Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Eine Art Wunder (leider abgebrochen) - Eine Erkenntnis

von Lapis

Ja, ich weiß, es schmerzt
Ja, ich weiß, du hast Angst
Die Straße entlang zu gehen
Die wer-weiß-wohin führt
Lass den Kopf nicht hängen
Gib noch nicht auf
Wenn der Mut dich verlässt
Werde ich genau hier bei dir sein

- Clay Aiken, „I Will Carry You“



8. Kapitel: Eine Erkenntnis

Einige Tage später in dieser Woche kam eine Eule vom Ministerium zu Draco. Sie hatten ihm geschrieben, um ihn daran zu erinnern, dass er die anderen Siebtklässler nicht auf ihrem Halloween-Ausflug nach Hogsmeade begleiten durfte.

Der Brief schloss mit: „Seien Sie versichert, dass Sie mit ernsten Konsequenzen rechnen müssen, falls Sie sich entschließen sollten, diese Warnung zu ignorieren und Ihre Klassenkameraden dennoch zu begleiten.“

Draco las den Brief und schob ihn schulterzuckend in die Hosentasche. Was juckte es ihn, ob er nach Hogsmeade gehen durfte oder nicht? Es war ja nicht so, als ob er dort etwas Wichtiges zu erledigen hätte.

Obwohl es natürlich nett wäre, den „Honigtopf“ ein letztes Mal zu besuchen, dachte er bei sich, während er in dem Rührei stocherte, das irgendwie auf seinem Teller gelandet war. Visionen von Pfefferminzkröten und Schokofröschen tanzten in seiner Vorstellung, wenn er nur an den übervollen Süßigkeitenladen dachte.

„Draco?“ hörte er plötzlich eine zaghafte Stimme hinter sich und die Zuckermäuse, die vor seinem inneren Auge Walzer tanzten, stolperten und verschwanden.

Draco blickte auf und hob die Augenbrauen, als er Pansy vor sich stehen sah. Sie starrte auf den Boden und spielte nervös mit ihrem Haar.

„Pansy“, sagte er ausdruckslos.

„Hi, Draco.“ Sie hob den Blick und lächelte Draco strahlend an. „Ähm, ich wollte nur fragen, wie es dir so geht. Wir hatten ja noch keine Gelegenheit, miteinander zu reden.“

„Hm, klar.“ Draco wusste nicht, was sonst er noch sagen könnte. Stattdessen rutschte er ein Stück zu Seite, obwohl schon genug Platz für sie gewesen wäre, um sich hinzusetzen.

Pansy schien nicht zu bemerken, dass Draco für sie Platz gemacht hatte. Sie blieb stehen und sagte: „Es tut mir Leid... was passiert ist.“

„Klar“, sagte Draco wieder. Er entschied, dass es sinnlos war, mit Smalltalk um den heißen Brei herumzureden und fragte geradeheraus: „Warum sprichst du mit mir?“

Sie sah verletzt aus. „Du siehst einsam aus, wie du hier so allein sitzt.“

Draco konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Vielleicht hatte Pansys schlichtes Gemüt doch seine Vorzüge.

„Außerdem... die anderen sagen eine Menge fieser Sachen über dich und ich wollte dir nur sagen, dass ich kein Wort davon glaube. Ich möchte weiter mit dir befreundet sein, wenn dir das Recht ist.“

„Klar“, kam es zum dritten Mal von Draco.

„Prima“, sagte sie strahlend. „Tschüss, Draco.“

Draco beobachtete wie sie zurück zu ihrem Platz eilte, bevor er sich wieder seinem vollen Teller zuwandte. Schließlich seufzte er und beschloss, dass er doch keinen Hunger mehr hatte. Er stand auf.

Als er seinen Blick durch die Große Halle schweifen ließ, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass Potter ihn beobachtete. Aber in dem Moment, in dem sich ihre Augen trafen, blinzelte Potter und wandte den Blick ab, als sei er verlegen.

Draco grinste frech. Potter hatte ebenfalls ein schlichtes Gemüt, wenn auch in anderer Hinsicht als Pansy.

Da er seine Mahlzeit beendet hatte, verließ Draco die Große Halle. Er dachte über die letzte, gemeinsame Strafarbeit mit Potter nach, während er um hastig hingeworfene Schultaschen herumsteuerte. Sie hatten nicht viel miteinander gesprochen und als sie auseinander gegangen waren, hatte Draco das Gefühl gehabt, dass etwas Wichtiges zu Ende gegangen war. Aber er hatte immer noch nicht herausgefunden, was dieses Etwas gewesen sein könnte.

Als Draco die Eingangshalle entlang ging, fiel im siedendheiß ein, dass er immer noch keine Zeit gefunden hatte, seine Zutatenbestellung an die Apotheke zu schicken. Er hatte seine Recherchen über das Wochenende beendet und war am Sonntag morgen dabei gewesen, seine Bestellung loszuschicken, als er stattdessen Potter und Weasley über den Weg gelaufen war.

Draco fühlte einen Knoten in seinen Eingeweiden als er die Stufen zur Eulerei hinaufstieg. Obwohl er sorgfältig geplant hatte, wie er seine Zutaten besorgen konnte, war er über einige der verwendeten Methoden unsicher. Über die seltene Nebellilie zum Beispiel ging das Gerücht um, dass sie im Verbotenen Wald wuchs, aber Draco hatte keinerlei Vorstellung davon, wo und wie reichlich sie dort wuchs.

Er blieb auf den Stufen stehen, während er über die Probleme nachdachte, die dagegen sprachen, dass er den Zaubertrank je fertig brauen würde. Trotzdem wusste er, dass er noch nicht aufgeben konnte. Wenn ein Malfoy sich erst etwas in den Kopf gesetzt hatte, war die Wahrscheinlichkeit, dass er auf halbem Wege aufgab, schließlich gering bis nicht vorhanden. Sobald Draco die Dinge von der Apotheke hatte, konnte er beginnen, den Trank zu brauen und sich später um die schwerer zu bekommenden Zutaten kümmern.

Bei diesem Gedanken wurde Draco wieder etwas leichter ums Herz und er setzte seinen Weg fort.

---

Halloween brach an, bewölkt und kalt. Es kam sehr gelegen, dass es auf einen Samstag fiel. So konnten die Siebtklässler den gesamten Tag in Hogsmeade verbringen.

Harry sagte sich, dass er sich auf den Ausflug freute. Allerdings nicht so sehr, wie er sich auf frühere Hogsmeade-Tage gefreut hatte. Es wäre nett, Madam Rosmerta und all die anderen lächelnden Gesichter wieder zu sehen, von denen er sicher war, sie vorzufinden, aber persönlich hatte er keinen Grund, nach Hogsmeade zu gehen. Außer natürlich um Ron und Hermine eine Freude zu machen.

„Gerade gestern hat Zonko wieder geöffnet“, sagte Ron, während sie sich in ihrem Schlafraum für das kühle Wetter an diesem Morgen ankleideten. „Ich denke, es ist die Sache wert, mal kurz reinzuschauen, was meinst du?“

„Auf jeden Fall“, stimmte Harry zu, obgleich es ihm herzlich egal war. Es war schmerzlich offensichtlich, dass Ron versuchte, um Harrys Willen munter und optimistisch an den Hogsmeade-Besuch heranzugehen.

„Fertig?“ fragte Ron einige Minuten später.

Harry hatte seinen Schal gerade fertig gebunden und nickte. „Ja.“

Sie gingen hinunter und trafen Hermine, die sie am Fuße der Treppen erwartete.

„Es wird bestimmt nett, den Tag für uns zu haben“, meinte sie, als ob sie Harry überzeugen wollte, dass es richtig gewesen war, sich für den Ausflug zu entscheiden. „Ich habe gehört, dass fast alle Geschäfte wieder in Ordnung und geöffnet sind. Und Lupin hat mir gesagt, dass er und Tonks nachher vielleicht in den „Drei Besen“ sind. Wir könnten uns später dort mit ihnen treffen.“

„Klasse!“ Harrys Stimmung hob sich leicht als er Lupins und Tonks' Namen hörte „Lasst uns gehen.“

Auf dem Weg aus dem Gryffindor-Gemeinschaftsraum trafen die drei Dean, der etwas düsterer dreinblickte als gewöhnlich. Harry vermutete, dass das an Seamus' Abwesenheit lag. Schließlich waren die beiden gute Freunde gewesen und hatten einen großen Teil des vergangenen Jahres damit verbracht zu planen, was sie alles auf genau diesem Ausflug tun wollten.

Der Gang außerhalb des Gemeinschaftsraums war voller Schüler. Siebtklässler unterwegs nach Hogsmeade schnatterten lebhaft, während ihre jüngeren Kameraden gemütlich vorbei schlenderten und ihren freien Tag genossen. Auf ihrem Weg zur Eingangshalle trafen Harry, Ron, Hermine und Dean einige Ravenclaw-Siebtklässler.

Als Hermine und Terry Boot begannen, die richtige Methode, einen Alterungstrank zu brauen, zu diskutieren und Ron mit Dean ein Gespräch darüber anfing, wann wohl die Britische Quidditch Liga den Spielbetrieb wieder aufnehmen würde, richtete Harry seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Sie gingen nun den engen Flur auf dem dritten Stockwerk entlang, der die Treppen zum Gryffindor-Turm mit der Eingangshalle verband. Harry sah vor sich die Statue der einäugigen, buckligen Hexe und lächelte beinah liebevoll. Es war eine Weile her, seit er sie zum letzten Mal benutzt hatte...

Als er gerade wegblicken wollte, nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Er blickte noch einmal hin und blieb beinahe stehen. War es nur seine Einbildung gewesen oder hatte er gerade ein Büschel hellblonden Haares hinter der Statue verschwinden sehen?

Harrys Neugier war geweckt. Er blieb stehen und sagte zu Ron und Hermine: „Ich treffe euch beide nachher. Ich glaube, ich habe etwas im Schlafraum vergessen.“

„Okay“, antwortete Hermine. Sie lächelte ihn kurz an und kehrte zu ihrer Diskussion mit Terry zurück.

Harry wartete bis seine Freunde verschwunden waren. Dann wandte er sich zur Statue um. Aber bevor er sich ihr nähern konnte, trat Malfoy mit einem resignierten Seufzer hinter ihr hervor.

„Potter, du musst aufhören, mich zu verfolgen“, rief er aus und warf gereizt die Arme hoch. Er hielt seinen Zauberstab in der einen Hand und ein zusammengefaltetes Stück Pergament in der anderen.

Harrys Augenbrauen verschwanden in ehrlicher Überraschung fast in seinem Haaransatz. „Seltsam, dich ausgerechnet hier zu treffen, Malfoy“, stellte er fest.

„Ich bin vom Ausflug nach Hogsmeade ausgeschlossen.“

„Oh.“ Harry war sich nicht sicher, ob er schadenfroh grinsen oder Mitleid mit Malfoy haben sollte. „Hm... Aha.“

„Ja.“ Malfoy nahm die gekreuzten Arme auseinander und deutete mit dem Zauberstab in die Richtung, in die Harry unterwegs gewesen war. „Du kannst jetzt gehen.“

Harry ignorierte Malfoy. Er runzelte die Stirn und fragte misstrauisch: „Was hat dein Ausschluss vom Hogsmeade-Ausflug mit dieser Statue zu tun?“

Nun war es an Malfoy, die Augenbrauen hochzuziehen. „Wenn du das nicht ohnehin schon weißt, ist es ziemlich zwecklos, es dir zu erklären.“

Die Erkenntnis kam plötzlich und Harry entschlüpfte ein leises „oh“. Er fühlte sich ziemlich dumm, weil er nicht gleich darauf gekommen war. „Du versuchst herauszufinden, wie man den Geheimgang zum „Honigtopf“ öffnet, stimmt's?“

„Also führt er zum „Honigtopf“?“ Malfoy blickte nachdenklich. „Um so besser.“

„Tja, du wirst es nicht alleine herausfinden“, sagte Harry freundlich und wandte sich zum Gehen. Seltsamerweise war er kein bisschen neugierig, wie Malfoy an die Information über den Geheimgang gekommen war. „Aber ich wünsche dir viel Spaß beim Rätseln.“

„Hey, Potter, warte.“

Trotz der Stimme in seinem Kopf, die ihn drängte weiterzugehen, drehte Harry sich um. „Ja?“

Über Malfoys Gesicht lag ein gepeinigter Ausdruck. Er sah aus, als hätte er eine größere Menge Skele-Gro geschluckt. „Du kennst das Passwort, nicht wahr?“, fragte er ärgerlich.

„Ja.“ Harry neigte leicht den Kopf und seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. „Aber meine Hilfe wird dich etwas kosten.“

„Wieso das plötzlich? Vor ein paar Tagen warst du noch ganz wild darauf, mir zu helfen!“

„Ja, damit, die Punkte auf deiner Liste zu erledigen, nicht dir zu helfen, dich aus der Schule zu schleichen“, stellte Harry fest. Sein Grinsen wurde breiter. Die Sache machte ihm Spaß. „Also, wie willst du es haben? Du weißt, was ich von dir möchte.“

„Ich weigere mich, nett zu einem Wiesel zu sein“, schnappte Malfoy. Aber hinter seinem zornigen Blick war ein Schimmer Unsicherheit zu sehen.

Harry wusste, dass Malfoy ernsthaft begann, über sein Angebot nachzudenken. Beiläufig zuckte er die Schultern und sagte: „Ok. Bis später dann, Malfoy.“

Er war kaum zwei Schritte gegangen, als ihn Malfoy wieder zurück hielt.

„Und der Weg führt wirklich zum „Honigtopf?“

Triumphierend wandte sich Harry um und nickte. „Und du schwörst, dass du Ron nicht mehr verspottest?“

Malfoy blickte finster. Einen Moment lang sah er aus wie ein trotziges Kleinkind, dem man verboten hatte, an die Keksdose zu gehen. Dann murmelte er: „Ja.“

„Und du entschuldigst dich für alles, was du getan hast?“ fügte Harry schnell noch hinzu.

„Das war nicht Teil der Abmachung, Potter.“

„Entweder du akzeptierst oder ich helfe dir nicht.“

„Na gut.“

„Ehrlich?“

„Nein.“

Harry seufzte. „Malfoy...“

„Ja, schon gut, ich meine es ehrlich! Jetzt gib mir endlich das dumme Passwort, du Blödmann!“

Harry wusste, dass Malfoy log – seit wann entschuldigten sich Slytherins für irgendetwas? - aber er ging trotzdem hinüber zur einäugigen Hexe. Er hatte völlig vergessen, dass Ron und Hermine draußen auf ihn warteten. Die Gelegenheit, Malfoy zu ärgern, war einfach zu gut, um sie zu verpassen.

„Rück zur Seite“, befahl er und schubste Malfoy beiseite als er hinter die Statue trat. Es war eng und Malfoy wurde mal eben an die Steinwand gedrückt als Harry seinen Zauberstab herauszog, um den Durchgang zu öffnen.

„Wenn du gelogen hast, bringe ich dich um“, drohte Malfoy, während er versuchte, Harrys Ellbogen aus seinem Gesicht zu halten.

„Wenn man bedenkt, dass Avada Kedavra nicht länger Bestandteil der Zaubersprüche ist, die du benutzen kannst, könnte das etwas schwierig werden“, parierte Harry und machte absichtlich einen Schritt nach hinten, so dass sich Malfoys Bewegungsraum noch weiter verkleinerte. Dann erinnerte er sich an etwas anderes und runzelte die Stirn. „Wird dein Zauberstab nicht überwacht?“

Bevor er antwortete, legte Malfoy zwei Handflächen mitten auf Harrys Rücken und schob ihn von sich weg. „Ja“, antwortete er schlecht gelaunt. „Aber mit diesem speziellen Hindernis bin ich schon fertig geworden.“

„Oh?“

„Ich habe McGonagalls Zauber umgangen.“

Harry spöttelte: „Keiner deiner albernen Sprüche kann ihrer Magie etwas anhaben, Malfoy.“

„Warum machst du dir nicht Gedanken darum, diese Statue noch vor Weihnachten zu öffnen und überlässt es mir, wie ich mein Kommen und Gehen verberge, Potter? Und so sehr ich es liebe, an die Wand gequetscht zu sein, Atmen ist auch was Schönes...“

Harry sah ein, dass Malfoy Recht hatte und der beengte Raum zum Streiten nicht wirklich geeignet war. Also biss er die Zähne zusammen, tippte die Statue an und sagte:“Dissendium!“

Der Buckel der Hexe glitt zur Seite und ließ eine Öffnung sehen, die gerade groß genug für eine Person war. Harry legte seine Hände zu beiden Seiten der Öffnung, stieß sich geschickt ab und ließ sich in den Tunnel fallen. Er landete recht plötzlich auf feuchter Erde. Er zuckte zusammen und stand vorsichtig auf.

„Du kannst jetzt runterkommen“, rief er hoch zu Malfoy. Seine Stimme hallte unheimlich auf dem Weg durch den Tunnel.

Malfoy landete mit einem leisen Bums, nachdem er den Durchgang hinab gerutscht und geschickt auf seinen Füßen gelandet war. Er strich den Schmutz von seinen Ärmeln und blickte sich um.

„Du liebe Güte, das ist ja abscheulich hier unten.“ Ein helles Aufleuchten blendete Harry kurz als Malfoy wortlos seinen Zauberstab entzündete. „Andererseits, was kann man schon von einem Durchgang erwarten, den du normalerweise benutzt...“

Harry beschloss, nicht auf Malfoys sarkastische Bemerkung zu antworten. Stattdessen umfasste er mit seinem Blick Malfoys ungewöhnlich unordentliche Erscheinung mit ziemlicher Befriedigung und sagte kalt: „Sei das nächste Mal ein bisschen umsichtiger.“

„Ich?“ In dem Licht, das von Malfoys Zauberstab ausstrahlte, konnte Harry erkennen, dass er gekränkt und beleidigt dreinblickte. „Ich war derjenige, dessen persönliche Grenzen in jeder Hinsicht verletzt wurden und du sagst mir ich sei nicht umsichtig genug gewesen?“

„Du bist nie umsichtig genug“, schnappte Harry. „Und ich meinte damit, dass es ziemlich daneben ist, sich über ein bisschen Unbequemlichkeit zu beschweren, wenn ich derjenige bin, der seine Zeit damit verschwendet, dir zu helfen, nach Hogsmeade zu kommen.“

„Wie auch immer“, murmelte Malfoy. „Wenn ich einen dauernden Schaden davon habe, derart gegen die Wand geknallt zu werden, werde ich dich anzeigen.“

„Ich zittere vor Angst“, antwortete Harry sarkastisch. „Aber aus irgendeinem Grund denke ich, dass es nicht übermäßig gut für dich laufen wird, gegen mich vor Gericht zu gehen.“

Malfoy runzelte die Stirn. „Können wir jetzt los?“

„Eigentlich gibt es da kein 'wir'. Ich wollte dich allein in den Tunnel hinunter schicken.“

Malfoys Augen weiteten sich erschrocken. „Was? Du kannst mich hier unten nicht allein lassen, Potter!“

Harry hob eine Augenbraue und fragte kühl: „Angst, Malfoy?“

„Kein bisschen“, schnappte Malfoy, aber die Röte, die seine bleichen Wangen überzog, sagte etwas anderes. Trotzdem straffte er seine Schultern und sagte in gleichmäßigem Ton: „Gut. Bleib weg. Ist mir ohnehin lieber.“

„Genau deshalb wollte ich dich allein gehen lassen“, antwortete Harry und verdrehte die Augen. Als Malfoy keine Anstalten machte, etwas zu sagen oder zu tun, fügte er spitz hinzu: „Fühl dich frei, irgendwann in diesem oder im nächsten Jahr loszugehen.“

Er blickte hinterher, bis der auf und ab hüpfende Lichtschimmer von Malfoys Zauberstab in den pechschwarzen Tiefen des Tunnels verschwunden war, dann zündete er seinen eigenen Zauberstab an und ging hinter dem anderen Jungen her. Er konnte nicht zulassen, dass Malfoy sich hier unten verirrte und verhungerte. Schließlich wollte Harry dabei sein und zusehen, wenn Malfoy starb.

---

Draco war nicht dumm. Als er zum soundsovielten Mal um eine Ecke nach Merlin-weiß-wohin bog, wusste er, dass Potter ihm die vergangenen zwanzig Minuten gefolgt war.

Zuerst war er versucht zu zeigen, dass er sehr wohl von Potters hartnäckiger Anwesenheit wusste. Aber als die ungewohnte Dunkelheit um ihn herum immer drückender wurde, wurde ihm klar, dass er Potter nötiger hatte, als Potter es nötig hatte, hier unten zu sein, denn er hatte absolut keine Ahnung, wie er sein Ziel erreichen sollte. In anderen Worten, so sehr er hasste, es zugeben zu müssen, Draco war so gut wie tot, wenn Potter beschließen sollte, ihn hier unten allein zu lassen.

Während Draco mit dem Gewicht dieser Gedanken auf seinen Schultern blind umher wanderte, begann er die Ereignisse der vergangenen halben Stunde im Geiste noch einmal durchzuspielen, angefangen mit Potters Entdeckung von Dracos Versuch, den Geheimgang nach Hogsmeade zu finden. Draco hatte gewusst, dass er da war, weil Snape ihm den Ort verraten hatte, nachdem er Potter in Dracos drittem Jahr aus dem Buckel der Hexe hatte klettern sehen. Aber er hatte Draco nicht verraten, wie der Geheimgang funktionierte und so war Draco kurz davor gewesen die Hoffnung aufzugeben, dass er je nach Hogsmeade kommen würde, um die Zaubertrankzutaten zu kaufen, die er benötigte, als Potter auftauchte und ihm seine Hilfe anbot.

Aber warum? Warum half Potter ihm, sich aus der Schule zu schleichen, wenn er mehr als jeder andere darauf aus war, Draco am Entwischen aus dem Schloss zu hindern?

Draco war sicher, dass Potter etwas in der Hinterhand hatte, aber er brütete nicht darüber nach. Aber einer Sache war er sich absolut sicher: Er hatte keinerlei Absicht, sein Versprechen zu halten und Weasley nicht mehr zu beleidigen. Ein Malfoy war an sein Wort gebunden – nur nicht, wenn es um Harry Potter ging. Malfoys trafen nie Vereinbarungen mit Gryffindors und wenn sie es doch taten, dann hielten sie sich ziemlich sicher nicht daran.

Draco seufzte unhörbar, als er darüber nachdachte, wie sehr diese Worte seinem Vater gefallen würden, wenn er lebendig wäre und sie hören könnte. „Sehr gut, Draco“, würde er mit einem zustimmenden Nicken sagen und Draco würde vor Stolz leuchten, denn alles, was er je gewollt hatte, war, die hohen Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Unglücklicherweise hatte er nie die Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen, aufgrund Lucius' plötzlichem Tod und dem ebenso plötzlichen Ausbruch des Zweiten Kriegs.

Eine ganze Weile lang waren die einzigen Geräusche, die Draco hörte, das leise Tappen seiner Turnschuhe auf dem feuchten Boden und das unheimliche Tropfen von Wasser, das von weiter vorne aus dem Geheimgang kam. Er begann sich zu fragen, wie viel Zeit vergangen war, seit er sich auf den Weg in den Tunnel gemacht hatte und wieso Potter nichts sagte. Interessierte es ihn so wenig zu Granger und Weasley zurückzukommen, bevor sie misstrauisch wurden, wo er wohl stecken mochte?

Draco runzelte die Stirn. Bis zu diesem Moment hatte er kaum einen Gedanken daran verschwendet, wie seltsam Potters plötzliche Entfremdung von seinen Freunden war. Er hatte gesehen, wie sich Granger und Weasley wie überbeschützende Eltern besorgt um ihn herum drückten, die es nicht ertragen konnten, von ihrem heranwachsenden Sohn beiseite geschoben zu werden, aber er hatte sich nicht die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, wie merkwürdig es war, dass Potter selbst versuchte, sich zu distanzieren. Draco hätte gedacht, dass Potter nach dem Ende des Kriegs kaum eine Millisekunde warten würde, bis er sich in die Arme seiner Lieben warf, wie der abstoßend abhängige Narr, der er war.

In Dracos Erinnerung blitzte die Bahnfahrt nach Hogwarts auf und das unerwartete, nächtliche Treffen in der Bibliothek. Die irritierende Leere in Potters Augen... und sein plötzlicher emotionaler Zusammenbruch, als Draco ihm vorgehalten hatte, dass er seinem Titel keine Ehre machte... Was genau war mit Potter passiert? Er war durcheinander, kein Zweifel. Es war, als wüsste er nichts mit sich anzufangen und müsste sich deshalb benehmen wie ein todunglücklicher Mann, dessen Welt vernichtet war, wenn es in Wirklichkeit überhaupt nicht so war.

Aber das kaufte ihm Draco absolut nicht ab. Außer den paar wenigen Anzeichen echter Verzweiflung hatte er keinen eindeutigen Beweis wahren Schmerzes in Potters Benehmen erkennen können. Tatsächlich war Potter der Gleiche, der er immer gewesen war – abgesehen von dem Teil, wo er überzeugt schien, dass er ein lebenslanges Trauma davongetragen hatte.

Es ärgerte Draco wirklich, dass Potter egoistisch genug war sich für so gequält zu halten, dass er das Recht hatte, sich zu benehmen wie ein trotziger Vierjähriger. Als ihm klar wurde, dass der einzige Weg, den Grund für Potters emotionale Verwirrung zu finden, darin lag, herauszufinden, was in der Nacht geschehen war, als Voldemort besiegt worden war (das einzige Detail des Kriegs, das immer noch undurchschaubar war), machte er sich eine geistige Notiz, Potter eines Tages die ganze Story aus der Nase zu ziehen.

Aber für den Augenblick musste er sich darauf konzentrieren, an diese Zutaten heranzukommen. Und um das zu schaffen, brauchte er Potters Hilfe.

Er blieb stehen, drehte sich um und sagte plötzlich scharf: „Potter!“ Seine Stimme hallte unheimlich von den Wänden des Tunnels wider. „Ich weiß, dass du da bist, du kannst also aufhören, im Schatten herumzuschleichen.“

Es gab eine lange Pause, dann antwortete Potter, nicht im Geringsten hilfsbereit: „Du bist auf dem falschen Weg.“

„Das hättest du mir schon vor einer Viertelstunde sagen können!“

„Aber das hätte mir den ganzen Spaß daran verdorben, dir zuzuschauen, wie du ohne die leiseste Ahnung herumwanderst.“ Potters Stimme kam näher. „Außerdem, wer sagt, dass ich dich zum „Honigtopf“ führen will?“

„Potter, wir haben eine Vereinbarung getroffen und du hast gesagt - “

„Dass ich dir das Passwort geben würde, nicht dass ich dich hinbringe, wo immer du willst.“ Potter trat in das Licht von Dracos Zauberstab. Sein eigener Zauberstab war angezündet, zeigte aber zu Boden. Sein Blick schoss von Dracos empörtem Ausdruck zu seiner schmutzigen Robe, kommentierte aber keins von beiden.

Draco schüttelte langsam den Kopf. Er hätte es wissen müssen. Es sah Potter ähnlich, sowas abzuziehen.

„Gut“, sagte Draco mit harter Stimme und wandte sich ab.

Es gab wieder eine Pause und für einen langen, entsetzlichen Moment dachte Draco schon, dass es Potter ernst damit war, ihn den Weg zum „Honigtopf“ allein finden zu lassen. Dann fragte Potter leise: „Wie fühlt es sich an?“

„Wie fühlt sich was an?“ schnappte Draco. „Wie es sich anfühlt, wenn man am liebsten jeden Knochen in deinem Körper verfluchen und dich vor Schmerz krümmend liegen zu lassen, aber es nicht tun zu können, weil ich dann ganz allein in einem dunklen, unterirdischen Tunnel wäre ohne die leiseste Ahnung, wo genau ich bin? Oh, das fühlt sich absolut verdammt fantastisch an, Potter!“

„Nein, Malfoy.“ Potter kam näher und hielt den Blick auf Dracos Gesicht gerichtet. „Wie fühlt es sich an, hilflos zu sein?“

Draco taumelte rückwärts angesichts der Gewalt, die in Potters Frage steckte. Hilflos. Das Wort hallte in seinem Kopf wider und hinterließ einen Abdruck seiner selbst in jedem Winkel seines Verstands. Draco atmete scharf ein und kämpfte gegen die in seiner Brust aufsteigende Panik. Hilflos. Aber er war nicht... er konnte nicht...

Ein übertriebenes Lächeln verzog Potters Mundwinkel. „So in etwa müssen sich die Weasleys gefühlt haben kurz bevor sie starben, hm? Das Entsetzen in ihren Gesichtern gerade bevor Bellatrix sie umbrachte, muss in etwa ausgesehen haben wie das Entsetzen auf deinem eigenen Gesicht gerade jetzt, denkst du nicht?“

„Irgendetwas ist nicht in Ordnung mit dir, Potter. Ich schwöre, du bist - “

„Ich bin was, Malfoy?“

„Du bist verrückt.“

Potters Augen verengten sich. „Nein, bin ich nicht. Ich versuche nur, dich dazu zu bringen, dass du verstehst. Du hast vielleicht keinen direkten Anteil an dem Mord, aber es quält mich jeden Tag, dass Rons Mum und Dad tot sind. Jeden Tag, hörst du? Sie waren die einzigen, die entfernt so etwas wie Eltern für mich waren und wegen deinen Leuten wurden sie mir genommen. Mir und Ron und Ginny. Was glaubst du, wie sich das verdammt nochmal anfühlt?“

Von Potters Zorn angespornt machte Draco einen Schritt nach vorn. Sein eigener rasender Ärger ließ sein Gesichtsfeld schrumpfen, bis er nur noch diese verhassten grünen Augen sah. „Falls du es nicht bemerkt haben solltest: Mein Vater ist tot und meine Mutter ist in Askaban! Der Rest der Slytherins geht durch die Hölle und – Überraschung! - die Hälfte der Schüler an dieser Schule hat auch keine Familie mehr! Siehst du irgendeinen davon herumjammern und anderen die Schuld an der Scheiße geben, die sie durchmachen? Nein, siehst du nicht! Also sag mir, Potter, wieso in Merlins Namen bist du der einzige, der leiden darf?“

---

Als Malfoy seine Tirade beendet hatte, keuchte er und seine Fäuste waren so fest zusammen gepresst, dass die Knöchel beinahe durchsichtig wirkten. Harry andererseits war so überrascht, dass sein Ärger abebbte. Er öffnete den Mund, um Malfoy zu sagen er könne sich wieder beruhigen, aber der schien noch nicht fertig zu sein, denn er sprach weiter bevor Harry einen Ton hervorbrachte.

„Du willst wirklich glauben, du bist unglücklich, stimmt's?“ knurrte Malfoy. Tief in seiner Kehle machte er ein angewidertes Geräusch. „Du schmollst und schubst jeden weg, weil dir ja angeblich sowieso keiner helfen kann und der ganze Mist, aber am Ende bist du doch der, der ohne die Aufmerksamkeit nicht auskommen kann, ganz, wie es das Ministerium vor dem Krieg schon festgestellt hatte. Du bist nämlich nicht unglücklich. Du bist nicht deprimiert! Du belügst dich verdammt nochmal selbst!“

„Malfoy - “

„ICH BIN NOCH NICHT FERTIG, POTTER!“

„ABER ICH!“

Die darauf folgende Stille rang lauter in Harrys Ohren als das vorhergehende Geschrei, das gerade durch den Tunnel gehallt war. Harry presste einen Handballen gegen seine Stirn und versuchte, die Kopfschmerzen fortzuzwingen. Er hatte nicht erwartet, dass Malfoy so heftig zurückschlagen würde. Aber er war nicht verärgert. Malfoys Worte hatten ihn weder beleidigt noch wütend gemacht. Er fühlte im Gegenteil eine Art grimmige Bestätigung, als ob er aus Malfoys Mund hätte hören müssen, was Ginny, Ron und Hermine ihm schon die ganze Zeit gesagt hatten, um es als Wahrheit akzeptieren zu können.

Vielleicht hatte ich das Bedürfnis mehr aus dem Krieg zu machen, stellte Harry plötzlich fest. All dies... vielleicht ist das nur, weil ich nicht akzeptieren kann, dass alles vorüber ist und alle glücklich sind... Vielleicht versuche ich wirklich mit aller Gewalt unglücklich zu sein, so dass niemand vergessen kann, was geschehen ist.

Er atmete bebend ein und wurde von einer Welle heißer Scham überflutet. Instinktiv wandte er sich tief beschämt von Malfoy ab.

Er war ein Idiot. Einer der schlimmsten. Er hatte Ron, Hermine und Ginny dazu gebracht, sich jede Sekunde der vergangenen Wochen um ihn zu sorgen – und alles, was er selbst getan hatte, war dem Rest der Welt die Schuld an seiner Unzufriedenheit zu geben. Dann lauerten eben die Schatten von Todessern und die Dunkelheit am Rand seiner Träume und er fühlte sich beim Aufwachen als hätte er den Kuss der Dementoren empfangen. Dann schaffte er es eben nicht, die Agonie zu vergessen, die seine Seele in eine Million Scherben zerschmettert hatte in der Nacht, als er Voldemort besiegt hatte und dann hatte er eben jedes Mal Mr und Mrs Weasleys blutbefleckte , leblose Körper vor Augen, sobald ihr Name aufkam. Na und? Malfoy hatte Recht: Harry war nicht der einzige, der von solchen Erinnerungen gequält wurde, aber er war der einzige, der sich von ihnen abhalten ließ, sein Leben weiter zu leben. Vielleicht war er doch schwach.

Es ist Malfoys Lieblingssport, die Schwachpunkte anderer Menschen zu finden. Er weiß genau, was er sagen muss, um dich zu verletzen, Harry.

Hermines Worte stiegen in seinem Bewusstsein auf, klar und logisch wie immer. Natürlich hatte sie Recht. Sie hatte immer Recht. Harry war sich völlig bewusst, dass Malfoy versuchte, ihn zu provozieren. Aber gleichzeitig wusste er, dass in Malfoys Anschuldigungen ein Körnchen – nein, eher ein Felsbrocken – Wahrheit steckte. Wie konnte es sein, dass er das nicht früher bemerkt hatte? Er wollte, dass der Krieg eine Bedeutung hatte, aber er war ein Heuchler, er hatte versucht zu sein, was er eigentlich am meisten hasste: Im Zentrum der Aufmerksamkeit. Und nun, da Malfoy das alles mit seiner offenen Bitterkeit so unwiderlegbar klar gemacht hatte, war Harry unglaublicherweise fast schwindlig vor Erleichterung.

„Hast du es endlich kapiert, Potter?“

Harry sagte nichts. Aber er bemerkte, dass ausnahmsweise kein Hohn, kein bisschen Selbstgefälligkeit in Malfoys Stimme war. Er klang ernsthaft, als wolle er tatsächlich Harry helfen zu verstehen. Verblüfft speicherte Harry dieses kleine Detail in seinem Gedächtnis zur weiteren Betrachtung bevor er tief einatmete und sich zu Malfoy umwandte.

Verlier jetzt nicht die Ruhe, Harry. Lass ihn nicht denken, er hätte gewonnen, drängte er sich selbst als er die Augen hob und Malfoy anblickte. Die Worte, die Snape ihm während der entsetzlichen Occlumentik-Stunden in der fünften Klasse entgegen geschleudert hatte, kamen auf einen Schlag zu ihm zurück. Machen Sie Ihren Kopf frei, Potter... Verschließen Sie alle Emotionen...

„Warum verteidigst du eigentlich die anderen Slytherins, wenn die gar nichts mit dir zu tun haben wollen?“

Malfoy blinzelte. Instinktiv hob er die Hand, um nach seinem linken Unterarm zu greifen. Er öffnete den Mund, schloss ihn aber gleich wieder und schien eine Weile nachzudenken bevor er schließlich antwortete: „Sie sind meine Hausgenossen. Ich habe Loyalität geschworen, sobald ich mich das erste Mal zu ihnen an den Tisch gesetzt habe.“

Sofort antwortete Harry: „Das glaube ich nicht.“ Er fläzte sich gegen die schmutzige Wand des Tunnels, ohne Rücksicht auf seine Robe, die in einem Zustand war, der Tante Petunia zum Selbstmord hätte bewegen können. „Ich glaube nicht, dass du so etwas tun würdest. Wärst du ein echter Slytherin, würdest du deine eigenen Bedürfnisse vor die der anderen stellen.“

„Bilde dir nicht eine Sekunde lang ein zu wissen, wie es ist, ein Slytherin zu sein!“

„Ich weiß wesentlich mehr als du denkst“, schnappte Harry. Er schloss kurz die Augen und erinnerte sich an die Worte, die ihm der Sprechende Hut während der Hauswahlzeremonie vor so vielen Jahren ins Ohr geflüstert hatte und schüttelte dann den Kopf. Das konnte er Malfoy nicht erzählen. Noch nicht einmal Ron und Hermine wussten davon. „Es ist nur... ach, nichts. Lass uns gehen. Ich bring dich nach Hogsmeade.“

Aber Malfoy rührte sich nicht. „Sag mir einen Grund, warum ich dir trauen sollte.“

Harry hätte sich vor ungläubigem Staunen fast verschluckt. Wie konnte eine einzelne Person derart widerborstig sein? „Hast du irgendeine Alternative?“

Malfoy starrte trotzig zurück. „Lieber sterbe ich hier unten als mich noch einmal von dir hereinegen zu lassen, Potter.“

Da war sie wieder – die Angst, die Harry aus der Fassung brachte. Sie war jetzt sogar offensichtlicher in Malfoys grauen Augen als sie es in der Winkelgasse gewesen war. Harry dachte, dass es vielleicht daran lag, dass jeder Tag, der verging, Malfoy dem Tag seines Todes näher brachte. In dem Moment, als dieser Gedanke auftauchte, flackerte ein ganz leichtes Schuldgefühl in ihm auf. Er unterdrückte es schnell wieder.

„Du bist ein Idiot, wenn du dir einbildest, du würdest allein nach Hogsmeade finden.“

Malfoy stemmte die Hacken in die feuchte Erde wie ein störrischer junger Hund. „Geh zurück zu deinen Freunden. Ich brauch dich nicht. Ich brauche niemanden.“

„Nein“, sagte Harry. „Ich lasse dich nicht hier unten bleiben. Du könntest sterben oder schlimmer noch, einen Weg nach draußen finden und entwischen.“

„Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe?“

„Ich habe es gehört, laut und deutlich. Aber ich wäre ein noch größerer Idiot als du, wenn ich auf jemanden hören würde, der glaubt, ich schulde ihm etwas dafür, dass ich ihm das Leben gerettet habe.“

Malfoy starrte Harry einen langen Moment an. Dann sagte er mit uncharakteristisch dünner Stimme: „Du hast ernsthaft vor, mich hinzubringen?“

Harry runzelte die Stirn. „Naja... Ja. Ich habe dich hier herunter gebracht, wieso sollte ich dich nicht wieder hochbringen?“

„Ich hab dich gerade ziemlich heruntergeputzt.“

„Naja, du hast nur - “ Harry brach ab. Beinahe wäre ihm herausgerutscht „die Wahrheit gesagt“. Zum Glück hatte er sich gerade rechtzeitig gefangen. „Deine Beleidigungen tun mir nichts.“

Malfoy warf ihm einen „mach dir nichts vor, Potter“-Blick zu. „Aber du kannst mich immer noch wegen Verlassen des Geländes an McGonagall verpfeifen.“

„Und mir selbst eine Strafarbeit dafür einhandeln, dass ich es dir ermöglicht habe? 'Tschuldigung, aber ich bevorzuge die Variante, dich nach Hogsmeade hinein und wieder zum Schloss zurückzubringen, bevor McGonagall herausfindet, dass du verschwunden bist.“

„Du könntest einfach sagen, du hättest mich bei einem Fluchtversuch erwischt. Wahrscheinlich würden sie dir noch eine alberne Auszeichnung für besondere Verdienste um die Schule verpassen oder so...“

„Malfoy, im Gegensatz zu dir lüge ich nicht einfach nur mit der Absicht, mir einen Vorteil zu verschaffen“, sagte Harry ungeduldig. Malfoys Sturheit begann ihn zu ärgern. War es ihm egal, dass Harry alles andere an die Seite gestellt hatte, um ihm zu helfen?

Malfoy ließ seine Mundwinkel verwirrt nach unten sinken. „Dann hattest du überhaupt keinen Grund, mir zu helfen.“

„Doch, hatte ich. Ich habe bekommen, was ich wollte, oder? Du wirst dich bei Ron entschuldigen.“

Malfoy schien zwischen Gelächter und Unglauben zerrissen. „Du bist ein Idiot, Potter.“

Harry griff die unausgesprochene Bedeutung der Feststellung auf und sagte sanft: „Wahrscheinlich.“ Er war immer noch so beschämt über die Erkenntnis, die ihm durch Malfoys Tirade gekommen war, dass er nicht die Energie zum Streiten aufbrachte. „Aber ich lass dich selbst entscheiden, was du tun möchtest. Ich möchte jedenfalls erst einmal raus hier.“

Malfoy senkte den Kopf und für einen Sekundenbruchteil erschienen seine Züge in den Schatten, die das vereinte Licht der beiden Zauberstäbe warf, weicher und er wirkte beinah verwundbar. Dann blickte er wieder auf und der seltsame Lichteffekt war verschwunden. Und auch der Zorn, der seinen grauen Augen Leben verliehen hatte, während er lautstark auf Harry schimpfte, war verschwunden. Es war, als hätte er die Hoffnung aufgegeben und sich damit abgefunden, dass er keine andere Wahl hatte als von Harry gerettet zu werden.

„Geh voran“, sagte er ausdruckslos.

---

Harry und Malfoy schafften es sicher zum „Honigtopf“, obgleich sich Harry nur lückenhaft an das Labyrinth unterirdischer Geheimgänge erinnerte. Und obwohl Harry nicht seinen Tarnumhang mitgenommen hatte, brachte er es fertig, Malfoy durch den Keller in den Süßigkeitenladen und von dort in die belebten Straßen zu schleusen.

„Merlin, ich möchte wirklich nicht wissen, wie dreckig ich jetzt bin“, murmelte Malfoy nachdem er im hellen Tageslicht einen Blick auf Harrys schmutzbedeckte Robe geworfen und prompt angewidert weggesehen hatte.

Harry zog die Augenbrauen hoch und starrte auf Malfoys ebenso schmutzige und zerknitterte Erscheinung. „Naja, nicht schlimmer als du während der Verhandlung ausgesehen hast, falls dich das tröstet.“

„Nein, tut es nicht, Potter“, schnappte Malfoy. Dann blickte er umher wie ein Kind, das zum ersten Mal einen Vergnügungspark besucht und ein schwaches, kaum wahrnehmbares Lächeln geisterte über um seine Lippen. „Dieser Ort hat sich kein bisschen verändert.“

„Ja“, sagte Harry, leicht aus der Fassung gebracht durch das Beinahe-Lächeln. Er hätte etwas darüber gesagt, aber in diesem Moment fiel ihm ein, dass Ron und Hermine immer noch nicht wussten, wo er steckte.

Er strich durch sein mit Schlamm verschmiertes Haar und focht einen stillen Kampf mit sich selbst, ob er Malfoy folgen sollte, um sicher zu gehen, dass er nichts Gefährliches tat oder ob er ihn allein lassen sollte, um Ron und Hermine zu finden und sich zu entschuldigen. Gerade als er es zu bedauern begann, dass er Malfoy nach Hogsmeade geschmuggelt hatte, kam ihm eine so offensichtliche Idee, dass er beinah laut aufgelacht hätte.

Harry zog seinen Zauberstab heraus, deutete auf die Erde und sandte einen Nachrichtenpatronus zu Ron und Hermine. Sag ihnen mir geht es gut und sie sollen ohne mich gehen... Mir ist etwas dazwischen gekommen, das ich erledigen musste, aber ich werde sie nach dem Ausflug im Schloss wieder treffen, teilte er ihm lautlos mit als der Patronus die Straße entlang streifte, ein silberner Blitz im hellen Tageslicht.

„Was war das?“

Malfoys Stimme ließ Harry zusammenzucken. „Was?“

„Verkauf mich nicht für dumm, Potter.“ Malfoy sah genervt aus. „War das ein Patronus?“

„Ähm...“ Harry zerbrach sich verzweifelt den Kopf, um eine glaubhafte Lüge zu finden. Durfte er erklären, was es war? Der Krieg war vorüber und somit auch die Notwendigkeit zur Heimlichtuerei. Aber es fühlte sich einfach nicht richtig an, Malfoy über den Sinn und Zweck eines Nachrichtenpatronus aufzuklären. „Es ist...“

„Du brauchst dich nicht aufzuregen“, spöttelte Malfoy. „Ich bin nicht blöd. Wir haben sie auch benutzt.“

„Tatsächlich?“ Harry war leicht überrascht, dass es etwas gab, was beide Seiten gemeinsam hatten.

Malfoy antwortete nicht. Er hatte sich schon auf den Weg gemacht.

Harry rannte, um Malfoy einzuholen und wollte wissen: „Was glaubst du eigentlich, wo du hingehst?“ Er rempelte versehentlich eine junge Hexe an, deren Augen sofort hoch zu seiner Narbe wanderten als sie erkannte, wer er war.

„Zu Dagworth“, antwortete Malfoy, nachdem Harry die junge Hexe vielmals um Entschuldigung gebeten und ihn wieder eingeholt hatte. Es war der einzige Zaubertrank-Laden in Hogsmeade.

„Warum?“

„Bist du blöd, Potter? Was denkst du?“

„Ich meine, warum musst du unbedingt in dieses Geschäft? Wieso nicht die Apotheke in der Winkelgasse?“

Malfoy verdrehte die Augen. „Es ist wirklich gut, dass du letztes Jahr Snapes Buch hattest. Ohne es hättest du nicht einmal den ersten Tag in Zaubertränke überstanden. Jeder auch nur halbwegs intelligente Zauberer weiß, dass die Apotheke in der Winkelgasse auf von Kreaturen stammenden Zutaten spezialisiert ist während diese hier nur pflanzliche Zutaten verkauft.“

„Oh, Entschuldigung, dass ich keine Zaubertrank-Enzyklopädie in meinem Kopf verstaut habe“, antwortete Harry mürrisch. „Und ich würde es wirklich schätzen, wenn du ein bisschen höflicher sein könntest, Malfoy, besonders wenn ich bedenke, dass ich Ron und Hermine versetzt habe, um - “

„Das war deine eigene Wahl. Weder habe ich dich darum gebeten, noch will ich, dass du mich den ganzen Tag verfolgst.“

„Tja, ich kann dich hier nicht allein lassen. Du wärst ganz schön in Erklärungsnot, wenn du aufgegriffen würdest.“

Malfoy blieb schließlich stehen. „Du bist schon eine Nummer, Potter. Du überzeugst das Zaubergamot, mich frei zu lassen und dann machst du das selbst wieder zunichte, indem du dich weigerst, mich aus den Augen zu lassen und dich in meine Angelegenheiten einmischst. Und zu allem Überfluss schmuggelst du mich vorsätzlich nach Hogsmeade, aber kaum sind wir hier, beschwerst du dich darüber, dass du mit mir kostbare Zeit verschwendest, die du mit deinen Freunden verbringen könntest – obwohl du derjenige warst, der sich dafür entschieden hat.“

Harry errötete, als er ein zweites Mal die Wahrheit in Malfoys Worten einsah.. „Na, da bin ich aber nicht der einzige“, schoss er zurück. „Du behauptest mich zu hassen, aber du hast mich in jener Nacht auf der Lichtung nicht verraten. Übrigens hast du mir immer noch nicht gesagt wieso nicht.“

Malfoy warf ihm einen seltsamen Blick zu. „Du hast nie gefragt.“

Harry blinzelte als ihm klar wurde, dass Malfoy Recht hatte – schon wieder. Er war so mit dem Fakt beschäftigt gewesen, dass Malfoy es nicht getan hatte, dass er sich nicht um das „warum“ geschert hatte. „Ähm,... dann, warum - “

Er unterbrach sich mitten im Satz als Malfoy einfach verschwand. Er wollte gerade in Panik verfallen, als er sah, wie die Tür, die er gerade passiert hatte, zufiel. An ihr hing ein zerkratztes Schild, auf dem stand „Dagworths Apotheke“.

„Natürlich“, murmelte er zu sich selbst und schlüpfte durch die Tür, bevor sie sich schloss.

Harry war niemals in diesem speziellen Geschäft gewesen (es lag am anderen Ende von Hogsmeade, wo er nur selten hinkam) und so war er überrascht zu sehen, dass es kein bisschen wie die muffige, vollgestopfte Apotheke in der Winkelgasse aussah. Tatsächlich sah es nicht viel anders aus als in den Gewächshäusern von Hogwarts.

Fasziniert wanderte Harry durch das Geschäft und betrachtete die magischen und nichtmagischen Pflanzen, die scheinbar überall wuchsen. Er sah etwas das wie ein pinkfarbener, mit Flaum bedeckter Ballon aussah und streckte die Hand aus, um ihn zu berühren. Aber bevor seine Finger ihn erreichen konnten, packte jemand sein Handgelenk und zog es weg.

Es war Malfoy. „Fass das nicht an!“ sagte er wütend und ließ Harrys Handgelenk los als dieser ihn überrascht anblickte.

„Was ist es?“

„Ein Fallopod. Dieser Flaum, der es bedeckt – er sieht weich aus, aber wenn du ihn berührst, gräbt er sich in deine Haut und vergiftet dich.“

„Oh“, sagte Harry matt und entfernte sich ein paar Schritte von der Pflanze. Er hätte mich sie anfassen lassen können, aber er hat es nicht getan. „Ehm... danke. Ich schätze, das bedeutet, dass du nun jemanden vom Rand des Todes gerettet hast?“

„Sei nicht so blöd“, schnappte Malfoy. „Das Gift ist nicht tödlich, es verursacht nur heftige Schmerzen. Nicht, dass du es nicht verdient hättest“, murmelte er nachträglich.

„Die sollten Warnschilder um diese Dinger aufstellen“, nörgelte Harry und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Aber trotzdem danke, Malfoy.“

„Rechne kein zweites Mal damit, Potter.“ Malfoy war schon wieder auf dem Weg, weitere Zutaten zu suchen. „Ich hab's nur getan, weil ich lieber nicht deinen zuckenden Körper zurück nach Hogwarts tragen möchte.“

„Ja, klar“, murmelte Harry unterdrückt. Er wandte sich von dem Fallopod ab und nahm seine Erkundung des Geschäfts wieder auf, achtete dieses Mal aber darauf, eine gesunde Distanz zu Pflanzen zu halten, die er nicht kannte.

Nach einer Weile kehrte Malfoy zurück. Er trug einen kleinen Karton und wirkte sehr zufrieden mit sich selbst. „Können wir gehen?“

Harry war so überrascht, dass Malfoy überhaupt daran dachte, ihn zu fragen, dass er blinzelte. „Ja, sicher.“

Sie verließen das Geschäft. Hätte Harry darauf geachtet, hätte er bemerken können, dass sein Schritt nun deutlich leichter war als all die Wochen vorher. Tatsächlich war ihm aber nur vage bewusst, dass er sich fühlte, als ob ihm jemand eine schwere Last von der Schulter genommen hätte und noch weniger bewusst war ihm, dass dies an den Anschuldigungen lag, die ihm Malfoy entgegen geschleudert hatte.

„Was hast du gekauft?“ fragte Harry auf dem Rückweg zum „Honigtopf“.

„Geht dich nichts an.“

Woher wusste ich nur, dass er das sagen würde? dachte Harry und unterdrückte mühsam den Drang, die Augen zu verdrehen.

„Harry – Harry Potter?“

Harry blieb stehen, als er angesprochen wurde. „Hm?“ fragte er und drehte den Kopf zu der Stimme.

Eine große Hexe mit fliegendem braunem Haar und einer gesprenkelten Robe stand im Eingang des „Eberkopfs“. Eifrig streckte sie die Hand aus. „Ninette Lawley. Ich arbeite für eine kleine Zeitschrift. Es ist mir ein Vergnügen, Sie zu treffen, Mr. Potter!“

„Äh, hallo“, sagte Harry ein wenig verlegen. Er schüttelte Lawleys Hand und blickte kurz zu Malfoy hinüber. Der machte angesichts der Unterbrechung einen gereizten Eindruck.

„Wenn Sie so freundlich wären, Mr. Potter, ich hätte da ein paar Fragen, die ich Ihnen gerne stellen würde...“

„Sie sind eine Reporterin?“ fragte Harry aus der Fassung gebracht. Seine Erfahrung mit Rita Skeeter hatte ihn gelehrt, in der Nähe von Reportern immer auf der Hut zu sein. „Es tut mir Leid, aber ich kann nicht - “

„Oh, Unsinn!“ sprudelte Lawley, packte Harrys Arm und versuchte ihn in den Pub zu ziehen, während sie mit der anderen Hand in ihren Taschen nach Notizblock und Feder wühlte. „Es wird nur einen kleinen Moment dauern, wenn Sie also so freundlich wären - “

„Hau ab, du hässliche Kuh. Er ist mit mir zusammen hier und wir gehen jetzt.“

Einen verwirrenden Augenblick später fühlte Harry wie Malfoy eine Handvoll seiner Robe packte und ihn von der Reporterin fort zog. Er stolperte rückwärts und fiel beinahe über den Saum seiner Robe, bevor er sein Gleichgewicht wieder fand.

„Aber Moment mal“, protestierte Lawley und reckte den Hals, um einen Blick auf die Person zu erhaschen, die sie so unhöflich unterbrochen hatte. „Wer sind Sie und was - ?“

„Niemand!“ unterbrach Harry. „Er ist niemand! Er ist – äh – ein Klassenkamerad. Auf Hogwarts. Sehr guter Schüler. Klassenbester...“ Harry machte einen Schritt zur Seite und verhinderte die Sicht auf Malfoy – denn ihm war gerade aufgefallen, dass er mit schlimmerem als nervigen Reportern, die ihn mit kriegsbezogenen Fragen verfolgten, zu tun bekommen würde, wenn Malfoy in den Straßen von Hogsmeade erkannt würde.

„Potter - “

„Halt die Klappe, Malfoy“, zischte Harry ihm aus dem Mundwinkel zu. Er entschuldigte sich kurz bei Ninette Lawley, packte Malfoy am Ärmel und rannte die Straße hinunter, wobei er Schülern, Kunden und wer sonst noch unterwegs war, auswich. Er ignorierte Malfoys ärgerlichen Protest und rannte den ganzen Weg bis zum „Honigtopf“. Und selbst dann gönnte er sich keine Atempause, bis sie einen Weg in den Keller und zurück in den Geheimgang gefunden hatten.

Malfoy explodierte sobald sie allein waren. „Was zur Hölle war das, Potter? Man müsste ja blind sein, um uns nicht die Straße entlang rennen zu sehen! Bist du verrückt?“

„Nein, ich – nicht - aber du“, quetschte Harry nach Luft schnappend hervor. „Du hast Glück – dass dich diese Reporterin – nicht erkannt hat - “

Malfoy wurde käseweiß. „Verdammt“, fluchte er. „Verdammt! Sie kann mich nicht - “

„Hast du's endlich kapiert, ja? Sie hätte dich erkannt, wenn du länger dageblieben wärst und noch eine Weile gequatscht hättest!“

Malfoy wirkte reichlich erschüttert, als ob er schließlich begriffen hätte, wie viel er tatsächlich riskiert hatte, indem er gedankenlos seinen Plan verfolgt hatte. „Es wäre in allen Nachrichten gewesen“, sagte er hohl. „Das Ministerium hätte mich ohne Zögern zurück nach Askaban verfrachtet.“

Das Zittern in Malfoys Stimme ließ Harry zusammenzucken. Er brachte es nicht über sich, eine sarkastische Bemerkung über Malfoys Gespür für das Offensichtliche zu machen. Bis zu diesem Augenblick war ihm nicht in den Sinn gekommen, dass Malfoy tatsächlich dankbar sein könnte für seine zweite Chance zu leben.

Malfoy starrte Harry anklagend an. „Du hättest mir deinen Umhang leihen sollen!“

Das war es dann mit Mitgefühl für Malfoy. „Versuch nicht, mir die Schuld zu geben“, schnappte Harry. „Ich bin hineingezogen worden, du hättest über die Auswirkungen deiner Handlungen vorher nachdenken können.“

Wenn Blicke töten könnten, wäre Harry in diesem Moment tot umgefallen, die Gehässigkeit in Malfoys Blick war unverkennbar. Aber Harry war solche Blicke gewohnt, er schüttelte das unbehagliche Gefühl ab, das ihn anfänglich überkam und schüttelte nur den Kopf.

„Vergiss es“, sagte er und zündete mit einer raschen Bewegung aus dem Handgelenk und einem gemurmelten „Lumos“ den Zauberstab an. „Du hast verdammt viel Glück gehabt, Malfoy. Denk das nächste Mal daran, bevor du dich entscheidest, alles für irgendeinen Zaubertrank zu riskieren.“ Er machte eine Pause und fügte dann hinzu: „Und wenn du jemals wieder so etwas aufziehst, dann lass mich verdammt nochmal aus dem Spiel.“

Als Harry sich auf den Weg in den dunklen Tunnel machte, hätte er schwören können, dass Malfoy seufzte: „Leichter gesagt als getan.“

---

„Harry, bist du absolut sicher, dass es dir gut geht?“

Nein, eigentlich nicht, dachte Harry und zuckte innerlich zusammen. „Keine Sorge, mir geht’s gut. Aber tut mir Leid, dass ich nicht kommen konnte. Ich hoffe, ihr habt nicht zu lang auf mich gewartet.“

„Wir haben uns gedacht, dass etwas dazwischen gekommen ist“, antwortete Ron und zuckte mit den Schultern. Er grinste Harry an. „Irgendwas ist immer.“

„Ja, ich kann ein Lied davon singen“, sagte Harry und lachte kraftlos. Er hielt inne als er sich an Malfoys Worte erinnerte und platzte heraus: „Es tut mir Leid.“

Ron, der gerade dabei war, die im „Honigtopf“ gekauften Süßigkeiten aus den Taschen seiner Robe zu räumen, blickte auf und fragte: „Was?“

Harry blickte zu Boden. „Dass ich so schwierig war. Mir ist heute klar geworden... nicht alles, was mir passiert ist, war so furchtbar. Ich habe mich vorsätzlich unglücklich gemacht.“

„Oh Harry, das ist nicht wahr!“ rief Hermine, aber sie sah aus, als hätte Harrys Entschuldigung ihre Laune um einiges gehoben. „Du hast schreckliche Dinge erlebt, Dinge, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Es ist ok, wenn du leidest, du hast das Recht dazu. Wir möchten nur nicht, dass noch mehr Schmerz dazu kommt.“

Ron nickte nachdrücklich. „Aber es ist gut, dass dir das klar geworden ist. Ich meine... wir leiden doch alle gerade. George, Bill, Ginny... sogar Percy. Sie alle vermissen Mum und Dad und natürlich auch Fred und Charlie.“ Er seufzte und zupfte an der Verpackung eines Schokofroschs. „Aber wir versuchen zu vergessen und unser Leben weiter zu leben. Alle tun das.“

Aber nicht jeder hat gegen Voldemort gekämpft! protestierte eine leise Stimme in Harrys Kopf. Er brachte sie zum Schweigen. „Danke.“

„Sollten wir dann nicht langsam in die Große Halle hinunter gehen? Das Halloween-Fest fängt gleich an.“ Hermine blickte ihn mit einem wissenden Lächeln an. „Ginny müsste schon unten sein.“

„Klasse“, sagte Harry, etwas aufgemuntert durch die Aussicht, Ginny zu sehen. „Dann lass uns gehen.“

Mit leichteren Herzen verließen die drei Freunde den Gryffindor-Gemeinschaftsraum und machten sich auf den Weg zu ihrem letzten Halloween-Fest in Hogwarts.



A/N: Hallo, da bin ich wieder... Nachdem ich leider den ganzen August beschäftigt war und absolut nichts übersetzen konnte, wird es jetzt hoffentlich wieder schneller gehen. Ich hoffe, in der nächsten Zeit so ungefähr alle zwei Wochen ein neues Kapitel zu schaffen (falls das RL mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht).
Na, an was erinnert euch „Niemand! Er ist niemand!“? Ich bin gespannt...
Und gebt mir bitte einen Tipp: Wie sinnvoll ist es, Lyrics zu übersetzen? Bisher habe ich die Zitate am Anfang der Kapitel mit übersetzt. Aber bei Liedtexten weiß ich nicht, ob ich das tun sollte.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Es ist wunderbar, wie furchtlos und entschlossen Dan sich jeder Aufgabe stellt. Manchmal drehten wir eine Szenenwiederholung nach der anderen, und jedes Mal spürte ich seine Entschlossenheit, es bei der nächsten Wiederholung des Takes noch besser zu machen. Das schätze ich so sehr an ihm: Er setzt wirklich alles daran, um seine beste Leistung zu zeigen.
David Yates über Daniel Radcliffe