
von Schneeflocke
Eine kĂŒhle Hand berĂŒhrte seine Stirn. Eine angenehme kĂŒhle, sanfte Hand. Eine bekannte Hand. Noch mit geschlossenen Augen nahm Severus diesen Hauch einer BerĂŒhrung wahr wie durch einen Nebel und nur langsam hob er seine Hand ein wenig an, um nach der der Frau zu greifen, die neben ihm auf dem Bett saĂ, wĂ€hrend sein noch immer schmerzender Körper auf weiche Kissen gebettet war.
âNarzissaâŠâ, kam es nur flĂŒsternd ĂŒber seine Lippen, die noch immer etwas bleich waren. Er muĂte die Augen nicht öffnen um zu wissen dass sie es war, deren Hand er in seiner hielt. DaĂ es ihr Körper war, dessen angenehme WĂ€rme er an seinem spĂŒren konnte.
Dennoch tat er es, erfĂŒllt von dem Wunsch, sie sehen zu wollen. Das erste Mal wieder sehen zu wollen nach ihrer Hochzeit vor zwei Wochen. Fast schon erwartungsvoll schlug er die Augen auf und fĂŒrchtete sich doch im selben Moment davor das in ihrem Gesicht sehen zu mĂŒssen, das er immer gefĂŒrchtet hatte, seit er von den PlĂ€nen Voldemorts gehört hatte, Narzissa Black mit Lucius Malfoy zu verheiraten.
Leise stöhnend muĂte er feststellen, dass genau das aus ihren Augen sprach, auf welche er nun seinen Blick gerichtet hielt, um ihre Hand in selben Moment unwillkĂŒrlich etwas fester zu umschlieĂen.
FĂŒr einen kurzen Moment schloĂ Narzissa die Augen. Wen störte es, wem tat es weh, wenn sie sich diese wenige Sekunden stahl? Seine Hand zu spĂŒren, die sie einfach nur festhielt, ihr Sicherheit gab, wo eigentlich keine zu finden war. Zögernd nur öffnete sie die Augen wieder, hob ihre schmale, bleiche Hand an, um ihm mit den Fingerspitzen sanft, fast ohne die Haut dabei zu berĂŒhren, ĂŒber die SchlĂ€fe zu streichen.
âGeht es dir besser?â
Severus nickte langsam, ohne dabei die Augen von Narzissa zu nehmen und wieder fĂŒhlte er diese SchuldgefĂŒhle tief in seinem Inneren. SchuldgefĂŒhle, dass er es zugelassen hatte, wenngleich er keine Möglichkeit gehabt hatte, es zu verhindern.
âIch sollte dich fragen, wie es dir geht, nicht du michâŠâ
Ein freundloses Lachen entwich Narzissas Kehle, begleitet von einem leichten KopfschĂŒtteln, das dennoch eine StrĂ€hne ihres hellen Haares in ihr Gesicht fallen lieĂ.
âEs geht mir gut Severusâ, versicherte sie ihm schnell, zu schnell. Aufseufzend, wohl wissend, dass er ihr nicht glauben wĂŒrde, zuckte sie leicht mit den schmalen Schultern.
âSo gut eben, wie es einer Frau gehen kann, die mit Lucius Malfoy verheiratet ist. Du kennst ihn.â
Wieder nickte Severus, wieder verstĂ€rkte sich dieses ungute GefĂŒhl in seinem Magen. Ja, er kannte seinen âFreundâ Lucius Malfoy. Er wusste um die Art wie dieser Frauen behandelte und seiner eigenen Frau erging es sicher eher noch schlechter als besser, als all den anderen. Noch heute konnte er nicht verstehen, was Voldemort sich dabei gedacht haben mochte die sanfte, stille Narzissa mit dem aufbrausenden, gewalttĂ€tigen und fast unkontrollierbaren Lucius Malfoy zu verheiraten, wohingegen Bellatrix Lestrange, Narzissas Schwester, die Ehefrau des ruhigen, gemĂ€chlichen Rodolphus Lestrange geworden war. War deren Charakter dem Luciusâ doch viel nĂ€her.
Es hatte ihn getroffen, als er von den PlĂ€nen Voldemorts erfahren hatte, die Familien, die ihm am treuesten ergeben waren durch Heirat auch untereinander aneinander zu binden. Zwei Töchter der Blacks fĂŒr die Söhne von Malfoy und Lestrange. Doch wenn dies schon hatte sein mĂŒssen, warum dann in dieser UnglĂŒck bringenden Konstellation?
âWeil es Voldemort nicht interessiertâ, gab er sich im Gedanken selbst die Antwort und seufzte erneut auf, um fĂŒr einige Sekunden die Augen zu schlieĂen.
âEs tut mir leidâŠâ, brachte er schlieĂlich hervor und sprach damit zum ersten Mal aus, was er seit Wochen fĂŒhlte.
âEs tut mir leid, dass ich es nicht verhindern konnte. Ich hĂ€tteâŠâ
Narzissa fĂŒhlte einen leichten, sanften Stich in ihrem Herzen, als sie Severus Worte vernahm. Alles konnte sie ertragen aber nicht, ihn so gequĂ€lt zu sehen, seine Stimme schuldbewusst zu hören. Schnell hob sie ihre freie Hand, legte den rechten Zeigefinger auf seine Lippen, um so ein Weitersprechen seinerseits zu verhindern.
âSch⊠Nicht Severus, akzeptieren wir, was nicht zu Ă€ndern ist. Du hĂ€ttest es nicht Ă€ndern können. Es war der Wunsch des Dunklen Lords und diesem haben wir alle uns zu beugen.â
Severus presste die Lippen aufeinander. Wenngleich er widersprechen wollte so wusste er doch tief in seinem Inneren, dass Narzissa Recht hatte. Ein einziges Widerwort von ihm hĂ€tte vermutlich schon ausgereicht um seinem Leben ein Ende zu bereiten. So war ihm nichts anderes geblieben als zuzusehen. Ein weiteres Mal zuzusehen wie er eine Frau an einen anderen verlor. Wenngleich der Schmerz dieses Mal bei weitem nicht so tief, nicht so stark, nicht so vernichtend gewesen war wie das erste Mal, damals in HogwartsâŠ
Ehe seine Gedanken wieder abschweifen konnten, rief Severus sich selbst zur Ordnung, entlieĂ Narzissas Hand aus der seinen und richtete sich ein wenig auf.
âWie bin ich eigentlich hier hergekommen?â, erkundigte er sich nun bei Narzissa.
Das letzte, an das er sich erinnern konnte waren Schmerzen, Dunkelheit und Voldemorts schrilles Lachen, wie von weit, weit wegâŠ
âLucius hat dich hergebracht. Es war der Wunsch seiner Lordschaft, dass sich um dich gekĂŒmmert wirdâŠâ
Narzissas Stimme war wĂ€hrend sie sprach, immer leiser geworden. Zu oft schon hatte sie Todesser zu versorgen gehabt, die sich Voldemorts Zorn auf sich gezogen hatten. Ihren Vater, ihren Mann und⊠Severus. Doch so sehr sie es auch hasste, immer wieder das Resultat von Voldemorts Grausamkeiten zu sehen, so muĂte sie bei solchen Situationen doch immer wieder daran denken, dass eben eine solche Severus damals in ihre Arme gefĂŒhrt hatte. Ein schnelles KopfschĂŒtteln sorgte dafĂŒr, dass diese Erinnerungen wieder in den Hintergrund treten muĂten.
âWirst du ĂŒber Nacht bleiben Severus? Es ist schon recht spĂ€t und morgen ist die Party. Bellatrix und Rodolphus werden ebenfalls morgen frĂŒh schon eintreffen.â
Severus konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Narzissa vermochte es perfekt immer wieder ihre Gedanken und GefĂŒhle zu ĂŒberspielen und ganz die perfekte Gastgeberin zu mimen.
âNatĂŒrlichâ, stimmte er mit einem ehrlichen LĂ€cheln zu.
