
von Vivianne
Titel: Nach dem Kampf ist noch nicht alles vorbei
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 4 - Der Novize
Rating: PG-13
Charaktere: Harry, Hermine, Millicent, Draco, Soée
Sprache: Deutsch
Datum: 21.08.2010
Wörter: 2189
Fandom: Harry Potter
Genre: Romance
Anmerkungen: Irgendwie ist die Geschichte ja schon abgeschlossen. Nur noch nicht gepostet.
Disclaimer: Bis auf Soée gehört mir nix, alles JK Rowling
Nach dem Kampf ist noch nicht alles vorbei
Kapitel 4 - Der Novize
Es schepperte. Harry sah fassungslos auf das Foto. Das konnte doch nicht sein. Wie sollte er Draco erklären, dass er ein Bild von ihm hatte. Nein, die Wahrheit, die wollte er ihm bestimmt nicht erzählen. Doch zu einer Reaktion war Harry nicht fähig.
Draco hob seinen Zauberstab und die Tassen, die zerbrochen auf dem Boden lagen, setzten sich wieder zusammen und schwebten auf den Couchtisch. Danach verschwand die braune Pfütze, die sich zu Harrys Füßen gebildet hatte.
"Hättest du noch etwas Kaffee?", fragte Draco.
Harry nickte monoton und ging erneut in die Küchennische, holte frische Tassen, goss Kaffee ein, kam mit den Bechern wieder zum Sofa zurück und bot Draco einen an.
"Warum hast du ein Bild von ihm?", stellte nun Draco die Frage, die ihm auf der Zunge lag, seit er das Foto gesehen hatte.
Harry schüttelte nur den Kopf. Er konnte nicht. Was sollte er erzählen? Dass er ihn geliebt hatte, ihn immer noch liebte? Sehnsucht überkam ihn. Sehnsucht nach einer gemeinsamen Zukunft. Einer Zukunft, die sie nie erleben konnten. Einer Zukunft, die vor Jahren zerstört worden war. Harry sah die letzten Augenblicke in der entscheidenden Schlacht wieder vor sich. Er sah erneut den grünen Strahl aus dem Zauberstab auf sich zu kommen und im letzten Moment wurde er unterbrochen. ER hatte sich in die Flugbahn geworfen und lag nun zu seinen Füßen. Harry hatte viele seiner Freunde in diesem Kampf sterben sehen, aber dass er IHN verlieren würde, damit hatte er nicht gerechnet. Das durfte nicht sein. Wut stieg in ihm empor. Wie konnte Voldemort es wagen, seine Zukunft zu ruinieren? Entschlossen hob Harry den Zauberstab und sprach den vernichtenden Fluch. Nur wenige Augenblicke danach stand der Körper Voldemorts in Flammen. Später konnte man an dieser Stelle nur noch ein Häufchen Asche finden, das vom Wind in alle Himmelsrichtungen verteilt wurde.
In seinen Träumen blickter er immer wieder in das Gesicht seines Geliebten, das vor Schmerzen verzerrt gewesen war, als er starb. Und auch jetzt konnte er nur die Qual sehen, die er in den letzten Sekunden seines Lebens durchlitten hatte.
Harry starrte an Draco vorbei auf das Bild und hielt krampfhaft die Tasse fest.
Draco setzte sich hilflos auf den Sessel. Er konnte Harrys inneren Kampf sehen. Er konnte sehen, wie Harry versuchte, seine Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Doch es half nichts, je mehr Harry die Tränen unterdrücken wollte, desto glasiger wurden seine Augen.
Draco starrte auf seine Tasse und nippte schließlich daran. Er versuchte krampfhaft herauszufinden, welche Zeitschriften auf dem Couchtisch übereinander lagen. Doch all dies half nichts, als er Harrys Schluchzen in seinem Geist vernahm. Harry stand noch immer neben der Couch und Draco konnte das Beben seiner Schultern erkennen.
'Er ...', begann Harry. 'Wir haben uns Anfang der Siebten öfter in der Bibliothek getroffen. Ich hatte immer noch meine Probleme in Zaubertränke und er ... ihm ...ehlte das Verständnis für die Verteidigung. Irgendwie haben wir uns dann geholfen. Wir trafen uns regelmäßig und ...'
Harry stoppte sich abrupt und sah Draco entgeistert an. Draco schluckte. Er schüttelte den Kopf. Das wollte er nicht hören und doch zerriss es ihn fast vor Neugier. Er wollte erfahren, wie die beiden zusammen gekommen waren, er wollte alles von Harry wissen und das erschreckte ihn. Unverhofft stand er auf, stieß gegen den Couchtisch und die Zeitschriften fanden ihren Weg auf den Fußboden. Rasch kramte er die Magazine zusammen.
"Entschuldigung", murmelte er kaum hörbar und Harry, der immer noch den dampfenden Becher Kaffee in der Hand hielt, blickte ihn verwirrt an. Dracos Blick wanderte zu Harrys Gesicht, als er nur wenige Schritte von ihm entfernt stand. Er sah wie tief Harry in seiner Seele verwundet war, sah den Schmerz in den Augen und wollte Harry einfach nur halten, ihm sagen, dass alles wieder gut werden würde. Erschrocken über sich selbst trank Draco seinen Kaffee aus und verbrannte sich fast den Mund dabei.
"Ich werd dann mal ...", stammelte er und ging zur Tür.
Harry folgte ihm und nahm die Tasse von Draco, die er ihm entgegen hielt. Ewig schien der Moment zu dauern, als sich ihre Fingerspitzen berührten und keiner den Becher loslassen wollte.
***
Harry wusste nicht so recht, warum er wieder in diesem Geschäft stand. Vor wenigen Minuten noch wollte er nur im Park in der Nähe seiner Wohnung spazieren gehen und nun sah er Meisterin Soée zu, wie sie aus einem Klumpen Eisen eine filigrane Figur hämmerte. Der Rhythmus der Schläge hatte etwas Entspannendes und endlich ergriff ein innerer Friede von Harry Besitz. Noch nie hatte er sich so ausgeglichen gefühlt. Alle Last, die er sich selbst auf die Schulter gelegt hatte, schien von ihm zu fallen.
'Wie ich sehe, hast du den Weg hierher wieder gefunden', drangen Soées Gedanken zu Harry hindurch.
Ein wenig irritiert blickte er auf und sah in ihr zeitloses Gesicht.
'Ich weiß nicht, warum ich hier bin.'
Die Druidin schüttelte den Kopf.
'Nein, du weißt es sehr genau. Du willst es nur nicht wahr haben.'
Ertappt, als wäre er beim Naschen von etwas Verbotenem erwischt worden, sah er verlegen weg. Die Figuren, die sich im Regal befanden, schienen etwas tief in ihm auszulösen. Immer wieder rangen zwei Personen miteinander. Sie wollten voneinander loskommen und doch waren sie so ineinander verhakt, dass dies unmöglich war.
'Du musst loslassen. Du kannst nicht auf die ganze Welt aufpassen.'
'Das will ich doch gar nicht.'
Harrys Zweifel waren in seinen Augen ablesbar.
'Dann überlass anderen diese Aufgabe?'
'Wie?'
'Werde wieder du selbst.'
Mit diesen letzten Worten ließ Soée Harry stehen und widmete sich wieder ihrer Arbeit.
'Das kann es doch nicht sein', schrie Harry die Druidin in ihrem Geist an. 'Warum höre ich alle Gedanken? Warum kann ich nicht sprechen?'
Soée schüttelte fast unmerklich den Kopf. Aber wie sollte er es auch wissen, wurde sie sich bewusst. Er besaß eine unglaubliche Macht, doch konnte er sie nicht kontrolliert nutzen. Allein, dass er die Gedanken anderer hören konnte, zeigte sein Potential. Doch nun hieß es, ihn sich erst einmal seiner selbst bewusst werden zu lassen. Solange er seine Magie nicht unter Kontrolle hatte, konnte ihm diese enormen Schaden zu fügen. Es war eigentlich ein Wunder, dass er noch nicht wahnsinnig geworden war. Andere wären schon längst gestorben.
'Was weißt du über Druiden?'
Diese Frage überraschte Harry.
'Druiden sind Magier, die sich der Natur verschrieben haben. Sie schöpfen ihre Kraft aus den Elementen und Lebewesen um sich herum, um diese zu schützen. Als Druide wird man geboren. Jedoch sollte man ausgebildet werden, ansonsten kann man die Zauber nicht kontrollieren. Ein Druide ist immer bestrebt, die Welt im Gleichgewicht zu halten.'
'Und was hat das mit mir zu tun?'
Die Druidin ließ von ihrer Arbeit ab und bedeute Harry, ihr zu folgen. Dem hellen Atelier gegenüber waren in diesem Zimmer die Fenster mit Tüll verhangen, sodass das Licht nur sehr gedämpft den Weg in das Innere des Raumes fand. Ein angenehmer Duft nach Sandelholz, Zimt und einen Geruch, den Harry nicht einordnen konnte, erfüllte die Luft. Soée führte ihn zu dem Tisch, einer einfachen Scheibe aus einem Baumstamm, in der Mitte des Zimmers. Die Stühle daran waren schlicht, in einem Stück aus Holz geschnitzt. Keine unnötigen Verzierungen belasteten die Möbel. Die Kunstfertigkeit überzeugte eher dadurch, dass man annahm, das Holz wäre von allein in dieser, für den Menschen nutzbaren Form gewachsen.
"Nimm Platz", sagte Soée und wies Harry einen Stuhl zu.
"Es gibt nicht viele Druiden. Wer einer von uns ist, kann man in den ersten Lebensjahren schwer einschätzen. Bei einigen tritt die Begabung schon frühzeitig zu Tage. Bei anderen wird sie unterdrückt, meist unbewusst. So sind wir Druiden immer auf der Suche nach den Neuen. Jedoch zieht es die Heranwachsenden auch immer wieder in unsere Nähe, sodass wir sie erkennen können. Selten zieht sich ein Novize derart zurück, dass er uns verborgen bleibt."
Sie machte eine Pause und sah Harry in die Augen. Langsam begann er zu begreifen. Jedoch wollte er es nicht wahr haben. Es reichte ihm schon, der Retter der Zauberwelt zu sein. Er wünschte sich nichts sehnlichster, als ein "normaler" Mensch zu sein. Selbst die Zauberei war ihm zu viel. In den letzten Jahren hatte er kaum von seinem Zauberstab Gebrauch gemacht.
'Und ...'
Harry fand nicht die richtigen Worte. Er hatte eine Ahnung, warum sie ihm von den Geheimnissen der Druiden erzählte, warum sie ihn einweihte. Doch er sträubte sich.
"Du weißt, dass du ein Novize bist."
Harry nickte.
'Können Sie mir helfen?'
Endlich brachte er die Worte heraus, die schon so lange tief in seinem Innersten ruhten.
Die Druidin senkte den Kopf, um ihm gleich wieder in die Augen zu sehen.
"Ich kann dir Hinweise geben. Die Antworten auf deine Fragen musst du selbst finden."
Harrys anfängliche Euphorie wurde sofort wieder gestoppt, als hätte jemand die Notbremse gezogen. Hilflos sah er Soée an. Er wollte die Gedanken um sich herum nicht mehr hören. Jeden Tag aufs Neue kostet ihn unheimlich viel Kraft, die Gedanken aus seinem Kopf herauszuhalten, sobald er unter Menschen kam.
'Wie kann ich wieder zu mir selbst finden?', stellte er nach längerem Nachdenken seine erste Frage.
"Lass die Vergangenheit ruhen. Du kannst niemanden wieder lebendig machen. Lass den Toten ihren Schlaf und sieh nach vorne. Du hast Freunde, die dich unterstützen. Nimm auch von Menschen Hilfe an, von denen du nie ein solches Angebot erwarten würdest", erwiderte sie. "Die Lösung liegt näher, als dir bewusst ist."
Durch das Schellen der Türglocke wurde die Ruhe, die Harry genossen hatte, unterbrochen. Soée ging nun langsam wieder in das Atelier. Harry folgte ihr etwas später. In der Tür stockte er. Das konnte doch nicht sein. Er hörte schon die Gedanken, die auf ihn einströmten, ehe er das Zimmer verließ.
'Draco?', rief er verwundert. 'Warum?'
Draco unterbrach die Unterhaltung mit der Druidin überrascht.
"Ich ...", fing er an zu stottern. "Meisterin Soée fertigt die makellostesten Ringe an, die man erwerben kann. Deswegen wollten wir doch zu ihr."
***
Draco hatte sich mit Soée noch hinsichtlich der Trauringe unterhalten. Und nun standen sie hier in einem Damenbekleidungsgeschäft. Gut, Draco hatte gesagt, diese Boutique sei ein Geheimtipp. Aber wie sollte er den Verkäuferinnen erklären, dass sie ein Brautkleid suchten. Aber Moment, er brauchte nichts erklären, er konnte ja nicht sprechen. Also überließ er es Draco, ihnenklar zu machen, was sie brauchten. Zufrieden nahm er in einem der großen Sessel Platz, die vor den Ankleiden standen, und beobachtete seinen Begleiter.
Draco gestikulierte mit den Händen, um der Verkäuferin, Typberaterin, wie sie gerne bezeichnet wurde, zu erklären, was für einen Hosenanzug er für seine Freundin suchte. Immer wieder nahm er ein Kleidungsstück von den Ständern und veränderte die Zusammenstellung der Ensembles. Warum sie in einen Muggelladen gegangen waren, konnte Harry nicht verstehen. War es nicht in einem Geschäft in der Winkelgasse um einiges leichter, die Wünsche eines Draco Malfoy zu erfüllen? So tief in seinen Gedanken gefangen schlief Harry ein und wurde ziemlich unsanft von einem übel gelaunten jungen Man geweckt.
Draco war schlichtweg unzufrieden mit der Bedienung gewesen. Er hatte nun zwar den Anzug für seine Freundin gefunden, jedoch hatte ihm die Verkäuferin nicht einen Moment weiterhelfen können. Eher hatte er sie hinsichtlich Kundenberatung unterrichtet.
***
Nun saßen sie hier, etwas abseits der Großstadt in einem kleinen Lokal in der Nähe eines Sees. Harry konnte nicht einmal mehr sagen, warum er zugestimmt hatte, mit hierher zu kommen. Ihm war immer noch leicht unwohl, was den Nachwirkungen des Apparierens zuzuschreiben war. Es wirkte so grotesk und surreal, dass er hier mit Draco Malfoy friedlich an einem Tisch saß und ein Glas Wein in den Händen hielt. Dass Draco ihn ausgerechnet in ein Muggeldorf ausgeführt hatte, ja, so konnte man es fast schon nennen, verwunderte ihn mittlerweile keineswegs mehr. Harry hatte schon längst begonnen, sein Bild, das er von seinem Tischnachbarn hatte, zu revidieren. Er war nicht mehr der Muggelhasser, den Harry in seiner Schulzeit kennengelernt hatte.
Auch Draco hatte sich verändert. Wenn er so darüber nachdachte, so hatte der Wandel schon im letzten Schuljahr begonnen. Dass die Malfoys Voldemort entgegen getreten waren, hatte dies nicht nur Harry überrascht, der von Minerva McGonnagall zu den Beratungen hinzugezogen worden war. Draco war bei vielen dieser Versammlungen ebenso anwesend gewesen wie er, jedoch hatte Harry weitaus größere Probleme gehabt, als sich mit den Gründen zu befassen, warum die Familie Malfoy sich von der dunklen Seite abwanden wollte. Wenn er nicht mit Hermine zusammen die Bibliothek nach Hinweisen auf die Horkruxe durchsucht oder mit Alastor Moody und Remus Lupin verschiedene Defensiv- und Angriffszauber geübt hatte, so hatte er sich mit seinem Freund zurückgezogen und die seltene Zweisamkeit genossen. Wehmütig blickte er in das Weinglas, als Draco ihn jäh aus seinen Gedanken riss.
"Wo liegt eigentlich das Haus?"
Harry sah ihn verwirrt an.
"Na das Haus auf den Bildern in deiner ... Wohnung", das letzte Wort spuckte Draco regelrecht aus.
'Godrics Hollow?', war die Antwort. Harry seufzte, ehe er den Blick in die Ferne schweifen ließ. 'Warum willst du das wissen?'
"Es scheint mir der ideale Ort für eine Hochzeit zu sein", erwiderte Draco. Er wusste, dass Godrics Hollow Familiensitz der Potters war.
'Wie ...? Du meinst ...', entgegnete Harry. Verträumt schaute er über den See. 'Ja, Hermine würde es gefallen.'
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