Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Nacht der Drachen - Kapitel 6 - Hoffnungslos

von Vivianne

Titel: Nacht der Drachen
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 6 - Hoffnungslos
Rating: PG-13
Charaktere: Harry Potter, Draco Malfoy
Warnung: Gewalt!,Slash, wenn auch erst später
Sprache: Deutsch
Datum: 26.05.2008
Wörter: 4595
Fandom: Harry Potter
Genre: Fantasy
Zusammenfassung: Voldemort hat den letzten großen Kampf für sich entschieden und Harry Potter gefangen genommen. Eine kleine Widerstandsgruppe aus ehemaligen Hogwartsschülern hat sich gebildet. Doch was hat es mit dem jungen Kämpfer auf sich?
Disclaimer: Nix mir, alles JK Rowling und Christopher Paolini, da ja doch einige Sachen an die Eragon Triologie angelehnt sind. Welche weiteren Fantasy-Romane hier mit eingeflossen sind, kann ich allerdings schon kaum noch aufzählen. Ich bin halt drachensüchtig.
Anmerkungen: Achtung, diese Kaptiel ist nichts für schwache Nerven. Ich weiss, es werden sich Abgründe meienr Seele auftun. Aber sagt nicht, dass ich euch nciht gewarnt hätte.

Kapitel 6 - Hoffnungslos

Heute sollte es also endlich soweit sein. Peordh würde zurückkehren und der Rat der Druiden konnte zusammentreten. Wie fast jeden Morgen stand Draco am Eingang zu Seras Höhle und betrachtete den Sonnenaufgang, ohne dessen Schönheit und Schlichtheit zugleich wirklich wahrzunehmen. Gedankenverloren richtete er seinen Blick auf das Dorf im Tal der Drachen und nahm somit kaum das geschäftige Treiben wahr, das immer vor den Ratssitzungen der Druiden herrschte. Auf dem großen Platz im Zentrum des Dorfes wurden Holzbänke kreisförmig ausgestellt und in deren Mitte Holz aufgeschichtet. Zu Beginn der Dämmerung würde dann der Ratsälteste den Stapel entzünden, so wie es Sitte war, um die unwillkommenen Geister fernzuhalten.

Doch all dies bemerkte Draco nicht, viel zu sehr war er um Seras Zustand besorgt, der sich heute Nacht dramatisch verschlechtert hatte. Irgendetwas schien mit ihrem Reiter passiert zu sein. In seinen Ohren hallten immer noch ihre Schreie wider. Und er wusste, dass Drachen ein Vielfaches mehr an Schmerzen aushalten konnten als Menschen. Welche Qualen musste dann erst ihr Reiter durchleiden? Draco wollte und konnte sich es nicht vorstellen, aber er begann zu erahnen, wozu Voldemort fähig war und erneut war es ihm ein Rätsel, wie Harry Potter dies alles durchstehen konnte. Wie konnte ein Mensch einem Cruciatus, und Draco war sich sicher, dass dies der Fluch war, mit dem Voldemort seinen Widersacher folterte, standhalten?

Nachdenklich schaute Draco zu dem Drachenweibchen tief in der Höhle. Sera schlief nun, doch er ahnte, dass sie solch einer Tortur nicht noch einmal standhalten würde. Der Rat musste seinem Vorschlag zustimmen. An eine andere Möglichkeit wollte er noch nicht einmal denken. Unwillig trat er nun doch hinaus auf den Felsvorsprung und betrachtete abwesend den Pfad hinunter zum Dorf. Meisterin Soée erwartete ihn, dessen war er sich bewusst, doch... nein, er wollte seine Ruhe. Behutsam ließ er seine Gedanken schweifen und begab sich auf die Suche nach Amdir.

Jede Nacht ruhte Amdir beim ihm und Sera, brach jedoch immer in den frühen Morgenstunden auf, um mit den Drachen seines Schwarmes zu jagen. Nur so konnte er sich des Respekts der niederen Drachen sicher sein. Normalerweise würde er sich mit seinem Weibchen abwechseln, doch sie war dafür einfach zu schwach und er wusste, nur seine alleinige Präsenz hielt die Drachen davon ab, über Sera herzufallen. Ein verletztes, schwächliches Tier wurde bei den niederen Drachen ausgestoßen. Lediglich den Druiden war es zu verdanken, dass diese Drachen überlebten und oft waren sie dann später die, die direkt nach dem Schwarmführer in der Rangordnung standen. Durch die Pflege der Druiden nahmen die meisten Tiere an Stärke zu und das Training, das diese Echsen genossen, gab ihnen eine erstaunliche Reaktionsfähigkeit, die sie den anderen Tieren überlegen machte. Durch ihre Betreuung bei den Druiden ließen sie es auch zu, dass Menschen in ihre Nähe kamen und hin und wieder ließen sie diese sogar reiten. Doch dieses Erlebnis endete nicht bei jedem Reiter glücklich. Nur wenige Druiden konnten in den Geist eines Drachens eindringen und ihn dadurch so lenken, dass sich das Tier nicht gegen seinen Reiter wehrte und ihn womöglich abwarf.

So war Draco auch nicht verwundert, als er in Amdirs Geist eindrang und ihn wie jeden Morgen über den Ufern des Elessar jagen sah. Schon nach wenigen Augenblicken veränderte sich die Landschaft und Draco erkannte die Felsformation, auf der er stand. Er musste schmunzeln, als er daran dachte, wie tief die Verbindung mit seinem Drachen war, spürte Amdir doch, dass er seine Gegenwart brauchte, und nur wenige Augenblicke später landete Amdir neben ihm, auf dem Felsplateau und Draco schwang sich sofort auf den Rücken des Drachen. Er wusste, dass ein Ritt ohne Sattel zu den Dingen zählte, die man als Drachenreiter besser vermied. Doch hatte er jetzt nicht das Bedürfnis, jemanden zu sehen. Und dies würde zweifelsohne geschehen, wenn er sich zu der Hütte begab, die sein Zuhause geworden war. Sowohl Brom als auch Solembum würden da sein, dessen war er sich bewusst. Jeder im Tal wusste, dass heute der Rat der Druiden zusammen kommen würde und so war auch jeder anwesend.

***

Hektisch rannte Catherine die schmale Treppe hinauf.

"Heather, komm, beeil dich", flüsterte sie, als sie sich in der Luke stehend nochmals umwandte. Das kleine, braunhaarige Mädchen folgte ihr, verhaspelte sich fast in den Stufen.

"Aber ...", wollte es seine Freundin fragen, als auf ihrem Mund auch schon die Hand von Catherine lag.

"Schhh", flüsterte sie, als sie Heather nahe an sich heranzog und, nachdem sie sich vergewisserte hatte, dass das andere Mädchen ruhig sein würde, zog sie die Leiter herauf und verschloss die Luke.

Wie Espenlaub zitternd kroch Heather unter die Dachbalken zu den Schränken. Catherine folgte ihr nur wenige Augenblicke später und verschloss die Schranktüren hinter sich, ehe sie die ersten Schreie vernahmen.

Nach einer Ewigkeit, wie es beiden schien, verstummten die Laute und sie hörten nur noch, wie alle Türen unter ihnen aufgerissen wurden und Möbel zerbarsten.

"Lass sie uns nicht finden. Lass sie uns nicht finden", betete Heather die Worte wie ein Mantra und Catherine achtete angestrengt auf jedes noch so leise Geräusch.

Und plötzlich war alles ruhig.

Heather versuchte in Catherines Gesicht in der Dunkelheit eine Regung zu erkennen, ehe ihre Freundin die Tür wieder leise aufschob.

"Sind sie ... sind sie weg?", fragte Heather flüsternd und klammerte sich ängstlich an ihre Freundin.

"Ich glaube ja", antwortete Catherine. "Ich, ich denke schon, dass sie weg sind."

Langsam stiegen beide aus dem Schrank und gingen zu der Luke zurück. Vorsichtig entriegelte Catherine die Falltür und öffnete sie, ehe sie die Leiter hinunterließ. Mit wachsamen Blicken kletterte sie die Sprossen hinunter, bevor sie ihrer Freundin durch ein Nicken zu verstehen gab, dass sie ihr folgen sollte.

Heather hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, als sie die Zerstörung im ersten Stock zu Gesicht bekam. Dielenbretter waren herausgerissen, Türen hingen schief in den Angeln, Wäsche lag verteilt in den Schlafzimmern, Federn schwebten noch durch die Luft.

"Warum?"

Keines der Mädchen hatte darauf eine Antwort. Eigentlich sollten sie gar nicht hier sein. Catherine hatte diese Nacht bei Heather, ihrer besten Freundin, übernachten wollen, doch lag ihr Lieblingsbuch vergessen auf ihrer Kommode. So hatten sich die beiden Elfjährigen in der Dämmerung aus dem nur drei Blocks entfernten Elternhaus Heathers geschlichen und unbemerkt das Haus durch die Küchentür betreten. Kaum hatten sie die Stufen zu Catherines Schlafzimmer erklommen, so hatten sie merkwürdige Geräusche im Vorgarten gehört. Als wenn Fredriks Moped mal wieder einen Fehlzündung hätte. Doch Catherine hatte eine seltsame Vorahnung beschlichen. Es war gewesen, als wenn sich plötzlich dunkle Schatten in ihren Geist gedrängt hätten. In dem Moment hatte Cathrine ihre Freundin an die Hand genommen und war zu der Luke zum Dachboden gestürmt.

