
von MelRU
Hallöchen meine Lieben,
ich weiß ich kann diese ewig lange Wartezeit nicht mehr gut machen, auch nicht durch eine Entschuldigung. Bei mir ging es in den letzten paar Monaten drunter und drüber, da ich mich gerade durch mein erstes Semester auf der Uni kämpfe. Außerdem ist vor ein paar Wochen unerwartet mein Großvater gestorben, was uns alle ziemlich aus der Bahn geworfen hat.
Aber er war sozusagen der Grund warum ich mich endlich aufgerafft habe wieder weiterzuschrieben. Er hat sich in den letzten paar Monaten immer mit den Worten bei mir verabschiedet: "Ich wünsche dir alles Glück der Welt und hoffe, dass du gesund bleibst und glücklich bist." Irgendwie denke ich, dass er selbst es schon gewusst hat, dass es für ihn zu Ende geht.
Nach seinem Tod habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was mich glücklich macht und ich bin immer sehr glücklich, wenn mir jemand schreibt, dass ihm das gefällt was ich hier tue. Es macht mich also glücklich, wenn ich euch mit dieser Story eine Freude bereiten kann.
Ich hoffe ihr nehmt mir die Wartezeit nicht all zu übel und wünsche euch nun viel Spaß mit dem Kapitel.
Kapitel 49
Die Lehre des Geistes
Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele.
„Du siehst müde aus, Schatz. Hast du nicht gut geschlafen?“, fragte Lily ihren Sohn, als sie mit ihm gemeinsam nach dem Abendessen in ihren Privaträumen saß. „Doch schon, aber es ist gestern ziemlich spät geworden“, meinte Harry schulterzuckend. „Aber du hast dich gut gehalten“, entgegnete seine Mum daraufhin lächelnd.
„Ich war betrunken“, stellte Harry nüchtern fest. Lily lachte. „Aber du bist süß, wenn du betrunken bist, genauso wie dein Vater.“ „Soll mich das jetzt trösten? Wieso habe ich das Gefühl, dass alle etwas wissen, was ich nicht mehr weiß. Und wieso hat mich keiner aufgehalten. Es war nicht unbedingt mein Ziel betrunken zu sein“, empörte sich Harry. „Ich glaube, da gab es gewisse andere Personen, die diese Ansicht nicht vertreten haben“, gab ihn seine Mutter zu bedenken.
„Ich erinnere mich dunkel daran, dass Fred und George mir immer wieder nachgeschenkt haben, aber sie streiten es die ganze Zeit ab“, meinte Harry schmollend. „Ihr seid alle so fies.“ „Ich wäre fies, wenn ich dir keinen Ausnüchterungstrank gegeben hätte“, lächelte seine Mutter. Harry biss sich auf die Unterlippe. „Denn wenn nicht, hättest du wahrscheinlich einen schönen Kater.“ „Kommt es mir nur so vor, oder sprichst du aus Erfahrung, Mum“, hackte Harry fies grinsend nach. „Tja, das möchtest du jetzt gerne wissen, was? Aber das verrate ich dir nicht. Und außerdem brauchst du dir nichts dabei zu denken. Was für ein Schüler ist nicht mindestens einmal in seiner Hogwartszeit betrunken? Abgesehen davon warst du ja nicht der einzige, der etwas zu tief ins Glas geschaut hat.“
„Stimmt, wenn ich daran denke, wie Dean heute Morgen ausgesehen hat“, stimmte Harry seiner Mutter zu. „Oh ja, der Arme tut mir ehrlich leid. Er hat es gestern geschafft den Raum ohne Ausnüchterungstrank zu verlassen. Aber genug davon, kommen wir zu den Grund warum wir zwei Hübschen heute hier sind.“
Harry stöhnte gequält auf. „Stell dich nicht so an, Schatz. Am Anfang werden wir uns nur über Okklumentik und Legilimentik unterhalten. Du weißt, dass du niemanden etwas beweisen brauchst. Wenn dir unsere Übungen einen Vorteil verschaffen können, dann wäre das natürlich ideal, aber wenn wir nicht weiterkommen ist es auch nicht so schlimm. Siehe es einfach als erweitertes Wissen an“, beschwichtigte Lily ihren Sohn, dem sie das leichte Unwohlsein angesehen hatte. Als er erleichtert ausatmete, fuhr sie fort: „Also, erzähl mir einmal was du über Okklumentik und Legilimentik weißt.“
„Okklumentik ist die Fähigkeit, seinen Geist vor fremden Eindringen zu schützen“, begann Harry und sah seine Mutter gespannt an, als sie aufmunternd nickte, fuhr er fort: „Mit dem Zauberspruch Legilimes kann man gewaltsam in den Geist eines Menschen eindringen und so dessen Gedanken erkennen. Dem kann man entgegenwirken indem man lernt seinen Geist zu verschließen.“ Harry wusste selbst, dass dies eine ziemlich stümperhafte Erklärung war, doch seine Mutter schien damit zufrieden.
