai-Llewellyn-Station: 'Schwere Bisswunden'.

Gabriel klopfte dreimal und öffnete dann die Tür, ohne eine Antwort abzuwarten. Der dahinterliegende Raum war … recht kläglich. Er war vergleichbar mit den Räumen der Kassenpatienten von Krankenhäusern, die Luciana kannte, nur noch etwas trister.

Die Station besaß nur ein kleines, schmales Fenster am obersten Ende der Wand, das Licht wurde auch hier von Kerzen gespendet. Arthur Weasley lag, auf mehreren Kissen aufgestützt, auf seinem Bett (das Hinterste von insgesamt Dreien) und sprach im Flüsterton mit einem jungen, schlaksigen Mann, mit dunkelblondem, kurz gehaltenem Haar, vielleicht gerade zwanzig (wenn überhaupt) der einen hellgrünen Umhang trug. Als Mr Weasley Luciana und Gabriel erblickte, tippte er diesen am Arm an und deutete auf seine zwei Besucher, die an sein Bett traten.

„Hallo!“, begrüßte Mr Weasley sie herzlich. „Das ist ja wunderbar, Sie haben wirklich die Zeit gefunden, Augustus, das ist Luciana“, Augustus schüttelte ihr die Hand, „und das ist der Muggelarzt, von dem ich dir erzählt habe, Doktor Steinhardt.“ Auch die beiden reichten sich die Hände.

„Pathologe, das ist ein kleiner Unterschied, Mr Weasley, auch wenn ich den Doktortitel der Medizin innehabe“, korrigierte Gabriel sogleich. „Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

„Augustus ist Praktikant und muggelstämmig, daher erzählte er mir von einer Heilmethode der Muggel um Wunden zu verschließen … wie war das noch gleich?“, fragte Mr Weasley an den Praktikanten gewandt.

„Nähen.“

„Ja genau, komisch, dass ich dieses Wort immer vergesse, wo wir es doch auch ganz normal gebrauchen.“

„Es geht um einen Schlangenbiss, wie Luciana mir berichtete?“

Mr Weasley nickte, schlug die Bettdecke beiseite und zog sein Nachthemd ein Stück nach oben. Zum Vorschein kam ein dicker Verband, der fast die gesamte Bauchdecke einnahm. Gabriel zog seinen Zauberstab aus der Innentasche seinen Jacketts und richtete diesen auf den Verband, der im nächsten Moment verschwunden war.

„Wuääh“, machte Luciana, als eine fast ellenlange, klaffende Wunde erschien, die tiefen Einblick in Mr Weasleys Innerstes freigab. Grüner Schleim hatte sich darin angesammelt und auch der Geruch war nicht gerade als blumig zu beschreiben. Gabriel schien das selbstverständlich nicht viel auszumachen, interessiert beugte er sich handbreit nah über Mr Weasleys Bauch und inspizierte den Biss.

„Ich nehme an, die Heiler hier haben Probleme damit, die Bauchdecke zu schließen und so kann die Wundheilung nicht einsetzen?“, fragte er dann, zog sich aus der Hosentasche ein paar Latexhandschuhe (nein, er hatte sie nicht extra für diesen Besuch eingesteckt, Gabriel hatte immer welche dabei), streifte diese über und befühlte die Haut am Rande des Bisses. Wenigstens schienen die Heiler ihr Geschäft in Punkto Schmerzreduzierung zu verstehen, denn Mr Weasley verzog dabei nicht eine Miene.

„Ja, sie sagen zwar, sie würden das Problem bald in den Griff bekommen, aber ich meine, es kann ja nicht schaden etwas Alternatives auszuprobieren“, sagte Mr Weasley voller Vorfreude. So ganz sauber tickte der auch nicht …

„Natürlich kann das schaden“, antwortete Gabriel trocken und richtete sich wieder auf. „Und wie ich schon sagte, ich bin Pathologe - meine Patienten sind im Idealfall tot, wenn sie unter meinem Messer liegen.“

„Aber sie können nähen?“, warf Augustus ein.

„Selbstverständlich.“

„Das ist ja ganz vortrefflich! Könnten sie es hierbei versuchen?“, fragte Mr Weasley und deutete auf das Schlachtfeld auf seinem Bauch.

„Wenn Sie eine Verzichtserklärung unterschreiben …“, erwiderte Gabriel trocken.

Ah, Luciana sah schon, das würde erstens ein wenig dauern und zweitens wollte sie vor der leicht erzürnbaren Mrs Weasley wenigstens die Ausrede im Petto haben, dass sie gar nicht hatte eingreifen können, weil sie zu dem Zeitpunkt des Geschehens nicht anwesend war, sollte diese ganze Aktion schiefgehen. Also entschuldigte sie sich damit, sie wolle in der Cafeteria etwas trinken gehen, erkundigte sich bei dem Praktikanten wo sich diese befand und trat dann, erleichtert dieser äußerst heiklen Situation entkommen zu sein, auf den Flur hinaus.

Luciana brauchte einen Augenblick, bis sie den Aufzug fand - von Innen machte dieser einen sehr gewöhnungsbedürftigen Eindruck. Zu Herstellungszeiten mochte er einmal einen prunkvollen Eindruck gemacht haben, mit seinen metallenen Wänden mit goldener Farbe und verzierten Ranken, die das Tastenfeld der Stockwerke einrahmten. Nun hatte das Metall hässliche, braune Flecke bekommen und die Zahlen auf den Knöpfen waren von der vielen Nutzung beinahe gänzlich ausgeblichen. Sie drückte den obersten Knopf, der in das fünfe Stockwerk führte.

Schon im zweiten hielt der Aufzug knarrend an (fast wie in der nicht magischen Welt, wobei sie sich kaum vorstellen konnte, dass hier ebenso Zahnräder und Seile verwendet wurden), die Schiebetür öffnete sich und Luciana schob sich ein übelkeitserregender Gestank entgegen. Dieser fand seinen Ursprung bei einem kleinen, kugelbauchigen Zauberer, der mit zwei Heilern in Begleitung den Aufzug betrat. Sie hatte nicht den Schimmer einer Ahnung, wieso der kleine Kerl solch derart penetrante Gerüche von sich gab, aber selbst durch den Mund zu atmen schien nicht viel Abhilfe zu schaffen. Selbst die Heiler hatten sich die Kragen ihrer Umhänge vor die Nase gehalten - dann schloss sich die Tür und Luciana trieb es die Tränen in die Augen, so beißend war die Luft geworden. Sie hielt es bis zum dritten Stockwerk aus, bis sie panisch den Knopf für den Vierten drückte und stolpernd keuchend aus dem Gefährt stürmte, sobald die Schiebetüren genügend Platz dafür ließen. Die Heiler schauten ihr sehnsüchtig hinterher, die Gestank-Ursache starrte nur betreten auf seine Füße.

Es brauchte einen Augenblick, bis sich Luciana wieder einigermaßen gefasst hatte. Wo war sie denn jetzt gelandet? Diese Abteilung war genauso menschenleer wie die im ersten Stock, nur ein Wimmern oder hier und da ein Schluchzen (oder war es ein Lachen?) hallte leise durch den Gang. Sie schaute zur Aufzugstür, verwarf aber sogleich den Gedanken, diesen wieder zurückzufordern. Ein paar Minuten und sie könnte den nächsten Versuch wagen, vielleicht hatte das Ding ja einen Luftfilter?

Ihre Beine setzten sich wie von selbst in Bewegung und sie schlenderte durch den Korridor, von dem aus auf beiden Seiten in regelmäßigen Abständen Türen erschienen. Manche waren geschlossen, andere wieder nur angelehnt, oder wieder welche, die ganz offen standen. Plötzlich stutzte sie, als ihr Blick ein Namensschild an der Wand neben einer geöffneten Tür gestreift hatte, dann setzte sie den Rückwärtsgang ein, blieb stehen und - tatsächlich. Auf dem Schild war in handgeschriebener Schrift der Name Jane Doe notiert worden. Luciana wagte einen Blick in den Raum, der im schummrigen Licht ein einzelnes Krankenbett zeigte, auf dem eine sehr dünne, kahlköpfige Frau lag, mit ungesunder Gesichtsfarbe und schorfigen, wunden Stellen auf der Kopfhaut. Ein Heiler stand bei ihr, hielt eine Tasse in der Hand, die er ihr zu vermitteln versuchte.

„… i-ich kenne Sie doch gar nicht - was mache ich hier und wo ist mein Mann?“, sprach sie verwirrt umherblickend, die Hände erhobenen in abwehrender Geste.

„Mrs Doe, ich bin Hermes und ich bringe Ihnen jeden Abend Ihren Schlaftrank.“ Der Heiler redete in einem anscheinend gewohnt ruhigen Tonfall mit der Frau.

„Wo ist mein Mann? Was mache ich hier? Wer sind Sie?“ Die Frau wurde von Wort zu Wort panischer. Der Heiler seufzte resigniert, hielt ihr den Trank ein Stück näher hin und sprach (es klang unglaublich einstudiert):

„Hier Mrs Doe, Ihr Mann ist unterwegs und er hat mir das Versprechen abgenommen, dass sie dies getrunken haben, bis er da ist.“ Das schienen die Zauberworte zu sein. Diese mitleiderregende Gestalt nahm lächelnd die Tasse entgegen, trank diese in ein paar kräftigen Zügen aus und war eingeschlafen, noch bevor der Heiler ganz aus dem Zimmer getreten war. Luciana schaute ertappt auf ihre Füße, als dieser sie an der Tür stehen sah. Doch er schloss nur die Tür hinter sich, atmete tief durch und rieb sich die Schläfen. Er mochte vielleicht Mitte zwanzig sein, trug keinen Umhang, sondern Hose und T-Shirt in einem hellen Blauton. Sein Haar war kurz und dunkelbraun, genau wie sein Schnäuzer und sein Kinnbärtchen und - er war sehr gut gebaut.

„W-was ist das hier für eine Abteilung?“, fragte Luciana.

„Fluchschäden“, antwortete der Heiler.

„Und - was hat Ihre Unbekannte für eine Art Fluchschaden?“

Der Mann schaute sie verwirrt an.

„Wieso Unbekannte?“, fragte er, drehte sich dann zu dem Namensschild an der Tür und deutete darauf. „Das ist Mrs Doe.“

Okay … der Kerl schien das ernst zu meinen.

„Man hat sie … unter dem Namen 'Jane Doe' eingeliefert?“, fragte Luciana ungläubig.

„Ja, da habe ich hier zwar noch nicht gearbeitet, aber soweit ich weiß, haben ihr Bruder und sein Neffe sie hier eingewiesen, unter dem Namen.“

Vielleicht waren Jane und John Doe in der Magierwelt keine Pseudonyme für Menschen, die nicht wussten wie sie hießen oder nicht identifiziert werden konnten? Luciana sollte auch gar nichts mehr wundern, bei diesen bekloppten Funzeln.

„Und Sie können den Fluchschaden nicht aufheben?“

„Nein“, antwortete er, zog seine Brauen zusammen und musterte sie etwas genauer. „Sind Sie eine Angehörige?“

In diesem Moment zog sich ihr Gürtel zusammen - sie wünschte dem Heiler ein frohes Fest, rannte dann den Korridor hoch und runter, nur um festzustellen, dass es anscheinend weit und breit keine Toilette gab, entschied sich um und wartete auf den Fahrstuhl. Dieser war wieder leer und Geruchsneutral. Noch während sie die Kabine betrat, antwortete sie mit ihrem Gürtel und kaum, dass sich die Tür verschlossen und Luciana den Knopf für die erste Etage gedrückt hatte (da dieses Ziel von hier aus die längste Fahrtdauer hatte), tauchte McGonagall in Gestalt ihres Katzenviehpatronus auf.

„Ist das der Fahrstuhl des St. Mungo?“, fragte diese nur spitz und Luciana wich automatisch einen halben Schritt vor der Katze zurück. McGonagall erkannte Gebäude anhand ihrer Fahrstühle? Meine Fresse …

„Eh, ja.“

„Sehr gut, Professor Dumbledore hat in einer Stunde eine Sitzung einberufen!“ Und mit diesen Worten verpuffte der Patronus auch schon wieder. Der Fahrstuhl kam zum Stillstand, die Schiebetüren öffneten sich und - ihren Lippen entkam ein hoher, erstickter Schreckensschrei.

„Besser hätte ich es selbst nicht ausdrücken können“, schnarrte Professor Snape und betrat mit einem leicht zuckenden Mundwinkel den Fahrstuhl. Lucianas Augen waren noch immer in Schrecken geweitet, nein, mit dem hätte sie nun wirklich nicht gerechnet. Und der Gedanke mit Snape auf engstem Raum eingeschlossen in einem Fahrstuhl festzustecken, ließen beinahe die Schweißperlen auf ihrer Stirn ausbrechen. Ganz ruhig … das ist ein magischer Aufzug, der bleibt nicht einfach stehen … Als sich die Tür wieder geschlossenen hatte und Snape keine Anstalten machte, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sie zeugenfrei umzubringen, entspannte sie sich etwas. Ihr kam sogar in den Sinn, dass sie sich innerhalb der Ferienzeit befanden, also war er theoretisch ein Besucher in einem Krankenhaus und sie ebenfalls - sie stand mit ihm auf einer Stufe. Dieser Gedanke entlockte ihr ein Grinsen - welches von ihrem Professor, ehm, pardon, Mitreisenden, nicht unbemerkt blieb. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als er sich im zynischen Tonfall erkundigte:

„Sollten Sie nicht in Deutschland sein?“
Luciana drehte ihren Kopf in seine Richtung und schlug denselben Ton an:

„Sollten Sie nicht im Grinch-Outfit durch die Kamine rutschen und Kindern ihre Geschenke klau'n?“

„FÜNFZIG-„ Snape stoppte, ganz als ob ihm gerade aufgefallen wäre, dass sie sich nicht in Hogwarts befanden.

„Tjaahaa, nen Satz mit X das war wohl -„

„Ich bin immer noch Ihr Lehrer und eine Autoritätsperson und -„, unterbrach er sie scharf, doch nun fiel auch sie ihm ins Wort:

„Hey, ich kann Ihnen Stift und Zettel leih'n, dann können Sie sich die fünfzig Punkte notieren und Sie machen das mit dem Abzug einfach nachträglich? Ist doch Weihnachten, wenn ich Ihnen damit eine Freude machen kann …“

Der Fahrstuhl stoppte - Luciana fiel erst jetzt auf, dass der erste Stock auch sein Ziel war.

Snape, dessen Gesichtsfarbe mal wieder einen ungesunden Rotton angenommen hatte, setzte zum Sprechen an - sie ließ ihn nicht dazu kommen.

„Sie sollten mal ernsthaft Ihren Blutdruck im Auge behalten, bei dem Temperament und wenn man noch dazu nimmt, dass Sie für ein lausiges Stockwerk den Fahrstuhl nehmen müssen, puh, macht sich wohl langsam das Alter bemerkbar …“

Mit einem Ping schob sich die Tür auseinander, Luciana trat mit hochzufriedenem Grinsen aus der Kabine und hörte erst verzögert seine Schritte hinter sich und ah, wäre auch zu schön gewesen, hätte sie das letzte Wort gehabt - Snapes Hand legte sich mit ungezügelter Härte um ihren Oberarm, sie wurde herumgerissen und ah ja, DAS war mal eine ungesunde Gesichtsfarbe. Und wie schaffte der Kerl es nur, seine Mimik in Sekundenschnelle derart grotesk verzerrt aussehen zu lassen?

„SIE …“, donnerte er, stoppte abrupt, ließ sie wieder los und wich einen Schritt von ihr zurück. Was war denn jetzt schon wieder? Ah - Luciana hatte sich in Snapes Blickrichtung gedreht und sah nun auch Gabriel auf sich zu marschieren, der von der Arm-Greif-Aktion anscheinend nichts mitbekommen hatte. Die beiden nickten sich kurz zu (beide mit Blicken, als hätten sie sich lieber gegenseitig in dem Hals des Anderen verbissen), Snape setzte sich mit wehendem Umhang in Bewegung, lief den Gang entlang und riss schwungvoll, selbstverständlich ohne sich die Mühe zu machen vorher anzuklopfen, die Tür zu Mr Weasleys Abteilung auf. Gabriel schaute ihm mit einem verächtlichen Schnauben hinterher und schob Luciana in Richtung der Treppe, die sie schon auf dem Hinweg genutzt hatten.

Nachdem sie das St. Mungo wieder verlassen hatten, berichtete Luciana ihrem Paten von der einberufenen Ordenssitzung, die gleich stattfinden würde - Gabriel lehnte das, nicht ganz ernst gemeinte Angebot von ihr ab sie zu begleiten, mit der Begründung, dass eine Begegnung mit diesem 'Wichser von einem Scheiß-Todesser' für das ganze neue Jahr genügen würde. So trennten sich ihre Wege und Luciana machte sich, mit einem Jingle Bells summend, auf den Weg zum Grimmauldplatz - in der Hoffnung auf einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Es gibt wunderbare Sequenzen – von der Spannung beim Trimagischen Turnier bis zum Humor und Herzschmerz beim Weihnachtsball, aber das treibende Element ist der traumhafte Thriller, in dem es ein echter Bösewicht auf Harry abgesehen hat – und nur Harry allein in der Lage ist, ihm die Stirn zu bieten.
Mike Newell über den vierten Harry-Potter-Film