
von Hermine Watson
Gemischte Gefühle
Auf dem Weg in die große Halle war Hermine etwas durcheinander. Sie konnte es noch immer nicht glauben, dass sie eben bei ihrem meistgefürchtesten Lehrer war und mit ihm rumgeknutscht hatte. Sie musste immer wieder an seine Worte denken. 'Er liebt mich auch. War das jetzt einfach nur daher gesagt um mich ins Bett zu bekommen, oder meinte er es wirklich ernst? Nein, Severus sah so ehrlich aus, als er das gesagt hatte.'
Mit einem Lächeln ging in die große Halle und steuerte genau zu ihren Freunden an den Gryffindortisch. Bevor Hermine sich setzte blickte sie zum Lehrertisch und zu Severus, der schon an seinem Platz saß und ziemlich wütend aussah. Er blickte kurz auf als Hermine die Halle betrat, doch ihre Blicke trafen sich nicht. Severus' Blick ging durch Hermine durch. Sie erkannte den Mann von vorhin überhaupt nicht wieder. Er sah schon fertig aus, als sie zu ihm gekommen war, doch sie hätte nicht gedacht, dass es noch eine Steigerung davon gab.
Sie setzte sich neben Ginny und war noch immer in Gedanken, als sie von Ginny in die Seite gebufft wurde. "Hey Mine alles in Ordnung mit dir? Oder war es so schrecklich bei Snape, dass du noch immer unter Schock stehst?" - "Was? Nein es ist alles in Ordnung mit mir. Ich bin nur noch etwas durcheinander." Ginny sah ihre Freundin fragend an und auch Harry und Ron sahen Hermine nun neugierig an. Hermine überlegte, was sie sagen sollte. Sie konnte ja schlecht ihren Freunden von der Nachsitzstunde bei Snape erzählen. 1. würden sie ihr nicht glauben und 2. würden dann eine ganze Menge Probleme auf sie und Severus zukommen. Aber überwiegend auf Severus. Sicher würde es dann so hingestellt werden, dass er sich an sie rangemacht hatte und müsste die Schule verlassen und dürfte nie wieder an irgendeiner Schule unterrichten.
Noch bevor Hermine antworten konnte, flog eine Eule über den Gryffindortisch und warf einen Brief genau über sie ab. Sie erkannte die Schrift von Severus und steckte den Brief sofort, nicht ohne einen unauffälligen Blick zu Severus zu werfen, der ihn aber nicht erwiderte, in ihre Tasche. "Na hast du Post von einem Verehrer bekommen?" Ron konnte sich den Kommentar nicht verkneifen. "Bist du etwa eifersüchtig Ron? Ich sag ja auch nichts, wenn du Briefe von Lavender bekommst, obwohl ihr euch ständig seht", konterte Hermine und konnte sich ein lachen nicht verkneifen, da Ron knallrot anlief. "Aber um deine Neugierde zu stillen, es ist ein Brief von meinen Eltern. Sicher steht darin, wann ich meinen Kater bekomme." - "Was? Du bekommst ein neues Haustier? Warum hast das nicht schon vorher gesagt? Deshalb bist du so happy", sagte Ginny.
Hermine nickte erleichtert. Ihre Freunde hatten ihr die kleine Lüge abgekauft. Sonst merkten sie immer sofort, wenn Hermine nicht die Wahrheit sagte. Schnell aß sie auf und verschwand nach draußen. Nicht ohne Ginny das Versprechen zu geben, nachher mit ihr noch zu quatschen. Hermine rannte zu ihrem Lieblingsplatz am See und konnte es gar nicht erwarten zu lesen, was Severus ihr geschrieben hatte. Sehr vorsichtig riss sie den Umschlag auf, um ihn ja nicht kaputt zumachen. Bevor sie anfing zu lesen roch sie an dem Papier. Es war eindeutig von Severus. Sie nahm den Geruch wahr, denn er auch schon vorhin hatte. Sie liebte diesen Duft von bruno banani About Men. Genau den gleichen den ihr Vater so oft benutzen musste, wenn sie in den Ferien zu Hause war. Hermine musste schmunzeln, wenn sie daran dachte, wie ihr Vater sich immer aufgeregt hatte, wenn sie mal etwas auf ihr Handgelenk gemacht hatte, wenn er diesen mal nicht trug.
Vorsichtig faltete sie ihn auseinander und fing an zu lesen:
Liebe Miss Granger.
Bei der Anrede stutzte sie. 'Warum nennt er mich wieder Miss Granger? Bestimmt falls ein anderer versucht mitzulesen.' Sie las weiter:
Liebe Miss Granger,
es tut mir leid was vorhin in meinen Räumen passiert ist. Es hätte nicht so weit kommen dürfen und es wird auch keine Fortsetzung geben. Auf dem Ausflug morgen wird es so wie immer sein. Du bist meine Schülerin und wirst auch dort deine Nachsitzstunden absolvieren. Und zwar mit Arbeit und nicht so wie heute.
Ich kann dich nicht in Gefahr bringen. Sicher wirst du es verstehen. Vielleicht nicht jetzt, aber später. Ich hoffe doch trotzdem, dass du Calimero zu dir nehmen wirst.
Professor Severus Snape
Hermine konnte nicht glauben, was sie da eben gelesen hatte. Sie las den Brief noch ein weiteres Mal. Wie konnte dieser Mensch nur so gemein sein? Er hatte ihr doch gesagt, dass er sie lieben würde. Hatte sie sich so in ihm getäuscht? Sie zerknüllte den Brief, warf ihn vor sich auf den Boden und trag mit einem Fuß drauf. Hermine wischte sich die Tränen, die nicht mehr aufzuhalten waren weg. Wegen diesem ....... ihr fiel kein Name für ihn ein, wollte sie auf keinen Fall weinen. Sie bemerkte nicht, dass sich Ginny ihr von hinten nährte und zuckte zusammen, als diese sie ansprach. "Mine was ist los? Warum weinst du denn?" Ginny setzte sich neben Hermine und legte einen Arm um sie. "Ich möchte nicht darüber reden, Ginny. Sei mir bitte nicht böse." - "Nein bin ich nicht. Du wirst schon deinen Grund dafür haben. Aber du kannst mit mir immer und über alles reden, dass weißt du ja." Die beiden saßen noch eine ganze Zeit so und langsam beruhigte sich Hermine.
Die Sonne ging langsam rot glühend hinter dem verbotenen Wald unter. Wie sehr hätte sich Hermine gewünscht einen Sonnenuntergang mit Severus zu beobachten, wenn sie auf dem Ausflug waren. Mit einem Seufzen standen sie und Ginny auf und machten sich auf den Weg zum Schloss. Auf dem Weg zu ihrem Gemeinschaftsraum trafen sie ausgerechnet auf Severus Snape. Auch er sah nicht besonders glücklich aus. Ruckartig blieb Hermine stehen und starrte ihn an. Ginny blieb ebenfalls stehen und sah zwischen Hermine und Snape hin und her. "Ginny geh doch bitte schon einmal vor, ich komme gleich nach. Ich muss noch was mit Professor Snape besprechen." - "Miss Granger vielleicht habe ich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Und ich habe jetzt überhaupt keine Zeit. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden?"
Ginny war schon ein paar Schritte weiter gegangen, als sie sich noch einmal umdrehte und Hermines vor Wut rotanlaufendes Gesicht sah. "Oh nein, mein lieber Severus. So leicht kommst du mir nicht davon. Du bist mir eine Erklärung schuldig. Was sollte dieser Brief?", fragte Hermine jetzt leise und versuchte ihre Wut zurück zu halten. "Ich glaube, das ich sehr deutlich war. Und wenn es nicht der Fall sein sollte, weiß ich, dass du es trotzdem verstanden hast. Du weißt doch sonst auch immer alles.", antwortete er gereizt. Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zu den Kerkern. Hermine hielt ihn am Arm fest. "Wir sind noch nicht fertig." - "Da irrst du dich. Lass mich gefälligst los", fauchte Severus sie an und riss seinen Arm los. "Nein tue ich nicht. Falls du es vergessen haben solltest. Du hast mich gefragt, ob ich Calimero trotzdem nehme." - "Und wie lautet deine Antwort?" - "Eigentlich nein. Aber ich will das arme Tier nicht noch länger mit deiner Gegenwart quälen."
Wenn Blicke töten könnten, hätte Hermine jetzt auf der Stelle tot umfallen müssen. "Wie kannst du es wagen? Das wird ein Nachspiel haben" - "Ach schon wieder ein Nachspiel. Ich bin echt gespannt, was du dir diese Mal einfallen lässt." Hermine grinste ihn frech an. "Du solltest wirklich wissen, wann du aufhören solltest mich zu reizen. Das kann böse für dich enden. Und merke ich da eine kleine Gedächtnisschwäche? Ich habe mich nicht an dich rangemacht. Vergiss das nicht. " Mit diesen Worten machte sich Severus auf den Weg. Blieb aber noch einmal stehen und rief ihr laut zu: "100 Punkte Abzug von Gyffindor, Miss Granger." Mit einem fiesen Grinsen drehte er sich um verschwand mit wehenden Umhang um die nächste Ecke. Hermine stand da wie erstarrt und sah Snape hinterher.
Ginny, die das Ganze aus einiger Entfernung mitbekommen hatte, kam zurück zu Hermine. "Hermine, was war denn das eben? Ich habe Snape noch nie so außer sich gesehen. Er kann uns doch nicht einfach so 100 Punkte abziehen. Wir sollten mit McGonagall oder Dumbledore reden. Der wird damit nicht durchkommen." Hermine schüttelte nur den Kopf und sie gingen langsam in Richtung Gemeinschaftsraum. Im Gemeinschaftsraum erzählte keiner der Beiden, dass ihr Haus gerade 100 Punkte durch Hermine verloren hatte. Sie werden es morgen noch früh genug erfahren. Ginny schlug vor in ihr Zimmer zu gehen, vielleicht war Hermine ja bereit ihr zu erzählen, was sie bedrückt.
Zum Glück waren sie allein. Hermine setzte sich auf ihr Bett und Ginny setzte sich neben sie. "Möchtest du einen Schokofrosch? Schokolade soll ja glücklich machen und du hast es bitter nötig." Hermine schüttelte aber den Kopf und wischte sich ihre Tränen von der Wange. Ginny strich ihr tröstend über den Rücken und Hermine legte kurzer Zeit später ihren Kopf in Ginnys Schoß und schloss die Augen. In Ginny fuhren die Gefühle Achterbahn. Wie lange hatte sie auf die Nähe von Hermine gewartet. "Mine weißt du was? Kerle sind doch alle scheiße. Wenn man nicht so springt wie sie es wollen, ziehen sie sich entweder zurück oder sie ziehen einem Hauspunkte ab." - "Ja oder sie machen beides." Ginny sah verduzt auf Hermine. "Sag mal Hermine, hast du mir vielleicht etwas zu erzählen?" - "Weiß nicht was du hören willst. Habe immer viel zu erzählen. Du kennst doch mein Wissen." - "Das meine ich nicht. Und das weißt du ganz genau." Hermine griff nach einer Haarsträhne von Ginny, die ihr ins Gesicht fiel und spielte mit ihr. So verbrachten sie einige Zeit und sahen sich in die Augen.
Bis Ginny ihren ganzen Mut zusammen nahm und sich zu Hermine runterbeugte und sie auf den Mund küsste. Zu ihrer großen Überraschung erwiderte Hermine ihn auch. Die Beiden fingen an sich zu streicheln. Ginny legte sich neben Hermine und sah sie verträumt an. Erst waren die Berührungen etwas zurückhaltend, doch dann wurden sie mutiger. Vorsichtig schob Ginny Hermines T-Shirt nach oben und fing an ihren Bauch zu küssen. Hermine entwich einen kleine Seufzer. Ihr gefielen Ginnys Küsse und ihre Hände auf ihrer Haut. Ginny wanderte mit ihren Küssen immer tiefer Richtung Hose. Sie machte sich an dem Knopf zu schaffen, während sie sich küssend ihrem Brüsten nährte. Hermine hatte ihre Hände in Ginnys Haaren versinken lassen.
Als sie spürte, dass Ginny an ihrer Hose war, musste sie an Severus denken, den sie bei diesem Punkt gestoppt hatte. Ginny ließ sie gewähren. Es war irgendwie anders. Doch sie vermisste die weichen Lippen von Severus. Ginnys waren auch weich, doch anders. Auch seine Augen. In ihnen konnte sie sich verlieren. Sie vermisste ihn, obwohl sie erst einmal zusammen waren. Und es ist nicht viel passiert. Sie haben sich eigentlich nur geküsst. Doch er wollte mehr, dass hatte sie gespürt. Seine Erregung war ja auch kaum zu übersehen. Wollte er sie doch nur ins Bett bekommen? Wenn sie an den Brief dachte, kam es ihr so vor, dass es so war. Er hatte nicht bekommen, was er wollte und deshalb stieß er sie weg. Schnell schob sie ihre Danken beiseite und konzentrierte sich ganz auf Ginny.
Plötzlich hörten beide Schritte und Stimmen näher kommen. Sie lösten sich von einander und zupften ihre Kleidung etwas zurecht. Da Ginny keine Zeit mehr hatte von Hermines Bett zu gehen, blieben sie liegen und stellten sich schlafend. Sie hörten wie Pavati redend mit jemand ins Zimmer kam. Sie hörten, wie die Tür geöffnet wurde und wie Pavati sagte: "Pssst. Hermine und Ginny schlafen schon. Möchte zu gern wissen was mit Hermine vorhin los war. Sie sah ziemlich fertig aus. Und Ginny ist beim trösten wohl eingeschlafen. Tja dann muss Harry eben bis morgen warten." Leise wurde die Tür wieder geschlossen und die Schritte entfernten sich wieder. Hermine sah zu Ginny, die sich ein lachen verkneifen musste. "Ginny, das war aber eben knapp. Gut das Pavati keinen Verdacht geschöpft hatte. Aber sag mal was wird eigentlich Harry sagen, wenn er von uns erfährt?" - "Hermine, da ist etwas, was ich dir schon lange sagen wollte. Ich liebe Harry nicht. Ich weiß eigentlich auch nicht, warum ich mit ihm zusammen bin. Ich war eigentlich immer nur in dich verliebt. Aber ich erinnere mich gerade. Du wolltest mir doch sagen, in wenn du verliebt bist." - "Das hat sich erledigt. Dieser Typ kann mir gestohlen bleiben. Aber ich finde du solltest Harry aufklären. Das bist du ihm schuldig." - "Ja ich weiß. Was ist jetzt mit deinem Typen und was wird aus uns?" - "Ginny ich weiß es nicht. Es war eben sehr schön mit dir und so, aber ich stehe eigentlich nicht auf Frauen. Ich meine mit dir war es schön und wenn nicht Pavati gekommen wäre, wären wir auch weiter gegangen, doch ich brauche auch männliche Liebe."
Hermine setzte sich auf die Bettkante und starrte an die Wand. Ginny setzte sich neben sie und sah sie an. Ihr war irgendwie klar, dass Hermine auf Männer steht, aber vielleicht gab es noch ein bisschen Hoffnung. "Hermine kann ich auf eine Fortsetzung zwischen uns hoffen?" Hermine sah sie nicht an. Sie war schon wieder mit ihren Gedanken zu Severus gewandert. Wieso konnte sie ihn einfach nicht vergessen. Er hatte ihr doch deutlich gezeigt, dass es aus war. Spätestens als er ihr die 100 Punkte abgezogen hatte. Aber irgendwas war faul an der Sache. Er hatte ihr nicht in die Augen geschaut, was eigentlich seine Art war, wenn er Schüler fertig machte.
"Hermine, du bist ja schon wieder ganz wo anders. Spuckt dir dieser Typ durch die Gedanken?" Hermine nickte. "Vielleicht solltest du noch mal mit ihm reden. So ganz gestohlen, wie du mir weismachen willst, kann er dir nicht bleiben." Hermine musste leicht grinsen. "Sag mal Ginny kannst du Gedankenlesen? Dir kann man echt nichts vormachen." - "Das liegt daran, dass wir Freunde sind. Und ich dich liebe. Ich wäre auch damit einverstanden dich ab und zu mal zu teilen." Jetzt musste Hermine lachen. "Wie sich das anhört. Du würdest mich teilen. Wie ein Stück Torte. Du ein Stückchen, Sev..." Mitten im Wort stockte Hermine. 'Hoffentlich ist Ginny nichts aufgefallen.' "Ja wie ein Stück Sahnetorte. Ich bekomme das größere Stück. Ich brauche nämlich sehr viel Liebe", lachte Ginny. 'Ihr ist es nicht aufgefallen, was für ein Glück.'
Hatte Hermine wirklich Glück und Ginny ist nichts aufgefallen? Oder tat sie nur so und wartete darauf, dass Hermine ihr das erzählte?
Die beiden alberten noch etwas rum, bis sie todmüde in ihre Betten fielen und einschliefen. Ginny hatte sich schweren Herzens in ihr Bett begeben.
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