„Das ist richtig und wie du selbst in deinem fünften Schuljahr erlebt hast, gibt es mehr als eine Methode um in den Geist eines anderen Menschen einzudringen. Severus benutzte den Zauberspruch Legilimes, den du gerade erwähnt hast und Voldemort nutzt wie es scheint die Verbindung zu deiner Narbe. Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, wie ich dir im Krankenflügel schon gesagt habe.“
„Ja, diese Methode beruht auf geistiger Konzentration und ist weitaus gefährlicher, da sie meist gar nicht bemerkt wird“, teilte Harry seiner Mutter mit, welche daraufhin zufrieden nickte. „Es gibt nur sehr wenige Menschen, die diese Methode beherrschen, da es schwierig ist sie zu erlernen und es deshalb einfacher ist einen Legilimes Zauber anzuwenden“, erläuterte sie ihm.
„Und du beherrschst diese Methode?“, fragte Harry ungläubig. „Ja“, nickte seine Mutter und fixierte den Inhalt ihrer Tasse. „Wieso kannst du das? Ich meine warum hast du das gelernt und wann?“, fragte sie ihr Sohn neugierig. „Ich habe einen Freund dabei geholfen es zu lernen“, war alles was seine Mutter sagte, danach schien sie gedanklich etwas abzudriften. Harry merkte, dass sie nicht mehr darüber sagen würde und fragte sie: „Und du denkst, dass ich das auch lernen kann?“ Lily blinzelte kurz und schüttelte ihren Kopf um ihn wieder frei zu bekommen, ehe sie ihm antwortete: „Natürlich, sonst würden wir zwei nicht hier sitzen, meinst du nicht?“
„Naja, aber wie Ron gesagt hat: Ich war eine Niete in Okklumentik“, meinte Harry nicht ganz überzeugt. „Und ich habe dir bereits gesagt, dass du durch die Verbindung zu Voldemort anscheinend deine Fähigkeiten auf diesem Gebiet weiter ausgebreitet hast.“
„Wäre es nicht besser wenn ich lerne meinen Geist zu verschließen, anstatt in den Geist von anderen einzudringen? Ich weiß, dass würde mir vielleicht einen Vorteil verschaffen, aber ich würde mich irgendwie wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass meine Gedanken auch wirklich meine Gedanken bleiben“, teilte Harry seiner Mutter seine Überlegungen mit.
„Wie ich schon gesagt habe, verlangt niemand von dir weder das eine noch das andere. Es liegt ganz im deinem Ermessen, was du lernen willst und was nicht. Aber egal wofür du dich entscheidest, zuerst musst du begreifen, was dein Geist eigentlich ist“, erklärte ihm seine Mutter.
„Okay und was ist mein Geist?“
„Der menschliche Geist ist nicht an den leiblichen Körper gebunden, er existiert nur in ihm“, begann Lily zu erklären. „Du kannst ihn nicht sehen, hören, riechen oder schmecken, aber er ist dennoch ein Teil von dir. Wahrscheinlich sogar der wichtigste Teil, da er dich zu dem macht was du bist. Er verleiht dir die Fähigkeit richtig und falsch zu unterscheiden, er speichert Erlebnisse als Erinnerungen ab und lässt dich Gefühle entwickeln.“
„Du meinst also, wenn ich sage, dass ich in deinen Geist eindringe, dann verlässt mein Geist meinen Körper und kommt zu dir?“, fragte Harry und sah reichlich verwirrt aus. „So könnte man es sagen. Du schickst deinen Geist sozusagen auf die Reise zu mir.“
„Das hört sich ziemlich abgehoben an, findest du nicht?“ Lily lachte. „Denk daran wie du dich gefühlt hast, als Hagrid dir erzählt hat, dass du ein Zauberer bist. Hast du ihm das denn geglaubt?“ „Ganz ehrlich? Ich habe gedacht er ist ein Spinner.“ Lily prustete los und auch Harry begann zu lachen.
„Weißt du, als ich damals meine Eule mit dem Hogwartsbrief bekommen habe, wollte ich es auch nicht so recht glauben. Vielleicht wollte ich es schon, aber mein Verstand hat mir gesagt, dass es so etwas wie Zauberei nicht gibt. Ganz anders hingegen war meine Mutter, sie war von Anfang an begeistert gewesen. Sie hat nie daran gezweifelt, dass ich eine Hexe bin. Als ich dann vor der großen rot, schwarzen Lok am Bahnhof 9 ¾ stand, habe ich sie gefragt, warum sie so überzeugt davon gewesen war. Sie hat gesagt, dass sie auf ihr Herz gehört hat“, erzählte ihm seine Mutter und lächelte selig.
„Großmutter war eine tolle Frau, oder?“, fragte Harry. Bei den Dursleys war nie über Petunias Eltern gesprochen worden. Alles was Harry erfahren hatte war, dass ihre Namen Megan und Dillen gewesen sind und dass sie Tod waren.
„Ja, das war sie. Hat dir Petunia nie über sie erzählt?“, fragte ihn seine Mutter erstaunt. „Nein, ich weiß eigentlich nichts über sie“, erklärte ihr Harry. Lily schüttelte verständnislos den Kopf, aber sie entschied sich nachher damit auseinander zu setzen. „Deine Großmutter war eine sehr spirituelle Frau. Ich denke, dass es spirituellen Menschen, welche sich viel mit dem menschlichen Geist beschäftigen, relativ leicht fällt gewisse Dinge zu glauben. Sie können Dinge so akzeptieren wie sie sind und brauchen nicht immer Beweise dafür. Verstehst du was ich meine?“
„Ich denke schon. Legst du viel Wert auf Spiritualität?“, fragte er seine Mutter.
„Spiritualität gibt es in verschiedenen Ausdrucksformen. Gottvertrauen, Weisheit, Mitgefühl, Einsicht, Mediation und einige andere. Ich zum Beispiel meditiere, meistens dann wenn ich aufgewühlt bin. Dein Vater macht es auch oft, besonders nach harten Tagen im Ministerium, um seine Gedanken zu ordnen.“
„Dad meditiert? Und wie geht das?“ Harrys Neugierde war entflammt, wenn sogar sein Vater meditierte, musste etwas dran sein. „Es gibt verschiedene Techniken. Warte, ich müsste sogar ein Buch hier haben.“ Lily stand auf und schritt zu einem Bücherregal an der gegenüber liegenden Wand. Es dauerte eine Weile, bis sie ein Buch vom Regal nahm und sich wieder zu ihm setzte. „Hier, da steht alles drinnen, was du wissen solltest. Es hat mir sehr geholfen“, sagte sie und überreicht ihm das Buch. „Danke, Mum!“
„Gerne. Ich bin ziemlich davon überzeugt, dass dir das Meditieren auch bei unserem Training helfen kann. Bei Okklumentik sollst lernen deinen eigenen Geist zu finden und ihn zu schützen. Dafür sollte dein Geist frei von unnötigen Ballast und bedrückenden Gedanken sein. Du musst lernen, dich nur auf dich selbst zu konzentrieren. Bei Legilimentik sollst du außerdem noch die Präsenz anderer ausfindig machen und deinen Geist sozusagen auf die Reise zu schicken.“
„Hört sich ziemlich kompliziert an.“ „Es ist auch nicht leicht, aber ich denke, dass du das schaffen kannst.“
„Können wir es einmal versuchen?“ „Was?“ „Das ich dich daran hindere in meinen Geist einzudringen“, erklärte Harry. „Wie wäre es wenn du zuerst versuchst meine Anwesenheit in deinem Geist wahrzunehmen, um ein Gespür für dieses Eindringen zu bekommen? Danach kannst du dann versuchen mich daran zu hindern“, schlug seine Mutter vor.
„In Ordnung“, sagte Harry. „Gut!“, nickte seine Mutter. „Dann möchte ich, dass du dich jetzt auf eine Erinnerung konzentrierst, die du mir zeigen möchtest.“ „Okay“, nickte Harry, während er nach einer Erinnerung suchte, die er seiner Mutter zeigen wollte. „Lass dir Zeit und sag mir Bescheid, wenn du soweit bist“, sagte seine Mum gelassen.
Es dauerte ein bisschen, bis er sich für die erste Begegnung mit den Weasleys am Bahnhof King Cross entschied. „Okay, ich habe eine Erinnerung und was jetzt?“
„Zuerst suchst du dir eine angenehme Sitzposition, genau und dann schließe deine Augen und versuch dich zu entspannen, Harry“, hörte er die Stimme seiner Mutter. Nach einiger Zeit in der er versuchte sich zu entspannen und seine irrelevanten Gedanken auszublenden – was ihm erstaunlicher Weise relativ gut gelang, rief er sich die erste Begegnung mit den Weasleys in Erinnerung. „Okay, ich bin bereit“, sagte er, während er sein jüngeres Selbst sah, wie es etwas verloren über den Bahnhof King Cross umherirrte, ehe er die Worte von Mrs. Weasley aufschnappte: „… voller Muggel, natürlich…“. Er folgte der rundlichen Frau, um sie herum vier Jungen und ein kleines Mädchen, allesamt mit flammend rotem Haar.
Plötzlich hatte er ein komisches Gefühl, welches sich aber relativ schnell wieder verflüchtigte und er es mit einem Schulterzucken abtat. Als sie die Absperrung der beiden Gleise erreichten, hörte er Ginny, wie sie sagte: „Mammi, kann ich nicht mitgehen …“.
Er schmunzelte leicht, als er daran dachte wie sehr sich seine Freundin verändert hatte, während er Percy dabei zusah die Absperrung zu durchqueren. „Kannst du meine Anwesenheit spüren, Harry?“
Er hörte die Stimme seiner Mutter klar und deutlich, doch es hörte sich so an als wäre sie direkt in seinem Kopf. Harrys Erinnerungen zerbarsten so rasch, als hätte jemand einen Spiegel zerschlagen und er hatte das Gefühl die Kontrolle zu verlieren, deshalb riss er schlagartig die Augen auf, im gleichen Augenblick schien seine Mutter die Verbindung ebenfalls unterbrochen zu haben.
„Alles in Ordnung?“, fragte sie ihn besorgt, da er sie nur ansah. Harry atmete ein paar Mal tief durch, ehe er ihr antwortete. „Ich denke schon. Ich habe zwar gewusst, was du vorhast, aber als du dann in meinem Kopf warst, das war … ich weiß nicht, ich habe Panik bekommen.“
„Hier, trink einen Schluck Tee, der beruhigt“, riet ihm seine Mutter und reichte Harry dessen zur Seite gestellte Teetasse. Harry nickte, während er mit leicht zitternden Händen die Tasse entgegennahm. Harry wusste selbst nicht, was ihn so in Panik versetzt hatte, denn es war nichts geschehen, was seine Mutter nicht schon vorher angekündigt hatte.
„Ich glaube ich habe gespürt, dass du in meinem Geist eingedrungen bist. Irgendwie war es komisch, als würden mir die Nackenhaare zu Berge stehen“, erklärte er seiner Mutter nach ein paar Minuten des Schweigens.
„Tatsächlich? Das ist erstaunlich, normalerweise bemerkt man das erst durch wochenlanges Training“, kam es erstaunt von Lily.
„Wirklich? Naja wenigstens etwas. Ich glaube, dass ich deshalb so panisch reagiert habe, weil ich normalerweise immer schmerzhaft daran erinnert werde, dass jemand in meinen Geist eindringt. Deine Attacke war sozusagen lautlos, ich hatte nur dieses komische Gefühl wo ich nicht wusste, wo es herkam. Und als du mich plötzlich angesprochen hast, war es so, als würde ich mich in einem Raum befinden und plötzlich würde jemand unerwartet hinter mir auftauchen.“
Seine Mutter nickte verstehend. „Das ist ein sehr guter Vergleich, denn dein Körper ist nichts anderes, als der Raum in dem sich dein Geist aufhält“, lächelte sie ihn an. „Können wir es noch einmal versuchen?“, fragte er seine Mutter, nachdem er seine mittlerweile leere Tasse wieder zur Seite gestellt hatte. „Wenn du dich dafür bereit fühlst?“ „Ja, das bin ich, jetzt weiß ich ja, was dieses komische Gefühl bedeutet“, sagte er und lächelte seiner Mutter zuversichtlich zu.
