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Fanfiction

Auferstanden - Schlaflos

von MelRU

Kapitel 13

[Schlaflos]

Nimm dir Zeit zum Träumen, das ist der Weg zu den Sternen.


Seufzend gab Harry den kläglichen Versuch Schlaf zu finden auf und setzte sich aufrecht in sein Bett. Abgesehen von den Schlafgeräuschen seiner Freunde war es vollkommen ruhig, so als hätte man einen Stummzauber über die Ländereien von Hogwarts gelegt. Nicht einmal der Ruf einer Eule war zu hören. Harry beugte sich etwas vor und lugte durch einen Spalt des roten Samtvorhanges, welcher sein Bett vor den Blicken anderer schützte. Durch das Fenster drang das Mondlicht in ihr Zimmer und hüllte alles, was ihm in die Quere kam in ein mystisches silbernes Licht. Harry mochte die Nacht, irgendwie hatte sie eine entspannende Wirkung auf ihn. Alles schien zur Ruhe zu kommen.

Zumindest sollte es so sein. Er konnte seine Gedanken einfach nicht abstellen, wie in einer Endlosschleife schoss ihm die Frage in den Kopf wann und wo er den Namen Lorelei Graham schon einmal gehört oder gelesen hatte. Und gleich danach fragte er sich selbst, wieso das für ihn so wichtig war. Er wusste es selbst nicht, aber als er diese Frau gesehen hatte, hatte er irgendetwas gespürt. Irgendetwas Vertrautes, so als würde er sie schon lange kennen, doch er konnte weder ihr Gesicht noch ihren Namen jemandem zuordnen. Er seufzte. Irgendwie sollte er sich ablenken, um einschlafen zu können, denn es war ihm zu blöd Quaffel zu zählen, welche es durch eines der Quidditchtore schafften.

Er ließ seinen Blick über sein Bett schweifen, als er plötzlich seinen Namen hörte. Verwirrt sah er auf. Alle seine Freunde schliefen doch bereits. „Harry? Bist du noch wach?“ Harrys Stirn legte sich in Falten. Das war doch die Stimme seines Vaters - war er jetzt schon verrückt? Plötzlich ging ihm ein Licht auf. Er schob den Vorhang seines Himmelbettes etwas zur Seite und öffnete rasch die Schublade des Nachtkästchens. Geschickte fischte er den Zweiwegspielgel heraus und blickte in das grinsende Gesicht seines Vaters. „Dad?“, fragte er verwirrt. Was wollte sein Vater um diese Zeit noch von ihm. War etwa etwas passiert? „Hey Harry! Wie war die Fahrt?“, wollte James sogleich von ihm wissen. Harry atmete erleichtert aus. Wenn etwas Schlimmes passiert wäre, hätte er es ihm gleich gesagt. „Ganz okay, Malfoy hat uns einmal gestört, doch Mum hat ihn erwischt und gleich mit Punkteabzug gedroht“, grinste Harry zurück. „Oh ja mit deiner Mutter ist nicht zu spaßen. Sie wollte uns damals auch immer Punkte abziehen, als sie Vertrauensschülerin war, doch durch meinen Charme hab ich sie davon abgehalten“, meinte James stolz. „Du meinst wohl eher durch Moonys Überzeugungskraft“, gab Sirius von sich, welcher gerade ins Bild kam.

