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Fanfiction

Harry Potter und die Schatten der Vergangenheit - Erkenntnisse

von Muggelchen

Nach seinem Besuch bei Susan war Draco nicht zurĂŒck nachhause gegangen, sondern ĂŒbernachtete stattdessen bei ihr. Er holte sich gerade mitten in der Nacht einen Schluck Wasser, da hörte er den Kamin im Wohnzimmer knistern, als wĂŒrde jemand Kontakt aufnehmen wollen.

In der Feuerstelle erschien das Gesicht von Minister Weasley, der verschlafen aussah, aber sehr aufgebracht agierte, als er sagte: „Oh, Mr. Malfoy. Bitte entschuldigen Sie die nĂ€chtliche Störung, aber es handelt sich um etwas sehr Dringendes. Wenn ich bitte mit Miss Bones sprechen dĂŒrfte?“ Draco nickte lediglich und begab sich ins Schlafzimmer.

Er betrachtete die selig schlummernde Susan und rief sich wĂ€hrenddessen den Moment ins GedĂ€chtnis zurĂŒck, in welchem sie ihm verschĂ€mt lĂ€chelnd offenbart hatte, auf welche Art sie von ihm am liebsten geweckt werden wollte. So beugte er sich vor, stĂŒtzte sich auf der Matratze ab und ĂŒberflutete ihr Gesicht mit KĂŒssen, bevor er seinen Kopf in ihrer Halsbeuge vergrub und sich nippend zum OhrlĂ€ppchen hocharbeitete.

Wonnig stöhnend erwachte sie und sagte verschlafen, aber breit lĂ€chelnd: „Ist es doch kein Traum.“

Wenige Minuten spĂ€ter betrat Susan mit einem Morgenmantel bekleidet allein das Wohnzimmer und kniete sich vor den Kamin nieder, bevor sie fragte: „Mr. Weasley, was gibt’s?“
„Susan, vor wenigen Stunden fand ein Übergriff von Todessern auf eine Versammlung von Halbmenschen und Tierwesen statt!“, antwortete Arthur aufgebracht.

Die SchlafzimmertĂŒr hatte Draco nicht geschlossen und er konnte es nicht lassen, das GesprĂ€ch zu belauschen. Ein unangenehmes GefĂŒhl beschlich ihn, als er allein das Wort „Todesser“ vernehmen konnte.

Er hörte Susan fragen: „Was kann ich fĂŒr Sie tun, Arthur?“
Der Minister sagte laut genug, so dass Draco es hören konnte: „Wir mĂŒssen mit der Befragung von Mr. Malfoy senior beginnen. Wir können nicht warten, bis er sein Augenlicht wiedererlangt hat. Kingsley hat Macnair“, Dracos gesamter Körper wurde bei letzterem Namen von einer GĂ€nsehaut befallen, „unter dem Einfluss von Veritaserum befragt und wissen Sie was? Macnair hat ausgesagt, dass dieser Überfall der Erste gewesen war, den die ĂŒbrigen Todesser nach dem Sturz von Voldemort begangen haben. Der Erste, Susan! Verstehen Sie?“ Draco hörte sie nicht antworten, weshalb er davon ausging, dass sie lediglich nickte. „Am besten wĂ€re es, wenn Sie recht bald ins Ministerium kommen könnten, um sich die Aussagen durchzulesen, bevor Sie morgens mit Kingsley zu Mr. Malfoy ins Mungos gehen“, sagte Arthur.

Nach dem GesprĂ€ch kam Susan zurĂŒck ins Schlafzimmer und sie suchte sich bereits Kleidung aus dem Schrank, wĂ€hrend sie zu Draco sagte: „Du hast es gehört. Ich muss weg, Draco.“
Er hĂ€tte sich ertappt fĂŒhlen mĂŒssen, aber sie hatte es nicht einmal vorwurfsvoll klingen lassen, weshalb er nur empfahl: „Pass bei meinem Vater auf. Gib ihm im Vorfeld keine Informationen von den Aussagen der“, er stockte und schluckte krĂ€ftig, „Todesser. Er könnte sich daraus Information basteln, die er dir als neue verkauft.“

