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Fanfiction

Auferstanden - Angst und Misstrauen

von MelRU

Kapitel 23

[Angst und Misstrauen]

If a King does not lead, how can he expect his subordinates to follow?
Lelouch vi Britannia



Der Himmel über Godrics Hollow war düster. Aus den dicken Regenwolken schneite es unaufhaltsam. Die Straßenlaternen vor dem Friedhof, welcher an ein offenes Feld grenzte, waren von einer dünnen Eisschicht bezogen. Ein eisiger Wind wehte durch die Gassen und suchte sich seinen Weg durch die Ritzen der alten Kirche. Die Straßen waren leer. Kein Mensch wollte bei diesem Wetter einen Fuß vor die Türe setzten, viel lieber verkrochen sie sich in ihren Häusern und versammelten sich mit ihren Familien vor dem knisternden Kamin und knabberten Weihnachtsplätzchen.

Draco stand bei einem der Fenster in seinem vorübergehenden Zimmer und starrte auf den Garten der Potters hinab. James, Sirius und Potter waren vor circa zwanzig Minuten aufgebrochen, um sich mit den restlichen Ordensmitgliedern in deren Geheimversteck zu treffen. Er schluckte. Das Ergebnis dieses Treffens würde seine weitere Zukunft bestimmen. Der blonde Junge atmete tief durch. Er durfte sich von diesen Gedanken nicht beherrschen lassen, sie würden seine Souveränität untergraben. Eine zierliche Hand legte sich auf seine Schultern. Überrascht blickte er zu seiner Zaubertrankprofessorin auf, er hatte sie gar nicht hereinkommen hören. „Du solltest dich nicht all zu sehr damit belasten. Du bist nicht allein, Draco. James, Sirius, Harry, Lorelei und ich stehen hinter dir.“ Draco horchte auf. „Wird Tante Lorelei auch da sein?“ Lily lächelte. „Als ein Mitglied des Ordens wird sie der Einberufung folgen. Abgesehen davon hat ihr James heute mitgeteilt, um wen genau es sich bei dem „potenziellen neuen Mitglied“ handelt.“ Der Slytherin schluckte leicht. „Wie hat sie regiert?“ Würde sie es gut heißen, dass er sich noch tiefer in alles verstrickte? „Sirius hat irgendetwas von Mutterstolz gesprochen“, lachte Lily auf, ehe sie ihm einen sanften, beruhigenden Blick schenkte. „Natürlich macht sie sich Sorgen, immerhin bringt eine Mitgliedschaft beim Orden des Phönix ein gewisses Risiko mit sich. Aber sie wird sich nicht gegen den Weg stellen, den du selbst für dich gewählt hast.“ Draco nickte, es beruhigte ihn zu wissen, dass auch seine Patentante ihm den Rücken stärkte. „Na komm, Draco, lass uns im Wohnzimmer warten. Vielleicht hast du ja Lust eine Runde Schach zu spielen, ich hab' von einigen deiner Klassekameraden gehört, dass du gut darin bist. Ich würde dich gerne herausfordern“, grinste sie schelmisch. Draco schnaubte leicht, diese Frau war seiner Tante viel zu ähnlich. Kein Wunder das die beiden beste Freundinnen waren. „Ich komme gleich nach“, nahm er ihre Herausforderung an. „Ist gut, ich werde uns einstweilen eine schöne Tasse heißen Tee zubereiten.“ Sie warf einen Blick aus dem Fenster, als sich gerade ein Blitz aus den Wolken löste und in die Erde einschlug. Im erhellten Zimmer konnte Draco einen kurzen Moment ihr sorgenvolles Gesicht sehen, doch ihm nächsten Moment lächelte sie ihm zu und ließ ihn alleine, um alles vorzubereiten. Plötzlich war das Donnergrollen des Blitzeinschlages zu hören. Das flaue Gefühl in seinem Magen kehrte zurück. Sie versuchten es alle zu verbergen, aber seine Entscheidung dem Orden beizutreten, brachte viel mehr Hürden mit sich, als ihnen allen lieb war. Ein erneuter Blitz erhellte den Himmel.