Auch wenn er ihrer Schwester, Bellatrix Lestrange, lieber aus dem Weg ging, so hegte er doch eine gewisse Sympathie fĂŒr deren Mann Rodolphus.
Wieder griff er nach ihrer Hand, richtete seinen Blick in ihre Augen. âNarzissaâŠâ, begann er leise, um jedoch nur einen Bruchteil einer Sekunde spĂ€ter durch die auffliegende TĂŒr unterbrochen zu werden. Noch ehe er zur TĂŒr sah, sah er in Narzissas sofort gehetzt, fast panisch wirkenden Augen wer ihn besuchen kam.
Noch ehe er den Blick zur TĂŒr wenden konnte, kam Lucius Malfoy nĂ€her an das Bett getreten, um sich in sĂŒffisantem Tonfall zu erkundigen: âStöre ich euch geradeâŠ?â
âLucius.â
Severus Stimme war von einer Sekunde auf die andere wieder kĂŒhl, berechnet, ausdruckslos geworden, was Narzissa eine leichten Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen lieĂ. Manchmal konnte selbst sie nicht entscheiden, was nun der âwahreâ Severus Snape war. War es der sanfte Mann, dessen ZĂ€rtlichkeit, dessen WĂ€rme sie fĂŒr ein paar Monate hoffen lieĂ, oder war es der kalte, emotionslose Todesser. Der TrĂ€nkemeister des Dunklen Lords? Vor zwei Minuten hatte sie es noch zu wissen geglaubt und nun⊠nun glaubte sie wieder das Gegenteil.
Die Augenbrauen nach oben gezogen sah Lucius mit einem spöttisch anmutenden LĂ€cheln auf Severus hinab. Zu dumm, dass Narzissa bereits den Staub und den Schmutz von diesem entfernt hatte. Ihm hatte es durchaus zugesagt Severus genau da zu sehen wo er hingehörte. Ganz unten. Kriechend im Dreck vor den FĂŒĂen Voldemorts, sich unter Schmerzen windend. Ja, das war ein Anblick gewesen, der ihm mehr als nur zugesagt hatte.
âSeverus, wie geht es dir mein âFreundâ? Ich hoffe Narzissa konnte dir⊠helfen.â
Ausdruckslos lieĂ Severus seinen Blick fĂŒr einen Moment auf Lucius gerichtet, ehe er leicht nickte.
âNatĂŒrlich. Ich danke dir, dass du mich hergebracht hast.â
âEs war der Wunsch des Dunklen Lordsâ, entgegnete Lucius mit einem aufgesetzt wirkenden LĂ€cheln, âder dem meinen entsprach natĂŒrlich.â
âSicher⊠wer soll das glauben? Dir wĂ€re es doch lieber gewesen, er hĂ€tte es dieses Mal endgĂŒltig zum Ende gebrachtâ, schoĂ es Severus durch den Kopf, wobei er nicht zu sagen vermochte, ob das nicht vielleicht genau sein Wunsch gewesen warâŠ
Narzissa schluckte. Irgendwie hatte sie immer ein ungutes GefĂŒhl, wenn die Situation zwischen Lucius und Severus so.. angespannt war. Unruhig glitten ihre Augen zwischen den beiden MĂ€nnern hin und her, konnte die Spannung förmlich fĂŒhlen, glaubte fast, die nie ausgesprochenen Worte zwischen beiden zu hören.
âLucius, soll ich das Abendessen anrichten lassen?â
Den Blick von Severus abwendend richtete Malfoy diesen lĂ€chelnd auf seine Frau umfaĂte mit seiner Hand ihre schmale Taille und zog sie nĂ€her an sich.
âGerne mein Liebes, unser Gast hat sicher Hunger.â
Noch einmal umfaĂte er sie fester, um dann einen leichten, demonstrativen Kuss auf ihre Lippen zu hauchen, ehe er den Blick zu Severus umwandte.
âWir erwarten dich dann im Esszimmer.â
Mit diesen Worten wandte er sich ab, zog Narzissa jedoch mit festem Griff mit sich und genoss still den Triumph, der ihm Severus Gesichtsausdruck eben wieder einmal gegönnt hatteâŠ
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel