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Fanfiction

Im Silberlicht bis Nimmermehr - Durch den Garten

von Teekon

„Wenn dein Traum und das hier nichts miteinander zu tun haben,“ hatte Sirius gesagt und mit dem gezĂŒckten Zauberstab auf die merkwĂŒrdig schĂ€bigen GegenstĂ€nde auf dem leer gefegten Tisch in dem nur spĂ€rlich erleuchteten Speisesaal gedeutet, „dann fress' ich Potters Rennbesen!“ Aber das wĂŒrde nicht nötig sein, dazu musste Remus nicht einmal stumm und bestimmt nicken, die Kiefermuskeln fest hervortretend. Das hier konnten nur PortschlĂŒssel sein, zurĂŒckgelassen zu einem Zweck: Nachfolgende Ordensmitglieder an genau den Ort zu transportieren, an den die Vorauseilenden gegangen waren.

Keiner der beiden Jungs hatte auch nur einen Moment gezögert. Keine Ahnung, wohin die Reise ging, nicht den geringsten Schimmer, was sie dort erwarten wĂŒrde oder um was es sich ĂŒberhaupt drehte, aber das war komplett egal. Es war das gleiche, unbĂ€ndige Kribbeln von Adrenalin in den Fingern, in jeder einzelnen Körperzelle, wie damals unten in dem dunklen Korridor zwischen dem kleinen Wachsaal und der Stiege. Das Warten auf eine unvermeidbare Konfrontation, freudig erregt, darauf zu vibrierend, und im selben Moment davor zurĂŒckschreckend in Angst und Ungewissheit. Die Waagschale schlug definitiv in eine Richtung aus, so fest, dass sie scheppernd den Boden berĂŒhrte und ihr GegenstĂŒck mit klirrenden Ketten hoch in die Luft warf.

Einander zunickend, machten sie gemeinsam einen Schritt auf die lange Tafel zu und griffen einfach nach dem nĂ€chstbesten Ding, das da herumlag. Kaum, dass ihre Finger sich um den Kerzenleuchter mit dem abgeschlagenen Fuß schlossen, schlang sich dieser unsichtbare GĂŒrtel um ihre Unterkörper, und wie ein eingerasteter Haken in einem Trageseil begann der Zauber, sie fort zu ziehen. Wie eine Angel hinter dem Bauchnabel, so beschrieben viele dieses GefĂŒhl so gerne, und es war wirklich ganz Ă€hnlich. Nur, dass man sich dabei rasend schnell zu drehen schien, dass die Welt ringsherum schlimmer verschwamm als im Flohfeuer, und die Geschwindigkeit war grĂ¶ĂŸer, die zurĂŒcklegbaren Entfernungen gewaltiger.

Wie weit es tatsĂ€chlich war, das konnten sie nicht abschĂ€tzen, wĂ€hrend sie durch den Raum gesogen wurden, die Dunkelheit der sie umgebenden Nacht, durchsetzt mit lauter Schlieren aus verwaschenen Sternen an klarem Horizont, nur noch zunehmend. Beide jedoch von Kindesbeinen an diese Fortbewegungsart gewöhnt, erkannten sie rechtzeitig den sich verengenden Strudel, wussten,c wann es Zeit war, loszulassen und mit den Beinen zu strampeln wie beim Wassertreten. Dann fiel man nicht, dann schwebte man förmlich hinaus aus dem durch die KrĂŒmmung der Welt geschlagenen Loch, und schon spĂŒrten sie den weichen, nachgebenden Untergrund unter den FĂŒĂŸen. Das Rauschen hob sich von den Ohren wie ein gelĂŒfteter Schleier, die Sicht wurde klarer, und schließlich war es vorĂŒber und die zwei jungen Gryffindors fanden sich wieder an einem unbekannten Ort, genau so deutlich wie soeben noch das BĂŒro von Professor McGonagall.

Immer noch Nacht war es, wo immer es sie hin verschlagen hatte, doch lĂ€ngst nicht so durchdringend finster wie vor den Fenstern ihres Turmzimmers in Hogwarts. Feine Streifen aus tagender DĂ€mmerung bildeten sich an einem weiten, leeren Horizont direkt vor ihren Augen, und noch halb betĂ€ubt von der rasanten Fahrt mit dem PortschlĂŒssel, der nun gar nicht weit entfernt von ihnen im Sand lag, brauchten Remus und Sirius einen kurzen Augenblick, um zu begreifen. Das Meer. So weit sie schauen konnten, erstreckten sich die ruhigen Wasser einer stillen See, winzige, gischtgekrönte Wellen wanderten auf sie zu und brachen sich so sanft und wohl gerundet, dass sie nur ein leises PlĂ€tschern erzeugten statt des brĂŒllenden Tosens, das sie von den Klippen in Wales und Schottland gewohnt waren.

