
von Vivianne
So, nun das erstmal letzte Kapitel, was schon fertig war, das nächste ist in Arbeit, ich weiss aber noch nicht, wann ich es hochladen kann.
Titel: Nacht der Drachen
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 4 - Der große Kampf
Rating: R
Charaktere: Harry Potter, Draco Malfoy
Warnung: Gewalt
Sonstiges: Was soll ich sagen? Ich hab mich beeilt und so hab ich es doch innerhalb von nem viertel Jahr geschafft ein neues Kapitel zu schreiben. Mein längstes bisher.
Tja, und auch diesmal soll das Kapitel nicht ohne Widmung auskommen.
-,Rolle, danke für deine Hinweise, also nur für dich ist dieses Kapitel *G*
Und nicht zu vergessen, Aika und Schnuppe, die sich mit meinen Tippfehlern rumschlagen durften und Glasi, die mir die richtige Stimmungsmusik geliefert hat *G*
Sprache: Deutsch
Wörter: 6707
Fandom: Harry Potter
Genre: Fantasy
Zusammenfassung: Voldemort hat den letzten großen Kampf für sich entschieden und Harry Potter gefangen genommen. Eine kleine Widerstandsgruppe aus ehemaligen Hogwarstschülern hat sich gebildet. Doch was hat es mit dem jungen Kämpfer auf sich?
Disclaimer: Nix mir, alles JK Rowling und Christopher Paolini, da ich mir ja doch einge Sachen an die Eragon Triologie angelehnt sind.
Kapitel 4 - Der große Kampf
Seine Haare tanzten im Morgenwind, während die ersten Sonnenstrahlen des Tages die Berge in ein rötliches Licht tauchten. Schwermut erfüllte sein Herz.
Noch bevor die Sonne untergehen würde, würde der Grund des Tales unter ihr blutdurchtränkt sein, so wie ihre Strahlen sie jetzt schon rot färbten.
Schon in der Ferne konnte er sehen, wie sich schwarze Gestalten, Ameisen gleich, durch die Schlucht schlichen, immer darauf bedacht, von dem Schloss am Ende des Tales aus nicht entdeckt zu werden.
War dies nun der Angriff, den alle schon seit Monaten erwarteten?
Erneut wanderten seine Gedanken, wie schon so oft in den vergangenen Stunden, zu seinem letzten Gespräch mit Brom, bevor er aufgebrochen war.
"Deine Ausbildung ist nun so weit beendet. Ich kann dir kaum noch mehr beibringen, bevor du nicht mit deiner Vergangenheit abgeschlossen hast", hatte Brom im ernsten Ton zu ihm gesagt.
Wie Recht doch sein Mentor gehabt hatte. Schon in den letzten Monaten waren seine Gedanken zu oft zu seiner Familie gewandert. Familie, nein, eigentlich weilte er mit seinen Gedanken nur bei seiner Mutter. Seinem Vater trauerte er in keiner Weise nach. Sollte er doch in Askaban verrotten. Aber seine Mutter. Sie hatte ihn gelehrt, hinter die Dinge zu schauen, auch wenn er dies durch die Erziehung, die ihm sein Vater hatte angedeihen lassen, vergessen glaubte. Solange er noch nicht lesen und schreiben konnte, war er für seinen Vater nichts weiter als ein Anhängsel gewesen, das man hin und wieder auf Wohltätigkeitsveranstaltungen mitnahm, um zu demonstrieren, dass man eine Familie war. Aber sobald er in der Lage gewesen war, den Ausführungen seines Vaters zu folgen, hatte dieser begonnen ihn auszubilden. Und er hatte ihm nicht nur alle möglichen schwarzmagischen Flüche eingetrichtert, die er schon im Kindesalter beherrschen konnte, ihm war ebenso ein Weltbild dargelegt worden, das keinen Widerspruch duldete. Sie, die durch Reinheit in der Ahnengalerie glänzten, waren zum Herrschen auserkoren. Muggel und Schlammblüter waren nichts anderes als Abschaum, für Sklavendienste geboren. Und jeden Tag ergoss sich diese Litanei über den Heranwachsenden ebenso wie der Unterricht im Duellieren, ob mit Degen oder Zauberstab. Doch niemals war sein Vater zufrieden gewesen mit dem, was er tat.
Egal wie gut er parierte, wie oft er die Verteidigung seines Vaters durchbrach, schlussendlich unterlag er seinem Vater, wie es für einen Zehnjährigen das Normalste der Welt war. Wenn sein Vater ihn jedoch nicht drangsalieren konnte, da er nicht im Manor weilte, so versuchte ihm seine Mutter die Liebe zu geben, die sonst im Hause Malfoy Mangelware war. Sehr oft unterhielten sie sich einfach, sie unterrichtete ihn in den Regeln der Konversation und der Gesellschaft oder sie spielten gemeinsam Cello und Klavier. Draco erlernte die verschiedensten Instrumente mit einer Leichtigkeit, die seine Mutter immer wieder in Erstaunen versetzte.
Und wenn die ersten Töne erklangen, fiel die Bürde, ein Malfoy zu sein, von ihnen ab und sie entschwanden auf den Wegen der Melodien der Wirklichkeit. Doch niemals spielte Draco ein Instrument, solange sein Vater im Haus war. Solch eine Beschäftigung war eines Mannes unwürdig. Lucius Malfoy reichte es schon, bei den öffentlichen Veranstaltungen, denen sie beiwohnten, die klassische Musik ertragen zu müssen. Er hatte seiner Frau auch recht schnell nach ihrer Hochzeit klar gemacht, was er von ihrem "Hobby" hielt. So dachte er, dass die Instrumente, die sie schon vor ihrer Ehe besessen hatte, verstaubt im Loft in ihrem Flügel im Manor ihr Dasein fristeten. Wenn er sich jedoch nur ein einziges Mal die Mühe gemacht hätte, ihr Reich aufzusuchen, so wäre ihm sehr schnell aufgefallen, dass er einem Trugschluss unterlag. Es gab nur ein Zimmer in ihrem Flügel, welches ihn interessierte, und in diesem stand ein großes Bett.
Nie war es für beide die große Liebe gewesen. Lucius nahm sich, was ihm gehörte, und die Erziehung von Narzissa ließ keinen Widerspruch zu. Eine Ehefrau hatte sich dem Willen ihres Mannes unterzuordnen und sich allem, was er verlangte, zu fügen. Und Liebe? Das war ein Märchen. Ehen wurden geschlossen, um den Fortbestand der reinblütigen Zauberer zu gewährleisten. Liebe war ein Mythos, durch sie wurde man abhängig und schwach. Durch sie offenbarte man seinem Feind einen Schwachpunkt und dies würde ein Malfoy niemals zulassen. Doch so sehr Lucius dieses romantische Getue ablehnte, so war ihm doch bewusst, dass er seine Frau bei Laune halten musste.
Also ließ er ihr bei der Gestaltung des Gartens freie Hand und ebenso wenig mischte er sich in die Dekoration ihrer Räumlichkeiten ein. Doch im Rest des Hauses war seine strenge Hand sichtbar. Schon beim Betreten des Manors wurde man von den Ahnen der Malfoys empfangen, die von den Wänden der großen Halle und der oberen Galerie auf die Besucher herabblickten, und auch im Salon und Speisezimmer präsentierte sich die Macht und der Einfluss des Hauses Malfoy in den Erb- und Prunkstücken, die überall glamourös platziert waren. Nichts deutete darauf hin, dass hier eine Familie wohnte, es glich eher einer Ausstellung oder einem Museum.
Doch nun, da der Hausherr nicht mehr in dem Herrenhaus weilte, würde wahrscheinlich von der Pracht nicht mehr all zu viel zu sehen sein. Draco wusste, dass seine Mutter diese Protzerei nie gemocht hatte. Hatte sie sich im ersten Jahr nach der Verhaftung ihres Ehemannes noch bemüht, den Schein einer besorgten Ehefrau zu wahren, so war ihm bewusst, dass sie diese Farce nach seinem Verschwinden nicht aufrecht erhalten haben konnte. Jetzt, nachdem er seinen inneren Frieden in Gleann an Arach gefunden hatte, verstand er seine Mutter auch, verstand ihre Sorge, als er den Auftrag bekommen hatte, Dumbledore zu töten, verstand, warum sie Snape mit dem Unbrechbaren Fluch belegt hatte.
Doch nun war er hier, um sie zu finden. Im Manor brauchte er nicht zu suchen, nur durch Lucius oder ihn selbst konnte sie dort verweilen. Nur echte Malfoys konnten den Schutz, den das Herrenhaus bot, und die Flüche, die es schützten, erneuern; und dies musste regelmäßig getan werden. Doch bei wem sollte sie einen Unterschlupf gefunden haben? Mit ihrer Schwester Beatrice verband sie nicht wirklich etwas und von ihrer anderen Schwester war ihm nichts bekannt. Wo sollte er anfangen zu suchen? Hieß es nicht immer, man sollte zum Anfang zurückgehen? So führte ihn der erste Schritt nach Hogwarts.
Wenn er wüsste, dass es seiner Mutter gut ginge, so könnte er endgültig mit seinem alten Leben abschließen und nach Gleann an Arach zurückkehren, wo er endlich sein Zuhause gefunden hatte.
Doch das Hier und Jetzt zählte. Die Todesser interessierten ihn recht wenig. Er wollte nur in das Schloss. Bei seiner überstürzten Flucht vor knapp zwei Jahren hatte er etwas wichtiges hier gelassen. Tief in den Kerkern verborgen, in einer der finstersten Nischen hatte hoffentlich dieses Familienerbstück die Zeit überdauert. Er hoffte, mit diesem Amulett seine Mutter finden zu können. Doch erst einmal musste er das Gelände betreten. Mit dem Wissen, was ihm Brom vermittelt hatte, sollte dies kein Problem sein. Solange er dem Schloss und seinen Bewohnern keinen Schaden zufügen wollte, konnte er die Flüche überwinden.
Doch etwas irritierte ihn.
Warum flieht keiner?
