
von Emma Darrow
Der kleine Junge räusperte sich. Harry schreckte hoch, er war so in seine Gedanken vertieft gewesen, dass es ihm beinahe gar nicht aufgefallen war, dass der Junge sich überhaupt regte. ER sah nervös aus, Harry schaute ihn neugierig an. Für einen Moment schien es, als ob er mit sich kämpfen würde, doch schließlich sagt er: „Ich bin Eric. Eric Bender.“ Er schwieg. Seine Stimme hatte sich laut angehört, sie passte ganz und gar nicht zu ihm. Als würde er sich zwingen, tapfer auszusehen. Der Junge kämmte sich verlegen seinen dunklen Pony ins Gesicht. Harry hatte keine Ahnung, was er damit erreichen wollte, noch warum er ihn überhaupt ansprach, er war beinahe wütend, weil er ihn aus seinen Tagträumen gerissen hatte. Als Harry antworten wollte, fiel ihm die schwarze Katze ein, doch als er sie vorsichtig ansah, wusste Harry, dass die Katze einverstanden war. ‚Als ob die Katze wirklich darüber nachdenken würde,’ dachte er, halb belustigt, halb aufgebracht, ‚als ob ich mir wirklich etwas aus der Meinung einer Katze machen würde...’ Fast hätte er vergessen, was er sagen wollte, er schaute Eric an und öffnete den Mund. „Hi.“ Das war alles, was er sagen konnte. Schon viele Menschen hatten es ausgenutzt, sobald sie wussten, wer er war und sein Vertrauen erlangt hatten. Sie gaben damit an, „Freunde“ von dem berühmten Harry Potter zu sein, doch in Wirklichkeit wollten sie nur selber etwas Ruhm abbekommen. Diesbezüglich war Harry überlegter geworden, aber Eric schien es überhaupt nicht zu interessieren, es schien fast so, als würde er ihn gar nicht erkennen. „Ist das dein erstes Jahr in Hogwarts?“, fragte er, nachdem der Junge ihn ohne ein Wort zu sagen angeblickt hatte. Doch Eric Bender ging gar nicht auf seine Frage ein. Er beäugte ihn weiterhin mit interessiertem Blick und antwortete. Seine Stimme war ruhig, doch Harry wurde das Gefühl nicht los, als täte er nur so als ob. „Wie heißt du?“ fragte er leise. „Ich bin Harry... Potter. Gryffindor. Hast du schon von Hogwarts gehört?“ Harry blickte ihn an. Er hatte Lust zu reden, auch wenn er lieber nur nachdenken wollte. Eric Bender nickte. „Meine Familie war bisher immer in Hufflepuff. Ich habe keine Geschwister“, fügte er schnell hinzu und beantwortete damit Harrys unausgesprochene Frage. Er lächelte, irgendwie war ihm der Junge sympathisch. Harry bot seine Hilfe an, falls Eric sich nicht zurechtfinden würde. „Danke,“ sagte er erleichtert. Sein Blick wanderte über Harrys Narbe und über sein Abzeichen. In großen goldenen Lettern stand da „Quidditchkapitän“, Harry war stolz auf dieses Abzeichen und er musste unwillkürlich grinsen, als er bemerkte, wie interessiert Eric daran war. Er schaute Harry fragend an. Anscheinend wusste er, was das zu bedeuten hatte. „Solltest du nicht woanders sein? Du bist hier im falschen Abteil, Harry Potter.“ Harry überlegte. Sollte er ihm anvertrauen, warum er hier blieb? Er kannte ihn zwar erst seit zwei Minuten, aber der Harry hatte das Bedürfnis, ihm seine Gründe zu verraten. Andererseits... er hätte keine Antwort gehabt, die Eric weiterhelfen würde. Also entschied er sich dafür, ihm die halbe Wahrheit zu erzählen. „Jaah, das stimmt eigentlich. Aber... ich musste mal eine Pause machen,“ antwortete er lächelnd. Eric grinste, als wüsste er genau, dass Harry ihm nicht alles erzählt hatte, aber ging nicht weiter darauf ein. Das war Harry unangenehm und er wechselte das Thema. „In welches Haus würdest du gehen?“ fragte er stirnrunzelnd. „Ich denke mal, Ravenclaw würde gut zu dir passen.“ Der Junge verzog das Gesicht und machte einen gequälten Eindruck. „Ich würde mir wünschen, nicht andauernd diesen Hufflepuff- Ruf zu haben. Meine Familie wäre so stolz auf mich, wenn ich ihre Reihe fortsetzen würde, sie erwarten es nahezu.“ Sagte er und klang dabei ziemlich erschöpft. „Da wäre ich schon lieber ein Slytherin, glaub mir.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel