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Fanfiction

Eine Art Wunder (leider abgebrochen) - Ein Gespräch

von Lapis

Das nächste Kapitel ist da. Vielen Dank für eure Kommentare! (Hab mir jetzt nicht die Namen gemerkt, aber ihr wisst hoffentlich, dass ihr gemeint seid.)


Ihr dürft selbstverständlich auch gern meinen Schreibstil kommentieren, wenn euch etwas auffällt, ich habe so etwas vorher noch nie gemacht und kann mich daher nur auf mein eigenes Sprachgefühl verlassen. Wenn euch also einmal die Wortwahl oder der Satzbau seltsam vorkommen sollten, schreibt mir.



Das Aufeinandertreffen zweier Persönlichkeiten ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: Wenn es zu einer Reaktion kommt, werden beide umgeformt.
Carl Gustav Jung


3. Kapitel: Ein Gespräch

Der Sonntagmorgen dämmerte kalt und klar. Das erste, was Harry beim Aufwachen bemerkte, war die Sonne, die ihm in die Augen schien. Er blinzelte mehrmals, gähnte und drehte sich um.

„Wach auf“, flüsterte er in Ginnys Ohr. „Wir wollen den Hogwarts-Express nicht verpassen.“

Ginny regte sich und murmelte etwas Unverständliches, schlief aber störrisch weiter. Harry seufzte, aber ein leichtes Lächeln spielte um seine Lippen, als er auf seine Bettgefährtin blickte. Wie versprochen hatten sie weitergemacht als hätte sich nichts zwischen ihnen verändert und außer in einem Bett zu schlafen wie jede Nacht seit dem Ende des Kriegs hatten sie in der vergangenen Nacht nichts getan. Gleichwohl hatte es sich gut angefühlt, sie zu halten und sie neben sich zu spüren, zu wissen, dass sie zumindest lebte und hier bei ihm war.

Seltsamerweise war er nicht so abgeschreckt durch die Tatsache, dass er mit der Schwester seines besten Freundes geschlafen hatte, wie er gedacht hätte. Natürlich hätte er gern jedes noch so kleine Detail seines Ersten Mals erinnert - wer wollte das nicht? - aber Ginnys eher vage Bemerkungen ließen vermuten, dass er der Initiator gewesen war. Abgesehen von Alkohol und Zaubertrank konnte er ihr also nicht wirklich die Schuld geben.
Nachdem er nun Zeit gehabt hatte (widerwillig) darüber nachzudenken, erschien ihm der Gedanke an Sex mit Ginny - Fehler oder nicht - in Ordnung. Wenn überhaupt, war er froh, dass es Ginny gewesen war und nicht eine andere Hexe. Er nahm an, dass es daran lag, dass es ihm fast zur zweiten Natur geworden war, Ginny zu vertrauen. Was aus den bruchstückhaften, vermischten Erinnerungen der letzten Tage am meisten hervor stach, war Ginny: Ginny, die auf ihn aufpasste, wenn er zu störrisch war zuzugeben, dass er nicht auf sich selbst aufpassen konnte. Ginny, die ihn daran erinnerte zu fühlen, was wirklich war und nicht, was vergangen war. Ginny, die ihr Bestes versuchte, ihm zu helfen, das Gefühl von seiner Umgebung abgespalten zu sein zu überwinden, auch wenn ihre Methoden gewöhnlich den gegenteiligen Effekt hatten. Harry konnte kaum glauben, dass diese starke, eigenwillige Ginny das gleiche Mädchen war, das früher zu schüchtern gewesen war, in seiner Gegenwart zu reden.

Der Krieg hatte Harrys Welt wirklich auf den Kopf gestellt.

Harry reichte über den Nachttisch, griff nach seiner Brille und setzte sie auf. Er stand vorsichtig auf, um Ginny nicht zu stören und streckte sich. Seine Muskeln waren verkrampft und sein Kopf pochte heftig. Er nahm an, es lag daran, dass er die halbe Nacht lang aufgeblieben war, geplagt von Erinnerungen an den Krieg und der Aussicht auf die Rückkehr nach Hogwarts, wo er jeden Tag Gelassenheit würde vortäuschen müssen.

Aber Harry fühlte sich ein wenig besser als am Tag zuvor. Hermine und Ron waren am Abend zurückgekehrt und ihre Gesichter zu sehen hatte Harry mit so großer Erleichterung erfüllt, dass er fast vergessen hatte, sich zur Nacht elend zu fühlen. Er hatte ihnen mit einer Mischung aus Begeisterung und Neid zugehört, als sie eifrig erklärten, wobei sie dem Orden geholfen hatten, inklusive der Gefangennahme dreier früherer Klassenkameraden, die sich als Blaise Zabini, Millicent Bulstrode - und Draco Malfoy herausstellten. Gefangen genommen durch den Bericht seiner Freunde, gab sich Harry nicht damit ab, sich Gedanken über die unangenehmen Konflikte zu machen, die dieses unbedeutende Detail auszulösen vermochte.

Der Abend war recht schnell vergangen und ehe Harry es gedacht hatte, war es Zeit, zu Bett zu gehen. Er hatte nicht verraten, dass Ginny und er einen Raum teilten, als er sich von Ron und Hermine verabschiedete. Dafür wird später noch Zeit sein überlegte er. Jedenfalls wollte er die gute Stimmung nicht ruinieren.

Harry blickte aus dem Fenster. Die hell scheinende Sonne hatte eine beruhigende Wirkung. Er hasste die nebligen, bedeckten Morgen, die den Großteil der Woche beherrscht hatten, sie wirkten erstickend und beklemmend auf ihn. Außerdem freute er sich fast darauf, Malfoy zu sehen, er konnte sich keine bessere Person vorstellen, um seinen Frust auszulassen als den einzigen, der es ihm nicht heimzahlen konnte.