Die Bewohner von Hogsmeade unterbrachen ihre Arbeit nicht. An der einen oder anderen Stelle fanden sie sich zu einem Pläuschchen zusammen, wie es schien, aber einer musste doch bemerken, dass sich fast eine gesamte Armee auf das Dorf zubewegte. Und dann erkannte er seinen Fehler. Die Dorfbewohner konnten nichts sehen, weil es nichts zu sehen gab. Die Todesser lagen unter einem Bann. Da er während der letzten beiden Jahre gelernt hatte, mit seinen Sinnen die wahre Natur der Dinge zu erfassen, war es ihm möglich, hinter die Illusion zu blicken. Dies war ihm so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er nun erst den Zauber bemerkte, der über die Todesser gelegt wurde. Draco schüttelte den Kopf. Wie schwer war es ihm zu Anfang gefallen, mit seinem inneren Auge die Pflanzen zu begreifen und vor allem auch zu sehen. Er sah die Energie, die von der Pflanze oder von dem Lebewesen ausging, wie sie leicht vibrierend darum flackerte. So war es für ihn ein Leichtes, Illusionen zu umgehen. Allein da er wusste, dass die Todesser da waren, durchbrach er den Bann, ohne sich dessen allzu bewusst zu sein. Nun ja, er würde nicht lange hier bleiben. Er wollte nur sehen, wie es seiner Mutter ging, und dann würde er sich wieder in seine Welt zurückziehen.
Er schaute zu dem Schloss und wollte schon apparieren, als er dann doch innehielt und seufzte.
Nein, er konnte die Bewohner des Dorfes nicht ihrem Schicksal überlassen. Dies hätte er gewiss vor zwei Jahren noch getan, doch in diesen letzten beiden Jahren hatte sich viel verändert. Einschreiten und sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzten, dieser Gedanke wäre ihm nie gekommen. Nichtsdestotrotz fiel ihm auch jetzt nicht ein, dass er nichts weniger als sein Leben riskierte, indem er sich dem Dorf zuwandte. Geschmeidig schlich er den Hang hinab, immer darauf bedacht, zwischen dem Gebüsch unsichtbar zu bleiben. Er nutzte den Schutz der Natur für seinen Weg hinunter ins Tal.
Wie ein Schatten bewegte er sich zwischen den Heureitern und nur noch wenige Schritte trennten ihn von dem Bauern, der am Rande von Hogsmeade seinen Hof hatte. Doch wie sollte er ihm verständlich machen, was auf ihn zukam. Er selbst sah die Masse an Todessern nur, weil er um ihre Illusion wusste. Doch für jeden anderen war es nicht ersichtlich. Nicht ein Zeichen oder eine Unregelmäßigkeit in der Umgebung deutete darauf hin, dass sich eine Armee dem Dorf näherte. Nein, nicht näherte, es in nur wenigen Augenblicken erreicht haben würde. Draco verfluchte sich dafür, dass er nicht schneller Hogsmeade erreicht hatte. So musste er mit ansehen, wie etwa hundert Meter weiter die ersten Todesser das Dorf erreichten und die Menschen, auf die sie trafen, tot zu Boden fielen. Das durfte doch nicht wahr sein. Mit wenigen Schritten stand er hinter dem Bauern und hielt ihm den Mund zu.
"Ruhig, ich werde Ihnen nichts tun", versuchte er den aufgebrachten Mann zu beruhigen und flüsterte immer wieder diese Worte mehr singend als sprechend wie ein Mantra dem Mann ins Ohr. Und endlich schien der Zauber auf den Mann zu wirken und er entspannte sich. Vorsichtig lockerte Draco seinen Griff und sah dem Mann in die vor Panik geweiteten Augen.
"Haben Sie gesehen, wie die Leute umfielen?"
Mit einem Nicken bestätigte der Bauer, dass ihm dies nicht entgangen war.
"Todesser nehmen gerade Hogsmeade ein und es wird nicht lange dauern, dann greifen sie Hogwarts an."
Die Augen des Mannes weiteten sich bei den so ruhig ausgesprochenen Worten Dracos immer mehr.
"Gehen Sie nach Hogwarts und warnen Sie die Bewohner!", wies er den Mann an und murmelte etwas in der Alten Sprache. Ich kann nur hoffen, dass der Zauber bis Hogwarts reicht.
Schnell rannte der Bauer vom Dorf weg. Draco hoffte inständig, dass die Todesser ihn nicht bemerkten und er so noch rechtzeitig das Schloss erreichen würde. Er selbst schlich lautlos nach Hogsmeade und beobachtete die immer größer werdende Anzahl von Todessern, die sich auf dem Marktplatz versammelten. Etwas machte ihn stutzig. Dies waren nicht die üblichen Todesser. Keiner von ihnen trug eine Maske. Dies waren Söldner, die für ihren Lohn alles tun würden. Aber diese Massen? Wo hatte Voldemort diese Söldner her und was hat er ihnen versprochen?
In England gab es niemals so viele Menschen, die bereit waren, für Geld alles zu tun. Jedoch erübrigte sich die Frage nach der Herkunft, je näher er der Menschenansammlung kam. Wörter und Wortfetzten der verschiedensten Sprachen drangen an sein Ohr. Also hatte Voldemort Mörder und andere Verbrecher von überallher rekrutiert. Er hatte geahnt, wie rücksichtslos Voldemort seine Pläne verfolgte, aber was er nun vorhatte, grenzte an Größenwahn. Was war mit dem Ministerium und den Auroren? Sie mussten doch wissen, dass Voldemort Söldner um sich scharrte, wie waren diese nach England gekommen? Bei einer Handvoll wäre es verständlich gewesen, aber hier waren fast tausend Mann. Und diese sahen nicht so aus, als reisten sie wie gewöhnliche Muggel.
