
von Schneeflocke
Severus hasste es, jedes Mal aufs Neue, wenn er gezwungen war hierher zu kommen. Wieder nach Hogsmeade zu kommen, in jenes Dorf mit dem er so viele Erinnerungen verband, von wo aus Hogwarts überdeutlich zu sehen war, erfüllte ihn mit einem Schmerz, der in all den Jahren nicht gewichen war. Nein, er war noch nicht einmal abgeflaut. Noch immer, nach drei Jahren, erfaßte er ihn mit aller Gewalt kaum, dass sein Blick vom Dorf aus hinauf ging zum Schloß. Zu jenem Schloß, das ihm so viele Jahre ein Zuhause gewesen war. Das einzige Zuhause, das er jemals gehabt hatte und er hatte es aufgegeben. Aufgegeben für das was er nun Leben nennen sollte…
Nur einige Augenblicke ließ er seinen Blick wie gebannt auf der Schule ruhen, nachdem er am Rande von Hogsmeade appariert war. Er könnte apparieren, hier auf der Stelle. Bis an den Rande des Verbotenen Waldes, von dort war es nicht mehr weit. Er könnte zurück. Zurück zu Albus. Er würde ihm verzeihen, das wusste er sicher, wenn er auch nicht wusste, woher er diese Sicherheit nahm. Irgendwo war sie tief in ihm.
Doch etwas hielt ihn zurück, so wie es ihn seit drei Jahren zurück hielt. Weswegen er es seit drei Jahren nicht geschafft hatte, zurück zu gehen. Albus wäre enttäuscht. Ja, das mit Sicherheit. Er wäre enttäuscht, würde sich womöglich selbst noch Vorwürfe machen, dass Severus am Ende doch noch das geworden war, was Dumbledore immer zu vermeiden versucht hatte. Ein Todesser, ein Anhänger Voldemorts…
Von einem schweren, fast schmerzlich anmutenden Seufzen begleitet riß er sich schließlich von diesem Anblick, der auch nach all den Jahren noch so etwas Erhabenes hatte los, um das Geschäft aufzusuchen, in welchem er die Zutaten besorgen wollte, die ihm für seinen Trank noch fehlten. So spezialisiert die Geschäfte in der Nockturn- und Winkelgasse auch waren, das Kraut welches er benötigte gab es nirgendwo in besserer Qualität als in dem kleinen Laden in Hogsmeade.
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“Es tut mir leid, aber im Moment gibt es kein Ragnockkraut. Wir erwarten erst in zwei Tagen wieder eine Lieferung.”
Severus starrte den Mann hinter der Theke ungläubig an. Zwei Tage… wie sollte er dem Dunklen Lord heute erklären, dass er den Trank erst in zwei Tagen fertig haben wird?
“Ich brauche es aber jetzt! Zwei Tage sind zu lange!”, zischte er dem Mann sich gegenüber zu, der daraufhin jedoch nur bedauernd mit den Schultern zuckte.
“Es tut mir wirklich sehr leid. Sie wissen, dass wir immer alles tun um unsere Kunden zufrieden zu stellen, aber der Sommer war sehr viel trockener als normalerweise. Für gewöhnlich finden Sie Ragnockkraut an jeder Ecke, aber nicht in diesem Jahr, wir müssen weiter reisen um es zu bekommen und dennoch haben wir nicht die Vorräte wie in den vergangenen Jahren… Sie müssen einfach warten… Auch in der Winkelgasse werden Sie kaum Glück haben.”
Severus gab ein unwilliges Brummen von sich. Natürlich wusste er, wie schwer es im Moment war an Ragnockkraut zu kommen. Doch selbst wenn er in der Winkelgasse welches auftun könnte… es hätte nicht die Qualität, die Frische, die er benötigt.
Ein unterdrückter Fluch begleitete seinen Weg aus dem Geschäft hinaus. Den Verkäufer hatte er keines Blickes mehr gewürdigt. Viel zu sehr drehten sich seine Gedanken um die Möglichkeiten, die er nun hatte. Die sehr begrenzt waren und sich mit genau zwei Fingern abzählen ließen. Entweder er trat jetzt vor den Dunklen Lord und sagte ihm, dass es noch zwei Tage dauern würde den Trank herzustellen oder er versuchte es mit dem Kraut, welches er vielleicht in den Winkelgasse bekommen würde und riskierte, dass der Trank nicht so lang anhielt wie vom Dunklen Lord gewünscht.
Die Entscheidung fiel nicht schwer. Den Blick noch einmal auf Hogwarts gerichtet, noch einmal jedes Detail des Schlosses in sich aufnehmend disapparierte Severus zum Dunklen Lord.
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Unter dem kalten Blick mit dem Voldemort ihn bedachte, durchzogen zahllose kalte Schauer Severus’ Körper. Mit gesenktem Haupt stand er vor dem Sessel seines Herrn. Er war auf einer Art Podest errichtet, so dass der Dunkle Lord selbst sitzend den vor ihm stehenden Tränkemeister überragte und mit verächtlichem Blick auf ihn hinab sehen konnte.
“Nun Severus… was hast du mir zu sagen? Was hast du deinem Herrn mitzuteilen?
Severus hob den Kopf ein wenig an, wagte es nun den Blick Voldemorts zu erwidern. Immer heftiger klopfte dabei das Herz in seiner Brust, wusste er doch, dass dieser ein ‘Versagen’ unbarmherzig ahndete.
“Mein Lord, der Trank den Ihr wünscht wird zu meinem Bedauern erst in zwei Tagen fertig gestellt werden können.”
Severus wusste, dass jede weitere Erklärung sinnlos sein würde. Voldemort interessierte es nicht, weshalb er ihn noch nicht brauen konnte, ebenso wenig wie es ihn interessierte, dass Severus nichts hätte tun können, es nicht in seiner Macht lag.
Kurz nur schloß er die Augen, als Voldemort sich erhob und langsam, so unendlich langsam die wenigen Stufen hinab ging. Noch viel langsamer ging er um Severus herum, blieb hinter ihm stehen, so dass Severus den kalten Atem des Lords in seinem Nacken spüren konnte und kaum zu verhindern vermochte, dass er leicht, kaum merklich zu zittern begann.
Voldemort war unberechenbar, das hatte er gelernt, kaum dass er ihn das erste Mal gesehen hatte. Damals, vor so langer Zeit… Tief durchatmend versuchte Severus, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Zu viele Siege hatte Voldemort bereits über ihn errungen, diesen einen wollte er ihm nicht auch noch gönnen. Wollte ihn seine Angst nicht merken lassen.
“Severus”, begann Voldemort leise, seine Stimme klang dabei fast zärtlich. “Sag mir, warum du mich schon wieder enttäuschst.”
‘Er spielt mit mir…’, schoß es Severus durch den Kopf, was ihn erneut für einen Moment die Augen schließen ließ.
“Mein Lord, eine Zutat, die den Trank vollendet fehlt. Ich konnte sie bislang nicht besorgen, weshalb ich euch den Trank erst in zwei Tagen werde liefern können.”
Langsam ging er weiter, bis er wieder von Severus stand und diesen fast mitleidig ansah. Dabei wanderte seine Hand in seine silberglänzende Robe, nur Sekunden später hielt er seinen Zauberstab in der Hand.
Severus konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie der Lord fast liebevoll über das Holz strich.
“Du weißt doch Severus, ich dulde kein Versagen, keine Verzögerungen. Warum nur mußt du mich immer enttäuschen?”
Noch während Severus die letzte Silbe von Voldemorts Worten hörte, erfaßte ihn dieser altbekannte Schmerz des Cruciatus, der ihn von den Beinen riß. Unter Schmerzen, jenseits jeder Vorstellungskraft, sank er auf den Boden. Die Schreie, die dabei seiner Kehle entwichen hatten kaum mehr etwas menschliches an sich. Zu stark waren die Qualen, die dieser Fluch bereitete, als da man sich dagegen hätte wehren können.
Sich noch immer unter Schmerzen windend nahm Severus nur am Rande wahr, wie Voldemort seinen Zauberstab wieder senkte, der Schmerz langsam nachließ. Keuchend lag er auf dem Boden, nicht fähig sich auch nur aufzurichten.
“Siehst du, wozu du mich treibst Severus?”, hörte der Tränkemeister die Stimme des Lords wie durch einen dichten Nebel zu sich durchdringen.
“Tu mir das nicht noch einmal an, dass ich dich so quälen muß, mein kleiner Severus…”
Im nächsten Moment schon wurde Severus Körper wieder von diesen Schmerzen erfaßt, die ihn jedoch schon bald in eine tiefe, erlösende Bewußtlosigkeit führten…
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