Nacht der Drachen - Kapitel 7 - Schutzlos
von Vivianne
Titel: Nacht der Drachen
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 7 - Schutzlos
Rating: PG-13
Charaktere: Draco, Harry, Neville, Fred, Ginny, Brom
Sprache: Deutsch
Datum: 11.07.2008
Wörter: 3598
Fandom: Harry Potter, Eragon
Genre: Abenteuer, Fantasy, Crossover
Zusammenfassung: Dicke Nebelschwaden ziehen über die britischen Insel. Chaos und Tyrannein beherrschen England. Kinder verschwinden spurlos. Die Hoffnung der Zaubererwelt ist gefangen genommen worden und keiner weiß, ob er noch lebt. Ist neben all diesen Grausamkeiten auch noch Platz für die Liebe, die Hoffnung der Menscheit?
Disclaimer: Nix mir, alles JK Rowling und Christopher Paolini
Anmerkung: So, das ist es endlich. Jap, ich weiß, ich lasse mir unheimlich viel Zeit. Aber nun so ist es nun mal. Da ich nun nicht nur schreibe, sondern halt auch noch ein paar andere Hobbies habe, die alle ihre Zeit fordern, dauert es eben. Aber ich hoffe, euch gefällt das neue Kapitel auch wenn … Nein ich verrate nichts, wäre ja auch noch zu schön.
Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen (Nein, ich foltere diesmal wirklich niemanden - ehrlich.) Tata, das neue Kapitel:
Nacht der Drachen
Kapitel 7 - Schutzlos
Tief hingen die Wolken und verdunkelten so noch mehr den Himmel als es die Nacht sonst tat. Das Knacken der Äste wurde durch den niederfallenden Regen übertönt und so konnte Remus schneller rennen. Zielsicher bahnte er sich den Weg durch das Unterholz des Waldes. Nur noch eine halbe Meile hatte er vor sich, wie er der Landkarte entnommen hatte. Doch schienen die Bäume immer enger zusammenzurücken, sodass Remus immer wieder die Richtung ändern musste. Es war, als wenn der Wald sein Geheimnis für sich behalten wollte. Und Remus musste sich beeilen. In wenigen Stunden würde die Nacht einsetzen und der Mond in seiner Vollkommenheit erscheinen. Dass er den Weg am nächsten Morgen erneut finden würde konnte er nur hoffen, da er nicht wusste, wohin ihn diese Nacht seine Jagdinstinkte führen würden.
Trotz des anhaltenden Regens bemerkte Remus, dass er nicht allein war. Mittlerweile hatten sich auch die Tiere auf das nun schon mehrere Jahre gleich bleibend schlechte Wetter eingestellt. Die Vögel zwitscherten schon längst nicht mehr ihre fröhlichen Lieder, doch konnte er hier und da ein leises Fiepen vernehmen, mit dem sie sich verständigten. Er wusste, wie schwer es war, gegen die Tiere der Nacht, die nun die Wälder beherrschten, zu bestehen. Nur hoch in den Wipfeln der Bäume hatten sie eine Chance, den Räubern zu entkommen. Doch Ihre Nahrung, Würmer und Larven, fanden sie bloß hier am Boden, nahe den kleinen Sümpfen zwischen den festgetretenen Wegen. Und schließlich schien sich am Ende eines solchen Weges, den auch Remus benutzte, das Gebüsch etwas zu lichten.
Endlich hatte er sein Ziel erreicht. Eine Mauer aus Gras türmte sich meterhoch vor ihm auf. Doch Remus wusste, das er sich am Fuße einer der sagenumwobensten Stätten Britanniens befand. Vor mehr als 1500 Jahren hatte König Arthus an diesem Ort seine Feste errichtet. Für fast jeden, der sich diesem Tafelberg nährt, scheint es ein ruhiges, von Gras bedecktes Stückchen Land zu sein. Doch Remus spürte schon jetzt die feinen Fäden, die die Magie um diesen Ort wob. Es musste ein mächtiger Zauber sein, der diesen Ort schon seit hunderten von Jahren verbarg. Doch wie jede Illusion, so musste auch diese ihre Schwachstelle haben. Und diese musste er nun nur noch finden.
***
Das Licht der Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Autos ließ das Wohnzimmer unwirklich erscheinen. Immer noch erstarrt standen Heather und Catherine im Flur und zitterten. Sie wussten nicht, was sie tun sollten. Bis vor wenigen Minuten war Catherine noch Herr ihrer selbst gewesen. Doch nun, da sie sah, was von ihren Eltern übrig geblieben war, konnte sie keinen klaren Gedanken mehr fassen. Hilflos zerrte Heather an ihrem Arm, sie mussten doch irgendetwas tun. Gerade als Heather den Hörer des Telefons in die Hand nahm, bemerkte sie, wie sich durch einen Luftzug die Haare ihres Armes aufrichteten. Furchtsam riss sie Catherine an sich und zog sie mit sich in die Nische neben der Garderobe, als sie auch schon dunkle Schatten an der nun offenen Haustür erkennen konnte.
Gespenstisch glitten Lichtkegel fremder Taschenlampen durch den Flur. Das Blut rauschte so laut in Heathers Ohren, dass sie sicher war, es könnten auch die Eindringlinge hören. Furchtsam zog sie ihre Arme enger um Catherine, als sich die Schatten aufteilten und die Küche und das Wohnzimmer betraten. Bis auf die leisen Schritte auf dem Küchenparkett war das Haus totenstill. Immer mehr beschleunigte sich ihr Herzschlag und Heather konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Catherine zitterte am ganzen Körper und konnte sich auch nicht durch das sanfte Streicheln Heathers beruhigen. Noch vor wenigen Minuten hatte sie in das leblose, leicht aufgedunsene Gesicht ihrer Mutter geblickt. Erschreckend genau sah sie immer wieder die hervorgequollenen Augen vor sich, die sie anstarrten. Sie sah das blutige Rinnsal, das den Mund verlassen hatte und in der aufgeschlitzten Kehle endete. Sie sah den bis zu den Knochen aufgeschlitzten Körper.
Gleißendes Licht riss Catherine aus ihrer Lethargie. Unwillkürlich zuckte sie zusammen und vernahm leise Murmeln, aus dem sich immer mehr zwei Stimmen herauskristallisierten. Blindlings schob sie Heather hinter sich, verdeckte sie so gut es ihr möglich war mit ihrem Körper. Die Schritte, die sie auf den Dielenbrettern hörte, kamen immer näher, bis sie das lockere Brett nahe der Treppe erreicht hatten und ein dumpfer Knall vernehmbar war. Instinktiv packte Catherine Heathers Hand und riss ihre Freundin mit sich aus der Nische hinüber zur Kellertür. Doch gelang es ihr mit ihren zitternden Fingern nicht den Riegel zurückzuschieben, der die Tür verschloss. Panisch sah sie sich um. Der rettende Weg zur Küche war versperrt. Und auch die Haustür war für sie unerreichbar weit entfernt.
Das Licht der Taschenlampen strich ruhig über den Fußboden, suchte jeden Winkel ab. Immer näher bahnten sich die Strahlen ihren Weg, untersuchten jeden noch so kleinen Winkel, fanden die Nische, in der sie sich vor wenigen Augenblicken noch versteckt hielten. Catherine hielt instinktiv den Atem an, versuchte ebenso wie Heather keinen Laut von sich zu geben. Beide pressten sich immer mehr in die Dunkelheit des Flurs, als plötzlich ein Knall aus der Küche ertönte und das Licht hastig den Flur hinunter verschwand.
Erleichtert atmeten Catherine und Heather aus und schlichen Hand in Hand hinüber zum Arbeitszimmer. Umsichtig tasteten sich die Mädchen voran, doch trotz aller Vorsicht verfing sich Heathers Fuß in einem Stromkabel. Entsetzt konnte Catherine nur noch zusehen wie die Schreibtischlampe ihres Vaters nach hinten kippte, der vergoldete Sockel von der Tischplatte rutschte und der grüne Lampenschirm beim Aufprall in tausend Splitter zersprang.
Augenblicklich war das Zimmer von Taschenlampen erhellt und Catherine und Heather standen im Lichtkegel.
"Da seit ihr ja", vernahm sie eine erleichterte Stimme.
"George, sie sind hier, unverletzt, wie es aussieht", rief sie durch das Haus.
Langsam kam die Gestalt näher und Catherine legte beschützend ihre Arme um Heather, die vor Angst zitterten.
"Sch, wir tun euch nichts", wurden sie versucht zu beruhigen. Doch ihre Furcht ließ sich nicht so einfach vertreiben. Wer waren diese Fremden?
"Ich bin Ginny", erzählte die junge Frau, die sie nun im Licht der weiteren Taschenlampe erkennen konnten. "Wir wollen euch helfen. Kommt."
Ungläubig betrachtete Catherine die ihr dargebotene Hand, schaute in das Gesicht der jungen Frau. Sie wusste nicht, was es war, doch ihre Angst verschwand, als sie in die warmen braunen Augen blickte. Jedoch immer noch zögernd erhob sie sich, half Heather auf die Beine und stellte sich beschützend vor ihre Freundin. Fragend schaute Catherine die junge Frau, die sich als Ginny vorgestellt hatte, an.
"Ihr müsst hier weg. Ansonsten ...", seufzend suchte Ginny nach den richtigen Worten. "Ansonsten werden sie wieder kommen und euch suchen."
Entsetzen spiegelte sich in den Gesichtern der Mädchen wieder. Zu frisch waren die Erinnerungen an die misshandelten Körper ihrer Eltern, als dass Catherine einen klaren Gedanken fassen konnte. Heather erging es ähnlich. Zögernd griff sie die dargebotene Hand und krallte sich regelrecht in Catherines Unterarm.
"Wohin ...", Catherines Stimme brach ab.
"Wohin wollen Sie uns bringen?", stellte Heather die offene Frage.
"Kennt ihr die alte Kirche ein paar Straßen weiter?", erkundigte sich Ginny. "George", sie deutete auf den ausgemergelte jungen Mann, der nun neben dem Schreibtisch stand und seine Lampe auf der Arbeitsfläche abgelegt hatte, "und ich haben da einen Unterschlupf, der nicht so leicht entdeckt werden kann. Wenn wir dort sind, werden wir eure Fragen beantworten."
Keinen Protest zulassend dirigierten Ginny und George die Mädchen zur Haustür hinaus und vermieden auf dem Weg die Straße hinunter den Schein der Laternen.
***
Er wischte sich das Wasser aus seinem Gesicht, das ihn geweckt hatte. Irritiert sah er sich um, doch konnte er sich an diese Umgebung nicht erinnern. Enttäuscht lehnte er sich an den Felsen, in dessen Schutz er geschlafen hatte. Stetiger Regen hatte das Blätterdach über ihm durchlässig gemacht und die tiefhängenden Wolken ließen ihn auch nicht den Stand der Sonne erkennen. Seufzend betrachtete er die Reste seiner Kleidung, die an ihm hingen, und schüttelte den Kopf. So würde er sich in naher Zukunft eine Lungenentzündung holen.
Keiner hatte je vermutet, dass er sich fast einen gesamten Monat durch die Wälder von Wales kämpfen musste. Er hatte schon lange geahnt, dass Cadbury Castle der ideale Standort für Voldemorts Schattenfestung war. Mächtige Zauber machten es jedoch fast unmöglich, auch nur in die Nähe der einstigen Burganlage zu gelangen. Nur mit Hilfe der Bestie in ihm war es Remus gelungen, diese Flüche zu umgehen. Instinktiv war er den verschlungenen Pfaden gefolgt, die sich durch den Morast, zu dem der aufgeweichte Waldboden geworden war, wanden. Merkwürdigerweise spürte er die Flüche, die die Hügel von Cadbury schützten, wie ein leichtes Kribbeln im Nacken, von dem sich seine Härchen aufstellten, wenn er ihnen zu nahe kam.
Es erinnerte ihn an eine Erkundungstour mit Sirius während der großen Ferien. Sie hatten sich in einem Vorort von London getroffen und die Gegend durchstriffen, als Sirius Neugier von einem Häuschen ohne Fenster geweckt wurde. Seltsamerweise jedoch hingen Strippen an den Wänden, die zu den Masten in der Nähe führten. Natürlich war Sirius direkt zu der Tür gegangen und hatte sein erst kürzlich erworbenes Set an verschiedensten Metallhaken ausprobiert. Es hatte nicht lange gedauert und Sirius war in dem Häuschen verschwunden. Beklemmt hatte sich Remus umgesehen und war seinem Freund gefolgt, der seinem natürlichem Instinkt nachgebend, alles was er erreichen konnte, näher inspiziert hatte. Remus hatte nur den Kopf geschüttelt und gemerkt, wie sich seine Nackenhaare aufgestellten hatten. Gerade noch hatte Remus beobachten können wie Sirius einen Draht in der Hand gehalten hatte und das bisher stetige Brummen verstummt war, als sein Freund auch schon an diesem seltsamen langen Metallstock, der mit Draht umwickelt war, hantiert hat und es seltsam zu riechen angefangen hatte. Reflexartig hatte Remus Sirius gepackt und ihn aus dem Häuschen heraus gezerrt, als auch schon die ersten Flammen zu sehen waren.
Wehmütig schüttelte er die Erinnerung ab und versuchte sich zu orientieren. Sein Geruchssinn erleichterte dies, als er den charakteristischen Duft menschlicher Angst wahrnahm. Alarmiert erforschte er mit all seinen Sinnen die Umgebung und vernahm ein leises Wimmern ein paar hundert Yards tiefer in dem Wald. Vorsichtig folgte er dem schmalen Pfad aus abgebrochen Zweigen und niedergetrampeltem Moos. Eine düstere Vorahnung beschlich ihn, als er endlich die Lichtung erreichte und das verängstigte Mädchen entdeckte. Langsam und im Verborgenem bleibend ging er um die Lichtung herum und blieb abrupt stehen. Unsicher setzte er ein Bein zurück und das Knacken des vertrockneten Astes unter seinem Fuß hallte wie der Glockenschlag von Big Ben in seinen Ohren. Bestürzt schaute er nach dem Kind, das jedoch mit weit aufgerissenen Augen den Kadaver vor sich anstarrte. Beschämt blickte er auf den Haufen, der noch vor wenigen Stunden eine Hirschkuh gewesen war. Das Fell war zerrissen und er nahm erneut das Pochen der Adern unter seinen Händen wahr, wie er es auch in der Nacht gespürt hatte. Wenn die Bestie von ihm Besitz ergriff, so tat sie es nie vollständig. Ein Teil seiner selbst erlebte die Unbarmherzigkeit, mit der sie ihren Instinkten folgte, mit und konnte dem niemals Einhalt gebieten.
Doch er war aus einem anderen Grund hierhergekommen. Das Mädchen riss sich nach schier endloser Zeit von dem Anblick des kaum noch zu erkennen Kadavers los und stolperte durch das Unterholz. Remus ergriff die Chance und folgte ihm unauffällig. Schon nach wenigen Yards erreichte das Mädchen einen Waldweg und rannte nun, als wenn der Teufel oder noch Schlimmeres hinter ihr her wäre. Remus hatte Schwierigkeiten, es nicht aus den Augen zu verlieren. Doch der penetrante Geruch seiner Angst erleichterte es ihm seine Spur nicht zu verlieren. Eine Welle der verschiedensten Düfte ließ ihn inne halten. ‚Endlich', durchfuhr es seine Gedanken, endlich hatte er eine menschliche Behausung erreicht. Bedacht darauf, nicht sichtbar zu sein, verbarg er sich noch tiefer im Unterholz, während er das einsame Haus am Rande des Waldes in Augenschein nahm. Zu seiner Erleichterung war das Mädchen direkt in das Haus gelaufen und auch sonst hielt sich niemand außerhalb des Gebäudes auf. Remus war erleichtert, konnte er sich doch so einen Überblick über das Gelände verschaffen.
***
Catherine umklammerte furchtsam Heathers Hand, hielt sich regelrecht krampfhaft an ihrer Freundin fest. Das Bild des grausam zugerichteten Leichnams ihrer Mutter hielt sich beharrlich in ihrem Kopf. Und diese Fremden schienen zwar freundlich zu sein, doch nach dem heutigen Abend traute sie niemandem mehr. Fast niemandem, nur Heather. Zwar war Ginny sehr freundlich gewesen, aber dennoch. Sie atmete tief durch. Sie musste sich zusammen nehmen. Energisch schob sie das Bild ihrer Mutter aus ihrem Geist und konzentrierte sich auf das hier und jetzt. Sie war die Ältere, sie musste für sie beide sorgen. Was war mit Heathers Eltern? Catherines Gedanken überschlugen sich, doch war es nun wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Das Aufheulen von Sirenen ließ Catherine zusammenfahren und ein Blick auf Heather zeigte ihr, dass auch ihre Freundin sich erschrocken hatte. Aufmunternd versuchte Catherine ihre Freundin anzulächeln. Allerdings gelang es ihr nicht. Erschrocken stellte sie fest, dass mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei vor Heathers Haus standen, das nur wenige Yards entfernt war, wie sie durch den leichten, immerwährenden Nebel erkennen konnte. Instinktiv wollte sie losrennen, wollte sie wissen, warum die Polizei bei ihrer Freundin war, wollte sie wissen, dass es den Eltern ihrer Freundin gut ging. Doch eine kräftige Hand hatte sich auf ihrer Schulter niedergelassen, hielt sie fest.
Verstört und von einer Vorahnung ergriffen schaute sie George an, der nur mit dem Kopf schüttelte.
"Ihr könnt nichts tun", hörte sie die Stimme von Ginny. "So wie wir auch nichts tun können." Die letzten Worte waren zwar sehr leise, doch Catherine verstand sie dennoch.
Verwirrt wanderte ihr Blick zu Ginny. Doch den Eindruck von Mutlosigkeit muss sie sich eingebildet haben, strahlte doch das Gesicht der rothaarigen Frau Zuversicht aus.
"Kommt, hier ist es nicht sicher."
Wie angewurzelt stand Heather da, als sie sah, wie graue Särge aus dem Haus geschafft wurden. Die Leichenwagen waren ihr zuvor nicht aufgefallen gewesen. Ängstlich umschlang sie Catherine und fing haltlos an zu schluchzen.
"Heather, wir können hier nicht bleiben", versuchte Catherine ihre Freundin zum Weitergehen zu bewegen, obwohl sie selbst noch nicht verstand, warum das alles geschehen war. Sie folgte einfach ihrem Instinkt, der ihr riet, den beiden Erwachsenen zu vertrauen.
Endlich hatten sie die Kirche, von der Ginny erzählt hatte, erreicht. Unauffällig observierte Ginny die Umgebung, während George sich Zugang verschaffte. Nur wenige Augenblicke später standen sie alle im Altarraum des halb verfallen Sakralbaus.
"Hier", sagte Ginny und hielt den Mädchen eine Tafel Schokolade hin.
Nervös fuhr sich Ginny durch die Haare.
"Oh man, wie fang ich an?", murmelte sie zu sich, wandte ihren Blick hilfesuchend zu George, der ihr nur mit einem Achselzucken antwortete.
"Habt ihr schon manchmal Dinge ausgelöst, die eigentlich unmöglich sind?", fragte Ginny zögernd.
Verstört schauten die Mädchen sie an.
"Was Ginny euch fragen will, kennt ihr Zauberei?", sprang George ein. "Nicht dieses Hasen-aus-dem-Hut-Gezaubere. Eher, dass irgendwelche Dinge plötzlich eine andere Farbe angenommen haben, weil ihr das so wolltet, oder, oder …", er suchte nach den richtigen Worten.
"…Oder seid ihr manchmal unauffindbar?", sprach Ginny weiter.
Erschrocken blickten die Mädchen auf.
"Nein, ihr braucht keine Angst haben. Es ist zwar außergewöhnlich, dass ihr so etwas könnt, doch für uns ist das vollkommen normal. Ihr seid Hexen", fuhr Ginny fort und atmete tief durch. "Ich weiß, was ich euch nun erzähle, hört sich sonderbar an, aber ihr müsst uns glauben, um euretwillen."
Durchdringend schaute Ginny zu Heather und Catherine.
"In unserer Welt, der Welt der Zauberer, herrscht Krieg."
Eingeschüchtert klammern sich die Freundinnen aneinander.
"Es tut uns leid, dass wir euch das erzählen müssen, doch", Ginny seufzte, "wir wollen euch helfen. Mittlerweile hat ein Wahnsinniger die Herrschaft an sich gerissen und unterdrückt jeden, der sich ihm nicht bedingungslos anschließt. Er will die Muggel aus England vertreiben und eine Diktatur der dunklen Zauberer errichten. Und Kinder, die zwar zaubern könne, deren Eltern aber keine Zauberer sind, werden versklavt und versteigert. Und ihr …" -Ginny wandte ihren Blick ab- "… ihr seid solche Kinder. Ihr habt gesehen, wie die Todesser sein können. Und das war noch harmlos. Wir wollen euch helfen."
Stille beherrschte die Kapelle. Catherine versuchte zu verstehen, was ihr die Frau da erzählt hatte. Doch sie verstand es nicht, zaubern, das war etwas für Scharlatane und Clowns.
"Ich glaub das nicht", trotzig starrte Catherine zu Ginny. "Wenn du Zaubern kannst, dann beweise es."
Aufgebracht fixierte Catherine die Frau, die verzweifelt zu George schaute.
"Wir können es nicht", begann er zu reden. "So gern wir es euch zeigen würden. Doch leider ist jeder Zauber, der ausgesprochen wird, aufspürbar. Wenn wir euch jetzt etwas zeigen würden, wäre alles umsonst gewesen. Sie wären in wenigen Augenblicken hier. Ihr müsst uns einfach vertrauen. Ihr seid nicht allein."
"Was sind Muggel?", durchbrach Heathers Stimme das Schweigen, das nach Georges Erläuterung eingesetzt hatte.
"Als Muggel bezeichnen wir, also Zauberer und Hexen, Menschen, die nicht zaubern können", erklärte Ginny etwas abwesend. Sie beobachtete die Fenster intensiv und zuckte beinahe bei jedem Schatten, der vorbeiging zusammen.
"Wir müssen weiter", sprach sie weiter. "Hier können wir nicht bleiben. Sie werden alles nach euch absuchen. Kommt."
***
Vorsichtig näherte er sich dem Haus. Remus hatte das entdeckt, wonach er seit dem Aufwachen auf dem Felsen gesucht hatte. Kleidung. Schlichte, einfache Kleidung. Fein säuberlich hingen ein Hemd und ein Rock neben verschieden anderen Kleidungsstücken und Tüchern auf der Leine, die durch den Garten gespannt war. Von einer Hose fehlte weithin jede Spur. Seufzend schlich Remus durch das Gebüsch, immer jeden Augenblick damit rechnend, dass jemand das Haus verließ, ließ er das Gebäude nicht aus den Augen. Lautlos trat er aus dem Schutz der Sträucher heraus und war froh, dass sich der Nebel, der sich den ganzen Vormittag schon in den Wäldern hielt, hier noch dichter war.
Er konnte sich kaum noch an die Tage erinnern, an denen er zur Mittagszeit die Sonne gesehen hatte. Entweder trübten Nebelschwaden, die Beklemmung und Unruhe hinterließen, die Sicht, oder es regnete so stark, dass man kaum erkennen konnte, wohin man den nächsten Schritt setzte. Ihm war bewusst, dass Voldemort es den Dementoren gestattete, es ja sogar begrüßte, dass sie ihre Nachkommen in eben jenen Nebeln ausbrüteten. Widerwillig schüttelte er die Gedanken an den Tyrannen ab. Nichts war im Moment gefährlicher als Unachtsamkeit.
Einer Katze gleich, schlich er durch das hohe Gras, das schon hätte längst geschnitten werden müssen. Wie so oft, so fiel Remus auch hier auf, dass die notwendigen Arbeiten liegen blieben. Er ahnte, dass kein Mann mehr in diesem Haus wohnte. Notdürftig waren die Schiefer auf dem Dach neben dem Kamin befestigt, wo wohl einer der letzten Stürme ein Loch hineingerissen hatte. Auch der Schuppen, der an der Rückseite des Gebäudes stand, schien nicht mehr sehr stabil zu sein. Die Bretter waren nur behelfsmäßig zusammengenagelt. Von den Hühnern, die noch vor einigen Tagen im Gatter daneben eingepfercht gewesen waren, wie der Dreck und der angebrochene Futtersack verrieten, fehlte jede Spur.
Ein Wimmern erreichte seine Ohren, als er endlich die Leinen erreicht hatte. Tief durchatmend versuchte er, das Jammern zu ignorieren, das aus dem Haus zu ihm drang, während er die Klammern löste, um das Hemd abzunehmen. Nur wenige Augenblicke später hatte er auch den Rock, das einzige lange Kleidungsstück, das noch auf der Leine hing, in seinen Händen. Schnell zog er sich die Sachen an und bemerkte nun, wie durchgefroren er war, als er in seiner Bewegung plötzlich inne hielt.
So sehr er die ganze Zeit Acht gegeben hatte, so sträflich hatte er nun seine Umgebung missachtet und natürlich war ihm das zum Verhängnis geworden.
"Was tun Sie da?", hörte er die Stimme einer Frau hinter sich.
Zögernd drehte Remus sich um und hielt krampfhaft den Bund des Rockes fest.
"Ich ..."
Ihm fehlten die Worte. Was sollte er auch erklären? Dass er letzte Nacht ein Werwolf gewesen war und nun nichts mehr anzuziehen hatte?
Ungeniert betrachtete die Frau ihn, ehe sie ihn aufforderte sich fertig anzuziehen. Da sie sich jedoch nicht umdrehte, stieg Remus sehr ungeschickt in den Rock. Er wusste nicht, was er nun tun sollte. Sah die Frau eine Bedrohung in ihm? Gut möglich wäre es auf jeden Fall. Durch die Wälder von Wales liefen nun einmal nicht jeden Tag halbnackte Männer, die sich an fremder Wäsche vergriffen. Was sollte diese Frau nur von ihm denken? Eigentlich nur, dass er aus einer Irrenanstalt geflohen war.
"Kommen Sie", sagte sie in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ. Bereitwillig ging er vor ihr in das Haus. Dumpf schlug ihm die Wärme des Hauses entgegen, umhüllte ihn und ließ ihn nur noch mehr spüren, wie tief die nasse Kälte schon in seinen Körper gekrochen war.
***
Er hörte, wie sich das Wasser mit einem gleichmäßigen Tropfen in der Pfütze nur wenige Schritte neben ihm sammelte. Endlich war er wieder hier, wieder in den kargen vier Wänden, in denen er hauste. Er allein. Nur das allein brachte ihn zur Ruhe, die er brauchte, um sich ein wenig zu erholen. Erholen. Er hätte dumpf aufgelacht, wäre es ihm möglich gewesen. Doch zu heftig drückte die angebrochene Rippe gegen seine Lunge, als dass er anders als flach atmen konnte. Er wunderte sich selbst, dass er dem Wahnsinn der Schmerzen bisher nicht erlegen war. Immer wieder, kurz bevor er glaubte, dass sein Geist keine größeren Qualen aushalten konnte, verfiel er in eine Art Trance. Er wollte schier glauben, dass irgendjemand diese Folter mit ihm ertrug, es ihm leichter machte, diese Tortur zu ertragen.
Schwere Schritte hallten durch das Gewölbe. Er wusste, dass kein weiterer Gefangener hier, so tief unten in den Kerkern, gehalten wurde. Unwillkürlich zuckte er zusammen, wollte sich in eine Ecke verkriechen, was ihm jedoch unmöglich war. Zu stark waren die Schmerzen, die ihn bei jeder Bewegung durchfuhren. So blieb er bewegungslos liegen, als er das Klirren der Schlüssel hörte.
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Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Mike ist Engländer, ein sehr englischer Engländer. Jeden Tag trug er seine Anzugweste, was mir gut gefällt – man erlebt es heute kaum mehr, dass jemand Westen trägt. Er hat ein unglaubliches Charisma und flößt uns großen Respekt ein. Doch er verinnerlicht den britischen Humor total und kann sich bestens in die Internats-Teenager hineinversetzen.
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