Diese Männer würde man mit Sicherheit auf den verschiedensten Fahndungslisten wiederfinden. Allerdings war das Ministerium doch schon immer für seine Schlampigkeit bekannt. Schon damals, am Ende seines fünften Schuljahres, war es Voldemort gelungen, in das Ministerium einzudringen. Zwar hatte Fudge danach seinen Hut nehmen müssen, aber hinter den Kulissen hielten immer noch dieselben Leute die Fäden in der Hand. Und nicht wenige von denen waren Anhänger Voldemorts gewesen und waren es mit Bestimmtheit immer noch. Nein, es war wahrscheinlich ein leichtes Unterfangen gewesen, diese Söldner nach England zu holen.
Unbewusst schüttelte Draco den Kopf und versuchte so, seine Gedanken wieder in die Gegenwart zu lenken. Bedächtig setzte er seinen Weg zum Marktplatz fort, immer darauf achtend, dass er nicht entdeckt wurde. In einer Seitengasse neben dem Honigtopf fand er schließlich ein geeignetes Versteck, von dem aus er die Todesser beobachten und belauschen konnte, ohne dass er gesehen wurde. Nun wurden die Wortfetzen auch deutlicher und er konnte langsam die Puzzleteile zusammensetzen. Wie es schien warteten die Söldner hier auf einen Befehlshaber und auf erneute Anweisungen. Einzelne Gruppen hatten sich gebildet und es wirkte wie ein chaotischer Haufen. Die Massen, die nach wie vor in das Dorf strömten, schienen kein Ende nehmen zu wollen.
Voldemort würde von hier aus seinen Angriff gegen Hogwarts beginnen. In was habe ich mich da wieder hineinmanövriert, dachte Draco. Verdammt, er hätte in Gleann an Arach bleiben sollen. Dies hier schien sich zu einem Albtraum zu entwickeln. Er wollte doch nichts mit diesem Krieg zu tun haben. Es war ein Krieg, den er nicht bereit war zu führen. Irgendein größenwahnsinniger, dahergelaufener Magier versuchte, die Welt zu beherrschen. Ja, da war sich Draco sicher. Voldemort würde nicht nur England an sich reißen und versklaven, nein, sobald die Insel unter seiner Kontrolle stehen würde - und so wie es aussah, würde dies sehr bald Realität werden - würde er sich damit nicht zufriedengeben. Voldemort würde versuchen, seine Macht auszubauen. Nicht sofort, dazu war Voldemort viel zu sehr ein Stratege. Er würde ebenso wie hier anfangen, die wichtigsten Posten zu unterwandern - wenn dies nicht schon längst geschehen war.
Die plötzliche Stille riss Draco aus seinen Gedanken. Das Gemurmel erstarb und ein erdrückendes Schweigen erfüllte die Luft. Vorsichtig spähte er aus seinem Versteck heraus und sah eine Gruppe von Todessern, deren Gesichter hinter Masken versteckt waren, wie sie sich dem Platz näherten. Wie Draco aus den belauschten Gesprächen seines Vaters wusste, waren dies Todesser aus dem Inneren Kreis von Voldemort. Doch konnte er nicht erkennen, wer sich unter den schwarzen, bodenlangen Kutten verbarg. Sie gingen, wie es schien, ziellos durch die Grüppchen, die sich mittlerweile gebildet hatten, und tippten hin und wieder mit ihrem Zauberstab vereinzelt den einen oder anderen Söldner an der Schulter an. Draco runzelte die Stirn, doch schon bald erkannte er, was diese Berührung zu bedeuten hatte. Auf den Kutten dieser Söldner erschien das Zeichen Voldemorts, jedoch in den verschiedensten Farben. Nachdem diese Auswahlprozedur vollzogen war, trafen sich die Todesser des Inneren Kreises ganz in der Nähe von Dracos Versteck. Er war froh, dass er keine Zauber auf sich gelegt hatte, wusste er doch nicht, ob einer der Magier stark genug war, seine magische Signatur zu erkennen.
"Du sollst nochmal zurück", erkannte Draco die Stimme seiner Tante, die den hochgewachsenen Todesser ihr gegenüber anfunkelte. "Der Lord erwartet dich mit meiner Schwester. Er will dir noch eine Chance geben", verhöhnte sie ihn.
"Lass das Bella, misch dich nicht in Dinge ein, die eine Nummer zu groß für dich sind", fauchte ihr eine tiefe Stimme entgegen. Draco erstarrte. Sein Vater. Er war hier! Was hatte er auch anderes erwartet? Lucius war schon immer ein Getreuer Voldemorts gewesen. So war es kaum erstaunlich, dass er bei diesem Angriff auf Hogwarts, der unmittelbar bevorzustehen schien, anwesend war.
Draco löste sich aus seiner Starre, als er sah, wie sein Vater sich von der Gruppe löste und zum Rande des Dorfes lief, um zu disapparieren. Als Draco zu der Stelle kam, an der sein Vater noch vor wenigen Sekunden gestanden hatte, sprach er einen komplizierten Zauber, um den Ort zu erfahren, an dem er seine Mutter vermutete.
Viele Zauber waren in Vergessenheit geraten, weil sie ein sehr hohes Maß an Magie erforderten und nur sehr schwierig zu erlernen waren. Dieser Ortungszauber gehörte in diese Kategorie, nichtsdestoweniger hatte Draco einen sehr erfahrenen und geduldigen Lehrmeister gehabt. Ihm war zu Beginn seiner Meditationsübungen nicht bewusst gewesen, dass dies nie als Schikane gedacht war. Er wollte lernen, das Wissen, welches Brom und Solembum innewohnte, aufsaugen. Ihm erschien diese Abgeschiedenheit, in die er von Brom geschickt wurde, als Strafe. Wie sollte er Dinge erfahren, wenn er in keine Bücher schauen, geschweige denn mit jemandem reden durfte? Schon bald aber erkannte er, dass er bei weitem nicht allein auf der Lichtung war, zu der Brom ihn geschickt hatte. Nachdem er in den ersten Wochen die Abendstunden, in denen er dort sein musste, ruhelos umhergewandert war, fand er unter einer Ulme einen bequemen Sitzplatz und mahnte sich selbst zur Ruhe. Er schloss die Augen und horchte in sich hinein. Es dauerte eine Weile, ehe es ihm gelang, seinen Geist zu öffnen und er endlich seine geistige Mitte fand. Als er jedoch Wochen später mit Hilfe Broms die komplizierten Zauber erlernte, bemerkte er, wie leicht ihm dies fiel, wenn er sich zu seinen inneren Ruhepol zurückzog und eins mit seiner Magie wurde.
Ein modriger Geruch stieg in seine Nase. Argwöhnisch betrachtete Draco die Gewölbe, in die er appariert war, und spürte, wie sich die Schutzbanne, welche die Gemäuer vor allzu neugierigen Blicken versteckt hielten und ein Disapparieren unmöglich machten, erneuerten. Noch immer bemerkte er das Ziehen in seinem Magen, welches durch diese Fortbewegungsmethode unwillkürlich ausgelöst wurde. Durch die Fackeln an den Wänden waren die Gänge recht dürftig beleuchtet, was ihn aber nicht störte. Eher kam es ihm entgegen, denn in den Schatten konnte er sich gut verborgen halten. Langsam und vorsichtig schlich er den Gang entlang, immer darauf bedacht, nicht in eine der unzähligen Pfützen zu treten, die sich durch das von den Wänden laufende Wasser gebildet hatten, und unnötige Geräusche zu vermeiden. Fast lautlos erreichte er eine schwere Eichentür, als er hinter sich eine Stimme vernahm.
"Na, los, lauf schon endlich!", schrie jemand wütend. "Der Lord will dich sehen. Glaub nicht, dass du dein Ende mit solch lächerlichen Tricks retten kannst."
Ein höhnisches, grauenvolles Lachen erschallte durch die Gänge und jagte ihm Gänsehaut über den Rücken.
Lestrange.
Überall würde er dieses Lachen erkennen. Nein, Lachen war nicht der richtige Ausdruck dafür. Rudolphus Lestrange ergötzte sich wahrlich am Leid anderer, er sog ihre Angst förmlich in sich auf und fand immer etwas, um seine Opfer so sehr zu demütigen, dass kaum jemand jemals in der Lage war, von seinem Martyrium zu berichten, wenn er dies überlebt hatte. Es gab nur einen Mann, der ihn in seiner Grausamkeit übertraf. Und wie Draco ahnte, brachte Lestrange den Gefangenen eben zu diesem.
Zu Voldemort.
Übelkeit stieg in ihm auf, als er an das erste und bisher auch einzige Treffen mit dem Dunklen Lord dachte. Damals hatte er es noch als eine Ehre empfunden, von dem großen schwarzen Meister empfangen zu werden. Und als er auch noch den Auftrag bekommen hatte, die Ehre seiner Familie wieder rein zu waschen, war er mehr als willig gewesen, diesem zuzustimmen. Wie naiv er doch gewesen war. Bei klarem Verstand hätte er erkennen müssen, dass er Dumbledore niemals hätte töten können. Wenn es bisher selbst Voldemort nicht gelungen war, wie sollte dies dann ein noch nicht einmal volljähriger Zauberschüler vollbringen? Nein, er war damals nur eine Schachfigur gewesen. Doch hatte sich Voldemort verspielt, er hatte Lucius Malfoy damit nicht in die Knie zwingen können. Einzig und allein durch die Tatsache, dass ein Malfoy versagt hatte, betrachtete er Draco nicht mehr als seinen Sohn und Erben.
Draco schien eins mit seiner Umgebung zu werden, versank immer mehr in den Schatten einer Nische, als Lestrange mit seinem Gefangenen an der Eichentür ankam und diese mit einem Wink seines Zauberstabes öffnete. In den hellen Haaren des Gefangenen reflektierte das schwache Licht der Fackeln. Nur mühsam konnte Draco ein Aufkeuchen verhindern, als er erkannte, wen Lestrange da vor sich her schubste.
Seine Mutter.
Von dem einst wunderschönen Gesicht war kaum noch etwas zu erkennen. Zahllose Narben, Schwellungen und Hämatome unterdrückten dennoch nicht den würdevollen Blick von Narzissa Malfoy. Einer Majestät gleich betrat sie den hinter den schweren Eichentüren befindlichen Saal. Draco nutzte die Unachtsamkeit Lestranges, um ebenso durch den Eingang zu schlüpfen, ehe der Magier die Türen wieder mit einem Wink seines Zauberstabes schloss. Kaum dass der Raum abgeriegelt war, schaute sich Draco im Schutz der Schatten um. Ein riesiger Saal, einer Kathedrale gleich, tat sich vor ihm auf. Die Decke des Gewölbes war in der Dunkelheit kaum zu erkennen, es war nur zu erahnen, dass es gute zehn bis fünfzehn Meter waren. Am anderen Ende der Halle erkannte er im Schein der Fackeln einen altargleichen Steintisch, neben dem eine hochgewachsene Gestalt stand, die mit einer schwarzen Kutte umhüllt war. Die blonden Strähnen, die sich vorwitziger Weise aus dem Umhang gewunden hatten, ließen Draco erkennen, dass es sein Vater war. Groteskerweise fiel er auf die Knie, als eine weitere Person aus dem Schatten an den Altar trat.
"Gut, du bist hier, Lucius", raunte eine seidige Stimme zu seinem Vater. Wider Erwarten war die Akustik dieses sakralen Baus - Draco war sich sicher, dass dies einst eine Kirche gewesen war - phänomenal. In jedem noch so abgelegenen Teil dieser Halle konnte man klar und deutlich die Worte verstehen, die am Altar gesprochen wurden.
"Wie Ihr befohlen habt, Mylord", gab Lucius die Antwort und küsste den Ring, der an einem der knochigen Finger Voldemorts steckte.
"Oh, und sieh", säuselte der Dunkle Lord und richtete nun seine Aufmerksamkeit auf die Gefangene, die Lestrange mittlerweile vor den Altar gestoßen hatte. "Deine Frau ist auch hier. Ein wunderschönes Familientreffen. Obwohl ... eigentlich fehlt da noch jemand."
Ein belustigtes Glitzern legte sich in die Augen von Voldemort. Er wusste genau, dass Lucius seinem Sohn niemals die Flucht nach dem ersten Angriff auf Hogwarts vergeben würde und dass für Lucius dieser demnach nicht mehr existierte. Obwohl, für Narzissa wäre es eine Qual, wenn sie ihren Sohn hier sehen würde. Nun ja, da war leider nichts zu machen, der Junge war nun schon seit zwei Jahren wie vom Erdboden verschluckt.
"Nun, Narzissa, wie gelangt man in das Hauptquartier des Ordens?", fragte Voldemort mit erschreckend seidiger Stimme.
Würdevoll hob Narzissa ihren Kopf und sah ihn herausfordernd an. Jedoch sprach sie kein Wort.
"Sprich!", fuhr der Lord mit durchdringender Stimme fort und richtete seinen Zauberstab auf die Gefangene. Doch Narzissa blieb stumm und starrte ihrem Peiniger entgegen. Voldemort ging langsam um den Altar herum und schritt die Stufen hinunter, vor denen Narzissa stand, die immer noch geradeaus auf den Altar blickte. Bedächtig schlich er um sie und blieb neben ihr stehen, fuhr mit seinem Zauberstab die Konturen ihres Gesichtes nach und zwang sie durch leichten Druck des Stabes ihn anzusehen. Seine knochigen, spinnenbeingleichen Finger ließ er über ihre Wangen gleiten, liebkoste fast ihre Haut.
"Oh Narzissa ...", raunte er ihr zu und ließ sie seinen Atem an ihrem Hals spüren, während er lasziv mit seiner Zunge um ihr Ohr glitt. "Eigentlich ist es schade. Ich könnte dich wie eine Königin kleiden. Aber ..." Das spöttische Lächeln war kaum auf dem Gesicht Voldemorts erkennbar, die Haut spannte sich über die Wangenknochen, die Augen lagen tief in den Höhlen, die Nase war flach und ebenso schlangengleich wie das gesamte Gesicht.
"Und all die Opfer waren umsonst", höhnte Voldemort. "Ist deine Brut nicht einfach so geflohen? Hm? Für seinen Verrat muss dennoch jemand bezahlen. Sieh es als Wiedergutmachung an. Eigentlich hätte ich es wissen müssen", schweifte er mit seinen Ausführungen ab. "Die Blacks sind nicht mehr das, was sie einst waren. Haben keinen Respekt mehr, keine Ehre", spuckte er die Wörter regelrecht aus. "Verdienen nur noch wie Dreck behandelt zu werden." Ein Lächeln breitet sich in seinem Gesicht aus. "Hauselfendienste erledigen, nur die niedrigsten Arbeiten verrichten. Obwohl...", sein Blick glitt an ihrem Körper hinunter. Die Robe, einst wunderschön und ihre Figur umschmeichelnd, hing zerrissen an ihrem Leib herunter und ließ kaum noch Freiraum für Fantasien, viel zu viel Haut war schon entblößt. "Es gäbe da wohl das ein oder andere, zu dem Hauselfen nicht zu gebrauchen sind."