Susan lĂ€chelte Draco zu, nachdem sie sich ihre UnterwĂ€sche angezogen hatte und jetzt nach einer Bluse suchte. Seine Augen weideten sich an ihrer leicht bekleideten Erscheinung, weshalb er verfĂŒhrerisch fragte: „Merlin, musst du wirklich sofort gehen?“
„Leider ja und es wird voraussichtlich auch sehr lange dauern. Ich bin nicht böse, wenn du nachher zurĂŒck nach Hogwarts gehst. Kannst natĂŒrlich auch hier bleiben, aber es wird dir bestimmt langweilig werden. Ich melde mich auf jeden Fall, wenn ich von deinem Vater zurĂŒck bin.“

Im Ministerium suchte Susan zunĂ€chst das BĂŒro von Arthur auf, der sie gleich darauf zu Shacklebolt fĂŒhrte.

„Guten“, Kingsley schaute demonstrativ auf seine Uhr, „Morgen, Susan. Drei Uhr in der FrĂŒh
 Tut uns Leid, aber es ging nicht anders. Wir brauchen Hinweise von Malfoy, wenn er tatsĂ€chlich etwas ĂŒber diese Radikalen wissen sollte.“

In dem Moment kam Tonks ohne anzuklopfen ins Shacklebolts BĂŒro hineingestĂŒrmt und stieß ungeschickt an einen kleinen Aktenschrank, dessen Schubladen daraufhin aufsprangen, bevor sie ihm eine Akte mit den Worten reichte: „Die Aussagen von Crabbe und den beiden Mulcibers! Senior hat unter Veritaserum ausgesagt, dass seine Tochter und sein jĂŒngster Sohn bei dem Überfall auch dabei waren, aber fliehen konnten. DĂŒrfte nicht allzu schwer sein, die zu finden. Die anderen vier werden noch verhört, aber das sind definitiv keine Todesser. Sie tragen kein dunkles Mal, aber laut der bisherigen Aussagen sind es Sympathisanten des Dunklen Lords gewesen, die ihn immer und ĂŒberall unterstĂŒtzt haben und nicht nur finanziell.“

Beim Anblick der ausladenden Dokumente in Shacklebolts HĂ€nden bekam Susan ganz große Augen. Die magischen Federn mussten in einem Affentempo mitgeschrieben haben, um solch dicke Akten hervorbringen zu können. Sie wĂŒrde Stunden benötigen, um die SchriftstĂŒcke nicht nur zu lesen, sondern auch Malfoys Befragung vorbereiten zu können, doch Kingsley wĂŒrde ihr helfen und sie auch spĂ€ter begleiten.

In ihrem BĂŒro machte Susan es sich mit schwarzem Kaffee und ein paar Keksen, die Kingsley ihr zusammen mit den ersten vier Aussagen gereicht hatte, soweit es ging gemĂŒtlich, bevor sie die Mappe mit der Aussage von Macnair aufschlug. Schon nach der ersten Seite war klar, dass dieser Mann völlig verblendet war und von Hause aus einen bösartigen Charakter innehatte. Er hatte in Voldemorts rassistischem Sinne weitergehandelt, obwohl er auf keinerlei Belohnung seines Meisters mehr hoffen durfte, denn der war ein fĂŒr allemal besiegt. Macnair hatte drei Verstecke von Todessern genannt, die bereits in dieser Stunde von Auroren aufgesucht wurden. Susan hoffte innig, dass Dracos Vater noch andere Informationen geben konnte, fĂŒr die man ihm im Gegenzug einen Straferlass zugutekommen lassen könnte.

Von Tonks bekam Susan zwei Stunden spĂ€ter noch die anderen vier Akten von den insgesamt acht AnhĂ€ngern Voldemorts gereicht, die sie ebenfalls alle durchgehen musste. Die bereits durchgeschauten Akten gab sie durch Tonks an Kingsley zurĂŒck. Hier und da machte sie sich mit ihrer magischen Feder Notizen fĂŒr das spĂ€tere GesprĂ€ch mit Mr. Malfoy.

Erschreckend war die Tatsache, dass alle acht Gefangenen ausgesagt hatten, dass dies ihr erster Angriff nach Voldemorts Fall gewesen wĂ€re, was bedeutete, dass die Todesser mit all den anderen AnschlĂ€gen auf ReinblĂŒter und Todesser-Angehörige ĂŒberhaupt nichts zu tun haben konnten. Nur Macnair hatte eine vage Vermutung geĂ€ußert, wer dahinter stecken könnte, doch letztendlich hatte man keinen hilfreichen Anhaltspunkt auf die TĂ€ter der anderen AnschlĂ€ge bekommen. Hoffentlich konnte Mr. Malfoy hier weiterhelfen, dachte Susan.

Schwester Marie weckte Lucius sehr frĂŒh, der daraufhin aggressiv knurrte, nachdem er die von der Behandlung brennenden Augen aufgeschlagen hatte.

„Tut mir Leid, Mr. Malfoy. Miss Bones und ein Mann sind hier und sie sagt, es wĂ€re dringend. Sie möchte mit Ihnen sprechen. Soll ich Ihnen helfen?“, fragte sie hilfsbereit.
„Legen Sie mir bitte nur die Kleidung aufs Bett. Den Rest schaffe ich schon allein“, antwortete er etwas zurĂŒckhaltender. Es war nicht Schwester Marie, die ihn aus dem Bett geworfen hatte, sondern Miss Bones und auf sie sollte er sauer sein.

Nachdem die morgendliche Routine im Bad heute etwas schneller erledigt war und er sich einen der Standard-HausanzĂŒge des Hospitals ĂŒbergezogen hatte, wartete er still, bis er es klopfen hörte. Gleich darauf hörte er zwei Fußpaare den Raum betreten, so dass er gleich angriffslustig fragte: „Wie frĂŒh ist es, Miss Bones? Und was bitteschön ist so dringend, dass es nicht bis nach dem FrĂŒhstĂŒck warten könnte?“

Seine Wut war sofort verflogen, als er ĂŒber seine ehemaligen Todesser-Kollegen und deren Überfall unterrichtet worden war. Er merkte sich jeden einzelnen Namen von denen, die man in Gewahrsam genommen hatte, bevor Miss Bones ihn fragte: „Mr. Malfoy, kennen Sie auch noch andere Verstecke von Todessern als jene, die Macnair uns genannt hat?“

’Dieser Hund’, dachte Lucius. Niemand außer Macnair und ihm kannte die drei Verstecke und ausgerechnet ihn mussten sie schnappen und somit auch die Information, die ihn aus Askaban hĂ€tte freikaufen können.

Seufzend antwortete Lucius: „Ich bin wirklich außerordentlich untröstlich, Miss Bones. Macnair hat Ihnen genau die Verstecke genannt, die ich Ihnen ebenfalls hĂ€tte nennen können, wenn allerdings auch etwas frĂŒher.“ Ohne es zu wollen hatte Lucius etwas niedergeschlagen geklungen, doch er lenkte gleich davon ab, indem er fragte: „Warum kommen Sie ausgerechnet jetzt in den frĂŒhen Morgenstunden und geben vor, es gĂ€be nichts Wichtigeres als meine Antworten auf Ihre Fragen? BefĂŒrchten Sie etwa, dass ich nichts mehr hĂ€tte, was ich preisgeben könnte, um mich aus dem GefĂ€ngnis freizukaufen, womit Sie sich möglicherweise noch mehr in das Herz meines Sohnes schmeicheln könnten? Oder wollen Sie mich so dringend herausholen, damit Sie sich meiner Dankbarkeit ein Leben lang sicher sein können?“

Eine tiefe, gemĂŒtlich klingende MĂ€nnerstimme antwortete an Miss Bones statt und sagte: „Mr. Malfoy, es ist nicht nur der Angriff Ihrer ehemaligen Freunde“, Lucius schnaufte verachtend, „der das Ministerium zwingt, sich Ihnen frĂŒhzeitig zu nĂ€hern. Wir wissen, dass die Behandlung Ihrer Augen schmerzhaft und zeitaufwendig ist, weswegen der Minister es fĂŒr angemessen gehalten hatte, sich zunĂ€chst nur einer Sache zu widmen.“
„Oh, wie großzĂŒgig vom Minister“, höhnte Lucius.
Ohne sich aus der Fassung bringen zu lassen, erklĂ€rte der Mann: „Sie hatten Miss Bones gegenĂŒber einmal etwas von einem ’Pendant der Todesser’ erwĂ€hnt. DarĂŒber möchten wir gern einige Informationen haben, Mr. Malfoy.“
„Und wer bitte sind Sie? Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich von Ihnen noch nie aufgesucht worden bin“, sagte Lucius gereizt.

