
von wandbreaker
Er musste nicht lange rufen â schon wurde die TĂŒr aufgerissen. Das französische Gezische des hereinstĂŒrmenden Mannes ignorierend, schob er seinen linken Ărmel hoch.
âEs wĂ€re besser fĂŒr dich, wenn du mich jetzt raus lieĂestâ, drohte Snape mit kalter Stimme. Er stand absichtlich von der Flamme weggedreht, so dass der WĂ€rter nĂ€her an die Gitter herantreten musste.
âMer..â, noch ehe der Franzose das Wort zu Ende sprechen konnte, ertönte ein lautes metallisches GerĂ€usch. Snape hatte den WĂ€rter mit der linken Hand durch die Gitter am Kragen gepackt und ruckartig dessen SchlĂ€fe gegen die StĂ€be gerissen. Benommen taumelte der WĂ€rter, gefangen in Snapes eisernen Griff. Helen Parks hatte sofort geschaltet â sie sprang auf, griff durch die GitterstĂ€be und entwand dem WĂ€rter seinen Zauberstab. Dann richtete sie den Stab auf ihn und Snape lieĂ den Kragen des Franzosen los. Der sackte mit einem leisen Seufzer in sich zu Boden.
Parks wandte sich mit erhobenem Zauberstab an Snape â fĂŒr einige Sekunden starrten sie sich an. Dann aber lieĂ sie ihn sinken. Eine Hand wĂ€scht die andere. Ihr war klar, dass sie nur durch ihn jetzt schon aus der Zelle kam â irgendwann, da war sie sicher, hĂ€tten die Sindarin sie befreit. Aber, je schneller, desto besser. Mit einem Schlenker des fremden Zauberstabs öffnete sie die TĂŒr und durchsuchte die Taschen des WĂ€rters. Mit verblĂŒfftem Gesichtsausdruck richtete sie sich auf und hielt zwei ZauberstĂ€be in der Hand.
âAmateureâ, kommentierte Snape abfĂ€llig â der WĂ€rter hatte tatsĂ€chlich ihre beiden ZauberstĂ€be in Gewahrsam. Auf Parks Stirn bildete sich eine Falte. Erst jetzt hatte sie bemerkt, dass der dunkle TrĂ€nkemeister ihr nicht aus der Zelle gefolgt war.
âDu bleibst?â, fragte sie.
âIch muss â ich gehöre schlieĂlich zu den Bösenâ, antwortete er mit ironischem Ton und krempelte seinen linken Ărmel fest hoch, damit er nicht ĂŒber seine TĂ€towierung rutsche.
Sie nickte ohne zu LĂ€cheln und sah prĂŒfend in seine Augen. Ja, er wĂ€re der Richtige gewesen⊠der Richtige fĂŒr sie⊠Er war verschlossen und verlogen â aber mutig und edel, immer seinem Auftrag verpflichtet.
Sie atmete tief durch, sprach âLevicorpusâ und lieĂ den WĂ€rter zu Snape in die Zelle schweben. Snape sah sie in seiner aufrechten Haltung mit ernster, erwartungsvoller Miene an.
âDie ZauberstĂ€be sind mir bei der Flucht durchs Fenster aus der Tasche gefallenâ, sagte sie und richtete den Zauberstab auf Snape. Der TrĂ€nkemeister sah ihr direkt in die Augen. Parks schluckte, dann flĂŒsterte sie: âStupor.â
âMerde!â, drang es dumpf an sein Ohr, dann wurden die GerĂ€usche schlagartig lauter. Viele Schritte, Rufe, TĂŒren schlagen, âUn TodesserâŠâ Er öffnete die Augen und richtete sich abrupt auf.
âWo ist sie?â, rief er, sah sich um, sah drei LeChuck-AnhĂ€nger, die ihn anstarrten und sah dann das offene Fenster. Er sprang auf und schubste einen Franzosen zur Seite.
âIst sie durchs Fenster?â, fragte er und deutete darauf.
âOuiâ, antworte einer der Franzosen verdattert.
Snape stieĂ mit seinem FuĂ in die dunkle Ecke unters Fenster und traf die ZauberstĂ€be. Er bĂŒckte sich und hob sie hoch. Mit eisiger Miene drehte er sich zu den dreien und hielt den fremden Stab den Franzosen entgegen.
âIst schon ein Suchtrupp nach ihr ausgeschickt worden?â, fragte er schneidend und dachte dabei, wie leicht es war mit arrogantem, dominanten Auftreten tatsĂ€chlich ein UnterlegenheitsgefĂŒhl bei anderen auszulösen.
âSeit einigen minutes â WaldâŠâ, antwortete einer gebrochen, dann hörte er von drauĂen eine Stimme: âAttaque! Ils nos attaquent!â
Wie von der Tarantel gestochen sprangen die drei hoch und liefen aus der TĂŒr. Snape aber stieg durchs Fenster.
Vor ein paar Minuten?, ĂŒberlegte er als er in der Nacht die Umrisse des nahen Waldes sah und schon FlĂŒche aufblitzen sah. Seine Oberlippe krĂ€uselte sich. Helen Parks war scheinbar absichtlich laut gewesen, dass ihr Ausbruch und seine IdentitĂ€t schneller entdeckt wurden. Doch wo war der Zahn? Er sah sich um. Der GebĂ€udekomplex schien eine alte, kleine verlassene Muggel-Kaserne gewesen zu sein. Er lief auf das HauptgebĂ€ude zu, aus dem die Verteidiger auf Besen heraus in Richtung Wald flogen. Zu allererst musste er den Zahn finden.
Helen Parks hatte keinen Moment gezögert. Sicherheitshalber hatte sie das GedĂ€chtnis des niedergerungenen WĂ€rters modifiziert, so dass er sich nur dunkel erinnern konnte, dass sie ihn irgendwie ausgeknockt hatte. Dann hatte sie die ZauberstĂ€be unters Fenster gelegt und war geflohen, absichtlich laut und auffĂ€llig war sie quer ĂŒber den Hof der kleinen Muggel-GebĂ€udeanlage gerannt, obwohl sie sofort den Apparierschutz, der ĂŒber der Anlage lag, gespĂŒrt hatte â und die LeChucks hatten den Köder sofort geschluckt. Sie hatte es gerade zur Appariergrenze geschafft, bevor die LeChuck-AnhĂ€nger in FluchnĂ€he waren. Sie war in den nahen Wald appariert, wo sie leise Pfiff. Nach ein paar Minuten war sie auf ihren Testral Jacques, die Sindarin und den Phönixorden gestoĂen. Die zwei Parteien hatten sich auf Dumbledores Rat zusammengetan, zunĂ€chst unter dem beiden Seiten bewussten scheinheiligen Vorwand Snape und sie zu retten â scheinheilig deswegen, weil beide Seiten wussten, dass es ein Wettstreit um den Zahn war, nur dass jede Gruppe zu klein war, um allein das Versteck der LeChucks zu stĂŒrmen. Eine Zweck-Einsatztuppe hatte sich also gebildet. Angeleitet von einem Sindarin, der wie es im Sindarinkreis fĂŒr derartige Situationen abgesprochen war, den EntfĂŒhrern gefolgt und dann wieder nach Hogwarts appariert war.
Parks flog mit den insgesamt 15 Streitern zurĂŒck zu der Muggel-Kaserne. Doch die erste Vorhut der LeChucks traf bereits am Ende des Waldes auf sie.
Snape stand im Dunkel einer Ecke. Seine Ohren waren gespitzt und sein Blick fixierte eine hölzerne TĂŒr, die einen Spalt offen stand. Drei Vertreter LeChucks und der Basiliskenzahn befanden sich darin â doch er musste warten, warten, dass endlich der Orden oder die Sindarin kamen, damit er sicherstellen konnte, dass entweder der Orden den Zahn an sich nahm oder dass er im GetĂŒmmel eines Kampfes den Zahn an sich nehmen konnte. Aber er war geduldig. Er war Warten gewöhnt.
Es mussten bereits fĂŒnfzehn Minuten vergangen sein. Er hoffte, dass die Todesser noch lĂ€nger auf sich warten lieĂen. Da endlich hörte er, dass der LĂ€rm vieler Duelle nĂ€her rĂŒckte. Snape schwenkte mit einem kurzen Ruck seinen Zauberstab â daraus löste sich ein dĂŒnner, in der Dunkelheit kaum erkennbarer Faden, der den Flur entlang zur EingangstĂŒr des HauptgebĂ€udes und durch das SchlĂŒsselloch kroch, um dort drauĂen vor der TĂŒr lautlos, aber leuchtend hell zu explodieren. Die Wortfetzen der Duelle und das Krachen der einschlagenden FlĂŒche kamen nĂ€her. Dann wurde die EingangstĂŒr aufgerissen. Snape zog sich weiter in seine dunkle Ecke zurĂŒck. Ein Franzose rannte herein, begann etwas auf französisch zu reden, verstummte aber plötzlich, stolperte, fiel und rollte einige Meter und blieb dann ohnmĂ€chtig liegen. Lupin kam zur TĂŒr herein. âWo?â, rief er auĂer Atem.
âDie TĂŒr zu deiner linkenâ, antworte Snape aus seiner Ecke und schon sprang die besagte TĂŒr auf. Snape schockte die ersten beiden aus seiner Ecke, der dritte versuchte mit einer Tasche zu fliehen. Lupin trat ihm entgegen â ein Folge blitzschnell abgefeuerte FlĂŒche wechselte zwischen den beiden hin- und her. Snape trat aus dem Dunkel seiner Ecke und schockte den Franzosen ohne viel Federlesen von hinten. Beide Ordensmitglieder eilten zur Tasche â doch darin war kein Zahn. Lupin und Snape sahen sich ĂŒber die Tasche hinweg fragend an. Dann flogen ihre Blicke ĂŒber die Schulter des jeweils anderen â beide drĂŒckten den anderen zur Seite â FlĂŒche sausten durch den Korridor und verfehlten Lupin und Snape in der Mitte des Flures nur knappe. Zur EingangstĂŒr waren Sindarin hereingeplatzt, aus dem Raum hinter der hölzernen TĂŒr waren LeChucks aufgetaucht. Lupin und Snape hasteten mit Protego-Schildern an die Wand, wĂ€hrend die beiden anderen Parteien auch auf den Flur stĂŒrmten.
âRemus, wir zingeln sie einâ, war Tonks Stimme aus dem Raum ĂŒber das Fluchgewirr zu vernehmen. Darum also kamen die LeChucks aus ihrem Versteck. Lupin nahm sofort den Kampf auf und drĂ€ngte mit den Sindarin zusammen die LeChucks zurĂŒck in den Raum. Snape aber hielt sich zurĂŒck und glitt unbemerkt in die dunkle Ecke, lieĂ verfehlte Zauber, die ihm zu nah kamen, abprallen und in den Flur zurĂŒcksausen. Er musste jetzt vorsichtig sein
Es dauerte keine fĂŒnf Minuten, da war der Korridor verlassen und der Kampf spielte sich in dem Raum hinter der hölzernen TĂŒr ab. Snape löste sich aus dem Schatten â es war Zeit sich davon zu ĂŒberzeugen, dass der Orden sich tatsĂ€chlich durchsetzte. Er zauberte sich seine Todessermaske auf und verschwand durch die hölzerne TĂŒr.
Der Raum dahinter war eindeutig magisch verĂ€ndert und vergröĂert. FĂŒnf pompöse Kerzenleuchter erhellten den Raum, der auf der gegenĂŒberliegenden Seite noch eine TĂŒr hatte und der so etwas wie ein Spiegelsaal zu sein schien. Die sich gegenĂŒberliegenden, langen WĂ€nde waren komplett mit hohen Spiegeln bestĂŒckt, der Boden war mit Parkett ausgelegt. Franzosen, dachte er abschĂ€tzig und blieb von KĂ€mpfern unbemerkt neben der TĂŒr stehen. Wo war der ZahnâŠ? Es war schwer den Raum zu ĂŒberblicken, durch den rund 20 Gestalten durcheinander wirbelten und grelle FlĂŒche kreuz und quer vorĂŒber schossen. Dass die Spiegel an den gegenĂŒberliegenden WĂ€nden das Chaos durch ihre Spiegelbilder vervielfachte, machte die Suche nach dem Zahn nicht leichter. Schnell stellte Snape fest, dass jeder der LeChucks eine Tasche trug, in der der Zahn stecken konnte. ⊠doch irgendwer musste ihn haben - wahrscheinlich einer, der sich schnell in Sicherheit bringen wollte. Sein Auge erfasste sofort einen rothaarigen LeChuck, der sich systematisch zur anderen TĂŒr kĂ€mpfte und als er die anderen LeChucks beobachtete, sah er, dass die Anstalten machten sich zu ihm zu drĂ€ngen. Das war fast schon zu leichtâŠ
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