
von Emma Darrow
„Wo ist eigentlich Hermine?“, fragte Harry. Ron zuckte mit den Schultern und stand auf. „Sie meinte, sie wollte zu Neville und Ginny ins Abteil, keine Ahnung, wo das sein soll.“ Er schob die Abteiltür auf und drehte sich wieder zu Harry um. „Komm“, rief er beschwingt und Harry hievte sich aus der gemütlichen Sitzbank hoch, um Ron zu folgen.
„Bis dann, wir sehen-“ sagte er im Hinausgehen zu seinen Mannschaftskollegen und fing sich prompt einen ungeduldigen Blick von Ron ein, der angefangen hatte, aufgeregt auf der Stelle zu hüpfen.
Harry und Ron wollten so schnell wie möglich an ihr Ziel kommen, obwohl die Schüler diesmal überall da im Zug aufzutauchen schienen, wo sie sie am wenigsten gebrauchen konnten.
Fast wäre Harry von einem großen, hellblonden Jungen umgerissen worden, der aus einem Abteil gestürzt kam. Für einen Moment schauten sie sich verblüfft an, Harry glaubte sogar, ein entschuldigendes Lächeln auf dem Gesicht des anderen zu sehen- das so schnell verschwand, wie es aufgetaucht war. Harry verkrampfte sich automatisch und wich einen Schritt zurück. Vor ihm stand sein Erzfeind Draco Malfoy, die Arme vor der Brust verschränkt und mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen, dass er so auf keinen Fall ohne mehrere Stunden vor dem Spiegel hinbekommen hätte.
‚Oh nein, warum gerade jetzt?’, fragte sich Harry und betete zu Gott, dass Malfoy schnell aufgeben und verschwinden würde. Er war das, was Harry in diesem Moment am wenigsten gebrauchen konnte, doch er kannte ihn zu gut, anstatt dass er ernsthaft daran glauben würde. Der Slytherin ließ noch nicht einmal im Unterricht eine Gelegenheit aus, ihn und Ron zu verhöhnen.
„Na, Potter? Weasley? Was für ein Zufall, euch hier zu treffen. Wohin so eilig? Möchtet ihr Granger besuchen?“, lachte er. „Aber als das Vorzeigeschlammblut der Schule kann man ja nichts anderes erwarten, als dass sie ausgebucht ist-„“WAGE ES JA NiCHT, SiE NOCH EiNMAL SO ZU NENNEN, MALFOY!“ rief Ron aufgebracht. Er hatte den Zauberstab gezückt und richtete ihn auf Malfoy, hinter dem sofort Crabbe und Goyle auftauchten. Malfoy rümpfte die Nase und ging einen Schritt auf Ron zu. „Willst du mir drohen, Weasley? Hat dir Mami inzwischen beigebracht, wie man Flüche anwendet? Oder kommen bei dir am Ende wieder nur Schnecken raus?“ Ron schnaubte, sein Gesicht war wutverzerrt, doch Malfoy ließ sich nicht beirren. „Bevor ich mich von dir verfluchen lasse, solltest du dir erst mal einen Umhang kaufen, der nicht verdreckt und geflickt ist.“
Harry bemerkte, wie Ron leicht rosa anlief. Er wollte gerade zurückfeuern, als ihn eine bekannte Stimme vom anderen Ende des Abteils unterbrach. Wenn du auch nur ein Achtel von Goyles Hirn hättest,“ sagte Hermine ruhig, während sie schnell auf die fünf zugelaufen kam, „dann würdest du immerhin so schlau sein und bemerkt haben, dass Rons Klamotten vielleicht nicht mehr die Neusten,“ Hermine stand nun neben Harry, „deine aber schon seit mindestens 2o Jahren out sind.“
Goyle, der seinen Namen wohl erkannt hatte, blickte Hermine verwundert und mit leicht geöffnetem Mund an. „Goyle, das war kein Kompliment,“ zischte Malfoy und drehte sich auf dem Absatz um. „Kommt mit, ihr Trottel.“
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