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Fanfiction

Hilfe, ich bin eine Mary Sue! - Der mysteriöse Raum und eine seltsame Macht

von SĂĄthien

Ich muss sagen, ich bin ein wenig baff, das ich bereits jetzt so viele Reviews bekommen habe.

Also, ganz wichtig: Danke an Viola Lily, Quickie, Hallie Potter, Rune, mitglieddesphönixordens, eule20, Lil.E. und Pique-Art!

Verzeiht, dass ich nicht weiter auf eure Reviews eingehe, es ist schon recht spĂ€t, wollte aber unbedingt noch das Kapitel hochladen. Kann euch aber versichern, dass ich mich ĂŒber jedes gefreut habe, wie eine Schneekönigin!

Das erste Kapitel ist recht lang geworden, vielleicht schon zu lang. Am besten, ihr sagt mir bescheid, wie es euch gefallen hat. Ich hoffe, es gefÀllt euch.


---



Der mysteriöse Raum und eine seltsame Macht
Oder: Wie alles begann



Es war ein ganz gewöhnlicher Dienstagmorgen, an dem ich mich, wie immer widerwillig, aus dem Bett schĂ€lte und die Lehrer verfluchte, die mich heute quĂ€len wĂŒrden. Schlaftrunken ging ich ins Bad, wusch mich hastig und putzte mir schlampig die ZĂ€hne. Dann schleppte ich mich in die KĂŒche, um ein wenig zu frĂŒhstĂŒcken. Cornflakes mit Milch. Herrlich gewöhnlich.
Etwa zwanzig Minuten spĂ€ter war ich fertig angezogen, die Schultasche auf dem RĂŒcken, bereit, den quĂ€lenden Weg zur Schule anzutreten. Ich erschauderte, denn der Sommer ging langsam und sicher zuneige. Da ich sehr leicht fror, nahm ich mir sicherheitshalber eine Jacke mit und warf meinem unspektakulĂ€ren Ebenbild im Spiegel neben der WohnungstĂŒr nur einen kurzen Blick zu, als ich die Wohnung verließ.
Der Hinweg war sehr beschwerlich. War er zwar nicht lang, war er umso anstrengender, denn es ging stetig bergauf. Ich machte regelmĂ€ĂŸig genau auf der Mitte des Weges Schlapp, immer an der halb verwitterten Bank, an der man sich so herrlich leicht Splitter in den Arsch ziehen konnte.
Nach einigen Minuten des Luftholens setzte ich den beschwerlichen Weg fort und fand mich zwei Stunden spĂ€ter, so schien es mir zumindest, vor dem Tor meiner Schule wieder. NatĂŒrlich war ich wie immer zu spĂ€t. Ich durchschritt es und ging die gewohnten GĂ€nge entlang, dieselben langweiligen Treppen hinauf, wie jeden Tag.

Irgendwann kam ich bei der öden, hellgrau gestrichenen TĂŒr an, die zu meinem Klassenzimmer fĂŒhrte. Ich schloss kurz genervt die Augen, mich innerlich fĂŒr eine Schimpftirade wappnend, und öffnete sie, ohne anzuklopfen.
„Maria, Sie sind genau sieben Minuten zu spĂ€t“, ertönte es, zeitgleich mit dem ersten Schritt, den ich hinter die Schwelle setzte.
„’Tschuldigung“, murmelte ich und begab mich zu meinem Platz in der dritten Reihe.
„Ah, ah, ah. Das ist schon das zweite Mal in dieser Woche. Und das, obwohl wir erst Dienstag haben. Man könnte ja schon fast beeindruckt sein.“

Herr Kleinschmidt war ein Arsch. Ein Arsch, wie er im Buche steht. Oft nannten meine Sitznachbarin und ich ihn hinter seinem RĂŒcken einfach nur „Snape“. Wie passend, dass jener tatsĂ€chlich in einem Buche steht.
Äußerliche Ähnlichkeiten mit der Buchfigur allerdings waren gleich Null. Eine kreisrunde kahle Stelle auf dem Kopf, rundherum rotbraunes Haar, TrĂ€nensĂ€cke und ein undekorativer Schnauzbart ließen seine AttraktivitĂ€t auf ein Minimum sinken. Seine krĂ€chzende Stimme tat das Übrige.

Ich hörte irgendwann nicht mehr hin, lauschte nur noch mit halbem Ohr, als er sagte: „Heute noch irgendeinen Fehltritt ihrerseits, und es wird ernsthafte Konsequenzen fĂŒr Sie nach sich ziehen 
“
Wie Recht er damit hatte.

Die erste halbe Stunde dĂŒmpelte einfach so dahin, sodass ich zuerst nicht mitbekam, dass Kleinschmidt die AufsĂ€tze einsammeln wollte. Und ĂŒberhaupt, von welchem Aufsatz sprach er?
NatĂŒrlich, ich hatte diesen Aufsatz nicht geschrieben. Ich hatte ihn vor mich her geschoben und geplant, meinen Wecker extra frĂŒher zu stellen, um ihn heute Morgen zu schreiben – doch so etwas klappte selbstverstĂ€ndlich nie. Also musste irgendeine Rettung her, irgendetwas, was mich vor den Klauen dieses Mannes verschonte, denn ich konnte mir wirklich keinen weiteren Eintrag im Klassenbuch leisten. Schon gar keinen von Kleinschmidt unterschriebenen.
Also hob ich meinen Arm zaghaft nach oben. Ich konnte sein Seufzen hören, noch ehe er sich in meine Richtung drehte. „Ja, Maria, was haben Sie denn Interessantes zu sagen?“
Ich bemĂŒhte mich, mein Gesicht zu verzerren, doch nur so leicht, dass es noch glaubhaft wirkte.
„Herr Kleinschmidt“, sagte ich leise und presste zeitgleich die Hand auf meinen Bauch. „Mir ist total schlecht, kann ich bitte kurz raus?“
„Oh, Sie glauben doch nicht etwa, dass ich Ihnen das abkaufe. Oh nein. Ich wĂŒrde jetzt liebend gern Ihren Aufsatz sehen.“
Er streckte fordernd seine Hand aus.
Ich wĂŒrgte kurz gekĂŒnstelt und drĂŒckte meine Hand auf den Mund. Dann sprang ich auf und flitzte zur TĂŒr.
„Ich glaube, ich muss kotzen 
“, wimmerte ich und als ich die TĂŒr aufriss, um aus dem Raum zu hechten, hörte ich noch, wie mir mein Lehrer hinterher rief: „Ich habe Sie ja gewarnt! Das wird Folgen haben!“

Ich schlug tatsĂ€chlich den Weg zum Klo ein, schließlich sollte man beim LĂŒgen möglichst nah an der Wahrheit bleiben. Also rannte ich wie ein geölter Blitz die Treppen hinunter, die ich vorhin noch hochgestiegen war, und schloss die rosa lackierte TĂŒr hinter mir. (Man könnte meinen, die stilisierte Frau auf der TĂŒr reicht, um das dahinter liegende Zimmer als „MĂ€dchenklo“ zu identifizieren, doch scheinbar war die Schulleitung anderer Meinung.)
Da ich nichts Besseres zu tun hatte, ging ich zum Waschbecken und ließ mir erstmal kaltes Wasser ĂŒber die HĂ€nde laufen, wĂ€hrend mich mein Spiegelbild schief angrinste. Ich stellte das Wasser ab, suchte vergebens nach PapierhandtĂŒchern und setzte mich dann auf einen Klodeckel in einer Kabine, deren TĂŒr ich verriegelte.
Jetzt hieß es nur noch, genau auszuklĂŒgeln, fĂŒr wie lange es klug war, weg zu bleiben. Nun, in diesem Falle sicher fĂŒr den Rest der Stunde, die eine Doppelstunde war. Seufzend und zufrieden grinsend holte ich meine Physiksachen hervor. Immerhin fĂŒr die nĂ€chste Stunde konnte man vorbereitet sein, nicht wahr?
Doch mit dem Lesen kam ich nicht sehr weit, denn ich hörte, wie die TĂŒr knarrend aufging. Ich runzelte die Stirn und mein Herz setzte fĂŒr eine Sekunde aus, denn von meinem Platz aus konnte ich die TĂŒr nicht sehen. Doch als ich hörte, wie die KabinentĂŒr nebenan zu ging atmete ich erstmal erleichtert aus.
„Freuen Sie sich nicht zu frĂŒh, Maria“
Ich schrie auf, sprang vom Klodeckel hoch und hĂ€tte dabei beinahe mein Physikbuch in der KloschĂŒssel versenkt. Das war die Stimme von Herrn Kleinschmidt. Im MĂ€dchenklo. Doch das störte mich in diesem Moment nicht so sehr, denn anstatt mich zu beschweren sagte ich: „Mir geht es schon ein bisschen besser.“
„Ihnen ging es nie schlecht. Denken Sie, ich hĂ€tte ihre LĂŒgen nicht schon lĂ€ngst durchschaut?“
„Sie können mir nichts nachweisen.“
Ich hörte ein leises amĂŒsiertes Glucksen, wovon mir tatsĂ€chlich fast ĂŒbel wurde. Ob ich es wohl schaffte, mich so sehr hineinzusteigern, bis mir mein FrĂŒhstĂŒck tatsĂ€chlich wieder hochkam?
„Ich möchte Ihnen ein Angebot machen, Maria.“
Ich stutzte.
„Was fĂŒr ein Angebot?“
Meine Stimme zitterte leicht.
„Dazu kommen Sie bitte aus ihrem Versteck heraus. Andernfalls werde ich mir eine schöne Strafe fĂŒr sie ausdenken“, sagte die krĂ€chzende Stimme genĂŒsslich.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, denn die Strafen von diesem Stinkepeter waren mir nur allzu bekannt. Also entriegelte ich die TĂŒr, nahm meine Schultasche in die Hand und trat aus der Kabine hinaus. Mein Lehrer tat es mir gleich, denn als ich mich nach links wandte standen wir uns gegenĂŒber.
„Folgen Sie mir“, sagte er schlicht, drehte sich um und ging mit einem Affenzahn auf die TĂŒr zu.
Ich folgte zögernd, gespannt und mit der Gewissheit, dass ich in eine Falle getappt war.
Nach sehr vielen sehr schnellen Schritten erreichten wir den Teil der Schule, der schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden war. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun, denn wer wusste schon, was der Typ mit mir vorhatte.
Er schloss die hohe GlastĂŒr auf, die den neuen Teil vom alten Teil der Schule trennte und hielt sie fĂŒr mich auf. Ich folgte ihm, mein Herz nervös flatternd.
Noch eine Weile hetzten wir durch GĂ€nge, bis Herr Kleinschmidt vor einer besonders vermodert wirkenden TĂŒr anhielt. Er drehte sich zu mir um, mit dem SchlĂŒssel vor meiner Nase wedelnd.
„Das, was ich Ihnen gleich erzĂ€hlen werde behalten Sie schön fĂŒr sich, sonst werde ich veranlassen, dass man sie der Schule verweist.“
„Kein Problem“, antwortete ich, ziemlich sicher, dass ich in der nĂ€chsten Pause mit meiner Sitznachbarin darĂŒber quatschen wĂŒrde.
Mit einem skeptischen Blick schloss er die TĂŒr schließlich auf. Sie öffnete sich quietschend und was ich dahinter erblickte raubte mir den Atem.
Vollkommene SchwÀrze.
Doch Herr Kleinschmidt trat trotzdem ein und entfachte irgendwo im Raum ein kleines Licht. Ich zögerte zunĂ€chst, setzte dann aber auch einen Fuß hinter die TĂŒr.
Die kleine Lichtquelle kam von einem angelaufenen KerzenstĂ€nder. Das Einzige, was ich denken konnte war „Was zur Hölle?“, denn als sich meine Augen an das schummerige Licht gewöhnt hatten, konnte ich die Einrichtung eingehend betrachten.
Die Dunkelheit konnte ganz einfach durch die schweren, tiefschwarzen VorhÀnge erklÀrt werden, die die Fenster verdeckten und jedes Sonnenlicht verschluckten. Falls der Raum einst ein Klassenzimmer gewesen war, hatte jemand recht gute Arbeit geleistet, dies unkenntlich zu machen
Entlang der WĂ€nde standen deckenhohe BĂŒcherregale, voll gestopft mit uralten, dahinschimmelten WĂ€lzern, die alle einen brĂ€unlichen oder schwarzen Einband hatten. Ich zweifelte daran, dass sich da noch irgendjemand zurecht finden konnte.
Vor der Stelle, an der wahrscheinlich mal die Tafel hing, stand ein imposanter Schreibtisch mit kunstvollen Schnitzereien, der auf so etwas wie Klauen stand. Davor sowie dahinter befand sich je ein hoher schwarzer Ledersessel. Welch dramatischen Effekt es geben wĂŒrde, wĂŒrde man sich in ihm lĂ€chelnd zu einem Besucher umdrehen, die Fingerkuppen aneinander gelegt und mit einer weißen Katze auf dem Schoß.
Seltsamerweise ließ mich das alles verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kalt, denn zwischen den vielen LĂ€ufern am Boden konnte man immer noch klar diesen typischen Klassenraumboden erkennen.
„Nehmen Sie Platz.“
Ich kam der Aufforderung sofort nach, fragte mich aber doch, ob mein Lehrer nun total durchgeknallt war. Hatte er dieses Zimmer etwa selbst so hergerichtet? Ich hatte schon immer heimlich spekuliert, was fĂŒr seltsame Hobbys dieser Mann wohl haben mochte.
Herr Kleinschmidt platzierte die Kerzen etwas weiter links auf dem imposanten Tisch, sodass wir uns darĂŒber hinweg ansehen konnten. Er rĂ€usperte sich.
„Wie gesagt, ich wĂŒrde Ihnen gerne ein Angebot machen.“
Ich senkte leicht meinen Kopf.
„Ich höre Ihnen zu.“
„All dies“, er machte eine weit ausladende Geste, „ist nicht nur Dekoration. Auch, wenn Sie das jetzt vielleicht denken mögen.“
Ich hob unglÀubig eine Augenbraue.
„Und das soll ich Ihnen abkaufen?“
„Nein, keineswegs. Das können Sie sich mit Sicherheit nicht leisten. Allein schon der Wert dieses wundervollen Schreibtisches 
“
Ich zog die Augenbrauen zusammen. Er kam tatsÀchlich ins SchwÀrmen.
Er wurde rot, was sich mit der Farbe seines Bartes biss, und rÀusperte sich erneut.
„Zum Angebot. Sie helfen mir und ich helfe Ihnen.“
„Wobei können Sie mir denn helfen?“
Er verschrÀnkte die Arme vor der Brust und betrachtete mich eingehend.
„Nun, ich werde von einer Strafe absehen. Bedenken Sie doch, wie oft Sie dieses Jahr schon verspĂ€tet im Unterricht erschienen sind und ihr Verhalten in meinem Unterricht lĂ€sst auch sehr zu WĂŒnschen ĂŒbrig. Und nicht nur in meinen Stunden, wie mir einige Kollegen mitgeteilt haben.“
Er sah mich an. Ich schwieg. Er spielte nervös mit seinen Fingern. Ich schwieg.
„Und ich gebe Ihnen den restlichen Tag frei.“
Ich sagte immer noch nichts, doch nickte irgendwann.
„Gut, ich werde mir anhören, was Sie zu sagen haben. Schießen sie los.“
Er richtete sich auf.
„Ich arbeite fĂŒr eine Geheimorganisation.“
Ich brach in schallendes GelÀchter aus.
„Britischer Geheimdienst oder doch das FBI?“, keuchte ich, hielt mir meinen schmerzenden Bauch und wischte ein paar TrĂ€nen aus den Augenwinkeln.
Herr Kleinschmidt sah mich ernst an.
„Nein. Ich bin Vermittler bei der I.M.S.A.“
„Na, das hört sich ja interessant an! Und wofĂŒr steht das?“ Ich gluckste immer noch.
Er hingegen schien das alles sehr ernst zu nehmen.
Es steht fĂŒr „International Mary Sue Association“. Ich bin mir sicher, Sie haben den Namen „Mary Sue“ schon einmal gehört?“
Ich nickte verwirrt. Wenn man Pech hatte und die falschen Seiten besuchte, konnte man schon des Öfteren auf eine dieser Furcht einflĂ¶ĂŸenden Kreaturen stoßen, meist kreiert von zwölf- bis vierzehnjĂ€hrigen MĂ€dchen oder Ausgeburten der Hölle. Nun, eigentlich lief es ja auf das Selbe hinaus.
(Dem Leser sei an dieser Stelle gesagt, dass dies selbstverstĂ€ndlich nicht auf alle zwölf- bis vierzehnjĂ€hrigen MĂ€dchen zutrifft. Dem Himmel sei Dank ist es nur ein kleiner Prozentsatz. Die meisten sind zum GlĂŒck immer noch sehr ehrenwerte junge Damen.)
Aber was um aller Welt hatte mein Lehrer und vor allem ich damit zu tun?
Das Fragezeichen in meinem Gesicht schien meinem Lehrer ins Auge zu springen, denn er sagte schnell: „Lassen Sie mich alles in Ruhe erklĂ€ren.“
„Aber mĂŒssen Sie nicht zurĂŒck zur Klasse?“
„Die sind beschĂ€ftig“, sagte er leichthin. „Glauben Sie, ich kann mir mein geiles Auto mit diesem Hungerlohn leisten, den ich als Lehrkörper bekomme?“
Ich stutze.
„Ja!“, sagte ich dann, fast verzweifelt.
„Absolut FALSCH! Das schaffe ich nur mit meiner NebentĂ€tigkeit bei der I.M.S.A., was mich auch gleich wieder zu Ihnen bringt. Ich brauche Sie!“, er zeigte mit seinem nackten Wurstfinger auf mich.
„Aha“, sagte ich nur und schluckte.
Hilfe, ich wollte da raus, mein Lehrer war total verrĂŒckt geworden!
„Jeden Tag schreiben Menschen, in unserem Fall interessieren uns nur die jungen MĂ€dchen, Fan Geschichten, oder auch „Fan Fictions“, in denen ein perfektes MĂ€dchen die Welt rettet, zehn Verehrer hat, makellos aussieht und FĂ€higkeiten hat, die alles und jeden ĂŒbersteigen. Diesen MĂ€dchen mangelt es an Fantasie, Maria! Deshalb ist es die Aufgabe der Vermittler, junge Frauen zu vermitteln, die die fehlende Fantasie ersetzen.
Und dafĂŒr krieg ich dann eine ganze Stange Geld.“
Er lehnte sich zufrieden lĂ€chelnd zurĂŒck.
„Und was hat das mit mir zu tun?“, wimmerte ich.
Er faltete seine HĂ€nde.
„Ich habe schon lange keine Kandidatin mehr vermittelt. Sie wĂ€ren sicher die Richtige.“
Ich lÀchelte ihn Àngstlich an.
„Aha. Aber dafĂŒr will ich mehr als einen Tag frei haben!“, sagte ich mit zittriger Stimme.
Herr Kleinschmidt hob die HĂ€nde.
„Meinetwegen auch das. LĂ€sst sich einrichten.“
„Und sie geben mir eine Eins in Deutsch!“
„Aber sie sind eine totale Niete!“, rief er empört.
„Eben drum. Das wĂ€re meine einzige Chance. Ansonsten können Sie es vergessen.“
Er schien eine Weile zu ĂŒberlegen und ließ seine Fingerknöchel knacken.
„Hm
 na gut. Ich denke, das ist dein Deal.“
Er streckte mir seine Hand entgegen, doch ich schlug noch nicht ein.
„Sagen Sie mir erst, was genau ich tun muss“, verlangte ich.
„Oh, ja. Sie bekommen diese Kette hier – ĂŒberaus schick, der letzte Trend bei Mary Sues! – und tragen sie stets bei sich. Sie werden gleich nach Hause gehen, sich noch einmal ganz genau einprĂ€gen, wie eine unserer Mary Sues sich zu verhalten hat, und zwar in dieser BroschĂŒre“ - wie von Zauberhand zog er ein kleines Heft aus seinem Hemd - „und dann bekommen Sie Besuch.“
„Von wem?“
„Oh, glauben Sie mir, sie werden Sie erkennen. Sie hat die I.M.S.A. gegrĂŒndet. Sie ist tatsĂ€chlich eine echte Sue, diejenigen, die meine Kollegen und ich vermitteln sind ja sozusagen nur Schauspieler, die mit Anweisungen aus dieser Kette“ - er hielt sie demonstrativ hoch - „spielen“. Verstanden?“
„Gibt es nicht so etwas wie einen Vertrag?“, fragte ich verwirrt.
Er nickte. „Aber ja, den wird Frau Sue mitbringen. Sie heißt ĂŒbrigens wirklich so.“
„Wie?“
„Vorname Mary, Nachname Sue.“
Er reichte mir die Kette und die BroschĂŒre. Ich verzog das Gesicht, als ich das „SchmuckstĂŒck“ betrachtete. Die Kette sah aus, wie aus einem billigen Kaugummiautomaten und glĂ€nzte in allen möglichen Farben. Scheußlich.
Die BroschĂŒre zog eher meine Aufmerksamkeit auf sich. Eine junge Frau, – oder war es ein MĂ€dchen? – mit einer wallenden schwarzen HaarmĂ€hne, die violett glĂ€nzte, passend zu ihrer Augenfarbe, lĂ€chelte ein makellos weißes LĂ€cheln. Ihre Lippen voll und rot, ihre Nase klein und fein. Ihr Gesicht war zart, sie sah nicht Ă€lter aus als sechzehn, doch ich war mir sicher, dass sie Ă€lter sein musste, denn sie hatte zwei unglaublich pralle, perfekt runde BrĂŒste. Sie war perfekt. Und doch hatte ich das GefĂŒhl, sie sei der Teufel persönlich.
„Schön!“, sagte Herr Kleinschmidt enthusiastisch und sprang aus dem Sessel auf. Auch ich erhob mich. „Das wĂ€re es dann, Maria. Gehen Sie nach Hause, lesen Sie alles genau durch und lassen Sie es sich durch den Kopf gehen.“
Ich nickte. Eine garantierte Eins in Deutsch. Spitze!
Als wir zusammen durch die TĂŒr gingen und mein Lehrer sie wieder verschloss, fĂŒhlte ich mich seltsam.
„Warum ausgerechnet ich, Herr Kleinschmidt?“, fragte ich flĂŒsternd.
Er sah mich warnend an.
„Nichts hinterfragen!“, drohte er. „Steht auch in der BroschĂŒre. Auf Ihre Frage gibt es nur eine Antwort 
“
„Und die wĂ€re?“
„Weil Sie auserwĂ€hlt sind!“ Er machte eine kurze Pause.
„Oder aber auch, weil gerade niemand anders zur Hand war, ganz wie Sie wollen. Viel Erfolg!“
Mit diesen Worten verschwand er langsam, mich zurĂŒcklassend, wĂ€hrend ich noch immer total baff auf das Titelbild der I.M.S.A. - BroschĂŒre starrte.

Ich hĂ€tte eigentlich direkt zurĂŒck zum Unterricht gehen und das eben Geschehene einfach vergessen sollen, doch irgendetwas hielt mich zurĂŒck. Eine unsichtbare Kraft, die mich zu lenken schien.
Meine Neugierde.
Ich ging also den Weg zurĂŒck nach Hause, froh, den Tag frei zu haben. Unterwegs holte ich den I.M.S.A.-Prospekt heraus und blĂ€tterte ihn von hinten nach vorne durch. Offenbar war es nicht nur zur reinen Information gedacht, denn es waren auch Utensilien, wie Schwerter und lange imposante ZauberstĂ€be zu finden, sowie ein Bestellschein.
Irgendwann kam ich zu den „vier Goldenen Regeln der Mary Sue“. Ich zog meine Augenbrauen zusammen. Vier Regeln nur? Die sollten sehr leicht einzuhalten sein.
Ich setzte mich auf die morsche Bank, denn ich hatte bereits die HĂ€lfte des Weges hinter mich gebracht, und begann sie zu lesen.

1. FĂŒhren Sie ihre AuftrĂ€ge zu unserer Zufriedenheit aus!
2. Hinterfragen Sie nichts, was man Ihnen auftrÀgt, oder zweifeln sie an der Logik. Es geschieht alles genauso, wie es soll!
3. Sprechen Sie mit niemandem ĂŒber die I.M.S.A., sonst garantieren wir fĂŒr nichts!
4. Das im Vertrag von Ihnen Unterzeichnete gilt!

Ich klappte den Prospekt zu. Nett formuliert waren diese Regeln nicht, doch allzu schwer einzuhalten sicher auch nicht. Ich stand wieder auf und stopfte die BroschĂŒre achtlos in meine Tasche.

Wenig spĂ€ter erreichte ich das alte graue Haus, in dem ich wohnte. Ich konnte von GlĂŒck reden, dass mein Vater bis morgen auf GeschĂ€ftsreise war, denn was hĂ€tte er wohl gesagt, wenn ich plötzlich in der TĂŒr stĂŒnde? Ihn kann man nicht so leicht belĂŒgen, wie es, normalerweise, bei Herrn Kleinschmidt der Fall war.
In der Wohnung angekommen ließ ich meine Tasche auf den Boden fallen und zog meine leichte Jacke aus.
Dann setzte ich mich ins Wohnzimmer und starrte ins Leere. Nun war ich also wieder zuhause. Ein ganzer langer Tag, an dem ich einfach nur faul dasitzen und tun und lassen konnte, was ich wollte. LĂ€chelnd reckte und streckte ich mich und breitete mich auf der weichen Couch auf.
Wenig spÀter war ich auch schon eingeschlafen.

Ich wusste nicht, wie lange ich weg war, als ich von einem merkwĂŒrdigen Ruckeln geweckt wurde. Ein Blick zur Uhr sagte mir, dass es gerade mal zwanzig Minuten waren. Leicht benommen setzte ich mich auf.
Das Ruckeln wurde gleichmĂ€ĂŸig stĂ€rker und verwandelte sich in ein ausgewachsenes Beben. Ich schluckte und hielt mich krampfhaft am Tisch fest.
Was geschah jetzt und seit wann gab es hier Erdbeben?, fragte ich mich, als das Lieblingsmodellschiff meines Vaters vom Regal fiel. Ich schrie entsetzt auf, als ich sah, dass nur noch TrĂŒmmer davon ĂŒbrig waren.
„Der bringt mich um!“
Als nun auch die Regale selbst umzufallen drohten hechtete ich schnell zum TĂŒrrahmen, denn ich hatte vor einiger Zeit in einer Wissenssendung gesehen, dass es bei einem Erdbeben dort am sichersten sei.
Mit großen Augen starrte ich ins Zimmer, zum Himmel flehend, dass wenigstens der antike Schrank heil blieb, der bereits bedrohlich wankte – als es mit einem Mal aufhörte. Ich schluckte und war drauf und dran, mir unglĂ€ubig die Augen zu reiben.
Ich hĂ€tte es lieber getan, denn ein plötzlicher gleißender Lichtblitz blendete mich fĂŒr mehrere Sekunden, und auch als er wieder verschwunden war, war ich immer noch nicht im Stande, richtig zu sehen. Es dauerte eine Weile, bis die Muster vor meinem Auge verschwunden waren.

Als ich dann wieder ins Wohnzimmer blickte, stellte ich erstaunt fest, dass alles noch an seinem Platz war, auch das heilige Modelsegelschiff hatte seinen Platz auf dem Regal wieder eingenommen. Doch was noch viel erstaunlicher war, war die Frau, die mitten im Raum stand.
Ihre Anmut und Schönheit raubte mir auf dem ersten Blick schier den Atem! Ihr hĂŒftlanges Haar fiel wie flĂŒssiges Gold auf ihre Schultern und ihre perfekten Rundungen wurden von einem Kleid von solch einem silbrigen Glanz, dass es beinahe zu leuchten schien, verhĂŒllt.
Ihre weiße Haut war makellos rein, und am ganzen Körper straff und fest. Ihr Gesicht war schmal, die hohen Wangenknochen traten deutlich hervor, was sie aber keineswegs alt erschienen ließ, sondern noch eleganter, als ohnehin schon. Die Lippen waren voll und sinnlich und im Moment zu einem leichten LĂ€cheln verzogen. DarĂŒber befand sich ihre schlanke Stupsnase, auf der kein einziger Mitesser zu finden war.
Die Frau sah mich aus ihren wunderschönen eisblauen Augen prĂŒfend an.
„Bist du Maria Schulz?“, sprach eine Stimme von solch einer WĂ€rme und Klarheit, dass ich beinahe auf die Knie gefallen wĂ€re.
Verdammt, was war nur los mit mir? So etwas sah mir ĂŒberhaupt nicht Ă€hnlich!
„Ja, die bin ich“, krĂ€chzte ich, worauf die Frau, nein, der Engel vor mir sanft lĂ€chelte.
Sogleich zog sie etwas unter ihrem Kleid hervor, wÀhrend ich verzweifelt versuchte einen Blick auf ihre perfekten Beine zu erhaschen und fasziniert einige Schritte vortrat.
„Olaf Kleinschmidt hat mir von dir erzĂ€hlt.“ Ich starrte sie weiterhin sprachlos an. „Er hat dir das Gröbste mitgeteilt, nehme ich an?“
Ich nickte hastig und krĂ€chzte nur ein leises „Ja!“
Die Frau lÀchelte.
„Das ist sehr schön. Mein Name ist Mary Sue. Ich möchte, dass du diesen Vertrag unterzeichnest.“
Sie reichte mir ein Blatt Papier und einen violetten Stift. Ich betrachtete das Papier nicht weiter, sondern kritzelte einfach meine Unterschrift unleserlich auf die feine Linie ganz unten und gab es ihr zurĂŒck. Ihre HĂ€nde waren genauso schön, wie der Rest von ihr.
„Danke, Maria. Und jetzt hör mir zu.“ Ich nickte hypnotisiert, sie unentwegt anstarrend. „Du wirst gleich schlafen gehen. Lege dich einfach in dein Bett und entspanne dich. Wenn du aufwachst wirst du jemand anders sein. Du wirst dann zwei Erinnerungen haben, die deines neuen Ichs und die deines jetzigen Ichs als Maria Schulz. Verstanden?“
„Ja, verstanden“, flĂŒsterte ich.
„Ein junges MĂ€dchen schreibt gerade eine Fanfiction, die in der Harry Potter Welt spielt. Ich werde dich dort hinschicken. Das Meiste wird von alleine klappen, doch solltest du Fragen haben, benutze die Kette. Vergiss nicht, sie anzulegen, wenn du gleich schlafen gehst.“
Sie schwieg eine Zeit lang, in der ich sie weiterhin betrachtete. Mir war im Moment alles Recht, was sie sagte.
„Oh, und keine Angst. Wir werden hier alles fĂŒr dich Regeln. Es wird so aussehen, als seiest du einfach weggefahren. Niemand wird dich vermissen. Auch dein Vater nicht, denn wir können sehr ĂŒberzeugend sein“, fuhr sie dann fort.
Einen Moment hatte ich den Eindruck, irgendetwas funkele in ihren Augen auf, doch in der nÀchsten Sekunde war es schon wieder verschwunden.
„Gut. Ich werde jetzt gehen. Viel Erfolg, Maria.“
Sie öffnete mit einer fließenden Handbewegung ein seltsames Portal, durch das sie schreiten wollte, doch ich hielt sie zurĂŒck.
„Warten Sie, eines muss ich wissen!“
Sie zog ihre geschwungenen Augenbrauen nach oben.
„Und das wĂ€re, Maria?“
Ihr LĂ€cheln war ein wenig kĂŒhl geworden und ihre linke Hand zuckte kurz merkwĂŒrdig.
„Sind Sie ein Mensch?“, flĂŒsterte ich ehrfĂŒrchtig.
Sie ließ ein glockenhelles Lachen ertönen.
„Oh, nein, wo denkst du hin. Ich bin zu einer HĂ€lfte Veela und zur anderen HĂ€lfte eine Elfe. Aber ich habe viele MĂŒtter und GroßmĂŒtter aus anderen Völkern der Fandoms dieser Welt. Und nun auf Wiedersehen und schlaf gut, Maria!“
Mit diesen Worten verschwand sie im Portal und schloss es von der anderen Seite wieder.

Ich schĂŒttelte meinen Kopf. Er fĂŒhlte sich merkwĂŒrdig leer an. Was zur Hölle war das gewesen, fragte ich mich. Ich kratzte mich am Kopf. Weshalb hatte ich mich nicht konzentrieren können? Was war das fĂŒr eine merkwĂŒrdige Macht gewesen, die mich kontrolliert hatte? Ich blinzelte und rieb mir die Augen. Vielleicht hatte ich einfach nicht genug geschlafen.
Ich ging in den Flur, um die Kette aus meiner Schultasche zu holen. Dabei fiel mein Blick auf mein Spiegelbild. Es sah mich Stirn runzelnd an. „Was genau habe ich da eigentlich unterschrieben?“

tbc

Hat sich irgendein Wahnsinniger diesen irrisinnig langen Text durchgelesen? Wenn ja: Respekt.

Keine Sorge, im nÀchsten Kapitel wird die Harry Potter Welt ins Spiel kommen. Oder leider eher die Harry Potter-Mary Sue Welt. *schauder* Ist ja nicht umsonst Horor. ;)


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David Barron, ausfĂŒhrender Produzent, ĂŒber das Casting fĂŒr Luna Lovegood