Harry taumelte hustend aus dem Kamin und schaffte es natürlich dabei über seinen eigenen Umhang zu stolpern. Sein Gesicht hätte Bekanntschaft mit dem Boden gemacht, hätten ihn nicht zwei starke Arme vor dem Fall bewahrt. „Merlin, wie ich flohen hasse!“, brach es aus ihm heraus, ehe er sich an seinen Helfer wandte, um sich zu bedanken. „Nichts zu danken, Harry.“ Der junge Potter grinste breit, als er Kingsley Shacklebolts tiefe Stimme erkannte. „Hallo, Kingsley. Wie gehts dir?“, wollte er sogleich wissen. „Ich kann nicht klagen, junger Mann“, antwortet der Auror und beugte sich etwas näher zu ihm, „Und unter uns gesagt, ich hab das Flohen auch noch nie gemocht“, zwinkerte er ihm zu, ehe er den Zauberstab schwenkte, um Harry von all dem Ruß zu befreien, welches an seinem Gesicht und seinem Gewand klebte. Der junge Potter ließ währenddessen kurz seinen Blick durch die Eingangshalle schweifen. Es waren noch nicht viele Ordensmitglieder anwesend. Einige Gesichter kamen ihm vom letzten Treffen bekannt vor und irgendwo – vermutlich aus der Küche – konnte er Mrs. Weasleys Stimme vernehmen.

Während Kingsley nun von seinem Vater und Sirius – welche vor ihm angekommen waren, in ein Gespräch verwickelt wurden, sah sich Harry mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht im Eingangsbereich des Grimmauld Places um. Sie hatten zwar in den Ferien bereits die ersten Handgriffe getätigt, doch was die restlichen Ordensmitglieder daraus gemacht hatten, war immer wieder erstaunlich. Von all dem Dreck und Staub war nichts mehr zu sehen. Harry vermutete stark, dass Molly Weasley die Putzkolonne angeführt hatte. Das ganze Haus erstrahlte in einem freundlichen Glanz, als würde es seine Besucher willkommen heißen. Harry wusste, dass in den oberen zwei Etagen, die Räume - meist von den weiblichen Mitgliedern des Ordens - individuell und liebevoll als Rückzugsort und Unterschlupf ausgestattet worden waren. So in seinen Gedanken versunken, merkte er nicht, dass etwas auf ihn zugerast kam, ehe ihm plötzlich die Luft aus seinen Lungen gedrückt wurde.

„Molly, lass den Jungen doch erst einmal zu Atem kommen. Er ist doch gerade erst angekommen“, hörte Harry Arthur Weasley sagen. Demnach war es Mrs. Weasley, die ihm gerade sprichwörtlich den Atem raubte. „Oh Harry, mein Junge. Wie geht es dir?“, fragte ihn die korpulente, gutherzige Frau, nachdem sie ihm aus ihrer Umarmung gelassen hatte. „Danke, es geht mir gut, ich genieße meine Ferien“, antwortete er der Mutter seines besten Freundes lächelnd. Das Feuer des Kamins verfärbte sich grün und kurz darauf erschien McGonagall in den Flammen. Galant stieg sie heraus, während ihre wachsamen Augen über die Anwesenden schweiften. „Potter! Black! Auf ein Wort!“, war das erste, was die Schulleiterin sagte, nachdem sie alle mit einem brüsken Nicken begrüßt hatte. Ihr Blick traf den von Harry und sie ergänzte. „Sie auch, Mr. Potter.“

Während die drei der Schulleiterin von Hogwarts folgten, wandte sich James an Harry. „Wieso bist du eigentlich Mr. Potter und ich Potter?“ Harry lachte leise. „Vielleicht habt ihr ein paar Streiche zu viel gespielt? Immerhin bin ich im Vergleich zu euch ein …“ „Das Wort Engel wäre auch in Ihrem Fall nicht die passende Bezeichnung, Mr. Potter“, schmunzelte McGonagall, die sie gehört hatte, was Sirius dazu brachte, sein bellendes Lachen verlauten zu lassen. Sie führte sie in einen Raum, in dem Kingsley – ihr Stellvertreter - bereits wartete. Als sie hinter ihnen die Türe schloss, legte sie einen Stillezauber über den Raum. Es war Shacklebolt, der zuerst das Wort ergriff: „Seid ihr das Treffen einberufen habt, sind alle nervös, beinahe misstrauisch. Wieso diese Geheimniskrämerei?“ Abwartend wurden sie angesehen. „Um ihm eine Chance zu geben.“ Kingsley sah ihn forschend an. „Also ist es jemand, dessen Name bereits ausschlaggebend dafür sein könnte, wie sich die Mitglieder entscheiden, hab ich Recht?“ Sirius nickte ernst. „Wir müssen ihnen zuerst die Situation erklären, bevor wir ihnen den Namen nennen.“ McGonagall wirkte unentschlossen. „Denkt ihr, dass das reichen wird?“ Alle drei schüttelten den Kopf. „Nein, aber er hat angeboten sich mit Veritaserum befragen zu lassen.“ Kingsley ging ein Licht auf. „Deshalb wolltet ihr, dass ich eine Phiole vom Ministerium mitnehme.“ Harry nickte. „Wenn wir eine von denen genommen hätten, die Mum gebraut hat, dann würden die anderen vielleicht sagen, dass wir daran herumgepfuscht haben.“ McGonagall sah sie leicht verblüfft an. „Ihr wollt, dass er in den Orden kommt, nicht wahr?“ Kingsley lachte leise. „Ihre Entschlossenheit spricht Bände, Minerva.“

Sie besprachen noch kurz den Ablauf des Treffens, ehe sie wieder hinaus auf den Gang traten. Gerade als Harry, welcher das Schlusslicht bildete, durch die Türe schritt, wurde er hart angerempelt. „Entschuldigung ist Ihnen auch nichts passiert?“, fragte Harry dem Mann, der mit ihm kollidiert war. Dieser ließ ein grunzendes Geräusch von sich, ehe er Harry einen finsteren Blick aus seinen kleinen Schweinsäuglein zuwarf. „Das hier ist kein Ort für kleine Kinder“, murrte er, ehe er davon schritt. Verwirrt sah ihm Harry nach und wandte sich dann verständnislos an Kingsley, welcher das Ganze beobachtet hatte. „Hab ich etwas Falsches gesagt?“ Der Auror seufzte. „Harry, du weißt, dass es Leute gibt, die denken, dass du diese Aufmerksamkeit genießt und nur davon profitieren willst ohne auch nur einen Finger zu rühren.“ Der Junge unterdrücke den Impuls seine Nasenwurzel zu massieren. „Und dieser nette Herr ist einer davon, nicht wahr?“ Er konnte es nicht verhindern, dass seine Stimme niedergeschlagen klang. Eine Hand legte sich auf seine Schulter. „Wie es aussieht, hast du Bekanntschaft mit Bobby gemacht.“ Harry drehte sich zu seinem Vater um. „Du solltest dir nicht allzu viele Gedanken darüber machen. Er steht mit seiner Meinung hier im Orden so ziemlich alleine da.“ Sirius stand hinter James und wirkte nachdenklich, sagte jedoch nichts. Gemeinsam gingen sie wieder in den Eingangsbereich um die Mitglieder, die in der Zwischenzeit angekommen waren zu begrüßen.

Na wen haben wir denn da?
Hat sich ein Zwerglein hier her verirrt?
Sollen wir ihm nach Hause helfen, Fred?
Wenn er uns ganz lieb bittet, würde nichts dagegen sprechen, oder George?


Harry schnaubte, jedoch verriet ihn sein erleichtertes Grinsen. Bis auf die Weasleys kannte er hier immerhin niemanden so wirklich, deshalb war wer froh, als Rons ältere Zwillingsbrüder auf ihn zukamen. „Ich hab mich nicht verlaufen, ich bin genau da, wo ich sein soll.“ „Das wissen wir doch, Kurzer.“ Fred klopfte ihm auf die Schulter, während ihm sein Bruder durch die Haare wuschelte. Fred zog ihn näher zu sich heran. „Also, was ist los?“ „Was soll los sein?“ George seufzte theatralisch auf. „Er fragt uns ernsthaft was los sein soll, Fred.“ „Ich kann es auch nicht fassen, George.“ „Leute?“, machte Harry auf sich aufmerksam. Fred lachte, während sein Zwilling erklärte: „Seid das ungeplante Ordenstreffen von deinem Dad einberufen wurde, rätselt hier jeder schon, wer das neue Mitglied sein wird“, erklärte er ihm. „Und seid dem du – der Held der Zauberwelt persönlich – glorreich aus dem Kamin gestolpert bist, ist die Gerüchteküche erst recht am dampfen.“ Harry stöhnte genervt auf, was die anderen beiden zum Lachen brachte. Plötzlich herrscht im Eingangsbereich reges Treiben. Harry zog eine Augenbraue in die Höhe. „Hast du dir das von Draco abgeguckt?“, neckte ihn George, während Fred einen Arm um seine Schultern schlang und ihn zum großen Saal führte. „Komm, wir begleiten dich hinein.“ „Genau, damit niemand über unseren Promi herfällt“, witzelte George und flankierte Harry zu seiner Rechten. Harry verdrehte die Augen, dennoch war er froh, dass die beiden hier waren. Doch dann stutzte er. „Woher wisst ihr, dass Draco bei uns ist?“ Die Zwillinge schenkten ihm einen Blick, der mehr aussagte, als tausend Worte: Ron. Harry konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. Niemand hatte ihnen verboten darüber zu sprechen, dennoch wussten nicht viele, dass Draco Malfoy die Ferien bei den Potters verbrachte.

