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Fanfiction

Kreise des Werwolfs - Die erste gemeinsame Nacht

von Schneeflocke

“Na, hast du es überlebt?” Ralphs Hand schlug freundschaftlich auf Charles’ Schulter, als sein Freund neben ihm am Ravenclaw-Tisch Platz nah, gerade rechtzeitig zu Beginn des Abendessens. Erst vor wenigen Minuten war er selbst aus Hogsmeade zurück gekommen, wo er mit Anne einen überaus anregenden Nachmittag verbracht hatte. Dieses Eckchen in der Nähe der Heulenden Hütte war echt ein Geheimtipp, den er sich unbedingt merken mußte.

Charles indes setzte sich erst einmal, griff nach der Kanne Tee und füllte sich eine Tasse, während sein Blick über das mal wieder üppige Speiseangebot glitt. Hunger hatte er tatsächlich. “Wie soll es schon gewesen sein”, beantwortete er schließlich die Frage seines Freundes mit einem gleichgültigen Schulterzucken. “Slughorn hat sich ein paar Nettigkeiten für mich ausgedacht und dann ist noch die Wallace dazu gekommen, die meinte mir ein paar kluge Ratschläge geben zu müssen.“ Charles schnaubte abfällig und griff nach der Schüssel Nudelsalat, um sich etwas davon als Beilage zu seinen Hackbällchen zu nehmen. „Aber ich hab es hinter mir. Ich nehme an“, Charles warf einen raschen Blick zu Anne, „dein Nachmittag war angenehmer als meiner.“

Leicht schmunzelnd konnte Charles kurz darauf sehen, wie Ralphs Blick dem seinen folgte. „Oh ja“, hörte er seinen Freund leise erwidern, der sich nun ein wenig zu ihm herüber beugte und die Stimme senkte, damit nicht jeder um sie herum alles mitbekam. „Du ahnst ja gar nicht, welche Talente die gute Anne hat. Die hätte nicht einmal ich ihr so zugetraut…“

„Nun, das glaube ich unbesehen. Sie ist wirklich ein nettes Schneckchen.“ Sein fachmännisches Urteil mit einem Nicken noch bekräftigend widmete er sich nun seinem Essen zu und bekam so nicht mit, dass Ralphs Blick zur Tür ging und sich dort an die hereinkommende Schulsprecherin heftete.

„Ja, genau wie Wallace“, hörte er seinen Freund nur sagen, sah nun auf und legte abwägend den Kopf zur Seite.

„Nun ja…“, begann er gedehnt, ohne seinen Blick von der Gryffindor zu nehmen. „Sie könnte es durchaus mit der ein oder anderen hier aufnehmen, da gibt es nichts zu sagen.“

Ralph bedachte Charles mit einem Grinsen. „Ja, nur leider unerreichbar, hm?“

„Was willst du damit sagen?“ Charles Stimme klang leise, aber ebenso lauernd, während seine Augen sich eine Spur verdunkelten.

„Na, was wohl. Glaubst du echt, die würde sich mit dir einlassen?“ Ralph zuckte mit der Schulter, konnte jedoch dabei nur schwer ein belustigtes Auffunkeln seiner Augen verhindern. „Ebenso wenig wie mit mir, zugegeben, aber ich glaube, das ist die einzige, an die du garantiert nicht rankommst.“

Gut, hier hatte Ralph Charles an seinem wunden und äußerst empfindlichen Punkt erwischt und das wusste der ganz genau. Auch wenn Charles sich fest vorgenommen hatte, mit Alisya Wallace ganz sicher nichts anzufangen, missfiel ihm die Definition seines Freundes, er würde dies allein aus dem Grund nicht wagen, weil er ohnehin keine Chance hatte außerordentlich..
„Wenn ich sie wollte, würde ich sie auch kriegen“, brachte er geknurrt hervor, Ralph wütend anfunkelnd. „Darauf kannst du wetten!“

Darauf hatte Ralph gewartet. „Sofort! Um was? Eine Flasche Wein?“

Ein klein wenig überrumpelt ließ Charles sein Besteck sinken und richtete seinen Blick nun auch auf die Schulsprecherin, die an ihrem Tisch vorbei ging und ihn keines Blickes würdigte. Ja doch, wieder mußte er eingestehen, dass sie nicht nur gut, sondern verdammt gut aussah. Also warum eigentlich nicht…? „Geht klar“, beschloss er bestimmt. „Nächsten Samstag ist das Schneckchen mir.“

„Oh Charles, du bist größenwahnsinnig!“ Lachend nahm Ralph sein Glas zur Hand, trank einen Schluck und sah Charles mit glitzernden Augen an. „Ich freu mich auf meinen Wein!“


**************************************


Mittwoch, 28.11.1956

Noch Jahre später sollte Charles Morgan sich fragen, warum er sich an diesem Tag auf diese Wette mit Ralph eingelassen hatte, doch an diesem Tag verschwendete er hierauf noch keinen Gedanken. Es war nicht die erste und sicher nicht die letzte Wette dieser Art, die er mit seinem Freund abschloss und die Bilanz war bislang sehr ausgewogen, hatte doch bislang jeder der beiden immer genau das Mädchen bekommen, das er wollte. Diese Bilanz hatte Charles nicht vor zu seinem Nachteil zu verändern, so dass er in den Folgetagen immer mehr und öfter die Nähe von Alisya Wallace suchte, die ihm jedoch mit kühler Höflichkeit entgegen trat und nicht sehr viel mehr Notiz von ihm nahm, als von all den anderen Schülern. Am Mittwoch jedoch mußte Charles einsehen, dass er langsam wirklich mal in die Gänge kommen mußte, um nicht tatsächlich am Samstag eine Flaschen Wein - und Ralph hatte sich verflucht teuren ausgesucht - an seinen Freund zu verlieren.

Nur leider, leider kam er mit keiner seiner üblichen Vorgehensweise weiter, wie er nun, während Verteidigung gegen dunkle Künste, wieder einmal feststellen mußte. Gedankenverloren ging sein Blick aus dem Fenster, was ihn feststellen ließ, dass dieser Winter nun doch begann, zu einem landestypischen zu werden. Die Nebelschwaden lagen tief über dem Gelände Hogwarts, das Blau, das zu Wochenanfang noch die vorherrschende Farbe am Himmel gewesen war, war in ein tristes, trübes grau übergegangen, welches nicht gerade dazu beitrug, seine ohnehin dem Nullpunkt nahe Stimmung aufzubessern. ‚Mittwoch…‘, ging es ihm wieder einmal durch den Kopf. ‚Heute ist schon Mittwoch…‘ Leise seufzend sah er zu seinem Tischnachbar, Ralph, der genau das sicher auch schon bemerkt hatte. Zumindest ließ das scheinbare Dauergrinsen in dessen Gesicht darauf schließen. Charles sah kurz auf die andere Seite, wo die Gryffindors in der ihnen so selbstgefälligen Art scheinbar an den Lippen Prof. Moores hingen. Unter ihnen war Alisya. Warum verdammt noch eins war ihm nicht früher mal aufgefallen, wie gut die Frau aussah? Dann wäre er jetzt nicht in dieser Situation, sie bekommen zu müssen. Aber sie mußte ja auch so verdammt stur sein! Also beschloss er, alles auf eine Karte zu setzen. Er mußte langsam mal vorwärts kommen, wenn er noch Aussicht haben wollte, diese elendige Wette mit Ralph zu gewinnen. Heute nach dem Abendessen würde er zum Frontalangriff übergehen, ja, das war eine gute Idee - dachte er da wirklich noch.

*****************************

Ralph war an diesem Tag sicher nicht der einzige, dem auffiel, dass Charles an diesem Abend nicht nur so ungewöhnlich ruhig wie schon seit einigen Tagen war, sondern sein Blick auch förmlich am Gryffindortisch zu kleben schien. Während Ralph dies mit einigem Amüsement beobachtete - konnte er den Grund hierfür doch durchaus erahnen - sorgte dieses Verhalten bei den übrigen Ravenclaws zu einiger Verwunderung, woraus folglich einige Tischgespräche entstanden, die sich um Charles Morgans seltsamen Anwandlungen drehten. Ralph indes konnte die Situation entspannt und mit merklicher Gelassenheit verfolgen, die Zeit arbeitete für ihn und Alisya Wallace ebenso. Ihm war durchaus nicht entgangen, dass der gute Charles sich an dem Mäuschen die Zähne auszubeißen schien. Ihm sollte es Recht sein, zumal er zugeben mußte, dass die Wallace tatsächlich ein netter Schwan war.

Kaum jedoch, dass dieser Schwan aufstand und kurz darauf die Große Halle verließ, hörte Ralph, dass auch Charles neben ihm ziemlich hastig aufstand und nur irgendwas, das sich nach ‚bis dann‘ anhörte in seine Richtung murmelte, bevor auch er aus dem Saal stürzte. Ralph nahm es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Daß es Charles etwas bringen würde, Wallace nachzulaufen, daran hatte er doch seine allergrößten Zweifel.

******************************

Die Luft hatte tatsächlich merklich abgekühlt. Das war das Erste, das Charles registrierte, als er durch das große Portal des Schlosses hinaus ins Freie trat. Fluchend wog er einen Moment ab, ob er zurück in den Gemeinschaftsraum gehen und sich seinen Umhang holen, oder weiter Alisya folgen sollte. Schließlich kam er zum Ergebnis, dass er besser letzteres tun sollte. Die paar Minuten würde er draußen kaum erfrieren und das Hogwartsgelände war etwas groß, um dort jemanden einfach zu suchen und dann noch zu finden. Vor allem, wenn man bedachte, dass ihm bis zur vorgezogenen Sperrstunde um 20.00 Uhr gerade noch eine halbe Stunde blieb. Beschäftigt mit dem Gedanken daran, dass es so was von unnötig gewesen war vom neuen Schulleiter die Sperrstunde um zwei Stunden vorzuverlegen, folgte er Alisya unauffällig weiter, bis er beobachten konnte, wie sie auf einem umgekippten Baumstamm am Ufer des Schwarzes Sees Platz nahm und natürlich eines dieser bei ihr unvermeidbaren Bücher aus der Tasche zog. Wie ein einzelner Mensch so viel lesen konnte, das war ihm einfach nur ein Rätsel.

„Hey Wallace!“ Betont lässig diese Worte aussprechend, setzte sich Charles neben die Schulsprecherin auf den Baumstamm und konnte nicht anders, als sich im drauffolgenden Moment furchtbar dämlich vorzukommen. Was um alles in der Welt machte er hier? Wo war der unwiderstehliche Morgan-Charme? ‘Hey Wallace‘… klasse, ganz, ganz klasse!

Die prompte Erwiderung in Form eines ‘Hey Morgan‘ folgte auch augenblicklich, ehe diesen nur gemurmelten Worten von Alisya eine unangenehme Stille folgte. Einige Minuten mit seinen Händen spielend, die er nicht unterzubringen wusste, starrte Charles nur auf den See, wusste aber, dass er mit dieser Taktik auf Dauer sicher nicht weiter kommen würde. Immer mal wieder warf er einen Blick auf Alisya. Sie war hübsch, wirklich hübsch. So hübsch, dass man sie fast schon als ‘schön‘ bezeichnen konnte. Nicht so wie die anderen Mädchen in seinem Jahrgang, aber sie hatte was, das ihn wirklich beeindruckte, auch wenn er einfach nicht sagen konnte, was es war. Vielleicht die Art, wie sie immer wieder eine widerspenstige Strähne ihres Haares aus ihrem Gesicht strich? Vielleicht der aufmerksame Blick ihrer Augen, der ganz auf das Buch in ihren Händen konzentriert war? Vielleicht aber auch ihre ganze Körperhaltung, die so locker und ungekünstelt wirkte. Er wusste es eben nicht, aber sie hatte was. Ganz eindeutig.

Nach einigen Minuten des Schweigens räusperte sich Charles leise, dieses Schweigen war nicht das, was er sich vorgestellt hatte. „Was liest du denn da?“, erkundigte er sich schließlich, den Blick auf das Buch gerichtet, das auf Alisyas Schoß lag.

„Goethe“, kam die knappe Antwort von Alisya, die sich kaum vorstellen konnte, dass Morgan tatsächlich Interesse daran haben könnte, was sie da las. Dennoch fügte sie erklärend hinzu: „Den Erlkönig, kennst du sicher.“

‚Goethe‘? Nur wenige Augenblicke mußte Charles in seinem Gedächtnis kramen, um sich an den Muggel-Dichter zu erinnern, von dem er irgendwo mal gehört hatte. Allerdings ‚Erlkönig‘ sagte ihm noch weniger als gar nichts, was ihm gerade ziemliches Unbehagen bereitete. Er wollte Alisya gegenüber nicht unbedingt zugeben, dass er keine Ahnung hatte. Offensichtlich kannte sie sich gut damit aus und es würde seine Karten kaum verbessern, wenn er hier mit Unwissenheit glänzte. Einen stummen Fluch aussprechend presste er die Lippen zusammen, um dann nur ein leises ‚nein‘ hervor zu bringen und leicht mit der Schulter zu zucken.

„Nein?“ Alisya hob nun doch einmal ihren Blick und wandte diesen Morgan zu, die Augenbrauen leicht nach oben gezogen. Daß sie es noch einmal erleben durfte, dass Mr. Ich-weiß-und-kann-alles-Morgan zugeben würde etwas nicht zu wissen, dass sie das noch erleben durfte… Diesen Tag mußte sie sich unbedingt rot im Kalender markieren. „Eines meiner Lieblingsgedichte“, begann sie zu erklären, auch wenn sie nicht genau wusste, warum sie sich hier veranlaßt fühlte, mit Morgan Smalltalk zu halten.

„Verstehe… ich mach mir nicht besonders viel aus Gedichten, deswegen kenne ich das auch nicht.“

„Im Prinzip ist es eine Ballade und ziemlich traurig…Aber ich mag die deutsche Sprache, im Original klingt das Gedicht noch viel schöner als in der englischen Übersetzung“, erklärte Alisya, die sich sofort wieder ganz gefangen in ihrem Lieblingsthema fand. Schon immer hatte sie eine ausgesprochene Vorliebe für die deutsche Dichtkunst gehabt, war sogar der Grund für sie gewesen, diese nicht unbedingt leichte Sprache überhaupt zu lernen.

„Du kannst deutsch?“ Charles schüttelte den Kopf. Wirklich clevere Frage, wirklich, ganz clever. „Sorry, klar kannst du.“ Auf das Buch nickend, das nun wirklich sein Interesse weckte, weiß der Geier warum, erkundigte er sich vorsichtig: „Darf ich mal?“

„Nein…“ Alisya schüttelte kaum merklich den Kopf, um dann jedoch mit einem Lächeln anzufügen: „Ein Gedicht wirkt immer besser, wenn man es das erste Mal hört und nicht selbst liest. Mach die Augen zu…“

Sich leise räuspernd sah Charles sich noch einmal kurz auf dem Gelände um, um jedoch festzustellen, dass niemand in der Nähe war, er sich keine dummen Sprüche anhören mußte, wenn er sich jetzt hier mit geschlossenen Augen hinsetzt und sich von Wallace was vorlesen ließ. Also kam er ihrer Aufforderung mit einem Nicken nach, wobei das Lächeln, das auf ihrem Gesicht lag ihm irgendwie… ja, gefiel. Es ließ ihre Züge noch sehr viel weicher werden, als sie es ohnehin schon waren, gab ihr eine anmutige Schönheit. „Ok“, meinte er dann, nachdem er die Augen geschlossen hatte. „Ich bin so weit.“

„Ja, das sehe ich“, schmunzelte Alisya, Morgan noch einen Moment betrachtend. Auf eine seltsame Weise fand sie ihn in diesem Moment gar nicht mehr so arrogant und aufgeblasen, wie er sich die ganze Zeit über schon gab, nein, er wirkte fast… nett. ‚So ein Unsinn, Charles Morgan nett, jetzt geht’s aber los!‘ Sich innerlich zur Ordnung rufend, richtete sie ihren Blick nun wieder auf das Buch, aus dem sie mit gedämpfter Stimme zu lesen begann:

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind.

Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan.

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.“

(Johann Wolfgang von Goethe, ca. 1795)


Charles fühlte sich in einen seltsamen Zustand versetzt. Der kühle Wind, der ihm durch die Haare fuhr, die leichte Gänsehaut, die ob der einsetzenden Kälte auf seinem Körper lag, das leise Rauschen des Wassers des Verbotenen Sees und dazu Alisyas sanfte, ruhige Stimme, der Text den sie vorlas, all das zusammen ließ ihn leicht erzittern. Noch eine ganze Weile nachdem sie geendet hatte spürte er den leichten Kloß, den dieser Text in seiner Kehle hatte entstehen lassen und öffnete nur langsam, wie aus einem Traum erwachend, wieder die Augen, um sofort in die haselnußbraunen Augen von Alisya zu sehen, die ihn warm ansahen.
„Das…“, begann er leise, nach den richtigen Worten suchend, „war schön. Wunderschön. Traurig aber auf eine besondere Weise doch auch schön, ich kann es nicht ausdrücken…“

„Das geht nicht nur dir so.“ Alisya klappte das Buch zu, ließ es auf ihrem Schoß ruhen, während ihre schmale Hand fast zärtlich über den weinroten Einband fuhr und sie tief durchatmete. „Es ist seltsam, nicht wahr? Es ist traurig, fast grausam, was uns mit diesem Gedicht erzählt wird und dennoch finden wir es schön. Vielleicht kommt es nur darauf an, worauf wir unser Hauptaugenmerk richten, ob auf Sprache oder Inhalt, das entscheidet was wir schön finden und was nicht.“

Zugegeben, darüber hat sich Charles noch nie Gedanken gemacht, hatte bislang ja nicht einmal einen Anlaß dafür gesehen. „Mag sein“, stimmte er Alisya dann doch leise zu. „Vermutlich kann man keine klaren Grenzen ziehen zwischen schön und nicht schön, es kommt auf den Blickwinkel des Betrachters an.“ ‚Nur wer dich nicht schön findet kann nicht mehr ganz bei Sinnen sein…‘

Alisya wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihr jedoch bewusst wurde, was sie hier im Begriff war zu tun. Sie ließ sich auf eine Unterhaltung mit Charles Morgan ein. Ja war sie noch zu retten? Spätestens morgen würde allein das schon reichen, um sie zum Gesprächsthema Nr. 1 in der ganzen Schule zu machen. Die Schulsprecherin bei einem gemütlichen Stelldichein mit dem größten Schürzenjäger der ganzen Schule am Schwarzen See! Alisya stand so ruckartig auf, dass ihr das Buch von den Beinen glitt und auf der Erde landete. Bevor sie sich jedoch bücken konnte um es aufzuheben, hatte Charles dies schon getan. Irritiert beobachtete sie, wie er das Buch eine ganze Weile in der Hand hielt, nachdenklich den Einband betrachtete und Alisya wieder das Gefühl hatte, dass hinter Charles Morgan mehr stecken könnte als das, was er vorgab zu sein. „Ich muß rein, wir müssen rein“, murmelte sie leise, streckte ihre Hand aus um das Buch von Morgan in Empfang zu nehmen, wofür sie sich zehn Sekunden später schon wieder verfluchen konnte. Genau in dem Moment, in dem seine Finger ihre berührten, sie diese Berührung wie ein leichter Stromschlag auf ihrer Haut traf und etwas in ihrem Inneren berührte, das bislang unberührt geblieben war. Irritiert zog sie ihre Hand zurück, klammerte beide um das Buch, das sie an ihre Brust presste und sich nicht erlaubte, darüber nachzudenken, warum Charles Morgan sie so verwirrte.

„Verdammt!“

Durch Charles Ausruf aus ihren Gedanken geholt, weiteten sich Alisyas Augen ein wenig, die sie nun wieder auf ihn richtete. „Was denn?“

„Was?“ Charles lachte leise auf und hielt der Schulsprecherin seinen Arm mit der Uhr unter die Nase. „Sperrstunde. Seit 15 Minuten. Also entweder wir riskieren einen Vortrag von Dumbledore oder wir lassen uns was einfallen, unbemerkt ins Schloß zu kommen.“

Alisya seufzte leise auf. Eigentlich war sie nicht scharf drauf, sofort einen schlechten Eindruck beim neuen Direktor zu hinterlassen, wenn die Schulsprecherin sich noch nach der Sperrstunde draußen auf dem Gelände herum trieb. Mist aber auch! Warum hatte sie sich auf dieses Spielchen mit Morgan einlassen müssen? Sie hätte merken müssen, dass es kein sonderbarer Zufall gewesen war, dass irgendwann keine Stimmen anderer Schüler um sie herum mehr zu hören gewesen waren! Nun ebenfalls ein leises „Mist“ murmelnd suchte sie kurz nur Charles‘ Blick, ehe sie energisch den Kopf schüttelte. „Man kommt nicht unbemerkt ins Schloß. Niemand kommt unbemerkt in Hogwarts rein, dafür hat Dumbledore gesorgt.“

„Ja toll, und was jetzt?“ Charles sah sich etwas ratlos um, sah schon die restlichen Hogsmeade-Wochenenden seines Lebens davon schwimmen. Keine sehr erstrebenswerte Vorstellung seiner Meinung nach. Innerlich fluchend haderte er mit seinem unvermeidbar scheinenden Schicksal, bis ihm eine Idee kam und er Wallace fragend ansah. „Die Gewächshäuser… Was… hältst du davon, in einem der Gewächshäuser zu übernachten…? Wir schleichen uns einfach gleich morgen früh um sechs wieder ins Schloß und wenn wir Glück haben, hat keiner was gemerkt…“

‚Nein‘, war das erste, das Alisya durch den Kopf ging, doch sie verkniff es sich, dies laut auszusprechen. Darüber nachdenken konnte sie ja mal zumindest, auch wenn die Vorstellung mit Morgan zusammen in einem Gewächshaus zu übernachten nicht gerade Wohlbehagen in ihr auslöste. Allerdings war die Alternative noch weniger erstrebenswert. „Na schön“, murmelte sie schließlich leise, „geht ja wohl nicht anders…“

„Na dann komm!“ Mit einem leichten Schmunzeln auf Alisyas Zusage reagierend, vergrub Charles beide Hände in seine Hosentaschen, um dann gemeinsam mit ihr zu den Gewächshäusern zu schleichen. Jetzt erwischt zu werden mußte ja echt nicht sein wo sie zumindest eine Lösung gefunden haben um sich die Hoffnung zu bewahren, dass ihr Aufenthalt im Freien nach der Sperrstunde unbemerkt blieb.
Es war wohl ein Glück für beide, dass Prof. Bloom ihre Gewächshäuser weder abschloss, noch mit einem Schutzzauber belegte. So hatten sie keinerlei Probleme eines davon zu betreten, wo sich Charles skeptisch umsah. „Naja, ist doch nett…“, murmelte er mit einem Lächeln, waren sie hier doch zumindest nicht umringt von Alraunen oder sonstigen magischen Pflanzen, sondern lediglich von Blumen und Kakteen. „Was hältst du davon, wenn wir uns da drüben ne Decke hinlegen, oder…“ Charles sah sich um und ging zu einer hüfthohen Holzkommode, die er öffnete und dort auch fand, was er suchte. Gut mit Schutzpolstern ausgestattete Schürzen. „Die könnten wir als Kopfkissen nehmen“, erklärte er Alisya lächelnd, griff sich drei Stück davon und breitete sie in einer Ecke des Gewächshauses auf dem Boden aus. Anschließend ging er zurück zur Kommode, wo er eine raue, graue Decke heraus nahm, die nur leider die einzige Möglichkeit bot sich irgendwie zuzudecken. „Meinst du, es geht?“

Alisya folgte überaus interessiert Charles‘ Bemühungen, während sie ihren Umhang ein wenig enger um ihre Schultern zog. Es war wirklich kühl geworden und so recht konnte sie sich nicht vorstellen, dass ihnen unter dieser dünnen Decke warm werden sollte, zumal es sicher noch kühler werden würde im Laufe der Nacht. „Naja, muß wohl“, erwiderte sie auf Charles‘ Frage mit einem Schulterzucken und trat näher auf sein provisorisch errichtetes Lager zu. Während sie es jedoch so betrachtete, kam ihr mit einem Mal die Erkenntnis, dass sie nicht nur hier schlafen würde, sondern das auch noch neben Charles Morgan, was ihr Herz unwillkürlich schneller schlagen ließ. Das hatte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Allerdings hatte sie nicht vor, sich etwas von ihrer Verunsicherung anmerken zu lassen, so dass sie sich recht schnell hinlegte, den Kopf auf einem der gepolsterten Schürzen gebettet, bemüht, den Blick nicht zu auffällig auf Morgan zu richten. Noch heute Mittag hätte sie lieber eine Standpauke von Dumbledore über sich ergehen lassen, als mit Morgan eine Nacht im Gewächshaus zu verbringen. Aber irgendwas war da am See in seinen Augen gewesen, das darauf schließen ließ, dass es noch einen anderen Charles Morgen gab als den, der in der Schule bekannt war. Ein Charles Morgen, den sie durchaus interessant finden konnte…

Eine Nacht mit Alisya Wallace im Gewächshaus. Charles wusste, dass er damit seine Wette mit Ralph schon vor Samstag gewonnen hätte. Aber ebenso wie er das wusste, wusste er in dem Moment, in dem er sich neben sie auf den Boden legte, dass Ralph nie davon erfahren würde, zumindest nicht von ihm. Das hier war einfach außer Konkurrenz, sie hatten sich beide diese Situation nicht ausgesucht. Soll ihm ja keiner nachsagen können, dass er mit unfairen Mitteln spielt oder auf Zufälle angewiesen war aber eigentlich… gab es da noch diese dämliche Stimme in seinem Hinterkopf, die ihm immer wieder zuflüstert, dass Alisya Wallace mehr sein könnte, als der Gegenstand einer Wette mit Ralph.

Eine ganze Weile hing er so seinen Gedanken nach, gab sich Mühe, Alisyas Körper, der nur einen halben Meter von seinem entfernt lag, zu ignorieren, nicht ständig auf ihren ihm zugewandten Rücken zu starren, auf den schlanken Hals. Er versuchte, sich nicht zu überlegen, wie ihr Haar sich anfühlen, riechen würde. Verbot sich, darüber nachzudenken, ob ihre Haut sich ebenso weich anfühlte, wie sie aussah. Ebenso weich wie ihre Stimme geklungen hatte, als sie ihm das Gedicht vorgelesen hatte. Nein, er schaffte es nicht. Die ganze Zeit starrte er sie an, dankte Merlin und allen zur Verfügung stehenden Heiligen, dass sie ihn nicht ansah und so nicht bemerkte, dass er zunehmend in Verwirrung verfiel. Doch so konnte er auch sehen, dass eine Gänsehaut ihren Körper überzog und sie schließlich sogar leicht zitterte. Mit einem Anfall plötzlicher Sorge zog er die Decke höher, bis sie ihre Schulter erreichte, mußte schwer schlucken, als er somit wieder ihren Körper berührte.
„Wenn…“, begann er leise und äußerst vorsichtig Alisya nun anzusprechen. „Also wenn ich mich hinter dich legen würde, dann… es ist ziemlich kalt und wir könnten uns gegenseitig… wärmen…“ Nein, er faßte es nicht, hatte er das eben tatsächlich ausgesprochen? Schon in der Erwartung, dass sie nun aufspringen, ihn zurechtweisen und anblaffen würde, spannten sich seine Muskeln merklich an.

Alisya zuckte bei Charles‘ Worten innerlich zusammen. Keine Frage, ihr war kalt, schweinekalt sogar. Aber sein Körper fühlte sich schon jetzt so warm und gut an, wo er noch ein ganzes Stück von ihr weg lag. Wie sollte das werden, wenn er ihr noch näher kommen würde? Sie schluckte leicht und schloß einen Moment die Augen, mehr als froh darüber, dass sie ihm schon vor einer ganzen Weile den Rücken zugedreht und sich auf die Seite gelegt hatte. „Ja gut…“, murmelte sie schließlich leise und schloß die Augen. Immer schneller schlug ihr Herz, als sie hörte, fühlte, wie er sich hinter sie legte und sie sich schlagartig von angenehmer Wärme umgeben fühlte.

Vorsichtig, ganz vorsichtig näherte sich Charles‘ Alisya, was ihm fast den Atem stocken ließ. Keine Sekunde hatte er damit gerechnet, dass sie seinem Vorschlag zustimmen würde, doch sie hatte es getan. Sie hatte es getan und nun lag sie direkt vor ihm. Ihr Haar nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. So nah, dass er nun den leichten Duft von Vanille wahrnahm, der von diesem Haar ausging. Charles schloß die Augen, versuchte die Aufruhr in seinem Körper zu unterdrücken und nicht die Frage aufkommen zu lassen, warum er sich allein in ihrer Nähe so wohl fühlte. Wohler, als bei allen anderen Mädchen, mit denen er bislang zusammen, sehr viel näher, zusammen gewesen war. Vorsichtig, als fürchte er, sich zu verbrennen, schob sich seine Hand um ihre Taille, um dann wenige Augenblicke später ihren Körper komplett an seinem zu spüren. Von unglaublicher Wärme erfüllt schloß er mit einem zufriedenen Lächeln die Augen und murmelte nur noch ein leises „Schlaf gut“, ehe er in einen tiefen, äußerst angenehmen Schlaf fiel.


T.b.c.


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