Fast zögernd hob Voldemort mit seinem Zauberstab einen der Stofffetzen an. Abrupt ließ er von Narzissa ab und wandte sich zum Altar hin. Mit einem Schwenk seines Zauberstabes schwebte die Gefangene auf den Altartisch zu und wurde dort mehr oder weniger sanft abgelegt.
Narzissa spürte den kalten Stein, auf dem sie lag, nicht. Schon längst hatte sich ihr Geist von ihrem Körper getrennt und beobachtete das Geschehen aus weiter Ferne. Sie sah, wie Voldemort Rudolphus anwies, ihre Arme über ihrem Kopf auf dem Altar zu fixieren. Sie sah, wie Lucius ihre Beine auseinanderzog und sie am Tischende mit einem Zauber zur Unbeweglichkeit verdammte. Und plötzlich wurde ihr Geist von einem Sog ergriffen und sie war sich ihres Körpers wieder bewusst. Deutlich konnte sie die Schmerzen spüren, die der Crucio auf sie ausübte. Sie versuchte sich zu wehren, doch schon in den Wochen zuvor war sie bei den Folterungen durch Rudolphus Lestrange und seinen Schülern zerbrochen. Sie hoffte nicht einmal mehr, dass der Schmerz endlich aufhörte. Hoffnung hatte sie schon lange keine mehr. Sie schrie und schrie und schrie.
Und plötzlich war es still. Narzissas Körper und Geist hatten ihren Tribut gefordert und sie in eine tiefe Ohnmacht geschickt. Voldemort schien leicht enttäuscht zu sein. Viel zu schnell hatte sein Spielzeug aufgegeben.
"Lestrange, was hast du mit ihr gemacht?", zischte er wütend. "Das kann doch nicht wahr sein."
Unterwürfig trat Rodolphus Lestrange an den Altar und überprüfte mit Hilfe seines Zauberstabes den Zustand der Gefangenen.
Nur wenige Meter entfernt stand Draco wie zu einer Salzsäule erstarrt im Schatten einer Nische neben dem Eingang. Er konnte das grausige Schauspiel nur beobachten, er war zu keiner Regung fähig, geschweige denn konnte er seinen Beinen befehlen, sich dem Altar zu nähern und seiner Mutter zu helfen. Viel zu schockiert war er von dem Spektakel, das Voldemort da veranstaltete und dem sein Vater, sein eigener Vater, beiwohnte, als ob jemand gefoltert würde, den er nicht kannte; viel zu sehr war Draco in seinen Gefühlen gefangen, als dass er zu einer Bewegung fähig war. Schuldgefühle machten sich in ihm breit, warum er nicht eher nach seiner Mutter gesucht hatte, warum er die Jahre hatte verstreichen lassen, ohne ihr ein Lebenszeichen von sich zu übermitteln. Er konnte nach schier endlosen Minuten nur zusehen, wie seine Mutter nun langsam wieder zu Bewusstsein kam und Nagini den Stein des Altars langsam hinaufkroch.
Die barmherzige Ohnmacht schwand dahin und Narzissa wurde sich immer mehr ihrer Umgebung bewusst. Die Schmerzen drangen ebenso in ihr Bewusstsein wie die Erinnerung an die letzten Tage. Immer wieder hatte ihr Schwager sie, bis knapp vor einer Ohnmacht stand, gefoltert.
Er nutzte dafür nicht nur schwarzmagische Flüche. Oh nein, er schien ein Meister aller Foltermethoden zu sein. Doch war er immer darauf bedacht, ihren Körper nicht allzu sehr zu verunstalten. Daumenschrauben waren da noch eines der harmlosesten Foltermittel gewesen.
Und dennoch waren all die Folterungen nichts gegen die Art und Weise, wie er sich seelisch an ihr verging. Oh nein, er zwang sie zuerst einen seiner Schüler oral zu befriedigen, ehe er ihr die Unterkleider herunter riss. Jedoch verging er sich selbst sehr selten an ihr, viel zu sehr genoss er es, wenn sich seine Zöglinge an ihr vergingen.
Nur wenn sich Lucius in den Kerkern aufhielt, um nachher Voldemort Bericht zu erstatten, nahmen sich beide die Freiheit, ihre Fantasien an Narzissa auszuleben. Sie wusste selbst kaum, wie sie diese doppelte Vergewaltigung überlebt hatte und wie es ihr möglich war, trotz der Schmerzen, die zwischen ihren Beinen brannten, erhobenen Hauptes Voldemort gegenüber zu treten.
Selbst jetzt spürte sie die entzündeten Wunden beißend in ihrem Schritt. Die Verletzungen, die der Crucio ihr zugefügt hatte, bemerkte sie kaum, waren diese doch nicht mit Erinnerungen behaftet, die sie einholten, sobald sie die Augen schloss.
Nichts hatte sie je so in ihrer Seele verletzt wie diese Handlungen ihrer Verwandten.
Sie verstand nicht, warum sich selbst Lucius an ihr verging.
