
von GinnyFan94
IN JEDEM ENDE
LIEGT EIN NEUER ANFANG
Der Friedhof war dunkel und verlassen. Kein Mensch war zusehen, außer eine herumstreunende Katze die um die Gräber herumlief und Mäuse suchte. Der Wind peitschte durch die Bäume, sonst war alles still, bis diese Ruhe durch ein lautes Plopp unterbrochen wurde. Die Katze zuckte zusammen und verschwand im Schutz der Dunkelheit. Der Lärm der Sekunden danach auftauchte war störend und nervig, missmutig suchte die Katze sich ein neues Jagdgebiet.
Ein Baby schrie, eine Frau versuchte es zu beruhigen doch das Apperieren hatte das kleine Mädchen zu sehr erschreckt. „Ist doch gut Rosie. Alles gut.“ Die Stimme der Frau sprach ruhig auf das Mädchen ein. „Ich hab dir doch gesagt, wir hätten sie bei Mum lassen sollen. Sie ist noch viel zu jung zum apparieren.“ „Ach quatsch Ron. Ich hab die Heiler gefragt, sie meinten dass geht in Ordnung. Und Molly hat wahrlich genug mir Ginny zu tun. Und jetzt komm, Harry soll Rose kennen lernen.“ Ron war zwar noch immer anderer Meinung, denn er misstraute den Heilern, eigentlich misstraute er jedem dem er sein erstes Kind anvertrauen sollte, mal abgesehen von seiner Mutter. Aber er fügte sich dem bestimmten Ton seiner Frau, wenn auch beunruhigt. Langsam schritten sie den Weg entlang, und langsam beruhigte sich auch Rosie wieder. Still schritt die kleine Familie nun auf das Grab von Harry Potter zu und blieben vor ihm stehen. Sie betrachteten den Grabstein lange, selbst das Baby schien zu spüren dass es jetzt ganz ruhig sein musste. „Hallo Harry.“ Kam es leise von Hermine. „Schau mal wen wir dir mitgebracht haben. Das ist meine und Rons kleine Tochter. Wie haben sie Rosie genannt. Ich finde dass ist ein schöner Name oder? Bald ist ihr erster Geburtstag. Ach Harry, ich wünschte du könntest sie sehen. Sie sieht Ron wahnsinnig ähnlich. Nur die Nase, die Nase hat sie von mir. Ginny ist die Patentante, sie konnte heute nicht mit, ihr geht es nicht so gut. Sie hat hohes Fieber und Schmerzen. Die Heiler meinen sie kommt wieder hoch, aber sie ist noch sehr schwach. Ich wünschte so sehr du könntest jetzt bei uns sein, ich wünschte du könntest einfach für sie da sein. Ich wünschte du könntest dich um Rosie kümmern, mit ihr spielen und sie kennenlernen. Ich wünschte du könntest mit Ginny eine eigene Familie Gründen, es könnte alles so schön sein, warum bist du denn nur nicht mehr hier, warum nicht?“ Tränen tropften auf die Kleidung des Babys und auf dessen Gesicht als Hermine sich abwandte. Das verschreckte Rosie und sie begann wieder zu schluchzen. Sofort streichelte Hermine die Kleine und sprach leise mit ihr während sie auf das Grab schaute. Ron nahm sie in den Arm und sprach dann auch „Hey Alter, ich bin jetzt Papa. Stark oder? Wie hatten solche Angst um Rosie weil sie so spät gekommen ist, aber dann ist doch alles gut gegangen. Ich hab Percy fast um den Verstand gebracht weil ich so hibbelig war. Percy ist auch Pate, er war ziemlich stolz. Aber er hat sich auch verändert, er ist nicht mehr so besserwisserisch. Ja Okay vielleicht noch ein bisschen . Schade dass du nicht dabei sein konntest als die Heiler mir bescheid gesagt haben, ich durfte nämlich nicht mit dabei sein, weil ich Hermine so nervös gemacht habe. Ich hätte dich gebraucht, Mann. Und Ginny braucht dich auch. Sie wollte heute unbedingt mitkommen. Sie ist immer noch so dickköpfig wie eh und je. Mum musste sie fast ans Bett binden damit sie nicht mit Fieber hierherkommt. Sie vermisst dich immer noch Harry, aber sie lacht inzwischen wieder ein wenig. Meistens wenn Neville da ist. Die beiden verstehen sich super, wahrscheinlich weil sie dass selbe durchgemacht haben, Bzw. weil er es immer noch durchmacht. Ginny hilft ihm, sie kann ihn verstehen, sie stützen sich beide. Aber manchmal weint sie noch die ganze Nacht durch, sie glaubt wir wissen es nicht, aber Mum hat es uns erzählt. Ginny hat zwar eine eigene Wohnung ist aber meistens bei uns oder bei Mum und Dad. Wir glauben dass sie nicht gern alleine ist. Ach Harry wir vermissen dich schrecklich.“ Ron redete viel, er erzählte dem Grab seines besten Freundes alles, was er eigentlich dem echten Harry erzählen wollte, er wollte wieder mit ihm lachen und mit ihm scherzen. Mit ihm quatschen und über Probleme reden, aber dass ging nicht mehr, nie wieder. „Nevilles kleine Tochter ist richtig süß.“ Jetzt sprach auch Hermine wieder. „Sie hängt total an Neville und Neville an ihr. Sie plappert jetzt ziemlich oft drauf los, ich frag mich von wem sie das hat, Neville und Luna waren ja nie wirklich gesprächig. Obwohl, wenn Luna über ihre Tiere sprach und er über seine Pflanzen … bin gespannt was die Sonja lieber mag, die Tiere oder die Pflanzen.“ Sie redeten und redeten er zählten Harry noch eine Menge. Aber irgendwann wurde die kleine Rosie ungeduldig und wollte wieder nach Hause. „Wir gehen jetzt noch zu Ginny, bestimmt geht es ihr bald wieder besser, vielleicht kommt sie dich dann nochmal so besuchen.“Leise verabschiedeten die beiden sich und gingen schnellen Schrittes auf den Ausgang zu.
Fast eine Stunde verging. Als die Kirchturm Uhr 10 schlug hörte man erneut ein lautes Plopp. Diesmal war es nur eine einzige Person, ein junger Mann. Er blickte sich suchend um, bis er dann unsicheren Schrittes ebenfalls auf das Grab von Harry Potter zu ging. Er blieb eine Weile einfach nur stehen und starrte auf die Inschrift. Lange Zeit verstrich bis er endlich etwas sagte. „Hi Harry.“ Mehr nicht. Neville Longbottom war zum ersten mal seit Harry Potters Beerdigung wieder hier. Er hatte Harry nie vergessen, aber seine Heirat mit Luna und die vielen Reisen hatten ihn davon abgehalten dass Grab seines alten Kameraden zu besuchen. Vielleicht war es auch einfach Angst vor der Endgültigkeit, wer weiß das schon genau, nicht einmal Neville selbst. Und jetzt stand er da. Er war gerade von Ginnys Krankenbett gekommen, und irgendetwas hatte ihm zum Friedhof gezogen. Er wusste dass es richtig war hier zu sein, er wusste dass er das richtig tat. „Erinnerst du dich noch an mich? Ich bins Neville. Ich hab dich nie vergessen Harry. Du bist echt unglaublich … alles was passierte … Ich weiß alles noch so genau als wäre es gestern gewesen. Wie ihr damals zu mir gekommen seit als ich der Außenseiter war, wie ihr ganz normal mit mir geredet habt und nicht als wäre ich blöd. Ich hab euch damals richtig bewundert, gesagt hab ichs nie, aber es war so. Ich weiß noch wie du mir in der DA beigebracht hast zu kämpfen, ich hab mich zum ersten Mal nicht wie ein Versager gefühlt, und dieses Gefühl hast du mir gegeben. Die ganzen Kämpfe, vor allem in unserm 7 Schuljahr, das alles hast du mir beigebracht. Und jetzt bist du nicht mehr da, nur noch Ron und Hermine. Und Ginny.“ Das letzte sagte er ganz leise, als wäre es verboten. „Sie waren für mich da, als es mir am schlechtesten ging, sind sie sofort zu mir gekommen, nachdem ich Ginny davon erzählt habe. Meine arme Luna. Jetzt ist sie ihrer Mutter gefolgt, und lässt mich mit Sonja allein. Sonja braucht eine Mutter und ….“ Er sprach nicht weiter. Er hatte alles erzählt was es zu erzählen gab, aber irgendetwas war da noch. Irgendetwas hatte er noch auf den Herzen. „Ginny kümmert sich ganz rührend um Teddy. Du müsstest sie sehen. Sie ist eine wundervolle Tante.“ Wieder stockte er. „Ach, ich kann das einfach nicht. Weißt du Harry. Ich habe Luna wirklich geliebt, ehrlich und aufrichtig mit all ihren Macken. Sie war etwas ganz besonderes. Unsere kleine Sonja kommt total nach ihr. Sie hat eine rege Fantasie.“ Wieder schwieg er eine Weile. „Meine große Liebe war Luna nie. Klar ich hab sie geliebt, aber so richtig die total große Liebe war immer eine andere. Mit der Zeit konnte ich vergessen und nicht daran denken. Aber jetzt sind alle Gefühle auf einmal wieder da. Und ich fühle mich so schäbig, weil Luna doch noch nicht lange Tod ist und ich weiß nicht was mit mir los ist.“ Wieder unterbrach er seinen verwirrenden Monolog. Und dann ganz ganz leise kam: „Meine große Liebe war Ginny. Seit dem Weihnachtsball, aber ich wusste dass sie dich liebt. Ich wusste dass sie gehofft hatte von dir gefragt zu werden, aber trotzdem habe ich mich in sie verliebt. Ich hab sie all die Jahre nicht vergessen. Ich hab mich für sie gefreut als ihr zusammen gekommen seid. Weil sie glücklich war.“ Er sprach jetzt hastig und ohne Unterbrechung. „Dann kamen Luna und ich uns näher, Ginny war für mich unerreichbar, als ich mir das klar gemacht hatte, war Luna einfach da und ich habe mich in sie verliebt, meine einzigartige liebe Luna. Dann bist du gestorben, aber Ginny konnte nicht loslassen. Ich erlebte Ginny nur aus der Ferne, konnte ihr nicht helfen ihr nicht beistehen, sie hatte ja all die andern, und wirkte so unnahbar. Luna wurde schwanger und wir bekamen Sonja. Ich war glücklich, wirklich richtig glücklich. Und dann kam der Unfall, Ginny kam um mich zu trösten, Ginny hat mir wieder Kraft gegeben. Und alle Gefühle sind wieder da, ich hab sie zu unterdrücken versucht, aber es geht nicht. Ich liebe sie. Es tut mir leid Harry.“ Eine Träne rollte über seine Wange, warum er genau weinte wusste er nicht, vielleicht um Harry, vielleicht um Luna, vielleicht um seine Mutterlose Tochter, vielleicht um seine Liebe zu Ginny. Vielleicht aber auch wegen allem zusammen. Er wollte grade wieder gehen, er hatte es sich von der Seele geredet, vielleicht hatte Harry ihn da oben gehört, vielleicht auch verstanden, es war ein Trost darüber zu reden. Als der Wind, der schon Ginny umwehte ihn von hinten erfasste. Und auch die Stimme, die Ginny vor Jahren gehört hatte, hörte auch er. „Bleib stehen Neville.“ Wie erstarrt tat er wie geheißen. Drehte sich um, er hatte die Stimme erkannt. „Harry?“ Er schritt langsam auf das Grab zu. „Bbbbist du ein Geist?“ „Nein, aber ich kann dir das nicht erklären, wir haben nicht viel Zeit.“ Eine Nebelgestalt erschien. Verschwommener als ein Geist, und jeder Windstoß zerrte an ihm. Traurig starrte die Gestalt Harrys zu Neville. „Ich bin Tod, Neville, ich werde nie wieder zurückkommen können, aber der Grund, warum ich nicht loslassen kann ist Ginny, sie ist unglücklich. Und sie ist wegen mir unglücklich. Ich möchte nur eins, das Ginny wieder anfängt wirklich richtig zu leben, sowie vor meinen Tod.“ Der Nebelharry seufzte. Neville wollte etwas sagen doch sein Gegenüber schüttelte den Kopf und sprach weiter: „Und ich weiß das du sie wieder glücklich machen kannst. Ich kann nicht für Ginny sprechen, es ist ihre Entscheidung, aber was auch immer passiert ihr müsst keine Sorgen wegen mir haben, ich will nur das Beste für Ginny. Sie soll glücklich werden, mehr will ich nicht und dasselbe wünsch Luna sich auch für dich. Auf wiedersehen Neville und viel Glück.“ Damit verwehte die Nebelgestalt im Nichts, und alles war wie zuvor. Langsam und nachdenklich schritt Neville Longbottem nach Hause, wo seine Tochter lag und schlief. Lange saß er noch an ihrem Bett, und dachte darüber nach, was ihm gerade passiert war.
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