
von MelRU
Kapitel 16
[Das lang ersehnte Treffen]
Nimm dir Zeit zum Nachdenken, das ist die Quelle der Klarheit.
Die Schüler warteten gespannt auf die Reaktion der Professorin, welche prompt folgte. „Soweit ich weiß, bin ich die Professorin Mrs. Parkinson und es ist meine Pflicht Ihnen mein Wissen in dem Fach Zaubertränke zu lehren. Wenn Sie meine Art wie ich den Unterricht führe nicht passt, können Sie gerne gehen.“ Um ihre Worte zu bekräftigen, zeigte Lily demonstrativ auf die Türe. Nachdem Parkinson, etwas vor den Kopf gestoßen, nichts mehr erwiderte, lies Lily sie links liegen und wandte sich wieder den abwartenden Draco zu. „Also wie ich Ihnen bereits sagen wollte Mr. Malfoy, würde ich die Fenchelkräuter noch kleiner schneiden, als es in der Anleitung steht und sie erst ganz zum Schluss beigeben. Dadurch wird die Konsistenz wieder flüssiger und die Farbe wird wieder zu einem dunklen Blau, welches zwar nicht so dunkel wird, wie es sein sollte, aber ein Anfänger würde den Unterschied kaum bemerken.“
„Okay. Danke Professor“, bedankte sich der Slytherin höfflich. Er war froh darüber, dass der Trank noch zu retten war und so wie er Lily Potter einschätze, würde sie ihn auch bewerten und nicht so wie Professor Snape sofort mit einem Nicht Genügend abstempeln. „Gerne Mr. Malfoy“, erwiderte Lily noch, ehe sie sich zu Dean und Seamus wandte, um deren Gebräu zu begutachten. Parkinson, die sich wieder einigermaßen gefasst hat, zischte in den Glauben nicht gehört zu werden, leise: „Wertloses Schlammblut.“ Mit einem Ruck drehte sich Lily wieder um, während Harry schon im Begriff war seinen Zauberstab zu ziehen, doch Neville hielt ihn davon ab und sah ihn mahnend an. Harry schnaubte und blickte wieder zum Geschehen. „Ihr verhalten kostest Slytherin zwanzig Punkte Abzug, des Weiteren werden Sie wegen Beleidigung einer Lehrkraft heute Abend bei Mr. Filch nachsitzen. Haben Sie mich verstanden Mrs. Parkinson?“, ermahnte Lily die Schülerin und Harry war überrascht, wie finster ihr Blick sein konnte, so kannte er seine Mutter gar nicht.
„Nein! Und das werde ich auch nicht tun! Warum sollte ich mir das gefallen lassen?“ Lily, die nicht mehr mit weiterem Widerstand gerechnet hatte, richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. „Ich bin Ihre Lehrerin, und wenn Sie sich nicht zu benehmen wissen, dann ist es meine Aufgabe Sie zu maßregeln. Und wenn Sie es wagen sollten, heute nicht bei Ihrer Strafarbeit zu erscheinen wird es weitere Strafarbeiten hageln, sodass Sie keine ruhige Minute mehr haben werden, von weitern Punktabzügen ganz zu schweigen“, erklärte sie scharf und wandte sich dann, ohne auf eine Antwort zu warten, an Harrys Freunden zu. Als Parkinson, die sich ihrer Lage allem Anschein nicht bewusst war, erneut den Mund aufmachen wollte, ergriff Malfoy ihren Arm und sah sie mahnend an. „Wenn du jetzt den Mund aufmachst, wirst du dir wünschen nie geboren worden zu sein! Wegen dir hat Slytherin schon am zweiten Tag zwanzig Punkte verloren, als zügle deine vorlaute Zunge!“, zischte er wütend. Das brachte Parkinson zwar zum Schweigen, doch warf sie Lily Potter trotzdem böse Blicke zu. Harry hatte kein gutes Gefühl dabei. Er konnte es praktisch riechen, dass das Slytherinmädchen irgendwann einmal richtig über die Strenge schlagen würde. Aber er versprach sich jetzt schon, so gut es ging, auf seine Mum aufzupassen.
