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Fanfiction

Auferstanden - Jingle Bells

von MelRU

Kapitel 25

[Jingle Bells]

Dashing through the snow
In a one horse open sleigh
Over the fields we go
Laughing all the way
Bells on bobtail ring
Making sprits bright
What fun it is to ride and sing
A sleighing song tonight.



Es war bereits kurz vor Mitternacht und doch brannte in den meisten Häusern in dem kleinen Zauberdörfchen Godric‘s Hollow noch Licht. Egal in welches vereiste Fenster man hineinspähte, überall bot sich einem dasselbe Bild: fleißige Eltern und Verwandte, die Weihnachtsbäume schmückten und Geschenke verpackten. Sie alle genossen die freudige, festliche Stimmung und bereiteten in aller Stille ein wunderbares Weihnachtsfest für ihre Lieben vor. Wenn man aus dem Fenster blickte, hatte man das Gefühl, als hätte auch Väterchen Frost seine Finger im Spiel. Der Mond schien hell vom Himmel herab und ließ die winzigen Schneeflocken, die zur Erde herab rieselten, in seinem bezaubernden Licht erstrahlen. Und einige waren sich sogar sicher, dass man, wenn man in diese beruhigende Stille hinein hörte, Glöckchen leise schellen hören konnte. Wer weiß, vielleicht war der bärtige, gutmütige Mann ja wirklich unterwegs?

James schloss leiste die Türe hinter sich und grinste breit. Gemeinsam mit Lorelei, Sirius und seiner Frau hatte er den Weihnachtsbaum festlich geschmückt und die Geschenke darunter platziert. In ihrem Wohnzimmer funkelte und glitzerte es mehr, als in den großen Einkaufshäusern in denen er einmal mit Lily zur Weihnachtszeit gewesen war. Vor allem der riesige prachtvolle Weihnachtsbaum, den er gemeinsam mit seinem besten Freund im nahegelegenen Wald gefällt hatte, übertraf alle bisher da gewesenen. Während er im Flur auf seine Frau wartete, summte er fröhlich die Melodie von Jingle Bells und freute sich insgeheim auf die Gesichter der Kinder, wenn sie morgen dieses Zimmer betreten würden.

Lily war noch kurz in der Küche verschwunden, um den bereits gewürzten Weihnachtsbraten im Kühlschrank zu verstauen. Wenn James nur daran dachte, lief ihm bereits das Wasser im Mund zusammen. Als seine Frau aus der Küche trat, machte er sogleich einen Schritt auf sie zu, umschlang sie mit seinen starken Armen und küsste sie innig. Lily kicherte, als sie sich trennten. „Gibt es eigentlich jemanden, der Weihnachten mehr mag als du, James?“

Nein.
Nicht einmal Sirius?
Er glaubt es zwar, aber das stimmt nicht.
Natürlich.
Ganz genau.
Ihr Geschenkbesessenen …
Wir sind nicht geschenkbesessen!
Natürlich nicht.
Es gibt viel mehr Gründe an Weihnachten, wofür man dieses Fest lieben muss!
Die da wären?


James Augen begannen zu funkeln. „Weihnachten ist einfach wunderbar. Nach den grauslichen, dunklen, feuchten Herbstwochen, erstrahlen wieder die ersten bunten Lichter an den Häusern und in den Gärten der Menschen und die Weihnachtsmärkte in allen Städten beginnen mit aromatischen Düften und träumerischem Glanz zu verzaubern. Die Menschen rücken näher zusammen, in freudiger Erwartung auf das Fest der Liebe.“ James Lächeln wurde sanft. „Weihnachten hat seinen ganz eigenen Zauber. Kein anderes Fest feiern so viele Menschen zugleich wie Weihnachten. Christen, Nichtchristen, Muggel, Zauberer – egal ob Todesser oder nicht. Sogar die Zentauren feiern diesen Tag. Irgendwie hat doch dieser Gedanke etwas Beruhigendes, findest du nicht? Egal wie verschieden wir alle sind, welchen Prinzipien wir auch folgen – so sind wir uns doch in einigen Dingen gleich.“

Lily lehnte sich gegen ihn und streichelte seine Wange. „Da wird einem ja richtig warm ums Herz.“ James grinste. „Ich sag ja: Weihnachten hat seinen eigenen Zauber.“ Seine Frau lachte kurz auf, ehe sie sich auf die Zehenspitzen stellte und seine Lippen einfing. Er legte seine Hände auf ihrer Taille ab, während sie ihren Kopf etwas neigte. Ihr Mund öffnete sich Stück für Stück, ehe sie sanft mit ihrer Zungenspitze seine Lippen entlangfuhr. Dabei schmeckte sie die süßliche Schokolade, die ihr Mann vorher vom Weihnachtsbaum stibitzt hatte. James war alles andere als abgeneigt, als ihre Zunge weiterhin langsam und zärtlich seine Lippen liebkoste. Als sie sich schließlich von ihm trennte, grinste sie schelmisch. „Wie hast du Weihnachten genannt? Fest der Liebe?“ Sein Griff wurde etwas fester. „Wenn du so weiter machst, müssen wir den Standort wechseln, Liebes.“ Lily warf ihm einen unschuldigen Blick zu. „Hatten wir nicht von Anfang an vor, ins Schlafzimmer zu gehen?“ Ihr entkam ein leiser Aufschrei, als James sie plötzlich in seine Arme hob. „Das, mein Engel, lass ich mir nicht zweimal sagen.“ Lily lachte, während James mit ihr auf den Armen die Treppe emporstieg und in ihrem Schlafzimmer verschwand. So kehrte auch in ihrem Haus – Stillezauber sei dank – Ruhe ein, während draußen in der dunklen Nacht, die Schneeflocken weiterhin ungestört die Landschaft bedeckten.



Als Harry die Augen aufschlug, wurde sein Zimmer bereits von einem gleißenden Licht durchzogen. Nanu? Hatten ihn die anderen etwa nicht geweckt? Er griff nach seiner Brille, welche wie immer auf seinem Nachtkästchen lag, schob die dicke, flauschige Decke zur Seite und schwang die Beine über die Bettkante. Gähnend tapste er zur Glastür, die auf die Dachterrasse führte und staunte. Jetzt war ihm klar, wieso sein Zimmer bereits zu dieser Stunde so hell erleuchtet war. Die Sonne strahlte mit der glitzernden, reinen, weißen Schneepracht um die Wette. Auf Harrys Gesicht legte sich ein verträumtes Lächeln. Es war Weihnachten. Das erste Weihnachten, das er mit seiner Familie feiern würde. Schnell fuhr er sich über seine feuchten Augen und mahnte sich zur Selbstbeherrschung. Das war kein Grund zum Weinen – es war ein Grund zur Freude. Er drehte sich erstaunt um, als er etwas oder jemanden die Treppen herauf poltern hörten. „Was zum Teufel?“, murmelte Harry, als ein aufgedrehter Wirbelwind, namentlich Sirius Black, regelrecht mit der Türe ins Zimmer flog.

Wenn der Auror überrascht war, ihn bereits munter anzutreffen, zeigte er es nicht. Mit einem breiten Grinsen plapperte er drauf los: „Guten Morgen und Hohoho! Beeil dich, kleiner Weihnachtself. Deine Mutter lässt uns erst zu den Geschenken, wenn alle anwesend sind. Also lass mich nicht allzu lange warten!“ Doch plötzlich wurde er ernst. „Alles Okay?“, fragte er besorgt, als er eine Tränenspur auf Harrys Wange entdeckte. Harry fuhr sich leicht unbeholfen mit dem Handrücken über sein Gesicht, ehe er kräftig nickte. „Es ist nur das erste Weihnachtsfest mit euch allen“, erklärte er leise. Sirius ließ es sich nicht nehmen seinen Patensohn daraufhin einmal kräftig an seine Brust zu drücken, ehe er ihm durch die Haare wuschelte und zur Eile trieb, bevor er genau so schnell verschwand, wie er aufgetaucht war – vermutlich um den nächsten Hausbewohner aus dem Bett zu werfen. Harry sah ihm grinsend hinterher. Eigentlich hätte er damit rechnen müssen, oder nicht?

Als er wenig später die Treppen hinunter stieg, kam Draco gerade frisch gestriegelt und gestylt aus dem Badezimmer. Ohne sich mit Begrüßungen aufzuhalten, fragt er ihn: „Hat dich der Spinner auch aus dem Bett geworfen?“ Harry lachte. „Nein, ich war Merlin sei Dank schon wach.“ Der Slytherin schüttelte seinen Kopf und murmelte etwas, ehe er sagte: „Er ist ja in Ordnung, aber seine Weckmethoden sind grauenhaft.“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg ins Wohnzimmer, wo sie freudig von den Erwachsenen begrüßt wurden. Sie alle wünschten sie frohe Weihnachten und Draco staunte nicht schlecht, als er nicht nur von Lorelei, sondern auch von Lily in die Arme gezogen wurde, während James und Sirius ihm auf die Schulter klopften und sachte drückten. Harry hingegen wusste noch immer nicht wohin mit seinen Gefühlen. In den letzten Tagen hatte er sich über so viele Dinge Gedanken gemacht, dass er bis vorhin nicht daran gedacht hatte, wie es sein würde das erste Mal mit seinen Eltern Weihnachten zu feiern.

Es war Lily, die schlussendlich die Türe zum Wohnzimmer aufstieß. Sofort liefen James und Sirius hinein, während die Jugendlichen den Weihnachtsbaum bestaunten. Sogar Draco musste zugeben, dass es in Malfoy Manor keinen festlicheren Baum gegeben hätte. Er war riesig, sodass er mit dem Weihnachtsstern an der Spitze beinahe den Plafond erreichte. Die Äste waren dicht und die Nadeln hatten eine satte dunkelgrüne Farbe. Doch der prunkvolle, glitzernde Baumbehang stellte alles andere in den Schatten. „Wann habt ihr das gemacht?“, fragte Harry seine Mutter erstaunt. „Das waren doch nicht wir, das war der Weihnachtsmann!“ Harry schenkte seinen Paten einen abschätzenden Blick, ehe er sich wieder an seine Mutter wandte. „So wie dieser Baum aussieht, habt ihr dafür ewig gebraucht. Ihr hättet ruhig etwas sagen können, wir hätten euch gerne geholfen.“ Er hütete sich davor zu erwähnen, dass er es gewohnt war, den Baum zu schmücken, immerhin hatte er es bei den Dursleys auch jedes Jahr mitten in der Nacht machen müssen, damit Dudley weiterhin an den Weihnachtsmann glauben konnte. „Harry, jetzt sei ein braves Kind und glaub deinem Patenonkel. Wenn er sagt, dass es der Weihnachtsmann war, dann war er es auch“, grinste James. Sirius nickte. „Du hast deinen Vater gehört. Also sei artig und tu, was er sagt, sonst bekommst du keine Geschenke.“ Harry lachte, ehe er eine fromme Miene aufsetzte. „Ich sollte mich wohl besser beim Weihnachtsmann bedanken, was meint ihr?“ Während die anderen lachten, nickte Sirius. „So ist’s recht. Und jetzt kommt her und packt eure Geschenke aus, sonst mach ich das“, grinste er breit. James war schon dabei, das Geschenkpapier von einem der Pakete zu lösen.

Harry blickte zu seiner Mutter und Lorelei. „Was ist mit euch beiden?“ Lorelei warf einen Blick zum Weihnachtsbaum. „Ich denke, wir warten, bis die Raubkatzen das Feld geräumt haben“, zwinkerte sie. Harry lachte und schnappte sich Draco, der bis dato noch gar nichts gesagt hatte. „Na komm, auf ins Getümmel.“ Der Blonde sagte nichts und ließ sich einfach von Harry mitziehen. Es war schon lange her, dass er diese vorfreudige und aufgeregte Stimmung miterlebt hatte.

Zuerst nahm sich Harry das kleinere Päckchen von den Geschenken, auf denen sein Name stand. Erstaunt sah er auf den Absender und blickte zu Lorelei. Diese lächelte ihm aufmunternd zu. Schnell befreite er es von dem Geschenkpapier und öffnete das kleine Kästchen, welches zum Vorschein kam. Überrascht blickte er auf die beiden Armreifen, welche sich in der Kartusche befanden. Er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit Schmuck. Er betrachtete die Reifen genauer. Sie waren aus Silber und mit wunderschön eingravierten Mustern verziert. Auf dem zierlicheren Armreif befand sich in der Mitte ein Saphir, welcher links und rechts von zwei kleineren Diamanten flankiert wurde. Auf dem anderen Reif befand sich nur ein kleinerer Diamant, dafür waren darauf mehr Muster zu sehen. Bei genauerer Betrachtung stellte Harry fest, dass zwischen den Linien lateinische Wörter eingraviert waren.

Lorelei hatte ihn beobachtete und begann zu erklären: „Es sind magische Armreife. Den mit dem einzelnen Diamanten behältst du, den anderen gibst du einer dir wichtigen Person.“ Harrys Gedanken wanderten automatisch zu seiner Freundin. „Sobald irgendeiner von euch beiden in Gefahr ist, leuchtet der Reif des jeweils anderen blau. Je größer die Gefahr, umso heller wird er aufleuchten.“ Harry blickte erstaunt auf die Schatulle in seiner Hand. Er hatte gar nicht gewusst, dass es so etwas gab. Wieder einmal wurde ihm bewusst, dass es noch vieles in der magischen Welt gab, dass er lernen und entdecken musste. „Danke, die sind echt toll und noch dazu wunderschön. Nur leider hab ich nichts für dich“, lächelte er zum Schluss entschuldigend. Er hatte bis gestern nicht gewusst, dass seine Geschichteprofessorin Weihnachten mit ihnen verbringen würde. „Schon okay. Ich bin alt genug, um zu verstehen, dass Geschenke nicht das Wichtigste sind“, winkte sie lächelnd ab und warf dabei einen belustigten Blick auf James und Sirius, welche fasziniert ihre bereits ausgepackten Geschenke bestaunten.

Von Molly Weasley bekam Harry wie jedes Jahr herrliche Pasteten und Kekse und natürlich einen selbst gestrickten Pullover. Dieses Mal hatte die Mutter seines besten Freundes eine smaragdgrüne Wolle verwendet und ihm auf Brusthöhe seine Initialen HP und einen goldenen Schnatz mit einem goldenen Faden aufgestickt. Wie es schien, hatte sie den aufgestickten Schnatz verzaubert, denn dieser flog lebensfroh und unaufhaltsam rund um seine Initialen. Als er plötzlich das Lachen seines Vaters hinter ihm hören konnte, drehte er sich um. Was er sah, ließ ihn ebenfalls auflachen. Dieses Mal hatte sich Rons Mutter wirklich selbst übertroffen. James hatte genau denselben Pulli bekommen, nur hatte Molly hier haselnussbraune Wolle genommen und natürlich die Initialen JP verwendet. „Da hat sie aber unseren Geschmack getroffen, was?“ grinste James, nachdem er ihn sich übergezogen hatte. Harry tat es ihm nach. „Ja das hat sie“, sagte er und räusperte sich, als sein Hals plötzlich ziemlich eng wurde. Dass seine Ersatzmutter daran gedacht hatte, ihm und seinem Vater gleiche Pullover zu machen, rührte ihn. Molly war wirklich dir Gutherzigkeit in Person. James lächelte sanft und wuschelte seinem Sohn durch die Haare.

Als sich Harry wieder gefangen hatte, wandte er sich seinem nächsten Päckchen zu. Dieses war von Remus. Von ihm bekam er vier Karten für das Finale der regionalen Quidditchmeisterschaft und zwei Bücher mit den Titeln: Tipps und Tricks für die beste Verteidigung und Das Leben eines Aurors – die Geschichte von Xanmar Xion. Von Sirius bekam er das neueste und beste Besenpflegeset, das zurzeit auf dem Markt zu bekommen war, sowie ein Jahresabonnement für die angesagteste Quidditchzeitschrift. Seine Eltern schenkten ihm ein Quidditchballset für den hauseigenen Garten, einige neue Klamotten – wobei sich Harry sicher war, dass vor allem seine Mutter ihre Hände dabei ihm Spiel gehabt hatte – sowie Sing Star und Mario Kart* für seine Playstation. Seine Freundin hatte ihm Gutscheine für den neuen Quiddtich-Laden in der Winkelgasse besorgt, von dem alle, die schon dort eingekauft oder einfach nur geschmökert hatten, voll auf begeister waren.

Von den Zwillingen bekamen sie alle, großzügige Pakete von ihren Scherzartikeln. „Eigentlich müssten wir die ja sofort konfiszieren, findest du nicht Lily?“, scherzte Lorelei, während ihr Patensohn gemeinsam mit Harry den Inhalt des Päckchens unter die Lupe nahm. Erschrocken sah Harry seine Mutter an, welche so aussah als würde sie angestrengt überlegen. Das würde sie nicht tun. Oder? „Jetzt seid doch nicht so streng. Wie sollen sie denn Nachfolger der Rumtreiber werden, wenn ihr ihnen gleich von Anfang an das Leben schwer macht?“, war Sirius sofort auf der Seite der Jugendlichen. „Wer sagt denn, dass ich will, dass mein Sohn ein Rumtreiber wird, Sirius?“, kam es zuckersüß von Lily. „Tja, Schatz, auch wenn es so ist, dagegen können wir gar nichts machen, das hat er im Blut“, sagte James und zwinkerte seinem Sohn grinsend zu. Harry erwiderte das verschmitzte Grinsen und seine Mutter gab sich kopfschüttelnd geschlagen, doch das belustige Glitzern in ihren Augen verriet sie.

Als Harry das Geschenk von Hermine und Ron in die Hände nahm, drehte er es ein paar Mal in seinen Händen. Aufgrund von Hermines Einfluss hätte der Schwarzhaarige auf ein Buch getippt, doch die Form des Päckchens sprach dagegen. Neugierig öffnete er es und blickte überrascht auf, als ein großer Wandkalender zum Vorschein kam. Schnell schlug er das Deckblatt um und blickte mit großen Augen auf das Bild, welches am Kalenderblatt Jänner zum Vorschein kam. Es war ein Foto von seinen Freunden und ihm, wie sie sich im Garten des Fuchsbaus eine Schneeballschlacht lieferten. Sie alle hatten rote Wangen und ein Grinsen auf dem Gesicht. Harry schmunzelte, als er daran dachte. Das war bestimmt schon ein paar Jahre her. Schnell blätterte er den restlichen Kalender durch. Auf jedes Kalenderblatt war ein Foto von ihm und seinen Freunden, seiner Freundin oder seiner Familie gezaubert worden, welches mit der jeweiligen Jahreszeit übereinstimmte.

Von wo haben sie die schon wieder her, dachte er kopfschüttelnd, jedoch wich das sanfte Lächeln nicht von seinen Lippen. Er staunte nicht schlecht, als ihm im August rotes Haar entgegen flammte – Ginnys Geburtsmonat. Auf dem magischen Bild sah man ein kleines süßes Baby, welches in den Armen von einem jungen Bill Weasley friedlich schlummerte. Rundherum standen alle ihre älteren Brüder, die sie staunend beobachteten. Erst als sie aufwachte und allem Anschein nach, zu brüllen begann, sah man, wie sich Fred, George und Charlie - mit einem kleinen Ron auf dem Arm aus dem Staub machten. Harry lachte auf. „Das ist ja süß“, meinte seine Mutter, welche über seine Schulter mit gesehen hatte, entzückt. „Zeig mal her.“ Kurzerhand schnappte sich Lily den Kalender und blätterte gemeinsam mit James durch die Seiten. Kopfschüttelnd wandte sich Harry der Karte zu, die ihm die beiden mitgeschickt hatten.

Hey Harry,
Frohe Weihnachten!
Wir hoffen das Geschenk gefällt dir! Ron und ich hatten so unsere Probleme dich und Ginny heimlich zu fotografieren, aber wir hatten ja tatkräftige Unterstützung von Fred und George, außerdem haben wir Collin in Hogwarts gebeten, euch ab und zu abzulichten.


(Plötzlich änderte sich die Schrift.)

Wer hätte gedacht, dass seine dämliche Kamera auch mal zu was gut ist?

(Harry konnte Rons Lachen direkt hören)

Wie auch immer, wir hoffen wirklich, dass er dir gefällt. Wir freuen uns schon darauf dich bald wieder zu sehen. Bis dahin genieße deine Ferien mit deiner Familie und erhol‘ dich gut!

Liebe Grüße,
Hermine & Ron


Harry lächelte sanft. Wieder einmal wurde ihm bewusst, dass er die besten Freunde der Welt hatte. Er legte die Karte zu seinen restlichen Geschenken und ließ anschließend seinen Blick durch den Raum schweifen. Sirius und James saßen in einem Haufen Geschenkpapier und unterhielten sich ausgelassen. Harry grinste, diese beiden waren einfach einmalig. Wie es schien, hatten nun auch Lorelei und seine Mutter ihre Geschenke ebenfalls geöffnet. Sein Blick blieb an Draco hängen, welcher gerade in einem Brief vertieft war. „Wer schreibt dir?“, fragte er sogleich. Draco, welcher gerade fertig gelesen hatte, murmelte etwas von neugierigen Gryffindors, ehe er aufblickte. „Blaise. Er beschwert sich darüber, dass ich mich nicht gemeldet und ihm deshalb Sorgen bereitet habe“, erklärte er trotz seiner vorherigen Bemerkung bereitwillig und verzog sein Gesicht. Sein bester Freund konnte manchmal wirklich anstrengend sein. Harry lachte. „Wer kann es ihm verübeln. So ziemlich jeder dachte, dass wir uns gegenseitig auf die Nerven gehen würden.“ Draco grinste abfällig. „Wer sagt, dass das nicht der Fall ist, Potter?“ Harry grinste. „Jeder hier im Raum. Dich eingeschlossen.“

Sicher nicht, Potter.
Oh doch, Malfoy.
Wie kommst du nur immer wieder auf diese absurden Gedanken?
Dieser Gedanke ist nicht absurd. Man sieht es dir an!
Das kann ich mir nicht vorstellen, Potter.
Ich glaube, dass du dir vieles nicht vorstellen kannst, Malfoy.
Ich hasse dich, Potter.
Ich hasse dich auch, Malfoy. Kein Grund sich schlecht zu fühlen.
Klappe, Potter.
Gib einfach zu, dass ich Recht habe.
Hast du aber nicht.
Hab ich doch!
Hast du nicht!
Hab ich doch!
Hast du nicht!
Hab ich nicht!
Hast du doch! ~ Argh! Ich hasse dich, Potter!


Harry lachte. „Das hatten wir schon. Wir beide wissen, dass das nicht stimmt.“ Draco verzog sein Gesicht. „Nein das tut es nicht, trotzdem gehst du mir gewaltig auf die Nerven“, schnarrte er. Harry sah ihn an. Draco verdrehte daraufhin die Augen. „Jetzt guck nicht so dämlich Potter, sonst nehm‘ ich es wieder zurück.“ Hastig nickte Harry und begann dämlich zu grinsen. Der Slytherin schlug sie die Hand auf die Stirn. „Was an nicht dämlich gucken, hast du nicht verstanden?“ Lorelei wandte sich überrascht an Lily. „Du hast wirklich nicht übertrieben, die Unterhaltungen der beiden laufen tatsächlich immer in demselben Muster ab.“ Das brachte die beiden Jungen dazu, aufzusehen.

Reden die gerade über uns?
Allem Anschein nach, Potter.
Haben die denn nichts Besseres zu tun, als unser Verhalten zu studieren?
Allem Anschein nach nicht, Potter.
Ich komm‘ mir vor wie ein Tier im Zoo.
Allem Anschein nach, Potter.
Irgendwie passt die Antwort nicht ganz auf meine Frage.
Allem Anschein nach, Potter.
Ist bei dir die Platte hängen geblieben?
Allem Anschein nach, Potter.


Harry und Draco sahen sich an und begannen zeitgleich schallend zu lachen. Die anderen sahen verwundert zu ihnen herüber. Hatten sie etwas verpasst? Die beiden Jugendlichen saßen nebeneinander am Boden inmitten von Geschenkpapier und lachten sich die Seele aus dem Leib. Harry musste sich an Draco, welcher sich bereits vor lauter Lachen den Bauch hielt, stützen, um nicht umzukippen. Der Blonde wusste nicht wirklich, wieso er so viel lachen musste, doch er tat es. Es war einem Malfoy nicht würdig, sich vor anderen so ausgefallen zu geben, aber er konnte seine Lachtränen nicht stoppen. Dieses warme Gefühl in der Magengegend und das Kitzeln in seiner Kehle fühlten sich gut an. Er mochte es, hin und wieder ausgelassen zu sein. Dieses Gefühl bestärkte ihn darin, zu glauben, dass seine Entscheidung die richtige gewesen war. Die Erwachsenen wussten noch immer nicht, was denn so lustig war, doch das Lachen der Jungs war ansteckend. Es dauerte nicht lange, bis alle anderen mit einstimmten.



Als Draco an diesem Abend zu Bett ging, dachte er bei sich, dass dies seit langem wieder einmal ein Weihnachtsfest gewesen war, an das er mit einem Lächeln im Gesicht zurückdenken konnte. Nach einem üppigen, festlichen Frühstück hatten sie sich entschlossen Potters Quidditchbälle einzuweihen. Natürlich hatten sie dabei die Zeit übersehen und wurden kurz vor dem Mittagessen von seiner Tante und Lily getadelt. Danach hatte es den herrlichsten Weihnachtsbraten gegeben, den er jemals gegessen hatte. Vielleicht schmeckte selbst gekochtes Essen wirklich besser als die Gerichte, welche die Hauselfen zubereiteten?

Lily hatte danach auf einen Spaziergang bestanden und so waren sie zwei Stunden durch die im Lichte der langsam untergehenden Sonne glitzernden Schneemassen geschlendert. Natürlich hatte Potter anfangen müssen, mit Schneebällen um sich zu werfen. Als den Slytherin schlussendlich einer der Matschbälle am Hinterkopf getroffen und somit seine Frisur versaut hatte – er hatte bis jetzt nicht herausgefunden, wer dafür verantwortlich gewesen war, alle hatten es abgestritten - hatte Draco sich ebenfalls in das Getümmel begeben müssen, es galt immerhin seine Ehre zu verteidigen.

Am Abend hatten sie sich im Wohnzimmer versammelt und sich bei guter Musik, Plätzchen und Punsch unterhalten. Irgendwann hatte James seine Frau zum Tanzen aufgefordert und da Sirius gerade den Raum verlassen hatte, um Plätzchennachschub zu holen, seine Tante aber unbedingt hatte tanzen wollte, hatte sie sich ungefragt seine Hand geschnappt und ihn auf ihre provisorische Tanzfläche gezogen. Anfangs hatte er sich dagegen gesträubt, doch als Sirius, welcher gerade zurückgekommen war, ihn fassungslos ansah, hatte er nur breit gegrinst und seine Tante näher zu sich heran gezogen. Als Sirius dann abklatschen wollte, machten ihm James und Draco einen Strich durch die Rechnung, als sie ihre Tanzpartnerinnen tauschten. „Sorry Padfoot. Aber diesen Tanz ist mit Lorelei seit unserer Abschlussfeier schuldig“, scherzte James. „Gar nicht war, auf deiner Hochzeit habe ich bestimmt auch mit dir getanzt.“ James schüttelte den Kopf. „Anfangs konnte ich mich nicht von Lily losreißen, und als ich dann doch mit den anderen weiblichen Gästen getanzt habe, konntest du dich nicht von Sirius losreißen“, lachte er. Lorelei wurde kurz rot, grinste aber ungeniert. Sirius hatte sich daraufhin schmollen neben seinem Patensohn gesetzt. Es war ein lustiger Abend geworden, als Lily versucht hatte, ihrem Sohn tanzen beizubringen und es Sirius schlussendlich doch geschafft hatte, mit Lorelei zu tanzen. Draco musste zugeben, dass diese beiden wirklich ein schönes Paar abgaben.

Noch während er die Geschehnisse des heutigen Tages Revue passieren ließ, wurde er von seiner Müdigkeit überrannt. Langsam verabschiedete sich sein Verstand von der Realität und driftete ab in eine Welt, die sowohl erholsam wie auch berauschend oder beängstigend sein konnte. Er wehrte sich nicht dagegen und ließ es zu, dass ihn seine Müdigkeit übermahnte. Seine Augen fielen zu.

Es war kalt. Weiße Wölkchen bildeten sich vor seinem Mund, als er seinen Atem ausstieß. Fest schlang er die Arme um seinen dünnen Körper, der nur mit seinem besten Flanellpyjama bedeckt war. Er fror. Wo war er? Ein kalter Lufthauch erfasste ihn. Wie es schien, befand er sich im Freien. Es war so dunkel, dass er nichts erkennen konnte. Sein Blick wanderte nach oben, doch er konnte den Mond nicht sehen, geschweige denn irgendwelche Sternenbilder. Er machte einen Schritt nach vorne und hörte den Schnee unter seinen nackten Füßen knirschen. Ein eisiger Schauer lief über seinen Rücken. Wieso war er barfuß? Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall, der Draco straucheln ließ. Erschrocken drehte er sich um.

Einige Meter von ihm entfernt loderte ein wütendes Flammenmeer auf. Es stank nach verkohltem Holz und der schwarze Rauch, der den Flammen entkam wich züngelt zum Himmel empor. Das Feuer labte sich unaufhaltsam an den Mauern des Hauses und verschlang alles, das sich ihm in den Weg stellte. Männer in schwarzen Mänteln standen in einem sicheren Abstand rund um das Gebäude, sie kreischten und lachten. Dracos Atmung ging schnell. Natürlich hatte er die Kapuzenmänner erkannt – Todesser. Was war hier los? Einer der Todesser wandte sich unerwartet in seine Richtung. Draco zuckte zurück und plumpste ungalant auf seinen Hintern, als er auf den eisigen Schnee den Halt verlor. Draco hielt den Atem an. Der Mann riss sich die Maske vom Kopf und kam auf ihn zu. Die hässliche Fratze, die zum Vorschein kam, ließ den jungen Malfoy erschauern. Fieberhaft versuchte er, sich wieder auf die Füße zu kämpfen, konnte jedoch auf dem eisigen Grund keinen Halt finden.

Hastig griff er nach seinem Zauberstab und schallte sich in Gedanken einen Dummkopf, als er ins Leere griff. Natürlich hatte er seinen Stab nicht bei sich, der lag vermutlich wie üblich unter seinem Kopfkissen – dort brachte er ihn gerade herzlich wenig. Hart wurde er am Oberarm gepackt und in Richtung des Hauses geschleift. Er trat wild um sich, da er sich nicht anders zu wehren wusste, doch seine Bemühungen zeigten keinen Erfolg. Fette Finger krallten sich in seine Haare und rissen seinen Kopf nach oben, sodass er direkt auf das Haus blickte. Dracos Gesicht glühte, als ihm die Hitze des Feuers entgegenschlug. Man konnte aufgrund der Zerstörung nicht mal mehr erahnen, wie dieses Haus früher ausgesehen haben mochte. Der Todesser ließ seine Haare los und trat ihm in den Rücken. Draco stolperte nach vorne und fiel zu Boden. Er blickte verwirrt zurück auf die makabere Gestalt. Was wollten sie von ihm? Er hörte einen Schrei und das Blut gefror in seinen Adern.

Langsam wie ihn Zeitlupe wandte er sich wieder dem Haus zu. Ihm stockte der Atem. Es befanden sich noch Menschen in dem Haus! Und plötzlich sah er sie. Vier oder fünf Gestalten standen in Flammen und schrien sich die Seele aus dem Leib. Sie konnten nicht hinaus. Sie würden sterben. Er wollte sich bewegen. Irgendetwas tun, um zu helfen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht. Draco zitterte unaufhaltsam. Die meisten Gesichter konnte er nicht mehr erkennen, da sie von den Flammen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden waren. Seine Sicht verschwamm. Auch wenn er einige unter ihnen nicht mehr erkennen konnte, so konnte er doch ihre Schreie zuordnen. Und plötzlich wusste Draco wo er war.

Er war in Potters Garten.


Draco riss die Augen auf. Er war schweißgebadet und seine Atmung ging rasch. Adrenalin rauschte in seinen Ohren. Tränen liefen über sein Gesicht. Ein Traum. Ein verdammter Albtraum. Er wusste nicht, ob er über diese Erkenntnis froh sein sollte oder nicht. Fahrig fuhr er sich mit der Hand über sein hübsches Gesicht, ehe er zittrig die Decke zur Seite schob und sich aufrichtete. Er versuchte seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen, sodass das Rauschen in seinen Ohren nachließ. Es dauerte etwas, bis sich sein rascher Atem gelegt hatte. Danach lauschte er in die Stille hinein, die im Haus herrschte. Nichts war zu hören. Etwas wackelig auf den Beinen stand er auf und ging zum Fenster. Angespannt sah er hinunter, doch von dunklen Gestalten war weit und breit nichts zu sehen. Mit zittrigen Fingern fuhr er sich durch seine Haare und verzog das Gesicht, als er merkte, dass kalter Schweiß auf seiner Stirn stand. Ihm war übel. Leise schlich er sich hinaus ins Badezimmer, um sich sein Gesicht zu waschen. Als er es wieder verließ, entschied er sich, sich ein Glas Wasser aus der Küche zu holen, vermied es aber, das Licht anzuschalten, um niemanden zu wecken. Immerhin fand er den Weg auch im Dunkeln.

Er war erstaunt, als in der Küche Licht brannte. Unwillkürlich beschleunigte sich seine Atmung wieder. Das konnte nicht sein. Irgendein Schutzzauber hätte Alarm geschlagen, versuchte er sich selbst zur Ruhe zu zwingen, doch die Unsicherheit blieb. Leise schlich er sich an die Küchentüre heran und lugte hinein. Überrascht sah er Sirius am Küchentisch sitzen, über ein kleines Heftchen gebeugt und eine dampfende Tasse neben sich. Er zuckte zurück, als der Auror plötzlich seinen Kopf hob und ihn direkt ansah. Da es bereits vier Uhr früh war, entschied sich Sirius für ein „Guten Morgen, Draco.“ Doch der Blonde klammerte sich nach wie vor mit einer Hand am Türrahmen fest und starrte den Auror an. „Was ist? Hast du jemand anderen erwartet?“, fragte Sirius grinsend. Draco räusperte sich kurz, ließ den Türstock los und betrat die Küche. Er strafte seine Schultern. „Nein, ich wollte mir nur ein Glas Wasser holen und hab nicht damit gerechnet, dass jemand hier ist.“ Sirius‘ Blick wanderte von Dracos müden, blutunterlaufenen Augen, zu dem durchgeschwitzten Pyjama und schlussendlich zu seinen zitternden Fingern. Sein Blick wurde sanft. Er legte das Büchlein und seine Schreibfeder zur Seite und erhob sich. „Ich hab hier was Besseres für dich. Heiße Schokolade. Du siehst aus, als könntest du auch eine Tasse davon vertragen.“ Draco wollte ihm erklären, dass er kein kleiner Junge mehr war, als ihm ebenfalls auffiel, dass seine Hände immer noch zitterten. Als er es nicht unterbinden konnte, gab er sich schnarrend geschlagen und ließ sich auf einem Stuhl nieder, während Black die heiße Schokolade zubereitete.

„Was hast du da geschrieben?“, fragte Draco, als er die Stille nicht mehr aushielt. Sirius hielt kurz inne, ehe er die Schokolade in eine Tasse füllte und sie Draco reichte. Der Blonde dachte bereits, dass ihm Black keine Antwort geben würde, als dieser erklärte: „Das ist mein Traumtagebuch.“ Draco verschluckte sich an seinem Kakao. Sirius lachte. „Das hast du mir wohl nicht zugetraut, was?“ Der Slytherin nickte wahrheitsgetreu. Der Auror lächelte schief. „Moony meinte, dass ich es einmal probieren sollte.“ Der junge Malfoy zog eine Augenbraue in die Höhe. „Bist du unter die Traumdeuter gegangen?“, wollte er wissen.

„Ich sollte mich wohl verbesseren: es ist kein Traumtagebuch, mit dem ich Träume deuten oder sonstigen Schwachsinn machen will. Es ist – wenn du so willst – ein Albtraumtagebuch.“ Draco sah ihn entgeistert an und plötzlich bemerkte er den gehetzten Blick in Blacks Augen. Auch er schien müde und abgekämpft. Draco schluckte. Er hätte nicht fragen sollen, das war ein Thema, dass ihn nichts anging. Er brachte keine der Fragen, die nun in seinem Kopf herumschwirrten, heraus. Sie alle wirkten zu persönlich, er konnte von Potters Paten nicht erwarten, dass er ihm von seinen Albträumen erzählte. Sirius, der Draco beobachtet hatte und dessen Unsicherheit spürte, lächelte leicht. „Wenn ich es geheim halten hätte wollen, dann säße ich nicht hier in der Küche, wo jederzeit jemand hereinplatzen kann, sondern in irgendeinem kleinen, geheimen Kämmerchen“, beruhigte er den Jungen. „Und ich denke mal, es ist kein Geheimnis, das ich dreizehn Jahre lang in Askaban war. Diese Jahre gehen nicht einfach so an einen vorüber. Auch wenn mich diese Zeit nicht bis zum Wahnsinn getrieben hat, so holt mich das Grauen jede Nacht wieder zurück in diese Zelle.“ Draco durchfuhr ein Zittern. „Man gewohnt sich irgendwann daran, mit wenig Schlaf auszukommen, aber ich habe nicht vor ewig so weiterzumachen. Ich gebe es zwar nicht gerne zu, aber bei manchen Dingen brauche ich auch Hilfe. Deshalb hab ich mir gedacht, dass ich Moonys Ratschlag folgen und anfangen sollte die Albträume niederzuschreiben.“

„Und hilft es?“ Sirius ließ sich mit der Antwort Zeit. „Ich mach‘ es noch nicht lange, also bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Dracos Blick wanderte zu dem kleinen Büchlein, das ziemlich abgenutzt aussah und - wenn man dem Lesezeichen Glauben schenkte - beinahe bis zum Ende vollgeschrieben war. „Aber es hilft dir, nach einem Albtraum deine Gedanken zu ordnen und wieder einzuschlafen. Man fängt an, sich von dem Geschriebenen zu distanzieren. Man begreift, dass das alles Vergangenheit ist, beginnt zu akzeptieren und lernt loszulassen.“ Sirius grinste plötzlich. „Ich höre mich an, wie ein alter Mann.“ Draco lächelte. „Du bist alt, Sirius.“ Sirius wirkte erst empört, ehe er sein bellendes Lachen verlauten ließ. Draco wusste zwar nicht, wieso, aber es freute, ihn, den langhaarigen Mann vor ihm zum Lachen gebracht zu haben. Langsam nahm er einen weiteren Schluck aus seiner Tasse und stutze. Sirius lächelte wissend. „Hast du mich erwischt?“, grinste er unschuldig. Dracos abschätzender Blick traf ihn.

„Was hast du da rein gemischt?“ Sirius lehnte sich zurück. „Lilys Schöntraumtrank.“ Aufgrund von Draco wahrhaft dämlichen Gesichtes musste Sirius erneut auflachen. „Von dem hat sie dir wohl noch nichts erzählt, was?“ Der Junge schüttelte den Kopf, worauf Sirius erklärte: „ Er besteht aus einer Mischung aus verschiedenen alkaloidhaltigen Nachtschattengewächsen, wie der Tollkirsche, dem schwarzen Bilsenkraut und dem bittersüßen Nachtschatten. Es ist sozusagen ein abgeschwächter Traumlosschlaftrank. Das Gute daran ist, dass man ihn mit anderen Getränken mischen kann. Außerdem macht er nicht abhängig, egal wie viel du von diesem Trank einnimmst. Das nicht so tolle daran ist, dass er aufgrund der Änderungen nur halb so effektiv ist wie der Traumlosschlaftrank.“ Draco sog die Informationen auf wie ein Schwamm. „Wieso heißt er Schöntraumtrank?“, wollte er wissen. „Zusätzlich sind noch Zimt, Nelken und Pomeranzenöl enthalten, die wie du bestimmt weißt, auch in manchen Liebestränken Verwendung finden. Bei der Mehrheit der Testpersonen hat diese Mischung zu schönen Träumen geführt. Der Rest hat angegeben nichts geträumt zu haben, aber alle Mal besser als Albträume. Bei rund zehn Prozent der Testpersonen war der Trank jedoch vollkommen wirkungslos.“

„Und du hast einfach mal gedacht, dass du ihn an mir ausprobierst?“ Sirius wurde ernst. „Ich wäre kein guter Auror, wenn ich nicht bemerkt hätte, dass mit dir etwas nicht stimmt. Da ich Vertrauen in meine und James‘ Abwehr- und Schutzzauber habe, kann hier niemand ohne mein Wissen eingedrungen sein, deshalb bin ich davon ausgegangen, dass dich ein Albtraum heimgesucht hat.“ Kurz musterte er den jungen Malfoy. „Und ein schlimmer noch dazu. Und da ich den Trank bereits hier hatte und keine Nebenwirkungen festgestellt wurden, hab ich gedacht, dass es auf alle Fälle nicht schaden könnte. Falls er keine Wirkung zeigt, hast du einfach eine heiße Schokolade mit einem feinen Zimtgeschmack.“ Draco blieb stur. „Du hast mir gegen meinen Willen einen Trank eingeflößt.“ Sirius verdrehte seine Augen. „So wie du es sagst, hört es sich an, als hätte ich dir die Phiole an den Mund gedrückt und dir die Nase zugehalten. Weißt du, wenn ich es dir angeboten hätte, hättest du bestimmt Nein gesagt. Manche Leute muss man einfach zu ihrem Glück zwingen, wenn sie zu stur sind, um Hilfe anzunehmen.“ Draco schnaubte und sagte nichts mehr, stattdessen machte er einen weiteren Schluck. Sirius grinste wohlwollend.

Sie verfielen in Schweigen, während sie beide ihren Kakao austranken. Draco merkte, wie er ruhiger wurde und das Zittern in seinen Händen nachließ. Unbewusst dachte er darüber nach, auch mit so einem Traumtagebuch anzufangen. Schaden konnte es auf alle Fälle nicht. Außerdem wunderte er sich darüber, dass ihn Black nicht nach seinem Albtraum gefragt hatte. Doch insgeheim war er dem Auroren dankbar.

Als seine Tasse leer war, erhob er sich galant aus dem Stuhl und stellte sie in die Spüle. „Danke für die heiße Schokolade“, kurz hielt er inne. „Und deine Gesellschaft.“ Sirius lächelte. „Gerne.“ Danach schritt Draco zur Türe, blieb aber im Türrahmen stehen.

Eine Frage hätte ich da noch.
Die da wäre?
Wer zum Teufel ist Moony?


Lorelei schreckte aus ihrem Schlaf, als sie das bellende Lachen ihres Freundes durch die Gänge hallen hörte.




Ich liebe es jedes Mal wieder, wenn meine Weihnachtskapitel mitten im Hochsommer fertig werden: Ich sitze hier und schwitze wie ein Schwein (pardon) und schreibe über Schneelandschaften :'D Aber da ich ein wahrhafter Weihnachtsfreak bin, hoffe ich doch, dem ein oder anderen ein bisschen Lust auf einen Weihnachtskeks oder eine Tasse Punsch gemacht zu haben - ich für meinen Teil, mampfe schon meinen Lebkuchen :D

Bis bald,
eure Mel



*Ich weiß, ich weiß – Mario Kart gibt es nicht für Playstation, aber ich liebe es einfach und musste es demnach irgendwie unterbringen – man entschuldige diese Tat mit der künstlerischen Freiheit :)


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