***

Draco genoss es, wie der Wind durch sein Haar fuhr, als er mit Amdir über die Gipfel der Berge flog. Hier in den Lüften war er, fühlte er sich frei, nur er und Amdir schienen zu existieren und alle Sorgen und Ängste fielen von ihm ab, er befreite sich von ihnen, beruhigte seinen aufgewühlten Geist. Schon nach nur wenigen Augenblicken, wie es ihm schien, oder war doch eine Ewigkeit vergangen, landete Amdir sanft an den Ufern des Elessars. Die Sonne berührte sanft die Berggipfel und Draco bemerkte erst jetzt, dass die Abenddämmerung einsetzte. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, um den Rat der Druiden rechtzeitig zu erreichen. Amdir konnte ihn dorthin nicht begleiten. Auch wenn der Versammlungsplatz nicht gerade klein war, so füllte ihn Amdir jedoch vollständig aus, sodass kein weiterer den Platz betreten konnte. Jedoch war dies auch nicht notwendig, wohnte er doch der Versammlung durch die Verbindung mit Draco auch ohnehin bei.

Draco erreichte mit den letzten Sonnenstrahlen das Dorf. Das Feuer des Rates brannte schon und in wenigen Augenblicken würden die Druiden zu dieser Beratung keine weiteren Dorfbewohner mehr zulassen. So nickte Draco Meisterin Soée kurz zu, als er sich zwischen Brom, der ihm einen missbilligenden Blick zuwarf, und Solembum niederließ. Draco war sich bewusst, dass er sich nicht entsprechend gekleidet hatte, wie es die Gepflogenheiten des Rates forderten, doch schien ihm dies zum jetzigen Zeitpunkt zweitrangig. Wichtig war für ihn, dass er dem Rat die Notwendigkeit seine Bitte nahebringen konnte, dass sie seiner Bitte nachgingen. Er wusste, dass es eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen war, doch er musste es wenigstens versuchen.
Als er aus seinen Gedanken erwachte, bemerkte er, dass er Meisterin Soée ansah, die ihm aufmunternd zunickte. Sie war sich sicher gewesen, dass er den Rat überzeugen konnte, doch hatte es niemals in der Geschichte des Dorfes eine solche Forderung geben.

***

Nur schemenhaft konnte er ihre Gestalt am Fenster erkennen, an dem die Regentropfen herabperlten. Er sah, wie der Dampf der Teetasse in ihren Händen langsam über sie hinweg driftete, sich in der Höhe des Zimmers verlor. Er wusste, dass sie mit tiefen Sorgenfalten hinaus in die Dämmerung starrte und immer wieder überlegt, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatten.

Widerwillig erhob er sich, wickelte das Betttuch, sich gegen die klamme Kälte schützend, um sich und trat an sie heran.

"Minerva", flüsterte er sanft, als er sie umarmte, an sich drückte, mit der Decke umschloss. "Es war die richtige Entscheidung."

Er bemerkte, wie sie sich versteifte, doch hielt er sie weiterhin fest.

"Minerva, mehr kannst du nicht tun. Komm, leg dich noch ein wenig hin. Wir haben heut Abend einen weiten Weg vor uns", sprach er leise weiter.

"Wenn wir doch wenigstens wüssten, ob er noch lebt", entwichen die Worte ihrem zitternden Mund. "Ob das Ganze überhaupt noch einen Sinn hat." Weniger als gehaucht waren die letzten Worte.

Behutsam drehte er sie in seinen Armen um, wobei die Deck zu Boden ging, hielt ihre Schultern fest und sah sie eindringlich an.

"So etwas darfst du nicht sagen. Es hat immer einen Sinn. Immer, es ist immer sinnvoll, sich gegen einen Tyrannen aufzulehnen, sich zu erheben."

"Ach, Kingsley", versuchte Minerva ihrem Gefühl, ihrer Hilflosigkeit, Ausdruck zu verleihen. "Wir suchen ihn nun schon seit Jahren und immer, wenn wir kurz davor stehen, etwas tun zu können, ist es schon wieder vorbei. Ich weiß nicht, wie lange ich dass noch kann."

"Minerva", vorsichtig nahm er ihr Gesicht in seine Hände, "wir haben es bis hierher geschafft, wir haben die Kinder gerettet, wir werden es auch schaffen, ihn zu finden." Langsam näherte er sich ihrem Gesicht. "Wir werden es schaffen", hauchte er gegen ihre Lippen, ehe er sie langsam mit den seinen verschloss.

***

Die Gespräche schienen endlos anzudauern. Kenaz berichtete von den Drachenjungen am Ende des Tales, das sich über mehrere Tagesmärsche entfernt lag. Sie schienen anders zu sein als der Schwarm, der in den Felsen in der Nähe des Dorfes lebte. Noch niemals war er einer solchen Drachenart begegnet. Er hatte nicht herausfinden können, woher die Eier der Echsen stammten, jedoch waren noch nicht alle Tiere geschlüpft. Andererseits war es ihm aber, möglich mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Ihr Geist schien weiter entwickelt zu sein als der der niederen Drachenarten, ließen sie es doch zu, dass er in diesen eindrang und sie so ein wenig erforschte. Der Rat diskutierte die halbe Nacht darüber, wie sie sich den Drachen gegenüber verhalten sollten, ob sie sich regelmäßig in derer Nähe aufhalten sollten oder nur hin und wieder einer der Druiden nach dem Rechten sehen sollte. Diese Drachen waren etwas Besonderes, das war jedem Anwesenden bewusst, dennoch waren sie Geschöpfe, die ein Recht auf ihre Unabhängigkeit und freie Entwicklung hatten. Verlangten sie dies nicht auch für sich selbst? Als selbst nach allen vorgetragenen Meinungen sich nicht geeinigt werden konnte, verständigten sie sich darauf, in der nächsten Zusammenkunft darüber zu entscheiden.

Zäh zogen sich die Gespräche dahin. Draco wusste, dass er sein Anliegen erst zum Schluss der Versammlung vortragen konnte, gehörte er ja nicht dem Rat direkt an. Nicht einmal ein Druide war er. Und doch, ihm wohnte eine besondere Stellung inne. Das Leben der Druiden und Dorfbewohner war einzig und allein auf das Leben und vor allem Überleben der Drachen im Tal ausgerichtet. Bewusst hatten sie diese Abgeschiedenheit gewählt. So kamen die Druiden auf ihren Wanderungen zwar mit den Menschen jenseits von Gleann an Arach in Kontakt, doch erzählten sie niemandem von der Existenz des Tales, verschwiegen ihre Herkunft. So war es auch nicht verwunderlich, dass sie immer noch nach denselben Gebräuchen und Sitten wie vor Hunderten von Jahren lebten. Weder die Fortschritte der Muggelwelt noch die der Zauberer hatte hier ihren Einzug gehalten. Meisterin Soée schmiedete wie ihr Urururgroßvater schon die Schwerter und Lanzen geschmiedet hatten und auch Kieran braute seine Heiltränke nach den Rezepten seiner Vorfahren. Einige der Dorfbewohner erbeuteten in der näheren Umgebung genügend Fleisch, um die restlichen Bewohner zu versorgen. Ackerbau war in dem Gelände nicht möglich, so sammelten mehrere, meist Frauen, in den umliegenden Wäldern Beeren und andere essbare Früchte. Draco hatte, seit dem er in Gleann an Arach lebte, noch keinen Tag hungern müssen, gab ihnen doch die Natur genügend.

In den ersten Monaten nach seiner Ankunft hier in Gleann an Arach war es Draco schwer gefallen zu verstehen, warum die Menschen hier die Einfachheit ihres Lebens mochten und genossen. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er Brom ungläubig angestarrt hatte, als dieser ihn aufgefordert hatte, seine Kleidung im Flussbett zu waschen. Er hatte zwar schon festgestellt, dass es in seinem neuen Zuhause keine Hauselfen gab, jedoch war ihm nun erst bewusst geworden, wie viel Arbeit sie ihm immer abgenommen hatten. Niemand, wenn nicht er selbst, sorgte dafür, dass sein Hunger gestillt wurde. Niemand bereitet seine Schlafstatt zu. Und niemand kümmerte sich um seine Kleidung. So musste er dafür sorgen, dass sie solange wie möglich hielt. Nach fast einen halben Jahr hatte er dann sein erstes Reh erjagt, aus dessen Fell Uíle, der Gerber, ihm einfaches Leder präparierte. Den Gürtel, den er sich darauf fertigte, trug er immer noch. Und er war stolz auf dieses erste, von ihm selbst hergestellte Kleidungsstück. Hatte er zu Beginn seines Aufenthaltes im Dorf für die einzelnen Handwerker nichts weiter als Nichtachtung übrig gehabt, so wuchs seine Anerkennung danach fast täglich. Mittlerweile hatte er auch begonnen, bei Soée das Handwerk des Schmiedens zu erlernen.