Aber trotz der angenehmen Umstände an diesem Morgen fühlte sich Harry immer noch unerträglich leer. Irgendwo in seiner Brustregion war eine Art brennender, unerbittlicher Schmerz, den er nur mit dem Teil seiner Selbst in Verbindung bringen konnte, den er in der Nacht verloren hatte, in der das Stück von Voldemorts Seele in ihm zerstört worden war. Harry konnte es nicht ganz erklären, er wusste nur, dass es seinen Verstand und seine Seele Tag und Nacht niederdrückte und eine unsichtbare Barriere errichtete, die ihn von allen anderen trennte.

Harry fröstelte in der kalten Luft und stöberte nach seinem Shirt. Er fand es ordentlich zusammengefaltet auf dem einzelnen Stuhl und zog es über den Kopf.

Er fragte sich einen Moment lang, was Malfoy wohl davon hielt, dass er ihn zur Schule begleitete. Er hatte nicht sehr viel gesagt, als Harry es angeboten hatte. Warum hatte er es überhaupt angeboten? Vielleicht um der Gelegenheit willen, ihn zu quälen und noch mehr leiden zu lassen als ohnehin schon ohne dass ihn ein Lehrer dabei erwischen konnte? dachte
er trostlos.

Abwesend strich er sich durch seine strubbligen Haare, trottete zu dem alten Spiegel und schob den Stuhl darunter beiseite, damit er ganz hinein starren konnte. An seinem Spiegelbild war etwas verwirrend Fremdes. Er erkannte das unordentliche schwarze Haar, die dunkelgrünen Augen, den festen Kiefer und die schmalen Lippen. Selbst die Narbe war da, eine grausame Erinnerung an alles, was er die vergangenen siebzehn Jahre erlebt hatte und die er niemals loswerden konnte. Aber etwas… etwas war verschwunden, etwas, das Harry früher einmal ganz gemacht hatte. Als er sich selbst im Spiegel betrachtete, fühlte er sich beinahe abgestoßen von dem, was er sah. Verärgert wandte er sich ab.

Inzwischen war Ginny aufgewacht. Sie lag auf der Seite und betrachtete Harry verschlafen. Als ihr bewusst wurde, dass er sie bemerkt hatte, lächelte sie verlegen.

„Entschuldige, ich betrachte dich einfach gern“, murmelte sie. Ihre Augenlieder flatterten leicht, als sie gegen den Drang kämpfte, wieder einzuschlafen.

Das ist mehr, als ich für mich selbst sagen kann dachte Harry trocken.

Ginny setzte sich auf und rieb sich die Augen. „Wie viel Zeit haben wir, bevor wir gehen müssen?“ fragte sie.

Harry zuckte die Achseln. „Wir sollten uns beeilen. Ron und Hermine warten wahrscheinlich schon unten auf uns. Außerdem muss ich Malfoy am Bahnhof treffen, du erinnerst dich?“

Ginnys Augen wurden dunkel und Harry zuckte zusammen, als er sich erinnerte, wie schwierig es gewesen war, sie zu überzeugen, dass er nur versuchte, McGonagall zu helfen, als er ihr verraten hatte, dass er während der Fahrt zur Schule nicht mit ihr, sondern mit Malfoy zusammensitzen würde. „Ja, richtig“, sagte sie knapp.

„Was ist?“ fragte Harry behutsam.

„Nichts.“

Sie zogen sich an und packten ihre Sachen schweigend. Harry hatte das unklare Gefühl, dass Ginny ärgerlicher auf ihn war als er es erwartet hätte, aber er machte sich nicht die Mühe, nach dem Warum zu fragen. Sie würde einlenken, das hatte sie bisher immer getan.

„Wir sollten gehen“, sagte Harry, als er die letzte seiner neuen Roben in seinen Schulkoffer geworfen hatte. „Wenn wir noch Zeit haben, können wir uns im Speisesaal einen kleinen Imbiss holen.“

„Mhm“, antwortete Ginny. Sie hatte schon alles gepackt und saß auf der Bettkante, während sie darauf wartete, dass Harry fertig wurde.

Die beiden verließen das Zimmer, gingen den Flur entlang und die Treppe hinunter und vermieden dabei jeden Augenkontakt. Harry blieb bei Tom an der Rezeption stehen, um für ihre Unterkunft zu bezahlen, aber der alte Wirt lehnte ab.

„Es war mir eine Ehre, Mr. Potter, eine wirkliche Ehre…“ erklärte er stattdessen und verbeugte sich tief. „Kommen Sie wieder, wann immer sie ein Zimmer benötigen…“

„Alles klar“, sagte Harry unbehaglich. „Vielen Dank.“

Ginny und er gingen hinüber zum Speisesaal. Nicht sehr überraschend saßen Ron und Hermine schon wartend an einem kleinen Tisch.

„Wieso kommt ihr beiden zusammen herunter?“ fragte Ron misstrauisch, als Harry und Ginny herbei kamen.

Bevor Harry eine plausible Ausrede einfiel, rollte Ginny mit den Augen und gab zurück: „Wieso sitzt ihr beiden hier zusammen?“

Ron errötete. „Wir haben auf euch gewartet“, sagte er hitzig. „Ihr habt euch ordentlich Zeit gelassen, weißt du!“

Hermine schnalzte mit der Zunge und stand auf. „Auf jeden Fall sollten wir jetzt gehen. Es ist schon Viertel nach zehn.“

„Mist“, fluchte Harry. Hermine warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Wir müssen uns beeilen oder ich werde zu spät kommen“, erklärte er.

„Zu spät wofür?“ fragte Hermine neugierig.

„Ich… äh…“, Harry zögerte. Er hatte am Abend zuvor die Situation mit Malfoy nicht erwähnt. Als er sich erinnerte, dass Malfoy einer der Todesser war, bei deren Auffindung Ron und Hermine geholfen hatten, entschied er sich, dass er ihnen vorerst nichts über den Prozess erzählen würde.

Unglücklicherweise war es absolut unmöglich, die Abmachung, die er mit McGonagall getroffen hatte, vor seinen beiden besten Freunden geheim zu halten, da Ginny ohnehin schon davon wusste.

Da ihm keine andere Möglichkeit blieb, seufzte Harry und gab zu: „Ich, äh, sagte, dass ich Malfoy nach Hogwarts begleiten würde. Draco Malfoy.“

Ungläubige Stille folgte seinen Worten. Ron und Hermine waren beide wie vom Donner gerührt und wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte Harry gelacht. Stattdessen scharrte er mit den Füßen und versuchte, die Blicke der beiden zu vermeiden.

Schließlich seufzte Ginny tief. „Jetzt kommt schon“, bemerkte sie mit einer Spur Frustration in der Stimme. „Ich werde es euch beiden erklären, sobald wir im Zug sind.“

Harry entschied, dass jetzt nicht der Zeitpunkt war, darauf hinzuweisen, dass auch Ginny nicht die ganze Geschichte kannte und nickte zustimmend. „Lasst uns gehen.“

„Harry, bist du wahnsinnig?“ brachte Ron heraus, als Ginny seinen Arm packte und ihn zur Tür zog. „Malfoy? Warum? Er ist ein Todesser! Wurde er nicht nach Askaban geschafft? Was geht vor?“

Hermine schien die Neuigkeit besser aufzunehmen als ihr Freund. Tatsächlich wirkte sie eher besorgt als entsetzt. „Erklär es uns später, Harry, ja? Jetzt sollten wir uns auf den Weg machen, wenn du Malfoy treffen musst.“

Harry konnte ihre Fassung angesichts seines Geständnisses nur bewundern. Ron andererseits schien die Fähigkeit, verständliche Sätze zu äußern, verloren zu haben und erlaubte Ginny ohne ein Wort des Protests, ihn mit sich zu ziehen.

„Weißt du, wie man von hier aus nach King's Cross kommt, Hermine?“ fragte Harry beunruhigt und warf ihr einen besorgten Blick zu. Sie hat Recht, ich werde jede Menge Zeit haben, alles zu erklären, sobald wir allein sind versicherte er sich selbst.

„Ja… es sollte nur ungefähr eine Meile nördlich von uns sein… Wenn wir uns beeilen, sollten wir rechtzeitig ankommen für - wann solltest du ihn treffen?“

„Zehn Uhr dreißig“, sagte Harry, erleichtert, dass Hermine keine weiter gehenden Fragen stellte. „Ich werde auch McGonagall dort treffen.“

„Ach wirklich?“ fragte Hermine und blickte ihn überrascht an. „Sie wird mit Malfoy zusammen kommen?“

Harry schaffte es gerade so, einem alten Mann auszuweichen, der seinen Hund ausführte, als sie die Straße entlang rasten. „Ja“, keuchte er. „Sie war diejenige, die ihn zurück nach Hogwarts bringen wollte.“

Hermine nickte, aber sagte nichts mehr. Als sie um eine Ecke kamen, schaute sie über ihre Schulter zu Ron und Ginny und rief ihnen zu: „Beeilt euch, ihr zwei!“

Fünfzehn Minuten später erreichten sie King's Cross, atemlos und schwitzend von der Anstrengung.

„Wo sind sie?“ murmelte Harry, schob sich das Haar aus den Augen und blickte wild um sich. Er war fünf Minuten zu spät, McGonagall würde ihn umbringen.

„Sagtest du nicht, du würdest sie an der Barriere treffen?“ erinnerte ihn Ginny.

„Oh, ja, richtig“, antwortete Harry, etwas aus der Ruhe gebracht. Wieso wurde er jetzt so nervös? „Kommt mit…“

Und tatsächlich, als die vier zu der Barriere zwischen Gleis neun und zehn eilten, waren McGonagall und Malfoy bereits dort. Verlegen ging Harry zu ihnen und meinte: „Bitte entschuldigen Sie die Verspätung, Professor.“

Malfoy starrte Harry auf eine Art an, die andeutete, dass er gehofft hatte, Harry würde schließlich doch nicht kommen. Harry zog eine gewisse innere Befriedigung aus dem Wissen, dass er Draco Malfoy enttäuscht hatte.

McGonagall begrüßte Hermine, Ron und Ginny, bevor sie sich zu ihm umwandte. „Sind Sie sicher, dass Sie ihn übernehmen wollen?“ fragte sie ihn mit einem kühl abwägenden Blick. „Falls Sie Ihre Meinung geändert haben, kann Nymphadora -“

„Nein, es ist in Ordnung“, entgegnete Harry fest, nicht ganz sicher, warum er so entschlossen war, einen ehemaligen Todesser zu bewachen. „Ich, äh, werde mich vergewissern, dass er nichts anstellt.“

McGonagall nickte zustimmen. „Sehr gut. Ich werde Sie dann alle bei der Hauswahlzeremonie heute Abend sehen.“

Harry sagte der Schulleiterin auf Wiedersehen während Malfoy weiter vor sich hin starrte. Als McGonagall in der Menge verschwunden war, drehte sich Harry zu seinen Freunden um.

„Ihr könnt vorgehen“, sagte er zu ihnen. „Ihr müsst nicht mit uns zusammen sitzen. Warum…“

Harrys Stimme erstarb, als er Rons Gesichtsausdruck wahrnahm. Ron starrte Malfoy hasserfüllter an, als Harry es jemals gesehen hatte. Erschrocken versuchte er ein zaghaftes: „Ron?“

„Ich kann nicht erkennen, welcher Idiot so dumm sein würde, dich zu retten, Malfoy“, zischte Ron mit vor Zorn funkelnden blauen Augen. „Aber ich habe nicht vergessen, was du getan hast!“

Die Bosheit in Malfoys Augen wurde noch intensiver als er Rons Blick unerschütterlich begegnete. „Wie freundlich von dir, an mich zu denken, Weasley“, höhnte er.

