Harry Potter und die Totenrelikte - Die JĂ€ger
von Wizardpupil
Es hatte unerwartet zu regnen begonnen. Die Tropen trommelten gegen die Fensterscheiben der Kutschen, in denen die SchĂŒler vom Bahnhof zum Schloss gefahren wurden. Harry hatte kaum Hagrids begrĂŒĂende Rufe gehört, oder die fĂŒr gewöhnlich sehr ablenkenden und beeindruckenden Thestrale beachtet, so sehr war er in Gedanken.
Und dort war er immer noch.
Lupin weiĂ jetzt davon. Und â und Voldemort weiĂ es auch! Hermines Worte gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, vertrieben Zacharias Smith, vertrieben die Wut auf Slughorn, vertrieb sogar sein Mantra, das er in den letzten Wochen fast nicht losgeworden war â das Medaillon ⊠der Becher ⊠Und spĂ€testens hier brach es plötzlich ab, wurde durch Hermines Stimme ersetzt.
Lupin hatte Slughorn von den Horkruxen sprechen hören. Slughorn hatte verraten, wo Dumbledore und Harry hingegangen waren, kurz, bevor Dumbledore gestorben war. Lupin wĂŒrde es dem Orden erzĂ€hlen, und dann wussten sie es alle, und das wĂŒrde Probleme mit sich ziehen ⊠Er hatte Dumbledore versprochen, es niemandem zu verraten âŠ
Aber viel schlimmer war das andere. Das, was Harry niemals gedacht hĂ€tte, weil er sich extra bei Dumbledore vergewissert hatte, dass es nicht so ist. Bekommt es Voldemort mit, wenn ein Horkrux zerstört wird, Sir? Kann er es spĂŒren? Das hatte er Dumbledore gefragt, und Dumbledore hatte ihm erklĂ€rt, dass das nicht so war. Aber jetzt â jetzt musste Voldemort es gar nicht mehr spĂŒren. Voldemort wusste es. Von Slughorn.
Und nur, weil Harry Slughorn nach der Erinnerung gefragt hatte. HĂ€tte er das nicht gemacht, hĂ€tte Slughorn nie erfahren, dass Harry und Dumbledore nach den Horkruxen suchten, und damit auch nicht Voldemort. Dumbledore hĂ€tte weiterhin nur auf Spekulation gearbeitet â er hĂ€tte nicht sicher gewusst, dass Voldemort mehrere Horkruxe erschaffen hatte, aber irgendwann hĂ€tte er das von selbst erkannt, diese Erinnerung wĂ€re nicht notwendig gewesen ⊠Dumbledores Auftrag hatte alles zunichte gemacht. Denn nun hatte Voldemort sicher mittlerweile all seine Horkruxe an sich genommen, besser versteckt, besser beschĂŒtzt noch, als sie es ohnehin zuvor waren âŠ
Nein, Dumbledore durfte er nicht die Schuld geben. Aber verloren war der Kampf dennoch. Voldemort wusste, dass Harry die Horkruxe suchte, Voldemort hatte sie zu sich geholt, Harry hatte keine Chance mehr âŠ
Die Kutschen hielten an, aber Hermine musste Harry an der Schulter schĂŒtteln, bevor er verstand, dass er aussteigen musste. Die beiden eilten den anderen hinterher, die schon ein ganzes StĂŒck auf die Treppe zugegangen waren, die hoch zum Eingang des Schlosses fĂŒhrte.
Hogwarts. Ein Ort, der Harry einmal ein GefĂŒhl von GlĂŒck und Zufriedenheit, ein Heim geschenkt hatte, ein richtiges Zuhause ⊠Und nun stand er da, blickte hoch auf die vielen hohen TĂŒrme, und empfand gar nichts, was an GlĂŒck erinnerte. An beiden Seiten des offenstehenden Tores standen zwei starr nach vorne blickende Auroren, ihre ZauberstĂ€be fest umklammert.
Harry fragte sich, wie viele Sicherheitsvorkehrungen er dieses Jahr ertragen musste. Aber wenigstens musste er sich nicht mehr damit beschĂ€ftigen, wie er diese Sicherheitsvorkehrungen umgehen konnte, um das Schloss zu verlassen und nach Horkruxen zu suchen â all seine PlĂ€ne und Ideen konnte er aufgeben, sie waren sinnlos.
âHarryâ, drĂ€ngte Hermine, ihre ZĂ€hne klappernd, âbitte, gehen wir â es ist kalt, wir werden ganz nass â Harry, das ist nicht das Ende der Welt, wir können ââ
Harry warf ihr einen finsteren Blick zu, dann lief er die Stufen hoch und in die Schule hinein, nicht, weil er etwas gegen die KĂ€lte oder den Regen hatte, oder weil Hermines Worte ihn besĂ€nftigt hatte â er wollte nur etwas machen, irgendetwas, ob er nun in die groĂe Halle ging und McGonagalls Worten lauschte, oder sich in sein Bett im Gryffindor-Gemeinschaftsraum legte und mit seinem Zauberstab Löcher in die Decke schoss, war ihm gleich.
Ron erwartete ihn am Eingang; er hatte Hermine im Zug nicht gehört, und so wie Harry von selbst nicht darauf gekommen wĂ€re, hatte Ron keine Ahnung, vor was fĂŒr einem groĂen Problem sie standen. Dementsprechend verwirrt sah er aus, als er Harrys betrĂŒbte Miene sah.
âDu hast ihn also schon gesehen?â, fragte Ron ihn, scheinbar, um sich zu erklĂ€ren, warum Harry so niedergeschlagen war. Als Harry noch verwirrter dreinblickte, zeigte Ron zum Eingang der groĂen Halle. Harry hĂ€tte beinahe seinen Zauberstab gezogen.
Rufus Scrimgeour stand dort neben der hohen TĂŒr; der prĂŒfende Blick hinter seiner Brille folgte jedem SchĂŒler, der an ihm vorbeiging.
Harry wusste gar nicht, warum Scrimgeour ihn so aufregte, aber er schien einfach das TĂŒpfelchen auf dem i zu sein â soviel Schreckliches war heute passiert, in so kurzer Zeit, mit so verheerenden Auswirkungen â und dann stand da auch noch der Zaubereiminister mitten in Hogwarts, als gehöre ihm der Ort, die HĂ€nde selbstsicher in beide Seiten seines Bauches gestĂŒtzt. Scrimgeour lieĂ seine Augen durch die Halle schweifen und als sie Harry erfassten, blieben sie an ihm hĂ€ngen. Er und Harry starrten einander mehrere Sekunden lang an, dann grinste Scrimgeour selbstgefĂ€llig, wandte sich um und marschierte langsam, trotz seines Humpelns auffĂ€llig leichtfĂŒĂig, in die groĂe Halle.
âWas der wohl hier will?â
âIst doch offensichtlich, Ron.â Hermine war an Harrys Seite erschienen; auch sie blickte dem Minister grimmig hinterher. âEr wird eine Rede halten, vermutlich eine ziemlich lange, ĂŒber die ZustĂ€nde und UmstĂ€nde ââ
ââ und die MissstĂ€nde und Verstandslosigkeit und den unheimlich groĂen Abstand zwischen seiner und einer fĂ€higen FĂŒhrung der Zaubererwelt wird er vermutlich wieder auslassenâ, fĂŒgte Harry hinzu. âIch glaub, ich werde das nicht aushalten â können wir nicht gleich in den Gemeinschaftsraum gehen?â
âSo sehr ich auch dafĂŒr wĂ€re, das können wir nichtâ, sagte Hermine streng. âDie HĂ€usereinteilung mĂŒssen wir uns ansehen, und wir werden sicher Dumbledore gedenken, wenn Professor McGonagall mit ihrer Rede an der Reihe ist ââ
âJa, schon gutâ, seufzte Harry, âwir gehen ja rein.â
âHarry, wirklich â wir haben so viel zu besprechen, das wĂŒrde ich am liebsten gleich machen, aber wir sollten trotzdem ââ
âWas haben wir denn jetzt schon wieder zu besprechen?â, fiel Ron Hermine ins Wort, unglĂ€ubige groĂe Augen machend.
âJa, was?â, brummte Harry. âWir haben sowieso verloren, siehâs ein, Hermine, wir sollten einfach aufgeben ââ
âSag das nicht!â, rief Hermine entrĂŒstet. âWenn sogar du schon aufgeben willst, wie sollen wir dann jemals ââ
âWieso aufgeben?â Ron starrte die beiden abwechselnd an, sein Mund so weit offen, dass es schon fast wieder komisch aussah. âHab ich was nicht mitgekriegt? Was ist denn in dich gefahren, Mann?â
âWir erzĂ€hlen es dir nachher.â Hermines Lippen zitterten. âWir â wir sollten jetzt reingehen.â
Harry folgte den anderen beiden lustlos. Ihrem Gezanke hörte er still zu, nur, um etwas zu tun zu haben (âWarum erzĂ€hlt ihr es mir nicht gleich?â, âRon, wir mĂŒssen jetzt in die groĂe Halle ââ, âNein, jetzt erzĂ€hl schon!â, âIch ââ, âMach!â, âDu gibst mir ja nicht einmal die Chance dazu!â). Als sie die groĂe Halle betraten, warf er nur einen desinteressierten Blick ĂŒber die Tische, um zu sehen, wie viele SchĂŒler hier waren â gerade einmal halbsoviele als gewöhnlich. Am Slytherin-Tisch fehlten die meisten â alles Kinder von Todessern, dachte Harry â aber auch bei den Gryffindors gab es einige deutliche LĂŒcken. Seamus Finnigan war nicht da und Parvati Patil, Lavender Brown und Ritchie Coote, der letztes Jahr Treiber in der Quidditch-Mannschaft von Gryffindor gewesen war. Und das waren nur die, die Harry persönlich kannte.
Statt all derer saĂ allerdings jemand neben Ginny, als sich die drei ihr gegenĂŒber niederlieĂen, den Harry dort nicht erwartet hatte.
âSie alle starren dich wieder an und flĂŒstern ĂŒber dichâ, sagte Luna zu Harry, kaum, dass er sich hingesetzt hatte.
Das stimmte, stellte Harry fest, als er sich umsah; viele SchĂŒler zeigten sogar mit dem Finger auf ihn. Scheinbar hatte sich schnell herumgesprochen, dass etwas im Zug geschehen war.
âĂh, Luna â was machst du hier?â, fragte Hermine; Harry wusste, dass Hermine Luna nicht besonders gerne mochte und sich um Höflichkeit bemĂŒhte, und er musste ein Lachen unterdrĂŒcken. âDas hier ist der Gryffindor-Tisch.â
Luna richtete ihre groĂen Augen auf Hermine, scheinbar erstaunt.
âIch weiĂâ, sagte sie nur.
âNun â du bist in Ravenclaw.â
âDas weiĂ ich auch.â Luna legte den Kopf ein wenig zur Seite und sah Hermine an, als wĂ€re sie besorgt um ihren Zustand.
âUnd â was machst du dann hier?â
Luna lĂ€chelte. âIch fand es heute angebracht, mich hier hin zu setzen.â
Dann wandte sie sich ab und starrte in Richtung Lehrertisch, als hÀtte sie eine klÀrende Antwort gegeben und das GesprÀch wÀre zu Ende. Hermine sah aus, als hÀtte sie wieder ein Basilisk versteinert. Nun lachte Harry wirklich.
Dann schweifte sein Blick zum Eingang der groĂen Halle und sein Lachen hörte abrupt auf; dort stand Lupin, und erinnerte Harry damit an Slughorn. In das wĂŒtende GesprĂ€ch ĂŒber Scrimgeour, das Ron, Hermine, Neville und Ginny fĂŒhrten, stimmte er nicht mit ein. Er fixierte einen Sprung im Holztisch und versuchte, alles andere auszublenden; langsam bekam er Kopfschmerzen von dem Geschnatter, sowohl von dem in der Halle, als auch von dem innerhalb seines Kopfes.
Voldemort weiĂ es, alles ist verloren âŠ
Hermine hat gesagt, ich soll nicht aufgeben, sie muss noch einen Ausweg gefunden haben âŠ
Vergiss Hermine, nicht einmal sie kann dieses Schlamassel ungeschehen machen âŠ
Wenn einer das könnte, dann war das Dumbledore. Und der war tot.
Die SchĂŒler in der Halle verstummten plötzlich. Harry sah hoch â die ErstklĂ€ssler waren eingetroffen. Hagrid kam ihnen voran herein geschritten, in seinem Biberfellmantel, mit einem stolzen Ausdruck auf dem Gesicht. Die Kinder, die ihm hinterher eilten, wirkten nervös und Ă€ngstlich. Harry verdrĂ€ngte die Erinnerung an seine eigene HĂ€userzuteilung (Nicht Slytherin, nein? Bist du dir sicher? Du könntest groĂ sein âŠ). Dort, vor dem Lehrertisch, stand auch schon der Stuhl, auf dem der sprechende Hut lag, alt und verschlissen. Er sah so harmlos aus, so gewöhnlich âŠ
Harry hob den Blick ein wenig an. Am Lehrertisch saĂ Professor McGonagall, die neue Schulleiterin, auf dem hohen Stuhl, der einst Dumbledores gewesen war. Neben ihr war ein Platz leer â der besonders groĂe Sessel sprach dafĂŒr, dass er Hagrids war. Hinter McGonagall stand Scrimgeour, der sich scheinbar nicht setzen wollte. Und da â da war â
âDas ist er!â, zischte Harry. Er konnte es kaum glauben. Dort, am Lehrertisch, an McGonagalls anderer Seite, saĂ niemand anderes als der Mann, den Harry im neunten Stockwerk des Ministeriums getroffen hatte, bei der Mysteriumsabteilung. Er trug einen schwarzen Umhang diesmal, aber das Gesicht war unverkennbar.
âWer ist wer?â, fragte Ron. Er folgte Harrys Blick â und sein Mund klappte auf.
âDas gibtâs doch nicht!â
âWas â kennst du ihn?â
âWas fĂŒr eine doofe Frage, natĂŒrlich kenn ich Percy!â
Harry runzelte die Stirn â was sprach Ron jetzt von Percy? Er wollte Ron schon fragen, ob er noch ganz richtig im Kopf war, als er ihn auch sah. Am anderen Ende des Tisches, neben Madam Pomfrey, der Krankenschwester, saĂ Percy, Rons Ă€lterer Bruder.
âWas macht der denn hier?â, wollte Ron wissen.
âKeine Ahnung, aber den mein ich nicht â ich meine ââ
âCornelius Fudge!â, flĂŒsterte Hermine plötzlich ĂŒberrascht.
âWas? Nein, ich meine ââ
Aber Harry unterbrach sich schon wieder selbst. Da saĂ tatsĂ€chlich Cornelius Fudge, der ehemalige Zaubereiminister, einige PlĂ€tze entfernt von Percy; er warf andauernd Blicke zu Scrimgeour, als wĂŒrde er sich unwohl in dessen Gegenwart fĂŒhlen.
âWas will Fudge in Hogwarts?â, fragte Ron verwirrt.
âKeine â ist doch jetzt egal, den mein ich auch nicht! Schaut, neben McGonagall â das ist der Typ, den ich bei der Mysteriumsabteilung getroffen habe!â
âTatsĂ€chlich?â Hermine wandte den Kopf sofort zur Mitte des Lehrertisches. âAber das ist doch â das ist Viridian!â
âWer?â
âVindictus Viridian! Der Autor unseres Verteidigung gegen die dunklen KĂŒnste-Buches! Ein Foto von ihm ist in dem Buch, daher erkenne ich ihn.â
Harry betrachtete Viridian neugierig. Dann war er also der neue Lehrer fĂŒr Verteidigung gegen die dunklen KĂŒnste? Ihm fiel plötzlich ein, wo er Viridians Namen zum ersten Mal gehört hatte â in der Winkelgasse, vor Beginn seines ersten Schuljahres, als er mit Hagrid seine BĂŒcher gekauft hatte. FlĂŒche und GegenflĂŒche hatte er dort damals gesehen, ein anderes Buch von Viridian.
Harry war sich sicher, dass er mit diesem Professor besonders viel Zeit verbringen wĂŒrde im kommenden Schuljahr.
Hagrid hatte die ErstklĂ€ssler zum Hut gefĂŒhrt. Letzterer wĂŒrde gleich sein Lied singen â etwas, das jedes Jahr vor der HĂ€usereinteilung geschah. Harry hatte nur drei der Lieder gehört, die der Hut in seiner Schulzeit gesungen hatte, und war gespannt, ein neues zu hören.
TatsĂ€chlich öffnete sich sogleich knapp ĂŒber der Krempe ein Riss â und der sprechende Hut sang:
Ein Hut bin ich, ein echter zwar,
doch keiner wie die andern.
Wie mich gibtâs nicht einmal ein paar,
die diese Welt bewandern.
Einmalig bin ich streng betrachtet
in mehr als einer Hinsicht;
doch wenn ihr nur auf eine achtet,
so seht ihr vieles gar nicht.
Mein Auftrag ist, euch einzuteilen,
wie ihr passt und wie ihr sollt,
doch auch, wie eure WĂŒnsche scheinen,
wie ihr trÀumt und wie ihr wollt.
Wenn der Zauber unsrer GrĂŒnder
mich nicht deutlich dazu zwÀnge,
triebe ich euch ĂŒble SĂŒnder
schamlos in die engste Enge.
Lasst euch gesagt sein, hört mir zu,
die Warnung ist vonnöten!
Die Trennung und der Kampf im Nu
werden die Schule letztlich töten.
Nie wĂŒrde ich die SĂ€ulen stoĂen,
euch auf vier HĂ€user teilen,
hĂ€tten es mir die vier GroĂen
nicht zum Sinn gemacht, zu meinem einen.
Tradition bewÀhrt sich selten,
niemals hÀlt sich Hass und Krieg.
Wollt ihr retten eure Welten,
gönnt der Liebe ihren Sieg.
Zum ersten Mal, seit Harry an der Schule war â vermutlich sogar das erste Mal in der Geschichte von Hogwarts â gab es nach dem Lied des sprechenden Hutes keinen Beifall. Der Hut hatte schon öfters Warnungen ausgesprochen â aber etwas wie dieses Gedicht hatte es noch nie gegeben.
âIch hab die HĂ€lfte davon nicht verstandenâ, hörte Harry Ron sagen.
Und auch alle anderen in der Halle schienen irritiert zu sein. Die meisten schwiegen und sahen einander nur fragend an, einige aber tuschelten angeregt miteinander. Oben am Lehrertisch fĂŒhrte Scrimgeour ein leises GesprĂ€ch mit McGonagall, ĂŒber deren Schulter gebeugt. Vindictus Viridian lĂ€chelte.
âEr hat nicht einmal die Eigenschaften der HĂ€user beschriebenâ, murmelte Ginny.
âEr hat nur seine Meinung zu der Einteilung gesagt.â Hermine sprach schnell, als wĂ€re sie aufgeregt. âDass er das nicht fĂŒr richtig hĂ€lt, es nicht tun wĂŒrde, wenn die GrĂŒnder ihn nicht mit dem Zauber belegt hĂ€tten, der ihn dazu zwang!â
Langsam legte sich wieder Ruhe ĂŒber die Halle. Alle wandten sich wieder dem Hut zu; Hagrid warf einen unsicheren Blick zu McGonagall, die gerade ihr GesprĂ€ch mit Scrimgeour beendet hatte. Er schien nicht zu wissen, was er tun sollte, aber als McGonagall ihm mit einem Winken deutlich machte, er solle einfach wie geplant fortfahren, rĂ€usperte sich Hagrid. Er entrollte ein Pergament, das er in der Hand gehalten hatte.
âIch les jetzâ eure Namân vor, von der Liste hierâ, verkĂŒndete er gerade, wobei er den SchĂŒlern vor ihm fröhlich zulĂ€chelte. âDann kommt ihr hier vor unâ setzt den Hut auf. Alles klar? Gut, dann maâ los ⊠Bodery, Alice!â
Das MÀdchen wÀre auf dem Weg zum Hut beinahe gestolpert. Harry aber schenkte der Sortierung kaum Aufmerksamkeit. Es war nicht das ungewöhnliche Lied des Hutes, das ihn beschÀftigte.
Dass Vindictus Viridian, der Mann, der das FlĂŒstern des Schleiers â wie sollte man es ausdrĂŒcken? â in sich getragen hatte, nun hier an der Schule Verteidigung unterrichten sollte, war ihm eine willkommene Abwechslung von der deprimierenden Erkenntnis, die er ĂŒber die Horkruxe gewonnen hatte. Harry beobachtete Professor Viridian, wĂ€hrend er ĂŒber ihn nachdachte (ohne eine Ahnung zu haben, woran genau er dachte): Seine eindrucksvollen Augen waren auf die ErstklĂ€sslerin gerichtet, die sich den Hut aufsetzte, sein Mund war in ein sympathisches LĂ€cheln gezogen. Wie Harry schon festgestellt hatte, ging von diesem Mann etwas aus. Etwas Magisches â nein, mehr als das (er war immerhin ein Zauberer) ⊠etwas Mystisches. Etwas UnerklĂ€rliches. Und von ihm war das FlĂŒstern gekommen, der Ruf des Schleiers âŠ
Die wenigen SchĂŒler waren auf ihre HĂ€user eingeteilt (nur zwei von ihnen waren Slytherins geworden), Hagrid hatte den Stuhl und den Hut in der Kammer hinter der groĂen Halle verstaut und sich dann auf seinen Platz gesetzt, und McGonagall erhob sich. Ihr strenger Blick wanderte durch die SchĂŒlerschar, bevor sie laut âRuhe bitte!â rief. Es dauerte um einiges lĂ€nger als bei Dumbledore, bis jeder sich dem Wunsch der Schulleiterin unterworfen hatte.
âLiebe SchĂŒler â es freut mich sehr, dass ihr euch entschlossen habt, trotz der schwierigen Zeiten zur Schule zurĂŒckzukehren, oder, im Falle der neuen, ihr beizutreten! Lasst euch versichert sein, dass Hogwarts jede denkbare Sicherheit genieĂt. Die Auroren auf dem GelĂ€nde sind auf jeden möglichen Fall vorbereitet. Trotz Albus Dumbledores Ablebens ist dieses GebĂ€ude vermutlich immer noch das sicherste im ganzen Land.
Ein paar mahnende Worte, bevor das Festessen eröffnet wird. Auch wenn euch das Lied des sprechenden Hutes vielleicht verwirrt hat, vergesst es nicht einfach, und lasst euch erst recht nicht einfallen, darĂŒber zu lachen!â Ihre Augenbrauen vereinten sich in diesem Moment ĂŒber ihrer Nase. âNehmt die Warnung ernst, richtet euch danach â euer, unser Zusammenhalt ist im Moment wichtiger als jede MaĂnahme des Ministeriums!â
Es folgte die ĂŒbliche ErklĂ€rung, dass der verbotene Wald von keinem SchĂŒler betreten werden durfte, dass Mr Filch einige neue GegenstĂ€nde seiner Liste der verbotenen Utensilien hinzugefĂŒgt hatte - erst dann sagte McGonagall wieder etwas, das Harrys Interesse weckte: Als sie das Wort âQuidditchâ sagte, blickte er auf.
âQuidditch wird es dieses Jahr nicht geben -â, begann sie, aber da wurde sie schon von dem Gröhlen einiger SchĂŒler unterbrochen. Im Gegensatz zu Ron war Harry nicht bei diesen SchĂŒlern dabei: Zwar hatte er sich im Grunde schon auf Quidditch gefreut, aber er war sich gar nicht sicher gewesen, ob er die Zeit dazu haben wĂŒrde. Auf diese Weise hatte er wenigstens keine Wahl, ob er sich nun mit Training und Spielen aufhalten, oder ob er die Zeit lieber fĂŒr Horkruxe nutzen sollte. Als er zu Hermine blickte, wusste er, dass sie dasselbe dachte, denn sie trug ein etwas spitzes LĂ€cheln auf dem Gesicht.
âIch bitte euch!â, rief McGonagall und bedeutete den SchĂŒlern mit den HĂ€nden, ruhig zu sein. âMir gefĂ€llt diese Entscheidung auch nicht so gut, aber es geht um eure Sicherheit! Wir können nicht davon ausgehen, dass die Schutzzauber um die LĂ€ndereien nach Professor Dumbledores Tod noch hundertprozentig undurchdringabr sind! Solange wir das nicht mit Sicherheit wissen, werden die SchĂŒler das Schloss, das noch auf andere Weise geschĂŒtzt ist als nur durch die Abwehrzauber des Ministeriums, nur zu bestimmten Zeiten verlassen, die von den Lehrern vorgegeben sind!â
Es dauerte noch eine Weile, bis sich alle SchĂŒler beruhigt hatten; aber als McGonagalls Blick immer strenger wurde, schienen sie endlich einzusehen, dass sie dabei waren, eine Grenze zu ĂŒberschreiten, hinter der sie besser hĂ€tten stehen bleiben sollen. SchlieĂlich war es ruhig in der Halle, und jeder wartete darauf, dass die Schulleiterin weitersprach.
âWar's das? Schön - desweiteren wĂŒrde ich es vorziehen, euch die neuen Mitglieder des Kollegiums vorzustellen, bevor wir uns dem Essen zuwenden â ich werde wĂ€hrend der Feier nĂ€mlich diese Halle verlassen mĂŒssen und heute Abend nicht wieder zurĂŒckkehren. Professor Hagrid wird euch nach dem Dessert entlassen.
Nun zu unseren neuen Lehrern â bitte begrĂŒĂt Professor Ogden, der von nun an Muggelkunde unterrichten wird, weil Professor Burbage gekĂŒndigt hat.â McGonagalls Lippen krĂ€uselten sich in deutlicher Missbilligung.
Die SchĂŒler klatschten, als der sehr alte Mann mit steingrauen Haaren aufstand und ihnen mit der Hand zuwinkte; Cormac McLaggen klatschte besonders laut fĂŒr seinen Onkel.
âDesweiteren heiĂen Sie Professor Fudge willkommen, der das Fach Verwandlung ĂŒbernehmen wird.â
Es wurde zwar höflich geklatscht, aber als Fudge seine Melone zum GruĂ nervös abnahm, ĂŒbertönte das heftige Murmeln beinahe den Applaus. Aber es war nichts anderes zu erwarten gewesen â den ehemaligen Zaubereiminister plötzlich als Lehrer vorgesetzt zu bekommen, das sorgte natĂŒrlich fĂŒr Aufregung.
âBegrĂŒĂen Sie auch Professor Viridian, den neuen Lehrer fĂŒr Verteidigung gegen die dunklen KĂŒnste!â
Der Applaus war diesmal um einiges lauter als bisher. Scheinbar spĂŒrten die anderen nicht das MerkwĂŒrdige, das Viridian ausstrahlte, dachte Harry, sondern sahen nur einen sympathischen Ă€lteren Mann. Sonst hĂ€tte es wohl mindestens genauso viel Gemurmel gegeben wie bei Fudge.
Als sich der Applaus gelegt hatte, fuhr McGonagall fort: âUnd zu guter Letzt darf ich Ihnen Mr Weasley vorstellen.â
Harry spĂŒrte, dass sich Ron neben ihm verkrampfte. Percy stand nicht auf, machte untypischerweise nicht einmal ein Zeichen, dass er seinen Namen gehört hatte.
âMr Weasley, der Juniorassistent des Zaubereiministers, sich im Zuge der Sicherheitsvorkehrungen bereit erklĂ€rt hat, unserer Krankenschwester und Heilerin Madame Pomfrey als Assistent zur Seite zu stehen. Ebenfalls hat er erst vor wenigen Minuten zugestimmt, vorĂŒbergehend ZaubertrĂ€nke zu unterrichten, bis wir eine Festanstellung fĂŒr dieses Fach gefunden haben â Professor Slughorn hat uns verlassen mĂŒssen, denn es hat sich herausgestellt, dass sein Platz wohl eher in einem VerlieĂ im Ministerium ist als hier in der Schule.â
Die meisten SchĂŒler wandten sich an Harry, als hĂ€tten diese Worte McGonagalls bestĂ€tigt, was sie gerĂŒchteweise gehört hatten. Harry versuchte, sie zu ignorieren.
âNun, dann gibt es nichts mehr zu sagen. Guten Appetit!â
Und die Tische, sowohl die der HĂ€user als auch der der Lehrer, deckten sich wie von selbst. Die GerĂŒche, die zugleich auf Harrys Nase einfielen, lieĂen vermuten, dass die Hauselfen von Hogwarts sich diesmal noch mehr MĂŒhe gegeben hatten als normalerweise. Aber Harry hatte keinen Hunger. Nicht im Geringsten.
McGonagall winkte Scrimgeour zu sich heran. Sie flĂŒsterte ihm etwas ins Ohr, er nickte und ging dann hastig durch die TĂŒr in die Kammer, in welche Hagrid zuvor den sprechenden Hut gebracht hatte. McGonagall hingegen sagte auch etwas zu Hagrid (wobei sie sich nicht bĂŒcken musste, obwohl Hagrid saĂ), ging dann zu den Professoren Sprout und Flitwick und sprach auch mit ihnen. Die drei erhoben sich und folgten ihr ebenfalls in die Kammer. Bevor McGonagall die TĂŒr schloss, warf sie einen Blick ĂŒber ihre Schulter und winkte â Harry drehte sich um, um zu sehen, wie Lupin am Eingang dieses Winken mit einem Nicken erwiderte und dann am Rand der Halle ebenfalls zur Kammer eilte.
Ohne nachzudenken, stand Harry auf.
âHarry, was tust du?â, fragte Hermine, und Ron packte ihn sogar am Umhangsaum.
Harry riss sich los und lief Lupin hinterher. Er hörte entfernt, wie Hermine aufstöhnte und Ron anwies, aufzustehen; die beiden hatten ihn schnell eingeholt.
Lupin war schon in die Kammer verschwunden, als Harry die TĂŒr öffnete und mit den anderen beiden eintrat. Die Rufe der anderen SchĂŒler und der Lehrer hatten sie nicht beachtet, aber Harry hatte es sich nicht nehmen lassen können, Viridian aus der NĂ€he zu betrachteten, als er so nah an ihm vorbeilief. Sein LĂ€cheln war unangenehm wissend.
In dem kleinen Raum war Harry erst einmal gewesen; als er zu einem Champion des Trimagischen Turniers gewĂ€hlt worden war. Damals hatte ein Feuer im Kamin geprasselt, heute war der Kamin nur voller abgebranntem Holz und RuĂ, und statt ihm spendeten drei Kerzen Licht, die neben dem schlaffen, nun wieder völlig normal aussehenden sprechenden Hut auf einem niedrigen Tisch standen. Die meisten der GemĂ€lde an den WĂ€nden waren leer, nur ein paar Zauberer und Hexen in einem besonders groĂen Bild beobachteten wenig interessiert das Geschehen.
Rufus Scrimgeour, Minerva McGonagall und Remus Lupin schienen in ein GesprĂ€ch vertieft zu sein, welchem Professor Flitwick, Professor Sprout und Hagrid, der seinen Kopf einziehen musste, um in den Raum zu passen, nur als Zuhörer beizuwohnen schienen. Niemand hatte das Eintreten der drei SchĂŒler bemerkt, also machte sich Harry mit einem lauten RĂ€uspern bemerkbar.
Hagrid stieĂ sich den Kopf, als er sich erschrocken umdrehte, und Sprout hĂ€tte beinahe Flitwick getreten. Scrimgeour allerdings hob nur die Augenbrauen, und McGonagall und Lupin drehten sich langsam um, als hĂ€tten sie damit gerechnet, dass Harry ihnen folgen wĂŒrde.
âMr Potterâ, sagte Scrimgeour gelassen, âmit welchem Recht verlassen Sie die Feier und unterbrechen dieses GesprĂ€ch?â
âMit meiner Erlaubnis, Ministerâ, sagte McGonagall harsch, bevor Harry sich zu Wort melden konnte. âHarry ist mit Abstand der wichtigste Zeuge im Falle Slughorns.â
âIch habe gerade erlĂ€utert, was im Zug vorgefallen istâ, sagte Lupin zu Harry, wobei er ihn intensiv ansah, so, als wolle er ihm etwas mitteilen, ohne es auszusprechen. âAlles, was mir bekannt ist, meine ich. Was ja nur ist, dass Slughorn versucht hat, dich in einen magischen Schlaf zu versetzen, um dich spĂ€ter zu Lord Voldemort zu bringen. Wenn du nun bitte den Rest erzĂ€hlen wĂŒrdest?â
Harry fand es zwar gut, dass Lupin Scrimgeour nicht von den Horkruxen erzĂ€hlt hatte, aber so umwerfend war das nun auch nicht â Voldemort selbst wusste, dass er seine Seelenteile suchte. Da konnte der Minister es auch erfahren. Aber als Harry vom Treffen des Slug-Klubs und Slughorns Bitte, ihn danach allein zu treffen, ohne jemandem davon zu erzĂ€hlen, berichtete, dann von dem LĂ€hmfluch und dem Trank, den Slughorn ihm ins Glas gemischt hatte, davon, wie Moody, Lupin und die anderen ihn gerettet hatten â da lieĂ er die Horkruxe ebenfalls aus. Er erzĂ€hlte zwar, dass Slughorn Draco Malfoy bei der AusfĂŒhrung seines Planes, die Todesser nach Hogwarts zu bekommen und Dumbledore umzubringen, geholfen hatte, aber die Höhle, das Gift verschwieg er.
Als Harry lĂ€ngere Zeit nichts mehr sagte, schien der Minister langsam zu verstehen, dass er nichts mehr hören wĂŒrde.
âNun gutâ, sagte er, âwenn das alles ist ââ (und sein Blick sagte Harry, dass Scrimgeour ahnte, dass das nicht alles war â auch wenn er es unmöglich wissen konnte) ââ, dann werde ich mich nun um Slughorn kĂŒmmern. Alastor hat ihn, haben Sie gesagt?â, fragte er an Lupin gewandt, und Lupin nickte. âDann entschuldigen Sie mich bitte.â
Und Scrimgeour verlieĂ den kleinen Raum.
âAlso dannâ, ergriff McGonagall das Wort, und alle sahen zu ihr, âPomona, Filius, Hagrid â ich habe euch aus zwei GrĂŒnden hergebeten. Einmal war es mir wichtig, dass ihr diesem GesprĂ€ch lauscht, als Hauslehrer ââ
âHauslehrer?â, rief Hermine ĂŒberrascht; dann wurde ihr Gesicht puterrot, als sie erkannte, dass sie gerade eine Lehrerin â die Schulleiterin unterbrochen hatte. âTut â tut mir Leid, Hagrid hat nur nie erwĂ€hnt ââ
âHab ich nichâ?â Hagrid blickte von Hermine erstaunt zu Harry und Ron, die beide den Kopf schĂŒttelten. âDonnerwetter, dann hab ich das ganz vergessân â die Sache mit dem stellvertretenden Schulleiter hat mich so baff gemacht, mĂŒsst ihr wissân, dass ich das wohl nichâ erwĂ€hnt hab ⊠Ich bin jedenfalls Hauslehrer von Gryffindor.â Hagrid strahlte.
âJa, genau darum geht es auch.â McGonagall klang ungeduldig, und Hagrid richtete seine ganze Aufmerksamkeit sofort wieder auf sie â jeder wusste, dass es nicht klug war, McGonagalls Geduld auf die Probe zu stellen. âIhr drei solltet ein Wort bei der Wahl des neuen Hauslehrers fĂŒr Slytherin haben, nun, da Slughorn weg ist. Wir haben im Grunde nur die Wahl zwischen Professor Sinistra und Professor Viridian, aber ââ
âViridian?â
Harry wollte McGonagalls Geduld nicht noch weiter herausfordern, aber er hatte sich nicht zurĂŒckhalten können. Viridian, der sympathische, mystische Viridian war ein Syltherin?
âJa, ganz rechtâ, sagte McGonagall, ihre Lippen so schmal wie jedesmal, wenn Harry eine Verwandlung selbst nach dem fĂŒnften Versuch nicht geschafft hatte. âProfessor Viridian war einer der besten Slytherins, die diese Schule jemals besucht haben â und du solltest dem sprechenden Hut vielleicht genauer zuhören, Harry!
Also, Pomona, Filius, Hagrid â ich erwarte eure Wahl bis morgen um siebzehn Uhr. Bitte lasst Remus, Harry, Ron, Hermine und mich nun allein.â
Professor Sprout lĂ€chelte Harry, Ron und Hermine zu, als sie an ihnen vorbei zur TĂŒr ging, Professor Flitwick winkte ihnen von der Gegend ihrer Oberschenkel zu, und Hagrid gab Harry einen gutmĂŒtigen Klaps auf die Schulter, der ihn ausnahmsweise einmal nicht auf die Knie warf, was vielleicht an Hagrids gebĂŒckter Haltung lag. Als die drei aus der Kammer gegangen waren, sprach McGonagall sofort weiter.
âEs scheint da noch etwas zu geben, was du bisher nicht erwĂ€hnt hast, Remusâ, sagte sie.
âDas ist richtigâ, sagte Lupin; er klang sehr angespannt, fast so, als fĂŒhle er sich unwohl. âSlughorn hat etwas gesagt, das schreckliche Folgen fĂŒr den Orden hat, Minerva. Voldemort benutzt Horkruxe.â
McGonagall atmete laut ein und fasste sich ans Herz. âHorkruxe? Mehrere?â
âSlughorn sprach von ihnen in der Mehrzahlâ, sagte Lupin schulterzuckend, âaber ich bin sicher, dass Harry uns mehr darĂŒber erzĂ€hlen kann.â
Lupin und McGonagall wandten sich beide an Harry, der möglichst gelassen die Blicke erwiderte.
âSlughorn hat nĂ€mlich verraten, wo Dumbledore und Harry kurz vor Dumbledores Tod gemeinsam warenâ, fuhr Lupin fort. âSie haben eines der Horkruxe gesucht, in einer Höhle. Slughorn hat Dumbledore auf Voldemorts Befehl hin geraten, dort nachzusehen ââ
âJa, das stimmt allesâ, sagte Harry, der keinen Sinn darin sah, es zu leugnen. âAber ich wĂŒsste nicht, was das Sie angeht.â
âDas geht uns sogar einiges an!â McGonagall richtete sich zu ihrer vollen GröĂe auf. âHarry, wenn du denkst, du könntest allein die anderen Horkruxe suchen â ich meine, weiĂt du ĂŒberhaupt, wie viele es sind, oder welche GegenstĂ€nde, oder wo sie ââ
âIch habe all das mit Dumbledore besprochenâ, fiel Harry ihr ins Wort, âund Ron und Hermine in alles eingeweiht. Dumbledore hat mir erlaubt, den beiden davon zu erzĂ€hlen, aber ausdrĂŒcklich gesagt, dass es sonst niemand erfahren soll. Sie wissen nun schon mehr, als Sie wissen sollten, aber aus mir kriegen Sie nichts mehr heraus.â
Wenn ich schon verloren habe, dann möchte ich wenigstens nicht alles verlieren, dachte er, aber dennoch kam es ihm seltsam vor, dass er McGonagall und Lupin nicht einfach alles ĂŒber die Horkruxe sagte â hatte er nicht noch vor wenigen Sekunden festgestellt, dass alles verloren war, weil Voldemort bescheid wusste, dass nun alles egal war?
McGonagall sah aus, als stĂŒnde sie kurz vor einem Wutausbruch. Ihre NasenflĂŒgel bebten, als sie sagte: âHarry, das ist höchst unvernĂŒnftig! Du weiĂt vermutlich gar nicht, was fĂŒr eine Gefahr Horkruxe sind!â
âProfessor McGonagallâ, mischte sich Hermine nun ein, ihre Stimme mindestens genauso gehalten wie Harrys, âich versichere Ihnen, dass wir alle drei, Harry, Ron und ich, mittlerweile vermutlich mehr ĂŒber Horkruxe wissen als Sie. Vor allem, was Voldemorts Horkruxe speziell angeht.â
âAber das ist doch lĂ€cherlich!â McGonagall stieĂ tatsĂ€chlich ein Lachen aus, aber ein ganz und gar humorloses. âBitte, Hermine, wenigstens du musst doch einsehen, dass ihr allein keine Chance habt! Der ganze Orden kann euch zur Seite stehen!â
âDumbledore hat ââ
âHarry, bitte, Dumbledore hat sicher nicht gewusst, dass er bald sterben wĂŒrde! WĂ€re ihm dies klar gewesen, hĂ€tte er den Orden ohnehin beauftragt, dich zu unterstĂŒtzen!â
âDavon hat er kein Wort ââ
âSchluss jetzt!â McGonagalls Gesicht war blass, ihre Lippen so weiĂ, dass sie darauf kaum zu sehen waren. âIch erwarte mir, dass ihr drei morgen nach dem Unterricht in mein BĂŒro kommt und mir alles ĂŒber die Horkruxe von Ihm, dessen Name nicht genannt werden darf, erzĂ€hlt! Wenn ihr euch an diesen Befehl nicht haltet, dann ââ (sie sah jeden von ihnen abwechselnd eindringlich an) ââ sehe ich mich gezwungen, euch der Schule zu verweisen!â
Hermines entrĂŒstetes Keuchen drĂŒckte nicht einmal ansatzweise den Zorn aus, den Harry verspĂŒrte. Wie konnte McGonagall nur so kurzsichtig, so verstĂ€ndnislos sein â
âHört zuâ, sagte Lupin nun, der zu bemerken schien, dass die Sache aus dem Ruder lief. âDer Orden will euch nur helfen. Wir kĂ€mpfen fĂŒr haargenau das Gleiche. Du bist vielleicht das Herz der Anti Voldemort-Bewegung, Harry, aber der Orden ist der Körper. Wir haben Fluchbrecher wie Bill, Auroren wie Moody, verschiedene Experten fĂŒr Spionage, Verfolgung und Eindringen in fremde GebĂ€ude. Wir bilden einfach eine Gruppe aus solchen Experten, eine Gruppe aus JĂ€gern, die die Horkruxe identifizieren, suchen und vernichten. Ihr mĂŒsst uns nur alles erzĂ€hlen, was ihr ĂŒber sie wisst. Dann wĂŒrde alles gut werden.â
Harry hatte sich kaum genug Zeit gelassen, laut und missbilligend zu schnaufen, bevor er sich stĂŒrmend umdrehte und gemeinsam mit Ron und Hermine den Raum verlieĂ.
âDas ist eine Frechheit.â
Die drei saĂen wenig spĂ€ter im ansonsten leeren Gemeinschaftsraum. Alle anderen waren noch beim Fest.
âEine Frechheitâ, wiederholte Ron angewidert. âWie kann McGonagall uns drohen, uns aus der Schule zu werfen?â
âHast du endlich eingesehen, dass der Orden Mist baut?â, fragte Hermine; sie sah traurig aus, als wĂŒrde sie jeden Moment zu weinen beginnen. âDas ist einfach furchtbar â sie wollen uns helfen? Dann sollen sie uns einfach in Frieden lassen?â
âDu glaubst also nicht, dass sie uns tatsĂ€chlich helfen könnten?â, sagte Harry, die Augenbrauen gehoben.
Hermine seufzte. âAlso gut, eigentlich denke ich das schon â aber Dumbledores Anweisungen waren klar. Niemand soll es wissen, auĂer uns.â
âAber es ist ohnehin egal, da Voldemort ja weiĂ, dass wir hinter den Horkruxen her sindâ, meinte Ron; Harry und Hermine hatten ihm auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum genau erklĂ€rt, warum dies so war.
âIch denke nicht, dass das so wichtig istâ, sagte Hermine hastig, und auf Harrys unglĂ€ubigen Blick hin fĂŒgte sie hinzu: âNein, ehrlich! Das ist nicht das Ende! Dass Voldemort die Horkruxe ursprĂŒnglich schon alle weit weg von sich versteckt hat, beweist, dass er sie nicht bei sich haben will â selbst, wenn er ihre Standorte Ă€ndert, heiĂt das nicht, dass er sie an sich nimmt. Und Voldemort weiĂ auch nicht, dass Dumbledore und du abgesehen von Slughorns noch weitere Erinnerungen gesammelt habt, ihm ist also nicht bewusst, wie viel wir ĂŒber ihn wissen oder ahnen! Es ist genauso wahrscheinlich wie vorher, dass ein Horkrux in der Winkelgasse oder in der Nokturngasse ist â oder vielleicht sogar hier in Hogwarts, von hier könnte er es gar nicht wegholen!â
Harry runzelte die Stirn; was Hermine sagte, ergab Sinn.
âSie hat Recht, Mann!â, sagte Ron, der vollkommen ĂŒberzeugt wirkte. âWir sollten nicht aufgeben, wir haben immer noch Chancen!â
âVielleichtâ, sagte Harry nur. âAber jetzt sollten wir uns erst einmal ĂŒberlegen, wie wir McGonagall besĂ€nftigen können. Wenn sie uns aus Hogwarts wirft, wĂ€re das nicht so gut fĂŒr uns.â
âIch glaub nicht, dass sie das tun wirdâ, entgegnete Hermine; aber Harry vermutete, dass da nur ihre Hoffnung aus ihr sprach. âDas war doch eine leere Drohung â aus Wut, oder nicht?â
Harry und Ron antworteten nicht, aber Harry dachte:
Genau â oder nicht?
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Daniel ist total nett. Er ist klasse. Er spielte mir gute Musik vor. Ich hatte immer noch Beatles gehört bis ich hierher kam. Er ist sehr leidenschaftlich. FĂŒr sein Alter hat er einen guten Geschmack.
David Thewlis ĂŒber Daniel Radcliffe