Es hatte ihn damals fasziniert, als er bei der Erschaffung seines Schwertes anwesend sein durfte. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte Brom ihn zu Meisterin Soée gebracht. Nach wenigen Worten hatte die Druidin einen Eisenstab in die Glut gelegt und das Feuer ein wenig angeschürt. Schweigend hatte Draco beobachtet, wie sich aus dem plumpen Metall nach und nach eine edle Waffe geformt hatte, die genau auf ihn ausgerichtet war.

"Bedenke immer, was du bist. Vor allem, wenn Cruiadh gun Teinitidh dir treu dienen soll."

Noch immer konnte er ihre Worte hören, wenn er daran dachte, wie sie ihm sein Schwert, Cruiadh gun Teinitidh, überreicht hatte. Leicht lag es in seiner Hand, vollständig auf ihn hin ausbalanciert, dafür gedacht, es beidhändig zu führen, doch auch mit nur einer Hand konnte er es kontrollieren, wie keine andere Waffe, die er jemals vorher benutzt hatte. Bedächtig waren seine Finger damals über die Runen, die in die Klinge eingelassen waren, gewandert. Seine Augen hatten auf den druidischen Worten geruht, die in die Parrierstange graviert worden waren. In dem Lederband, das er um das Heft gewickelt hatte, war eine Haarsträhne von ihm selbst eingeflochten. Und ein Stück einer Drachenschuppe Amdirs zierte den Knauf seines Schwertes.

Ein Räuspern holte Draco wieder in die Gegenwart. Es war auch nicht der richtige Ort, um in der Vergangenheit zu verweilen. Draco bemerkte, dass das Holz in der Mitte des Platzes fast niedergebrannt war. Nicht mehr lange, und der Rat der Druiden würde beendet werden. Der fragende Blick von Peordh gab Draco zu verstehen, dass er nun an der Reihe war. Zögernd stand er auf und trat vor die Ältesten der Druiden.

"Wie Ihr wisst, haben wir versucht, Elerossë Tinehtelë hierherzuholen. Leider war ich nicht schnell genug. Jedoch ..." Draco suchte nach den richtigen Worten. "Gegen Voldemort hat sich eine Widerstandsgruppe gebildet. Sie kann jedoch kaum etwas ausrichten. Jeder Zauber, der gesprochen wird, wird registriert und an das Ministerium gemeldet. Die Mitglieder haben keine Chance, sich gegen Todesser zu wehren, da sie sonst sofort mit einem Registrare-Fluch belegt werden, durch den sie jederzeit aufgespürt werden können. Im einfachen Kampf sind sie den Schwadronen Voldemorts unterlegen. Niemand von ihnen hat eine Ausbildung, die ähnlich der meinen ist, genossen. Sie sind mit Zaubern aufgewachsen und ihnen wäre nie in den Sinn gekommen, diese nicht nutzen zu können. Am meisten machen sie sich dessen ungeachtet Sorgen um die muggelgeborenenen Hexen und Zauberer und deren Familien. Sie versuchen so viele Kinder wie möglich noch vor dem Zugriff der Ministeriumsbeamten zu sich zu holen, aber sie haben nicht die Möglichkeit, allzu viele zu beherbergen. Daher, ich weiß, dass ich mich mit dieser Bitte sehr weit vor wage, ich denke, es ist unerlässlich, dass wir ihnen unseren Schutz anbieten."

Ein ungläubiges Raunen ging durch die Reihen der Druiden. Nur Kenaz, Peordh und Soée blickten Draco direkt an. Er konnte auch Broms und Solembums Blicke in seinem Rücken spüren. Peordh, der Älteste der Druiden, hob seine Hand, um dem Gemurmel Einhalt zu gebieten.

"Dies ist eine schwerwiegende Bitte. Noch niemals haben wir Fremde in unser Tal eingeladen", sprach er mit ruhiger Stimme.

