
von MelRU
Kapitel 11
[Horkruxe]
Das Vertrauen erhebt die Seele.
Am Sonntagabend beschloss Harry, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Im Moment suchte er etwas Ruhe um die Geschehnisse der letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Er fühlte sich müde und abgespannt, die Angst, das Voldemort sie hier angreifen würde, saß ihn seit dem Überfall alltäglich im Nacken und machte ihm mehr zu schaffen, als er zugeben wollte. Er sog die kalte Luft ein und sah zum Himmel empor, an dem kein einziger Stern zu erkennen war. Nur ein trüber Lichtfleck ließ den Mond hinter fetten Wolken erahnen.
Seufzend ließ er sich auf eine der zahlreichen Bänkchen entlang des Weges nieder und dachte daran, was er in den letzten Wochen erlebt hatte. Er konnte darüber nur den Kopf schütteln, noch immer hatte er das Gefühl in einem Paralleluniversum zu sein. Doch das er jetzt hier saß, war der Beweis dafür, dass er seine Eltern und Sirius wieder hatte, mit ihnen in Godric's Hollow wohnte und endlich versuchen konnte ein normales Leben zu führen. So normal wie es für einen Harry Potter, dem Jungen, der überlebte, eben möglich war.
Seit circa drei Wochen lebte er schon hier in diesem idyllischen, verträumten Dorf und versuchte jede Minute die sich ihm bot mit seinen Eltern und Sirius zu verbringen. In der letzten Woche waren sogar seine besten Freunde hier bei ihnen zu Besuch gewesen. Als er an seine Freunde, schlich sich unbemerkt ein kleines Lächeln auf seine Lippen. Er war froh solche Freunde zu haben, auch wenn er nicht wusste, was er getan hatte, um sie zu verdienen. Sie waren plötzlich in seinem Leben aufgetaucht und seid dem nicht mehr von seiner Seite gewichen, hatten ihn nie im Stich gelassen und unterstützt, wo sie nur konnten.
Seine Gedanken schweiften jedoch unweigerlich zu dem Abend, an dem Voldemort mit seinen Todessern das Muggelrestaurant angegriffen hatte, während sie gerade dort gewesen waren. Ein Gefühl beschlich ihn, als würde sich eine Fessel um seinen Brustkorb legen, die sich beständig zuzog. Die dunkle Nacht erschien in auf einmal wie ein großes schwarzes Loch, dass alles verschluckte und mit sich in die Tiefe zog, ohne es je wieder freizugeben. Zehn Muggel hatten an diesem Abend den Tod gefunden und sechs weitere waren schwer verletzt worden. Sein zartes Gesicht verfinsterte sich. Egal wie viele Lasten er auf sich neben musste, er musste all dem ein Ende bereiten - er würde Voldemort besiegen.
Für seine liebevollen Eltern.
Für seinen geliebten Paten Sirius.
Für seine wundervolle Freundin.
Und natürlich für seine besten Freunde.
Gemeinsam würden sie es schaffen.
Die Schatten, welche sich an seinem Gesicht festgesetzt hatten, zogen von dann und wurden durch ein erleichtertes Lächeln ersetzt. Endlich hatte er begriffen, dass er nicht mehr alleine war und das alles nicht allein durchstehen musste. Er hatte seine Familie und seine Freunde, die ihm halfen. Als ihm das vor ein paar Tagen vollends bewusst geworden war, hatte er sich dazu entschieden seinen Eltern und Sirius etwas über die Horkruxe zu erzählen, doch bis jetzt war noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür gewesen. Sein Vater und Sirius würden morgen wieder zu arbeiten beginnen und er hoffte, dass sich der passende Moment noch ergeben würde, bevor er wieder nach Hogwarts gehen musste.
Er saß noch längere Zeit so da und hing seinen Gedanken nach, bis er sich entschloss, zurück nach Hause zu gehen, da sich seine Eltern sonst Sorgen machen würden. Außerdem hatte er eigentlich vorgehabt früher ins Bett zu gehen, um morgen früh aus den Federn zu kommen.
Als Harry am nächsten Morgen erwachte, blieb er zuerst ein paar Minuten reglos liegen und lauschte den Geräuschen, welche vom Untergeschoss herauf in seine Wohnung drangen. Seine Eltern und Sirius schienen schon auf zu sein. Seufzend hievte er sich aus seinem Himmelbett und schlenderte in sein Badezimmer. Nachdem er sich einer kleinen Katzenwäsche unterzogen hatte, ging er wieder zurück ins Schlafzimmer und wühlte in seinem Kleiderschrank nach passenden Klamotten. Etwas, das für ihn noch immer ungewohnt war, da er bis jetzt nur Dudleys alte Sachen besessen hatte, noch so eine Wendung in seinem Leben, über die er mehr als einfach nur froh war.
Nachdem er sich eine Jeans und einen gemütlichen Sweater überzogen hatte, machte er sich gemächlich auf den Weg in die Küche. Lily saß am Tisch und las mit zusammengekniffenen Augen den Tagespropheten, James stand am Fenster mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand und blickte starr hinaus auf die Straße. Sirius saß ebenfalls am Tisch, blickte etwas mürrisch, aber es war ja allgemein bekannt, dass der Black kein Frühaufsteher war, und, wie könnte es anders sein, frühstückte.
„Morgen“, begrüßte er sie noch etwas verschlafen und ließ sich neben Sirius auf einen Stuhl plumpsen. „Du bist schon wach?“, kam es verwundert von James, welcher sich umgedreht hatte und nun ebenfalls an den Tisch setzte. Harry nickte nur gähnend. Lily lächelte. „Du hättest aber noch schlafen können.“ „Nö, ich wollte mich von den zwei verabschieden und ihnen noch viel Spaß wünschen“, erklärte ihr ihr Sohn. Sirius schnaubte verächtlich. „Den werden wir sicher haben“, gab er sarkastisch von sich. Harry, der schon beim betreten der Küche gemerkt hatte, dass eine bedrückende Stimmung in der Luft lag, zog die Augenbraue in die Höhe.
„Was ist denn passiert?“, fragend sah er zwischen den Erwachsenen Hin und Her. James seufzte, ehe er ihm seine Frage beantwortete: „Es gab heute Nacht einen erneuten Angriff in Birmingham. Dieses Mal kamen vier Muggel und ein Auror zu Tode. Im Propheten steht, dass man noch nicht weiß, wer diesen Anschlag ausgeübt hat, aber die Augenzeugen sprechen von vermummten Gestalten mit Masken.“
„Todesser“, entfuhr es Harry. Sein Vater nickte ernst. „Jeder weiß das, nur Fudge streitet es ab. Aber das, was der Wahrheit entsprechen könnte, ist, dass sie die Hintergründe dafür nicht kennen und soviel wir vorhin von Moony gehört haben der Orden auch nicht“, fuhr sein Pate fort. „Das bedeutet, dass wir heute sicher den Gründen dieses Anschlags nachgehen müssen.“
Seine Mutter reichte ihm schweigend die Zeitung und Harry las sich den Artikel auf der Titelseite rasch durch. Er schüttelte dabei nur immer wieder den Kopf und reichte dann den Tagespropheten wortlos wieder seiner Mum. „Willst du eine Tasse Tee, Schatz?“ Harry nickte nur und schmierte sich einen Toast mit Erdbeermarmelade. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, seine Eltern und Sirius auszufragen - sie wussten nicht mehr als er selbst. In der letzten Woche hatte ein Ordenstreffen stattgefunden, an dem er hatte teilnehmen dürfen und er musste sagen, dass er und seine Freunde es sich bei weiten spannender vorgestellt hatten, als es im Endeffekt gewesen war. Als ihm seine Mutter die große Tasse reichte, bedankte er sich kurz und kaute dann lustlos auf seinem Toast herum.
Das restliche Frühstück verlief schweigend und um kurz vor halb acht verabschiedeten sich James und Sirius von den anderen beiden mit dem Versprechen, auf sich achtzugeben und flohten ins Ministerium. Harry half seiner Mum die Küche sauber zu machen und sah sie dann nachdenklich an. „Und was machen wir zwei jetzt?“ Ohne seinen Dad und Sirius war es im Haus ziemlich ruhig - Harry wusste jetzt schon, dass sie ihm fehlen würden. „Was hältst du davon, wenn ich dir einmal mein Labor zeige?“ Ohne auf eine Antwort zu warten, ging Lily hinaus auf den Flur und zielte die Kellertüre an. Harry folgte ihr mit einem leichten unbehaglichen Gefühl, wenn er an ein Labor dachte, musste er gleich an Snape und dessen Gruselkabinett denken.
Langsam folgte er seiner Mum die Treppen hinunter und was er dann sah, ließ ihn staunen. Die Wände waren Weiß und Orange gestrichen und mehrere Regale, mit Zaubertrankzutaten wie Kräuter oder Flüssigkeiten in verschiedenen Fläschchen, waren angebracht worden. Links stand ein großer Schreibtisch, wo eine Vase mit frischen Blumen darauf stand und rechts war ein großer Tisch mit einem Kessel, einem Schneidbrett, mehreren Messern, einer Waage und noch mehr Zaubertrank-Utensilien. „Und wie gefällt es dir?“, wollte Lily von ihrem Sohn wissen. Sie hatte von Sirius erfahren, dass Harry nicht sehr begeistert von der Kunst des Tränkebrauens war, ganz im Gegensatz zu ihr. Sie wollte Harry keinesfalls zwingen Tränke zu brauen, wenn er dies nicht wollte, aber sie konnte wenigstens versuchen deine Lust am Tränkebrauen zu wecken.
„Das ist ziemlich erstaunlich. Ich meine, ich kenne bisher nur unser Klassenzimmer im Kerker und das Gruselkabinett von Snape, aber das hier ist echt fantastisch!“ Lily lachte nur, sie konnte sich vorstellen, wie es in Severus' Büro ausgesehen haben musste. Mal sehen ob sie es schaffte ihren Sohn davon zu überzeugen, dass Zaubertränke auch Spaß machen konnte. Vielleicht war es am besten, ihn gleich ins kalte Wasser zu werfen. „Hilfst du mir beim Brauen eines Heiltrankes?“ „Ich? Ich bin eine totale Niete in Zaubertränke und …“ „Harry James Potter! Ab dem ersten Dezember werde ich deine Lehrerin sein und ich bestimme, wer eine Niete ist und wer nicht! Ich will mir ein Bild davon machen, was du wirklich kannst.“ „Nicht viel“, erwiderte Harry wenig überzeugt. Warnend hob Lily ihren Zeigefinger. „Okay, okay ich helfe Ihnen, Professor Potter“, hob Harry abwehrend die Hände.
Beide mussten lachen, danach machten sie sich gleich an die Arbeit und nach einiger Zeit musste sich Harry eingestehen, dass das Tränkebrauen mit seiner Mum eigentlich ganz cool war. Sie erklärte ihm alles, was er machen musste und wenn er es nicht verstand, erklärte sie es ihm noch einmal, ohne gleich aus der Haut zu fahren so wie Snape es immer getan hatte. Durch ihre ruhige und gelassene Art schaffte sie es, Harry dazu zu bringen seine Nervosität, da er versuchte alles richtig zu machen, abzulegen und er sich nun besser auf den Trank konzentrieren konnte. „Perfekt“, sagte seine Mutter, während sie gerade den letzten Zaubertrank in eine Phiole abfüllte und diese zu den anderen in den Kasten neben dem Schreibtisch stellte. „Wofür brauchen wir die eigentlich?“, fragte sie ihr Sohn. „Vorrat für eventuelle Notfälle“, erklärte sie ihm. Harry nickte verstehend. Plötzlich hörte er seinen Magen laut knurren. Lily lachte. „Da hat wohl jemand Hunger.“
Harry, der sich doch etwas wunderte, er hatte doch erst gefrühstückt, sah auf seine Uhr und stutzte. Es war bereits zwölf Uhr. Gemeinsam gingen sie in die Küche und kochten zu Mittag, den restlichen Nachtmittag verbrachten sie damit, es sich im Wohnzimmer vorm Kamin gemütlich zu machen und über belanglose Dinge zu reden. Seine Mum erzähle etwas über ihre Schulzeit und danach sprachen sie über die neuen Lehrer in Hogwarts. „Ich bin so froh, dass wir wieder Remus in Verteidigung haben“, offenbarte ihr Harry. „Wieso?“, hackte Lily verständnislos nach. „Er war der beste Lehrer, den wir je hatten!“, entfuhr es ihrem Sohn euphorisch. So erzählte Harry zum Beispiel über die Stunde mit dem Irrwicht oder die Prüfung am Jahresende - den tollen Hindernislauf. Lily lächelte nur verstehend, für sie hatte Remus immer schon den perfekten Lehrer abgegeben.
„Wen haben wir den eigentlich in Verwandlung, wenn McGonagall jetzt Schulleiterin ist?“, wollte Harry von ihr wissen. „Nymphedora Tonks, Sirius Großcousine.“ Harry legte den Kopf leicht schief. Er durchwühlte sein Namensgedächtnis, aber ihm kam der Name nicht bekannt vor. „Kennst du sie?“, fragte er seine Mutter. Als diese daraufhin schallend zu lachen anfing, sah Harry sie verständnislos an. Was war denn jetzt los? „Es tut mir leid, Harry aber ich musste gerade an ein paar ereignisreiche Begegnungen mit Dora denken.“ So erfuhr Harry, dass Dora ziemlich tollpatschig, aber lustig und freundlich war und das sie ihren Namen Nymphedora absolut nicht leiden konnte.
Als sie um sechs Uhr gerade dabei waren den Tisch für das bereits gekochte Abendessen zu kochen, rauschte es im Kamin. Schnell nahm Harry seine Füße in die Hand und spurtete in das gegenüberliegende Wohnzimmer, wo sein Vater und sein Pater gerade aus dem Kamin stiegen. „Dad! Sirius! Und wie war’s? Habt ihr etwas herausgefunden?“ James schmunzelte über die Neugierde seines Sohnes. Sirius lachte. „Dir auch einen wunderschönen Abend, Harry.“ Harry besaß so viel Anstand, um rot zu werden. „Lass uns erst mal gemeinsam in Ruhe essen, ich hab Hunger, hier duftete es auch zu gut“, kam es von Sirius, welcher schon das Esszimmer ansteuerte. Harry und James folgten ihm lächelnd.
Nachdem sie auch Lily begrüßt hatten, versammelten sie sich im Esszimmer und Sirius und James berichteten während des Abendessens, was sich heute alles zugetragen hatte. „Es gibt aber leider keine konkreten Hinweise, welche Hintergründe dieser Angriff hatte, nur vage Vermutungen.“ Harry seufzte deprimiert auf. „Es muss doch irgendeinen Weg geben, dass man solche Angriffe verhindert!“, kam es aufgebracht von Lily. „Der einzige Weg, diese Angriffe zu stoppen, wäre Voldemort zu töten“, kam es nachdenklich von James. „Das glaube ich auch. Aber heute haben sie den ganzen Tag im Ministerium von seiner Unsterblichkeit gesprochen. Bei so einem Blödsinn stellen sich mir die Haare auf. Niemand kann unsterblich sein“, kam es missmutig von Sirius und stach dabei auf seinen Auflauf ein.
Harry fasste einfach spontan seinen Entschluss, bevor er es sich doch noch anders überlegte. „Sie haben damit nicht ganz unrecht. Aber er ist nicht wirklich unsterblich“, gab er leise von sich. Lily ließ ihre Gabel auf den Teller vor ihr fallen. „Was hast du da gerade gesagt?“, fragte sie perplex. Harry holte noch mal tief Luft. „Ich hab gesagt, dass er nicht wirklich ganz unsterblich ist, es gibt einen Weg ihn zu besiegen.“ Verständnislos sah Sirius seinen Patensohn an. "Was? Wie? Woher? Ich meine von wem weißt du das?“ Harry senkte seinen Blick und sah auf seine Hände, hätte er doch bloß nichts gesagt. Er wusste nicht, wie er es ihnen erklären sollte.
„Harry?“, kam es leicht besorgt von seiner Mutter. Er seufzte, jetzt hatte er den Mund aufgemacht, jetzt musste er auch fertig erzählen. „Dumbledore hat es mir gesagt.“ James sah seinen Sohn eine Zeit lang schweigend an, stand dann auf, ging auf ihn zu und kniete sich vor ihn hin. „Harry, bitte sieh mich an.“ Nachdem Harry keine Reaktion zeigte, fasste er ihn unter dem Kinn und zwang ihn somit ihn anzusehen. „Harry, bitte erzähl uns jetzt ganz genau was Dumbledore zu dir gesagt hat.“ Harry blickte seinen Dad in die Augen. Er sah, wie Ernst er auf einmal war, so hatte er seinen Dad noch nie gesehen. Er holte noch einmal tief Luft, ehe er zu sprechen begann: „Er hat eigentlich gar nichts gesagt. Nach seinem Tod habe ich ein Schreiben vom Ministerium bekommen, in dem stand, dass mir Dumbledore einen Brief hinterlassen hat. Daraufhin bin ich ins Ministerium um den Brief zu hohlen. Wartet ich zeig ihn euch schnell.“
Schnell rannte Harry hinauf in seine Wohnung, froh den fragenden Blicken für ein paar Augenblicke zu entkommen, und stürmte zum Nachtkästchen in seinem Schlafzimmer. In der ersten Schublade, wo sich auch der zerbrochene Zweiwegspiegel von seinem Vater und Sirius und sein Fotoalbum befanden, lag ein Brief, auf welchem, in geschwungenen Buchstaben sein Name stand. Er schnappte sich den Brief und nach Kurzem überlegen auch den Spiegel und lief wieder hinunter in das Esszimmer. Dort warteten seine Eltern und Sirius schon ungeduldig auf ihn. Er lies sich auf den Stuhl nieder und überreichte ihnen Dumbledore’s Brief. Sie begannen zu lesen:
Lieber Harry,
dass du diesen Brief in den Händen hältst, bedeutet, dass ich nicht mehr unter euch weile. Es tut mir leid, euch alle in solch einer dunklen Zeit alleine gelassen zu haben. Doch versinke nicht in Trauer und Dunkelheit, denn du bist nicht allein. Vielleicht gibt es jetzt einen alten Narr weniger auf dieser Welt, aber sie ist noch voll von so vielen anderen wunderbaren Menschen. Du hast Freunde Harry, Freunde, die dir immer beistehen werden. Denk an meine Worte: Die Finsternis hat keine Macht über uns, denn wir werden immer ein Licht der Freude und der Hoffnung erleuchten lassen.
Ich erhoffe mir, dir mit diesem Brief eine weitere kleine Hoffnung zu überreichen. Du kennst bereits deine Prophezeiung und solltest somit wissen, dass Voldemort, wie so oft vermutet, nicht unsterblich ist. Es gibt einen Weg ihn zu besiegen Harry. Als Tom 16 Jahre alt war, begann er Informationen über Horkruxe zu sammeln. Horkruxe sind Gegenstände, in denen eine Person Teile ihrer Seele verborgen hält. Du fragst dich nun sicher, wie man seine Seele teilen kann, nun Harry, denk nach. Wie ist es möglich etwas so reines wie eine Seele brutal auseinanderzureißen - durch die böse Tat schlechthin, indem man einen Mord begeht. Das Töten reißt die Seele auseinander. Der Zauberer, der einen Horkrux erzeugen will, nutzt den Schaden zu seinem Vorteil: Er schließt den abgerissenen Teil ein. Er kann dafür alles Mögliche benutzen, alle möglichen Gefäße, Gegenstände aber auch sogar Tiere. Nach meinen Vermutungen hat Tom sechs Horkruxe erschaffen. Der siebte Teil wohnt noch immer in seinem Körper, welchen derjenige, der ihn töten will, als Letztes angreifen muss.
Um dir auch etwas Erfreuliches zu berichten, kann ich dir sagen, dass du bereits einen Horkrux zerstört hast. Nämlich das Tagebuch von Tom Riddle, in deinem zweiten Schuljahr. Auch ich habe bereits einen Horkrux zerstört. Das heißt, es bleiben noch vier Horkruxe übrig. Ich habe die Vermutung, dass dies Hufflepuffs Becher, Ravenclaws Diadem, Slytherins Medaillon und Voldemorts Schlange Nagini sind. Doch die Aufenthaltsorte dieser Gegenstände sind selbst mir nicht bekannt.
Es tut mir schrecklich leid, dass ich dir nun diese Bürde, die Horkruxe zu finden und zu vernichten, übertragen muss, denn mein Tod bedeutet, dass ich es nicht geschafft habe. Versprich mir eines Harry: Erzähle niemandem von diesem Brief und dessen Inhalt, es wäre viel zu gefährlich das dieses Wissen über die Horkruxe weiter verbreitet wird.
Ich hoffe du wirst es schaffen und ich wünschte ich könnte dir weiterhin als dein Mentor beistehen,
Albus Dumbledore
Schweigen. Niemand sagte auch nur ein Wort. Zu geschockt waren sie von dem gerade Gelesenen. Harry sah sie abwartend an. Was würden sie jetzt sagen? Würden sie enttäuscht von ihm sein, da er noch keinen weiteren Horkrux gefunden hatte? James fasste sich als Erster wieder. „Wieso hast du uns das nicht schon früher gezeigt?“, richtete er sich fragend an seinen Sohn. Dieser seufzte. „Weil er geschrieben hat, dass ich es niemandem erzählen soll“, gab er etwas kleinlaut zu. „Hast du einen weiteren Horkrux gefunden?“, fragte ihn Sirius. „Nein, ich … fühlte mich nicht wirklich in der Lage dazu.“ Seine Eltern und Sirius nickten verständnisvoll. „Ist ja auch nicht so wichtig. Jetzt können wir dir ja helfen“, lächelte ihn sein Pate aufmunternd an. „Genau, wir zwei als Auroren, haben im Ministerium die besten Möglichkeiten um einige Informationen zu bekommen.“
„Und Harry kann sich voll und ganz auf die Schule konzentrieren“, fügte Lily hinzu. „Außer er lässt sich von einer gewissen Rothaarigen ablenken“, zwinkerte Sirius seinem Patensohn zu. Harry und James lachten, während Lily Harrys Paten böse ansah. „Sirius!“ „Was denn? Ich hab doch gar nichts gemacht“, wehrte sich der Erbe der Blacks. „Du hast gar nichts gemacht? Dann war das wohl mein Fehler, entschuldige“, erwiderte Lily sarkastisch. „Es freut mich, dass du so verständnisvoll bist“, sagte Sirius daraufhin gutmütig. „Erkennst du eigentlich einen Sarkasmus, wenn man ihn dir auf einem silbernen Tablet vorhält, Sirius?“, fragte Lily süßlich. „Nein, was ist das denn? Schmeckt das lecker?“, spielte Harrys Pate das Spielchen weiter.
Harry sah zu seinem Dad, dieser rollte bei Lilys und Sirius Verhalten nur mit den Augen, lächelte aber trotzdem. Harry lachte ebenfalls, er war diese kleinen Zankereien schon gewohnt und fand sie immer sehr unterhaltsam, besonders da sich seine Mum dann auch nicht immer so erwachsen verhielt, wie sie immer tat. „Du Dad?“ James wandte sich von seiner Frau und seinen besten Freund ab und sah zu seinem Sohn. „Was denn?“ Harry überreichte ihm den Spiegel mit den Worten: „Es tut mir wirklich leid. Er ist kaputt gegangen, ich kann ihn aber nicht mit einem einfachen Reparo reparieren.“ James sah zuerst verdutzt auf den Spiegel, bis er begriff und zu strahlen begann. „Das ist doch mein und Sirius Zweiwegspiegel, oder?“ Harry nickte nur, ehe erfragte: „Kannst du ihn reparieren?“ „Ich denke schon. Dein durchgeknallter Pate und ich werden uns schon etwas einfallen lassen“, erklärte ihm sein Vater grinsend. Harry öffnete gerade den Mund um sich zu bedanken, als er von Sirius unterbrochen wurde. „Hast du mich etwa gerade durchgeknallt genannt?“ James sah ihn unschuldig an. „Ja?“
Während nun diese beiden ein weiteres unterhaltsames Wortgefecht führten, widmeten sich Harry und seine Mutter wieder ihrem Abendessen. Auf Harrys Gesicht legte sich wie so oft in letzter Zeit ein seliges Lächeln. Es gab nichts Schöneres, als hier bei seiner Familie zu sein. Jeden Tag wuchs in ihm nun die Hoffnung heran, an die er sich zu klammern versuchte: Gemeinsam würde er es schaffen.
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