Sie verstand nicht, was ihn veranlasste, sie so zu demütigen.
Sie verstand nicht, wie der Mensch, den sie einst bewundert hatte, überhaupt zu so einer Tat fähig war.
Sie hatte nach ihrer Hochzeit sehr schnell gelernt, dass dieser Aristokrat nicht immer so liebenswürdig war, wie er es zu der Zeit gewesen war, als er ihr den Hof gemacht hatte. Schon am Tag nach der Trauung hat er ihr unmissverständlich klar gemacht, was er von einer Malfoy erwartete. Sie hatte gut auszusehen, das Haus Malfoy zu repräsentieren und ihm einen Erben zu gebären. Von Gefühlsduselei, wie er sich ausdrückte, wollte er nichts hören. Jedoch nahm er sich sein Recht als Ehemann nie mit Gewalt. Er war zwar nie besonders zärtlich, gleichwohl achtete er darauf, dass auch sie einer Wiederholung nie widerwillig entgegen stand.
Umso unwirklicher war es für sie, dass sich ihr Ehemann an ihr verging. Und selbst jetzt stand er teilnahmslos nur wenige Schritte von ihr entfernt. Sie versuchte erneut, sich in die Tiefen ihrer Seele zurückzuziehen, als ein eigenartiges Gefühl von ihrem rechten Bein ausging. Ihren Kopf konnte Narzissa kaum heben und so sah sie nicht, dass sich Nagini auf ihr bewegte. Nur etwas kühles, sich windendes nahm sie wahr, dass sich immer mehr an ihr herauf bewegte. Pure Panik erfasste sie, Angst, dass die Wunden zwischen ihren Beinen erneut aufgerissen würden. Und langsam glitt Nagini an ihrem Bein hinauf. Behäbig schlängelte sie höher. Das Entsetzen, das Narzissa empfand, wurde schier unerträglich, je näher die Schlange ihrem Schritt kam. Schreiend versuchte sie sich zu bewegen und wurde sich ihrer ausgelieferten Position wieder bewusst. Weder mit ihren Beinen konnte sie die Schlange von sich schütteln, noch mit ihren Händen von sich streifen. Ihre Gelenke blieben fest auf dem Stein liegen, wo sie durch Flüche fixiert waren. Schmerzhaft drückte das Gewicht auf ihre Eingeweide, als Nagini sich auf ihrem Bauch zusammenrollte und der Schwanz zwischen ihren Beinen hin und her zuckte. Traumatische Bilder erschienen vor ihrem inneren Auge, ließen ihren Geist keine Ruhe finden. Und erneut wurde sie von Voldemort verflucht, empfand die Schmerzen des Crucio jedoch als eine Erlösung. Erlösung von den immer wiederkehrenden Bildern ihrer Peiniger.
Diesmal wurde ihr keine Errettung durch eine befreiende Ohnmacht zuteil, wusste doch Voldemort, wann es besser war, den Fluch abzubrechen. Immer wieder unterbrach er, kurz bevor Narzissa bewusstlos wurde, die Folter durch die verschiedensten schwarzmagischen Flüche, einer grausamer als der andere. Der schlimmste der Flüche war allein der, wo sie die Qualen ihrer Gefangenschaft in den Kerkern erneut durchleben musste. Jede einzelne Berührung, jede Verletzung, jede Folter.
Und plötzlich war alles vorbei. Nur am Rande ihres Bewusstseins hatte Narzissa die Stimme ihres Mannes wahrgenommen.
"Mylord, es wird Zeit", hatte Lucius gesagt.
"Ja, hier können wir nachher auch noch", das nächste Wort spuckte Voldemort regelrecht aus, "aufräumen."
Und mit einem lauten Knall waren die Todesser verschwunden.
Draco schien regelrecht aus einer Trance zu erwachen. Er rannte und überwand die Entfernung innerhalb weniger Sekunden. Mit zitternden Händen fuhr er die Konturen des Gesichtes seiner Mutter nach, wobei er es vermied sie zu berühren. Glasige Augen starrten in die Dunkelheit. Sie schien kaum noch etwas um sich herum wahrzunehmen. Nur zaghaft drehte sie ihr Gesicht in seine Richtung und begann zu lächeln.
"Du holst mich also. Ist meine Zeit hier auf Erden somit vorbei?", flüsterte Narzissa.
"Oh Mutter, es tut mir so leid", fing Draco an. Er weinte.
"Was? Dass du es bist, der mich den Weg hinüber begleitet?" Narzissa schloss entspannt die Augen. "Oh nein, ich habe gehofft, dass du es bist, wenn du schon da sein solltest."
Draco bemerkte den salzigen Geschmack, der sich in seinem Mund breit machte, als er sich auf die Oberlippe biss. Mit schlichten Handbewegungen löste er die Zauber, die auf den Gelenken seiner Mutter lagen, und trug den zierlichen Körper zum Ausgang. Unter Tränen scannte er die Flüche, die auf den Kerkern lagen, und fand einen Weg, um hinaus zu apparieren.
Schluchzend sackte Draco mit seiner Mutter in seinen Armen auf der Lichtung zusammen, auf der er damals vor zwei Jahren das Tal betreten hatte.
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