"Mir ist bewusst, dass dieses Tal noch niemals von nicht Auserwählten betreten wurde. Doch wozu verstecken wir uns? Ihr kennt selbst die Prophezeiung über Amdir und Seraphin. Ohne die Hilfe der Widerständler wird es uns nicht möglich sein, Elerossë Tinehtelë zu finden. Seraphin ist zu schwach, als dass sie uns sagen kann, wo sich ihr Reiter befindet. Auch wenn sie kaum eine Chance beim Kampf gegen Voldemort haben, so haben die Widerständler doch wichtige Informationen zusammengetragen. Ich denke, sie sind unsere einzige Möglichkeit, Elerossë Tinehtelë zu finden."

Schweigen beherrschte den Platz, als Draco seine Stimme senkte und ruhigen Schrittes den Versammlungsort verließ. Er wusste, dass er jetzt keine Antwort erhalten würde. Er hatte alles getan, was er konnte. Bei der Beratung der Ältesten konnte er nichts mehr sagen. Er hatte alle Fakten, die er kannte, genannt. Obwohl, dass Sera noch einmal eine solche Nacht wie die Letzte, nicht überleben würde... Nein, dies würde er nicht weiter erzählen.

Draco bemerkte erst, als Soée neben ihm ging, wie leer sein Magen war. Wie selbstverständlich betrat er mit ihr ihr Haus. Nur wenige Augenblicke nach ihnen trat auch Brom ein. Schweigend half er ihnen, den Tisch zu decken. Jeder ging seinen Gedanken nach, als sie mit dem Mahl begannen.

"Wie geht es Sera?", durchbrachen Broms Worte die Stille, doch Draco wollte nicht antworten.

Zu schmerzhaft waren die Gedanken an die Gefährtin seines Drachens. Es war nicht das erste Mal, dass er miterlebt hatte, wie Sera die Schmerzen ihres Reiters mit jenem teilte, aber diesmal war es anders gewesen. Noch nie zuvor hatte er das Drachenweibchen schreien gehört, und das Schlimmste für ihn war, dass weder er noch Brom oder die Druiden ihr helfen konnten. Einzig in der Nähe ihres Reiters konnte sie sich erholen. Draco selbst wusste zwar nicht, wie dies funktionierte, doch schienen die Drachen mit ihrer und der Magie ihres Reiters den Selbstheilungsprozess zu unterstützen. Es wurden Kräfte freigesetzt, die jede Vorstellungskraft übertrafen. Es gab kaum eine Wunde, die tödlich sein konnte, die einen Drachenreiter oder seine Drachen zugefügt werden konnte, die nicht wieder verheilte, waren beide nicht getrennt. Doch selbst hier gab Sera sowohl den Druiden als auch Brom Rätsel auf.

Brom. Draco erinnerte sich, dass auch er mit den Drachen, mit Amdir und Sera, reden konnte. Warum fragte er dann, wie es Sera ging?

Kritisch blickte Draco zu Brom auf.

"Das weißt du doch schon, oder?", beantwortete Draco schließlich die Frage.

Brom nickte.

"Amdir hat es mir erzählt, nachdem ich zu Sera keinen Kontakt herstellen konnte. Warum hast du den Rat nicht informiert?"

"Was hätte das genützt? Wenn sie wüssten, dass sie nicht mehr lange ..." Draco stand abrupt auf und trat zum Fenster. Die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg über die Gipfel der Berghänge und tauchten das Tal in ein goldenes Licht. Doch diese Schönheit der Natur nahm er keine Notiz, wurde er doch von einem Grauen bemächtigt, das er nicht so leicht verscheuchen konnte. Er sah wieder, wie so oft in den letzten Stunden, wie die Druiden vor etwa einem Jahr einem Jungdrachen, der sich bei einem seiner ersten Flüge so schwer verletzt hatte, dass an Heilung nicht mehr zu denken war, den Gnadenschuss gaben.

"Sie hätten keine Wahl mehr gehabt. Peordh hätte sofort zugestimmt", erklärte Soée.

Draco drehte sich schlagartig um.

"Wie?", fragte er fassungslos.

"Sie würden Sera niemals etwas antun. Nicht solange ihr Reiter lebt."

***

Nur mühsam schaffte es der Gefangene, dem Kerkermeister zu folgen. Die Kälte der Kerker durchdrang ihn immer mehr, doch er bemerkte es kaum noch. Er hatte genug damit zu kämpfen, dem Mann in der schwarzen Kutte zu folgen, den er trotz des durch die Fackeln erhellten Ganges kaum sehen konnte. Viel zu anstrengend war es für ihn, die vom Blut der letzten Folter verklebten Augen zu offen zu halten. Nach einer Ewigkeit, wie es ihm schien, erreichten sie endlich den Audienzsaal, wie er diesen Raum insgeheim nannte. Er war zwar noch nicht lange an diesem Ort, doch kannte er diesen Saal inzwischen so gut wie seine eigene Zelle. Wie überall in diesen Gemäuern hörte er auch hier, wie das Wasser an den Wänden herunterlief, durch das Moos und die Flechten zum Boden hinuntersickerte. Auch wurde er des vertrauten Geruches der Verwesung gewahr, der von seinem Widersacher ausging.

Brutal wurde er zu den Füßen des Thrones gestoßen, der in der Mitte des Saales in den blanken Fels gehauen worden war.

"Du bist zu spät", erklang die schneidende Stimme unweit seines Gesichtes.

"Steh auf", erschallte durch das Gemäuer, widerhallte an den Wänden, durchdrang seinen Geist. Diese unwirkliche Stimme schnitt sich durch sein Trommelfell und hinterließ nichts weiter als einen unsäglich hohen Ton, der schier nicht aufhören wollte, sich immer tiefer in seinen Kopf hineinzuhämmern.

Einzig durch seinen Willen war es dem Gefangenen möglich, dem Befehl nachzukommen und sich aufzurichten. Qualvoll stachen die Knochensplitter der Rippen in seine Lunge und überlagerten den Schmerz in seinem Kopf. Röchelnd sog er die Luft ein und nahm nur am Rande des Geräusch reißenden Stoffes wahr, als sich unaufhaltsam feine Nadelstiche in seinen Brustkorb hineinzubohren schienen.

"Fang an", hallte die Stimme an dem Gemäuer wider. "Kette ihn an", wies sie den Kerkermeister an.

Wie aus dem Nichts erschienen Ketten oberhalb des Gefangenen und seine Arme wurden mit unsichtbarer Kraft nach oben gerissen, um die Fesseln anzulegen und dann ein wenig höher zu ziehen, so dass nur noch seine Zehenspitzen den kalten Steinboden berührten.

"Nimm den Dolch."

Ehrfürchtig nahm der Kerkermeister den kunstvoll verzierten Dolch, den ihm das zierliche Mädchen reichte, entgegen. Wie als ob sie sich verbrannt hätte, zog sie die Hände zurück und verschwand wieder hinter dem Thron.

Der Kerkermeister hob den Dolch an, betrachtete, wie sich der Fackelschein in der Klinge brach und die Schatten der darin eingelassenen Runen noch dunkler färbte, ehe er seinen Blick dem zerschundenen Körper vor sich zuwandte.

Die Reste der Kleidung bedeckte den Gefangenen nur noch notdürftig. Tiefe Narben, die durch die Strangulierung wieder aufrissen, durchzogen die Armmuskulatur. Grob geschnittene Runen bedeckten den Brustkorb, zogen sich hinunter über den Bauch. Nur wenig helle Haut durchbrach die blutigen und eitrigen Spuren vergangener Folterungen.

Langsam gehend musterte der Kerkermeister den jungen Körper vor sich, suchte nach der passenden Stelle, wo er den Dolch ansetzen konnte, der Stelle an diesem zerschundenen Körper, die noch keiner Grausamkeit ausgesetzt worden war. Immer wieder strich er mit der Klinge über eben verheilte Narben, nur um sie wieder einzuritzen, bevor er schließlich knapp über dem Steißbein zustach.

"Dreh den Dolch. Langsam"

Der Kerkermeister kam der Anweisung nach und bohrte mit der Klinge in der Wunde. Doch noch immer entwich dem Gefolterten kein Laut. Im Gegenteil, trotzig öffnete er die Augen und starrte in die Richtung, in der er seinen Peiniger vermutete. Durch die verkrusteten Augen konnte er nur vage einen Schatten erkennen. Auch wenn ihm noch so große Qualen zugefügt wurden, so würde er das doch niemals zugeben. Den körperlichen Schmerz konnte er aushalten, zumal es ihm schien, als wenn seit ein paar Wochen oder Monaten, oder waren doch schon Jahre vergangen - er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, seit er kaum noch das Tageslicht sah - als wenn die Folter nicht mehr so schmerzhaft war, als wenn er gerade in den qualvollsten Momenten Kräfte mobilisierte, die er nicht kannte. So auch jetzt. Er spürte den Einstich, er spürte, wie der Dolch sich durch sein Fleisch wand, wie er über den Knochen schabte und doch er konnte die Tortur ertragen.

"Nimm den Schürhaken."

Erneut hallte die schneidende Stimme an den Wänden wieder, ließ das Trommelfell des Gefangenen vibrieren, fraß sich durch seinen Kopf und verzerrte all seine Sinne. Er nahm nichts mehr außer dem schrillen Ton wahr, bis sich das heiße Eisen mit einem ekelhaften Zischen in seine Haut nahe der Wirbelsäule bohrte und einen beißenden Gestank nach verbranntem Fleisch hinterließ. Reflexartig versuchte er, sich dem Folterinstrument zu entziehen, doch fand er mit den Füßen keinen Halt, um dem Brandeisen zu entkommen.

"Der Dolch."

Nichts weiter als diese zwei Worte sprach die Gestalt auf dem Thron aus, und doch hätten sie nicht unheilvoller sein können.

"Nimm ihn wieder."

Langsam, jeden Nerv schneidend, bahnte sich der Dolch seinen Weg durch die frische Wunde, riss das Fleisch klaffend auseinander, als der Widerhaken hängen blieb.

"Schlitz ihn etwas oberhalb der rechten Brust auf."

Der Kerkermeister folgte dem Befehl, als er die Klinge aus dem Wundmal entfernt hatte, und setzte die Spitze des Dolches etwas oberhalb der Brustwarze an, schob sie unter die Haut und hob diese etwas an.

"Nimm die Würgefeigen."

Erneut brachte das Mädchen dem Kerkermeister das verlangte Mittel und wurde wieder eins mit der Dunkelheit, als es die Samen übergeben hatte. Vorsichtig nahm der Kerkermeister die Frucht entgegen, darauf bedacht, sie nicht fallen zu lassen, und schob sie unter die Haut des Gefangenen. Sogleich, als der Samen mit dem Blut in Berührung kam, begann die Pflanze Wurzeln zu bilden und fraß sich in das Fleisch. Schier unerträglich wurden die Schmerzen und der Gefangene versuchte zu schreien. Doch nur ein Röcheln entwich seiner Kehle. Viel zu sehr drückten die gebrochenen Rippen gegen seine Lunge. Noch zwei dieser Früchte fanden ihren Weg in seinen Brustkorb.

Ein gleichmäßiges Klacken durchdrang den Saal, ehe eine dunkelhaarige Frau neben ihm stehen blieb. Langsam hob sie ihre linke Hand und fuhr mit ihren langen Fingernägeln vorsichtig die Narben in seinem Gesicht nach, stoppte an seinem Hals und drückte den Fingerdorn bedächtig in die Narbe, öffnete die frisch verheilte Wunde, aus der sofort Maden herauskrochen. Mit spitzem Fingern sammelt sie einige Maden auf und hielt sie dem Gefangen vors Gesicht

"Sind sie nicht kostbar, saftig und so appetitlich? Du solltest sie mal probieren."

Mit diesen Worten steckte sie sich die Maden in den Mund bevor sie die Lippen des Gefangenen mit der rechten Hand zwang, sich zu öffnen und ihn küsste, ihn auf diese Weise fütterte.

Würgend versuchte er den Lippen zu entkommen, die auf den seinen lagen, schwang ein wenig zur Seite. Das folgende Knirschen drang dumpf an sein Ohr und ein stechender Schmerz machte sich in seiner Schulter breit und zeigte ihm so, dass er sich das Gelenk ausgekugelt hat. immer mehr zog sein Körper an seinem rechten Arm, die Qualen wurden unerträglich, als er, sich verschluckend, die Maden ausspie. Nichts mehr als eine Ohnmacht sehnte er sich herbei. Eine ihn erlösende Ohnmacht. Doch wusste er, dass ihm diese Erlösung verwehrt bleiben würde, hielten ihn doch die Runen auf seinem Oberkörper bei Bewusstsein. Mochten diese magischen Zeichen noch so grob hin seinen Brustkorb hinein geritzt worden sein, sie erfüllten ihren Zweck.

~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

@Shera: ich schreibe weiter, versprochen. Es dauert halt immer etwas, aber ich denke, um so besser werden die Kapitel.

@Qubilay: danke für die aufmunternden Worte. Am siebten Kapitel schreib ich auch schon seit gut drei Monaten. Langsam wird es auch was. Entmutigen lass ich mich von der Kommifaulheit einger nicht, ich versteh nur nicht, warum ... öhm, das ist ein anderes Thema.
Tja, Sera, ich denke, sie hat schon erfahren, was sie wollte und es gab noch einen guten Grund für ihr Interesse. So manche Reflexion wirkt wahre Wunder.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Der Unterschied zwischen Evanna und den übrigen Kandidatinnen ist der: Die anderen können Luna spielen; Evanna Lynch ist Luna.
David Heyman über Evanna Lynch