
von FeuerflĂŒgel
Hermine erwachte frĂŒh. ZunĂ€chst wusste sie nicht, was sie geweckt hatte, doch dann hörte sie ein schmerzerfĂŒlltes stöhnen aus dem Zimmer nebenan. Sofort war sie hellwach. War Harry in Gefahr? Sie sprang aus dem Bett, Rons Gebrumme nicht beachtend und riss die TĂŒr auf. Dort lag Harry, in seinem Bett und er wĂ€lzte sich hin und her, seine Hand auf seine Stirn gepresst. Die Narbe hatte doch schon so lange nicht mehr geschmerzt. Warum plötzlich schon wieder? Sie ging zu Harrys Bett, setzte sich und rĂŒttelte ihn sanft.
âHarry? Wach auf.â Langsam öffnete Harry die Augen.
âMorgen Herm- AUTSCHâ rief Harry und schlug sich wieder die Hand vor die Stirn.
âHarry, was ist denn los?â fragte Hermine besorgt, Ron stand inzwischen in der TĂŒr.
âIch... Narbenschmerzen, geht gleich vorbei.â sagte Harry leise.
Hermine nickte und ging, gefolgt von Ron zurĂŒck in ihr Zimmer, um sich anzuziehen.
Hermine war gerade mit der Zubereitung des FrĂŒhstĂŒcks fertig, als Harry nach Unten kam, er trug einen schwarzen Umhang und schleppte so allerlei Kram.
âBist du dir sicher, dass wir das Alles brauchen?â fragte Ron.
âWir sollten auf alles gefasst sein.â sagte Harry und wuchtete den Kram auf den Tisch.
âAber so viel können wir doch gar nicht tragen, Harry.â sagte Hermine. Harry sah sie an und nickte.
âJa, deshalb werden wir jetzt zusammen entscheiden, was wir brauchen und was nicht.â
Eine Stunde spĂ€ter standen die Freunde vor einem groĂen Anwesen, unverkennbar das der Riddles.
âGehen wir jetzt in diese Bruchbude rein?â fragte Ron und sah sich um.
âJa, etwas andere bleibt uns ja nicht ĂŒbrig.â sagte Harry und ging zu der TĂŒr, um sie zu öffnen. Doch kurz vor der TĂŒr blieb er stehen und drehte sich um.
âDie Fallen um die Horkruxe sind gefĂ€hrlich und... Ich bin mir nicht sicher, ob wir das ĂŒberleben werden. Jetzt könnt ihr noch umdrehen.â
âWir bleiben bei dir.â sagte Hermine sanft.
âJa.â
âOkay. Aber ich nehme euch nur unter einer Bedingung mit...â, Harry musste unwillkĂŒrlich an die Worte denken, die Dumbledore ihm eingeschĂ€rft hatte, kurz bevor sie sich auf den Weg gemacht hatten, das Horkrux zu zerstören, â... Wenn ich euch sage, ihr sollt abhauen, egal ob ich mit euch fliehen kann oder nicht, dann werdet ihr abhauen. Versprecht es mir.â Hermine und Ron zögerten.
âRon? Hermine?â
âJa. Okay.â sagten die Beiden wie aus einem Mund.
âGut, dann können wir rein.â
Das Haus war alt und morsch und es stank bestialisch. Sie gingen das gesamte Haus ab, fanden jedoch keinen Hinweis auf eines der Horkruxe.
âWir finden hier nichts. Lass uns gehen, Harry.â sagte Ron.
âWir waren noch nicht im Keller.â
âDas ist doch nicht dein ernst.â
âDoch.â Sie gingen die Treppe hinunter in den Keller. Die WĂ€nde waren aus groben Stein und es war stockdunkel.
âLumos.â sagten die Drei gleichzeitig. Der Raum kam Harry auf unangenehme Weise bekannt vor...
âUnd jetzt? Hier ist nichts.â sagte Ron und wollte sich gerade zum gehen wenden, als...
âWarte. Es sieht so aus, wie... In der Höhle.â sagte Harry leise. Langsam ging er an der wand entlang und lieĂ seine Hand daran entlang gleiten. Plötzlich blieb er stehen. Er hatte genau das gespĂŒrt, was er gesucht hatte.
âIch hab den Eingang gefunden.â
âUnd wie geht die Pforte auf? Da mĂŒsste doch etwas sein...â sagte Hermine neugierig.
âJa. Es ist wie letztes Mal. Man muss Blut zahlen, um hindurch zu kommen.â
âWAS?!â rief Ron, âdas ist ja barbarisch! Von mir bekommt dieses blutrĂŒnstige Tor keinen Tropfen Blut!â
âDas ist auch nicht nötig.â sagte Harry und holte das Messer hervor, dass er einmal von Sirius bekommen hatte.
âSag mal spinnst du? Lass... dasâ sagte Ron, doch seine Stimme versagte ihm, als Harry sich tief in den Arm schnitt und Blut auf die Wand spritzte. Das Tor öffnete sich.
âGehen wir.â sagte Harry und die Drei gingen hinein.
âHarry, lass mich erst mal deinen Arm heilen.â sagte Hermine, packte den Harrys verletzten Arm und heilte ihn mit einem klaps mit ihrem Zauberstab.
âDanke.â sagte Harry und lĂ€chelte sie an. Hermine wurde rot und murmelte etwas von âKeine Ursache.â Dann ging sie schnell zu Ron und hielt seine Hand. Am liebsten hĂ€tte Harry die Beiden auseinander gerissen, aber sie waren doch seine Freunde und... Was dachte er denn jetzt schon wieder? Er musste sich jetzt auf das Horkrux konzentrieren und nicht auf Hermine und Ron. Schnell rannte er vor die Beiden und sie gingen den schmalen dunklen Gang entlang. Keiner sprach ein Wort. Es verging einige Zeit, die Harry wie eine halbe Ewigkeit vorkamen und dann plötzlich standen sie vor einer zehn Meter hohen Feuerwand.
âAch du sch...â sagte Ron, fing sich jedoch im letzten Augenblick wieder, âWie sollen wir verdammt noch mal da rĂŒber kommen?!â Er war ganz offensichtlich geschockt. Harrys Gedanken rasten. So wie er Voldemort kannte, wĂŒrde man diese Feuerwand nicht einfach mit Wasser löschen können...
âAguamenti.â sagte Hermine, doch es passierte nichts. Genau wie er es sich gedacht hatte.
âWie sollen wir da durch?!â rief Ron abermals. Harry antwortete nicht und ging auf die Flammen zu.
âHarry wa...?!â Hermine und Ron sahen in heller Panik zu, wie ihr bester Freund genau in die Feuerbrunst hinein lief.
âSTOP!â Doch es war schon zu spĂ€t. Harry war direkt hinein gerannt. Ein lauter Aufschrei folgte dann herrschte wieder die gleiche drĂŒckende Stille.
âOh Gott.â flĂŒsterte Hermine den TrĂ€nen nahe, â Harry?!â Stille. Und dann...
âAlles okay... Wartet, ich schalte diese Teil ab.â Warme Erleichterung breitete sich in Hermine aus. Wenn Harry... Sie wĂ€re ihres Lebens nicht mehr froh gewesen...
Plötzlich erlosch die Feuerwand und sie konnten einen Blick auf Harry werfen. Da stand er, von oben bis unten verruĂt und seine Haarspitzen rauchten ein wenig, doch ansonsten schien ihm nichts passiert zu sein.
âHarry, wie hast du das gemacht?!â rief Hermine freudig aus und warf sich in Harrys Arme. Dieser hatte diese stĂŒrmische Umarmung nicht erwartet und die Beiden fielen ihn den Staub.
âAh.. Hermine, du bist ganz schön schwer... Können wir bitte erst mal aufstehen?â Ă€chzte Harry, als Hermine keine Anstalten machte, wieder von ihm herunter zu gehen.
âOh... Ja klar... Tut mir Leid!â sagte Hermine und lief nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag blassrosa an und sprang auf. Harry rappelte sich ebenfalls hoch und grinste seine Freunde an.
âIch hĂ€tte nicht gedacht, dass es so einfach ist.â sagte Harry.
âWas hast du denn nun gemacht?â
âNa ja, irgendwie wollte ich da durch... Ganz plötzlich... Ihr nicht?â fragte Harry seine Freunde. Beide schĂŒttelten die Köpfe. Harry fand es merkwĂŒrdig, dass er so oft wusste, was er machen sollte, wie Dumbledore....
Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als er einen gewaltigen Schatten sah.
âRUNTER!â brĂŒllte Harry und drĂŒckte Ron und Hermine auf den Boden. Gerade noch rechtzeitig, denn ein riesiger Schlangenkopf war hervorgeschnellt und hĂ€tte sie alle sicher âeinen Kopf kĂŒrzer gemachtâ, im wahrsten Sinne des Wortes. Harrys Gedanken arbeiteten auf hochtouren. Eine Riesenschlange... Wie viele Schlangen, die er kannte, waren fast so groĂ wie ein Haus und wurden von Voldemort nur zu gerne verwendet? Harry war sich sicher, dass es ein Basilisk war. Er zischte seinen Freunden noch zu, sie sollten nicht aufsehen, stand auf Blickte jedoch auf den Boden.
âGeh weg. Wir sind keine Gefahr. Geh.â zischte er und hörte selbst nicht das schaurige Gezischel, das aus seinem Mund kam. Harry bemerkte, dass der Basilisk zögerte.
âWasss willsssst du? Hat dich der Meissssster geschickt?â zischte er.
âJa, Lord Voldemort schickt mich.â log Harry und hoffte instĂ€ndig, dass die Schlange nicht bemerkte, dass er nicht die Wahrheit sagte.
âWenn dassss ssssso ist... Dann kannssssst du mir sssssicher die Frage beantworten?â Was sollte er darauf antworten? Er war sich sicher, dass er die Frage nicht beantworten konnte, wenn... es ĂŒberhaupt eine Frage gab.
âTut mir sehr Leid, aber der Dunkle Lord meinet, du wĂŒrdest mich auch so durchlassen.â sagte Harry mit gespielt freundlichem Ton.
âĂh... Gut, dasss kann man alsss richtig gelten lasssen.â zischelte er und verschwand. Harry, der der Schreck noch in den Knochen saĂ, lieĂ sich auf den Boden sinken.
âHarry, was hast du da geredet?â fragte Ron und musterte ihn neugierig.
âIch hab ihn dazu gekriegt, dass er uns durchlĂ€sst. Hab ihm erzĂ€hlt, Voldemort hĂ€tte mich geschickt. Und hab die Frage richtig beantwortet. Es war nĂ€mlich gar keine... Los, lasst uns weitergehen.â Sie gingen eine ganze Weile den dunklen Gang entlang weiter. Und plötzlich standen sie vor einem leuchtenden BehĂ€lter, der Ă€hnlich wie der aussah, aus dem Dumbledore getrunken hatte. Nur hier war es glibberiges Zeug. Als Harry hineinfassen wollte, war ein unsichtbarer Schild davor. Er wusste, es blieb ihm keine Wahl...
âAlso. Ron, du stopfst mir dieses Zeug da in den Mund, auch wenn ich das nicht essen will, hast du mich verstanden?â sagte Harry und sah seinen Freund eindringlich an.
âAber -â
âKeine Wiederrede. Uns bleibt keine Wahl. Anders kommen wir nicht ran. Es ist höchstwahrscheinlich vergiftet, also wĂ€re es ganz gut, wenn wir schnell hier raus kommen... He Hermine... WAS VERDAMMT NOCH MAL MACHST DU DA?!â schrie Harry, als Hermine einen Teller heraufbeschworen hatte und sich das Zeug auf den Teller schaufelte. In ihren Augen standen TrĂ€nen.
âHermine lass das! Ich will nicht -â
âIch will auch nicht, dass du dich opferst! Lieber sterbe ich.â
âIch.. Könnte es nicht ertragen, wenn du auch noch...â Harrys Stimme brach.
âStop mal, ihr Zwei. Lasst mich hier auch mal mitreden. Ich werde das eklige Viehzeug da essen.â
âNEIN. Jetzt hört auf mit dem Mist. Ihr wisst ĂŒberhaupt nicht, wie schlecht es jemanden geht, wenn vier Leute wegen ihm gestorben sind! UND WEGEN MIR SIND SCHON VIER MENSCHEN GESTORBEN! Ich will nicht, dass auch noch ein Einziger... Nein, Hermine!â Doch es war schon zu spĂ€t. Hermine hatte sich eine riesige Ladung in den Mund gesteckt. Und noch eine und.. Nach der dritten taumelte sie und Harry konnte sie gerade noch rechtzeitig auffangen.
âScheiĂe, Hermine.â sagte Harry und TrĂ€nen liefen ihm die Wangen hinunter. Er musste ihr weiter dieses Gift in den Mund stecken. Seine Hand zitterte, als er eine Hand voll Glibbertierchen zu Hermines geöffneten Lippen bewegte. Ron saĂ daneben und strich ihr ĂŒber das Haar. Auch er weinte stumm.
Nach fĂŒnf Minuten waren alle Viecher aufgegessen. Hermine zitterte am ganzen Leib. Ron stand auf und holte einen vergoldeten Kelch, der mit vielen Edelsteinen besetzt war aus dem BehĂ€lter und stecke ihn in seine Umhangtasche. In der Zwischenzeit nahm Harry Hermine behutsam hoch in seinen Arm und fing an zu rennen, dicht gefolgt von Ron. Er musste sie retten. Sie durfte nicht sterben. Und alles nur wegen ihm...
Kaum waren Ron und Harry mit Hermine aus dem Riddlehaus gelangt, apparierten sie auch schon zum Fuchsbau.
âWie schön! Endlich seid ihr wieder.... daâ sagte Mrs. Weasley, als sie das Trio erblickte, doch ihre Stimme verlor an Kraft und Freude, als sie Hermine erblickte.
âSchnell, Mrs. Weasley! Sie ist vergiftet!â schrie Harry hektisch. Diese nickte nur, nahm Harry Hermine aus den Armen, sagte etwas von âNicht folgen, ich benachrichtige euch.â und apparierte. Harry vermutete, dass sie Hermine ins St. Mungo brachte. Harry und Ron gingen ins Haus. Sie gingen Beide auf und ab, unentwegt, wartend auf eine Nachricht von Mrs. Weasley aus dem Krankenhaus. Wenn Hermine starb, wĂŒrde Harry sich das nie verzeihen. Niemals. Es war alles seine Schuld. Alles seine verdammte Schuld.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel