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Fanfiction

Die Tochter des Kriegers - Der erste Tag in der Aurorenschule

von ChantalMoody

Der erste Tag in der Aurorenschule

Pa war nicht sonderlich überrascht, als ich ihm erzählte, dass Tante Viola Onkel Malcolm und Remus verlassen hatte. „Ich habe das schon lange erwartet“, meinte er. „So ein Unglück, wie es Remus passiert ist, hat schon mehr als eine Familie auseinander gebracht. Zwischen Malcolm und Viola stimmte es schon eine ganze Weile nicht mehr, und ich gehe davon aus, dass Viola tatsächlich nur wegen Remus so lange durchgehalten hat. Und die ständige Gefahr, der Muggelstämmige mittlerweile ausgesetzt sind, hat auch noch einiges dazu beigetragen. Weißt du übrigens, dass Harfang und Augusta Longbottom auch einen Drohbrief bekommen haben wie damals die Potters?“

Ich erschrak. „Wegen Franks bevorstehender Heirat mit Alice?“, fragte ich schockiert. „Die beiden haben mir kein Wort davon gesagt.“ – „Sie sollen auch nicht darüber reden“, antwortete Pa. „Man weiß nie, wer mithört. Harfang hat es mir erst gestern Abend erzählt, als wir uns zufällig nach Dienstschluss trafen.“ Harfang Longbottom arbeitete auch im Ministerium, und zwar in der Abteilung für Magisches Transportwesen. „Ich konnte nichts weiter tun, als ihm allgemein zur Vorsicht raten, denn wir sind einfach viel zu unterbesetzt, um alle ständig zu überwachen, die solche Drohbriefe bekommen. Es sind mittlerweile ziemlich viele, und das deckt nur die gemeldeten Fälle ab. Wie viele Personen solche Briefe bekommen und es nicht melden, kann nicht einmal geschätzt werden.“ Erschrocken dachte ich an die Potters zurück, die nur wenige Wochen, nachdem sie einen solchen Drohbrief erhalten hatten, Opfer eines Todesser-Angriffs geworden waren.

Zwei Tage später traf ich Remus. Wie ich schon erwartet hatte, war er wegen dem Verhalten seiner Mutter sehr niedergeschlagen. Tatsächlich gab er sich selber die Schuld daran, dass seine Mutter die Familie verlassen hatte, und es gelang mir nicht, ihm diese Gedanken auszureden. Es war ein sehr deprimierendes Gespräch, das wir führten, obwohl Remus sich alle Mühe gab, sich mit mir darüber zu freuen, dass ich endgültig an der Aurorenschule angenommen war. Bei ihm hatte sich in beruflicher Hinsicht noch immer nichts getan, er fand lediglich von Zeit zu Zeit Aushilfsjobs. So hatte er eine Menge Zeit, gemeinsam mit den drei anderen Rumtreibern für den Phönixorden zu arbeiten. Dennoch fand er seine Situation ziemlich unbefriedigend, denn es gefiel ihm ganz und gar nicht, seinem Vater weiterhin auf der Tasche zu liegen.

Am Tag darauf besuchte ich mit Fabian dessen Eltern. Wie immer sah ich diesem Besuch mit gemischten Gefühlen entgegen. Fabians Vater, Robert Prewett, arbeitete im Ministerium in der Abteilung für Magisches Transportwesen. Er war das, was man ein Arbeitstier nennen konnte. Er machte manche Überstunde, so dass seine Familie häufig zu kurz kam. Mit ihm verstand ich mich recht gut. Das Problem war jedoch Edwina, Fabians Mutter. Nicht, dass sie mir gegenüber unfreundlich gewesen wäre, so war es nicht. Aber sie hatte Ansichten über die Rolle einer Frau, die ich einfach nicht teilen wollte und konnte. Für sie gehörte eine Frau in den Haushalt, und genauso hatte sie Molly erzogen. Fabian hatte mir erzählt, dass Molly, als er selbst und Gideon noch sehr klein waren, sie beide ständig bemuttert hätte. Später, als sie größer geworden waren, wäre daraus schon mehr ein Herumerziehen geworden, das die Brüder mitunter genervt hätte. Besonders ihre Unordnung mit ihren persönlichen Dingen hätte Molly oft zur Verzweiflung gebracht.

Bereits kurz nach der Begrüßung kam das Thema auf den Tisch. Kaum hatten wir uns alle im penibel aufgeräumten und sauberen Wohnzimmer von Fabians Eltern hingesetzt, begann Edwina mit missbilligendem Blick die Unterhaltung, indem sie meinte: „Chantal, Fabian hat uns erzählt, du ziehst das, was du dir vorgenommen hast, wirklich durch. Die
Aufnahmeprüfung hast du bereits bestanden. Glaubst du wirklich, Aurorin wäre der richtige Beruf für eine Frau?“

Ich gab mir alle Mühe, gelassen zu bleiben, denn dieses Thema war in der Vergangenheit schon mehrfach durchgekaut worden. „Edwina, es gibt viele Frauen, die Aurorinnen werden. Du kennst doch Dorcas Meadowes, oder nicht?“ Die Meadowes waren eine bekannte Familie gewesen, von der jedoch nur noch Dorcas lebte. Ihre Mutter und ihr Bruder waren bei einem Todesser-Angriff ums Leben gekommen, Dorcas´ Vater war schon seit längerem tot.

Edwina rümpfte ein wenig die Nase. „Dorcas?“, erwiderte sie. „Bei der könnte man sogar Zweifel bekommen, dass sie wirklich eine Frau ist, so unweiblich, wie sie sich gibt. In ihrem Alter noch unverheiratet. Wenn sie noch lange wartet, wird es für Kinder zu spät sein.“ In dieser Art und Weise ging es die ganze Zeit weiter. Und natürlich kam auch das Thema auf den Tisch, wann Fabian und ich endlich heiraten würden. Edwina sah ausgesprochen missbilligend drein, als ich erklärte, dass ich meine Ansichten darüber, bis zum Abschluss meiner Ausbildung damit zu warten, nicht geändert hätte.

Schließlich kam mein erster Tag an der Aurorenschule heran. Alle neuen Schüler fanden sich pünktlich in dem Schulungsraum ein, den wir bereits kannten. Dort wurden wir von einer Frau von Ende 20 in Empfang genommen, die sich uns als Marlene McKinnon vorstellte. Sie begrüßte uns freundlich und rief unsere Namen auf. Sie erklärte uns, dass wir von ihr zukünftig in Tarnen und Maskieren unterrichtet würden. Danach führte sie uns herum. Außer dem Schulungsraum, den wir schon kannten, und zwei weiteren gab es noch Trainingsräume für das Duelliertraining und für waffenlosen Kampf, eine Bibliothek und ein Zaubertranklabor. Mrs. McKinnon erklärte uns, dass sich unser Unterricht im ersten Jahr ausschließlich innerhalb der Schulungsräume abspielen würde, abgesehen von einem Vormittag in der Woche, an dem wir uns als Zuschauer beim Zauberergamot einzufinden hätten. Dies gehörte zu unserer Ausbildung in Zaubererrecht, worin uns Amelia Bones, die stellvertretende Leiterin der Abteilung für Magische Strafverfolgung, unterrichten würde.

Nach der Führung mussten wir uns ins Zaubertranklabor begeben, wo wir unsere erste Unterrichtsstunde in Zaubertrankkunde hatten. Dieses Fach gab Caradoc Dearborne. Wir begannen mit der Herstellung von Vielsafttrank. „Hiervon haben wir immer einen Vorrat bereit stehen“, erklärte uns Dearborne. „Es kann immer Situationen geben, in denen wir uns tarnen müssen. Aber hierzu wird Ihnen Marlene noch Genaueres erklären.“ Dieser Unterricht verlief insgesamt nicht viel anders als der Zaubertrankunterricht in Hogwarts, nur mit dem Unterschied, dass Dearborne seine Aufmerksamkeit auf alle Schüler gleichermaßen verteilte und nicht, wie Slughorn es zu tun pflegte, manche Schüler bevorzugte und andere ignorierte.

Es folgte eine Stunde in Basiszauberei, die von Mrs. McKinnon gegeben wurde, und danach hatten wir Mittagspause. Ich saß mit einer Gruppe von Mitschülern, unter anderem Charles, Joe und Nancy, zusammen, und wir diskutierten über den Unterricht. Bisher, so fanden wir, war alles noch ähnlich abgelaufen wie der Unterricht in Hogwarts. Um so gespannter waren wir auf das, was uns am Nachmittag erwartete, denn wir sollten unsere erste Unterrichtsstunde im waffenlosen Kampf erhalten. „Wozu eigentlich Unterricht in waffenlosem Kampf?“, fragte Nancy. „Kämpfe werden doch mit dem Zauberstab ausgeführt, oder etwa nicht?“ Ich antwortete: „Weil es durchaus auch Situationen geben kann, in denen man nicht mehr dazu kommt, seinen Zauberstab zu ziehen. Und auch auf einen solchen Fall müssen wir vorbereitet sein.“

Mit fast denselben Worten erklärte Fenwick, der für das Training im waffenlosen Kampf zuständig war, den Sinn und Zweck des Unterrichts. Allerdings mussten wir ganz am Anfang lernen, uns so fallen zu lassen, dass wir uns nicht allzu weh taten. Fenwick erklärte uns, diese Fallübungen seien nicht nur für das Training im waffenlosen Kampf, sondern auch für die Duellierübungen sehr wichtig, denn auch bei einem Zauberduell gab es oft genug Situationen, in denen man nur noch die Möglichkeit hatte, sich blitzschnell fallen zu lassen, um nicht von einem Fluch getroffen zu werden. Bruchteile von Sekunden konnten hier oft entscheidend sein, und genau darauf mussten wir vorbereitet werden. Für einige Schüler waren diese Übungen Neuland, und man konnte deshalb auch einiges an Stöhnen und Jammern hören, und völlig ohne blaue Flecken ging der Nachmittag für niemanden herum. Mit diesen Übungen endete dann unser erster Unterrichtstag.


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