
von MelRU
Kapitel 53
Die Reise des Geistes
Der beste Spruch zur Aufmunterung ist, wenn man keinen Spruch braucht.
Als Harry in seinem Zimmer ankam, streifte er sich die Schuhe von den Füßen und öffnete anschließend das große Fenster, welches dem Zimmer Helligkeit spendete, um frische Luft herein zu lassen. Kurz genoss er die warmen Sonnenstrahlen auf seiner Haut und das Zwitschern der Vögel, ehe er sich umdrehte und zum Bett ging.
Er setzte sich im Schneidersitz in die Mitte des Himmelbettes, knöpfte sich die ersten beiden Knöpfe seines Hemdes auf und versuchte sich zu entspannen. Nach und nach leerte er seinen Kopf, indem er alle unnötigen und störenden Gedanken ausblendete.
Als er einige Zeit vor sich hin meditierte, kam ihm wieder der belastende Gedanke in den Sinn, wie er es bloß schaffen sollte, in den Geist eines anderen einzudringen. Er hatte es schon so oft versucht, doch war immer wieder gescheitert.
Plötzlich kam ihn ein interessanter Gedanke. Er setzte sich etwas aufrechter hin und konzentrierte sich. Es dauerte nur ein paar Sekunden, ehe sich sein Raum vor seinem inneren Auge bildete. Doch dieses Mal versuchte er nicht seinen Raum zu verbarrikadieren, sondern wollte versuchen diesen zu verlassen, da er ja nicht seinen Geist verschließen wollte sondern – wie hatte es seine Mutter gesagt - seinen Geist auf eine Reise schicken wollte.
Wie sollte er jetzt aus dem Raum kommen? Das einfachste wäre durch die Türe gehen. Harry zuckte gedanklich mit den Schultern und versuchte es – versuchen konnte er es ja einmal. Er stutzte, als er einen leichten Widerstand spürte. War das die Grenze die seinen Geist in seinem Körper einschloss? Er versuchte nun intensiver diesen Widerstand zu durchbrechen. Es kostete ihn einiges an Konzentration, doch schließlich gelang es ihm und plötzlich war alles tiefschwarz.
Erschrocken riss er die Augen auf. Er war immer noch in seinem Zimmer, aber nach ein paar Sekunden merkte er, dass er heftig atmete. Hatte er es wirklich geschafft, dass sein Geist seinen Körper verließ? Was war das für ein bedrängendes Gefühl gewesen, als es plötzlich schwarz um ihn geworden war? War es die normale Reaktion darauf, dass sein Geist den schützenden Körper verlies? Wenn das alles stimmte, dann hatte er mit seiner übereilten Reaktion alle Fortschritte zunichte gemacht.
Schnell stand er auf und merkte, dass er etwas wackelig auf den Beinen war. Kurz ging er ins Bad um sich ein Glas Wasser zu holen, welches er in einem Zug zu leerte. Danach begab er sich wieder auf sein Bett und wollte es ein weiteres Mal versuchen. Dieses Mal war er darauf vorbereitet.
Wieder tauchte sein Raum vor seinem Inneren Auge auf, wieder versuchte er das Zimmer zu verlassen. Nur dieses Mal schaffte er es eher den Widerstand, der ihn am Verlassen des Raumes hinderte zu durchbrechen und er fand sich selbst wieder umgeben von Finsternis. Wieder kam in ihm ein bedrängendes Gefühl auf, doch plötzlich änderte sich etwas. Eine gold schimmernde Nebelschwade erschien und bewegte sich nach ein paar Sekunden auf ihn zu.
Harry fühlte sich an seinen Traum erinnert, aber er musste feststellen, dass diese Nebelschwade nichts mit dem Nebel in seinem Traum gemein hatte. Sie wirkte in keinster Weise bedrohlich, sie war hell leuchtend, fast schon gold. Doch bei genauerem betrachten, konnte Harry eine kleine schwarze Kugel im inneren der Schwade ausmachen. Neugierig aber vorsichtig versuchte er sich dem Nebel zu nähern, da dieser mittlerweile nicht mehr auf ihn zukam.
Mit pochendem Herzen stellte er fest, dass er gegen einen leichten Widerstand stieß. Noch bevor er sich anstrengen konnte, diesen zu durchbrechen, wurde er durch ein Rütteln an seiner Schulter, welches ihn aus seiner Konzentration riss, daran gehindert.
Verwirrt blinzelte er und sah sich um. Erstaunt stellte er fest, das Draco neben ihm stand, zuckte aber zurück als er sah, wie blass der junge Malfoy aussah. „Was hast du gemacht? Ich habe dich sicher schon dreimal gerufen!“, wollte dieser von ihm wissen.
Irritiert sah Harry seinen Freund an. „Ähm, ich hab meditiert … geht’s dir gut?“, ging er nicht weiter auf seine eben gemachte Erfahrungen ein. Der Blonde seufzte und lies sich neben Harry auf das Bett plumpsen und in Harry machte sich ein unangenehmes Gefühl breit.
„Deine Mutter und Lorelei haben sich heute irgendwie eigenartig verhalten. Normalerweise können die zwei, wenn sie zusammen sind quatschen ohne Ende, doch heute waren sie ungewöhnlich ruhig. Ich hab mir gedacht, das ist weil es bald zum Kampf kommen wird, aber als ich kurz den Raum verlassen habe um neue Phiolen zu holen, habe ich gehört wie sie miteinander geflüstert haben.“
Harry sah Draco gespannt an. „Deine Mutter hat irgendetwas gesagt, von wegen dass sie nicht weiß wie sie es uns beibringen sollen und Tante Lorelei hat gemeint, dass sie es noch gar nicht fassen kann …“
Harry hielt die Luft an. War etwas mit Dracos Mutter passiert? Sah der blonde Slytherin deshalb so fertig aus? Was auch immer es war, es schien ihm ziemlich nahe zu gehen. Harry legte ihm die Hand auf die Schulter und drückte sie sanft.
Draco schloss kurz die Augen und atmete tief ein. „Sie sind tot.“ „Wer?“ „Seine Eltern.“ „Wessen Elt… Seths?!“ Draco nickte nur traurig. Fassungslos sah Harry seinen Freund an. „Ich versteh nicht ganz, woher …“
„Kingsley hat es ihnen gesagt. Die Leute im Ministerium haben gestern noch mit den identifizieren der Leichen des Dorfes begonnen und Candy und Kirsten Cohan waren zwei der wenigen Opfer, die man durch ihren nicht all zu sehr verkohlten Zustand eindeutig identifizieren konnte. Aber …“
Was denn noch?, dachte Harry verzweifelt.
„Sie konnten trotz des schlechten Zustandes der Leichen, Spuren unmenschlicher Folterungen entdeckt.“ Harry zog scharf die Luft ein. Was hatten Seths Eltern nur erdulden müssen, bis sie gestorben waren? Hatte Voldemort sie etwas bis zum Schluss gefoltert?
„Weiß es Seth schon?“ Draco schüttelte den Kopf. Kurz war es still, ehe Draco tief durchatmete und Harry mit voller Entschlossenheit in die Augen blickte. „Harry! Egal was da auf uns zukommen mag! Wir müssen das ein für alle mal beenden!“ Harry sah ihn kurz irritiert an, ehe er ernsthaft nickte. „Da hast du Recht. Und das werden wir auch!“
Kurz herrschte Schweigen zwischen den beiden Teenagern, ehe Draco fragte: „Wieso hast du mich vorher nicht gehört?“ Auf Harrys irritierten Blick hin, erklärte er: „Ich habe dich zwei Mal gerufen, bevor ich an deiner Schulter gerüttelt habe.“
„Oh, ja ich … ich glaube ich habs herausgefunden.“ „Was?“ „Wie ich meinen Geist von meinem Körper lösen und versuchen kann in einen anderen Geist einzudringen.“ Erstaunt sah ihn Draco an. „Wirklich? Wie kommst du darauf? Was ist der Trick?“, fragte der Malfoyspross neugierig.
Harry musste sich ein Lachen verkneifen, bei Dracos fast schon kindlicher Neugier. Doch dann begann er Draco zu erzählen, was er gerade erlebt hatte. „Das musst du deiner Mum erzählen, sie wird ausflippen“, lächelte Draco. „Naja, aber ich hab es nicht geschafft in den Geist einzudringen“, meinte Harry. „Weil ich dich unterbrochen habe … wessen Geist war es eigentlich?“ „Ich glaube deiner“, meinte Harry nach kurzem Zögern. Irritiert sah der Blonde ihn an. Harry, der Dracos darauf folgendes Schweigen falsch deutete, versuchte zu erklären: „Naja ich hatte nicht wirklich die Kontrolle darüber, dein Geist war plötzlich da – wahrscheinlich als du das Zimmer betreten hast und ich habe nicht darüber nachgedacht und …“ „Schon gut Harry. Ich bin nicht böse oder so. Es hat mich nur überrascht, dass ist alles. Ich kann kein Okklumentik, also hätte ich nicht gedacht, dass es mein Geist war.“ „Vielleicht hat die Natur grundsätzlich einen leichten Schutz um den Geist gelegt, damit er nicht ganz so angreifbar ist“, mutmaßte Harry.
„Versuch es noch einmal“, beschloss Draco. „Was? Aber was ist wenn ich etwas falsch mache?“ Harry war nicht wohl bei der Sache. „Was willst du schon falsch machen, na los, versuch es … muss ich auch auf irgendetwas achten?“
„Mum hat beim ersten Mal gemeint, ich soll mir eine Erinnerung aussuchen, welche ich ihr zeigen möchte und soll mich entspannen.“ „Okay, dann tu ich das mal. Wenn ich nicke, kannst du anfangen, okay?“ „Alles klar, aber melde dich sofort, falls irgendetwas nicht stimmt, okay?“, bestand Harry nachdrücklich darauf. „In Ordnung“, stimmte Draco zu.
Es dauerte ein paar Minuten, bis Draco eine angenehme Sitzposition gefunden und sich gänzlich entspannt hatte. Als der Slytherin nickte, war Harry eigentlich erstaunt darüber, wie schnell es dieser geschafft hatte, er selbst hatte beim ersten Mal länger gebraucht.
Entschlossen schloss auch nun Harry seine Augen und versuchte alles wieder so zu machen wie bei seinen vorherigen zwei Versuchen. Es dauerte nicht lange, bis sein Geist seinen Körper verließ und sich auf Dracos Geist zu bewegte. Wieder stieß Harry gegen einen leichten Widerstand, doch ihm fiel es nicht allzu schwer diesen zu durchbrechen. Plötzlich war er in einem Strudel voller Farben. Spürte Gefühle, die nicht die seinigen waren. Hörte Gedanken, die nicht von ihm stammten. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis sich ein klares Bild vor seinem Auge bildete.
Er schmunzelte leicht, als er die Szene vor seinem inneren Auge wieder erkannte. Seine Eltern, Sirius, Lorelei, Ginny, Draco und er standen vor dem Weihnachtsbaum und trällerten Weihnachtslieder. Wobei Sirius am lautesten und falschesten sang.
Harry entschied sich aus Draco Geist zurückzuziehen. Langsam und vorsichtig beförderte er seinen Geist wieder zurück in seinen Körper. Tief einatmend öffnete er die Augen. „Du kannst die Augen wieder aufmachen“ teilte er Draco leise mit. Als der blonde Slytherin seine Augen öffnete, sah er ziemlich verwirrt aus. „Ist alles okay?“ wollte Harry wissen, da Draco nichts sagte. Als er auf seine Frage keine Antwort erhielt, rüttelte er an Dracos Schulter. Was, wenn er etwas falsch gemacht hatte?
„Was?“ „Geht’s dir gut?“, fragte Harry besorgt. Draco zitterte etwas und war ziemlich weiß im Gesicht. „Mir geht’s gut. Es war nur ein komisches Gefühl“, ein Schauder durchlief seinen Körper. „Es tut mir Leid, ich …“ „Ich war es, der gesagt hat, dass du es noch einmal versuchen sollst! Mir geht es gut, wirklich! Mir ist nur ein bisschen kalt. Und du hast es anscheinend geschafft, also war nichts daran verkehrt!“
Da Harry ihn noch immer besorgt mustere, fuhr er fort: „Na gut, wir gehen runter in die Küche und holen uns eine Tasse wärmenden Tee und wenn es mir dann nicht besser geht, kannst du mich ja in den Krankenflügel stecken. Einverstanden?“ Harry grinste kurz. „Okay, aber sag sofort bescheid, falls es dir schlechter gehen sollte.“ „Wird gemacht“, sagte Draco und grinste nun ebenfalls leicht.
Schnell stand Harry auf, schloss das Fenster, schlüpfte in seine Schuhe und knöpfte sein Hemd zu. Als sie Harrys Zimmer verließen, sagte Draco: „Ich hol mir schnell ein Sweatshirt“ und verschwand in seinem und Blaises Raum. Nachdenklich sah Harry dem Blonden nach. Als er vorhin in dessen Geist eingedrungen war, hatte er einige seiner Gedanken und Gefühle wahrgenommen. Gedanken und Gefühle, die Draco bis jetzt nicht mit ihm geteilt hatte und Harry fühlte sich ziemlich schuldig, da dies wahrscheinlich auch so hätte bleiben sollen.
Aber andererseits war er auf sich selbst wütend, da er immer davon ausgegangen war, dass Draco zu ihm kam, wen ihn etwas bedrückte. Dies war anscheinend nicht der Fall gewesen. Draco sollte aber diese Ängste nicht in sich hineinfressen, er sollte mit jemanden darüber reden. Sollte er ihn darauf ansprechen?
„Hey! Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?“ Erstaunt wandte sich Harry zum Eingang und sah einen grinsenden Draco dort stehen. „Was ist jetzt? Kommst du, oder bist du dort angewachsen?“
Harry lachte und holte schnell zu Draco auf. Er beschloss, seine Erfahrungen einstweilen für sich zu behalten. Tratschend begaben sie sich auf den Weg in die Küche. Als sie in den Gang, welcher auch zum Krankenflügel führte eintraten, verstummte Draco plötzlich. Harry folgte irritiert seinem Blick und sah ein Mädchen, welches ihnen entgegen kam.
„Hey, Jungs“, grüßte sie und lächelte freundlich, als sie sie passierte. „Hey, Nora“, grüßte Draco und Harry nickte ihr kurz zu, wobei er verwundert den leichten Rotschimmer auf Dracos Wangen feststellte. Nachdem das Mädchen den Korridor verlassen hatte, wandte sich Harry neugierig an Draco. „Wer ist sie? Sie kommt mir bekannt vor, aber ich komme nicht darauf woher!“ „Sie ist Madame Pomfreys Nichte“, antwortete Draco nachdenklich. „Poppys Nichte? Geht sie hier zur Schule?“, kam es verwundert von Harry. Er konnte ihr Gesicht keinem Haus zuordnen. „Nein, sie ist eine Muggel.“ „Was macht sie dann hier? Man Draco! Jetzt lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!“
Draco sah ihn verwundert an, ehe er kurz auflachte. „Sie möchte einmal Krankenschwester werden und hilft deshalb öfters im Krankenflügel aus, da ja auch in unserer Heilmedizin auf Muggeltechnicken zurückgriffen wird. Poppy war zwar nicht sehr erfreut darüber, dass sie hier werden der Schlacht aushelfen möchte, aber Nora kann genauso temperamentvoll und stur sein wie Pomfrey selbst“, lächelte der Slytherin.
„Du magst sie“, stellte Harry fest und grinste schelmisch. Draco öffnete den Mund um zu widersprechen, doch dann schloss er ihn wieder und schüttelte nur lächelnd den Kopf. „So offensichtlich?“, fragte er dann lächelnd. „Nur wenn man genau hinschaut. Und ich wurde in den letzten Wochen und Monaten darauf trainiert genau auf meine Umgebung zu achten. Das nächste Mal stellst du mich ihr aber vor, verstanden?“, rügte Harry ihn gespielt beleidigt.