„Vielleicht solltest du dieses Mal versuchen nicht nur mein Eindringen sondern auch meine Annäherung zu spüren.“ „Okay, ich werde es versuchen“, antwortete er, schloss die Augen und versuchte sich wieder zu entspannen. Als er soweit war nickte er nur, da er sich sicher war, dass ihn seine Mutter beobachtete.
Wieder erschien die Erinnerung vor seinem inneren Auge, aber dieses Mal achtete er nicht darauf was passierte sondern versuchte den Geist seiner Mutter wahrzunehmen. Doch es dauerte nicht lange, ehe er wieder dieses komische Gefühl verspürte und danach die Stimme seiner Mutter hörte: „Nicht erschrecken, okay?“ Er lächelte. „Nein, das tu ich nicht.“ Erstaunt stellte er fest, dass es sich so anhörte oder eher anfühlte als würde er nur denken und nicht sprechen.
„Habe ich das gerade laut gesagt?“, dachte er, ehe er das Lachen seiner Mutter hörte. „Nein, Schatz. Diese Unterhaltung findet nur auf geistiger Ebene statt. Du schlägst dich sehr gut, nicht jeder kann gleich beim zweiten Mal mit einem anderen Geist kommunizieren“, lobte sie ihren Sohn. „Irgendwie ist das cool, aber auch ziemlich anstrengend. Aber wieso? Ich meine, ich denke ja nur, oder?“ „Du denkst zwar, aber diese Gedanken müssen auch mich erreichen, da reicht es nicht, dass ich in deinem Geist bin“, erklärte sie ihm. „Und? Hast du meine Annäherung dieses Mal gespürt?“
„Nein, habe ich nicht. Nur wieder dieses komische Gefühl“, antwortet er ihr wahrheitsgetreu. „Kann es sein, dass du versucht hast mich abzuwehren, als du dieses Gefühl hattest?“, hackte sie nach, da sie einen kleinen Wiederstand gespürt hatte. „Ich weiß nicht, ich habe nur daran gedacht, dass ich dieses Gefühl nicht mag und … boa, das ist ganz schön anstrengend.“
„Mach die Augen auf Schatz“, die Stimme seiner Mutter klang ganz nah bei seinem Ohr, was ihn automatisch dazu brachte die Augen aufzumachen. „Was ist passiert?“, fragte er sie perplex. „Ich habe die Verbindung abgebrochen, immerhin sollst du dich nicht überanstrengen.“ Harry wollte gerade protestieren, als ihm auffiel, dass ihm Schweiß von der Stirn tropfte und er sich ziemlich erschöpft fühlte.
„Du warst großartig!“, sagte seine Mutter und man hörte den Stolz aus ihrer Stimme. „Naja, ich glaube, dass ich heute mehr gelernt habe, als in den paar Wochen, in denen ich mit Snape geübt habe. Bei ihm habe ich zwar das Eindringen gespürt, da es wehgetan hat und dann ist nur eine Flut Bilder über mich hereingebrochen und er hatte nichts besser zu tun, als alles zu kommentieren“, erzählte ihr Harry wütend.
Lilly schüttelte verständnislos ihren Kopf. „Hat er dir nie gesagt, wie du versuchen sollst ihn vom Eindringen abzuhalten?“ „Nein, ich glaube sein Motto war: Learning by doing“, antwortete Harry sarkastisch.
„Das verstehe ich nicht, aber gut, was soll es. Jetzt lernen halt wir beide. Okay, bist du bereit für eine letzte Aufgabe?“ Nach Harrys Nicken fuhr sie fort: „Vorhin hast du dieses Eindringen so geschildert, als würde ich in einem Raum hinter dir auftauchen. Dieser Raum stellt also symbolisch deinen Geist dar. Stell dir einmal diesen Raum vor. Wie sieht er aus? Stehen Möbel darin? Gibt es Türen und Fenster?“
Harry nickte und schloss die Augen, er war überrascht wie schnell sich die Konturen eines Zimmers vor seinen Augen bildeten. Er hatte das Gefühl, als wäre er schon tausendmal hier gewesen. Alles kam ihm so vertraut vor.