Harry begann zu lachen, als sein Dad etwas ertappt dreinblickte. „Hey Kurzer.“ „Hey Sirius. Seid ihr denn noch nicht müde?“, fragte der junge Gryffindor verwundert. „Ach was, wir haben gerade die Vorbereitungen für die Endlich-Sturmfrei-Party getroffen.“ James verdrehte bei Sirius Gelaber die Augen, konnte sich ein belustigtes Grinsen jedoch nicht verkneifen. „Wir haben ja auch nicht so eine anstrengende Zugfahrt wie du hinter uns. Du solltest jetzt schlafen gehen Harryboy, sonst bist du morgen im Unterricht nicht ausgeschlafen.“ Harry und Sirius blickten James erstaunt an. „Was ist? Hab ich Dreck auf der Nase oder warum starrt ihr mich so an?“ „Da hat gerade der Vater aus dir gesprochen Prongs: Damit du morgen im Unterricht ausgeschlafen bist“, äffte Sirius seinen besten Freund nach. James schickte ihm einen bösen Blick, durch welchen sich Sirius schnell von Harry verabschiedete und das Weite suchte. Als man die Schritte von Harrys Paten nicht mehr hörte, wandte sich der Auror wieder an seinen Sohn. „Tut mir Leid Harry, ich muss jetzt Schluss machen und deinen Paten killen.“ „Sei nicht zu hart zu ihm, okay?“, lächelte Harry. „Nö, ich brauch ihn ja auch noch, wen soll ich denn sonst ärgern? Schlaf gut Harry!“ „Du auch Dad!“ James zwinkerte ihm noch einmal zu und brach dann die Verbindung ab.

Harry blickte noch immer mit einem wehmütigen Lächeln in den Spiegel, wo er mittlerweile nur noch sein eigenes Spiegelbild sehen konnte. Er zog eine Augenbraue in die Höhe. Es wunderte ihn nicht, dass sein Vater gemeint hatte, er solle sich schlafen legen - er sah wirklich aus, als wäre er gerade aus dem Grabe gestiegen. Wieso fühlte er sich eigentlich so schlapp? So anstrengend war die Zugfahrt nun auch wieder nicht gewesen. Er legte den Spiegel zurück in die hölzerne Schublade und entdeckte dabei sein Fotoalbum, welches er damals in seinem ersten Jahr von dem Wildhüter geschenkt bekommen hatte. Es war in den Ferien um einiges dicker geworden. Vorsichtig nahm er es heraus und schlug das in Leder gebundene Buch auf der letzten Seite auf. Er begann, die Fotos von hinten nach vorne anzusehen.

Die letzten Bilder waren kurz vor Schulbeginn gemacht worden, man sah sie alle bei ihren beinahe täglichen Quidditchspielen, Sirius und James bei einer Verfolgungsjagd, Harry im Garten mit seinem Vater an seiner Seite und Schnuffel zu ihren Füßen oder seine Mutter beim Kochen oder mixen von Zaubertränken. Ab und zu sah man auch Remus in einem Bild auftauchen. Danach kamen die Fotos von Harry, seinen Freunden und den Weasleys. Dann die ganzen Fotos, die sie all die Jahre in Hogwarts gemacht hatten und ganz am Anfang die Hochzeitsfotos von seiner Mutter und seinem Vater so wie einige Bilder aus deren Schulzeit.

Plötzlich stutzte er. Ungläubig blickte Harry auf das Foto vor ihm, welches er gerade aufgeschlagen hatte. „Ich hab’s doch gewusst“, flüsterte er triumphierend zu sich selbst. Auf einem Bild vom Abschlussball 1978 waren Remus, Sirius, seine Eltern und zwei andere Damen zu sehen. Darunter stand:

Abschlussball 1978
Schulsprecherin Lily Evans
Schulsprecher James Potter
Stellvertretende Schulsprecherin Lorelei Graham
Stellvertretender Schulsprecher Remus Lupin
Emily Rickmann
Sirius Black


Alle standen sie lächelnd in der großen Halle. James umarmte Lily, Remus stand links neben ihnen und ein blondes Mädchen - Harry vermutete, dass es sich dabei um diese Emily Rickmann handelte - hatte grinsend einen Arm um seine Schultern gelegt. Sirius stand rechts von seinen Eltern und trug ein braunhaariges, lachendes Mädchen mit wundervollen Locken und intensiven meerblauen Augen huckepack - Lorelei Graham. Da es sich dabei natürlich um ein Zauberfoto handelte, bewegte es sich. Harry war überrascht, als sich Lorelei nach vorne beugte und Sirius einen Kuss auf die Wange drückte. Aber am meisten fesselte ihn Sirius' Blick. Er war so zufrieden und glücklich. Harry wurde augenblicklich schwer ums Herz, als er daran dachte, dass zu dieser Zeit wohl niemand von ihnen erahnt hatte, dass so eine dunkle Zukunft auf sie alle zukommen würde.

Harry schüttelte resolut seinen Kopf. Er wollte jetzt nicht an die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit denken. Er lies seinen Blick erneut über das Bild, welches ihm immer wieder dasselbe Szenario zeigte, schweifen. Bei genauerem Hinsehen bemerkte der junge Potter schockiert, dass Graham einen Slytherinumhang trug. Seine Gedanken begannen, sich wieder unaufhaltsam zu drehen. Was hatten seine Eltern, Remus und Sirius mit einer Slytherin zu tun? So viel zu seinem Plan sich abzulenken. Seufzend legte er das Fotoalbum zur Seite, er würde jetzt und hier sowieso keine Antworten mehr auf seine Fragen bekommen. Er lies sich zurück in sein flauschiges Kissen fallen und blickte auf die tiefschwarze Decke seines Himmelbettes. Er kniff seine Augen zusammen, als er ein Pochen hinter seiner Stirn wahrnahm. Kopfschmerzen hatten ihm gerade noch gefehlt. Vielleicht sollte er doch anfangen Quaffel zu zählen?

Guten Morgen!
Aufstehen!
Morgen!
Harry!
Hey Schlafmütze, aufstehen!


„Jaja, ich bin ja schon wach“, murrte der Schwarzhaarige. Wann war er eingeschlafen? „Na endlich!“, entfuhr es dem Rotschopf. „Wie spät ist es denn?“, nuschelte Harry, der seinen Kopf gegen den Kopfpolster drückte. Er konnte sich gar nicht mehr daran erinnern eingeschlafen zu sein. „Schon halb acht. Wenn du dich beeilst, können wir gleich runter zum Frühstück.“ Von Harry kam ein grunzendes Geräusch. „Ron! Denkst du denn nur mit deinem Magen?“ Ron lachte: „Nein Alter, aber wenn ich nichts im Magen hab, kann ich nicht denken.“ Schmunzelnd schälte sich Harry aus seiner Bettdecke und schlurfte gähnend ins Bad. Er verzog leicht sein müdes Gesicht, als ihm bewusst wurde, dass die Kopfschmerzen wohl doch nicht wie erhofft einfach so über Nacht verschwunden waren.

Als die Jungs dann gemeinsam in den Gemeinschaftsraum traten, waren Hermine und Ginny schon anwesend. Harry und Ron begrüßten ihre Freundinnen mit einem Guten-Morgen-Küsschen und dann ging’s ab zum Frühstück. Während Hermine eine Tasse heißen, schwarzen Kaffee trank und den Tagespropheten las, Ron sein drittes Rührei verspeiste, Seamus und Dean sich angeregt über die diesjährige Quidditch Saison unterhielten, Neville einen Brief seiner Großmutter las und Ginny lustlos an ihrem Toast kaute, hatte Harry seine Arme auf den Tisch gelegt und seinen Kopf darauf gebetet. Lily Potter steuerte auf den Gryffindortisch zu, um ihrer Aufgabe als Hauslehrerin nachzukommen und die Stundenpläne zu verteilen. Als sie ihren Sohn so im Halbschlaf auf dem Tisch liegen sah, musste sie schmunzeln. James war auch immer so ein Morgenmuffel gewesen.

Sie ging auf ihn zu und rüttelte leicht an seiner Schulter. „Hmm?“ kam es verschlafen von Harry, welcher sie blinzend anschaute. „Hier, dein Stundenplan“, lachte Lily. „Wart ihr so lange auf?“, wollte sie dann von ihnen wissen. „Nein, konnte wieder mal nicht schlafen“, gähnte Harry, fuhr sich über seine noch immer müden Augen und verpasste dadurch den besorgten Blick von seiner Mutter. Ihr war aufgefallen, dass Harry auch in den Ferien oft unter Schlafstörungen gelitten hatte. Als seine Mum weiterging, um die restlichen Stundenpläne zu verteilen, warfen Harry und seine Freunde einen Blick auf die ihren.

„Cool! Ich hab deine Mum jetzt gleich in den ersten zwei Stunden!“, freute sich Ginny überschwänglich. „Oh nein! Wie können sie uns das antun. An einen Montagmorgen zwei Stunden Geschichte der Zauberei! Und dann noch mit den Slytherins!“, kam es verzweifelt von Ron. Plötzlich fiel Harry wieder ein, welche Entdeckung er gestern Nacht noch gemacht hatte. „Hey Leute, ich weiß jetzt, woher ich diese Graham kenne“, offenbarte der junge Potter seinen Freunden. „Woher?“ kam es neugierig von Hermine. „Sie ist auf einem Foto von dem Abschlussball meiner Eltern. Gemeinsam mit Sirius und Remus.“ „Wirklich? Das heißt also, dass sie alle miteinander befreundet waren beziehungsweiße sind, oder?“, rätselte Ginny. „Ja vielleicht, aber sie war in Slytherin“, fuhr Harry fort. „Was?!“, kam es geschockt von Ron. „Sie sieht gar nicht so aus.“ „Was soll das heißen Ron?“, kam es misstrauisch von Hermine. Ron, der bemerkte, dass das eben Gesagte durchaus zweideutig gedeutet werden konnte, erklärte schnell: „Naja, sieh sie dir an. Sie sieht gar nicht böse aus. Ich mein - hallo? Bei Snape konnte man es auf den ersten Blick erkennen, dass er zu den Schlangen gehört, aber bei ihr …“ Ron lies den Satz offen im Raum stehen. Hermine legte ihren Kopf leicht schief, jedoch nickte sie schlussendlich leicht.

Nachdem sie fertig gefrühstückt hatten, machten sich die Sechstklässler auf den Weg zum Geschichteraum, während Ginny und Luna hinunter in die Kerker gingen. Als sich das Trio, Seamus, Dean und Neville gute Plätze gesucht hatten, drifteten Harrys Gedanken etwas ab. Er freute sich schon, wenn diese zwei Stunden vorbei waren, dann hatten sie nämlich Verteidigung. Verteidigungsunterricht mit Remus - er merkte, wie sich in seinem gesamten Körper das leichte Kribbeln der Vorfreude ausbreitete. Aber zuerst musste er noch zwei Stunden Geschichte überstehen. Das Kribbeln verschwand so schnell, wie es gekommen war und gelangweilt zog Harry sein neues Geschichtsbuch aus seiner Tasche. Jetzt ergab es auch endlich einen Sinn, er hatte sich nämlich gewundert, dass Bins ein neues Buch gewählt hatte.

Nach und nach füllte sich der Klassenraum. Um Punkt neun Uhr betrat dann Professor Graham das Klassenzimmer. „Morgen Schüler!“ „Morgen Professor Graham!“ schallte es ihr entgegen, diese Begrüßung lies sie schmunzeln. „Ich habe bereits gehört, dass Sie letztes Jahr eine …ähm … sagen wir eine ordnungsfanatische Lehrerin hattet. Aber bei mir reicht das einfache Aufstehen, wenn der Lehrer den Raum betritt.“ Die Schüler seufzten erleichtert auf, was die Lehrerin erneut zum Schmunzeln brachte.

„Wie ihr alle gestern schon gehört habt, ist mein Name Lorelei Graham und ich bin 36 Jahre alt. Ich habe nach meinem Abschluss hier in Hogwarts eine Ausbildung zur Aurorin abgelegt und danach Geschichte der Zauberei und Verteidigung gegen die dunklen Künste studiert“, stellte sie sich selbst vor. „Sind sie verheiratet?“, kam es vom Slytherin Schönling und besten Freund Draco Malfoys, Blaise Zabini. „Nein bin ich nicht, Mr. Zabini. Aber ich habe bereits seit einigen Jahren jemand im Augenschein“, zwinkerte sie ihm zu. Allem Anschein nach schien sie ein bisschen Spaß zu verstehen, sehr zur Freude der Schüler. „Nun, fangen wir mit dem Unterricht an. Zuerst werde ich Ihre Anwesenheit überprüfen und die Liste durchgehen, damit ich weiß, wen ich hier überhaupt vor mir habe, wenn Ihnen das Recht ist.“ Sie nahm sich ein Blatt Pergament vom Schreibtisch und begann die darauf angeführten Namen der Schüler vorzulesen. Bei jedem hob sie den Blick und betrachtete ihn um sich die entsprechenden Gesichter zu den Namen einzuprägen. Bei Harry verweilte ihr Blick etwas länger. Sie betrachtete ihn von oben bis unten und begann leicht zu schmunzeln. Dann erst las sie weiter. Harry zog fragend die Augenbraue hoch. Was zum Henker war das denn gewesen?

„Nun gut. Wer kann mir einen groben Überblick davon geben, was sie in den letzten Jahren durchgenommen haben?“ Hermines Hand schnellte in die Höhe. „Ja Mrs. Granger?“ Hermine begann zu erzählen: „Im ersten Jahr haben wir angefangen mit …“ Nach dem zehnminütigen Vortrag der Jahrgangsbesten nickte die Professorin zufrieden. „Sehr gut, Mrs. Granger zehn Punkte für Gryffindor.“ Diese Worte holten die restlichen Schüler wieder ins Hier und Jetzt zurück, denn bei Hermines Monolog hatten sich so einige von ihnen geistlich verabschiedet. „Gut. Dann werden wir jetzt in unserer ersten Stunde mit dem Koboldkrieg im Jahre 1768 anfangen. Wer von Ihnen kann mir sagen, was Sie bereits darüber wissen?“ Schon wieder war Hermines Hand blitzschnell in der Höhe. Graham schenkte ihr ein leichtes Lächeln. „Lassen wir Ihre Schulkameraden auch etwas tun, Mrs. Granger. Vielleicht wissen Sie etwas, Mr. Potter?“

„Naja, also ...“ Harry stolperte etwas über seinen ersten Satz. Er war ziemlich verwirrt darüber gewesen, dass er angesprochen wurde. Normalerweiße hatte Bins immer einen Monolog geführt, die einzige Ausnahme, die es davon gegeben hatte, war, wenn Hermine ihn etwas gefragt hatte. „Soviel ich weiß, haben die Kobolde einen Aufstand gemacht, da sie sich von den Zauberern unterdrückt gefühlt haben. Sie wollten mehr Rechte, aber die Zauberer waren davon überzeugt, dass Kobolde keine Rechte verdienen, so ist das Ganze immer mehr eskaliert. Die Kobolde haben dann versucht die Hauselfen und einige andere magische Wesen auf ihre Seite zu ziehen, was ihnen dann auch gelungen ist. Und so ist es dann irgendwie zu gewalttätigen Konflikten zwischen den Zauberern und magischen Wesen auf der ganzen Welt gekommen.“ Mrs. Graham nickte. „Weitere fünf Punkte für Gryffindor. Wer von Ihnen kann die Aussage von Mr. Potter noch etwas präzisieren?“

Und so vergingen diese beiden Lehrstunden wie im Flug. Jedes Haus hatte am Ende des Unterrichts so einige Punkte erhalten. Als die Gryffindors das Klassenzimmer verließen seufzte Ron erschöpft auf. „So viel aktive Mitarbeit in Geschichte der Zauberei. Das gehört doch verboten!“ „Ach was Ron, die Stunde war total interessant.“ Sowohl Ron als auch Hermine, welche gerade den Mund aufmachen wollte, um Ron zusammenzustauchen, sahen Harry verwundert an. „Harry, Alter! Was hat sie mit dir gemacht? Hat sie dich verhext? Hat sie dir was ins Essen getan? Oder bist du vielleicht krank?“ Besorgt fühlte Ron Harrys Stirn. „Ron, jetzt hör auf mit dem Scheiß“, wehrte sich Harry, was die anderen zum Lachen brachte. „Harry hat Recht, Ron. Bei ihr macht der Unterricht wirklich mehr Spaß“, belehrte Hermine ihren Freund. Seamus, Neville und Dean nickten zustimmend.

Ron seufzte ergeben: „Naja, egal … was haben wir jetzt?“ „Verteidigung gegen die dunklen Künste zusammen mit den Rawenclaws“ Harrys Gesicht begann noch mehr zu strahlen und er beschleunigte seine Schritte, sodass seine Freunde schon fast einen Sprint einlegen mussten, um mit ihm mithalten zu können. Dank Harrys Tempo waren sie die Ersten im Verteidigungsklassenraum und konnten sich die Plätze in der ersten Reihe ergattern. Pünktlich mit dem Läuten betrat Remus den Klassenraum. „Ich wünsche euch allen einen guten Morgen, setzt euch bitte.“ Schmunzelnd stellte er fest, dass sich Harry und seine Freunde die sonst so verhassten Plätze in der ersten Reihe geschnappt hatten.

„Zuerst … ah, haben Sie bereits eine Frage Mister Finnigan?“, fragte der Werwolf etwas verwundert, als der Ire die Hand hob. Der sommersprossige Gryffindor stand auf. „Ähm, naja … wir wollten Ihnen nur sagen, dass, da wir ja jetzt alle wissen, dass Sie ein Werwolf sind, wir kein Problem damit haben und wir uns freuen Sie wieder bei uns zu haben. Und falls Sie irgendwer doof anmacht, können Sie es uns sagen, wir kümmern uns schon darum.“ Die anderen Gryffindors und die meisten Ravenclaws nickten bekräftigend. Remus sah seine Schüler leicht geschockt an, doch dann zauberte sich ein Lächeln auf sein mitgenommenes Gesicht. „So sehr ich mich auch über Ihre Worte freue Mr. Finnigan, hoffe ich doch, dass ich nie von Ihrem Angebot Gebrauch machen muss“, grinste er zum Schluss noch breiter.

Seamus nickte ernst und setzte sich wieder auf seinen Platz. „Nun denn, ich habe mir den Lehrplan, den Sie letztes Jahr durchgenommen haben einmal genauer angesehen und musste leider feststellen, dass Sie vom Stoff her sehr weit zurückliegen. Da Sie letztes Jahr nur sehr wenige Themen durchgenommen haben und das auch noch sehr ungenau. Deshalb müssen wir zu Beginn den Lehrstoff des letzten Jahres noch einmal durchkauen.“ Gequältes Stöhnen folgte, was Remus schmunzeln ließ. „Es tut mir Leid, aber da kann ich Ihnen nicht helfen meine Herrschaften. Nun den, ich habe mir das so gedacht, dass wir die eine Stunde am Montag für die Theorie hernehmen und dann in der Doppelstunde am Mittwoch in die Praxis übergehen. Sind sie damit einverstanden?“ Gelangweiltes Kopfnicken folgte, wenn interessierte schon Theorie? „Für heute habe ich mir ein sehr spannendes Thema ausgesucht. Dementoren. Wer kann mir sagen was Dementoren sind?“ Sofort war Harrys Hand in der Höhe. Remus lächelte ihn zufrieden an und nickte ihm zu. „Ja, Mr. Potter?“

„Ein Dementor ist eine der verabscheuenswertesten und dunkelsten Kreaturen auf diesem Planeten. Sie werden hauptsächlich an dunklen, dreckigen Plätzen gefunden, und obwohl Muggel sie nicht sehen können, können sie trotzdem ihre Wirkung spüren. Wenn man ihnen zu nahe kommt, hat man das Gefühl nie wieder glücklich werden zu können. Sie saugen all die guten und schönen Gefühle wie Frieden, Fröhlichkeit und Hoffnung aus einem heraus, zurück bleibt nur eine düstere Dunkelheit, die einem zu verschlucken droht. Es ist etwas wie eine Leere, es gibt nichts, kein Licht, kein Ton, nichts. Die Dunkelheit, sie ist so fest und kalt, wie Eis. Überall, innen und außen. Man kann nicht entkommen. Und dann hört man Dinge, das schlimmste, was einem in seinem Leben passiert ist. Man erlebt es wieder und wieder, bis man zusammenbricht und ...“

Harrys Stimme verlor sich. Er fühlte sich, als stünde er etwas neben sich. Sein Blick suchte den von Remus, welcher ihn besorgt musterte. Doch schnell schenkte er ihm - wie er hoffte - ein beruhigendes Lächeln. „Zehn Punkte für Gryffindor. Ich hoffe durch die Schilderungen von Mr. Potter haben die restlichen von Ihnen erkannt, wie wichtig es für Sie wird, sich gegen diese Kreaturen zur Wehr setzten zu können. Wer kann mir sagen was die letzte Waffe der Dementoren ist? Mrs. Hunter?“ Remus war voll und ganz in der Rolle des Lehrers, es war ihm ganz im Gegensatz dazu was er befürchtet hatte ganz leicht gefallen, wieder zu unterrichten. „Der Kuss, mit dem sie einem die Seele aus dem Körper ziehen.“ „Richtig, 5 Punkte für Ravenclaw. Und wer kann mir den Spruch und dessen Anwendung gegen die Dementoren sagen? Mr. Longbottom?“

„Der Spruch lautet Expecto Patronum. Und wenn man diesen Spruch ausführt, sollte man an sein schönstes Erlebnis in seinem Leben denken, denn sonst funktioniert der Zauber nicht. Man kann durch die Form des Patronus feststellen, wie gut die Erinnerung ist. Ist der Patronus nur ein leichter Rauch, so ist die Erinnerung zu schlecht. Wenn man es öfters übt, die perfekte Erinnerung hat und genug Kraft verwendet, kann der Patronus auch eine Tiergestalt annehmen.“ Remus nickte. Es freute ihn, dass bereits so viel Wissen vorhanden war, jedoch hatte der Gedanke auch einen bitteren Beigeschmack, da er wusste, dass dieses Wissen bei einigen von ihnen aus eigener Erfahrung und nicht aus Lehrbüchern stammte. „Sehr gut. Acht Punkte für Gryffindor. Wäre irgendjemand bereit dazu uns einen Patronus-Zauber vorzuführen? Harry?“ Wandte sich Remus an denjenigen, bei dem er wusste, dass er diesen Zauber aus dem Effeff beherrschte.

Der Schwarzhaarige nickte und stand auf. Er richtete seinen Zauberstab in die Mitte des Klassenzimmers und versuchte seine Kopfschmerzen zurückzudrängen und sich zu konzentrieren. Er atmete tief durch und dachte an all die schönen Momente mit seiner Familie, die er in den letzten Wochen erleben durfte. Zuletzt sammelte er noch etwas magische Energie, was ihm nicht so leicht fiel wie sonst, da er heute Nacht nur sehr wenig Schlaf gefunden hatte und seine Energiereserven dadurch nicht voll aufgetankt waren, und rief: „Expecto Patronum!“ Ein blaues strahlendes Licht brach aus der Spitze seines dunklen Zauberstabes und nahm wenige Augenblicke später die Form eines großen Hirsches ein, welcher durch das Klassenzimmer galoppierte.

Plötzlich blieb das augenscheinliche Tier stehen, drehte sich zu seinem Meister um und neigte den Kopf leicht schief, was einige Schüler zum Lachen brachte. „Ist schon gut. Es gibt nichts vordem du mich beschützen müsstest“, sagte Harry sanft. Es war für ihn selbst immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl seinen treuen Patronus heraufzubeschwören. Langsam verschwamm die Gestalt, bis sie nicht mehr zu sehen war. „Sehr gut“, strahlte Remus stolz. Und so verging diese Stunde auch geschwind mit einem Frage und Antwort Spiel, so wie die ersten zwei Stunden bei Professor Graham. Als die Glocke das Ende der Stunde ankündigte, strömten die Schüler aus den Klassen. „Harry? Könntest du noch bleiben? Ich möchte noch kurz etwas mit dir besprechen.“ „Hey Kumpel, wir warten dir vor der Tür.“ „Nein Ron, das müsst ihr nicht. Ihr könnt ruhig schon zum Mittagessen gehen.“ „Aber …“ Ron wurde durch seinen eigenen knurrenden Magen unterbrochen. „Na los geht schon“, sagte Harry lächelnd.

Als seine Freunde durch die Tür verschwunden waren, ging er zu seinem Professor. „Was gibt’s?“ Der Werwolf musterte ihn besorgt. Harry hatte sich die ganze Stunde nicht mehr am Unterricht beteiligt und hatte abwesend aus dem Fenster gestarrt. „Wie geht’s dir?“ Harry seufzte ergeben und ließ sich auf einen Stuhl nieder. „Ich weiß es nicht“, kam es etwas zerstreut von dem Schüler, während er sich die Schläfen massierte. Remus seufzte nun ebenfalls und ließ sich neben Harry auf einen Stuhl fallen. „Willst du darüber reden?“ „Ach, ich weiß ja selbst nicht, was ich hab. Zum einen kann ich nicht mehr richtig schlafen und jetzt musste ich einfach an die Dementoren und die ganzen Begegnungen mit ihnen denken.“ Remus nickte verstehend. „Aber du weißt, dass du dich verteidigen kannst?“, fragte er und sah seinen Schützling durchdringend an. Als Harry nickte, fuhr er fort. „Falls du etwas auf dem Herzen hast, weißt du, dass ich immer ein offenes Ohr für dich habe. Okay?“

Harry nickte und lächelte den Rumtreiber dankbar an. Als er sich erhob, schwankte er, da ihn ein leichter Schwindel überfiel. Er schüttelte sich kurz, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Remus schien davon nichts mitbekommen zu haben. Gemeinsam verließen sie das Klassenzimmer, um runter zum Mittagessen zu gehen. Während sie nebeneinander her schlenderten, war jeder in seine Gedanken versunken. In der großen Halle verabschiedete sich Remus von Harry und ging hinauf zum Lehrertisch, während Harry auf den Gryffindortisch zusteuerte. Ginny begrüßte ihn gut gelaunt und begann ihm zu erzählen, wie toll der Unterricht bei Professor Potter war. Harry hörte ihr nur mit einem halben Ohr zu, während er lustlos in seinem Eintopf herumstocherte, welchen ihn Ron auf seinen Teller gewuchtet hatte. Der Schlafmangel und die Anstrengung machten sich bemerkbar - die Kopfschmerzen wurden langsam unerträglich.

Harry legte seinen Löffel zur Seite und fuhr sich seufzend über die Stirn. Er blinzelte, als seine Sicht verschwamm und kleine schwarze Punkte begannen, vor seinen Augen auf und ab zu tanzen. Er kniff die Augen leise aufstöhnend zusammen und versuchte das Schwindelgefühl zu verdrängen. „Harry? Geht’s dir nicht gut?“, kam es besorgt von Hermine, welche ihren besten Freund prüfend musterte. Harry wollte nicken und ihr sagen, dass es nur Kopfschmerzen waren - immerhin wollte er nicht, dass sie sich Sorgen bereiteten - doch das bereitete ihm nur noch mehr Kopfschmerzen. Immer wieder kippte und drehte sich der Raum, bis es plötzlich dunkel wurde. Das Letzte, was er hörte, war das erschrockene Rufen seiner Freunde.


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