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Fanfiction

Eine Art Wunder (leider abgebrochen) - Ein Helfer

von Lapis

Eine Entschuldigung ist wie ein lieblicher Duft, sie kann den ungeschicktesten Moment in ein anmutiges Geschenk verwandeln.
- Margaret Lee Runbeck



Kapitel 10: Ein Helfer


Das Geräusch von ungefähr tausend trappelnden Füßen, unterwegs zur Großen Halle, weckte Draco am nächsten Morgen. Als seine Augen sich langsam öffneten, stöhnte er auf und rollte sich auf den Bauch. Sein Kopf fühlte sich seltsam leicht an und ihm war übel als hätte er literweise Blut verloren - was vermutlich der Fall war, wie er feststellte, als die Erinnerungen an die Geschehnisse der vergangenen Nacht langsam in seinem Gehirn Gestalt annahmen.

Er hatte kaum Zeit sich darüber klar zu werden, dass er sich im Krankenflügel von Hogwarts befand, als auch schon Madam Pomfrey geschäftig zu seinem Bett eilte. Sie trug ein Frühstückstablett mit mehreren Toastscheiben, Konfitüre, Butter und einem Glas Wasser.

Draco kämpfte sich in eine aufrechte Position. „Wieso bin ich hier?“ wollte er wissen. Er nahm das Tablett und stellte es beiseite, obwohl er am Verhungern war. Genaue Kenntnis seiner Lage war wichtiger, als seinen leeren Magen zu füllen.

„Sie wurden angegriffen, Mr. Malfoy“, sagte die Krankenschwester streng. „Nun legen Sie sich wieder hin, bevor Sie sich überanstrengen und nehmen Sie ein kleines Frühstück zu sich.“

„Ich bin nicht hungrig.“ Er funkelte Madam Pomfrey an. „Ich werde gehen.“

„Das werden Sie ganz sicher nicht tun, junger Mann. Sie brauchen Ruhe und eine Dosis Blutbildungstrank.“

„Das wird nicht nötig sein“, erwiderte Draco kühl. „Mir geht es hervorragend.“

Sobald die Worte heraus waren, packte ihn ein Schwindelanfall. Er beugte sich vornüber und hielt seinen Kopf in den Händen. Madam Pomfrey nutzte die Gelegenheit, um ihm das Tablett auf den Schoß zu stellen.

„Unglücklicherweise verstehe ich unter hervorragend etwas anderes als Sie“, sagte sie barsch. „Sie werden jetzt essen. Der Blutbildungstrank ist mit Wasser gemischt, also sehen Sie zu, dass Sie ihn ganz austrinken.“

Sie schritt flink davon während sie etwas über undankbare Schüler vor sich hinmurmelte. Draco blickte finster auf ihren sich entfernenden Rücken und wartete bis die Tür ihres Büros hinter ihr zugefallen war, bevor er das Frühstückstablett auf den Boden neben seinem Bett beförderte.

Mit einem Seufzer ließ sich Draco wieder auf sein Kissen fallen und schloss die Augen. Abgesehen von dem Schwindelgefühl schien der Fluch keine bleibenden Nachwirkungen zu haben. Der Täter - wer immer es sein mochte - hatte nicht beabsichtigt, Draco ernsthaft zu verletzen, obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Draco wusste das, weil er Dank seiner Tante Bellatrix den verwendeten Fluch nur allzu gut kannte. Er war selbst gezwungen gewesen, während des Kriegs einen Auroren damit zu foltern, der den Aufenthaltsort der Weasleys nicht verraten wollte. Und es war Dunkle Magie, was es höchst wahrscheinlich machte, dass sein Angreifer ein Slytherin war.

Was Draco aber in diesem Augenblick am meisten beunruhigte, war nicht der Angriff selbst, sondern die Tatsache, dass ausgerechnet Potter ihn gefunden und zur Krankenstation gebracht hatte. Natürlich war Draco zu diesem Zeitpunkt bewusstlos gewesen, aber er erinnerte sich, dass er einmal im Laufe der Nacht aufgewacht war, nur um Potter neben seinem Bett zu finden. Und der hatte ihm erzählt, welche Rolle er dieses Mal bei Dracos Rettung gespielt hatte.

„Ach, verdammt“, murmelte Draco, als ihm die Bedeutung dieses Umstands aufging. „Noch eine Lebensschuld ist nun wirklich das letzte, was ich jetzt brauchen kann…“

Erneut überfiel ihn eine Welle der Übelkeit, dieses Mal stärker als die letzte. Er atmete tief ein und biss sich auf die Lippen, um zu verhindern, dass er würgen musste. Als der Anfall vorüber war, drehte er sich zur Seite und betrachtete mit trübem Blick das Glas mit dem verdünnten Trank darin. Es sah plötzlich sehr viel einladender aus als noch einige Minuten zuvor. Mit einem tiefen Stöhnen lehnte sich Draco vornüber und nahm das Glas. Einen Moment lang starrte er verdrießlich hinein und fragte sich, was sein Vater dazu sagen würde, dass er einfach Getränke von seinen Feinden akzeptierte, wenn er hier wäre. Dann stützte er sich auf die Ellbogen und leerte den Inhalt des Glases in einem Zug.

---

„Harry? Hörst du mir zu?“

„Ja“, antwortete Harry automatisch und wandte den Blick von der Decke ab, um Ginny anzusehen. „Du hast mich gefragt, wie mein Tag war.“

„Ich weiß“, erwiderte Ginny. Sie blickte amüsiert. „Normalerweise antwortet man, wenn man gefragt wird.“

Harry zuckte die Schultern. „Es war nichts besonderes los.“

„Ja, klar. Und wohin bist du gerade unterwegs?“ fragte sie, als sie mit Harry an einer Gruppe Gryffindor-Mädchen aus ihrem Jahrgang vorbeiging. Sie winkten Ginny zu und kicherten, als Harrys Blick abwesend über sie glitt.

„Zum Krankenflügel.“

„Warum?“

Harry blieb mitten im Flur stehen. „Ron und Hermine haben dir nichts erzählt?“

„Was erzählt?“ fragte sie neugierig und blieb ebenfalls stehen.

Harry wand sich innerlich, als er sich erinnerte, wie Ron und Hermine es am Morgen herausgefunden hatten.

„Sag mal, Harry, hast du den Aufsatz für Zauberkunde erledigt?“ hatte Ron gefragt, als er, Harry und Hermine auf ihrem Weg über den Schulhof waren. Sie hatten eine Freistunde und genossen einen kleinen Spaziergang in der frischen Morgenluft.

„Hm?“ machte Harry. Er war damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was Malfoy zugestoßen war und wünschte sich ausnahmsweise, dass Ron und Hermine ihn in Ruhe lassen würden, so dass er zum Krankenflügel hochgehen konnte.

„Hast du ihn?“ fragte Hermine scharf.

Ron fand plötzlich eine blühende Pflanze in der Nähe überaus interessant und wechselte schnell das Thema. „Ach, übrigens“, sagte er während er an einem schneebedeckten Blütenblatt herumfingerte, „ich habe gehört, Malfoy sei angegriffen worden.“

Das riss Harry aus seinen Gedanken und er wandte sich Ron zu. „Was?“ fragte er. „Wer hat dir das erzählt?“

Ron warf Harry einen neugierigen Blick zu. „Du hast nichts davon gehört? Alle reden darüber. Ich habe Nott und seine Bande auf dem Weg zum Frühstück darüber kichern hören, wie sehr Malfoy es verdient hätte.“ Er hielt inne und sah nachdenklich aus. „Das erste Mal, dass ich tatsächlich einer Meinung mit einem Slytherin bin.“

„Ron!“ sagte Hermine warnend. Sie seufzte und drehte sich zu Harry um. „Ich habe es auch gehört. Anscheinend hat ihn letzte Nacht ein Schüler in seinem Blut liegend im Eingangsflur gefunden. Die Lehrer sind gerade dabei, den Schuldigen ausfindig zu machen.“

Harry öffnete den Mund, um zu antworten, aber eine Stimme hinter ihm unterbrach ihn.

„Potter, ich muss mit ihnen reden.“

Harry wirbelte herum und schluckte schwer, als er eine eingemummte McGonagall mit ernstem Gesicht hinter sich stehen sah. Sie hatte einen dicken Schal um ihre untere Gesichtshälfte gewickelt. „Professor?“ fragte er, überrascht, sie hier draußen anzutreffen. Sein Puls beschleunigte sich, als ihm klar wurde, dass sie wahrscheinlich Neuigkeiten über Malfoys Zustand hatte. „Wie geht es Malfoy?“

„Laut Poppy geht es Mr. Malfoy schon viel besser und in ein oder zwei Tagen müsste er in der Lage sein, die Krankenstation zu verlassen.“ McGonagalls Blick schweifte über Ron und Hermine, die hinter Harry standen und versuchten, nicht auszusehen, als ob sie lauschten. Als McGonagall Hermine anstarrte, errötete diese und wandte sich ab, aber Ron machte einen Schritt vorwärts, so dass er neben Harry stand.

Eifrig fragte er: „Was denken Sie, was passiert ist, Professor?“

McGonagall runzelte die Stirn, fragte aber nicht, woher er von dem Vorfall wusste. Stattdessen sagte sie streng: „Mr. Weasley, was vergangene Nacht geschehen ist, geht Sie nichts an.“

„Wieso dürfen wir nichts wissen, aber Harry darf?“ fragte Ron verschnupft.

„Weil die Umstände weder mit Ihnen noch mit Miss Granger irgendetwas zu tun haben“, schnappte McGonagall.

Hermine, die wieder näher gekommen war und sich zu Ron und Harry gestellt hatte, knuffte Ron in die Rippen und zischte: „Sie hat Recht.“

„Er könnte sich aus dem Gemeinschaftsraum geschlichen haben“, ließ Ron nicht locker. Offensichtlich wollte er unbedingt eingeweiht sein.

„Das hat er nicht getan“, schnappte Harry auf der Stelle zurück. Alle sahen ihn überrascht an. Er starrte auf seine mit Schnee gepuderten Stiefel hinab. „Na, er darf doch den Gemeinschaftsraum nach zehn Uhr nicht mehr verlassen, oder?“

McGonagall nickte. „Aber wir haben nichts getan, um sicherzustellen, dass er dieser speziellen Regel folgt, also ist es möglich, dass er…“

„Nein“, sagte Harry nachdrücklich. „Ich bin sicher, dass das nicht der Fall ist.“ Er erschauerte innerlich, als ihm klar wurde, dass er gerade für Malfoy log. Ich muss meine Prioritäten überprüfen… dachte er.

McGonagall war einen Moment lang sprachlos angesichts seines überzeugten Einwurfs. Harry war sicher, dass sie hinter ihrem Schal die Lippen schürzte. Schließlich sagte sie: „Nun gut. Wie auch immer, Potter, Sie müssen mir nun in mein Büro folgen. Und nein, Mr. Weasley, Sie können nicht mitkommen.“

Harry warf seinen Freunden seinen besten „Entschuldigt-mich“-Blick über die Schulter zu und Ron formte lautlos die Worte „Erzähl uns später davon“. Hermine dagegen starrte ihn nur mit einem verwirrten Gesichtsausdruck an. Harry konnte praktisch sehen, wie sich die Zahnräder in ihrem Gehirn bewegten, während sie versuchte herauszufinden, was Harry mit der ganzen Sache zu tun hatte. Seufzend folgte er McGonagall nach drinnen.

Nun sagte er: „Malfoy ist angegriffen worden.“ Er versuchte, lässig zu klingen. Er hatte absolut keine Lust, die ganze Sache noch einmal von vorne zu erklären, wie er es für Ron und Hermine nach seiner zweiten Frage-und-Antwort-Stunde mit der Schulleiterin hatte tun müssen.

Ginnys Augenbrauen schossen in die Höhe. „Wirklich? Was ist passiert?“

Harry trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen, als er daran dachte, dass er mit Ginny noch über seine Beteiligung an Malfoys Prozess sprechen musste. „Das ist eine lange Geschichte. Aber wo wir gerade über Malfoy sprechen… Ich wollte dich etwas fragen, Ginny.“

Ohne ihr Gelegenheit zum Antworten zu geben, packte er sie am Ärmel und zog sie zur Wand des Korridors hin, weg vom stetigen Strom der Schüler, die auf ihrem Weg zu den Gemeinschaftsräumen waren. „Hör mal“, sagte er besorgt, „Hermine hat mir erzählt, dass du in der Zeitung über… ähm, Malfoys Prozess gelesen hast.“

Ginny presste die Lippen zusammen. „Ja“, sagte sie vorsichtig.

Harry senkte schuldbewusst den Kopf. „Es tut mir Leid, ich hätte dir früher sagen sollen, wo ich an jenem Morgen hingegangen bin. Ich hatte nur so viele andere Dinge im Kopf… und…“

„Und du wolltest nicht, dass ich dich für einen Verräter halte, weil du geholfen hast, einen Todesser zu befreien, der in die Ermordung meiner Eltern verstrickt war“, sagte sie rundheraus.

Harry schnitt eine Grimasse und sagte verzweifelt: „ Ginny, wenn ich gewusst hätte, dass es Ron und dich so aufregen würde- “

Harry brach mitten im Satz ab, als er zu seiner Überraschung sah, dass Ginny lächelte.

„Mach dir nicht die Mühe, dich zu entschuldigen, du Tolpatsch“, sagte sie und verdrehte die Augen. Ich gebe zu, dass ich nicht übermäßig glücklich war, als ich es herausgefunden habe, aber mittlerweile habe ich den Schock verdaut. Es ist wirklich in Ordnung. Ich bin nur froh, dass du es von dir aus erwähnt hast, bevor wir es aus dir herausprügeln mussten.“

Eine Welle der Erleichterung überkam Harry. „Du meinst, du bist nicht sauer?“ fragte er hoffnungsvoll.

Ginny schüttelte den Kopf. Sie sah weg und antwortete: „Ich gebe Malfoy nicht wirklich die Schuld. Ich meine, ich hasse ihn immer noch und werde ihn immer hassen, für alles andere… aber er hat weder den Zauberstab gehalten noch den Spruch gesagt. Wie gerecht wäre es also, wenn ich hingehen und sagen würde, dass er Schuld ist, das Mum und Dad tot sind?“

Harry hätte vor Freude springen mögen. „Ich habe ein unglaubliches Glück, dass ich dich zur Freundin habe, weißt du das?“ sagte er und beugte sich herab, um Ginny zu küssen.

„Nein, aber solange du das weißt…“ neckte sie ihn.

Sie schob ihre Hand in Harrys und sie gingen weiter. Der Prozess, über den zu sprechen Harry sich so lange gescheut hatte, war abgehandelt und vorerst vergessen. Als sie weiter den Flur entlang gingen, kam Ginny wieder auf ihre vorherige Diskussion zurück.

„Harry, du kannst nicht so etwas sagen wie ?Malfoy ist angegriffen worden' und dann erwarten, dass ich es dabei belasse“, schalt sie. „Erzähl mir zumindest, warum es dich so sehr interessiert.“

„Na ja, ich habe ihn gewissermaßen gefunden“, murmelte Harry.

Ginny machte große Augen. „Wie? Und wann?“

„Vergangene Nacht“, erklärte Harry. Er ließ Ginnys Hand los und legte ihr stattdessen den Arm um die Taille. „Ich hatte einen Traum, der mich zu ihm geführt hat.“

„Wie der Traum, den du über Dad hattest?“

„Ja“, antwortete Harry leise. Aber eigentlich war das nicht wahr. Nachdem er den ganzen Tag darüber nachgedacht hatte, war er zu dem Schluss gekommen, dass die beiden Träume sich überhaupt nicht ähnelten. Zum einen hatte er in dem Traum über den Angriff auf Mr. Weasley die Dinge durch Voldemorts Augen wahrgenommen und Voldemort war nun tot. Zum anderen hatte ihm der Traum in der vergangenen Nacht keine tatsächlichen Geschehnisse gezeigt sondern ihm nur das vage Gefühl vermittelt, dass mit Malfoy etwas nicht in Ordnung war.

Schweigend gingen sie zusammen weiter. Harry war klar, dass sie gern weitere Fragen über Malfoy gestellt hätte, ihn aber nicht aufregen wollte. Harry begann zu bedauern, dass er darüber gesprochen hatte. Sie sollte sich nicht über etwas Gedanken machen müssen, über das ich selbst mir keine Gedanken machen muss, dachte er schuldbewusst.

Ginny ging mit Harry bis zum Krankenflügel. Als sie die große Doppeltür erreichten, drehte sie sich um und winkte Harry zu. „Bis später, Harry“, sagte sie.

„Du willst ihn nicht sehen?“ fragte Harry, überrascht, dass sie nicht danach gefragt hatte.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich ziehe es vor, den Kontakt zwischen Malfoy und mir auf ein Minimum zu begrenzen“, sagte sie vorsichtig und ging.

Harry blickte ihr nach und war erleichtert, dass sie nicht gefragt hatte, wieso er anders empfand. In gewisser Weise war es das, was er an Ginny mochte. Sie stellte nie unnötige oder unbequeme Fragen und mischte sich kaum in diejenigen Aspekte von Harrys Leben ein, die sie nicht betrafen. Ihre Freundschaft kam immer an erster Stelle, was für einen Mangel an unbeholfenen, romantischen Gesten wie Blumen, Liebesbriefen und Rendezvous sorgte. Darüber würde sich Harry nicht beschweren, er hatte nie so ganz verstanden (oder auch nur verstehen wollen, was das anging), wieso weibliche Wesen derart besessen waren von solchen Dingen.

Harry riss sich zusammen und wandte sich zur Tür der Krankenstation. „Du bist nicht Schuld, Harry“, murmelte er die Worte vor sich hin, die Hermine mehrmals im Laufe des Tages wiederholt hatte. „Deinetwegen ist er noch am Leben. Und denk daran, er ist immer noch Malfoy. Er ist jetzt kein anderer als vor sechs Jahren.“

Außer dass er ein Todesser wurde - ein Todesser, den seine Hausgenossen verflucht und zum Verbluten liegengelassen hatten, seine Hausgenossen, die ihn früher verehrt hatten.

Aber das war ein unwichtiges Detail.

Harry hob die Hand, um an die Tür zu klopfen. Aber bevor er dazu kam, schwang die Tür auf und er stand Madam Pomfrey gegenüber.

„Mr. Potter“, begrüßte sie ihn steif. „Sind Sie gekommen, um Mr. Malfoy zu besuchen?“

Harry senkte den Kopf und richtete die Augen auf eine Ritze im Fußboden, die wie ein Blitz geformt war. „Ja“, murmelte er, „darf ich?“

„Nun gut. Er schläft im Moment, also stören Sie ihn bitte nicht.“ Sie trat zur Seite, um Harry einzulassen und glitt dann an ihm vorbei hinaus in den Flur.

„Sie gehen fort?“ fragte Harry verblüfft. So weit er wusste, verließ Madam Pomfrey den Krankenflügel niemals, es sei denn, es fand ein Fest statt.

Sie nickte kurz. „Ich habe ein paar Kleinigkeiten mit der Schulleiterin zu besprechen.“

Mit diesen Worten ging sie davon und ließ Harry und Malfoy allein in der Krankenabteilung.

---

Draco schlief nicht wirklich. Er hatte vorgegeben zu schlafen, um den richtigen Moment abzupassen, wenn die Krankenschwester ging. Dann wollte er entwischen. Es war perfekt gewesen und alles ging wie geplant - zumindest bis Potter auftauchte.

Draco suchte gerade nach seinem Zauberstab, als sich hinter ihm jemand räusperte. Er zuckte heftig zusammen und wirbelte herum, um die Quelle des unerwarteten Geräuschs zu finden.

Potter saß auf einem der Betten und beobachtete Draco verwirrt. „Was tust du da?“ fragte er.

„Was tust du hier?“ fragte Draco zurück. Sein Herz raste immer noch von dem Schrecken, den Potter ihm verpasst hatte und er setzte sich wieder auf das Bett. „Ich dachte, Besucher wären verboten.“

Potter hob beiläufig die Schultern und antwortete: „Ich bin eine Ausnahme.“

„Das bist du immer“, murmelte Draco abwesend, während er seine Suche wieder aufnahm. Er blickte unter sein Kissen. Kein Zauberstab. Wo hat sie ihn nur versteckt? fragte er sich ärgerlich.

„Hey, solltest du nicht schlafen?“

Draco funkelte Potter an. „Solltest du nicht woanders sein?“

Potter starrte ihn geduldig an.

Draco seufzte. Dann sagte er grantig: „Wenn du es denn unbedingt wissen musst: Ich gehe.“

Es war kurz still, dann sagte Potter zögernd: „Und wohin genau?“

Draco öffnete den Mund, um zu antworten und schloss ihn wieder, als ihm aufging, dass er keine Antwort hatte. Zum Slytherin-Gemeinschaftsraum konnte er nicht zurück - noch nicht, zumindest.

Potter schien das zu realisieren, denn ein wissendes Lächeln, das Draco maßlos ärgerte, spielte um seine Mundwinkel. Er sah zu, wie Draco sämtliche Schubladen seines Nachttischs öffnete und durchsuchte. Als Draco sie frustriert wieder zuknallte, ohne etwas gefunden zu haben, fragte Potter neugierig: „Erinnerst du dich, wer es getan hat?“

„Nein.“ Draco glitt vom Bett und ging hinüber zum Schrank, in dem die Zaubertränke lagerten. Er versuchte, ihn zu öffnen, aber er war abgeschlossen. „Potter, wo ist mein verdammter Zauberstab?“

Potter warf ihm einen schrägen Blick zu. „Woher soll ich das wissen?“ antwortete er. Er wartete, bis Draco wieder zurückkam und versuchte es erneut. „Erinnerst du dich überhaupt an irgendetwas?“

„Ich erinnere mich, dass ich draußen im Schnee war. Und daran, dass ich mitten in der Nacht aufgewacht bin und du da warst.“ Potter war sichtlich verlegen und Draco grinste frech. „Das war richtig süß von dir, an meinem Bett zu sitzen und meine Hand zu halten, Potter.“

„Ich hab deine Hand nicht gehalten“, schnappte Potter während sich die Röte in seinem Gesicht noch vertiefte. „Ähm… du erinnerst dich also an nichts, was ich gesagt habe?“

„Nur an den Teil, wo du mir erzählt hast, dass du mich gefunden hast.“ Draco hielt inne. „Wie hast du mich überhaupt gefunden?“

„Traum.“

„Wie bitte?“

„Ich hatte einen Traum und du… bist darin vorgekommen. Und als ich aufgewacht bin, hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist und bin in den Eingangsflur hinunter gerannt.“

„Wie erstaunlich gelegen! Der Held ist nicht nur freundlich und edel, er ist auch noch ein Seher! Ich hoffe, du nimmst das mit in deinen Lebenslauf auf.“

„Ich bin kein Seher, du Blödmann. Man könnte es vielleicht Intuition nennen.“ Potters Grimasse deutete an, dass er nichts gegen einen Themenwechsel hätte.

Aber Draco war neugierig. „Du meinst, du kannst Dinge sehen, die du eigentlich nicht sehen kannst?“

„Es ist keine magische Fähigkeit oder so. Es ist… ach, ich weiß nicht, was es ist.“

„Aha“, machte Draco nachdenklich. „Also, so sehr ich unser Geplauder genieße, Potter- “

„Tust du das?“

Draco starrte Potter ungläubig an. Er klang tatsächlich, als ob er die Frage ernst meinte. „Bist du sicher, dass sie letzte Nacht den Richtigen hier im Krankenflügel behalten haben?“ fragte er.

Potter lachte hohl. „Ich war auch hier. Die ganze Nacht.“

„Die ganze Nacht?“ wiederholte Draco langsam.

„Ja.“

Draco fiel schwer wieder auf sein Bett und fragte verwirrt: „Wieso?“

Potter lehnte sich zurück auf seine Ellbogen und studierte die leere, weiße Decke über sich. „Das habe ich dir vergangene Nacht erzählt, Malfoy. Du hast gesagt, du erinnerst dich an den Teil.“

„Was, dass du dich verantwortlich fühlst?“

Die folgende Stille bestätigte Dracos Vermutung.

„Wieso?“ versuchte Draco es noch einmal. „Ich weiß, dass du mich am liebsten selbst umbringen möchtest, aber dass du die Lorbeeren für die Arbeit von anderen einheimsen möchtest, das hätte ich dir nicht zugetraut.“

„Sag so was nicht“, sagte Potter leise. Sein Gesicht hatte einen gequälten Ausdruck, der Draco zutiefst beunruhigte.

„Ich dachte nicht, dass so alberne Beleidigungen- “

„Das meine ich nicht“, unterbrach ihn Potter ärgerlich. „Ich meine, du hast kein Recht, mich zu beurteilen. Du hast keine Ahnung, was ich will.“

„Du wolltest mich am liebsten tot, seit du mich das erste Mal gesehen hast“, sagte Draco kalt und ohne Zögern. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, wieso du plötzlich deine Meinung ändern solltest und dich dafür entscheiden, lieber mein bester Freund sein zu wollen. Die Chance hattest du und hast sie nicht genutzt, Potter.“

„Es geht nicht um Freundschaft, Malfoy“, antwortete Potter und ließ leicht die Lider sinken, als sei der Gedanke, mit Draco befreundet zu sein, zur gleichen Zeit lustig und beunruhigend. „Es geht um all die Dinge, die seit dem Krieg mit uns geschehen sind. Der Prozess. Die Strafarbeit. Die Liste. Der Hogsmeade-Ausflug. Letzte Nacht. Das hier.“

„Das hier?“ spottete Draco, aber trotz des achtlosen Tons krallten sich seine Finger in den Laken unter ihm fest. „Und wenn schon. Wir sind uns in den vergangenen Monaten eben etwas öfter begegnet als üblich. Das ändert nichts zwischen uns.“

„Vielleicht nicht für dich, aber für mich schon.“ Potter wirkte seltsam aufgewühlt, als ob er etwas sagen wollte, aber nicht wusste, wie er es ausdrücken sollte. Er straffte sich wieder ein wenig und blickte zu Draco herüber. „Letzte Nacht habe ich neben deinem Bett gesessen und mit dir gesprochen. Ich habe eine Menge Dinge gesagt, die… Andererseits ist es dir wahrscheinlich egal.“

„Nein, jetzt ist es mir nicht egal“, schnappte Draco.

„Es war nichts Besonderes. Ich dachte, dass ich dich auf die Art vielleicht aus deinen Träumen reißen könnte, aber es funktionierte nicht mehr, sobald du wieder eingeschlafen bist.“ Potter atmete tief ein. „Nur, während ich mit dir geredet habe, ist mir klar geworden, dass… dass ich vielleicht gar nicht wirklich möchte, dass du stirbst. Dass es vielleicht noch nicht zu spät ist, sie alle davon zu überzeugen, dass du dich geändert hast.“

Dracos Augen verengten sich, als ihm die Bedeutung von Potters Worten klar wurde. Das war also der Grund für Potters Einmischung in sein Leben. Dieser Erkenntnis folgte ein unerwarteter Wutausbruch, der ihn dazu trieb, seine nächsten Worte zu schreien.

„Also denkst du, wenn du die ganze Zeit um mich herum bist, kannst du mich zu einem Heiligen machen?“ Draco wusste nicht, ob seine Wut oder seine Verwirrung größer war. Aber es war nicht so wichtig, denn alles, was er im Augenblick wollte, war, wenigstens einmal die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, von Potter zu hören. „Was glaubst du zu erreichen, indem du immerzu da bist, um mich zu retten? Sag's mir Potter! Warum tust du das?“

Potter schien völlig verblüfft von Dracos Ausbruch. Eine so dramatische Reaktion hatte er ganz offensichtlich nicht erwartet. Aber wie immer erholte er sich schnell genug und antwortete: „Hast du jemals darüber nachgedacht, dass ich dir vielleicht helfen möchte, Malfoy? Vielleicht habe ich mich schlecht gefühlt! Vielleicht dachte ich ja, ich könnte deine letzten Monate etwas schöner machen, vielleicht sogar etwas länger, wenn ich schon derjenige war, der sie dir zurückgegeben hat! Hast du jemals die Möglichkeit bedacht, dass ich dir das Leben nicht zur Hölle machen will?“

„Nein, habe ich nicht, weil du mein Leben schon immer zur Hölle gemacht hast!“ sagte Draco wütend. „Mein Leben war die Hölle seit dem Tag, an dem du geboren wurdest, also denk nicht für eine Sekunde, dass du nicht- “

„DANN SAG MIR, WAS ICH FALSCH GEMACHT HABE UND ICH VERSUCHE, ES IN ORDNUNG ZU BRINGEN, WENN ES DAS IST, WAS DU WILLST!“

Draco wandte sich ab. „Ich möchte, dass du mich in Ruhe lässt, Potter. Ich möchte, dass du hingehst und dein Leben so lebst, wie du es leben solltest.“

„Du hast dir ja eine tolle Zeit ausgesucht, um mir das zu sagen!“ rief Potter aus und warf frustriert die Hände hoch. „Tut mir leid, aber dich einfach zu vergessen ist keine Alternative mehr, Malfoy!“

„Und wieso?“ höhnte Draco. „Hast du Angst, keinen mehr zu haben, auf den du schimpfen oder mit dem du spielen kannst, wenn du es leid bist, der Goldjunge der Zaubererwelt zu sein? Ich bin nicht dein verdammtes Spielzeug, Potter! Denkst du, ich existiere einzig und allein, damit du ein nettes, kleines Projekt hast, an dem du arbeiten kannst, während du deine Verantwortung gegenüber deinen Freunden und Anhängern vernachlässigst? ?Der arme, verwirrte Draco Malfoy… Wäre es nicht eine glänzende Idee, ihn zu bessern und zu einem von uns zu machen?' Weißt du, Potter, ich habe Neuigkeiten für dich! Du kannst mein Leben nicht in Ordnung bringen und ich werde niemals einer von euch sein!“

Die nachfolgende Stille rang in seinen Ohren. Dann sagte Potter langsam und leise: „Dreh dich um und schau mich an, Malfoy.“

Bevor Draco protestieren konnte, hörte er ein Paar Schuhe auf dem gefliesten Boden landen und fühlte seine Schultern von einem Paar Hände gepackt und grob herumgedreht, so dass er geradewegs in ein paar glühende, grüne Augen sah. Sein Atem stockte, als er den Schmerz sah, der in den Tiefen dieser Augen lag. Es schmerzte so sehr, es nur zu sehen, dass Draco vergaß, wo Potters Schmerz endete und sein eigener begann.