„Ich hätte gerne von jedem Team eine Probe des Heiltrankes“, erklärte Harrys Mutter schließlich ruhig. Als alle ihre Tränkefläschchen zur Begutachtung abgegeben und danach ihre Plätze gesäubert hatten, entließ sie die Schüler, obwohl eigentlich noch jede Menge Zeit war. Harry blieb noch kurz zurück und schritt zu ihr an den Lehrertisch. Er sah sie fragend an. „Ist alles Okay Mum?“ Lily lächelte ihren Sohn warm an. „Sicher Schatz, mach dir keine Gedanken darüber. Als Lehrer muss man sich daran gewöhnen, nicht von allen Schülern gemocht zu werden. Und im Gegensatz zu dem, was sich Remus immer anhören muss, war das hier sicher harmlos“, erklärte sie ihrem Sohn. „Da hast du wohl recht.“ Lily schmunzelte. „Ich weiß und jetzt beeil dich. Ich möchte keine Klagen darüber hören, dass du zu spät in den nächsten Unterricht gekommen bist.“
Nachdem die Gryffindors noch Pflege magischer Geschöpfe hinter sich gebracht und schlussendlich ihr Abendessen verspeist hatten, kehrten Harry und seine Freunde in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum zurück und versammelten sich auf dem großen Tisch vor dem Fenster, um ihre restlichen Hausaufgaben zu erledigen. Da sie sich wie üblich gegenseitig halfen, waren die Aufgaben auch schnell gelöst, was vor allem Hermines Wissen zu verdanken war. Danach lies Ron seinen besten Freund beim Schachspielen gnadenlos verlieren, während die anderen ‚Snape-Explodiert’ spielten. Nach und nach füllte sich der Gemeinschaftsraum und Harry starrte, nachdem er zum vierten Mal haushoch gegen den Rotschopf verloren hatte, lustlos in die Flammen des Kamins. Ginny hatte sich schon vor einer halben Stunde verabschiedet, sie musste etwas mit ihrer Freundin klären. Neville hatte sich auf den Weg gemacht um Luna zu treffen und Dean und Seamus waren schon oben im Schlafsaal. Seine beiden besten Freunde saßen neben ihm auf der Couch und waren ganz mit sich selbst beschäftigt. Harry seufzte leise, wie konnte man von so vielen Menschen umgeben sein und sich trotzdem einsam fühlen?
Schnell erhob sich der Schwarzhaarige aus seinem Sessel und schlich unbemerkt durch das Porträt hinaus auf den Gang. Einige Zeit lief er einfach planlos durch die Gänge, doch dann entschied er sich dazu, Remus einen Besuch abzustatten, der Werwolf hatte ihm doch angeboten, jederzeit zu ihm zu kommen. Auf halber Strecke blieb Harry plötzlich stehen und lauschte. Er hörte seltsame Geräusche, die aus dem nächsten Quergang zu kommen schienen. Es klang, als ob eine Rüstung über den Gang geschleift werden würde. Gleichzeitig kicherte jemand wie irre vor sich hin. „Das ist Peeves! Schnell weg!“, dachte er und schob sich schnell in eine Fensternische, die halb hinter einer Säule versteckt war. Dann lauschte er hoffnungsvoll auf die sich langsam entfernenden Geräusche — auf eine Begegnung mit Peeves, dem Poltergeist hatte nun wirklich niemand Lust. Nach einer Weile stieß Harry erleichtert die Luft aus, Peeves schien einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Gerade als er sich wieder auf den Weg machen wollte, blieb sein Blick am Fenster hängen. Er blickte hinaus und entdeckte am Seeufer des schwarzen Sees zwei Personen — ein Mann und eine Frau. Die Frau trug hellgrüne Roben und ihr langes, violettes Haar war zu einem Pferdeschwanz geflochten, der Mann war schlicht gekleidet und überragte sie um einen Kopf. Die beiden standen dicht nebeneinander und schienen in ein angeregtes Gespräch vertieft.
Harry, der ganz vergessen hatte, dass er eigentlich zu Remus' Büro wollte, blieb stehen und beobachtete die beiden. Sie wandten sich gerade dem See zu, wobei der Mann seinen Arm um die zierlichen Schultern der Frau legte, während sie den Kopf gegen seine Schulter lehnte. Der Gryffindor kam nicht umhin, breit zu grinsen. Das waren doch einmal gute Neuigkeiten. Schnell drehte er sich auf dem Absatz um und lief wieder hoch zum Gemeinschaftsraum, wo ihm schon eine aufgebrachte Hermine entgegen kam. „Harry James Potter! Wie kannst du es wagen einfach so zu verschwinden, wir haben uns Sorgen gemacht!“ Harry hob abwehrend die Hände. „Sorry Mine, aber ich wollte Remus einen Besuch abstatten.“ Bevor Hermine weiter schimpfen konnte, ging Ron dazwischen. „Und wieso bist du schon wieder zurück?“, fragte er seinen bester Freund. „Setzten wir uns hin, dann erzähl ich euch alles.“ Und so erzählte ihnen der Goldjunge Gryffindors von seiner Beobachtung. „Ach wie süß“, seufzte Hermine verträumt. Ron grinste nur schelmisch: „Sieh mal einer an, Professor Lupin und Professor Tonks — wer hätte das gedacht?“
Beim Frühstück am nächsten Morgen wussten es natürlich auch schon Dean, Neville, Seamus, Ginny und Luna. Sie alle warfen immer wieder verstohlene Blicke zum Lehrertisch, aber es gab enttäuschenderweise nichts Auffälliges zu beobachten, die beiden Professoren benahmen sich wie immer, und das hieß, dass sie sich durchaus angeregt miteinander, aber auch mit den anderen Lehrern unterhielten. „Ihr benehmt euch unmöglich“, zischte Hermine leise. „Lasst die beiden doch in Ruhe!“ Ron grinste sie an. „Wir hoffen doch bloß für Professor Lupin, dass er glücklich wird“, flüsterte er mit viel Pathos zurück. Als er Hermines missbilligenden Blick sah, setzte er ernster hinzu: „Naja, er hätte es doch wirklich mal verdient, oder?“ Hermines Blick wandte wieder zum Lehrertisch und ein sanftes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, ehe sie leicht nickte.
Die restliche Woche verging so schnell und turbulent wie sei begonnen hatte. Die Spekulationen rund um Malfoy und Prfoessor Graham waren durch die beachtliche Menge an Hausaufgaben, etwas in den Hintergrund geraten und die Freunde waren im Stillen übereingekommen, dass sie das Thema erst einmal auf Eis legen würden, bis sie mehr Informationen hatten, die wie sie hofften am Sonntag gemeinsam mit James und Sirius eintreffen würden. Am Samstagabend verlies Harry wieder einmal unbemerkt von seinen Freunden und seiner Freundin den Gemeinschaftsraum. Er brauchte einfach mal wieder Zeit für sich. Seine Schritte führten ihn wie von selbst hinauf zum Astronomieturm, wo er es sich auf der Fensterbank aus weißem Marmor gemütlich machte und den funkelten Sternenhimmel betrachtete. Er verlor sich in belanglosen Gedanken und zuckte zusammen, als er hörte, wie die Tür knarrte. Harry fuhr erschrocken zusammen, sein Blick fiel auf Mrs. Norris, der Katze von Filch. Schnell erhob er sich und glitt aus dem Turm, als er auch schon die dumpfen Schritte des alten Hausmeisters hörte. Nach einem kurzen Blick auf seine Armbanduhr stellte, er fest, dass schon längst Ausgangssperre war. Schnell rannte er den nächstbesten Gang entlang und er bemerkte gar nicht, wo ihn seine Schritte hinführten, bis er plötzlich vor dem Raum der Wünsche stand. Hastig riss er die Tür auf und glitt durch die hölzerne Pforte.
Leicht keuchend lehnte er sich an die Türe und lauschte, ob draußen etwas zu hören war. Als er nichts hörte, atmete er erleichtert aus und schritt wieder nach draußen, doch als er sich wieder auf den Weg zum Gryffindorturm machen wollte, spürte er, wie sich eine Hand auf seine Schulter legte. Erschrocken zuckte er zusammen. „Hey Harry. Wo warst du denn?“ Verwundert drehte sich Harry um. „Neville?“, fragte er überrascht, während sich sein Herzschlag langsam wieder normalisierte. „Live und in Farbe“, grinste der einst so schüchterne Junge zurück. „Was machst du um diese Zeit noch außerhalb des Gemeinschaftsraums?“, wollte der Potter von ihm wissen. „Dasselbe könnte ich dich auch fragen, Harry. Ich habe mich noch mit Luna getroffen. Und du?“ Harry nickte verstehend. „Ich war auf dem Astronomieturm, um nachzudenken.“ Neville beobachtete ihn von der Seite, als er fragte: „Du denkst in letzter Zeit ziemlich oft nach, ist es wegen Voldemort?“ Harry seufzte. Während sie sich gemeinsam auf den Weg zum Gryffindorturm machten, antwortete er: „Unter anderem. Genauso wie über meine Eltern. Über Sirius. Über Ginny. Über Remus. Über meine Freunde. Über die Schule. Einfach über alles“, frustriert raufte er sich die Haare.
„Hey, schalte einmal eine Gang zurück und beruhige dich. Mach dich wegen dem nicht so fertig, du hast deine Eltern, die dich unterstützen, genauso wie Sirius und natürlich uns alle. Also vertrau auf uns und auch dir selbst, und falls du jemandem zum Reden brauchst, ich werde immer ein offenes Ohr für dich haben.“ Freundschaftlich legte er Harry die Hand auf die Schulter. „Danke Neville, dass bedeutet mir sehr viel.“ Der etwas größer Junge winkte ab. „Nichts zu danken. Wann kommt denn dein Dad morgen?“ Harry überlegte. „Ich weiß es noch nicht genau, ich hoffe bald, ich möchte endlich Antworten. Kommst du mit Luna jetzt auch?“ „Wenn es euch wirklich nichts ausmacht, würden wir gerne kommen.“ „Neville, ich hab dir doch schon tausend Mal gesagt, dass …“ Neville hob die Hand. „Ist ja gut Harry, ich habe es verstanden“, unterbrach Neville Harrys kommenden Vortrag grinsend.
Am Sonntagmorgen war Harry der erste Junge im Schlafsaal, der fertig angezogen war. Nach einigen Anläufen schaffte er es auch, die restlichen Jungs wach zu bekommen und trieb sie runter in den Gemeinschaftsraum. „Ihr seid schon wach? Wir haben mit euch erst in einer halben Stunde gerechnet“, kam es überrascht von Hermine, welche es sich mit Ginny auf einer Couch gemütlich gemacht hatte. Von Ron erhielt sie nur ein unverständliches Gemurmel, was die anderen Jungs zum Lachen brachte. Nachdem die zwei Mädchen ihren Guten-Morgen-Kuss bekommen hatten, machten sie sich auf den Weg zum Frühstück. Harrys Augen suchten sofort den Lehrertisch ab, als die Gruppe die Große Halle betrat. Enttäuscht stellte er fest, dass weder von seiner Mutter, noch von Remus eine Spur zu sehen war. „Sie kommen sicher bald“, versuchte Hermine ihren besten Freund aufzumuntern. „Stimmt. Heute ist ja Sonntag, der Tag, an dem normale Menschen ausschlafen und nicht um halb acht zum Frühstück rennen“, kam es mürrisch von Ron, der sich noch immer den Schlaf aus den Augen rieb.
„Du hättest ja noch im Bett bleiben können, Ron. Niemand hat dich gezwungen aufzustehen“, motzte Harry retour. Wenn man seinen Blick über den schwarzhaarigen Jungen schweifen lies, vielen einem sofort die dunklen Ringe unter seinen smaragdgrünen Augen auf, welche darauf schließen ließen, dass er nicht viel geschlafen hatte und dementsprechend reizbar war. „Ach nein? Wer ist denn wie ein aufgescheuchtes Huhn herumgelaufen und hat uns zum Frühstück gezehrt“, hielt Ron seinem besten Freund vor. Dieser schnaubte. „Das hab ich gar nicht!“, verteidigte er sich, wobei die Sekunden, in denen er gezögert hatte, zeigten, dass er sich durchaus bewusst war, dass sein bester Freund recht hatte, aber es nur nicht zugeben wollte. Die anderen Gryffindors und Luna, welche zu ihnen aufgeschlossen hatte um Neville zu begrüßen, spürten, dass sich hier ein Streit anbahnte, und versuchten, das Thema zu wechseln. „Komm Bruderherz, die Semmeln sind sicher noch ganz warm, das magst du doch am liebsten“, machte Ginny einen ersten Versuch. Sie wusste, genauso wie die anderen, dass Harry einfach seinen Vater und seinen Paten wieder sehen wollte und Angst hatte, dass diese nicht kommen würden.
„Versuch nicht das Thema zu wechseln, Ginny. Harry ist seit heute Morgen total durchgedreht und kein Mensch weiß warum. Also was hast du für ein Problem, Alter?“ Allem Anschein nach schien auch der Rotschopf keine erholsame Nacht hinter sich zu haben, denn auch er wirkte leicht aufgewühlt. „Was ich für ein Problem habe? Ich hab ein Problem damit das du …“ Hermine schritt ein. „Harry! Sag jetzt nichts, was du später bereuen würdest“, mahnte sie ihren besten Freund. Doch bevor irgendjemand auch nur irgendwas darauf erwidern konnte, betrat Remus Lupin die Große Halle und steuerte sogleich auf Harry und dessen Freunde zu, als er sie erblickte. „Guten Morgen, allerseits. Harry, ich soll dir von deiner Mutter ausrichten, dass wir das Frühstück heute in ihrem Büro einnehmen sollen.“ Harry nickte. „Gut“, gab er noch grimmig von sich, ehe er seinen Freunden, ohne ein weiteres Wort, den Rücken zukehrte und die Halle.
Remus hob aufgrund dieses für Harry sehr untypisches Verhalten überrascht eine Augenbraue. „Was ist mit ihm?“, wandte er sich leicht besorgt an Harrys Freunde. „Er ist nun völlig durchgedreht“, kam es mürrisch von Ron, ehe auch er sich von ihnen abwandte und an den Gryffindortisch setzte, um zu frühstücken. Nun zog der Werwolf auch seine zweite Augenbraue nach oben. Irgendetwas stimmte hier nicht. Was war denn den beiden Jungen für eine Maus über die Leber gelaufen? „Harry ist nervös, weil er nicht weiß ob James und Sirius nun kommen können, oder nicht“, erklärte ihm Ginny. „Und da er sich schon so darauf freuen würde, hat er uns heute alle sehr früh aus dem Bett geworfen“, fügte Neville hinzu. „Und da Ron ein totaler Morgenmuffel ist, ist er jetzt ziemlich schlecht drauf“, gab Seamus seinen Senf dazu. „Zusammengefasst: Er und Harry haben sich gerade gestritten. Wegen eines sehr dummen Grundes, nebenbei bemerkt. Du solltest Harry hinterher, ich geh mal zu Ron und werde ihm mal richtig den Kopf waschen. Das kann es doch nun wirklich nicht sein.“ Und so stampfte Hermine mit den anderen zum Gryffindortisch, um Ron die Leviten zu lesen, während Remus dem Sohn seiner Kollegin und besten Freundin folgte.
Da Harry lustlos und demnach nicht gerade im Eiltempo durch die Gänge stampfte, hatte ihn sein Professor schnell eingeholt. „Hey Harry. Ist alles Okay?“ Der Junge seufzte tief. „Ich hab mich gerade mit Ron gezofft.“ Remus passte seine zügigen Schritte, die seines Schülers an. „Das habe ich schon gehört, und wenn du mich fragst, war dieser Streit ziemlich unnötig.“ Harry gab Überraschenderweiße ein belustigtes Schnauben von sich. „Bei dir kann ich mir sicher sein, dass du mir immer die Meinung sagst, was?“ Kurz lächelten sie sich an, bis Harry wieder ernst wurde. „Ich werde später mit ihm reden. Ich weiß ja auch, dass ich gerade unerträglich bin, aber er als mein bester Freund sollte mir helfen und mich nicht anmotzen“, ärgerte sich der Jüngling. „Ich kann verstehen, dass du sauer bist, aber du kennst Ron. Er ist und bleibt nun einmal ein absoluten Morgenmuffel. Das du dich überhaupt getraut hast ihn an einem Sonntag so früh zu wecken“, bewunderte ihn der Verteidigungsprofessor. Lachend gingen sie den Gang zu Lily Potters Büro entlang. Als sie vor der alten, hölzernen Eichentür standen und Remus klopfte, fragte siech Harry zum ersten Mal, wieso ihn seine Mutter überhaupt herbestellt hatte. Er war so aufgewühlt und von Rons Verhalten gekränkt gewesen, dass er sich darüber keine Gedanken gemacht hatte. Waren etwa ...
Die Türe öffnete sich und Lily Potter kam zum Vorschein. „Guten Morgen ihr zwei. Kommt doch rein“, begrüßte sie die beiden mit ihrem üblichen fröhlichen Lächeln. Als Lehrer und Schüler das Büro betraten, fiel Harrys Blick auf die Sitzgruppe, wo er und seine Freunde beim letzten Besuch platz gefunden hatten. Doch dieses Mal saß jemand anders dort. „Dad! Sirius!“, entfuhr es ihm. Freudestrahlend lief er auf sie zu. „Hey Harryboy! Schon dich zu sehen“, begrüßte James seinen Sohn und erhob sich, um seinen Sohn zu umarmen, während Sirius Moony begrüßte. Danach wurde Harry auch noch von seinem Paten in die Arme gezogen. In der Zwischenzeit richtete James das Wort an Remus: „Hast du uns nicht etwas zu erzählen, Moony?“ Irritiert sah der Werwolf seinen langjährigen Freund an. „Worauf willst du hinaus?“
„Lily hat und gerade etwas erzählt, was du uns vielleicht auch sagen möchtest. Uns als deinen besten Freunden. Wir sind doch deine besten Freunde, oder?“, kam es nun von Sirius, welcher es sich, genauso wie sein Patensohn, auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Nun konnte sich auch Harry einen Reim daraus machen, von was die beiden Auroren sprachen. Ein kurzer Blickwechsel mit seiner Mutter bestätigte seinen Verdacht. Schmunzelnd wandte er sich an Remus und entschied ihn nicht länger unwissend zu lassen. „Sie meinen deine neue Freundin.“ Der braunhaarige Mann sah ihn überrascht an. „Woher weißt du das?“ Harry lachte, ehe er ihm von seiner Beobachtung berichtete: „Ich habe dich mit Professor Tonks am See gesehen.“ In Remus Augen flammte die Erkenntnis auf, ehe er sich leicht lächelnd an seine beiden Freunde wandte. „Ich wollte es euch erst sagen, wenn ich mir sicher sein kann, dass es etwas Ernstes ist“, verteidigte sich der Werwolf. „Ach und Lily erzählst du es?“, kam es entrüstet von Sirius. „Ist doch jetzt egal, Pad. Ist es etwas Ernstes?“, fragte James lächelnd nach, er würde sich immerhin sehr für seinen Freund freuen und er wusste, dass Sirius das auch tat. „Ja, ist es“, gab der Werwolf von sich und konnte den leichten Rotschimmer, welcher seine Wangen zierten, nicht verhindern. „Toll, gratuliere Alter. Mit meiner Großcousine hast du ein gutes Los gezogen.“
Schmunzelnd nahmen nun alle Platz und begannen zu frühstücken. Dabei sah sich Harry seinen Vater und seinen Paten etwas genauer an. Die Auroren sahen müde und abgearbeitet aus. „Seid wann seid ihr eigentlich schon hier?“, fragte er sie. „Scheid geschtern Nascht“, mampfte Sirius mit vollem Mund. Harry quittierte das nur mit einem Lächeln, wie sehr er die beiden doch vermisst hatte. „Harry, der Grund, warum wir dich jetzt schon ohne deine Freunde geholt haben ist ganz simpel. Es geht um die Horkruxe. Von denen sie ja - soviel ich weiß - nichts wissen.“ Harrys Blick wanderte zu Remus. Als der Werwolf das bemerkte, erklärte er schnell: „Lily hat es mir gestern erzählt. Ich hoffe es war okay für dich?“ Der Junge nickte. „Schon okay, dass macht es für mich leichter. Was habt ihr den raus gefunden?“, wollte er wissbegierig von seinem Vater erfahren. „Huffelpuffs Becher befindet sich in einer gesicherten Abteilung im Ministerium, Ravelclaws Diadem muss, laut einigen Büchern, hier in Hogwarts versteckt sein und bei Nagini wissen wir, dass sie sich meistens bei ihrem Meister, also Voldemort, aufhält. Über Slytherins Medaillon haben wir noch nichts herausgefunden.“
„Okay. Und was habt ihr jetzt vor?“ Nach einem kurzen Seitenblick zu seiner Frau, fuhr James fort: „Um den Becher können sich Sirius und ich kümmern. Bei dem Diadem wäre es toll, wenn du dich in Hogwarts etwas umsehen würdest.“ „Nein! Er wird keine waghalsigen Touren durch Hogwarts machen!“, protestierte Lily, doch ihr Sohn schritt kurzerhand ein. „Mum, erstens wäre es meine Aufgabe die Horkruxe zu finden und zweitens kann ich auf mich aufpassen. Außerdem werde ich zuerst in der Bibliothek nach ein paar Anhaltspunkten suchen, und wenn ich etwas gefunden hab, komme ich damit zu dir oder zu Remus, ist das okay für dich?“ Lily seufzte, gegen die Dickköpfe von ihrem Mann und ihrem Sohn kam sie sowieso nicht an. „Okay, aber versprich mir, dass du nichts Unüberlegtes tust.“ Harry nickte. „Ich verspreche es.“ Kurz darauf wandte er sich wieder an seinen Vater und Sirius. „Wisst ihr jetzt mehr über den Ausbruch aus Askaban?“ James antwortete ihm: „Ich glaube, dass erzählen wir euch am Abend, deine Freunde wollen es doch bestimmt auch wissen. Und außerdem müssen wir bis dahin noch etwas Wichtiges erledigen.“ Harry zog eine Augenbraue in die Höhe. „Okay. Und was genau?“ „Das erfährst du, wenn es so weit ist“, antwortete ihm sein Pate. „Ihr seid fies, wisst ihr das?“, kam es schmollend von dem Jugendlichen, was die Erwachsenen zum Lachen brachte.
Harry verbrachte den ganzen Vormittag bei seinen Eltern und Remus. Als es Zeit zum Mittagessen wurde, gingen sie gemeinsam hinunter in die Große Halle. Auf dem Weg dorthin wurde Harry von Ron abgefangen. „Hey Harry, könnten wir vielleicht kurz reden?“ Unsicher sah ihn der Rotschopf an. „Sicher, Ron.“ Als Harry sonst keine Reaktion zeigte, sagte Ron: „Unter vier Augen, mein ich.“ Sirius räusperte sich. „Wir gehen einstweilen vor. Ich hab Hunger.“ James und Remus folgten dem langhaarigen Mann schmunzelnd während Lily die Augen verdrehte. „Wieso war Ron so nervös?“, fragte Sirius, nachdem sie um die nächste Ecke gebogen waren. „Er und Harry haben sich heut morgen gezankt“, erklärte ihnen Remus. „Ach, das wird schon wieder. Die zwei sind doch die besten Freunde“, war sich James sicher. „Der Meinung bin ich auch Prongs.“
Schnell suchten sich die zwei Gryffindors ein leeres Klassenzimmer. Während sich Harry auf das Lehrerpult setzte, blieb Ron nervös vor ihm stehen. Es verging einige Zeit, bis der Rotschopf die unangenehme Stille durchbrach, welche wie ein unausstehlicher Druck im Raum herrschte. „Das wegen heute Morgen tut mir Leid. Ich weiß, dass du einfach deinen Dad und Sirius sehen wolltest und du … ich meine, ich … naja …“ Während Ron etwas hilflos da stand, nervös auf seiner Unterlippe kaute und nach den richtigen Worten suchte, wusste Harry, dass er Ron sowieso nie böse sein könnte. Er war nun mal sein bester Freund, mit seinen Macken und Fehlern, welche eben seine eigene Persönlichkeit darstellten. „Ist schon gut Ron, ich hab mich ja auch ziemlich blöd benommen“, grinsend sah Harry den sprachlosen Ron an, welcher kurz darauf das Grinsen erleichtert erwiderte.
„Danke, Alter. Hermine hat mir heute Morgen ganz schön den Kopf gewaschen. Aber egal, hab’s ja verdient. Dein Dad und Sirius sind also schon da! Haben sie dir schon irgendwas gesagt?“ Sein bester Freund schüttelte seinen schwarzen Wuschelkopf. „Nein. Sie haben gesagt, wir sollen nach den Abendessen in das Büro meiner Mum kommen, dort werden sie uns dann alles erklären.“ Ron nickte. „Glaubst du, dass sie nachher mit uns eine Partie Quidditch spielen?“ Harry grinste, die Idee gefiel ihm. „Bestimmt, wieso auch nicht? Dann können wir die neuen Stunts ausprobieren.“ Sofort waren die Jungs in einem Gespräch über die Manöver verwickelt, die sie unbedingt probieren wollten und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Mittagessen, da es sich ja bekanntlich bei leerem Magen schlecht diskutieren ließ. Als ihre Freunde sie gemeinsam, wild diskutierend, in die Große Halle schreiten sahen, konnten sie das nur mit einem Lächeln quittieren. Es war offensichtlich gewesen, dass sich die beiden wieder vertragen würden.
Nachdem Harry und seine Freunde nach dem festlichen Mittagsschmaus mit James und Sirius eine Partie Quidditch gespielt hatten, machten sie unter Hermines strenger Aufsicht ihre letzten Hausaufgaben. Doch der schwarzhaarige Junge schaffte es, trotz der wachsamen Argusaugen seiner beste Freundin, seine Gedanken zum heutigen Nachmittag abtrieften zu lassen. Er begann, bei dieser Erinnerung leicht zu schmunzeln. Es war toll gewesen, mit seinen Freunden und seiner Familie so ausgelassen Spaß zu haben. Keinen einzigen Gedanken hatte er an etwas anderes als das Spiel und dem Schnatz verschwendet. „Harry! Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?“ Harry blinzelte seine beste Freundin verwirrt an. „Sorry, Mine. Was hast du gesagt?“ Die eifrige Schülerin schnaubte. „Ich habe gerade erklärt, dass man diesen Zauber anders anwendet, als du da geschrieben hast, sieh mal her …“
Irgendwie hatten sie es geschafft, ihre Arbeiten noch vor dem Abendessen zu beenden. Nachdem sie ihr Mahl hastig hinuntergeschlungen hatten, verabschiedeten sie sich schnell bei ihren Schulkollegen, ehe sie zum Büro von Harrys Mutter gingen.
„Ich bin gespannt, was sie uns zu erzählen haben“, kam es gespannt von Ginny, als sie die Türe erreicht hatten. „Nicht nur du“, murmelte Harry, während er bereits die Türe zum Büro öffnete. „Hallo alle zusammen! Mum, Dad, Sirius, Remus, Professor Tonks!“ grüßte Harry die Anwesenden, als er gefolgt von seinen Freunden eintrat. „Ich glaube durch die Umstände, in denen wir uns befinden, können wir, wenn wir unter uns sind, dass Sie getrost weglassen. Nennt mich doch einfach Tonks, okay?“ Natürlich bejahten die Schüler sofort, was die Erwachsenen zum Schmunzeln brachte. „Setzt euch doch. Wollt ihr einen Tee?“, verfiel Lily wieder ganz in die Rolle der Gastgeberin. Nachdem alle auf der Sitzecke Platz genommen hatten, herrschte eine unergründliche Stille. „Ähm … warten wir noch auf jemanden?“, kam es nach kurzer Zeit verwirrt von Harry. „Sie müssten gleich kommen“, erklärte ihnen Tonks. Wer waren sie? Diese Frage spiegelte sich unwillkürlich auf den Gesichtern der Jugendlichen wieder. Just in diesem Moment klopfte jemand an der Tür. „Da sind sie ja schon“, kam es lächelnd von Lily, als sie sich erhob, um die Türe zu öffnen.
Herein kamen Professor Graham und …
„Malfoy?“
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