Rons Gesicht nahm einen beeindruckenden, scharlachroten Farbton an.

„Ron“, sagte Harry drängender, er fühlte, dass Gefahr im Verzug war. Es ist gut, dass Malfoy nicht erwähnt hat, dass ich der Idiot war, der ihn gerettet hat dachte er ironisch.

Glücklicherweise wählte Hermine diesen Moment, um sich einzumischen.

„Lass uns gehen, Ron. Harry wird sich um ihn kümmern.“ Sie nahm Rons Arm und drehte in entschlossen von Malfoy weg.

„Gib auf dich Acht, Harry“, sagte Ginny, als sie sich bereit machte, Ron und Hermine zu folgen. Sie blickte zu Malfoy hinüber als ob sie ihn schrumpfen wollte. „Ich schwöre, wenn du irgendetwas versuchst, Malfoy -“

„Das wird er nicht“, fiel ihr Harry fest ins Wort. Er gab Ginny einen leichten Schubs. „Geh mit Ron und Hermine. Ich sehe euch dann nachher, wenn wir in Hogwarts ankommen.“

Er fühlte ein scharfes Stechen in der Brust als ihm klar wurde, dass einige ihrer sonstigen Reisegefährten - unter ihnen Seamus und Neville - bei dieser speziellen Zugfahrt nicht dabei sein würden… und auch bei keiner anderen mehr.

Ginny seufzte. „Okay, bis später, Harry“, sagte sie gereizt. Ohne einen weiteren Blick auf Malfoy griff sie nach ihrem Gepäck, schob es hinter Ron und Hermine her zur Barriere und verschwand.

„Also dann - “, begann Harry und wandte sich zu Malfoy um, stockte aber, als er sah, dass der andere Junge sich vornüber gebeugt hatte und damit beschäftigt war, etwas in seiner Truhe zu suchen.

Verärgert verschränkte Harry seine Arme und wartete. Endlich hörte er Malfoy etwas murmeln, das klang wie „Gott sei Dank“ während er sich wieder aufrichtete.

„Malfoy - “, versuchte Harry wieder, nur um dieses Mal von Malfoy unterbrochen zu werden.

„Du kannst jetzt abhauen, Potter“, sagte er gedehnt. „Ich weiß, dass du hierzu genauso wenig Lust hast wie ich.“

Harry fühlte den Ärger in sich aufsteigen. „Ich gehe nirgendwo hin“, schnappte er.

„So dankbar ich für die Sorge um mich bin -“

„Ich tu es nicht für dich“, knurrte Harry. „Ich tu es für Tonks, weil ich mir sicher bin, dass sie Besseres zu tun hat als ihre Zeit mit Dreck wie dir zu verschwenden.“

„Und der „Auserwählte“ hat nichts Besseres zu tun?“ gab Malfoy eisig zurück. Er verengte die Augen, die Harry schon unbewusst begonnen hatte zu fürchten. „Eine verdammte Frechheit, es auf dich zu nehmen, mir überall hin zu folgen. Wenn man bedenkt, wie sehr ich schon herab gesetzt wurde durch dein -“
„Herab gesetzt?“, rief Harry wütend aus. „Versuchst du gerade zu sagen, dass ich dir keinen Gefallen getan habe, als ich dich vor den Dementoren gerettet habe?“

„Ja, genau das tue ich“, erwiderte Malfoy ruhig. Wieder flackerte Schrecken in seinen Augen auf. Harry fing den Ausdruck auf, obwohl er fast sofort wieder verschwand und prallte vor Überraschung zurück.

„Lass uns einfach gehen“, knurrte Harry und schüttelte den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen. Er packte Malfoys Arm grob, zog ihn hinüber zur Barriere, deutete mit seiner freien Hand und befahl: „Geh.“

Zu Harrys Überraschung gehorchte Malfoy ohne weiteren Widerspruch. Nachdem er in der Barriere verschwunden war, folgte ihm Harry sofort, um seinen Schutzbefohlenen nicht aus den Augen zu lassen.

Dankenswerterweise wartete Malfoy auf der anderen Seite mürrisch auf Harry. Dieser wollte den Grund für die plötzliche Fügsamkeit gar nicht wissen und sagte nur brüsk: „Los, komm.“

Harry führte Malfoy zur nächst gelegenen Zugtür und gab vor, das Gaffen der anderen Schüler zu ignorieren. Aber so sehr er auch versuchte, ihr Starren und Flüstern auszublenden, fingen seine Ohren doch Bruchstücke von gedämpften Gesprächen auf, als er darauf wartete, dass Draco sein Gepäck in den Zug hob.

„Das kann nicht sein, ich habe gehört, er würde nicht kommen!“

„Nun ja, meine Mutter meinte, McGonagall war sehr entschlossen, ihn wieder nach Hogwarts zu holen.“

„Aber hat er nichts anderes zu tun? Er ist der verdammte Auserwählte…“

„Und das ist nicht alles, schau, wen er dabei hat!“

„Wer ist das?“

„Draco Malfoy!“

„Du meinst… War Potter nicht derjenige…?“

„Ja!“

Harry biss die Zähne zusammen. Es kostete ihn jedes Quäntchen Willenskraft, sich nicht umzudrehen und die beiden Jungen - zweifellos Erstklässler - mit einem Vergessenszauber zu belegen. „Du solltest besser dankbar sein, Malfoy“, murmelte er unterdrückt, als er hinter Malfoy in den Zug stieg und die Tür hinter sich zuknallte.

Es war noch früh und der Zug noch nicht sehr voll. Gott sei Dank dachte Harry mit enormer Erleichterung während er nach einem leeren Abteil suchte. Je schneller wir aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden, desto besser.

Harry brauchte nicht lange, um ein leeres Abteil zu finden. Er öffnete die Tür, um Malfoy zuerst hinein zu lassen. „Geh“, kommandierte er wieder.

„Ich brauche deine Höflichkeit nicht“, erwiderte Malfoy und verschränkte störrisch die Arme. „Geh du.“

Harry verdrehte die Augen und ging hinein. Während er damit kämpfte, seinen Koffer auf der Gepäckablage unterzubringen, dachte er darüber nach, wie seltsam es war, dass er sich nicht im Geringsten unbehaglich dabei fühlte, ein Abteil mit Malfoy zu teilen. Immerhin hatten er und seine Freunde sich immer bemüht, so weit wie möglich von Malfoys Teil des Zugs entfernt zu bleiben und nun akzeptierte er willig die Qual einer ganzen Zugfahrt nach Hogwarts nur mit Malfoy als Gesellschaft.

Ich vermute, wenn alles andere beschissen ist, ist es nicht so schlimm wie es klingt, sieben Stunden in einem engen Abteil mit der Person zu verbringen, die du am meisten hasst, dachte Harry grimmig, während er immer noch damit kämpfte, seine Sachen zu verstauen. Trotzdem war er mehr als ein wenig beunruhigt durch die Tatsache, dass er nicht so beunruhigt war wie er hätte sein müssen.

„Oh, um Himmels Willen, Potter“, kam Malfoys verächtliche Stimme von hinten und plötzlich fühlte Harry zwei Arme um sich herum, die seinen Koffer sicher auf der Gepäckablage unterbrachten.

Erstaunt drehte sich Harry um und blinzelte. Malfoy stand genau hinter ihm und hatte gereizt die Stirn gerunzelt. Aber sobald sich ihre Augen trafen, sprang er zurück als hätte ihn etwas erschreckt.

Harry legte den Kopf schief. Langsam dämmerte es ihm, dass Malfoy ihm… nun ja, geholfen hatte. „Ähm, danke?“ sagte er, immer noch etwas verwirrt.

„Ich hab's nur getan, weil du so hoffnungslos erbärmlich ausgesehen hast beim Versuch, deine Sachen da oben rein zu kriegen“, schnappte Malfoy und sah aus, als hätte ihn Harrys Dank beleidigt.

Harry blickte finster drein und alle dankbaren Gefühle, die er vielleicht gehegt hatte, verschwanden auf der Stelle. „Du bist der Richtige, um über Erbärmlichkeit zu reden“, erwiderte er.

„Ja, ich weiß, mein Vater war total verrückt und ich bin darauf aus, in ein paar Jahren genauso zu werden wie er“, höhnte Malfoy, während sich seine eingesunkenen Gesichtszüge auf höchst unattraktive Weise verzogen. Er ließ sich auf dem gegenüberliegenden Sitz nieder. „Deine Beleidigungen haben beim tausendsten Mal keine große Wirkung mehr.“

„Wie auch immer“, murmelte Harry, ließ sich auf seinen Sitz fallen und lehnte sich gegen das kühle Fensterglas. Plötzlich hatte er nicht länger die Energie, mit Malfoy zu streiten. Er war einfach so...müde.

Offenbar war es Malfoy egal, dass Harry nicht nach Streiten war, denn sobald Harry still war, setzte er seine Tirade fort.

„Du denkst, du bist so besonders“, zischte er bitter. „Du denkst, weil du diese dumme Narbe hast und den Dunklen Lord besiegt hast, kannst du herum laufen und das Leben anderer Leute durcheinander bringen. Vielleicht tust du es, weil du unsicher bist und hoffst, dass, wenn du die ganze Welt dazu zwingen kannst zu glauben, dass du der verdammte Retter bist, du dich auch selbst davon überzeugen kannst. Ich weiß es nicht, aber egal wie, dieses Mal hast du dir das falsche Leben ausgesucht, um dich damit zu amüsieren, Potter.“

Harry starrte Malfoy ruhig und gelassen an. So viel war geschehen, seit Malfoy und er das letzte Mal auf diese Weise miteinander gesprochen hatten, dass ihn Malfoys läppische Beleidigungen nicht länger beeindruckten. „Nun, wer hätte gedacht, dass du so scharfsinnig bist?“ sagte er leichthin nach einer kurzen Pause.

Für einen Augenblick schaute Malfoy verdutzt. Anscheinend hatte er von Harry eine gleichermaßen hitzige Entgegnung erwartet und schien fast enttäuscht, als sie nicht kam. Aber nach einigen weiteren Sekunden Stille ließ er sich gegen die Wand zurückfallen, seufzte fast unhörbar und verlegte sich darauf, aus dem Fenster zu starren.

Harry war zugegebenermaßen recht überrascht, dass Malfoy so einfach aufgegeben hatte und noch verwunderter über sich selbst, weil er angesichts Malfoys beißender Bemerkungen nicht die Beherrschung verloren hatte. Ihm wurde klar, dass es vielleicht daran lag, dass er sich besser fühlte, wenn ihm jemand sagte, dass er nicht alles war, was er sein sollte. Aus irgendeinem seltsamen Grund verlangte es Harry danach zu hören, dass er nicht perfekt war, dass seine Taten kritisiert wurden - die Wahrheit zu hören.

Harry verbiss sich ein ironisches Lächeln. Stell dir vor… Ausnahmsweise ist Malfoy derjenige, der die Wahrheit sagt...

---


Potters Lächeln verwirrte Draco gründlich. Auch wenn er wusste, dass es nicht an ihn gerichtet war, war Potters Fähigkeit in seiner Gegenwart überhaupt zu lächeln, gleichermaßen verunsichernd wie ärgerlich.

Andererseits ist es ja nicht so, dass er keinen Grund zum Lächeln hätte, so wie alle den Boden küssen, auf dem er geht dachte er säuerlich.

Trotzdem konnte er es nicht lassen, über Potters seltsames Lächeln nachzudenken. Es war nicht ganz wie das Lächeln der Hexen und Zauberer, die den Krieg überlebt hatten. Deren Lächeln war strahlend, hoffnungsvoll und aufrichtig. Potters Lächeln war… Nun, es war kein wirkliches Lächeln. Es war eine Art erzwungene Aufwärtsbewegung der Mundwinkel, eine künstliche, oberflächliche Bemäntelung, darauf ausgelegt, diejenigen in die Irre zu führen, die es nicht besser wussten. (Was Draco natürlich tat.) Potters Lächeln erreichte nicht seine Augen, wie es das Lächeln der Passanten getan hatte. Stattdessen blieben seine Augen abwesend und ohne das gewisse Funkeln, das Draco gelernt hatte mit einem echten Lächeln in Verbindung zu bringen.

Draco schüttelte heftig den Kopf und vertrieb diese Grübeleien aus seinen Gedanken. Jetzt war nicht die Zeit, Potters Lächeln zu studieren. Es gab wichtigere Dinge, bei denen er verweilen konnte.

Wie die Tatsache, dass er noch neun Monate zu leben hatte.

Innerlich wand er sich unbehaglich bei dem Gedanken. Neun Monate. Das war nicht annähernd genug, um alles zu tun, was er tun wollte. Er biss die Zähne zusammen und hasste Potter abermals für seine Einmischung in Dinge, die ihn nichts angingen. Hätten sie ihm nur erlaubt, schnell zu sterben…nicht die Qual des Wartens zu erdulden… Aber nein, das war nicht gut genug für Potter…

„He, Malfoy?“

„Was?“ schnappte Draco und fragte sich, wieso er überhaupt antwortete. Schließlich hasste er Potter.

„Warum hast du am Freitag das ganze Zeug in der Apotheke gekauft?“

Draco wurde zornig. „Das ist nicht deine verdammte Angelegenheit.“

Potter setzte sich aufrechter hin und wandte sich um, um ihn anzustarren. „Ist es wohl, falls du darüber nachdenkst, ein explosives Gemisch zu brauen und es zu benutzen, um ganz Hogwarts mit dir zur Hölle zu pusten.“

Draco verdrehte die Augen. „In diesem Fall ist es trotzdem nicht deine verdammte Angelegenheit.“

Potter schaute verwirrt. Draco hätte beinahe laut gelacht. Ich kann es nicht glauben, dass man tatsächlich ein Denkmal für diesen Tölpel errichtet hat dachte er ungläubig.

„Wie auch immer“, fuhr Potter frostig fort, „ich werde dich beobachten, Malfoy.“

„Ich bin gerührt.“

„Ich meine es ernst“, beharrte er. Er schien zu zögern bevor er hinzufügte: „Aber nur, weil ich nichts anderes zu tun habe.“

Aus irgendeinem Grund hatte Draco das Gefühl, dass diese Behauptung in etwa so stichhaltig war wie seine eigene frühere Rechtfertigung dafür, Potter mit seinem Gepäck zu helfen. Laut sagte er abfällig: „Potter, deine Besessenheit mit mir ist einigermaßen lästig. Unglücklicherweise habe ich dieses Jahr nicht sehr viel Zeit, mit dir herumzuspielen, deshalb würde ich es begrüßen, wenn du mich in Ruhe lassen würdest.“

Erst als Draco den Ausdruck von Bestürzung über Potters Gesicht huschen sah, wurde ihm das volle Gewicht seiner Worte klar. Wütend auf sich selbst, weil er nicht gedacht hatte bevor er sprach, packte er trotzdem die Gelegenheit beim Schopf, Potter dazu zu bringen, sich noch schlechter zu fühlen und fügte hinzu: „Oh, ja, ich habe buchstäblich keine Zeit.“

„Na, dann komm nicht zu mir um Trost gekrochen“, schnappte Potter und seine Augen verdunkelten sich vor Ärger hinter seiner Brille (die mit den runden Gläsern, die er seit der ersten Klasse trug, wie Draco bemerkte). „Falls du möchtest, dass ich vor dir auf die Knie falle und um Vergebung dafür bettle, dass ich dir das Leben gerettet habe, kannst du lange warten.“

Dracos presste die Lippen zusammen. „Ich will dein Mitleid nicht“, spöttelte er.

„Gut, du wirst von mir ohnehin keins bekommen“, antwortete Potter ärgerlich. Draco nahm befriedigt wahr, dass er trotz dieser Worte unglücklich drein sah.
Draco lehnte sich zurück und wandte sich um, um aus dem Fenster auf die vorübereilende Landschaft zu starren. Er fragte sich, ob es für den Rest des Jahres so laufen würde. Würde er die letzten neun Monate seines Lebens damit verbringen, gehässig zu Potter zu sein? Falls Potter wirklich vorhatte, ihm in der Schule auf den Fersen zu bleiben…

Er unterdrückte ein verzweifeltes Stöhnen bei dem Gedanken, überall von Potter verfolgt zu werden und bewegte sich in seinem Sitz. Es schien, dass erst ein oder zwei Stunden vergangen waren, seit der Zug den Bahnhof verlassen hatte. Sein Herz wurde schwer. Noch sechs weitere Stunden wie diese?

„Warum hast du es getan?“ stieß Draco plötzlich hervor. „Warum hast du eingegriffen und mich gerettet, wenn du mich jetzt den Rest des Jahres einfach nur bewachst?“

Zum ersten Mal seit diesem Morgen schien Potters vorsichtige Maske zu verrutschen. Es klang echte Unsicherheit durch als er antwortete: „Ich weiß es nicht. Ich denke… nun, die Nacht auf der Lichtung… als Bellatrix…“

Dracos Magen drehte sich. Also erinnerte sich Potter. „Oh.“

„Ja. Ich schätze, ich wollte mich revanchieren… oder so. Aber ich weiß es wirklich nicht.“

Draco seufzte. „Du weißt es verdammt noch mal nie“, murmelte er und lehnte sich zurück gegen die Wand des Abteils.

„Was meinst du?“

„Ich meine“, sagte Draco gedehnt, „dass du nie einen eindeutigen Grund hast für die Dinge, die du tust. Warum hast du dich entschieden, Hogwarts zu besuchen, wenn du nichts über die verdammte Schule wusstest? Warum warst du einverstanden, bei der Quidditch-Mannschaft mitzumachen, wenn du keine Ahnung von dem Spiel hattest? Warum hast du entschieden, dass es deine Sache sei, den Dunklen Lord loszuwerden, nur weil er vor sechzehn Jahren versucht hat, dich umzubringen?“

Potter schien zunächst aus der Fassung gebracht durch Dracos Wortschwall, aber dann nahm er einen gedankenvollen Ausdruck an. Nach einigen Augenblicken sagte er langsam: „Voldemort nicht zu töten war nie eine Option für mich.“

„Aber warum? Warte, sag's nicht - du wolltest der Held der Zaubererwelt sein, bevor jemand anders den Titel stehlen konnte“, sagte Draco hämisch.

Entrüstung blitzte in Potters Augen. Nun, das ist gut dachte Draco müßig. Zumindest zeigt er jetzt einige Lebenszeichen.

„Nein“, sagte Potter steif. „Es waren eine Menge Gründe. Keiner, den du verstehen würdest, Malfoy. Aber zum größten Teil wollte ich es einfach tun. Ich musste.“

„Ich bin sicher, du musstest nie irgendetwas in deinem Leben“, meinte Draco boshaft. Dummer Potter, bildete sich ein, er hätte es schwer. Draco hatte keine Zweifel, dass Potter niemals zu irgendetwas gezwungen worden war. Er hatte immer seine eigene Wahl treffen und seinen eigenen Weg gehen dürfen. Das war einer der Gründe, warum Draco ihn so sehr hasste.
Potter schüttelte den Kopf. „Sieht aus, als ob du auch nicht viel verstehen würdest, Malfoy.“

In diesem Augenblick wurden die beiden Jungen durch die Ankunft der Hexe mit dem Imbisswagen unterbrochen. Draco fühlte sich leicht überrascht, dass sie immer noch da war. Er hatte angenommen, dass nach dem Krieg nichts mehr wie vorher sein würde. Aber offensichtlich blieb dieser unwesentliche Teil des Lebens erhalten.

Als Draco beobachtete wie Potter aufstand und sich ihr näherte, wurde ihm bewusst, wie sehr sich seine Wahrnehmung genauer Details verstärkt hatte. Alles - die Art, wie Potter sein Haar aus den Augen schüttelte als er aufstand, die Art, wie Potter mit in die Hosentaschen geschobenen Händen und leicht nach vorne sackenden Schultern ging, die Art, wie Potter sich am Hinterkopf kratzte, während er überlegte, was er kaufen wollte, sogar die Dinge, die er vom Wagen kaufte (ein Kesselkuchen, vier Schokofrösche und eine Packung Bertie Botts Bohnen Aller Geschmacksrichtungen) - wurde aufgenommen und gespeichert. Es war als hätte Draco seine angeborene Fähigkeit verloren, unnötige Aspekte seiner Umgebung zu filtern.

Draco überlegte, dass dies vielleicht seinem bevorstehenden Tod geschuldet war. Wenn du weißt, dass du nur noch neun Monate übrig hast, um die Welt zu sehen, werden sogar die Lieblingssüßigkeiten deines schlimmsten Feindes wichtig.

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Potter stand zu seinem Wort und weigerte sich für den Rest der Zugfahrt, Draco aus den Augen zu lassen. Zuerst fand Draco dies extrem ärgerlich, aber schließlich wurde er es leid, Potter zu beschimpfen und gab auf. Schließlich würde er alle Zeit der Welt für sich haben, sobald sie in Hogwarts ankamen. Nicht, dass er bald dort ankommen wollte. Oder dass er alle Zeit hatte.

Der ärgerlichste Teil der Reise war nicht einmal Potters beständige Gegenwart. Was Draco am meisten ärgerte, war die Beharrlichkeit, mit der er versuchte herauszufinden, was genau Draco in der Apotheke besorgt hatte. Aber Draco weigerte sich, irgendetwas zu verraten, egal wie oft Potter es versuchte.

„Warum sagst du mir nicht zuerst, warum ich hier bin?“ feuerte Draco nach der elften Befragung durch Potter zurück. „Schon mal dran gedacht, es damit zu versuchen? Wenn du darüber nachdenken würdest, mich einzuweihen, vielleicht würde ich dir dann verraten, was ich angeblich verberge.“

Potter starrte ihn an. „Ist das nicht offensichtlich? Du bist hier, weil McGonagall will, dass du kommst und dein siebtes Schuljahr beendest, bevor du bekommst, was du verdienst.“

„Oh, sehr nett, Potter“, spottete Draco. „Welch eine scharfsinnige Feststellung. Danke für die Information.“

„Na, was sonst soll ich sagen?“ schrie Potter zurück. Er schien mit seinem Latein am Ende zu sein. „Ich hab es dir schon eine Million Mal gesagt, Malfoy, ich konnte nicht klar denken! Kannst du jetzt endlich den Mund halten wegen des verdammten Prozesses?“

Draco feixte. Er hatte vergessen wie unterhaltsam die einfachen Dinge des Lebens - wie etwa Potter die Wände hochtreiben - sein konnten. Er entschied, dass Potter sowieso fällig war für eine Dosis Trübsal und fuhr fort.

„Du brauchst nicht die Beherrschung zu verlieren, Potter. Du wirst üben müssen, an dich zu halten, falls du jemals entscheidest, dass du noch einen Todesser davor bewahren möchtest, in Askaban geworfen zu werden.“

Wut machte sich auf Potters Gesicht breit. „Auf die Gefahr hin, dein Ego noch mehr aufzublasen“, knurrte er, „du bist ein spezieller Fall. Ich versuche, keine Gewohnheit daraus zu machen, mehr Abschaum als nötig auf die Welt loszulassen.“

Die Beleidigung, die Draco in Gedanken schon vorbereitet hatte, zerbröselte unter Potters Worten. „Was meinst du mit „spezieller Fall?“ fragte er beinahe vorsichtig.

Potter seufzte und betrachtete missmutig den zur Hälfte aufgegessenen Schokofrosch in seiner Hand. „Ich hab dir doch schon gesagt, ich weiß nicht, warum ich dachte, dass du noch eine Chance verdient hast. Aber ich weiß, dass ich an jenem Morgen zu deinem Prozess gegangen bin, weil ich mich an diese eine Nacht erinnerte und wie du - nun, mir geholfen hattest. Und weil du jemand bist, den ich kenne.“

„Nein, das bin ich nicht“, antwortete Draco automatisch. „Du kennst mich nicht.“

Potter schaute einen Moment lang verdutzt. Dann fiel ein Ausdruck gezwungener Gleichgültigkeit über seine Züge und er sagte achtlos: „Sicher. Natürlich nicht.“

Draco war gegen seinen Willen fasziniert und etwas beunruhigt angesichts der Veränderung, die Potter durchgemacht hatte. Er hatte - unklugerweise - immer sein Herz auf der Zunge getragen, was ihn ein leichtes Ziel für Dracos beleidigende Worte machte. Dieser teilnahmslose, bittere Potter war eine unerwartete Veränderung. Draco wusste ehrlich gesagt nicht recht, was er von ihm halten sollte.

Andererseits, erinnerte er sich selbst, war es nicht an ihm, mit Potters Skrupeln fertig zu werden. Draco hatte genug damit zu tun, sich mit seinen eigenen verstörenden Gedanken zu befassen. Egal wie sehr er versuchte sein bevorstehendes Schicksal zu vergessen, es lauerte weiterhin in einer Ecke seiner Gedanken und kam gelegentlich in Momenten wie diesen, wenn Potter ihn nicht ablenkte, mit gefletschten Zähnen hervor gekrabbelt. Daher war er fast dankbar für Potters Anwesenheit, so sehr Draco es hasste dies zuzugeben.

„Wie war er?“

„Wie war was?“ antwortete Draco augenblicklich, überrascht durch Potters plötzliche Frage.

„Der Krieg. Wie war er?“

Draco erstarrte innerlich, er hasste dieses Thema. „Nicht deine Sache“, schnaufte er.

„Sag schon“, sagte Potter rundheraus.

„Ich bin nicht dein Sklave, Potter“, schnappte Draco während sich seine Wangen vor Ärger rot färbten. Was glaubte Potter, wer er war, ihn so herumzukommandieren?

Zu Dracos Überraschung verlor Potter dieses Mal nicht die Beherrschung. Stattdessen lächelte er. Wieder.

„Danke, Malfoy“, sagte er in beunruhigend fröhlichem Ton.

Draco fiel fast von seinem Sitz. „Ich will keine Dankbarkeit von dir“, meinte er gereizt, „ich habe nichts für dich getan.“

Potters Lächeln wurde breiter. „Genau.“

„Oh, versuch nicht zu offensichtlich zu sein, ja?“, antwortete Draco sarkastisch, verdrehte die Augen und stand auf. Potter verwirrte ihn ohne Ende und Draco hasste es, verwirrt zu werden. „Wie auch immer, es ist Zeit, unsere Schulroben anzuziehen“, sagte er während er Potters rätselhaftes Lächeln mit einiger Besorgnis beäugte.

Sie warfen stumm ihre Roben über. Als sie fertig waren, setzten sie sich wieder und warteten auf die Ankunft des Zuges am Bahnhof.

„Damit du's gleich weißt, Potter“, sagte Draco kühl, während die außerhalb des kleinen Abteilfensters vorüber huschende Landschaft langsamer wurde, „ich weigere mich, dir zu erlauben, mich den Rest des Schuljahres im ganzen Schloss zu beschatten. Von nun an will ich nichts mit dir zu tun haben und ich habe keine Zweifel, dass du genauso fühlst - also tu dir einen Gefallen und widme dich deinen Autogrammstunden anstatt deine Zeit mit mir zu verschwenden.“

Potters Augen wurden zusehends härter. Mit sehr angespannter Stimme antwortete er: „Falls es nicht an mir ist, Befehle zu geben, dann ganz sicher erst recht nicht an dir, Malfoy.“

Draco schluckte die Erwiderung, die auf seiner Zunge lag. Schließlich war sogar er fähig, hin und wieder die Wahrheit anzuerkennen.


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Es gibt einen Grund dafür, warum alle großen Fantasy- und Science-Fiction-Filme im Gedächtnis der Leute geblieben sind. Sie haben eine große Tiefe und nicht nur eine oberflächliche Handlung. Und deswegen werden wir in 50 oder 100 Jahren auch immer noch die Harry-Potter-Bücher lesen und hoffentlich die Filme anschauen.
Michael Goldenberg