Das hellere Blau zu ihrer Rechten verriet ihnen die Himmelsrichtung, bewies ihnen, dass ihr Blick nach Norden schaute, von wo sie gekommen waren, und wĂ€hrend Sirius noch ein leises „wo zum Teufel sind wir?“ murmelte, hielt Remus bereits den Atem an. Es war so klar. So natĂŒrlich, so selbstverstĂ€ndlich. Wohin sonst hĂ€tte sie ein PortschlĂŒssel des Ordens in dieser Nacht tragen sollen? Die Wunde auf seiner Brust pulsierte in brennendem Schmerz, nur leicht, ertrĂ€glich, und fast hĂ€tte er daran gegriffen und sie gerieben. Das wĂŒrde es mit Sicherheit schlimmer machen. Viel zu gerade, die KĂŒstenlinie zu beiden Seiten, viel zu sanft abfallend und flach, um zu den britischen Inseln zu gehören. Er wusste genau, wo sie gelandet waren, und seinem Zimmergenossen keine Antwort gebend, fuhr er hastig herum, den Zauberstab in Bereitschaft gezĂŒckt.

Flackernder Feuerschein tanzte auf seinem bleichen Gesicht, und ein Schub Hitze rauschte Black in den Kopf bei diesem Anblick, der ihn augenblicklich ebenfalls dazu veranlasste, sich hastig herum zu drehen. Trotzdem war eigentlich kaum etwas zu sehen. In dem nun deutlicheren Licht erkannten sie die vielen AlltagsgegenstĂ€nde rings herum, fallen gelassen von weiteren Reisenden, die an eben diesem Punkt hierher gefunden hatten, genau wie sie. Ordensmitglieder. Ihre Spuren, schnelle Schritte von unterschiedlichen FĂŒĂŸen und noch verschiedenerem Schuhwerk, fĂŒhrten die HĂ€nge der DĂŒnen hinauf, verloren sich irgendwo dazwischen, wo nicht abzusehen war, wann diese Kette aus sandigen HĂŒgeln enden wĂŒrde. Niemand hatte verharrt, sie alle waren sofort losgeeilt, hatten gewusst, wohin es ging und was dort auf sie warten wĂŒrde. Bei diesen beiden NachzĂŒglern war das anders, und obwohl Remus Anstalten machte, so rasch wie möglich zu folgen, hielt Sirius ihn sacht zurĂŒck.

„Warte,“ bat er leise und schaute seinen Freund eindringlich an. Ihm gefiel das nicht. Weder dieser merkwĂŒrdig gehetzte Feuereifer in Moonys glĂ€nzenden Augen, noch diese in den Himmel hinauf steigende Fahne aus qualmendem Rauch. Hoch, hoch hinaus zog dieser fadenförmige Dunst in der trockenen Luft, bevor er sich verbreiterte und zu einer dĂŒnnen Wolke aus Asche wurde. Und endlich mischte sich der Geruch von verbranntem Holz und schwelendem Gestein unter das Salz des Meeres und den feinen Duft von gemahlenem Sand. „Lass uns vorsichtig sein, OK?“ schlug Sirius vor, und er kam sich extrem seltsam dabei vor. Hatte er das gerade gesagt? War das nicht eigentlich Remus' Job? Sonst war es er doch, der sich nicht zusammenreißen konnte, sonst musste Lupin doch dafĂŒr sorgen, dass seine Freunde sich nicht wie kopflose HĂŒhner verhielten. Aber nicht heute, nicht hier. Die Welt stand auf dem Kopf. Mit mahlenden Kiefern, die FĂ€uste geballt, dass das Erlenholz zwischen den sehnigen Fingern zitterte, stimmte Remus nur widerwillig zu, und der nur um Weniges kleinere Sirius schritt voraus.

Es war nicht so weit, wie sie erwartet hatten. Schon nach zwei, drei Schleifen um die FĂŒĂŸe der DĂŒnen herum schob sich der Wall aus WĂŒstensand beiseite und offenbarte sogar dem ahnungslosen Black den ungefĂ€hren Aufenthaltsort. Nordafrika, Arabien, die Palmen und die geraden Linien der GebĂ€ude verrieten es ebenso sehr wie die Ornamente der BrĂŒckengelĂ€nder und der Fensterrahmen, und die liegende Statue einer Löwin mit Menschenkopf machte es endgĂŒltig deutlich: Ägypten. Sirius fluchte laut, wie ihm alles aus dem Gesicht fiel und er sich mit solchem Schwung zu seinem Begleiter herum drehte, dass seine Locken flogen. Und er begriff.

Ein herrlicher Garten lag vor ihnen, erstreckte sich ĂŒber mehrere Hektar in einer schmalen Senke, vielleicht 200 Yards breit an dieser Stelle und zu beiden Seiten mindestens genau so lang wie der Sandstrand dort draußen am Meer. Blumenrabatten standen voll mit lĂ€ngst verblĂŒhten Tamarisken und Azaleen, und PhönixbĂ€ume wiegten sich in der sanften Brise der See neben ausladend wachsenden Schirmakazien. Wunderschön war das alles, die von niedrigen MĂ€uerchen eingefassten Wege, die sich hin und wieder zu kleinen PlĂ€tzen verbreiterten, wo die gefliesten WĂ€lle zu BĂ€nken ausgeformt wurden und filigrane Springbrunnen vor sich hin plĂ€tscherten. Grillen, große Ă€gyptische Heuschrecken zirpten in den BĂŒscheln aus Binsengras, völlig unberĂŒhrt von dem Feuer nahebei, und nichts, aber auch gar nichts hier draußen deutete auf Kampf hin. Und dennoch lag es in der Luft. Eine Spannung, als seien winzige, unsichtbare FĂ€den gespannt, und mit jeder Bewegung verhedderte man sich in vielen davon.

Was auch immer Sirius jetzt sagen wĂŒrde, es dĂŒrfte keinerlei Wirkung zeigen. Auch wenn er es geahnt hatte, so war Remus nun vollkommen sicher, wo sie sich befanden, denn er erkannte den schattenhaften Umriss des steil aufragenden GebĂ€udes dort hinten in der Dunkelheit. PtolemĂ€ische Bauweise, zu beiden Seiten der Pylon, einer höher, massiver als der andere, und dazwischen der langgestreckte Trakt des Hypostyls, zwei Obelisken und die Reihe von Sphinxen, nur schwach auszumachen und als solche wahrzunehmen, und doch reichte es aus. Die Bibliothek von Alexandria. Und aus der Mitte des Bauwerks stieg der schwarze Rauch empor und zeichnete ich auftĂŒrmend gegen den samtenen Teppich voller blinkender Sterne ab. Mit eiligen Schritten, aber nicht rennend, verließ Remus den sandigen Aufgang zum Meer und suchte sich instinktiv einen Weg ĂŒber die geometrisch angeordneten Pfade des Gartens. Sirius blieb nichts weiter ĂŒbrig, als ihm zu folgen.

Immer tiefer fĂŒhrten die gepflasterten Stege in die Parkanlage hinein, vorbei an schmalen Rinnen voller springendem Wasser, kĂŒnstlichen BachlĂ€ufen, die kleine Teiche und Sumpfgebeite speisten, und knisternder Röhricht wiegte sich im Wind. Schattige Oasen unter den breiten Wipfeln der JohannisbrotbĂ€ume wechselten sich mit Dickichten aus Roseneibisch und Bockshornklee, und ganze Wiesen aus niedrigem Erdmantel erstreckten sich auf den umliegenden HĂŒgeln und den kurzen Streifen freier Landschaft, die sich zwischen die AuslĂ€ufer des Gartens und dem GebĂ€ude legten. Alles war ruhig, sie begegneten niemandem, nicht einmal einem der so allgegenwĂ€rtigen Kuhreiher, und nirgends zeigten sich Auswirkungen von umherfliegenden Kampfzaubern, wie sie es so gut kannten aus dem schwefelgefĂŒllten Korridor tief unter den Grundfesten von Hogwarts. Nur die Leere, die Stille ließ es erkennen: Etwas stimmte nicht.

So abrupt blieb Remus wie angewurzelt stehen, dass Sirius voll in ihn hineinlief und ihn mit seinem höheren Gewicht mit Sicherheit umgebrezelt hĂ€tte, wenn er sich nicht so fest in den Boden gestellt hĂ€tte. Nicht einmal sein gemurmeltes „Tschuldigung“ interessierte jetzt. „Sht!“ herrschte Moony mit ineinander geschobenen Brauen und hob eine abwehrende Hand. Er lauschte. Er horchte hinaus in die Nacht, jetzt, wo sie den Himmel ĂŒber sich kaum noch erahnen konnten, so hoch ragten die Außenmauern des Hypostyls vor ihnen auf. Noch halb eingeknickt, so sehr nach Atem ringend von ihrem gehetzten Lauf, dass er ein ziehendes Pfeifen in den Bronchien spĂŒren konnte, unterdrĂŒckte Sirius jegliches GerĂ€usch und spitzte ebenfalls die Ohren. Ja, da war etwas. Zu ihrer Rechten, dort, wo die beiden enormen Spitzen der Obelisken sich in den nun flĂ€chenförmigen Nebel aus Rauch bohrten, konnten sie Stimmen hören, kurze, befehlende Rufe in einer fremden Sprache, melodisch, voller harscher, rollender Rs und kehliger Hs und gleichzeitig weich und fließend. So wie das Land um sie herum. Arabisch.

Dieses Mal war Sirius darauf vorbereitet, dass sein Freund wieder loslaufen wĂŒrde, und er schloss sich ihm an und griff den Zauberstab fester in den schwitzigen HĂ€nden, so gut es eben ging, um dem so wirr Handelnden RĂŒckendeckung geben zu können, sollte es nötig sein. Doch noch immer flogen keine Funken aus Rot und GrĂŒn und Violett, noch immer knallte es nicht von magischen Explosionen, und kein beißender Gestank von Sulphur und Acetum waberte durch die so sĂŒĂŸ nach Granatapfel und reifen Datteln duftende Nachtluft. Lichter glĂŒhten auf zwischen den Schatten der Allee aus Sphinxen, trappelnde FĂŒĂŸe auf dem Vorplatz aus Sandstein, viele davon, und endlich verlangsamte Remus seinen schnellen Schritt und ließ Umsicht und Vernunft zurĂŒckkehren. Vorsichtig, immer gut einen Yard voraus, schlich er sich an die krĂ€ftigen, wunderbar herausgearbeiteten Flanken eines Löwenkörpers auf einem hohen Podest heran, und Sirius schloss sogleich zu ihm auf.

Noch bevor er ĂŒber den breiten RĂŒcken der Statue hinweg lugen konnte, erkannte Black die Stimmen von drei Menschen, die dort miteinander sprachen, und beinahe wĂ€re ihm entgangen, dass er sie verstehen konnte. Sie bedienten sich des Englischen, natĂŒrlich, einfacher untereinander, und Remus einen Seitenblick zuwerfend, stahl sich ein kleines LĂ€cheln in Blacks Mundwinkel. Es erstarb sofort, denn Lupin entspannte sich nicht auch nur einen Herzschlag lang. Die rechte Schulter und die Seite gegen die Sphinx gepresst, senkte er den Kopf, um unter dem krĂ€ftigen Kinn einer Frau hindurch schauen zu können. Wieso er nicht gleich hervortrat, wieso er sich nicht zu erkennen gab gegenĂŒber seiner Hauslehrerin, dem Ministeriumsleiter fĂŒr Internationale Magische Zusammenarbeit und dem Schuldirektor, das wollte Sirius nicht in den SchĂ€del. Bis er ihre Worte klarer und deutlicher vernahm.

„Sie haben offenbar versucht, die Tore gewaltsam zu sprengen,“ berichtete fistelig der weißhaarige Mann mit den hellen Augen, und Elphias Doge ĂŒberschlug sich fast dabei. Die McGonagall schnaufte prustend und schĂŒttelte den Kopf ob solcher Dummheit und Arroganz, und auch ohne ihr Gesicht zu sehen, war vollkommen klar, wie sie dreinschauen wĂŒrde. Die gebogene Nase hoch erhoben, den stolzen Hals zurĂŒckgezogen, rollte sie mit den AugĂ€pfeln. Es war fast nicht notwendig, es zu erwĂ€hnen. „Einen von ihnen hat der Fluch getroffen,“ fuhr Elphias, ebenfalls Mitglied im Phönixorden fort, und Dumbledore rieb sich nachdenklich den Bart. Besorgt, traurig darĂŒber, obwohl es doch ein Feind war, der auf diese Weise ums Leben gekommen war. „Wer ist es?“ wollte er wissen, rĂŒckte sich die halbmondförmige Brille zurecht und starrte fĂŒr einen verlĂ€ngerten Atemzug in die Dunkelheit in Richtung des Gartens. Eine winzige, aber steile Falte des Kummers rutschte zwischen die buschigen Brauen.

Tief Luft holend, schĂŒttelte nun auch Doge den Kopf und zuckte die Achseln, so als wisse er es nicht, doch dann quetschte er den Namen zwischen den Lippen hervor. „Radulf Lestrange.“ Wie rasch sich die Stirn von Professor McGonagall von stillem GrĂŒbeln aufhellte in Überraschung, wĂ€hrend Dumbledore die Lider schloss und nickte, verriet auch einem Unwissenden, was fĂŒr eine Bedeutung das hatte. Der alte Lestrange war ein WeggefĂ€hrte Voldemorts von Schulzeiten an gewesen, in seinem Jahrgang, einer der ersten Todesser ĂŒberhaupt und kein unfĂ€higer Mann. Aber dies war nunmal der Blutfluch. Magie, Ă€lter als der Dunkle Lord sie sich ertrĂ€umen konnte. Erst recht jetzt, wo dieses Wissen auf unbestimmte Zeit dort unten in den Katakomben eingesperrt war.

„Nun,“ begann Dumbledore seufzend, sich ebenfalls aus seinen Gedanken ziehend. „Die Kinder und die BĂŒcher sind in Sicherheit, und das ist erst einmal das Wichtigste,“ entschied er fĂŒr sich, die strahlend blauen Augen wie Scheinwerfer aufblitzen lassend, als fixiere er irgendetwas dort hinten zwischen den Statuen, und dann schloss er die Lider erneut und begann, sich langsam und bedĂ€chtig ĂŒber den langen Bart zu streichen, dessen Spitze noch immer hinter seinem GĂŒrtel steckte.

Die vierte Person, die stumm bisher in diesem Kreis gestanden hatte, gekleidet in ein langes, dunkelblaues Gewand ohne jegliches Zeichen oder irgendeinen Schmuck darauf, löste die HĂ€nde aus den gegenĂŒber liegenden Ärmeln und öffnete den Mund, um zum Sprechen anzusetzen. Ein MĂ€dchen, kaum Ă€lter als die beiden jungen MĂ€nner, die sich hinter Sphinx verbargen, ihr langes, zurĂŒck gebundenes Haar wie flĂŒssiges Pech so schwarz, wischte sich vorsichtig ĂŒber das blasse Gesicht. Dunkle Augen mit langen, gebogenen Wimpern, waren weit aufgerissen in Schock und Erschöpfung, noch nicht wirklich begreifender Trauer, und sie schaute von unten zu dem betagten Zauberer aus dem fernen Britannien auf. Eine weiche, nun zittrige Stimme hatte sie, und hĂ€tten die beiden Jungen Qumaira Bint Jamal Al-Mawardi gekannt, hĂ€tten sie ihre BestĂŒrzung heraus gehört, ihre Unsicherheit, wie sie niemals zuvor da gewesen war. Eine bestimmte Persönlichkeit, selbstĂŒberzeugt und gefestigt, zerbröckelte unter der Last der zu frĂŒh auferlegten FĂŒhrung, und war sie nur fĂŒr kurze Zeit existent.

Sirius knirschte mit den ZĂ€hnen. Keine Ahnung, wieso dieses MĂ€dchen unbedingt Arabisch sprechen musste, und es kotzte ihn maßlos an, nichts verstehen zu können, doch Remus hob nur eine beschwichtigende Hand und hörte ihr aufmerksam zu. So gut beherrschte er die Sprache nicht, dass er einer hastig gefĂŒhrten Konversation hĂ€tte folgen können. Doch das MĂ€dchen war so aufgelöst, sie konnte selbst kaum schneller reden als ihre Zunge sie ließ. „Sayid,“ sprach sie Dumbledore als Meister an, „hĂ€tten wir zurĂŒck bleiben und helfen sollen?“ Wasser stand in den so groß geworden Augen, wie sie voller Reue nicht begreifen konnte, wieso ihre Lehrer sie fortgeschickt hatten. Aber Minerva McGonagall war schneller, griff mit beiden HĂ€nden die Schultern der bebenden jungen Frau und rieb krĂ€ftig ihre Oberarme. „Dich und die anderen trifft keine Schuld, Qumaira!“ tröstete die Hauslehrerin von Gryffindor. „Ihr habt getan, was man euch aufgetragen hat, und das war richtig.“

DĂŒsterer wurde die Stirn seines Freundes, und auch wenn er kein Wort von dem verstand, das dort gesprochen wurde, versuchte Sirius Black, es aus seinem Gesichtsausdruck zu lesen. Was immer es war, er mochte das genau so wenig wie die unwirkliche Stille im soeben durchquerten Garten, keinen Deut mehr als den schwelenden Brand aus dem Herzen des GebĂ€udes ĂŒber ihnen. Regelrecht durch den schweren Stoff seines dunkelroten Hausmantels konnte man den Puls erkennen, wie er gegen Remus' Rippen hĂ€mmerte, in so hoher Frequenz, es passte nicht zu seinem ruhigen, angespannten Atmen. Erneut sagte das MĂ€dchen irgendetwas und brach endlich in TrĂ€nen aus, bedeckte sofort mit einer ausgebreiteten Hand ihr hĂŒbsches, so blutleeres Gesicht, und Sirius schluckte fest, wie er sie leise musterte. Sowas hatte er doch gerade erst schon einmal gesehen. Auch wenn er kein Arabisch konnte, eines stand fest: Nicht nur Radulf Lestrange hatte diese Nacht nicht ĂŒberlebt.

Aus der etwas erniedrigten Position, fest mit dem RĂŒcken gegen die Sphinx gepresst und die Knie gebeugt, als wĂŒrde er auf einem imaginĂ€ren Stuhl sitzen, schielte Sirius hinauf und wollte am liebsten in den Sand herunter sacken. Remus war aschfahl. Die immer zaghaft vorhandenen Ringen unter seinen Augen stachen heraus wie mit einem Filzmaler aufgetragen, die Lippen unterschieden sich kaum noch von den Wangen, und nur das BĂ€rtchen unter der Nase verriet ihre Existenz. Wie tot sah er aus, wie eine Wasserleiche, die mindestens zwei Wochen im Schlick gelegen hatte, und nur das feste, harte Klopfen seiner Schlagader neben seinem zitternden Kehlkopf zeugte von Leben. Die Arme hingen schlaff herunter, obwohl die FĂ€uste zuckten, und der Zauberstab aus rötlich-blutendem Erlenholz vibrierte förmlich unter dem Krampf seiner Muskeln. Ehe Sirius Black ĂŒberhaupt einen Gedanken fassen konnte, was da los sein möge, bevor er noch die Geistesgegenwart besaß, ihn am Ärmel zu packen und zurĂŒck zu halten, hatte Remus schon einen Schritt aus dem Schatten gemacht und erschien ohne jegliche Vorwarnung mitten in dem Kreis aus beratenden Hexen und Zauberern.

Drei StĂ€be hoben sich in seine Richtung, wie sie zurĂŒckwichen, erschrocken darĂŒber, wie jemand sich so an sie herangeschlichen hatte, so kurz nach einem tödlichen Kampf in den Katakomben, und die grimmige Entschlossenheit in der Miene des MĂ€dchens zeugte davon, wie die Lebensgeister zu ihr zurĂŒckkehrten. Aber es war kein Todesser, der dort stand, es war ein Junge, kaum Ă€lter als sie, und er schaute nicht aus wie eine Bedrohung. Wie kurz vor dem eigenen Tod, nichts weiter als ein Blatt im Wind kam er ihr vor, und die Reaktion der auslĂ€ndischen Zauberer um sie herum ließ auch Qumaira rasch ihren MagiebĂŒndler wieder senken. „Mr. Lupin!“ rief Professor McGonagall aus, nicht den geringsten Tadel in der sonst so strengen Stimme, aber er hörte ihr nicht zu, wandte sich nichtmal zu ihr herum.

Der Einzige, der unbewegt geblieben war, legte Dumbledore die HĂ€nde ineinander, und diese kummervolle Falte auf seiner Nasenwurzel grub sich tiefer ein. „Es ist nicht wahr,“ sagte Remus erstaunlich klar, ohne ein Heben der Satzmelodie am Ende, stellte es fest, statt zu fragen, denn es konnte einfach nicht passiert sein. Es durfte nicht, und damit war es nichtig, egal, was das MĂ€dchen behauptet hatte. LĂŒgen musste sie. Oder einfach keine Ahnung haben. Oder beides. Oder sonstwas. GleichgĂŒltig. Es stimmte einfach nicht und fertig. Dass niemand ihm antwortete, brach dieses plötzliche KĂ€lte in seiner Brust. „Es ist nicht wahr!“

Doch, war es. Das Schweigen, die TrĂ€nen im Gesicht des MĂ€dchens in der schmucklosen Robe der SchĂŒlerin. Er musste es mit eigenen Augen sehen. Niemand rechnete damit, und niemand hielt ihn auf, wie er mit einem unvorhersehbaren Schritt zur Seite zu rennen begann, die Linie zwischen den Obelisken ĂŒberwand und schnurstracks in die offenen Tore des Pylons hinein lief. Dass er auch ohne die zerbrochenen magischen Schilde mĂŒhelos hĂ€tte hindurch gehen können, das wusste niemand, und keiner konnte es nun noch erkennen.

Vollkommen perplex. Ganz ĂŒberrumpelt und durcheinander, hockte Sirius dort hinter der Sphinx, konnte sich nicht einmal aufraffen, ebenso heraus zu treten und nachzufragen, was denn nun passiert sei, wo er sich doch noch immer nicht ganz sicher war, an welchem Ort genau sie sich befanden. Doch das war auch gar nicht nötig. Dumbledore selbst rief ihn. „Mr. Black,“ sagte er nur, leise und ohne Vorwurf, auch wenn die McGonagall schon empört nach Luft schnappte und die HĂ€nde in die Seiten stemmte. Es gab nur eine Möglichkeit, wie ihre beiden SchĂŒtzlinge hierher hatten finden können, und es war kaum zu fassen. In ihr BĂŒro eingedrungen bei Nacht und Nebel! Und völlig kopflos her gereist mit einem PortschlĂŒssel, dessen Ziel sie nicht kannten! VolljĂ€hrig, erwachsen, der eine nun schon bald 19 Jahre alt und immer noch benahmen sie sich wie dumme Kinder, die Gefahr absichtlich verkennend. Es war nicht der Moment fĂŒr Schellte, egal wie angebracht sie war.

Hervor tretend, starrte Sirius noch immer hinter seinem Ă€ltesten Freund her, von dem nun nicht einmal mehr die lauten, hĂ€mmernden SchlĂ€ge seiner Ledersohlen zu hören waren, so weit vorgedrungen in das Bauwerk war er nun, der letzte Schimmer von Bewegung in der Dunkelheit lĂ€ngst verloren. Obwohl mit seinen Gedanken bei Remus, nickte er und machte ein zustimmendes GerĂ€usch, sobald Professor Dumbledore wieder zu reden anfing. „Bitte folgen Sie dieser jungen Dame,“ schlug er mehr vor als zu bestimmen. „Sie wird Sie zu Mr. Lupin fĂŒhren.“ Wieder bekam Sirius gar nicht so recht mit, was man von ihm verlangte, nur leise und fĂŒr einen winzigen Moment besorgt, wie er sich dieses riesige Ding aus Sandstein und SĂ€ulen betrachtete. Das musste unglaublich groß sein! So viele RĂ€ume, so viele GĂ€nge, da musste man sich verlaufen. Aber dann wieder ... Er schmunzelte, obwohl nicht der richtige Zeitpunkt dafĂŒr war. Nein, Remus wĂŒrde da drin nicht verloren gehen. Wahrscheinlich kannte er den Grundriss hier mindestens genau so gut wie die Korridore und Geheimwege im Schloss von Hogwarts.

„Sollten wir nicht alle nach ihm suchen?“ hörte er den piepsigen Elphias Doge irgendwo am Rande seiner Wahrnehmung, wĂ€hrend das MĂ€dchen bereits neben ihn trat und achtsam mit nur zwei Fingern den Ärmel seines Pyjamas zupfte. Dabei beugte sie sich leicht vor, um ihm ins Gesicht schauen zu können, und in gebrochenem Englisch flĂŒsterte sie: „Kommst du?“ Dumbledore schĂŒttelte den Kopf in dem Augenblick, in dem Sirius zustimmte. „Nein, Elphias,“ blockte er mit erhobenen HĂ€nden ab. „Was Remus jetzt braucht, sind keine Lehrer.“ Qumaira und ihr Gast setzten sich in Bewegung, und sogar ein Black kam nicht umhin, staunend den Blick zu heben und die monumentalen Inschriften der Ă€ußeren WĂ€nde des Pylons zu bemerken. Der reine Wahnsinn, das hier. Ein feines LĂ€cheln spielte um den Mundwinkel des Schulleiters. „Er braucht einen Freund.“

Und wĂ€hrend Sirius und die SchĂŒlerin des Prokurators die langen SĂ€ulengĂ€nge des Hypostyls abschritten, stand Remus drei Sohlen unter ihnen in dem verheerten Saal, die WĂ€nde geschwĂ€rzt vom Feindfyre, kostbare Mosaike gesplittert und zersprungen von der ungeheuren Hitze des magischen Feuers, und Schlieren aus Asche wie gemalt bis unter die Decke, so weit fort. Die Fackeln erloschen, fĂŒr immer vielleicht, leuchteten nur die Kerzen auf den gusseisernen Spießen noch, und unter seinen FĂŒĂŸen knackten und knirschten die zerschrundenen Überreste der Pentagramme. Zerstört, ihre Bannkreise gelöscht und die sorgfĂ€ltigen Zeichnungen trotz Siegel unterbrochen, so dass sie ihre Funktion verloren. Ob man versucht hatte, auf diese Weise den Fluch zu brechen?

Unbeeindruckt von all dieser Zerstörung, hehr und schön und unversehrt, ragten die fest geschlossenen Tore zu den Katakomben vor ihm auf, ihre OberflĂ€che bedeckt mit Zeichnungen und Hieroglyphen, griechischen Schriften und Bildern von faszinierender Kunstfertigkeit. Hier hatte das Feuer dem Glas nichts anhaben können, hier pulste nicht einmal das grĂŒn-gelbe Flackern des arabischen Colloportus zwischen den Fugen und Ritzen. Friedlich nur, wie einfache TĂŒren schlossen sie die Halle des PtolemĂ€us ab, und die winzigen, tiefschwarzen SchlĂŒssellöcher in der OberflĂ€che waren kaum zu erkennen.

Schwer war ihm der Kopf, wie heruntergezogen von der Schwerkraft, und Remus musste sich mit Gewalt aufrichten, um nicht vornĂŒber zu fallen. Niemand brauchte ihm zu erklĂ€ren, was hier geschehen war. Dort hinten noch eingebrannt der Umriss eines Körpers, die Stelle, an die Radulf Lestrange geworfen worden war. Niemand wĂŒrde diese Tore öffnen. Niemand. Geschlossen von den fĂŒnf WĂ€chtern, bevor sie alle hier unten gefallen waren, jeder einzelne, jeder. Auch der Tabularius. Auch Saladin Ibn Ahmad Al-Harani. Kein Telmied mehr, kein ZauberschĂŒler. Aus. FĂŒr immer. Und dahinter, hinter diesen hohen Toren, versperrt, versiegelt mit einem Fluch so unbrechbar wie die Gesetze des Weltalls, die eine Schrift von vielen, das eine Papyrus, das er brauchte, bevor es zu spĂ€t war.

Er spĂŒrte seine Knie nicht, aber sie gaben nicht nach. Das Kartenhaus brach zusammen, und er blieb einfach stehen. Immer schwieriger zu halten nur der Hals, und er musste sich an die Brust greifen, wo der SchlĂŒssel hing, kalt jetzt, sehr kalt und unglaublich schwer an der Kette zerrte. Dieses feine, golden-grĂŒne Flirren knisterte wie kleine Sternchen durch die SchlĂŒssellöcher gleich vor ihm, und am liebsten hĂ€tte Remus Lupin seine flachen HĂ€nde gegen den Stein gedrĂŒckt, dann das Ohr und die Wange, und hĂ€tte hinein gelauscht in die stille Endlosigkeit der nun schlafenden Bibliothek. Er bewegte sich nicht. Stand nur da. Eine Ewigkeit lang. Und obwohl alles so schrecklich war, so leer, so ungewiss und hoffnungslos mit einem Mal, konnte er nichts weiter tun als staunen, wie herrlich, wie magisch, wie göttlich dieses reflektierte Sternenlicht auf seinen eigenen silbernen HornhĂ€uten tanzte.


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