„Kannst du ihn sehen?“, hörte er die Stimme seiner Mutter, doch dieses Mal war sie nicht in seinem Kopf, sondern klang ganz weit weg. Er nickte. „Gut, dann öffne wieder deine Augen.“ Harry tat wie ihm geheißen und sah seine Mutter gespannt an, für was war das gerade gut gewesen? Lily, die Harrys Neugierde regelrecht spüren konnte, schmunzelte.
„Deine Aufgabe für morgen ist, dass du versuchen sollst, alle Eingänge zu diesem Raum fest zu verschließen, so dass niemand zu dir hineingelangen kann. Es ist egal ob du gedanklich einen Schlüssel oder einen Verschlusszauber benutzt oder irgendetwas anderes. Hauptsache ist, dass niemand hinein kann.“
„Ich soll versuchen meinen Geist abzuschließen“, vergewisserte sich Harry. Lily schmunzelte „Sozusagen, ja.“
„Okay, ich werde mir etwas einfallen lassen“, versicherte er seiner Mutter. „Sehr gut. Dann solltest du zu den anderen gehen, die erwarten dich sicher schon ganz gespannt.“ „Sie werden mich ausquetschen wie eine Zecke. Und danach werden wir noch unser heutiges Training nachbesprechen“, meinte Harry, während er aufstand. „Training? Es war eigentlich geplant gewesen, dass ihr heute frei habt“, verstand Lily nicht ganz. „Hatten wir auch, aber nach dem Frühstück oder eher Mittagessen haben wir uns entschieden ein paar Runden um den See zu laufen und dann hat eines zum anderen geführt und wir sind im Trainingsraum gelandet“, antwortete Harry schulterzuckend.
„Habe ich dir schon einmal gesagt wie stolz ich auf dich bin?“ „Ich denke schon.“ Lily lächelte, erhob sich ebenfalls und nahm ihren Sohn in die Arme. „Du machst mich zur stolzesten Mutter, mein kleiner Sonnenschein.“ Bei den Worten seiner Mutter wurde ihm ganz warm ums Herz.
„Und du und Dad machen mich zum glücklichsten Sohn der Welt“, nuschelte er in ihr rotes Haar, welches ihr über die Schulter fiel. Etwas erschrocken stellte er fest, dass ihre Schultern bebten, doch er war sich nicht sicher, ob sie lachte oder weinte. „Mum, alles okay?“ Lily löste sich von ihm und wischte sich schnell die Tränen weg. „Natürlich, Engel. Nur ist es für niemanden leicht, sein Kind in den Krieg zu schicken“, antwortete sie und lächelte traurig.
„Du schickst mich nicht in den Krieg. Ich bin regelrecht hineingestoßen worden, wofür ich niemand die Schuld gebe. Und ihr helft mir das alles hinter mich zu bringen. Und ich weiß, dass wir das wenn wir alle zusammenhalten, auch schaffen werden“, sagte Harry entschlossen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er seiner Mutter etwas Mut zusprechen musste. Normalerweise sprachen ihnen die Erwachsenen Mut zu, aber wer machte ihnen Mut?
„Du hast wohl recht, es tut mir Leid“, entschuldigte sich seine Mutter. „Nicht doch, das muss es nicht, Mum. Was machst du jetzt?“, fragte er sie. Irgendwie wollte er nicht, dass sie jetzt alleine war. „Nunja, dein Vater macht noch einen Rundgang, danach wäre er hier her gekommen. Und ich wollte eigentlich noch ein paar Tränkebücher durchgehen, vielleicht finde ich ja etwas Nützliches“, erklärte sie ihm. „Du hast nichts vor? Gut, dann schreib Dad eine Notiz, dass du bei uns in der Wohnung bist. Er soll nachkommen, immerhin schuldet er mir noch eine Partie Snape- explodiert.“
Lily sah ihren Sohn kurz irritiert an, doch dann schüttelte sie lächelnd den Kopf, nuschelte etwas, dass sich stark nach „Er ist genauso manipulativ wie sein Vater“ anhörte und schrieb eine kleine Notiz für ihren Mann, welche sie an die Türe heftete.
„Fertig?“, fragte Harry. Lily nickte und hackte sich bei ihm ein und gemeinsam schritten sie den Korridor entlang.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel