Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Auferstanden - Zuhause - ein schönes Gefühl

von MelRU

Kapitel 3

[Zuhause - ein schönes Gefühl]

Zuhause ist man, wo das Herz ohne Scheu lachen und in Ruhe seine Tränen trocknen lassen kann.


Harry zitterte leicht, als er wieder an diese Nacht dachte. Er war in letzter Zeit einfach viel zu Nahe am Wasser gebaut. Der Junge merkte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Hatte er nicht vorgehabt nicht schon wieder vor seinen Eltern zu weinen? Was sollten sie bloß von ihm denken? Er musste hier raus. „Entschuldigt mich“, murmelte er, während er sich von seinem Stuhl erhob und eilig die Küche verließ, die besorgten Blicke seiner Eltern im Nacken. Harry schritt Blindlinks durch die nächstbeste Türe in das angrenzende Zimmer und lehnte er sich zittrig gegen die Wand. Er versuchte tief einzuatmen, um sich zu beruhigen. Dumbledore war Tod, er konnte nichts mehr daran ändern, ganz egal wie oft er dieses Szenario noch in seinen Gedanken abspielte. Er hätte keine Möglichkeit gehabt einzugreifen. Nein, aber du hast schamlos dabei zugesehen, flüsterte eine dunkle, boshafte Stimme in seinen Gedanken. Ihm wurde schlecht. Er schloss seine Augen während er versuchte an etwas anderes zu denken. Es dauerte etwas, bis die Übelkeit nachließ und sich seine Atmung wieder normalisierte.

Langsam stieß er sich von der Wand ab und betrachtete seine Umgebung genauer um sich etwas abzulenken. Er befand sich in einem großen weitläufigen Raum mit beachtlicher Deckenhöhe, an dessen anderem Ende sich ein Wintergarten befand. Langsam schritt er zu dem Kamin, vor dem eine gemütliche Couch, welche in einem beigefarbenen Leder gehalten war, stand. Auf dem Kaminsims waren ein paar alte, verstaubte Fotos zu sehen, die seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Harry sah in die lächelnden Gesichter seiner Eltern und deren Freunde - es waren schöne Fotos. Aber eben nur Bilder, Momentaufnahmen. Ein kläglicher Versuch damit die Momente einzufangen, sie festzuhalten, die Zeit zu überlisten und mit ihnen wieder zu den Zeitpunkten zurück zu kehren, in denen sie entstanden warer. Aber was sagten Bilder schon über die Wirklichkeit aus?

Geistesabwesend fuhr er über das kalte Glas, welches das Foto einschloss. Wie immer überfiel ihn die melancholische Stimmung, wenn er Bilder seiner Eltern betrachtete, doch dazu gab es keinen Grund mehr. Seine Eltern waren hier, bei ihm. Er war Zuhause. Harry ging weiter in den angrenzenden Wintergarten, von hier aus hatte man eine herrliche Sicht auf das angrenzende Waldstück. Verwundert betrachtete er die abgestorbenen Blumen, welche in etlichen Töpfen auf dem Fenstersims standen. Anscheinend war seine Mutter genau so vernarrt in Pflanzen wie seine Tante. Schade, dass sie alle verwelkt waren. Er seufzte, wer hätte sich schon um die Blumen kümmern sollen? Es war alles so schnell gegangen und von einem Tag auf dem anderen war niemand mehr hier gewesen - dieser Gedanke versetzte ihm einen leichten Stich. „Alles in Ordnung?“ Harry zuckte leicht zusammen, als er die Stimme seines Vaters hörte, er hatte nicht bemerkt, dass er ihm gefolgt war. Er drehte sich zu dem Mann, dem er so ähnlich sah, um und lächelte leicht. Es war irgendwie ein schönes Gefühl zu wissen, dass sich sein Vater um ihn sorgte.


„Keine Ahnung. Es ist irgendwie seltsam hier zu sein. Mit euch. Ich habe immer noch Angst davor einfach aufzuwachen“, antwortete er wahrheitsgetreu. James lächelte ihn verständnisvoll an und legte seinen Arm um Harrys Schultern. „Mit der Zeit wirst du dich daran gewöhnen. Und glaub mir, wir geben dir alle Zeit der Welt, Harryboy.“ James sah aus den Augenwinkeln eine Bewegung hinter dem Fenster. Keine Sekunde später hatte er seinen Zauberstab in der Hand und einen Abwehrzauber auf den Lippen. Doch dann legte er nur leicht den Kopf schief und ließ den Stab wieder sinken. „Will die Eule da etwa zu uns?“, fragte er erstaunt. Harry, noch ganz hin und weg von der Reaktionsschnelligkeit seines Vaters, folgte dessen Blick und entdeckte eine Eule, welche aufgeregt vor dem Fenster hin und her flog. Harry zog die Stirn kraus. „Wieso macht sie sich nicht einfach bemerkbar so wie andere Eulen auch?“ „Wir haben - als du geschlafen hast - ein paar Schutzzauber über das Haus gesprochen. Nur um sicherzugehen, da eigentlich noch niemand von unserer Auferstehung wissen kann und demach nicht auf die Idee kommen könnte uns hier zu suchen. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht“, erklärte James nachdenklich, während Harry zum Fenster schritt, um die Eule hereinzulassen. „Kennst du denn die Eule, Harry?“, fragte er seinen Sohn. „Ja, ich hab sie gerade erkannt, das ist Remus' Eule.“ James Augen begann zu funkeln und all das Misstrauen war verschwunden. „Moony?“, vergewisserte er sich. Harry nickte, während er der Eule den Brief abnahm und ihn entfaltete.

Lieber Harry,

Wie geht es dir? Ich hoffe du fühlst dich besser als bei unserem letzten Treffen. Ich möchte mich noch einmal bei dir entschuldigen, dafür, dass ich gestern nicht mit dir auf den Friedhof gehen konnte. Ich hoffe du hast auf mich gehört und bist nicht auf eigene Faust losgezogen - das wäre viel zu gefährlich gewesen! Wenn du noch immer gehen möchtest, könnten wir heute wie abgemacht die Gräber deiner Eltern und Sirius besuchen. Ich könnte dich von den Dursleys abholen, du müsstest mir nur schreiben, wann ich dich holen soll.

Ich freu mich schon darauf dich zu sehen,
Remus


„Was schreibt er denn?“, wollte James wissen. Sein Sohn überreichte ihm wortlos den Brief. Während sein Vater Remus' Nachricht las, dachte Harry darüber nach, wie er dem Werwolf die Auferstehung seiner Eltern erklären sollte. Seine Frage musste sich auf seinem Gesicht widergespiegelt haben, denn sein Vater sagte, als er den Brief zu Ende gelesen hatte: „Schreib ihm am Besten, dass er hier nach Godrics Hollow kommen soll. Ohne handfeste Beweise würde er dir nicht glauben.“ „Wer soll herkommen?“, fragte Sirius, welcher mit Lily nun ebenfalls das Wohnzimmer betrat. „Moony“, grinste James. Während sich bei der Erwähnung von Remus Spitznamen ein vertrautes Lächeln auf Lilys Lippen legte, grinste Sirius breit. „Das wird den Alten aus seinen gestopften Socken hauen“, lachte er ungeniert. Lily schlug ihm leicht auf den Oberarm. „Das ist nicht nett, Sirius“.

Während sich die beiden leise weiterkabbelten, zauberte James für seinen Sohn Pergament, Feder und Tinte. „Sind die beiden immer so?“, fragte Harry überrascht, während er die Schreibfeder in das Tintenfass tunkte. James grinste. „Deine Mutter hat mal gemeint, sie müsse es in die Hand nehmen Sirius zu erziehen und ich muss sagen, sie spielt die Rolle ziemlich gut. Lily ist eine der wenigen Frauen, von denen sich den alter Patenonkel etwas sagen lässt“, erklärte James und zwinkerte ihm zu. Harry grinste, ehe er schnell eine Antwort auf das Papier schrieb. Danach band er sie dem Vogel ans Bein, streichelte ihr noch einmal durchs Gefieder und dann flog sie aus dem geöffneten Fenster hinaus.

James betrachtete seinen Sohn. „Moony ist dir sehr ans Herz gewachsen, richtig?“ Diese Frage lies Lily und Sirius verstummen, alle sahen sie zu Harry, welcher seinen Blick noch immer aus dem Fenster gerichtet hielt, als er seinem Vater antwortete: „Seit Sirius‘ Tod ist er immer für mich da gewesen. Wir haben uns gegenseitig halt gegeben.“ Weil wir beide die selbe schmerzliche Erfahrung gemacht hatten und wussten, wie sich der jeweils andere fühlte. Remus hatte in dieser schweren Zeit, wo er ihn unterstützt, getröstet und aufgemuntert hatte, einen ganz besonderen Platz in Harrys Herzen eingenommen. Harrys Gedanken schweiften zu Remus' letztem Besuch vor ein paar Tagen im Ligusterweg ...

*


Harry lag auf seinem alten, durchgewetzten Bett in dem kleinen Zimmer und starte an die Decke. Stumme Tränen liefen ihm unbemerkt über die Wangen - es war nicht wichtig. Gar nichts war mehr wichtig. Seit dem Tod seines Paten hatte er sich immer mehr zurückgezogen, er antwortete nicht auf die Briefe seiner Freunde, kam selten aus seinem Zimmer und aß kaum etwas. Er vegetierte schlichtweg einfach so vor sich hin. Es erübrigt sich also zu sagen, dass er erbärmlich aussah. Ein Läuten ließ ihn kurz stutzen. Doch da es sich wahrscheinlich um einen von Dudleys doofen Freunden handelte, schenkte er ihm nicht weiter Beachtung und konzentriert sich wieder auf den Plafond. Er wusste, dass er sich nicht so gehen lassen sollte, das hätte Sirius bestimmt nicht gewollt. Aber es war einfach so schwer, so unsagbar schwer dort weiterzumachen, wo sich aufgehört hatten - allein. Wenn er nicht wieder in seine Tagträume gesunken wäre, hätte er die kurze Auseinandersetzung im Flur, die darauf folgenden Schritte auf der Treppe und das leise Klopfen gehört. Doch so nahm er nichts von all dem wahr.

Remus klopfte leise an Harrys Zimmertür. Als er keine Antwort bekam, drückte er entschlossen die Türklinke nach unten und trat ein. Er entdeckte den Jungen am Bett, wo er teilnahmslos vor sich hinstarrte. Tiefes Mitgefühl raubte ihn für einen Moment die Luft zum Atmen. Leise, um Harry nicht zu sehr zu erschrecken, ging er auf ihn zu und kniete sich neben das Bett. „Harry?“, sprach er den Jungen mit seiner beruhigenden melodischen Stimme an. Remus musste ein Zusammenzucken unterdrücken, als Harry sich zu ihm drehte und ihn die smaragdgrünen leeren Augen anstarten. Der Junge blinzelte ein paar Mal, um zu realisieren, dass er nicht mehr alleine war. Dem Werwolf schien es, als würde Harry nicht einmal auffallen, dass er weinte. Sein Blick wurde traurig. „Du vermisst ihn sehr, nicht wahr“, flüsterte er und strich Harry durch seinen schwarzen Haarschopf, den er von seinem Vater geerbt hatte.

Es dauerte etwas, bis Harry die Bedeutung der Worte seines ehemaligen Lehrers fassen konnte und er war sich sicher, dass dies keines Wegs eine Frage war, denn Harry wusste, dass Remus Sirius genauso vermisste. Er setzte sich mühsam auf und blickte tief in die bernsteinfarbenen Augen des Werwolfes, als würde er nach etwas suchen. „Hört es irgendwann auf so weh zu tun?“ Harry wusste selbst, dass das eine naive Frage war, aber so sehr er sich vor den anderen erwachsen geben wollte, tief im Inneren war er einfach nur ein verletztes Kind, das den wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren hatte. Remus fuhr ein Schauer über den Rücken. Er hatte Harry noch nie so kindlich und verletzlich gesehen. Er setzte sich zu dem Jungen aufs Bett und nahm ihn in den Arm. „Es wird nach der Zeit einfacher, weil du lernst, damit umzugehen, aber der Schmerz wird nie ganz vergehen.“ Als Remus merkte, wie Harry sich verspannte, sagte er leise: „Weine ruhig Harry. Du wirst sehen, danach wird es dir besser gehen.“ Der junge Potter wollte sich die Tränen zurückhalten, wollte vor dem anderen nicht weinen.

Doch als er Remus geflüsterte Worte hörte, brach das, was er seit dem Tod seines Paten zum größten Teil in sich hinein gefressen hatte, damit es vor den andern verborgen blieb, aus ihm heraus. Er schluchzte laut auf und krallte sich wie ein Ertrinkender an Remus Hemd fest. Remus verstärkte nur den Druck seiner Arme und gab ihm halt. Auch ihm selbst liefen ein paar stumme Tränen über die Wangen, doch er hatte James, Lily und Sirius versprochen auf Harry aufzupassen, wenn sie nicht mehr in der Lage dazu waren und das würde er verdammt noch mal auch tun. Nach einiger Zeit beruhigte sich Harry wieder und ließ von Remus ab. Dieser sagte nichts und reichte ihn ein Taschentuch. Harry schnäuzte sich geräuschvoll und nuschelte ein beschämtes Danke. „Dafür nicht, Harry.“ Der Junge blickte auf und stellte fest, dass auch sein ehemaliger Professor geweint hatte. „Deine Freunde machen sich Sorgen um dich.“ „Ich weiß, aber ich wollte einfach alleine sein. Ich wollte vergessen … “

„Und was willst du jetzt?“ Harry blickte zum Fenster hinaus und bemerkte, dass es bereits dunkel geworden war. Er blickte hinauf zum Himmel und suchte etwas. Nach einiger Zeit entdeckte er dann den gesuchten Stern. „Ich bin mir zwar nicht sicher aber ich weiß, was Sirius nicht gewollt hätte. Er hätte nicht gewollt, dass ich mich so gehen lasse, er hätte nicht gewollt, dass ich mein Leben wegen seines Todes ruiniere und er hätte sicher auch nicht gewollt, dass ich meine Freunde so vernachlässige.“ Remus blickte nun ebenfalls zum Himmel und suchte denselben Stern wie Harry vorhin. Und da fand er ihn, den Hundestern - Sirius. „Nein, das hätte er sicher nicht gewollt.“ Eine Zeit lang saßen sie schweigen da und sahen zum Fenster hinaus. Es war keine unangenehme Stille, sie wirkte eher befreiend und beruhigend. Nach einiger Zeit erhob sich der Ältere. „Ich sollte dann wieder gehen, sonst machen sie sich um mich auch noch Sorgen“, schief grinste er Harry an. „Ich verspreche, dass ich ihnen zurückschreibe. Kommst du mal wieder vorbei?“, fast flehend sah Harry den Werwolf an, es hatte so gut getan, dass er gekommen war.

Remus lächelte und nahm ihn noch einmal in den Arm. „Ich komm wieder, versprochen.“ Ihm selbst war dieser Abend auch gut bekommen. „Aber ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal kann, seit Dumbledores Tod, läuft im Orden alles Drunter und Drüber und in zwei Tagen ist Vollmond.“ „Am 31. Oktober“, wusste Harry. Remus nickte.

Harrys Blick wurde nachdenklich und Remus fragte: „Was ist? Worüber denkst du nach?“ „Weißt du, wo meine Eltern begraben wurden?“ Remus hob perplex die Augenbrauen „Weißt du das den nicht?“ Harry schüttelte traurig den Kopf, er wollte schon lange das Grab seiner Eltern besuchen und da wäre der 31.Oktober - ihr Sterbetag - doch ein denkwürdiger Tag. „Sie sind am Friedhof von Godrics Hollow begraben worden, genauso wie Sirius.“ Nun sah Harry Remus verstört an. „Wann wurde denn Sirius begraben?“, flüsterte er, schon wieder den Tränen nahe. Wieso hatte er davon nichts gewusst? Remus seufzte leise. „Naja, nachdem das Ministerium Peter gefasst hatte und Sirius’ Unschuld bewiesen werden konnte, habe ich einen Antrag im Ministerium gestellt, dass Sirius einen Platz neben deinen Eltern bekommt, damit er in Frieden ruhen kann. Das Ministerium hat dem stattgegeben und dort den Grabstein errichtet, aber es gab keine Beerdigungszeremonie.“ „Danke, das ist das Mindeste, was er verdient hat“, hauchte Harry.

„Wenn du möchtest, könnten wir hingehen, nur kann ich an Halloween leider nicht, da ja Vollmond ist. Aber ich kann dich am ersten November abholen, wenn du willst?“, bot ihm Remus an. Harry nickte nur nachdenklich. Remus schien seine Überlegungen richtig zu deuten und sagte: „Geh bitte nicht alleine hin, es wäre viel zu gefährlich!“ Harry blickte auf und sah in schimmernde Bernsteine. „Ich hab versprochen auf dich aufzupassen, ich könnte es mir nie verzeihen wenn dir etwas passieren würde.“ Harry nickte nur gerührt und mit einer letzten Umarmung verließ Remus dann den Ligusterweg, einen immer noch grübelnden Harry zurücklassend.

*


Harry fuhr sich müde über das Gesicht. Der Tag hatte zwar erst angefangen, aber durch diese Gefühlsachterbahn, die er gerade durchlebte, fühlte er sich noch immer erschöpft und ausgelaugt. Überrascht zuckte er zurück, als sich eine zierliche Hand auf seine Stirn legte. Verwundert blickte er in das besorgte Gesicht seiner Mutter. „Geht es dir gut? Vielleicht hast du dich erkältet? Fühlst du dich unwohl?“ Harry fühlte sich bei so viel Zuneigung etwas überfordert. James und Sirius tauschten belustigte Blicke, während Harry stotternd versuchte seiner Mutter zu versichern, dass es ihm gut ging. „Es geht mir gut, Mum. Ich fühle mich nicht krank oder so.“ Lily schien nicht ganz überzeugt zu sein. „Was hältst du davon, wenn du jetzt ein schönes warmes Bad nimmst, während wir dieses Haus wieder auf Vordermann bringen und danach mache ich dir eine schöne große Tasse warmen Tee.“ „Okay“, murmelte Harry mit leicht roten Wangen. Lily fuhr ihm lächelnd durch die Haare. „Dann zeige ich dir am besten gleich einmal das Badezimmer.“ Harry blieb unschlüssig stehen. „Soll ich euch nicht noch schnell beim Aufräumen helfen?“ James lächelte. Sirius hatte nicht übertrieben, Harry war wirklich ein wunderbarer, zuvorkommender Junge. „Schon gut, Harryboy. Sirius und ich werden deiner Mutter natürlich helfen. Nimm du in aller Ruhe ein entspannendes Bad, ich denke, dass die letzten beiden Tage ziemlich anstrengend für dich waren.“

Lily küsste James noch auf die Wange, ehe sie ihren Sohn ihn das Badezimmer im ersten Stock führte. „Ich hoffe wir haben hier noch irgendwo Shampoo und Duschgel“, murmelte sie, während sie die Kästen durchwühlte. Mit einem triumphierenden Grinsen zog sie Gesuchtes heraus und drückte es Harry in die Hand. Danach schnappte sie sich ein Handtuch und ein Badetuch. Als sie die Tücher genauer betrachtete, zog sie die Nase etwas kraus, sprach einen Reinigungszauber und nickte dann zufrieden. Lächelnd sah sie zu Harry. „Brauchst du sonst noch etwas, Schatz?“ „Nein, ich glaube ich hab alles. Danke.“ „Okay, dann werde ich mal sehen, ob ich in James' Kleiderschrank noch Klamotten finde, die nicht von Motten zerfressen worden sind, und werde sie passend zaubern, da sie dir bestimmt etwas zu groß sind. Das muss fürs Erste reichen“, meinte sie nachdenklich, ehe sie ihn mit den Worten: „Lass dir so viel Zeit wie du möchtest, die Wanne ist so verzaubert, dass sowohl die Wärme des Wassers als auch der Schaum bleibt!“ alleine ließ.

Als seine Mutter das Bad verlassen hatte, ließ Harry heißes Wasser in die Badewanne laufen und gab viel Badeschaum hinzu – das hatte er bei den Dursleys nie tun dürfen. Als er sich ausgezogen hatte und in die Wanne stieg, merkte er wieder so richtig wie erschlagen er sich fühlte. Vielleicht hatte seine Mutter gar nicht so unrecht gehabt, er fühlte so richtig, wie das heiße Wasser die Kälte aus seinen Knochen vertrieb. Die letzten Wochen hatten ihn sowohl seelisch als auch körperlich sehr beansprucht. Die schlaflosen Nächte, der Gedanke den Krieg sowieso schon verloren zu haben, die Verzweiflung wegen Dumledores Tod, die Schuldgefühle am Tod seines geliebten Paten und die Stunden die er einsam am Friedhof im Regen verbracht hatte. Ein Schluchzen kämpfte sich seine Kehle hoch und er presste seine Hand gegen seinen Mund. Er schallte sich selbst einen Idioten, wieso weinte er jetzt? Jetzt wo sein größter sehnlichster Wunsch in Erfüllung gegangen war. Er hatte ein Zuhause. Er hatte seine Eltern und Sirius wieder um sich, seine geliebte Familie. Es klang noch immer so unfassbar wie gestern Abend. Er hatte eine zweite Chance bekommen um seine Eltern, von denen er so viel gehört hatte, kennenzulernen. Er konnte mit ihnen reden, er konnte sie alles fragen, was er sie immer fragen wollte. Vielleicht konnte er nun endlich mit ihnen und Sirius glücklich sein? Langsam drifteten die Gedanken unseres jungen Helden wieder in seine Traumwelt ab.

Als Lily nach einigen Minuten leise klopfte, hörte sie nur den gleichmäßigen Atem ihres Sohnes. Leise öffnete sie die Türe und spähte ins Badezimmer. Was sie sah, ließ sie schmunzeln. Harry hatte den Kopf am Wannenrand abgelegt und schlief. Da die Wanne verzaubert war, machte sie sich keine Sorgen darüber, dass das Wasser kalt werden könnte. Darauf bedacht ihren Sohn nicht zu wecken, legte sie ihm die Kleidung, welche sie von James geschrumpft hatte, auf den kleinen Schrank neben dem Waschbecken. Lächelnd schloss sie die Türe. Danach ging sie in James' Büro, wo ihr Mann und dessen bester Freund gerade über einem Blatt Pergament grübelten. „Was treibt ihr beiden denn hier?“ James blickte auf. „Hallo Schatz. Ich weiß wir haben versprochen dir zu helfen und das tun wir auch gleich, aber wir sind gerade dabei, einen Brief ans Ministerium zu schreiben.“ „Das ist gut, ich will mich endlich frei bewegen können, denn wenn mich jetzt die Leute sehen würden, würden sie wahrscheinlich in Panik geraten, da ich eigentlich tot sein müsste“, seufzte Lily. James stand auf und nahm sie in den Arm. „Wir haben das bald geregelt“, meinte er aufmunternd. Lily lächelte ihn dankbar an, ehe er Blick auf Sirius fiel, welcher nachdenklich mit dem Stift in seiner Hand spielte. „Und deine Unschuld werden wir auch beweisen, Sirius. Bald wirst du ein freier Mann sein“, versprach sie ihm. Sirius lächelte sie dankbar an. Niemand von ihnen wusste, dass Sirius' Name bereits wieder restlos hergestellt worden war. „Danke, Lily.“ Lily schüttelte ihren Kopf. „Nicht dafür, Sirius, das ist das Mindeste was wir jetzt für dich tun können.“

Sie wechselte einen kurzen Blick mit James, ehe sie sich wieder an den Paten ihres Sohnes wandte. „Was wirst du tun, wenn deine Unschuld bewiesen ist?“ Verwirrt sah Sirius sie an. „Was meinst du?“ „Wenn du frei bist, kannst du überall hin, wo du willst, Padfoot.“ Sirius nickte langsam. „Ja, das ist die Definition von Freiheit“, sagte er, da er immer noch nicht wusste, worauf die beiden hinaus wollten. „Weißt du Sirius, ich und James haben uns gefragt, ob du gerne bei uns und Harry bleiben möchtest? Ich meine, wenn du dir eine eigene Wohnung suchen möchtest, wollen wir dich nicht aufhalten, aber ich denke Harry würde sich sehr darüber freuen, wenn du hier bei uns bleibst.“ Sirius zog einen Schmollmund. „Nur Harry?“, fragte er weinerlich. James und Lily lachten. „Nein, wir würden uns auch freuen, wenn du hier bleibst, Padfoot. Platz genug haben wir ja in diesem Haus und ich habe das Gefühl, dass vor allem die ersten Wochen und Monate für uns alle ziemlich anstrengend werden.“ Sirius blickte seine Freunde nachdenklich an. „Wisst ihr ich bin gerne bei euch und Harry, aber ihr seid eine Familie und ich denke ihr werdet ein bisschen Zeit brauchen, um euch aneinander zu gewöhnen und ich möchte euch dabei wirklich nicht stören“, erklärte der Erbe der Blacks seine Bedenken. „Sirius hör auf so einen Stuss zu reden! Du als Harrys Patenonkel gehörst zur Familie dazu und basta!“, erwiderte Lily. James grinste breit. „Du hast gehört was meine Frau gesagt hat, Padfoot. Du solltest dich nicht mit ihr anlegen.“ Sirius grinste schief. „Okay, dann werde ich wohl hier bleiben. Danke.“ „Nein. Wir danken dir.“

„Ach ja, James? Harry ist in der Badewanne eingeschlafen. Vielleicht könntest du ihn in circa zwanzig Minuten aufwecken oder ins Bett bringen, wenn er von selbst noch nicht aufgewacht ist?“, fiel Lily wieder ein. James lächelte selig. „Ja, das mach ich gerne.“ Sirius grinste nur. Er hatte es immer schon bewundert, wie fürsorglich die beiden sich um ihren Sohn gekümmert hatten, auch wenn er damals erst ein Jahr alt gewesen war. „Gut danke. Und ich werde schnell in den Laden um die Ecke gehen und ein paar Dinge kaufen, sonst müssen wir hier noch verhungern.“ James sah sie besorgt an. „Soll nicht lieber ich schnell einkaufen gehen?“ Doch Lily winkte ab. „Das endet nie gut, wenn ich dich einkaufen schicke. Mach dir keine Sorgen, James, ich kann schon auf mich aufpassen, immerhin warst du es dir mir den ein oder anderen Zauberspruch beigebrach hat. Ich werde darauf achten, dass mich niemand erkennt und das niemand sieht, dass ich aus unserem Haus komme, okay?“ Ihr Mann seufzte. „Du hast es dir sowieso schon in den Kopf gesetzt, da kann ich es dir eh nicht mehr ausreden.“ Lily nickte. „Eben. Also ich bin in spätestens einer halben Stunde wieder da, in Ordnung?“ Die beiden Männer nickten. „Pass auf dich auf“, bat James, bevor Lily hinausging. Seine Frau lächelte nur beruhigend und küsste ihn auf die Wange. „Das werde ich.“

James sah ihr nach. „Sie kann auf sich aufpassen, Prongs. Und ehrlich gesagt will ich wirklich nicht verhungern.“ Angesprochener lächelte leicht, ehe er wieder ernst wurde. „Ich weiß, aber soviel wir von dir erfahren haben, sind es immer noch gefährliche Zeiten. Ich denke, es ist in Ordnung sich Sorgen zu machen.“ Daraufhin herrschte eine Zeit lang eine betrückende Stille im Raum, ehe sich James wieder an den Schreibtisch setzte. „Lass uns diesen Brief zu Ende schreiben und danach machen wir uns endlich bisschen nützlich. Hier könnte man ja wirklich an einer Staublunge sterben“, meinte er. „Aber wir putzen mit Zauberstab, oder?“, flehte Sirius. James lachte, er konnte sich noch erinnern wie Sirius und er einmal als Strafe von seiner Mum - weil sie wieder irgendwas angestellt hatten - das ganze Haus säubern hatten müssen und das ohne Magie! Seitdem war Sirius allergisch auf Putzen. „Natürlich mit Zauberei!“

Als James zwanzig Minuten später das Badezimmer betrat, musste er schmunzeln. Alle Kinder sahen einfach niedlich aus, wenn sie schliefen, ganz besonders sein Harryboy. Mit zwei Schwenkern seines Zauberstabs waren sowohl Harry als auch die Badewanne trocken und der Junge angezogen. Langsam hob er seinen Sohn aus der Wanne und brachte ihn ins Schlafzimmer. Danach ging er hinunter ins Erdgeschoss, wo er und Sirius ihre Aufräum- und Putzaktion gestartet hatten. Er blieb auf der Treppe stehen, als er Stimmen hörte. Er atmete erleichtert aus, als er eine Stimme eindeutig seiner Frau zuordnen konnte - ihr war also nichts passiert. „Hat er noch geschlafen?“, fragte ihn Sirius, der gerade aus der Küche kam. James nickte. „Ja, ich denke er ist viel erschöpfter als er zugeben will.“ Lily, welche Sirius gefolgt war, sah ihn daraufhin besorgt an. „Das ist typisch Harry, er möchte nicht, dass sich andere seinetwegen Sorgen machen“, erklärte ihnen Sirius. „Dann müssen wir ihm klar machen, dass es die Aufgabe von uns Elternteilen ist, uns Sorgen zu machen.“ Sirius nickte. „Ja, da wird noch etwas Arbeit auf uns zukommen“, sagte er, während er die Fenster im Flur öffnete, um den etwas abgestandenen miefigen Geruch los zu werden.

James indes schritt zu seiner Frau und gab ihr einen Begrüßungskuss. „Hast du alles bekommen, was du kaufen wolltest?“ Lily nickte zufrieden. „Das Nötigste haben wir jetzt zu Hause und wie ich sehe wart ihr auch nicht ganz untätig.“ „Nein, nachdem wir den Brief fertiggestellt hatten, haben wir wie abgemacht angefangen, dieses Haus wieder auf Vordermann zu bringen“, erklärte ihr James. „Gut so. Und während ihr beide hier fleißig weiter macht, werde ich anfangen das Mittagessen vorzubereiten.“ Und so kehrte mit den Bewohnern auch das Leben wieder in das alte Haus zurück.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Die Arbeit mit Steve Kloves war ein Genuss. Er ist fantastisch.
Alfonso Cuarón