Der Schwarzhaarige wurde von den Zwillingen auf einen Platz direkt in der ersten Reihe, neben seinem Vater und Remus, welcher ihn lächelnd begrüßte, geführt. Anschließend nahmen die zwei Rotschöpfe hinter ihm Platz. Suchend sah er sich um. „Sind die anderen nicht hier?“ „Du meinst Ginny und Ron? Molly erlaubt es ihnen nicht. Und Hermine ist noch auf Skiurlaub mit ihren Eltern“, erklärte ihm sein Vater, der ihn gehört hatte. Es war McGonagall, die sich an das Rednerpult am anderen Ende des Saales stellte und sie alle willkommen hieß. „Es freut mich, dass ihr alle so zahlreich zu diesem kurzzeitig einberufenen Treffen erschienen seid …“ Harry ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Das war zahlreich? Es waren vielleicht drei, vier Leute mehr als bei seinem letzten Treffen, dennoch waren es nicht viele. Harry dachte daran, was ihm Sirius das letzte Mal erzählt hatte: „Seit Dumbledores Tod werden die Mitglieder immer weniger. Einige sind ausgestiegen und viele haben Angst. Sie kommen daher nur selten zu den Treffen aus Furcht als Ordensmitglied aufgedeckt zu werden.“ In Harrys Gesicht war sein Unglaube deutlich zu sehen gewesen. Remus, der das Gespräch mit angehört hatte, hatte leise aufgeseufzt. „Sie haben ihren Anführer verloren, natürlich haben sie Angst. Sie befürchten, dass jetzt alles auseinander bricht.“ Harry hatte es nicht verstanden. Gerade deswegen mussten sie doch zusammenhalten und kämpfen, oder etwa nicht?

Eine Berührung an seinem Arm, brachte Harry wieder zurück ins Hier und Jetzt. „Komm, wir sind an der Reihe“, flüsterte ihm sein Vater lächelnd zu, ehe er aufstand und nach vorne zum Pult schritt, an dem sich Sirius bereits eingefunden hatte. Harry schluckte leicht, ehe er seinem Vater folgte. McGonagall schenkte ihm einen abschätzenden Blick, ehe sie ihm kurz zunickte. Es war sein Vater, der das Wort ergriff: „Wie schon erwähnt, geht es um die Aufnahme eines neuen Mitglieds“, begann James seine Rede. Sofort brach ein Tumult aus Fragen und Spekulationen aus. James unterdrückte ein Aufseufzen, während ihm Sirius einen resignierten Blick schenkte. Die Ordenssitzungen wurden von Mal zu Mal ermüdender. Je mehr Todesseraktivitäten es gab, umso nutzloser fühlten sich die anderen, da sie seit Dumbelodres Tod nicht ein einziges Mal geschafft hatten rechtzeitig eingreifen zu können.

Nach einiger Zeit wandte sich Harry an seinen Vater und Sirius. „Ist das hier immer so?“ Als er das letzte Mal hier war, hatten nur einige Mitglieder Bericht erstattet, es war über nichts diskutiert geschweige denn abgestimmt worden. James verzog sein Gesicht. „Es wurde immer gerne diskutiert. Einmal mehr, einmal weniger laut. Aber Dumbledore hatte die Meute immer schnell im Griff.“ Das bezweifelte Harry nicht, sein alter Schulleiter war ein Meister darin gewesen Zuhörer zu gewinnen. „Und ihr wollt das nicht unterbinden?“, hackte er nach. James versuchte ernst zu bleiben, während Sirius breit grinste. „Wenn sie sich jetzt zu sehr verausgaben, vergeht ihnen vielleicht nachher die Lust am meckern.“ Harry lachte auf. Er bezweifelte zwar, dass dieser Plan aufging, aber es hörte sich ganz nach seinem Paten an. Als die anderen Harrys Lachen hörten, wurde es still. Alle Blicke waren auf den Jungen, der überlebt hatte, gerichtet und plötzlich fielen ihm Dracos Worte wieder ein: Wer, wenn nicht du, soll der Anführer der hellen Seite sein? Du hast Einfluss, Potter. Werde dir deiner Position gewahr und nutze sie endlich!

„Leute, mal im Ernst: Wenn wir uns im Unterricht so aufführen, bekommen wir Punkteabzug.“ Amüsiert schüttelte Harry den Kopf, als ihm viele erstaunte Blicke zuwarfen, während McGonagalls Augen kurz belustigt aufblitzten und Fred und George versuchten ihr Lachen zu unterdrücken, indem sie – vergeblich - versuchten mit ihren Fäusten ihre Münder zu stopfen. „Ich weiß, dass es schwierige Zeiten sind, wo durch Gerüchte, Misstrauen und Argwohn nur so gedeihen. Aber ich weiß auch, dass es Grund zu hoffen gibt.“ Ein älterer Mann, den Harry nicht kannte, erhob seine Stimme: „Woher willst du wissen, …“ Harry hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen und zu seiner Verwunderung verstummte der Mann tatsächlich. „Ich weiß, dass einige von euch bestimmt der Ansicht sind, dass ich die Klappe halten und mich in einer Ecke verziehen soll, da ich noch grün hinter den Ohren bin und keine Ahnung habe, was das draußen passiert.“ Ein Blick zu dem Mann, der ihm vorher im Gang begegnet ist, genügte, um ihn zu versichern, dass es so war. Kingsley sah in gespannt an und grinste breit – es schien ihm zu gefallen, dass der Jüngste in der Runde die anderen Mitglieder wachrüttelte. Remus lächelte zufrieden vor sich hin – allen Anschein nach hatte er mit so etwas gerechnet.

Harry straffte seine Schultern und fuhr fort: „Ich gebe zu, dass man in Hogwarts in einer Art Seifenblase lebt und viele der schrecklichen Dinge von uns abgeschirmt werden. Aber auch wir haben eine Ahnung davon, was in diesem Krieg vor sich geht. Meine Freunde und ich sind schon ein paar Mal Todessern gegenübergestanden - wie viele von euch auch. Ich habe gegen Voldemort gekämpft. Ich habe ihn zwar damals nicht besiegt, aber ich habe überlebt. Und ich werde diese Chance, die mir gegeben wurde nicht einfach mit nichts tun vergeuden. Ich habe genauso so ein Recht hier zu sein, wie ihr.“ Sein Blick schweifte durch den Raum. Niemand widersprach ihm. „Wir haben alle einen Grund für diese Seite zu kämpfen - deshalb sind wir hier. Wir haben alle etwas, das wir beitragen können - deshalb sind wir hier. Wir wissen, dass wir allein nur begrenzte Möglichkeiten haben - deshalb sind wir hier. Wir alle haben einen wunderbaren Mentor verloren, wissen aber, dass er nicht gewollt hätte, dass wir uns verkriechen und aufgeben – deshalb sind wir hier.“ Einige ehrfürchtige Blicke trafen ihn. Harry wunderte sich darüber, immerhin sagte er nur das, was er dachte. „Ich denke nicht, dass etwas gegen junge Mitglieder spricht, wir können immerhin alle voneinander lernen, davon bin ich überzeugt!“

„Aha!“, brüllte Fred plötzlich. George lachte. „Was aha?“, fragte Harry. „Es ist also ein junges neues potenzielles Mitglied!“ James nahm dies als Grund fortzufahren. „Es handelt sich um einen jungen Mann, sehr aufmerksam Fred, doch zu seiner eigenen Sicherheit haben wir ihn einstweilen an einem sicheren Ort untergebracht. Ich werde euch zuerst die Situation schildern, in der er sich befindet, damit ihr den Grund für diese Maßnahmen versteht. Ist das für alle in Ordnung? Oder müssen wir wieder wild durcheinander brüllen?“ Einige senken beschämt ihre Blicke, andere grinsten leicht. Harry war erleichtert, dass sich die angespannte Stimmung etwas gelockert hatte. James und Sirius erklärten nun abwechselnd die Geschichte, die Harry schon vor den Ferien im Büro seiner Mutter gehört hatte. Er hörte deshalb nur mit einem Ohr zu und beobachtete stattdessen die Mitglieder. Sie alle wirkten nüchterner als vorher und versuchten den Erklärungen der beiden Auroren aufmerksam zu folgen. Wie es schien, konnten sie das Ganze schneller über die Bühne bringen, als gedacht.

Wie sehr er sich doch dabei getäuscht hatte. Die Ängste der Menschen waren tief in ihren Seelen verwurzelt, es würde schwer werden, dieses Netz aus Angst vor Enttäuschung und Verrat zu durchbrechen. Nachdem die beiden Rumtreiber mit ihren Ausführungen fertig waren – ohne natürlich einen Namen genannt zu haben – fing Harry an zu verstehen, wie dicht dieses Netz verstrickt sein konnte.

„Wieso wussten wir nichts von dieser Spionin?“ Es war an McGonagall zu erklären: „Diese Informationen hatten nur Professor Dumbledore und ich. Wir beiden haben sie damals überprüft. Die Spionin hat sich, der Einfachheit halber an Lorelei gewandt und sie um Hilfe gebeten.“ „Ja und? Nur weil die Mutter eine Spionin war, heißt das noch lange nicht, dass wir ihrem Sohn trauen können!“, rief Bobby, mit dem Harry heute am Gang schon Bekanntschaft gemacht hatte und nach seiner Auffassung mehr mit einem Schwein gemein hatte, als mit einem Menschen. Lorelei erhob sich von ihrem Platz und stellte sich neben James. Harry war bis jetzt gar nicht aufgefallen, dass sie hier war. „Ich kenne ihn gut und ich verbürge mich für ihn.“ Erstaunt wurde sie angesehen, doch das Schweigen hielt nicht lange. „Deine Worte bringen uns gar nichts, Lorelei. Ich stimme Bobby vollkommen zu, man wird diesem Jungen nicht trauen können.“ Eine Frau in der Nähe von Harry stand auf. „Was denkt ihr euch eigentlich dabei den Sohn eines Todessers in den Orden mit einzuschließen? Seid ihr verrückt geworden? Nur weil ihr Auroren seid, könnt ihr nicht einfach tun und lassen was ihr wollt!“ McGonagall räusperte sich. „Ich bitte um einen ordentlichen Umgangston. Abgesehen davon wurde noch nichts entschieden.“ Ein weiteres Mitglied schloss sich den Erbosten an. „Es hört sich aber ganz danach an!“ Nun ergriff Remus das Wort. „Wir haben die drei noch nicht zu Ende sprechen lassen. Sie haben uns nur die Vorgeschichte des jungen Mannes erzählt. Wir wissen noch nicht wieso dieser Junge meint, ein wertvolles Mitglied werden zu können.“ Seine ruhige Stimme brachte die Frau dazu, sich wieder zu setzen, aber Bobby, den Harry nun endgültig als Schwein identifiziert hatte, beharrte noch immer auf seinem Standpunkt. „Das brauchen wir auch gar nicht zu hören. Es ist doch glasklar wie wir zu entscheiden haben, immerhin reden wir hier von dem Sohn eines Todessers!“

„Sollte ich mich jetzt in Acht nehmen?“ Alle Blicke fielen auf Sirius. „Ich meine, immerhin bin ich auch der Sohn eines Todessers. Muss ich jetzt Angst haben, dass ich gelyncht werde?“ Der fette Mann grunzte. „Das kannst du nicht vergleichen. Du hast bewiesen, dass du auf unserer Seite bist.“ Sirius‘ Blick wurde hart. „Ja, das habe ich. Und wieso bei Merlins Unterhosen wollt ihr dem Jungen dann keine Chance geben?“ Kurz herrschte nachdenkliches Schweigen. „Aber du hast vor deinem Eintritt bewiesen, dass du nichts mit Voldemort und seinen Anhängern zu tun haben willst. Und abgesehen davon, hatten wir damals noch Dumbledore und er hat dir vertraut.“

„Und jetzt wo Dumbledore nicht mehr unter uns ist, vertrauen wir niemandem mehr?“ Harry sah verständnislos in die Runde. Hatten sie immer noch nicht verstanden? „Wir versuchen nicht mehr einander zu verstehen, sondern greifen lieber zu Mistgabeln und Fackeln und verscheuchen alle, die uns Hilfe anbieten, anstatt gemeinsam die Vor- und Nachteile für den jeweiligen Einzelfall vernünftig abzuwiegen - nur weil wir Angst haben?“ Schweigen. Niemand sagte auch nur ein Wort. Harry schüttelte den Kopf. „Er hat angeboten sich unter Veritaserum von einem von euch unter der Aufsicht von allen von euch befragen zu lassen, nur damit ihr seinen Worten Glauben schenkt.“ Er sah sie alle an und in seinen Blick lag etwas, dass sie anfing wachzurütteln. „Ich weiß nicht, wer von euch schon mit Veritaserum befragt wurde, aber glaubt mir, es ist zum kotzen. Es ist kein allzu tolles Gefühl nicht mehr Herr seiner eigenen Worte zu sein. Er wusste, dass ihr ihn nicht freudig empfangen würdet, aber um das Misstrauen von Anfang an auszumerzen, hat er dieses Angebot gemacht. Und damit hat er sehr viel mehr Rückgrat und Mut bewiesen als ihr hier gerade alle zusammen.“ Er ließ seine Worte erst einmal sacken, ehe er weitersprach. „Er ist ein talentierter junger Zauberer, der genau so alt ist wie ich, aber mich momentan bei einem Duell bestimmt besiegen könnte“, kurz hielt er inne, ehe er hinzufügte. „Wenn er sich anstrengen würde.“ Sirius, Fred und George lachten und auch einige andere Mitglieder schmunzelten leicht. Harry fuhr fort: „Er ist einer der besten Tränkebrauer die ich kenne, intelligent und noch dazu gewieft. Und wenn der Orden nur zu dem imstande ist, was ihr mir hier gezeigt habt, vergeudet er hier sein Talent und seine Hoffnung. Die Hoffnung, hier gemeinsam eine Lösung zu finden und nicht mehr in Angst und Schrecken leben zu müssen.“ Harry selbst brauchte etwas Zeit um seine eigenen Worte zu verdauen. „Ich kann es ja verstehen“, lenkte er nach einiger Zeit, in der eine bedrückende Stille geherrscht hatte ein. „Immerhin wollte ich nach Dumbleodres Tod auch von all dem hier nichts mehr wissen. Aber wir können unsere Augen nicht für immer verschließen. Wir haben Krieg und diese Tatsache dürfen wir nicht länger vor uns herschieben, ansonsten werden wir von Voldemort und seinen Todessern überrannt.“

Es war Kingsley, der seine Stimme erhob. „Der Junge hat Recht. Ich weiß ihr seid alle ziemlich besorgt und nervös, da wir schon lange Zeit nicht mehr über die Aufnahme eines neuen Mitglieds abstimmen mussten. Aber ich denke, es liegt viel mehr in dieser Anspannung als nur das. Wir sind alle niedergeschlagen, da wir in den letzten Monaten auf Seiten des Ordens keine brauchbaren Informationen bekommen haben, mit denen wir hätten arbeiten können. Es liegt an uns das zu ändern, wir können nicht immer nur da sitzen und jammern, dass vor Dumbleodores Tot alles besser gelaufen ist.“

„Wenn Dumbledore noch hier wäre, dann würde …“

„Dumbledore ist aber nicht mehr hier, egal wie sehr wir es uns wünschen. Sein Tod war schrecklich und er fehlt uns allen, aber sie sollten darüber hinweg kommen – er kommt nicht zurück und holt uns aus dieser Scheiße raus. Er hat uns bis zu seinem Tod zur Seite gestanden, jetzt liegt es an uns sein Andenken in Ehren zu halten und das, was er geschaffen hat, nicht verkümmern zu lassen. Er würde es als große Schande sehen, wenn wir trauernd herum sitzen würden, während er sich auf seinem nächsten großen Abenteuer befindet.“

„Was willst du machen?“, fragte eine blonde Frau leise, sodass sie Harry beinahe überhört hätte. „Ich werde Voldemort besiegen. Nicht heute. Nicht morgen. Aber ich werde alles dafür geben, es möglich zu machen und dafür kann ich keinen Haufen kratzbürstiger Erwachsener brauchen.“ Sirius‘ bellendes Lachen durchbrach die Stille im Raum. „Verdammt, Prongs. Dein Sohn nimmt es heute mit allen und jeden auf.“ Harry warf einen unsicheren Blick zu seinem Vater. Er wusste ehrlich gesagt nicht, ob es okay war mit allem so herauszuplatzen, aber es war einfach aus ihm herausgebrochen, bevor er darüber nachdenken hatte können. James grinste breit, doch konnte man in seinem Gesicht etwas anderes viel deutlicher erkennen –stolz und in Harrys Herz breitete sich ein wunderbar warmes Gefühl aus.

„Also, sind wir jetzt bereit vernünftig fortzufahren?“, fragte Harry mit einem frechen Grinsen und erhielt gedämpfte Lacher als Antwort. So war es doch gleich viel besser, wie es schien hatten sie doch einige Fasern des Netzes durchbrechen können.


Als Draco wenig später die Treppen hinunter stieg, konnte er Lily mit jemandem sprechen hören. Sein Herzschlag beschleunigte sich. War es schon so weit? Er folgte dem Klang ihrer Stimme und sah sie im Wohnzimmer vor dem Kamin knien. Er merkte, wie seine Hände zu schwitzen begannen und wischte sie schnell an seiner Hose ab. Gerade als er sie wieder vor seiner Brust verschränkte drehte sich Lily zu ihm um. „Sie wären so weit“, erklärte sie ihm. Draco nickte. Lily sah ihn eingehend an. „Bist du so weit?“ Ihr Schüler atmete einmal tief durch. „Ich weiß nicht, ob man sich auf so etwas wirklich vorbeireiten kann. Aber ich werde gehen.“ Die Rothaarige nickte. „Wir haben einen sicheren Kanal im Flohnetzwerk erstellt, du kommst also unbehindert an deinen Zielort. Da es momentan noch besser für dich ist, dass du nicht weißt wo unser Hauptquartier ist, haben wir Instantflohpulver hergestellt. Es wird dich dort hinbringen, wo du hin musst, ohne den genauen Ort zu kennen. Bevor du im Kamin ankommst, wirst du die Schutzzauber spüren, aber keine Angst, Sirius hat sie für dich angepasst. James und Sirius sind gerade auf der anderen Seite, sie werden dich sofort in Empfang nehmen, sobald du aus dem Kamin kommst. Ich bin dann gleich hinter dir.“ Draco warf einen Blick auf den Kamin.

„Wissen es die anderen schon?“ Lily verstand sofort, was er meinte. „Sie haben sich dazu entschieden es ihnen zu sagen, damit sie sie nicht noch mehr vor den Kopf stoßen, wenn du aus dem Kamin spazierst.“ Der Blonde nickte. Lily stand auf und fuhr ihm durch seine blonden Haare. Dracos Augen weiteten sich. „Du brauchst keine Angst zu haben, wir alle werden dafür sorgen, dass dir nichts passiert.“ Er schluckte. „Ich hab' keine Angst.“ Lily lächelte. „Und da hört man immer nur die Gryffindors sind mutig“, witzelte sie, ehe sie zum Kamin ging und das speziell hergestellte Flohpulver hineinwarf, die Flammen färbten sich blau. Draco schnaubte und stieg in die Flammen. „Das ist ein weitverbreiteter Irrglaube.“ Lily schenkte ihm ihr bezauberndes Lächeln, ehe sie einen Zauberspruch murmelte und alles um Draco verschwamm. Geräusche, Farben und Formen rauschten an ihm vorbei und er merkte, dass er schneller zu atmen begann. Diese Art von flohen war neu für ihn und noch dazu ziemlich unangenehm. Plötzlich hatte er das Gefühl einen Faustschlag in die Magengrube zu bekommen – das waren dann wohl die Schutzzauber, von denen Lily gesprochen hatte. Er versuchte sich zu sammeln und schaffte es sogar, galant aus dem Kamin zu steigen. Mit wehendem Umhang kam er vor James und Sirius zu stehen. Er wollte die beiden gerade begrüßen, als diese zur Seite gedrängt wurden. Er hatte seine Hand schon bei seinem Zauberstab, als er gerade noch seine Patentante erkannte, ehe ihre schwarzen Haare seine Sicht verdeckten. „Ich bin so wahnsinnig stolz auf dich Draco“, flüsterte sie ihm zu. Bevor er etwas darauf erwidern konnte, ließ sie aber schon wieder von ihm ab.

Echt mal Harry, von ihm kannst du dir eine Scheibe abschneiden.
Vor allem was das Flohen angeht.
Haltet die Klappe ihr beiden.


Erst jetzt bemerkte Draco, dass sie nicht alleine in der Eingangshalle waren. Potter und die beiden Weasley Zwillinge waren ebenfalls anwesend. Draco nickten ihnen zu, während ein Rauschen das Kommen von Lily ankündigte. James nahm den blonden Jungen kurz zur Seite. „Okay, Draco. Du brauchst nichts zu sagen, solange du das Veritaserum noch nicht genommen hast, verstanden? Wir haben das Serum von einem Auror der ebenfalls im Orden ist, aus der Ministeriumsabteilung entwenden lassen, damit niemand sagen kann, dass Lily vielleicht zu deinen Gunsten etwas daran herum gepfuscht hat. Aber keine Sorge, das Serum wurde vorher noch von McGonagall, dem Auror selbst und Remus überprüft – es ist alles in Ordnung.“ Draco nickte. Sie alle schenkten ihm noch einen aufmunterndes Lächeln oder Nicken, ehe die Erwachsenen vorangingen und Draco deuteten ihnen zu folgen, Potter und die Weasleyzwillinge im Schlepptau. Das waren sie also, seine ersten wichtigen Schritte auf seinem selbstgewählten Weg.

Er hoffte immer noch, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.


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