Kingsley erklĂ€rte Malfoy nicht, dass er nach dem Überfall auf Schwester Marie schon einmal mit Susan bei ihm im Zimmer gewesen war, zu dem Zeitpunkt allerdings kein Wort verloren hatte. So erklĂ€rte er lediglich, wer er war und worin seine Aufgabe im Ministerium bestehen wĂŒrde, so dass Malfoy tatsĂ€chlich höflich die Hand ausstreckte, um ihn zu begrĂŒĂŸen.

Lucius fĂŒhrte die beiden an einen kleinen Tisch in seinem Zimmer, der am Fenster stand und an welchem er gern saß, wenn es draußen regnete, weil er es mochte, den an die Scheiben schlagenden Tropfen zu lauschen.

Nachdem sich die drei gesetzt hatten, erklĂ€rte Lucius seinem hochrangigen Besuch: „Das ganze Ministerium ist voll von diesen
 Wie nannten Sie sie noch, Miss Bones? Eine radikale Gruppierung? Die haben sich in jeder einzelnen Abteilung niedergelassen. Ich selbst habe einige von denen“, er suchte nach passenden Worten, „etwas nĂ€her in Augenschein genommen, als ich noch Angestellter des Ministeriums gewesen war.“
„Können Sie Namen nennen?“, fragte Kingsley mit besonnener Art.
Lucius grinste selbstzufrieden, bevor er arrogant antwortete: „NatĂŒrlich kann ich Namen nennen. Viele sogar! Aber sagen Sie, Mr. Shacklebolt und Miss Bones: Was genau stellt die Gegenleistung fĂŒr meine Antworten dar?“
Lucius vernahm ein nicht boshaftes, aber dafĂŒr sehr amĂŒsiert klingendes, tiefes Lachen, bevor Mr. Shacklebolt sagte: „Immer darauf bedacht nicht leer auszugehen, nicht wahr, Mr. Malfoy?“
Schnaufend erwiderte Lucius: „Ich bin wohl lange genug ’leer ausgegangen’, wie Sie sich auszudrĂŒcken pflegen. Sie können es mir glauben, Mr. Shacklebolt, wenn ich Ihnen versichere, dass ich meine Informationen niemals unter ihrem Wert verkauft habe. Wenn Sie mir ein Angebot machen, dann können wir gern weiterreden. Ansonsten möchte ich Sie bitten zu gehen, um ĂŒber eine, sagen wir, ’verlockende VergĂŒnstigung’ nachzudenken, die mir die Zusammenarbeit mit dem Ministerium schmackhaft machen könnte.“
Susan meldete sich zu Wort und erklĂ€rte: „Sie wissen aber schon, dass wir Ihre Informationen auch einfach mit Veritaserum aus Ihnen herauskitzeln könnten?“ Susan bluffte, denn so leicht war das nicht.

Mit schmieriger Stimme antwortete Lucius: „Miss Bones, Miss Bones, es mĂŒsste Ihnen doch lĂ€ngst aufgefallen sein oder etwa nicht? Solange ich ĂŒber meinen Verstand verfĂŒge, ziehe ich ganz klar einen Handel vor. Was Sie letztendlich daraus machen, ist Ihnen ĂŒberlassen. Ich fĂŒr meinen Teil halte eine Abmachung per Handschlag fĂŒr kultivierter und darĂŒber hinaus fĂŒr wesentlich einfacher. Sollten Sie mir einfach Veritaserum geben, so bedeutet das nĂ€mlich nicht, und darĂŒber sind Sie sich sehr wohl im Klaren, dass Sie alle Informationen erhalten werden, die fĂŒr Sie wichtig wĂ€ren, denn Sie wĂŒssten wohl kaum, nach was Sie gezielt fragen mĂŒssten, nicht wahr? Eine Vereinbarung hingegen macht mich zu einem folgsamen Handelspartner, der darauf erpicht sein wird, seinen Teil des Handels zu erfĂŒllen, damit er von Ihrem erfĂŒllten Teil profitieren kann!“

Lucius hörte Shacklebolt erneut lachen, doch wieder klang es vergnĂŒgt und nicht spöttisch, bevor er fragte: „Sie haben viel Erfahrung mit Veritaserum, Mr. Malfoy?“
„Der Dunkle Lord hat es nicht gerade selten angewandt und doch hat er nie alles erfahren, was fĂŒr ihn von Bedeutung gewesen wĂ€re. Sie wissen sehr wohl, Mr. Shacklebolt, dass Veritaserum zwar die wahrheitsgemĂ€ĂŸe Antwort auf eine Frage erzwingt, aber es animiert einen nicht dazu, von sich aus alle wichtigen Details zu nennen, wenn nicht gezielt danach gefragt wird. Das ist wohl auch der Grund, warum Veritaserum vom Zaubereiministerium nicht bei jedem Verhör eingesetzt wird, habe ich Recht?“, erwiderte Lucius grinsend, denn er wusste, dass er Recht hatte.

Ein Moment lang herrschte Stille und Lucius wartete geduldig, bis Shacklebolt zu einer Entscheidung gekommen war.

Mit seiner tiefen Stimme legte der Auror fest: „Zwanzig Jahre, Mr. Malfoy!“ Lucius strĂ€ubte sich, doch Shacklebolt machte ihm klar: „Nur zwanzig Jahre anstelle von lebenslĂ€nglich; das ist eine sehr gute Basis. Bei der hohen Lebenserwartung von Zauberern ist das doch ein Klacks.“
Galant entgegnete Lucius: „Es mag fĂŒr Sie ’ein Klacks’ sein, Mr. Shacklebolt, aber fĂŒr mich ist es viel zu viel. Machen wir zehn Jahre draus und Sie erhalten Informationen, die viele Leben retten können.“
„Sie sind hier nicht in der Position, um
“
Lucius unterbrach Shacklebolt höflich und sagte: „Entschuldigen Sie, aber ich dachte, genau das wĂ€re ich momentan? Was machen wir hier?“ Lucius fĂŒgte eine kleine Pause ein, bevor er sagte: „Verhandeln! Erst einmal schaffen wir eine Basis, fĂŒr die es sich fĂŒr mich ĂŒberhaupt zu handeln lohnt. NatĂŒrlich sind mir zehn Jahre noch immer zu viel, aber ich bin ja nicht völlig realitĂ€tsfremd. Zehn Jahre Haft sind fĂŒr mich zu viel und fĂŒr Sie zu wenig – das wĂ€re doch eine ideale Grundlage, meinen Sie nicht?“
Wie aus der Pistole geschossen antwortete Shacklebolt: „FĂŒnfzehn Jahre Haft als Basis. Weiteren Hafterlass gibt es je nach gewichtiger Information ihrerseits. Das ist mein letztes Angebot.“

Kingsley war erstaunt, als Mr. Malfoy ihm unverhofft die Hand entgegenstreckte, um den Handel bestĂ€tigt zu wissen. Als er die Hand des blinden Mannes ergriff, wiederholte dieser: „FĂŒnfzehn Jahre Haft Maximum!“
BestĂ€tigend wiederholte Kingsley Malfoys Worte, bevor er von dessen Hand abließ und sagte: „Gut, Mr. Malfoy. Jetzt nennen Sie uns Namen!“

In den Kerkern lag Severus wach in seinem antiken, vierpfostigen Himmelbett und starrte abwechselnd auf die Falten, die der offen stehende Vorhang warf und auf das GemĂ€lde, das die verschneite Landschaft zeigte. Geschlafen hatte er noch nicht, denn der Abend oder besser gesagt die Nacht war sehr aufwĂŒhlend gewesen. Miss Granger hĂ€tte ihr Leben beinahe durch den Todesser Macnair verloren und sie war darĂŒber hinaus auch noch von Caedes gebissen worden.

’Dummes Ding’, dachte Severus, der dabei leicht seinen Kopf schĂŒttelte. Ihm war nicht entgangen, dass Miss Granger schon lange vor dem Besuch dieser Veranstaltung nicht in der besten Verfassung gewesen war, aber den Grund dafĂŒr hatte er noch nicht herausgefunden.

Ein Knistern aus dem Wohnzimmer ließ ihn aus dem Bett springen. Nur im Nachthemd bekleidet verließ er sein Schlafzimmer und kniete sich vor den Kamin, um den Ruf entgegenzunehmen.

Es war Arthur, der sehr abgeschlagen wirkte, aber aufgebracht fragte: „Severus, es tut mir so Leid, dass ich dich um diese Zeit stören muss, aber...“
„Ich war noch wach“, erwiderte Severus kĂŒhl.
Arthur stutzte kurz, denn es war bereits kurz nach halb fĂŒnf in der FrĂŒh, bevor er fragte: „Oh, wĂ€re es vielleicht möglich, dass wir uns ĂŒber du-weißt-schon-was unterhalten können?“
„Ich habe mich schon gefragt, wann du mich wohl kontaktieren wĂŒrdest, Arthur.“ Severus entfernte sich einen Schritt vom Kamin, damit Arthur hindurchtreten konnte, bevor er zu seinem Gast sagte: „Wenn du mich einen Moment entschuldigen wĂŒrdest? Ich werfe mir nur einen Umhang ĂŒber.“

Nachdem Severus im Schlafzimmer verschwunden war, schaute Arthur sich im Wohnzimmer um. Er hatte es bisher nur einmal betreten und das war kurz nach Dumbledores Tod gewesen. Der Orden des Phönix hatte sich noch vor den Ministeriumsangestellten Einlass in die Kerker verschafft, um Anhaltspunkte ĂŒber Severus’ Handeln in Erfahrung zu bringen, doch sie hatten nichts gefunden, genauso wenig wie die Auroren des Ministeriums, die erst sieben Stunden spĂ€ter Severus’ GemĂ€cher auf den Kopf gestellt hatten. Mitgenommen wurde damals nichts, denn es schien hier nichts Persönliches zu geben. Alles in Severus’ WohnrĂ€umen – die BĂŒcher, die Aufzeichnungen und Notizen, die GegenstĂ€nde – gehörten der Schule oder zu seiner Aufgabe als Lehrer. Heute schien es nicht anders zu sein, denn nichts wies auf eine Persönlichkeit des ZaubertrĂ€nkemeisters hin. Keine BĂŒcher, die nichts mit TrĂ€nken oder Verteidigung gegen dunkle KĂŒnste zu tun hatte, kein Bild von Vater oder Mutter, kein Nippes oder Tinnef weit und breit.

„Arthur, kann ich dir Tee oder Kaffee anbieten?“, fragte Severus, der gerade aus dem Schlafzimmer zurĂŒckkam.
„Oh ja, Kaffee wĂ€re nett!“, sagte Arthur begeistert, denn sein Ordensbruder hatte ihn noch nie bewirtet, aber Severus selbst hatte sich auch noch nie bewirten lassen. Bei den Treffen damals im Grimmauldplatz war Severus immer vor dem gemeinsamen Abendessen gegangen, egal wie hĂ€ufig Molly versucht hatte, ihn zum Bleiben zu ĂŒberreden. Nur nach der Verleihung des Merlins hatte Severus sich im Fuchsbau eingefunden, aber auch da hatte er nichts zu sich genommen.

Die gerufene Hauselfe brachte Tee, Kaffee und GebĂ€ck, bevor sie wieder verschwand, um sich in der KĂŒche den Vorbereitungen fĂŒr das FrĂŒhstĂŒck in der großen Halle zu widmen.

Ohne ihn auffordern zu mĂŒssen, erzĂ€hlte Severus: „In Tylers Erinnerungen habe ich einen rothaarigen, gut situierten Herrn gesehen. Tyler wurde von ihm dafĂŒr gerĂŒgt, mit der Brandstiftung im Haus der Familie Beerbaum zu voreilig gehandelt zu haben, da die Ferienzeit noch nicht begonnen hatte und die Tochter Meredith nicht Zuhause gewesen war. Um die Tochter sollte sich Tyler spĂ€ter kĂŒmmern und das wollte er mit Sicherheit mit dem Attentat wĂ€hrend der Beerdigung nachholen. Beides, die Brandstiftung und das Attentat auf Meredith, war ein Auftragsmord von dem Rothaarigen.“
„Weißt du, wie der Rothaarige heißt?“, fragte Arthur.
Severus schĂŒttelte den Kopf, bevor er erklĂ€rte: „Nein, das wĂ€re wohl die erste Information gewesen, die ich dir gegeben hĂ€tte.“
„Hast du noch etwas sehen können? Wie sah es dort aus? Konnte man erkennen, wo sie waren?“, wollte Arthur wissen.
Severus kniff die Lippen zusammen, sagte jedoch lediglich: „Nein, leider nicht. Ich kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob der Rothaarige ein Zauberer war oder nicht, denn einen Stab habe ich nie gesehen. Allerdings sitzen Zauberer auch nicht stĂ€ndig mit ihrem Zauberstab in der Hand herum, nicht wahr?“ Arthur betrachtete seine HĂ€nde und stimmte ihm innerlich zu, bevor Severus fortfuhr: „Aber es gab noch etwas sehr Interessantes!“ Mit aufmerksamer Miene zeigte Arthur sein Interesse, so dass Severus erzĂ€hlte: „In einer anderen, möglicherweise etwas Ă€lteren Erinnerung von Tyler sprach der Rothaarige von einem ’Hexenturm’. Tyler bekam den Auftrag, diesen Hexenturm aufzusuchen, um bei einem neuen Gefangenen die ’Territion’ durchzufĂŒhren. Tyler sollte dem Gefangenen irgendwelche Instrumente zeigen, die
“ Severus hielt inne, weil er etwas in Arthurs Augen erkannte, was er dort seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte: Angst.

„Arthur?“, fragte Severus vorsichtig.
„ErzĂ€hl erst zu Ende, Severus“, forderte Arthur mit bebender Stimme und beschleunigter Atmung.
Severus nickte und kam Arthurs Wunsch nach, indem er sagte: „Tyler sollte dem Gefangenen die Instrumente zeigen und ihm damit drohen, sie auch anzuwenden, wenn er nicht reden wĂŒrde.“

Mit zittrigen HĂ€nden schenkte Arthur sich unter den wachen Augen seines Gastgebers noch eine Tasse Kaffee ein, wovon er gleich einen Schluck nahm. Danach atmete er tief ein, um sich innerlich zu beruhigen, bevor er Severus in einem Tonfall fragte, der suggerierte, dass er selbst die Antwort kannte: „Weißt du, was eine Territion ist?“ Nachdem Severus wortlos verneint hatte, erklĂ€rte Arthur mit zittriger Stimme: „WĂ€hrend einer Territion werden einem Gefangenen“, Arthur musste einmal krĂ€ftig schlucken, „Folterinstrumenten gezeigt und ihre Verwendung wird erklĂ€rt.“ Arthur fasste sich an die Stirn und wirkte Ă€ußerst verzweifelt, bevor er fragte: „Hast du diese Instrumente gesehen?“
Wieder schĂŒttelte Severus den Kopf, aber gleich darauf sagte er: „Ich habe aber den Gefangenen gesehen.“
Wie aus der Pistole geschossen fragte Arthur: „Wie sah er aus?“
Sehr reserviert entgegnete Severus: „Eine Personenbeschreibung kann ich mir sparen, denn ich habe den jungen Mann erkannt. Es war mein ehemaliger SchĂŒler Gregory Goyle! Das war alles, was ich in der kurzen Zeit in Erfahrung bringen konnte.“

Arthur hielt sich vor Schreck eine Hand vor den Mund, bis er sich wieder gefangen hatte und fragen konnte: „Goyle? Der Sohn von dem Todesser? Der war mit Ron im gleichen Jahrgang
 Wir mĂŒssen ihn da rausholen! Severus, kannst du nicht irgendetwas ĂŒber den Ort
“
Seinen Gast unterbrechend sagte Severus mit ruhiger Stimme: „Arthur, diese Erinnerung kann mehrere Jahre alt sein, denn der Rothaarige sah dort ein wenig anders aus als in der vorigen. Er trug eine leicht verĂ€nderte Frisur, hatte etwas mehr Körpergewicht. Möglicherweise ist Goyle junior lĂ€ngst tot. Vielleicht konnte er sich aber auch befreien oder wurde sogar von jemandem befreit. Man darf sich niemals von fremden Erinnerung mitreißen lassen – niemals! Wir können nichts tun! Wir wissen nicht, wer der Rothaarige ist und wir wissen nicht, wo sich dieser Hexenturm befindet. Wir können nicht einmal Tyler fragen, weil dann herauskommen wĂŒrde, dass ich in deinem Auftrag in seinem Kopf gestöbert habe und dafĂŒr wĂŒrden wir beide teuer bezahlen!“

Sich die zittrigen HÀnde reibend starrte Arthur auf die Tasse Kaffee. Es war schrecklich, trotz dieser Informationen nicht handeln zu können, weil man einfach keinen vielversprechenden Anhaltspunkt hatte. Nur einen Hinweis gab sie.

Arthur setzte sich etwas aufrechter hin und sagte zu Severus: „Wenn die Todesser tatsĂ€chlich zuvor niemals einen Anschlag verĂŒbt haben oder fĂŒr eines dieser armen Folteropfer verantwortlich sind, wie sie es ausgesagt haben, dann bedeutet das, dass wir es mit mindestens einer weiteren, feindlichen Gruppierung zu tun haben. Ehrlich gesagt machen mir diese Leute mehr Angst, als die restlichen Todesser, die noch auf freiem Fuß sind!“
„Warum das?“, fragte Severus verdutzt. Todesser waren bisher neben Voldemort das Schlimmste, was der Zaubererwelt widerfahren war.
„Warum? Weil Tyler ein Muggel ist und weil ich davon ausgehe, dass dieser Rothaarige ein Muggel ist! Weil sie von ’Territion’ und von ’HexentĂŒrmen’ sprechen. Weil immer wieder Zauberer und Hexen gefunden werden, die mehr tot als lebendig sind, weil sie ganz offensichtlich ĂŒbel gefoltert worden waren. All das, Severus, lĂ€sst mir eine GĂ€nsehaut ĂŒber den RĂŒcken laufen, weil es so etwas schon einmal gegeben hat!“, sagte Arthur zum Ende hin recht aufgebracht.
VerblĂŒfft legte Severus die Stirn in Falten, bevor er fragte: „Schon einmal?“
Arthur nickte und erlĂ€uterte gleich darauf: „Schon einmal! ’Territion’ ist ein Begriff der mittelalterlichen Inquisition und stellt die Vorstufe zur ’peinlichen Befragung’ dar.“

Erst jetzt verstand Severus, warum Arthur von diesen Informationen so erschĂŒttert war und auch ihm lief es nun eiskalt den RĂŒcken hinunter.

Mit leiser Stimme warf Severus unsicher in den Raum hinein: „HexenjĂ€ger?“
Arthur nickte, fasste sich erneut an die Stirn und wimmerte: „Oh Merlin, was passiert hier nur?“


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Im Buch wird sie als hĂ€ssliche Kröte beschrieben. Als man mir dann sagte: ,Du wĂ€rst toll in der Rolle‘, antwortete ich: ,Herzlichen Dank!‘ Aber natĂŒrlich habe ich mich gefreut, als man mich darum bat, denn die Rolle ist ein echtes Juwel, es ist einfach traumhaft, in dieser Welt mitmischen zu dĂŒrfen 
 ganz abgesehen davon, dass ich in der Achtung meiner zwölfjĂ€hrigen Tochter deutlich gestiegen bin.
Imelda Staunton