Zum ersten Mal in seinem Leben wollte Draco vor Harry Potter zusammenbrechen und weinen.

Aber Potter verhinderte es. Er sagte: „Schau, es tut mir leid, dass ich dich beleidigt habe. Ich wollte nicht, dass es so herauskommt wie es kam. Ich wollte nur, dass du weißt, dass ich dir nicht helfe, damit ich mich besser fühle. Ich tue es für dich.“

„Alles im edlen Gryffindor-Geist“, fauchte Draco angewidert. „Genau wie du mir einen Gefallen getan hast, indem du mein Leben-“

„Es tut mir leid“, unterbrach ihn Potter. Er zuckte zusammen und vermied Dracos erstaunten Blick. „Mir ist letzte Nacht klar geworden, was du damit gemeint hast, dass ich mit meiner Einmischung in den Prozess alles schlimmer gemacht habe. Ich habe nie damit gerechnet, dass es so laufen würde.“

Draco seufzte lautlos. „Vielleicht solltest du das nächste Mal nachdenken, bevor du handelst.“

„Vielleicht.“

In der nachfolgenden Stille starrte Draco Potter an und Potter starrte zurück. Sie tauschten keine Worte aus, aber irgendwie schafften sie es, durch diesen einzelnen Blick ein ganzes Gespräch zu führen.

Nach einem Moment nickte Draco fast unmerklich. „In Ordnung“, sagte er ruhig.

Potter legte den Kopf schief. „Es macht dir nichts aus, mit mir gesehen zu werden?“

„Die Frage sollte eher lauten: Willst du mit mir gesehen werden? Ich könnte dein leuchtendes Image beschädigen.“

„Welches leuchtende Image?“ knurrte Potter. Dann lächelte er und Draco fiel plötzlich auf, dass sie immer noch ungemütlich nahe beieinander standen.

Draco zog sich schnell zurück. Er war plötzlich nervös und suchte verzweifelt nach einem passenden Thema. „Jemand von meiner Seite hat mich angegriffen. Diesen Fluch haben wir während des Kriegs benutzt.“

„Ja, das dachte ich mir“, sagte Potter und ließ sich auf Dracos leerem Bett nieder. „Ich möchte wirklich gern herausfinden, wer es war.“

„Es war Theodor Nott“, sagte Draco nur. „Ich weiß, dass er es war. Er hatte es seit dem ersten Tag hier auf mich abgesehen.“

„Wenn das stimmt, dann werde ich ihn bei McGonagall verpfeifen“, sagte Potter düster.

„Nein, das wirst du nicht“, verwies ihn Draco scharf. „Ohne Beweise wird sie dir ohnehin nicht glauben.“

Potter biss sich auf die Lippe. „Dann werde ich Beweise finden müssen. Du kannst mir helfen. Du willst doch auch, dass er gefasst wird, oder?“

„Nein, ich will Rache.“

Potter verdrehte die Augen. „Das dachte ich mir schon.“

„Du würdest auch nichts anderes wollen“, murmelte Draco. Dann wandte er sich von Potter ab, knöpfte vorsichtig sein Hemd auf und blickte auf seine nackte Brust hinunter. Man konnte immer noch die hellen Linien des Worts „VERRÄTER“ erkennen. Draco nahm an, dass sie nie wieder ganz verschwinden würden und eigentlich war es ihm nicht wirklich wichtig. Immerhin war es wahr.

„Falls es dich irgendwie tröstet, ich halte dich nicht für einen Verräter“, sagte Potter, als hätte er Dracos Gedanken gelesen.

„Das tut es nicht und ich bin einer“, antwortete Draco nur. Er fuhr das „T“ mit seinem Zeigefinger nach und fragte sich, wie Nott es geschafft hatte, während er wünschte, er könne sich erinnern was geschehen war. Er wollte es Potter gegenüber nicht zugeben, aber er hatte Angst - Angst, wieder zum Unterricht zu gehen, Angst, seinen herablassenden Klassenkameraden und Lehrern zu begegnen, Angst, dass ein Angriff wie der der vergangenen Nacht noch einmal geschehen würde.

„Alles in Ordnung, Malfoy?“ fragte Potter leise.

Draco sagte nichts. Stattdessen knöpfte er sein Hemd wieder zu, drehte sich um und ließ sich auf der anderen Seite des Bettes nieder, so dass er mit dem Rücken zu Potters Rücken saß. Er senkte den Kopf und sagte: „Du kannst den Rest meiner Liste sehen. Ich habe sie heute beendet.“

„Du musst - sie mir nicht zeigen.“

„Ich weiß. Weshalb du das Angebot schnell annehmen solltest, bevor ich es wieder zurückziehe.“

Potter lachte. „Klar. Dann gib her.“

Draco griff in seine Hosentasche und zog sie heraus. Er betrachtete sie kurz und hielt sie ohne hinzuschauen über seine Schulter. Er fühlte, wie Potter nach dem anderen Ende griff und die Liste nahm.

Dann dachte er mürrisch das ist das Ende. Sobald Potter den Rest der Liste gesehen hat, kennt er meine tiefsten und dunkelsten Geheimnisse.

Und so sagte Draco seiner gemütlichen, einsamen Welt ein stummes Lebewohl. Von nun an würde Platz für Potter sein müssen.

---

Harry fühlte sich wie ein Eindringling, als er Malfoys Liste vorsichtig auseinanderfaltete. Das letzte Mal hatte er es einfach getan, weil er Malfoy wütend machen wollte, aber dieses Mal war Malfoy einverstanden, ihn die Liste sehen zu lassen - und aus irgendeinem Grund machte das einen riesigen Unterschied.

„Na, dann mal los“, sagte er lahm, sobald er das Pergament auf seinem Schoß ausgebreitet hatte. Malfoy sagte nichts. Harry nahm das als Zeichen, dass er fortfahren konnte und begann zu lesen.

1. Unsichtbar sein

2. Einen Baum bis in den Wipfel hochklettern

3. Einen Thestral reiten

4. Mich betrinken

5. Von jedem Haus ein Mitglied suchen und ein höfliches Gespräch mit ihm führen

6. Meinen schlimmsten Feind küssen ERLEDIGT

7. „Eine Geschichte von Hogwarts“ lesen

8. Unter den Sternen schlafen

9. Felix Felicis brauen

10. Meine größte Angst überwinden

11. Eine Nacht in der Heulenden Hütte verbringen

12. Mutter in Askaban besuchen

13. Ein Leben retten

14. Schwimmen lernen

15. Einen Schneeengel machen ERLEDIGT

16. Einen Sonnenuntergang und -aufgang beobachten

17. Ohrlöcher stechen lassen

18. Geschenke unter einem Weihnachtsbaum öffnen

19. Vaters Tod rächen

20. Ein Geheimniswahrer sein

21. Mich verlieben

22. Wiedergeliebt werden

23. Harry Potter besiegen

24. Zeuge eines Wunders werden

Harry starrte die Liste in fassungslosem Schweigen an. Wie betäubt las er sie noch einmal, seine Lippen bewegten sich stumm, um die Worte zu formen, die auf dem Blatt standen. Schließlich sagte er langsam: „Das hier ist… so anders.“

„Dein Gespür für das Offensichtliche ist überwältigend.“ Aber trotz seiner sarkastischen Bemerkung klang Malfoy verletztlicher als je zuvor in Harrys Gegenwart.

„Du hast das wirklich selbst geschrieben?“

„Nein, ich habe es einem Dementoren stibitzt, als ich in meiner wunderhübschen Zelle in Askaban gewartet habe“, gab Malfoy zurück. „Natürlich hab ich das geschrieben, Potter.“

„Aber es sieht dir so…“

„So gar nicht ähnlich? Ja, das ist mir durchaus bewusst. Schließlich ist es eine Liste mit Dingen, die ich nie getan habe oder noch tun möchte.“

Harry wandte sich soweit um, dass er Malfoys Rücken ansah und fragte: „Warum hast du sie mir gezeigt?“

Malfoy drehte sich gerade so weit, dass Harry sein Profil sehen konnte, als er redete. „Na ja, wenn du mir wirklich helfen möchtest…“

„Ja“, sagte Harry sanft. Er zögerte und gab Malfoy die Liste zurück. Malfoy reichte über seine Schulter, um sie in Empfang zu nehmen. Dabei berührten seine Finger die Harrys, so dass dieser schnell seine Hand wegzog und die Augen abwandte.

Malfoy stand abrupt auf und schob die Liste wieder in seine Hosentasche. „Potter, ich brauche meinen Zauberstab“, sagte er kühl.

Harry war überrascht über die Veränderung im Ton ihrer Unterhaltung. „Ich weiß nicht, wo er ist“, sagte er. „Pomfrey hat ihn wahrscheinlich in ihrem Büro.“

Malfoy beäugte die geschlossene Bürotür. „Ist es abgeschlossen?“

„Woher soll ich das wissen?“ Harry war leicht verärgert. „Ich habe noch nie versucht, da einzubrechen.“ Er stand ebenfalls auf. „Ich schätze, ich sollte jetzt gehen.“

„Mhm“, machte Malfoy abwesend und ging ohne einen einzigen Blick in Harrys Richtung zum Büro.

Harry fühlte, wie Ärger in ihm aufflackerte, aber er verging wieder und er machte sich auf den Weg zum Ausgang. Dort hielt er an, räusperte sich und sagte: „Tschüss, Malfoy.“

„Halt mal, Potter, könnte ich vielleicht deinen- “

Harry grinste frech und schloss die Tür, während Malfoy noch redete. „Nein, du kannst nicht meinen Zauberstab haben um aufzuschließen“, flüsterte er.

---

Am Montagmorgen beim Frühstück war Harry ziemlich guter Stimmung und Ron war der erste, der es bemerkte.

„Was gibt's Schönes, Harry?“ fragte er, während er über Hermines Schulbuch griff, das sie vor sich auf dem Tisch liegen hatte, um sich ein Brötchen zu holen.

„Von was redest du?“ fragte Harry milde zurück, nahm sich ebenfalls ein Brötchen und begann, es mit Butter zu bestreichen.

„Du grinst“, betonte Ron.

Harry biss in sein Brötchen und kaute seelenruhig. „Könnte sein.“

„Das ist, weil wir morgen meinen Geburtstag feiern“, meldete sich Ginny von der anderen Seite des Tisches zu Wort.

„Du hast morgen Geburtstag?“

Ginny verdrehte die Augen. „Nein, Harry. Ich habe im August Geburtstag. Du weißt das.“

Harry lachte verlegen. „Entschuldigung. Ich kann mir Daten einfach nicht merken.“

„Er schlägt Ron nach“, stellte Hermine fest, ohne von ihrem Schulbuch aufzublicken.

„Überraschung“, murrte Ginny. Sie griff nach Harrys Brötchen, biss davon ab und legte es zurück auf seinen Teller. „Auf jeden Fall würdest du nicht glauben, wie viele Mädchen zu mir gekommen sind und nach einem Autogramm von dir gefragt haben, Harry.“

„Echt?“ fragte Harry zerstreut. Sein Blick löste sich nicht vom Slytherin-Tisch am anderen Ende der Halle. Malfoy war nicht aufgetaucht und Harry fragte sich, ob es ihm gut ging.

„Mhm. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie hinter meinem Rücken planen würden, dich mir zu entführen.“

„Als ob das jemals passieren würde“, sagte Harry und riss seinen Blick von Malfoys leerem Platz los, um Ginny auf den Kopf zu küssen. „Du kannst ihnen ausrichten, dass ich ausschließlich an Ginny Weasley interessiert bin.“

Ron räusperte sich auffällig. Ginny ignorierte ihn und küsste Harry auf die Wange. „Ich muss schnell hoch zur Bibliothek, etwas für Verwandlung nachschlagen, bevor der Unterricht anfängt“, sagte sie und stand auf.

Sie winkte Harry, Ron und Hermine zu und ging davon.

„Wir waren neulich bei Lupin“, sagte Ron beiläufig, sobald Ginny verschwunden war und Harry weiter aß.

Harry blinzelte überrascht. „Tatsächlich? Wegen was?“

„Neuigkeiten vom Orden. Er wollte, dass du auch mitkommst. Aber du warst mit…“ Rons Stimme verlor sich unsicher, aber Harry wusste, welchen Namen er fast ausgesprochen hätte.

„Und was tun sie so?“ fragte Harry und brachte das Gespräch damit wieder geschickt zum Ausgangspunkt zurück. Er hatte seit der Nacht im „Tropfenden Kessel“, als er Ron und Hermine wiedergefunden hatte, nichts mehr über die Bemühungen des Ordens, die Zaubererwelt wieder in Ordnung zu bringen, gehört.

„Oh, im Moment sind sie dabei, St Mungos wiederherzustellen. Es ist ein einziges Chaos und die Heiler brauchen die Einrichtungen, um die schwerer Verletzten zu behandeln“, erklärte Hermine. „Außerdem versuchen sie das Werwolf-Versteck zu finden. Anscheinend hat Fenrir es geschafft, seine Gefolgschaft und die meisten verbleibenden Todesser an einem nicht auffindbaren Ort zu verstecken.“

Harry nickte und blickte noch einmal über Rons Schulter zum Slytherintisch, bevor er den Kopf senkte und sich wieder seinem Frühstück zuwandte. Malfoy war immer noch nicht aufgetaucht. Harry unterdrückte das besorgte Gefühl, das in seinem Magen saß und rief sich ins Gedächtnis, dass er selbst auch nicht jeden Tag zum Frühstück ging. Wenn man seine schwere Verletzung bedachte, war es mehr als wahrscheinlich, dass Malfoy versuchte, so viel wie möglich zu schlafen, bevor er wieder zum Unterricht musste.

Kurz darauf erhoben sich Ron und Hermine, um sich für den Pflanzenkunde-Unterricht auf den Weg zu den Gewächshäusern zu machen. Bevor sie gingen, schlug Ron ihm auf die Schulter und sagte: „Bis Zauberkunde dann, ok?“

„Ja, bis dann“, antwortete Harry. „Bis dann, Hermine.“

Harry wartete bis die Große Halle fast leer war, bevor er ebenfalls ging. Er hatte eine Freistunde, daher musste er sich keine Gedanken machen, zu spät zum Unterricht zu kommen. Aber er musste sich Gedanken darüber machen, wie er die eineinhalb Stunden, die er nun Zeit hatte, verbringen wollte.

Ich könnte mit dem Zaubertränke-Projekt beginnen, dachte er zögerlich. Bisher hatte er Hermine die ganzen Recherchen überlassen, aber ihm war durchaus klar, dass er selbst etwas tun musste. Andererseits wusste er über die Geschichte des Wolfswurztranks ungefähr so viel wie Ron über seine Verwicklung in Malfoys Prozess, also tat er Hermine wahrscheinlich einen Gefallen, wenn er das Projekt ihr überließ.

„Das ist ja vielleicht produktiv“, sagte er zu sich selbst, als er die Treppe zum ersten Stockwerk hinaufging, ohne zu wissen, wo er überhaupt hinwollte. „Vielleicht hätte ich doch Pflanzenkunde nehmen sollen.“

Er war ungefähr eine Stunde lang ziellos im ersten Stock herumgelaufen und war schon beinahe oben an der Treppe zur zweiten Etage angekommen, als er zwei Mädchen begegnete, die in die entgegengesetzte Richtung gingen. Als er zur Seite trat, um sie vorbeizulassen, schnappte er einen Fetzen ihres Geflüsters auf.

„…kam nicht zurück, stimmt's?“

„Nein. Es heißt, er hätte irgendwo anders in der Schule geschlafen, weil er zu viel Angst hatte, Nott, Harper und den anderen zu begegnen.“

„Und wen überrascht das? Wir wissen doch eh alle, dass er ein Feigling ist.“

„Sie warten diese Stunde vor dem Gemeinschaftsraum auf ihn, weil er zurückkommen muss, um seine Sachen zu holen. Er wird kriegen, was er verdient.“

„Sollen wir hingehen und zusehen?“

„Ja. Komm mit…“

Harry erstarrte und packte das Geländer fester. Nott und Harper waren beide Slytherins und von dem, was die beiden Mädchen gerade besprochen hatten, hörte es sich an, als wollten sie auf einen weiteren Slytherin losgehen. War es möglich… Konnte dieser Slytherin…?

Obwohl er wusste, dass es ihn nichts anging, kehrte Harry um und eilte die Treppe wieder hinunter, hinter den Mädchen her. Die Slytherins hatten gewöhnlich nur eine große Klappe, aber Harry wusste, dass sie gefährlich sein konnten, wenn sie einen Grund hatten, ihre Drohungen wahr zu machen - und wenn man Malfoys Zustand nach dem letzten Angriff beurteilte, dann schien es, dass er ihnen reichlich Grund gegeben hatte, um das zu tun, dachte Harry bei sich.

Eher habe ich ihnen reichlich Grund dazu gegeben, dachte Harry grimmig, als er den Eingangskorridor bis zur Treppe in die Gewölbe entlang rannte, und nun bezahle ich dafür, indem ich Malfoy alle zwei Sekunden retten muss.

Aber es stellte sich heraus, dass er Malfoy doch nicht retten musste. Gerade als er die Treppe erreichte, entdeckte er Malfoy am anderen Ende des Flurs, auf dem Weg zu ebendieser.

Harry blieb stehen und rief: „Malfoy!“

Malfoy sah ihn schräg an. Er war blasser als gewöhnlich, aber ansonsten der gleiche wie vor dem Angriff. Er blieb vor Harry stehen und fragte: „Was willst du, Potter?“

„Du kannst jetzt nicht hinunter in den Gemeinschaftsraum.“ Harry fiel auf, wie albern das klang und beeilte sich hinzuzufügen: „Ich habe ein paar Mädchen darüber reden gehört, dass Nott und seine Bande da unten auf dich warten.“

Malfoys Gesichtsausdruck war unmöglich zu lesen. Für einen Moment starrte er Harry ausdruckslos an. Dann lachte er und fragte: „Und was willst du wirklich?“

„Sei kein Idiot, Malfoy“, schnappte Harry. „Du weißt ganz genau, dass ich Recht habe.“

„Und was kümmert dich das?“

„Weil ich irgendwie jedes Mal die Verantwortung habe, dir zu helfen, wenn du in Schwierigkeiten gerätst! Und so unterhaltsam es ist, ich kann darauf verzichten, schon wieder deinen verhexten, zerschundenen Körper vom Boden zu kratzen und in den Krankenflügel zu bringen.“

Malfoy zog ein angewidertes Gesicht und sagte: „Danke für die bildhafte Beschreibung, Potter.“

„Wenn du nicht willst, dass sie wahr wird, dann bleib weg von denen“, schnappte Harry zurück.

„So lieb mir das wäre, ich brauche- “

„Blödsinn.“ Harry bewegte sich ein wenig, so dass er den Zugang zur Treppe versperrte. „Du brauchst überhaupt nichts. Wenn du es genau wissen willst, ich habe gehört, dass du das ganze Wochenende über nicht unten warst, weil du Angst hattest.“

Malfoys Gesicht färbte sich rosa. „Natürlich war ich unten“, erwiderte er empört. „Was glaubst du, wie ich an meine Robe und meine Tasche gekommen bin?“

„Egal. Du warst unten, als niemand da war, was beweist, dass du Angst hattest.“

„Das ist eine ziemlich voreilige Schlussfolgerung, Potter. Ich würde niemanden so schnell aufgrund einiger bloßer Vermutungen beurteilen.“ Malfoy hob eine Augenbraue. „Und jetzt lass mich durch, sonst werde ich zu spät zum Unterricht kommen.“

Wie um Malfoy Recht zu geben, klingelte die Schulglocke, um das Ende der Stunde anzuzeigen.

„Verdammt“, fluchte er. Er funkelte Harry an, als sei der an all seinen Missgeschicken Schuld. „Jetzt habe ich meine Zaubertranksachen nicht.“

„Du hast immerhin dein Schulbuch“, sagte Harry und deutete auf die Ecke von Zaubertränke für Fortgeschrittene, die aus Malfoys Schultasche herausschaute. „Und wenn du sonst etwas brauchst, kannst du es von mir haben. Schließlich sind wir in einer Klasse.“

„Wie könnte ich das vergessen?“ gab Malfoy zurück.

Aber als Malfoy Harry widerwillig voran winkte, konnte Harry nicht umhin zu bemerken, wie seine Kiefermuskeln sich erleichtert entspannten. Harry lächelte in sich hinein. Malfoy fiel es tatsächlich immer schwerer, solche Dinge zu verbergen.

Als sie den Zaubertrank-Klassenraum erreichten, saß der Großteil der Klasse schon. Slughorn kam wie immer zu spät. Harry trat ein und setzte sich neben Hermine. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass Malfoy eine Minute wartete, ehe er den Klassensaal ebenfalls betrat.

Immer schön strategisch denken, dachte er und schüttelte leicht den Kopf.

„Und wie war dein Tag bis jetzt?“ fragte Hermine, während sie ihre Notizen vom Vortag herauszog und vor sich ausbreitete. „Hast du Malfoy gesehen?“

„Äh… wieso fragst du?“ wollte Harry nervös wissen. War es wirklich schon so weit, dass seine Treffen mit Malfoy, wenn man sie so nennen konnte, als normal angesehen wurden?

Hermine warf ihm einen merkwürdigen Blick zu. „Ich dachte nur, du würdest nachschauen, ob es ihm nach dem Angriff wieder gut geht.“

„Ach so, ja, klar. Ich meine, nein. Wir sind uns nur einfach… über den Weg gelaufen.“

„Das scheint in letzter Zeit recht häufig zu passieren“, sagte Hermine leichthin. „Ach übrigens, Harry, hast du darüber nachgedacht, wie du unser Projekt über den Wolfswurz-Trank aufziehen möchtest?“

„Ähm… ja, klar“, log Harry. Hermine nickte erwartungsvoll, bereit, weiter zuzuhören. „Ja, ich dachte wir könnten vielleicht-“

Aber in diesem Moment wurde Harry durch lautes Klatschen und Pfeifen von der anderen Seite des Raums unterbrochen und Theodor Notts höhnische Stimme sagte: „Na, wo warst du denn die vergangene Nacht, Malfoy?“

Harry blickte auf und sah gerade noch, wie Malfoy Nott einen verächtlichen Blick zuwarf, der aber seine Beklommenheit nicht ganz verbergen konnte. Dann schützte er spöttische Besorgnis vor und sagte: „Sag nicht, du bist die ganze Nacht aufgeblieben, um auf mich zu warten, Nott.“

Harry konnte nicht anders - er grinste frech. Aber Nott schien die Bemerkung nicht übermäßig lustig zu finden. Sein krähenähnliches Gesicht verzog sich zu einer unansehnlichen, finsteren Grimasse und er fauchte: „Du bist nicht zum Gemeinschaftsraum zurückgekommen, du Feigling.“

„Nein, wirklich nicht.“ Malfoy griff in seine Tasche und zog in aller Ruhe sein Zaubertränke für Fortgeschrittene heraus, aber Harry konnte sehen, dass seine Hände zitterten. „Ich war zu beschäftigt, dieses reizende Geschenk, das du mir hinterlassen hast“, er wies auf seine Brust, „wieder in Ordnung bringen zu lassen, um Zeit im Gemeinschaftsraum zu verschwenden.“

„Ach ja, wir haben alle davon gehört. Scheint, dass du im Krankenflügel eine lauschige Nacht mit Potter hattest.“

Malfoy zuckte merklich zusammen und Harry blickte instinktiv weg. Hermine sah besorgt aus, aber sie schien keine Idee zu haben, wie sie den verbalen Schlagabtausch gefahrlos beenden konnte.

„Ich hoffe, du hast Harry nichts getan, du schmutziger Verräter!“

Harry drehte sich auf seinem Stuhl. Die Sprecherin war Victoria Stimpson, ein Mädchen mit schmalem Gesicht. Obwohl Harry immer ganz gut mit ihr zurechtgekommen war, fühlte er jetzt plötzlich Ärger ihr gegenüber und machte sich eine geistige Notiz, ihr kein Autogramm zu geben, falls sie je danach fragen sollte.

„Armer, hilfloser Malfoy… musste vom mächtigen Harry Potter gerettet werden…“, höhnte eine weitere Stimme von der Slytherin-Seite des Raums.

Harry ballte unter dem Tisch die Fäuste und brachte es nicht über sich, Malfoy anzuschauen. Hermine schien seine Spannung zu spüren, denn sie flüsterte besorgt: „Harry, du musst nichts tun!“

Das ist wahr, Harry, stimmte die ständige, beharrliche Stimme im Hintergrund seines Verstands zu. Denk an all die Male, wo Malfoy derjenige war, der andere drangsaliert hat… Es wird Zeit, dass er seine eigene Medizin zu schmecken bekommt…

„Wie, du erzählst uns keine Details, Malfoy? Ich wette, du hast es genossen-“

„Warum hältst du nicht deine Klappe, Nott?“ Harry fauchte die Worte, die ihm auf der Zunge lagen, schon, bevor er die Konsequenzen seiner Einmischung bedacht hatte. „Nur weil du keine Chance hast, eine Nacht mit mir zu verbringen, heißt das nicht, dass du es an anderen Leuten auslassen kannst.“

Einige Schüler, die hinter Harry saßen, kicherten und Hermine zischte etwas Unverständliches, aber der Rest der Anwesenden war auf der Stelle ruhig. Alle Augen waren auf Harry gerichtet.

„Was hast du gerade gesagt, Potter?“ fragte Nott langsam.

„Ich habe gesagt, dass es für mich aussieht, als wärst in Wirklichkeit du hier der Feigling“, erwiderte Harry kalt.

Nott schob seinen Stuhl so heftig zurück, dass er umfiel und stand auf. „Und woher genau sollte der mutige Harry Potter so viel über Feigheit wissen?“ knurrte er über den Kopf eines Freundes hinweg und ignorierte dessen Versuche, ihn wieder zum Hinsetzen zu bewegen.

Anstatt ebenfalls aufzustehen, drehte Harry sich nach vorne, starrte fest auf ein Gefäß mit toten Käfern auf Slughorns Pult und sagte gleichmütig: „Wenn man bedenkt, gegen wie viele Feiglinge ich während des Kriegs gekämpft habe, sollte man annehmen, dass ich einen erkenne, wenn ich ihn sehe.“

„Was, du-“

Die Tür des Klassenraums flog auf, bevor Nott seine Beleidigung beenden konnte. „Guten Morgen!“ rief Slughorn munter, während er hereinschlenderte. „Mr. Nott, warum setzen Sie sich nicht?“

„Ja, Sir“, murmelte Nott. Er warf Harry einen giftigen Blick zu, den der unerschrocken erwiderte, bevor er sich seinem Stuhl zuwandte und ihn wieder hinstellte.

„Nun denn“, sagte Slughorn aufgeräumt, legte seine Hände auf das Pult und lehnte sich nach vorn, „heute werden wir unsere Arbeit über medizinische Magie fortsetzen. Könnte uns bitte jemand eine kurze Einführung in den Alraune-Wiederbelebungstrank geben…“

Harry bemerkte kaum, dass Hermine die Hand hob und die Eigenschaften des Tranks mit einer Begeisterung zu erklären begann, die sonst niemand im Raum aufbrachte. Er blendete die Lektion aus und war damit beschäftigt, Malfoy auf ein Zeichen der Dankbarkeit hin zu beobachten.

Aber es schien, als sei Malfoy fest entschlossen, seinen Blick zu vermeiden. Die restliche Zeit der Doppelstunde arbeitete er fleißig an seinem Alraune-Wiederbelebungstrank und sah nicht ein einziges Mal in Harrys Richtung. Sogar als er von Harry gehackte Salamanderhaut brauchte, ging er absichtlich um den Tisch herum und bat Hermine (in einem Ton, den man hätte höflich nennen können, hätte er nicht „Schlammblut“ an seine Bitte angefügt), sie ihm zu reichen.

Als Slughorn schließlich verkündete, dass es Zeit zum Zusammenpacken war, kochte Harry wegen Malfoys ungerechtem Benehmen, obwohl er es eigentlich hätte vorhersehen können. Da hatte er gerade Malfoys Hintern vor diesen Rüpeln gerettet und der hatte nicht einmal so viel Anstand, dankbar zu sein.

Glaub ja nicht, dass du so einfach davonkommst, Malfoy, dachte Harry düster, während er wütend seine Ingwerwurzeln einpackte. Ich werde ein ordentliches „Danke“ aus dir herausbekommen und wenn es das letzte ist, was ich tue.



A/N: So, da war sie nun endlich, Dracos lang erwartete Liste… Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt. Und natürlich, was ihr insgesamt zu unseren beiden Helden sagt. ;-)
Danke an Cho17 und wie immer bitte ich euch, mich auf eventuelle Fehler oder ungeschickte Sätze aufmerksam zu machen, wenn euch etwas auffällt - meine Beta hat zwar wieder Internet, lässt sich aber meist länger Zeit als ich warten möchte...


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Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden, sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.
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