Draco lachte. „Wir sind nicht zusammen“, stellte er dann aber nüchtern klar. Harry zuckte grinsend die Schultern. „Was nicht ist, kann noch werden. Ich glaube ihr würdet gut zusammenpassen.“ „Du kennst sie nicht einmal“, meinte Draco kopfschüttelnd. „Sie hat einen netten ersten Eindruck gemacht, dass reicht mir“, sagte Harry grinsend. „Wie heißt sie eigentlich und wie hast du sie kennen gelernt?“ „Ihr Name ist Nora Blake und ich hab sie im Krankenflügel kennen gelernt, als ich eine meiner Trainingsstunden gehabt habe. Poppy hat mich gefragt, ob es mich stört, wenn noch jemand mitmachen würde. Auf jeden Fall haben wir eine Menge Spaß“ Als er Harrys überdimensionales Grinsen sah, boxte er ihm gegen den Oberarm und sagte: „Grins nicht so blöd, Potter! Das lässt dich noch dümmlicher erscheinen als du wirklich bist!“ Harry brach in schallendes Gelächter aus.
„Sorry, Draco. Ich würde mich sehr für dich freuen, wenn das zwischen euch beiden etwas werden würde. Ich drück dir auf alle Fälle die Daumen.“ „Danke Harry.“ Die beiden Teenager setzten ihren Weg fort, doch kurz bevor sie in die Küche gelangten, wurden sie von einem Rufen aufgehalten. „Harry! Bis du da?“ Verwundert sah sie sich an. Woher kam diese Stimme?
„Oh!“, entkam es Harry als er begriff und faste in seine Hosentasche. Draco beobachtete ihn mit zusammengezogener Augenbraue, während er den Spiegel hervorholte. „Dad?“, fragend sah Harry den Spiegel an. „Hey, Harryboy! Hast du die Karte bei dir? Ich suche nämlich Draco oder weißt du zufällig wo er ist?“ „Ähm, er ist hier bei mir“, zur Bestätigung drehte er den Spiegel leicht, sodass sein Vater auch den blonden Slytherin sehen konnte. Ein erleichtertes Seufzen, kam dem Potteroberhaupt über die Lippen.
„Dad? Ist etwas passiert?“, fragte Harry verwirrt. „Nicht wirklich“, antwortete dieser wage. „Lorelei und Lily haben sich Sorgen um dich gemacht, da du nicht zurück gekommen bist“, sagte er an Draco gewandt. „Oh, tut mir Leid, ich hab gar nicht mehr daran gedacht“, entschuldigte sich der Blonde schuldbewusst, er hatte Lily und Lorelei keine Sorgen machen wollen.
„Alles okay mit dir? Du siehst nicht gerade gesund aus?“, meinte James besorgt und lies seinen Blick wachsam zwischen den beiden Jungs Hin und Her schweifen. Bevor Harry etwas sagen konnte, antwortete Draco: „Der Tod von Seth’s Eltern ist mir anscheinend näher gegangen, als ich gedacht habe.“ James sah ihn kurz erstaunt an, ehe er tief seufzte. „Ihr wisst es also schon?“ „Ich hab gehört wie Tante Lorelei mit Lily geredet hat.“ „Wir wollten es euch nicht verheimlichen, wie wollten es euch heute Abend sagen“, erklärte James. „Schon gut Dad, es ist nun mal keine Nachricht, die man gerne verbreitet“, meinte Harry verstehend.
Als Harry den niedergeschlagenen Gesichtsaudruck seines Vaters sah, konnte er nicht anders als zu fragen: „Hey Dad, wir wollten uns gerade eine Tasse Tee in der Küche holen, kommst du mit?“ „Ersetze Tee durch Kakao und ich bin dabei.“ Harry lachte. „Das lässt sich sicher einrichten.“
„Gut, dann sage ich nur kurz deiner Mum bescheid, dass ich Draco gefunden habe und komm dann zu euch, in Ordnung?“ „Alles klar, bis Gleich.“ Als Harry den Spiegel wieder weg steckte, sagte Draco: „Nützliches Teil.“ Verwundert sah Harry ihn an. „Hab ich ihn dir noch nie gezeigt?“ „Nein“ Harry konnte Dracos Tonlage nicht deuten und wusste nicht, ob dieser nun eingeschnappt war. „Es tut mir Leid, ich wollte nie ein Geheimnis daraus machen. Ich hab nur nicht …“ „Schon okay, Harry. Das sollte jetzt kein Vorwurf sein“, lachte Draco. „Verarsch mich nicht immer, das ist nicht nett“, schmollte Harry und schritt erhobenen Hauptes durch das Portrait, dass in die Küche führte, natürlich nicht, ohne vorher die Birne zu kitzeln. Draco folgte ihm nur kopfschüttelnd.
Nachdem sie Dobby gesagt hatte, dass sie gerne eine Tasse Tee hätten, dauerte es nicht lange, bis sie eine Tasse mit dem wärmenden wohltuenden Inhalt in den Händen hielten. Draco nahm einen Schluck seines Früchtetees und seufzte wohlig auf. „Gut?“, fragte Harry lächelnd. „Perfekt“, antwortete Draco grinsend. Keine zwei Minuten später öffnete sich das Portrait erneut und James Potter betrat die Küche. Nachdem auch er herzlich von Dobby begrüßt wurde und seine Bestellung aufgegeben hatte, setzte er sich zu den beiden Jungs an den Tisch.
Keiner wusste so wirklich, was er sagen sollte. Erst als James seinen Kakao bekam, meinte Harry leise: „Ich verstehe immer noch nicht, wieso er sie hat umbringen müssen.“ Für alle war klar, wen Harry meinte. „Müssen wir die Taten eines Geisteskranken nachvollziehen können?“, meinte Draco sarkastisch, hatte dabei aber einen frustrierten Gesichtsausdruck aufgesetzt. James seufzte: „Irgendwie muss ich Draco zustimmen, ich denke nicht, dass wir jemals erfahren werden, was wirklich in Voldemorts Gehirn vor sich geht.“ „Ich versteh nicht, wieso er sie so lange gequält hat? Wenn sie ihm im Weg waren, wieso hat er sie nicht einfach getötet? Zwar waren Seths Eltern hochrangige Vertreter der Muggel in der Zauberwelt, aber wieso sie so interessant für ihn waren, versteh ich nicht. Eigentlich sollten das für ihn nur kleine Fische sein.“
Sie verfielen wieder in Schweigen, ehe James nachdenklich sagte: „Vielleicht war es gar nicht Voldemort?“ „Was meinst du? Das es einen zweiten Psychopathen wie ihn gibt?“, fragte Harry verwirrt. „Ich meine vielleicht war es ein Todesser der mit ihnen eine Rechnung offen hatte.“ „Denkst du da an jemanden bestimmten?“, fragte Draco und ihn durchfuhr ein Schauer schrecklicher Vorahnung, was James und Harry nicht verborgen blieb. Schnell rutschte James an Draco Seite und legte dem zitternden Jungen einen Arm um die Schulter. „Tut mir Leid, ich habe eigentlich nur laut gedacht.“ „Und hast vielleicht auch Recht dabei. Seth hat ja gesagt, dass mein Vater seine Eltern und ihn gefoltert hat … vielleicht war es auch er, der sie getötet hat. Aber ich wüsste nicht, in was für einen Zusammenhang sie stehen.“
„Vielleicht werden wir das nie erfahren, wir sollten uns jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen! Wichtig ist momentan nur, dass wir aufeinander aufpassen! Auch wenn es momentan noch so schlecht für uns aussieht, solange wir für einander da sind und zusammenhalten, kann es gar nicht schief gehen“, meinte James zuversichtlich und lächelte die beiden ungleichen Jungen aufmunternd an.
James schaffte es dann auch, durch geschickte Lenkung der Gesprächsthemen die Stimmung wieder zu heben, sodass die drei Männer nach einer Stunde lächelnd, mit den Händen voller Keksen, die Dobby ihnen noch unbedingt hatte mitgeben wollen, aus der Küche traten.
„So, ich muss jetzt schnell ins Ministerium flohen. Wir sehen uns später beim Training, Harryboy. Tschüss, Jungs“, mit diesen Worten verabschiedete sich James bei den beiden Teenagern, strubbelte ihnen noch schnell durchs Haar und verschwand im nächsten Geheimgang.
„Er schafft es auch immer wieder uns aufzumuntern“, meinte Draco lächelnd, verzog aber kurz darauf sein Gesicht und brachte seine Haare wieder in Ordnung. Harry entkam ein Lachen. „Eitler Gockel.“ „Wie bitte?“ „Was?“ „Wie hast du mich genannt?“ „Eitler Gockel“, sagte Harry mit einem unschuldigen Lächeln. „Na warte.“ „Es ist ja nicht einmal gelogen!“, schrie Harry noch, ehe er seine Füße in die Hand nahm und zu rennen begann, einen fies grinsender Slytherin dicht an den Fersen. Das sie dabei von ein paar entgegenkommenden Auroren komisch angesehen wurden, war ihnen egal, jetzt waren sie einfach mal wieder zwei sechzehnjährige Teenager.
So, was haltet ihr davon? Für die, die nach mehr Informationen dürsten ... auf Dracos Geist und auf Nora werde ich im nächsten Kapitel noch genauer eingehen - versprochen! Irgendwie zieht sich gerade alles wie ein Kaugummi - dass sollte ich jetzt mal ändern, oder? xD
Bis zum nächsten Mal,
eure Mel
***
Rinchen: Dein Kommi hab ich gebraucht um weiter zu schreiben – Dankeschön :P Ja, der Kampf rückt immer näher und die letzten Tage bis dorthin ziehen sich bei mir wie ein Kaugummi xD Ich weiß auch nicht wieso …
Clariwanni: Jaja der Kampf rückt näher, aber ich hab davor noch so viel vor – ahhh! Mal schauen, wie ich das alles so hin bekomme! Ich weiß die Kapitel sind in letzter Zeit etwas langweilig, aber keine Angst, spätestens beim Endkampf wird’s wieder actionreicher! Oh ja, genau deshalb sind ja Fred und George inklusive Ginny dafür eingeteilt worden! Ich bin mir sicher, dass sie ihre Sache gut machen werden ;)
Balu2008: Oh weh, dass mit dem Rechner tut mir Leid, aber das wird schon wieder – bei mir geht’s auch schön langsam bergauf ;) Freut mich, dass Kingsleys Plan logisch ist – ich hab mir den Kopf darüber zerbrochen. Ich bin wirklich nicht gut in so etwas. Und ich hoffe ich war ein bisschen schneller als sonst … ein klitzekleines bisschen vielleicht?
Lina: Das kommt davon weil wir alle zu faul sind um „Backups“ zu machen! Das haben wir nun davon *lach* Aber mir ist es lieber der Rechner gibt den Geist auf, als das ich den Geist aufgebe … Naja, anderes Thema.
Freut mich, dass Kingsleys Plan vernünftig ist – ich hab mir den Kopf darüber zerbrochen. Ich bin wirklich nicht gut in so etwas.
Ginny „darf“ zwar nicht mitkämpfen, aber sie wird sicher in Situationen kommen, wo sie sich verteidigen muss. Ich liebe die Twins auch <3 Es ist immer so schön verrückt mir ihnen zu schreiben =)
Juhu, endlich hast du deine Bestätigung! Ich hätte so gern dein Gesicht gesehen, als du an die Stelle mit Remus und Tonks gekommen bist ;)
Nope, Hermine steht nicht auf Anthony! Sie hat die Finger gekreuzt, weil sie gesagt hat er ist hässlich obwohl er es nicht ist. Es ist doch legitim mit jemand zusammen zu sein, aber trotzdem auch andere Menschen hübsch zu finden. Sie wollte nur nicht, dass Ron überreagiert und hat ihn deshalb „besänftigen wollen“. Für sie gibt es sowieso nur Ron. Die beiden sind und bleiben ein Paar!
chap01: Ich liebe die Zwillinge auch <3 Es macht immer wieder Spaß sie zu schreiben, da kann ich ganz und gar verrückt sein =)
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