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Fanfiction

Eine Art Wunder (leider abgebrochen) - Ein Wunsch

von Lapis

A./N.: Spät, dieses Mal, aber es kommt, das neue Kapitel.
Vielen Dank an Cura und Cho17 - das waren mal richtig tolle Reviews. Ich muss ja gestehen, würde ich die Geschichte nicht noch woanders hochladen, wo ich doch einige Kommentare mehr habe, wäre ich wohl schon verzweifelt ;-).
Tja, Cho, da bin ja mal gespannt, ob du den richtigen Riecher hattest mit der Zutat zu Felix... (Aber bitte nenn Draco in meiner Gegenwart nie wieder "Dray" - es gibt nichts grauenvolleres als diese Abkürzungen ;-P .)
Cura, ich werde mit diesen Kapiteln so weitermachen, wie die Original-Autorin sie geschrieben hat :-D, es kommen demnächst auch ein paar kürzere. Und ich gestehe, bisher bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, dass die für manche Leute zu lang sein könnten - mir können sie gar nicht lang genug sein. Hat mich riesig gefreut, dass sich noch jemand anderes aus dem "Lurkerland" herausgetraut hat!




Kapitel 13: Ein Wunsch


Über die nächsten vier Tage verbrachte Harry erschreckend viel Zeit mit Draco. Ein wichtiger Grund dafür war sicher die Abwesenheit seiner Freunde. Natürlich wären die restlichen Bewohner des Schlosses mehr als glücklich gewesen, ihm Gesellschaft zu leisten, wenn er eingestanden hätte, einsam zu sein, aber er war lieber mit Draco zusammen. Dracos unangenehmste Wesenszüge - Zynismus, Bitterkeit, überzogener Stolz, um nur ein paar zu nennen - wirkten erstaunlich beruhigend auf Harry. Wenn Harry mit Draco zusammen war, verwandelten sich die Albträume, die seinen Schlummer normalerweise später in der Nacht stören würden, in dahin flatternde, ungreifbare Nichtigkeiten.

Über Tag sprachen sie kaum miteinander und mieden sich stattdessen fast völlig, aber am späten Abend, wenn sich die übrigen Schlossbewohner schon alle in ihre Betten gekuschelt hatten, schlich sich Harry aus seinem Gemeinschaftsraum und machte sich auf den Weg über unzählige Treppen und Gänge zu der kahlen Wand, hinter der sich der Slytherin-Gemeinschaftsraum verbarg, um dort auf Dracos Erscheinen zu warten. Sie grüßten sich stumm, sprachen kein einziges Mal darüber, was sie da eigentlich taten und wie und wieso es sich zu einer regelmäßigen Sache entwickelt hatte, und machten sich auf den Weg.

In der Nacht nach ihrem Besuch in der Küche gingen sie zur Bibliothek. Dieser Ausflug erinnerte Harry auf seltsame Weise an seinen ersten Abend in Hogwarts, als er dort Draco begegnet war, der damals begonnen hatte, seine Liste zu schreiben, nur dass Draco dieses Mal seine Zeit damit verbrachte Eine Geschichte von Hogwarts zu lesen, während ihn Harry in behaglichem Schweigen beobachtete.

Draco zu beobachten war etwas, das Harry sich angewöhnt hatte. Es war ihm immer bewusst gewesen - so gleichgültig es ihm auch gewesen war - dass die meisten seiner Klassenkameraden vor dem Krieg Draco als recht attraktiv betrachtet hatten, aber Dracos ausgezehrtes Gesicht während des Prozesses hatte dieses frühere Bild eines gut aussehenden Jungen in Harrys Gedächtnis völlig verdrängt. Aber in dieser Nacht in der Bibliothek fiel Harry auf, dass die Rückkehr zur Schule Dracos Äußerem gut getan hatte. Sein Haar war nicht mehr fettig und verfilzt, sondern weich und glänzend, sein Teint nicht länger kränklich bleich, sondern glatt und gesund. Und obgleich seinen hellgrauen Augen der lebendige Funke fehlte, war er wieder auf hochmütige Weise gut aussehend und auch Harry konnte nicht verhindern, dass er öfter als nötig zu seinem vom Mondlicht beleuchteten Begleiter blickte.

Am nächsten Abend - dem 21. Dezember - schauten sie beim Raum der Wünsche vorbei. Harry war gerade noch dabei zu überlegen, wie er Draco den Sinn und Zweck des Raums erklären konnte, als er zu seiner Überrraschung feststellte, dass eine Tür erschienen und Draco verschwunden war. Erst nach minutenlanger Verwirrung erinnerte er sich, dass Draco über den geheimnisvollen Raum der Wünsche Bescheid wusste. Schließlich hatte er in der sechsten Klasse einen Großteil seiner Zeit darin verbracht.

Als er eintrat, stellte er fest, dass sich der Raum in ein großzügiges, wenn auch etwas kahles Wohnzimmer verwandelt hatte. Es besaß steinerne Wände und auf erhöhten Podesten standen mehrere mit grüner und schwarzer Seide bezogene Sofas und Sessel um einen großen, gläsernen Kaffeetisch. Rechts befand sich ein großer, unbenutzter Kamin, der offenbar nur zu Dekorationszwecken diente und links eine stattliche Kommode aus dunklem Walnussholz.

„Was für ein Ort ist das?“ fragte Harry und blickte sich ehrfürchtig um.

„Das Wohnzimmer im Landhaus meiner Familie“, antwortete Draco mit einem Hauch Selbstzufriedenheit in der Stimme.

Die nächsten Minuten verbrachten sie damit, sich über Dracos Zaubertrank zu unterhalten, der noch immer unten in dem ungenutzten Klassensaal in den Gewölben brodelte. Draco erklärte Harry, dass die Grundlage beinahe fertig war und diese danach für zwei Monate ziehen musste. Harry machte sich Sorgen, dass jemand den Saal mit dem Trank entdecken würde, aber Draco wischte seine Einwände beiseite und sagte ihm, dass niemand jemals diese Klassenräume betrat und seine Aktivitäten dort unentdeckt bleiben würde, solange Harry den Mund hielt. Dazu warf er Harry einen herausfordernden Blick zu und dieser beeilte sich zu versichern, dass er niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen über Felix Felicis verraten würde.

Danach wandte sich das Gespräch ziemlich rasch Dracos Liste zu und Harry freute sich, dass Draco sich in dieser Hinsicht zu öffnen begann. Er hatte keine Ahnung, was Dracos Umschwung in seiner Bereitschaft ausgelöst hatte, seine Ziele zu diskutieren, aber er war auf alle Fälle glücklich darüber. Draco beantwortete sogar Harrys verwirrte Frage bezüglich Nummer fünf „Führe ein höfliches Gespräch mit jeweils einem Mitglied der anderen Häuser“.

„Ich möchte sie verstehen“, sagte er mit einem beiläufigen Schulterzucken. Er lümmelte gerade auf einem der Sofas, während Harry sich unbehaglich in einem der Sessel herumdrückte. „Sie interessieren mich zwar nicht übermäßig, aber ich möchte mehr über die Häuser lernen und über die Sichtweisen ihrer jeweiligen Schüler, auch wenn sie mir merkwürdig erscheinen sollten.“

Harry fragte warum und Draco warf ihm einen ungläubigen Blick zu.

„Würdest du das nicht wollen?“ wollte er wissen und stützte sich auf einen Ellbogen. „Wenn du wüsstest, dass du in einer Woche sterben musst, würdest du dann nicht versuchen, alles Mögliche herauszufinden, worüber du dir früher keine Gedanken gemacht hast?“

Dracos eifrige Antwort machte Harry so sprachlos, dass er das Thema fallen ließ.

Am Abend des 22. Dezember schlenderten sie einfach nur durch das schlafende Schloss und erforschten die verschiedenen unbenutzten Räume und Gänge. Was Harry von allen ihren Entdeckungen am besten gefiel, war ein enger Gang in der dritten Etage, der hinter einem Wandteppich mit Susanne der Sauren verborgen gewesen war. Ein sichtlich schwächer werdender Zauber lag auf den Wänden und sorgte dafür, dass man sich vorkam wie auf hoher See und obgleich an einigen Stellen, an denen die Magie nicht mehr funktionierte, der blanke Stein zu sehen war, fand Harry den Effekt atemberaubend.

Draco allerdings reagierte völlig anders. Er verfärbte sich leicht grünlich und wandte sich von den heranrauschenden Wellen ab. Dabei murmelte er etwas von Verschwendung von nutzbarem Raum. Harry verdrehte die Augen und antwortete: „Nur weil du Angst vor Wasser hast, gibt dir das nicht automatisch das Recht, ein Spaßverderber zu sein.“

Aber was sie in der vierten Nacht taten, übertraf alles Vorherige. Draco und er besuchten den Friedhof von Hogwarts - einen Friedhof, von dem Harry zuvor nicht einmal gewusst hatte, dass er existierte, der aber laut Draco eine überaus wichtige Einrichtung des Schlosses war.

„Es war der Wunsch der vier Gründer, nahe des Schlosses begraben zu werden - bevor sie sich zerstritten, natürlich“, erklärte Draco, was er aus Eine Geschichte von Hogwarts erfahren hatte.

„Und warum wurden die späteren Schulleiter und Schulleiterinnen nicht hier begraben?“ wollte Harry neugierig wissen.

Draco bedachte ihn mit einem hochmütigen Blick. „Potter, nicht jeder Beliebige kann mit den vier berühmtesten Persönlichkeiten der Zaubererwelt begraben werden“, sagte er arrogant, als er die Hintertür aufstieß und Harry nach draußen voranging.

„Dumbledore hätte es verdient“, gab Harry zurück. Er war etwas angesäuert, dass Dumbledore nicht für wichtig genug gehalten wurde, um seine letzte Ruhe zusammen mit den Gründern zu finden. Immerhin hieß es überall, Dumbledore hätte mehr für die Schule getan als jeder andere Schulleiter vor ihm.

Aber daraufhin versank Draco wieder in seiner mürrischen und gleichgültigen Stimmung. Harry begriff, dass es wohl nicht sehr geschickt war, in Dracos Gegenwart Dumbledore aufzubringen, wenn man die ganzen schwierigen Situationen bedachte, die sich aus Dracos halbherzigen Versuchen, den alten Zauberer zu töten, ergeben hatten. Er fühlte selbst ein kurzes, aber heftiges Aufflackern von Feindseligkeit gegenüber Draco, als er sich an die Bemühungen des anderen erinnerte, aber schaffte es, sie zu unterdrücken, indem er sich selbst daran erinnerte, dass dies alles Vergangenheit war und die Umstände sich geändert hatten. Außerdem war es nicht Dracos Schuld gewesen, er war verängstigt gewesen und Voldemort hatte ihn gezwungen. Harry wusste das, auch wenn Draco es nicht zugeben mochte.

Also gingen sie hinaus in die Nacht, die Schultern gegen den beißenden Wind hochgezogen und kleine Feuerbälle in den hohlen Händen, die ein wenig Wärme und Licht verbreiteten. Draco führte sie beide in einen Teil des Verbotenen Waldes, von dessen Existenz Harry nichts geahnt hatte, aber gerade als Harry fragen wollte, was Dracos Meinung über das Betreten des Verbotenen Waldes geändert hatte, wichen die Bäume zurück und sie fanden sich auf einer großen, wie verzaubert wirkenden Lichtung.

Der Moment, in dem Harry hinaus auf die Lichtung trat, fühlte sich an wie ein Traum. Es war, als verließe er die Welt der Lebenden und träte in eine andere Existenzebene ein, eine Existenzebene, die von einem Ring dunkler Bäume umschlossen wurde. Der heulende Wind hatte sich in ein sanftes Wispern verwandelt und die bewegungslosen Wolken am schwarzen Himmel hatten sich geteilt und und der Mond warf seinen ätherischen Schein auf die vier vornehmen Grabsteine aus Marmor, die sich stolz in der Mitte der Lichtung erhoben.

Harry näherte sich ihnen über das frostglitzernde Gras. Er war wie gebannt. Er streckte die Hand aus, um Gryffindors Grabstein zu berühren, in dem, welch Überraschung, ein Löwe eingraviert war, als Draco von hinten seinen Unterarm packte und wegzog und damit den Zauber des Augenblicks brach.

„Was ist?“ fragte Harry verärgert über Dracos Einmischung.

Draco schüttelte mit ausdrucksloser Miene den Kopf. „Du kannst sie nicht berühren. Sie werden von uralter Magie beschützt“, sagte er und zog Harry von dem Grabstein weg.

„Wieso?“ fragte Harry, während er einen Schritt zurücktrat.

„Man befürchtete, dass Diebe und Dunkle Zauberer kommen und versuchen würden, etwas von der Magie abzuziehen, die mit den Gründern zusammen begraben wurde und legte etliche Schutzzauber über den Friedhof, um das zu verhindern. Nun kommen Menschen aus aller Welt hierher, um sich etwas zu wünschen. Angeblich kann die Magie, die noch vorhanden ist, dafür sorgen, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen.“ Draco hielt inne und blickte zu Slytherins Grabstein hinüber. Seine Pupillen erweiterten sich auf eine Weise, die Harry nervös machte. Mit belegter, ein wenig zitternder Stimme, die in Harrys Ohren fremd klang, flüsterte Draco: „Kannst du sie fühlen? Die Macht der Gründer?“

Harry bewegte sich unruhig und fragte: „Malfoy, was ist - “

„Halt den Mund und steh still, Potter“, unterbrach ihn Draco und hielt Harrys Arm fester. „Schließ deine Augen und lass los. Zügle deine Emotionen und Gedanken… dann wirst du es fühlen.“

Harry wollte ihn darauf hinweisen, dass auf seiner Liste intelligenter Dinge, die man tun konnte, „Augen schließen und loslassen in Gegenwart eines überzeugten Todessers“ nicht sehr weit oben stand, als er die Offenheit in Dracos grauen Augen wahrnahm. In diesem Augenblick traf ihn die verblüffende Erkenntnis wie ein Schlag, dass Draco ihn bat, ihm zu vertrauen, und bevor er Zeit hatte, über die Absurdität dieser unausgesprochenen Bitte zu staunen, fielen seine Augen zu, als hätten sie einen eigenen Willen.

„Und nun?“ fragte er flüsternd. Hier draußen im Freien mit geschlossenen Augen und nur mit Draco Malfoy als Führer fühlte er sich entsetzlich verletzlich und entblößt. Normalerweise hasste er es verletzlich zu sein, aber irgendwie schaffte er es, sich zu entspannen, mochte es nun an der Magie liegen, die laut Dracos Behauptung auf der Lichtung vorhanden war oder daran, dass er Draco tatsächlich vertraute (ein Gedanke, der ihn noch mehr verstörte als seine Wehrlosigkeit).

Und Draco führte ihn durch den Vorgang, seine Gedanken und Emotionen bewusst zu kontrollieren und sie für eine Weile wegzupacken. Es erinnerte Harry in unheimlicher Weise an die Okklumentik-Stunden mit Snape, außer dass Draco ihn mit so unerwartet viel Geduld anleitete, wie Snape sie niemals aufgebracht hatte.

Harry schaffte es letztendlich nicht. Seine Frustration stieg von Versuch zu Versuch, als immer wieder neue Sorgen seine Konzentration störten, von Schulaufgaben über den Prozess und wie er Ron davon erzählen sollte und andere drängende Sorgen. Es war einfach für Draco, er hatte sein ganzes Leben lang geübt, seine Gefühle zu kontrollieren. Aber Harry hatte nicht Dracos sorgfältige Kontrolle und Präzision, die durch Übung kam und musste schließlich die Hoffnung aufgeben, den gleichen ehrfürchtigen Schauer zu fühlen wie es Draco offensichtlich tat, während er auf der Lichtung stand.

Bevor sie zum Schloss zurückkehrten, dachten beide an einen speziellen Wunsch. Zuerst hatte Harry gezögert. Was kümmerten seine belanglosen Wünsche die Gründer? Aber dann dachte er an die Quelle der Magischen Brüder im Ministerium und änderte seine Meinung. Vielleicht funktionierten solche Dinge doch.
Harry brauchte eine Weile, um zu entscheiden, was er sich wünschen sollte. Es gab so viele Dinge, die er wollte, aber es waren alles belanglose Kleinigkeiten. Aber schließlich entschied er sich für einen angemessenen Wunsch, nachdem ihn Draco (der sich nach seinem eigenen Wunsch wieder in sein übliches, nerviges Selbst verwandelte) ungeduldig antrieb.

Ich weiß, es geht vermutlich über Ihre Kräfte dachte er hoffnungslos, als er mit Draco die Lichtung verließ, aber wenn es die leiseste Möglichkeit für Sie gibt, die Dinge voranzutreiben, wäre ich sicher nicht der Einzige, der dankbar wäre.

---

Am Morgen des 24. erwachte Draco ungewöhnlich ausgeruht. Er streckte sich genüsslich, wobei die Bettdecke von ihm glitt, und stieß ein Zischen aus, als die kalte Luft auf seine nackte Haut traf. Verdammte Gewölbe.

Gähnend drehte er sich auf die Seite. Dabei entdeckte er ein Stück Pergament auf seinem Nachttisch. Er manövrierte sich in eine halbsitzende Position und griff nach dem Blatt, um zu es zu lesen.

Vor 12.00 Uhr Mittag Runespoor-Blut hinzufügen stand darauf.

Draco stöhnte und richtete sich weiter auf. Es war die Notiz, die er selbst am Abend zuvor geschrieben hatte. Vor Kälte zitternd schwang er die Beine aus dem Bett und stand auf. Dann nahm er ein Handtuch und seine Kleider von seiner Truhe und ging zur Tür.

Dort hielt er inne, die Hand unsicher über dem Türgriff schwebend. Er drückte das Ohr an die Tür und lauschte, ob von draußen Geräusche zu hören waren. Als er keine vernahm, öffnete er die Tür vorsichtig einen Spalt weit und blickte in den schmalen Flur hinaus.

Seine Hausgenossen waren nirgends zu sehen. Draco dachte sich, dass sie wahrscheinlich noch schliefen und seufzte erleichtert auf. Er machte sich auf den Weg zu den Duschen.

Er beeilte sich für den Fall, dass einer der anderen Jungen früh aufwachte und ebenfalls duschen kam. Seinen Zauberstab hatte er zwar dabei (er ging kaum jemals ohne ihn irgendwohin), aber es war einfach zu früh für ein Duell und er bevorzugte es, morgens seine Ruhe zu haben.

In Rekordzeit trocknete er sich ab, schlüpfte in seine Robe und kämmte sein Haar. Bevor er das dunstige Bad verließ, wagte er einen schnellen Blick in den Spiegel.

Es war erstaunlich, wie sehr er sich seit seiner Rückkehr nach Hogwarts verändert hatte. Mürrisch musste er zugeben, dass sein Aufenthalt in der Schule sowohl seine Gesundheit als auch sein Aussehen so verbessert hatte, dass er sich fast nicht wieder erkannte. Während des Kriegs war keine Zeit gewesen, komplette Mahlzeiten zu verspeisen, sich gründlich zu säubern oder auch nur eine Nacht ungestörten Schlafs zu bekommen, verdammt, selbst die sechste Klasse war schon schlimm gewesen, mit seinen erschöpfenden Ausflügen zum Raum der Wünsche und der Morddrohung gegen seine Mutter, die über seinem Kopf hing. Aber es war Draco nicht aufgefallen, wie groß der Tribut gewesen war, den sein Körper während seiner Zeit als Todesser gezahlt hatte, bis er am Tag seines Prozesses im Ministerium in eine Fensterscheibe geblickt hatte und ein hagerer, kränklicher Junge daraus zurückschaute.

Er war immer stolz gewesen auf sein Aussehen und so hatte ihn die Veränderung abgestoßen, die durch ein Jahr Vernachlässigung entstanden war. Aber als er nun in den Spiegel sah, versuchte Draco ein Lächeln. Zumindest konnte er die nächsten Monate mit etwas Würde leben. Er fühlte sich etwas besser, als er noch einmal mit der Hand durch die nassen Locken fuhr und verließ den Duschraum.

---

„Potter?“

Harry zuckte leicht zusammen, als er Dracos verwirrte Stimme hinter sich hörte. Er wandte den Kopf, um dem anderen, der mit einer Hand am Türrahmen, die andere in seinem nassen Haar, im Eingang zu dem unbenutzten Klassenraum stand, ein nervöses Grinsen zuzuwerfen. „Guten Morgen“, sagte er, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte.

„Was tust du hier?“

„Runespoor-Blut reintun“, sagte Harry beiläufig. Wie zur Bestätigung kippte er eine sorgfältig abgemessene Menge schwarzer Flüssigkeit aus einem Fläschchen in den Kessel, der vor ihm stand. Ein schwaches, anhaltendes Zischen war zu hören, danach war Stille.

„Du tust - was?“ fragte Draco scharf. Er überwand die Entfernung zu Harry in fünf langen Schritten und starrte in den Kessel. „Wer hat dich das geheißen?“

„Du“, antwortete Harry sachlich. Er stand auf, strich über seine Robe und lugte ebenfalls in den Kessel. „Erinnerst du dich nicht? Du hast gesagt, ich solle es reinschütten, falls ich vor dir hier wäre, weil du es nicht riskieren könntest, das vorgesehene Zeitfenster zu verpassen.“

„Oh.“

Harry warf Draco einen Blick zu. „Also, habe ich es richtig gemacht?“ fragte er selbstzufrieden.

Draco runzelte die Stirn. „Ja“, sagte er, als könne er nicht glauben, dass Harry es geschafft hatte, etwas korrekt auszuführen, das mit Zaubertränken zu tun hatte.

„Dachte ich mir“, lachte Harry leise. „Jetzt komm schon, lass uns gehen.“

„Wohin?“

„Ich habe mir etwas überlegt, wie… ach, du wirst es früh genug sehen“, antwortete Harry geheimnisvoll. Er war schon halb aus der Tür, als er innehielt, sich umsah und eine Augenbraue hob, da sich Draco nicht vom Fleck gerührt hatte. „Kommst du nun?“

Einen Augenblick lang blickte Draco drein, als wolle er Harrys Angebot ablehnen. Aber Harry sah ihn fest an und er seufzte. „Na gut“, sagte er. „Ich hoffe, es ist es wert, Potter. Ich habe andere Dinge zu tun.“

„Zum Beispiel?“ fragte Harry amüsiert, als er Draco voranging, aus der Tür hinaus und den Gang entlang Richtung Slytherin-Gemeinschaftsraum.

„Zum Beispiel… andere Dinge“, stammelte Draco. “Dinge, die keine Zeitverschwendung sind.“

Harry stieß seinen Ellbogen gegen Dracos Arm. „Das hier wird keine Zeitverschwendung“, versprach er. „Wenn es funktioniert, wirst du mir hinterher danken.“

„Scheint, als würde ich das ziemlich oft tun“, murmelte Draco.

Harry lachte kopfschüttelnd. Es war schön, sich mit Draco so wohl zu fühlen. Er hörte auf zu lachen, als sie die nackte Steinwand erreichten, die den Slytherin-Gemeinschaftsraum markierte. Er trat beiseite und befahl: „Sag das Passwort.“

„Wenn du glaubst, ich sage jetzt einfach mal eben das Passwort, während du hier herumstehst…“, begann Draco gereizt. Aber seine Stimme verklang, als von drinnen gedämpfte Stimmen und Schritte durch die Wand drangen. „Mist, da kommt jemand“, fluchte er.

Harry grinste. „Noch besser.“

Er ignorierte Dracos ungläubigen Blick, packte seinen Arm, zog ihn zur Seite und warf seinen Tarnumhang, den er in der Hosentasche gehabt hatte, über sie beide.

„Was zum Teufel tust du da?“ zischte Draco und wand sich aus Harrys Griff, ließ aber den Tarnumhang an Ort und Stelle.

Harry legte einen Finger über seine Lippen, um Draco zum Schweigen zu bringen und erklärte eilig im Flüsterton: „Die Idee hatte ich gestern. Wenn wir Nott oder einen seiner Freunde hören oder sehen, wie er darüber redet, wie er dich, ähm, verhext hat, dann haben wir es als Erinnerung und diese Erinnerung können wir später als Beweis dafür benutzen, dass er es getan hat. Wir müssen es nur in ein Denkarium tun und McGonagall zeigen.“

Draco starrte Harry ausdruckslos an. „Und was genau schlägst du vor, wie wir ihn dazu bringen, darüber zu reden, Potter?“

Harry zögerte. „Ähm…“ antwortete er.

Draco schnaubte und schüttelte den Kopf. „Dachte ich mir.“

„Lass mich nachdenken, ok?“ nörgelte Harry.

Er verfiel in mürrisches Schweigen. Die Schritte waren wieder verschwunden, wer immer dabei gewesen war, den Slytherin-Gemeinschaftsraum zu verlassen, hatte entweder inne gehalten oder war wieder in die Schlafräume verschwunden. Harry hielt die Ohren gespitzt und wartete auf weitere Geräusche hinter der Wand, während er über Dracos Frage nachgrübelte. Wie konnte er es schaffen? Es war klar, dass er das Thema nicht selbst aufbringen konnte, während er sich mit Draco unter dem Tarnumhang versteckte. Er konnte vielleicht einen anderen Schüler dazu bringen, aber es war keiner in der Nähe und außerdem wollte Harry eigentlich keinem der Mitschüler, die die Ferien auf Hogwarts verbrachten, von Dracos und seinem Verdacht gegenüber Nott erzählen.

Abwesend blickte er sich um und erblickte plötzlich eine vertraute, silbrig-weiße Gestalt, die am anderen Ende des Gangs schwebte. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Natürlich.

Harry war der Meinung, dass es nun ungefährlich sein würde, laut zu sprechen, warf den Umhang ab und rief durch den Korridor: „Nick!“

Als der Geist des Fast Kopflosen Nicks seinen Namen hörte, wandte er sich um. Innerhalb weniger Sekunden war er an Harrys Seite und richtete seine Halskrause.

„Guten Morgen, Harry!“ sagte er munter und tippte zum Gruß an seinen gefiederten Hut. „Was kann ich für Sie tun?“

Harry warf Draco, der vor dem silbrigen Wesen, das Harry herbeigerufen hatte, zurückgewichen war, aus den Augenwinkeln einen Blick zu. Mit einem leisen Lachen erklärte er Nick die Lage.

„Aha“, antwortete Nick mit einem Stirnrunzeln. „Und was soll ich tun?“

„Vielleicht könnten Sie sie einfach über den Angriff ausfragen“ - Draco begann abwesend mit zwei Fingern über seine Brust zu reiben; Harry bemerkte es aus den Augenwinkeln und zog die Brauen zusammen - „ohne zu auffällig zu sein. Das wäre großartig.“

Falls der Fast Kopflose Nick diese Bitte seltsam fand, zeigte er es jedenfalls nicht. „Es wäre mir eine Freude, Ihnen behilflich zu sein“, strahlte er.

Harry spitzte die Ohren. Wieder ertönten Schritte auf der anderen Seite der Wand und kamen näher. „Ok, ich glaube, sie kommen“, sagte er und zog wieder den Umhang über sich und Draco. „Alles klar?“ murmelte er in Dracos Richtung, der aufgehört hatte, über seine Narbe zu fahren.

„Sicher, wieso fragst du?“ kam es gereizt von Draco. Er schien seine eigene Reaktion auf Harrys kurze Bemerkung über den Angriff gar nicht bemerkt zu haben.

„Ach, nichts“, antwortete Harry schnell. „Halt still, klar?“

Draco gab Ruhe und stand still neben Harry. Als sie so schwiegen, nahmen Harrys geschärfte Sinne jeden von Dracos Atemzügen wahr, jede noch so kleine Bewegung. Es war extrem irritierend, so nah neben dem anderen zu sein. Nach einigen Sekunden begann Harry sich zu wünschen, er könne Draco bitten, dass er aufhörte zu atmen, denn jedes Mal, wenn er ausatmete, strich ein Hauch warmer Luft über Harrys sehr empfindsames Ohr und ließ ein Kribbeln über seine Haut laufen, das nicht völlig unangenehm war.

Die Liste erinnerte sich Harry plötzlich, während sich die Sekunden dahin schleppten. Nun kann Malfoy Nr. eins abhaken. Er ist unsichtbar.

Aber bevor er Draco darauf aufmerksam machen konnte, lenkte ihn die Tür ab, die sich mit einem lauten, schleifenden Geräusch öffnete und eine kleine Gruppe Slytherins trat heraus. Ein Mädchen ging vorne - Harry kannte sie nicht, aber sie sah aus wie eine Zweit- oder Drittklässlerin - und schien den Trupp anzuführen. Als sie sich nach rechts wandte (woraufhin ihr Gesicht nicht einmal mehr einen halben Meter von Harrys entfernt war), löste sich Nick aus der gegenüberliegenden Wand.

Zwei der Mädchen schrien auf und die Führerin zuckte ein wenig zusammen, erholte sich aber gleich wieder. „Ist das nicht der Gryffindor-Geist? Der, der es nicht geschafft hat, seinen Kopf ordentlich abhacken zu lassen?“ fragte sie hochmütig, während sie ihren Rock glatt strich.

Der Fast Kopflose Nick blickte leicht pikiert angesichts dieser Beschreibung, aber nickte. „Sicherlich“, antwortete er ein wenig steif.

Der Junge neben dem Mädchen - Harry erkannte Thomas Lowe, einen Drittklässler, der erwischt worden war, als er bei einem Zauberkunde-Examen gemogelt hatte - lachte laut auf. „Nur ein Gryffindor ist in der Lage seine eigene Ermordung zu vermasseln“, sagte er bissig.

Harry merkte nicht, dass er seine Hände zu Fäusten geballt hatte, bis ihn Draco mit dem Ellbogen in die Seite stieß. Harry blickte zu ihm und er schüttelte mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck den Kopf. Harry atmete langsam aus und entspannte seine Finger. Er war dankbar, dass Draco zumindest sich nicht über die Gehässigkeit seines Hausgenossen amüsierte.

„Eigentlich“, sagte der Fast Kopflose Nick und erhob die Stimme, so dass sie über das boshafte Lachen, das Lowes Bemerkung ausgelöst hatte, zu hören war, „bin ich nur in der Hoffnung vorbeigekommen, dass der Baron etwas darüber weiß, was mit dem Malfoy-Jungen passiert ist. Aber da er nicht hier ist, werde ich ein anderes Mal wieder -“

„Wir wissen, was passiert ist“, sagte die Anführerin selbstzufrieden. Neben Harry atmete Draco scharf aus und ihn überlief ein Schauer, als der Luftstrom über sein Ohr strich. Er wusste, was Draco durch den Kopf ging. Er selbst hatte ebenfalls angenommen, dass die Slytherins zurückhaltender sein und nicht einfach offen mit einem Mitglied von Gryffindor reden würden. Aber diese Schüler waren jung und vermutlich zu unreif, um zu verstehen, dass es womöglich eine schlechte Idee sein könnte, eine so nützliche Information einfach weiterzugeben.

„Und das wäre?“ fragte der Fast Kopflose Nick ganz beiläufig. Er blinzelte fast unmerklich in Harrys Richtung.

„Naja, das ist doch offensichtlich, oder? Dass Draco Malfoy ein Verräter ist und bekommen hat, was er verdient. Dafür hat Teddy gesorgt.“

Nun spannte sich Draco neben Harry an. Besorgt berührte Harry leicht den Arm des anderen in einem wortlosen Versuch, ihn zu beruhigen. Aber Dracos Muskeln blieben straff gespannt unter Harrys Fingern und sein Kiefer war fest zusammengepresst, während er an Harry vorbei seine Hausgenossen anstarrte.

„Teddy?“

„Theodore Nott natürlich. Er ist absolut großartig. Er hatte diese Idee - mit dem Zauberstab, wissen Sie, und dann hat er die Schnitte noch vergiftet, da wäre ich nie draufgekommen - und dann hat er sich Malfoy geschnappt, als er spät von draußen hereinkam -“

An dieser Stelle unterbrach sich das Mädchen, weil die Wand hinter ihr wieder aufglitt. Und dieses Mal war es Theodor Nott, der aus dem Slytherin-Gemeinschaftsraum kam.

Zuerst bemerkte er seine Hausgenossen und wandte seine Aufmerksamkeit dem Mädchen zu, das gerade über ihn geredet hatte. „Was schleichst du hier herum, Augusta?“ schnappte er.

„Teddy!“ sagte sie, während sich ihr blasses, plumpes Gesicht rosig färbte. „Wir haben gerade darüber geredet, was du mit Malfoy gemacht hast.“

Sie zog Dracos Namen lang, als sei er etwas widerwärtiges und Harry hätte fast die Augen verdreht.

„Ich habe euch verboten, öffentlich darüber zu reden“, antwortete Nott wütend und bedachte sie mit einem finsteren Blick, der ihn nicht attraktiver machte. Erst dann bemerkte er den Fast Kopflosen Nick, der einen Meter entfernt schwebte. Seine Knopfaugen verengten sich. „Verschwinde von hier, das ist Slytherin-Gebiet“, knurrte er.

Der Fast Kopflose Nick verbeugte sich mit einer halb durchsichtigen Hand auf dem Kopf, um zu verhindern, dass dieser herunterfiel. „Verzeihung. Ich werde mich wieder auf den Weg machen…“

Mit diesen Worten schwebte er wieder durch die Wand, aus der er aufgetaucht war.

Kaum war der Fast Kopflose Nick verschwunden, als Nott auf Augusta losging. „Hast du diesem Geist irgendetwas erzählt?“ knurrte er sie an.

Sie wirkte verängstigt. „Ja, aber nur ganz wenig. Ich habe nur ein oder zwei Sätze zu ihm gesagt, Teddy, wirklich, ich wollte nicht -“

Aber Augustas Protest wurde durch ein schallendes klatsch unterbrochen - Nott hatte sie ins Gesicht geschlagen. Sie schrie vor Schmerz auf und presste beide Hände gegen ihre Wange, die sich rasch glühend rot färbte.

Harry schaffte es gerade so, ein Keuchen zu unterdrücken. Er merkte kaum, dass er beim Anblick der Szene vor ihm so fest auf seine Unterlippe gebissen hatte, dass sie blutete und bevor er sich beruhigen konnte, hatte er sich auch schon umgedreht, packte Dracos Handgelenk mit einer Hand und den Umhang mit der anderen und zog Draco hinter sich her, als er den Gang entlang rannte, alle Versuche leise zu sein vergessen.

Sie bogen um eine Ecke, rasten den nächsten Korridor entlang und hielten nicht an, ehe sie wieder in der ersten Etage waren. Irgendwann hatte Harry den Tarnumhang abgezogen und in seine Tasche gestopft und nun schaute er nach, ob er noch darin war, während er immer noch keuchte.

Draco war still so lange sie beide versuchten, wieder zu Atem zu kommen. Nach einigen Minuten sagte er leise: „So sind sie immer.“

Harry schüttelte den Kopf, er war nicht fähig, Draco in die Augen zu blicken. „Das ist grässlich“, sagte er heiser. „Nott ist… Das war falsch.“

„Sie hat darum gebeten“, antwortete Draco tonlos.

„Sie ist zwölf Jahre alt, Malfoy!“

„Aber sie hat geredet ohne nachzudenken. Sie hat Nott verraten.“

„Erzähl mir nicht, dass du diesen Mistkerl immer noch verteidigst!“

„Ich verteidige ihn nicht, kapierst du das vielleicht bald mal? Ich habe nur erklärt, warum er es getan hat, da deine Gehirnkapazität ja offensichtlich nicht ausreicht, um eine Situation von einer anderen Perspektive als deiner eigenen zu betrachten!“

„Es ist mir egal, warum er es getan hat! Ein Mädchen zu schlagen, dass nichts getan hat außer zu viel zu reden, das ist wirklich unter aller Sau“, fuhr Harry ihn an. „Und wenn du anderer Meinung bist - wenn du ernsthaft findest, dass das absolut in Ordnung ist - dann kannst du mir verdammt nochmal auf der Stelle aus den Augen gehen.“ Er wartete einige Sekunden und nickte triumphierend, als Draco trotz seines unglaublich finsteren Blicks wie angewachsen stehen blieb und sagte: „Das habe ich mir gedacht.“

Draco verschränkte die Arme und sah mit immer noch verkrampftem Kiefer woanders hin. „Das ist keine moralische Frage, Potter. Nott musste das tun. Glaubst du, sie würde jemals lernen, nicht einfach mit Leuten zu schwatzen, denen sie nicht trauen kann, wenn er sie hätte davon kommen lassen?“ Als er Harrys wilden Blick bemerkte, fügte er entnervt hinzu: „Und es war nur ein Klaps, um Himmels Willen! Sie hat nicht einmal geblutet!“

„Es gibt bessere Mittel, jemandem einen Denkzettel zu verpassen“, presste Harry zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.

„Ja? Wie wär's, du gehst hin und bringst sie Nott bei?“, höhnte Draco. „Lass mich raten - setz dich mit ihr hin und erkläre ihr freundlich aber fest, dass sie nachdenken sollte, bevor sie das nächste Mal ihren Mund aufmacht. Ich bin sicher, dass er deine Vorschläge mit Begeisterung überdenken wird.“

„Ich finde das nicht witzig, Malfoy.“

„Ich auch nicht. Es ist nicht deine Angelegenheit, Potter. Lass die Slytherins tun, was Slytherins eben tun. Geh und spiel mit deinen braven Gryffindor-Freunden, wenn du es nicht magst.“

Harry musste die Logik in Dracos Worten anerkennen und seufzte. „Es ist einfach nicht in Ordnung“, grummelte er.

„Nichts ist mehr in Ordnung“, schnappte Draco. „Wäre die Welt noch in Ordnung, würde ich nicht hier stehen und mit dir reden.“

„Wo wärst du stattdessen?“, fragte Harry leise, während er in den Flur der dritten Etage trat. Während sie sich unterhielten, hatte sich Draco in Richtung McGonagalls Büro bewegt und Harry war ihm einfach gefolgt.

„Ich würde Tante Bellatrix helfen, neue Arten zu finden, euch aus dem Weg zu räumen“, stieß Draco hervor, „oder… oder vielleicht sogar versuchen, dich in einem unbewachten Moment in einem Gang zu finden und zu verhexen.“

Harry sah Draco zweifelnd an, wie er es immer tat, wenn dieser seine Todesser-Zeit aufbrachte, aber sagte nichts.
---

„Bereit?“, fragte Draco. Harry und er hatten McGonagalls Büro erreicht und standen nun genau davor.

Harry hob die Schultern. Er sah verärgert aus. Leicht frustriert wurde Draco klar, dass es an den Ereignissen vor dem Slytherin-Gemeinschaftsraum lag. Wirklich, dieser Idiot war ein solches Weichei, es war wirklich ein Wunder, dass er den Krieg überlebt hatte, ganz zu schweigen davon, dass er einen der größten Zauberer aller Zeiten zerstört hatte.

„Hör auf zu schmollen“, befahl Draco kurz angebunden.

Harrys Kiefer spannte sich sichtlich an, aber er ignorierte die Anweisung und drängte sich an Draco vorbei, um an McGonagalls Bürotür zu klopfen.

Die Tür schwang von alleine auf. McGonagall saß hinter ihrem Schreibtisch und blickte stirnrunzelnd auf eine lange, ausgebreitete Pergamentrolle. Als Harry und Draco in ihr Büro traten, sah sie kurz auf.

„Ich fürchte, Sie werden einen Moment warten müssen, ich bin gerade beschäftigt. Setzen Sie sich.“ Sie wies auf die Stühle mit den harten Lehnen, die das karierte Sofa ersetzt hatten, das dem Schreibtisch gegenüber gestanden hatte und wandte ohne ein weiteres Wort ihre Aufmerksamkeit wieder dem Dokument in ihrer Hand zu.

Draco setzte sich steif, aber Harry blieb stehen. „Bitte, Professor, es ist wirklich wichtig“, sagte er ernst.

McGonagall rümpfte die Nase. „Mr. Potter, ich habe wirklich keine -“

„Es geht um das, was Malfoy passiert ist. Wir wissen, dass es Nott war.“

McGonagalls Blick hinter den eckigen Brillengläser schärfte sich. „Ich habe Sie schon einmal davor gewarnt, falsche Anschuldigungen gegen ihre Mitschüler zu verbreiten.“

„Sie sind nicht falsch! Wir haben Beweise!“

McGonagall seufzte gereizt und legte die Pergamentrolle auf ihren Schreibtisch. „Ja?“

Endlich ging Harry durch den Raum und ließ sich neben Draco nieder. Nun, da er McGonagalls ganze Aufmerksamkeit hatte, war er nervös. Draco starrte auf McGonagalls Schreibtischkante, als Harry beschrieb, wie sie die Wahrheit aus Augusta herausbekommen hatten.

„…wie Sie sehen, hat er es vor unseren eigenen Augen und Ohren bestätigt.“

Für einen langen Moment blieb McGonagall still, ihr strenges Gesicht undurchdringlich. Dann sagte sie sehr langsam: „Sie wollen sagen, dass er Miss Grant körperlich angegriffen hat?“

Draco schnaubte ungläubig. „Ich glaube nicht, dass das in diesem Augenblick ihre drängendste Sorge sein sollte!“, sagte er laut. „Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Verletzungen weit schwerer als Augustas.“

„Ruhe, Mr. Malfoy“, sagte McGonagall scharf, bevor sie sich wieder Harry zuwandte. „Ich hoffe, Sie haben unwiderlegbare Beweise, die mich überzeugen können, dass das, was Sie mir gerade erzählt haben, nicht nur bösartige Lügen sind, die Sie erfunden haben, um es einem gemeinsamen Rivalen heimzuzahlen.“ Draco hätte schwören können, dass ihre Augen kurz auf ihm lagen, als sie diese letzten Worte sprach.

„Eine Erinnerung, Professor“, sagte Harry eifrig. „Wir dachten, wir könnten Ihnen die Erinnerung an das Geständnis in einem Denkarium zeigen.“

McGonagall blickte Harry starr an und Draco begann sich zu fragen, ob sie vielleicht mehr Theater als nötig um die ganze Sache machten. Sicher, er wollte Nott dringend so viel wie möglich leiden sehen, aber das ganze über McGonagall abzuwickeln - der verantwortungsvolle und legale Weg - war vielleicht nicht die beste Idee.

Draco wollte gerade Harry auf die Schulter tippen und ihm sagen, dass er die Sache mit einem oder zwei Unverzeihlichen erledigen würde, als McGonagall mit einem weiteren aufgebrachten Seufzen ihren Zauberstab auf einen der zahlreichen Wandschränke in dem runden Raum richtete. Die Türen flogen auf und ließen ein niedriges Regal erkennen, auf dem ein Denkarium stand.

Draco betrachtete es genau aus der Entfernung. Der eckige Behälter hatte keinen großen Umfang, war aber recht hoch und aus einer Art burgunderrotem Stein, den Draco nicht erkannte. Die Kanten und Gravuren waren sauber und scharf und insgesamt hinterließ es den Eindruck, dass es sehr selten benutzt wurde. Dieses Denkarium sah demjenigen, das sein Vater in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt hatte, kein bisschen ähnlich und mit einem Gefühl großer Selbstzufriedenheit stellte Draco fest, dass Lucius' Denkarium weit eindrucksvoller wirkte als das der Schulleiterin.

„Haben Sie das jemals getan?“, fragte McGonagall scharf, als sie die Schale herbeiholte und auf ihren Schreibtisch stellte. Von nahem wirkte es wesentlich beeindruckender.

„Äh… was getan?“

„Eine Erinnerung extrahiert.“

Harry blickte überrascht. „Nun, ich dachte, man nimmt einfach… hm, seinen Zauberstab und…“ Er wies vage auf seine Schläfe und errötete als seine Antwort auf einen ausdruckslosen Blick traf.

Draco machte ein Geräusch, in dem sich Unglaube und Amüsement mischten. „Oh, geh zur Seite, Potter“, griff er ein und erlöste Harry aus seiner Verlegenheit. „Ich werde es tun.“

Er drückte die Spitze seines Zauberstabs leicht gegen seine Schläfe, gerade unter dem Haaransatz, und konzentrierte sich darauf, die Erinnerung an den Vorfall hineinzuzwingen. Sobald er sicher war, dass er die Erinnerung sicher darin hatte, zog er vorsichtig den Zauberstab weg und schüttelte den silbrigen Faden, der daran hing, in das Denkarium.

Sofort begann die Flüssigkeit darin zu wirbeln und ein Miniaturbild des Gangs vor dem Slytherin-Gemeinschaftsraum schwebte herauf. Mit geschürzten Lippen und gerunzelter Stirn lehnte sich McGonagall über die Schale und betrachtete die Szene, die sich vor ihr abspielte.

Während Draco wartete, warf er einen heimlichen Blick in Harrys Richtung. Zu seiner Überraschung waren dessen Augen schon auf ihn gerichtet und musterten ihn intensiv. In dem kurzen Augenblick gegenseitiger Erkenntnis erröteten beide Jungen heftig - Draco wusste es, weil er spürte, wie das aufsteigende Blut seine Wangen färbte, während er mit unverlegener Faszination beobachtete, wie ein rosiger Farbton auf Harrys Wangen aufblühte. Er blickte schnell weg, zu beschämt, dass er bei heimlichen Blicken erwischt worden war, als dass ihm wirklich klar geworden wäre, dass Harry zuerst gestarrt hatte.

So verwirrt war Draco, dass es volle vier Sekunden dauerte, bis ihm auffiel, dass der unbestreitbar liebenswerte Anblick des wie eine jungfräuliche Milchmagd errötenden, berühmten Harry Potter eine zweite Welle von Blut in die entgegengesetzte Richtung geschickt hatte. Als Draco schließlich das Engegefühl in seiner Leistengegend als das erkannte, was es war, hätte er beinahe vor Scham den Kopf in seinen Armen vergraben. Er kämpfte verzweifelt mit seiner Robe, so dass sie seinen Schoß bedeckte, während er halb darauf wartete, dass ein grässliches gold- und purpurfarbenes Floß auftauchen und Potter darauf springen und der ganzen Welt verkünden würde, dass er Draco Malfoy in Bereiche von Anziehungskraft gezerrt hatte, über die Draco nicht bereit war - niemals bereit sein würde - nachzudenken.

Verwirrt und beschämt durch den plötzlichen Sturm unbekannter Gefühle, die durch ihn rasten, bemerkte Draco kaum, wie sich McGonagall mit verkniffenem und vor Zorn weißem Gesicht aufrichtete und ankündigte, dass Nott und alle eventuellen Komplizen direkt am nächsten Tag von der Schule verwiesen würden und er hörte auch nicht, als sie erwähnte, es gäbe etwas, über das sie mit ihnen beiden sprechen müsse. Erst als Harry ihn in die Seite stieß, erinnerte er sich wieder, dass er sich immer noch im Büro der Schulleiterin befand.

McGonagall schien Dracos seltsames Benehmen nicht zu bemerken. Sie sah nur Harry an und erklärte: „Ich habe soeben vom Ministerium die Genehmigung für eine Beurlaubung für Sie beide erhalten.“

Das riss Draco schließlich aus seinem benebelten Zustand. „Was?“, fragte er wie vor den Kopf geschlagen. Es war so lange her seit Harry angeboten hatte, ihn nach Askaban zu begleiten, dass er fast die Hoffnung aufgegeben hatte, seine Mutter jemals wieder zu sehen.

„Wann?“, meldete sich Harry neben Draco zu Wort.

„Morgen.“

Draco rechnete im Kopf schnell nach, welches Datum sie hatten. „Ist morgen nicht -“, begann er, aber Harry war schneller.

„Aber Professor, morgen ist Weihnachten!“

„Ja, Potter, das ist mir bewusst, aber das Ministerium hat -“

„Ich habe meinen Freunden versprochen, Weihnachten mit ihnen zu verbringen.“ Harry blieb hartnäckig und seine Aussage hatte etwas Endgültiges an sich.

Wilde, unerwartete Eifersucht wallte in Draco auf und er musste die Zähne zusammenbeißen, um sich davon abzuhalten, die Worte hervorzustoßen, die auf seiner Zunge lagen - dass er gedacht hatte, dass er, Draco, wichtiger sei für Harry als ein weiteres Weihnachten mit seinen erbärmlichen kleinen Gryffindor-Freunden.

McGonagalls Augen blitzten. „In diesem Fall müssen Sie Mr. Malfoy und nicht mir erklären, dass Sie ihr Versprechen zurückziehen.“

„Können - können Sie nicht um eine Verschiebung um ein paar Tage bitten?“ Harrys Stimme klang flehend. „Bitte?“

„Ihr Name kann Ihnen nicht jeden Gefallen verschaffen“, schalt McGonagall, aber in ihrer Stimme lag ein ganz leichter Hauch von Mitgefühl. „Es tut mir leid, aber Datum und Zeit stehen fest.“

Ein scharfer Atemzug war zu hören. Dann fühlte Draco mehr als er sah (da er wieder die Schreibtischkannte anstarrte, als würde er auf der Stelle tot umfallen, wenn er den Blick abwandte), wie Harry sich umwandte und ihn ansah.

„Draco -“

„Nenn mich nicht so“, sagte Draco kalt. In seinem Kiefer zuckte jeder einzelne Muskel von der Anstrengung, ein Knurren zu unterdrücken. „Geh schon. Geh zurück zu deinen -“, er erinnerte sich gerade rechtzeitig, dass er sich immer noch in McGonagalls Büro befand, „Freunden. Es ist mir egal. Es macht mir nichts aus.“

„Alles klar, Malfoy.“ Harry schien verletzt durch Dracos unterkühlte Reaktion. Gut dachte Draco wild. „Aber ich wollte sagen, dass wir gehen und alles fertigmachen sollten, wenn wir gleich morgen früh fort gehen.“


---


Alles Wichtige für den nächsten Tag war schnell geklärt. Draco und Harry würden sich morgens um neun in McGonagalls Büro treffen und einen Portschlüssel zum Zauberergefängnis nehmen. Sie konnten den Tag ohne Wachen des Ministeriums verbringen, waren aber verpflichtet, mit Hilfe eines weiteren Portschlüssels um zwölf Uhr mittags zur Schule zurückzukehren.

„He, was ist los?“, fragte Harry, als sie beide McGonagalls Büro verließen und die Wendeltreppe betraten.

„Nichts“, antwortete Draco, aber seine zittrige Stimme verriet ihn. Oh nein, jetzt kommt es. Jetzt wird Potter mich zur Rede stellen. Er dachte bei sich, dass er genauso gut zuerst etwas sagen konnte „Also, Potter“, sagte er schwach, „das bedeutet gar nichts. Ich wollte nicht - ich kann nicht - ich bin einfach nicht -“

„Ähm, Malfoy, was zum Teufel, ist los?“, wollte Harry wissen. Er legte eine Hand auf Dracos Arm und Draco zuckte so heftig zurück, dass er gegen das Geländer der sich bewegenden Treppe stieß.

„Nicht“, sagte er scharf. Er hatte keine Ahnung, wann sich die Dinge verändert hatten, aber plötzlich war Harrys Berührung, als lecke eine Flamme an seiner Haut und es entsetzte ihn auf eine seltsame, unerklärliche Weise. Nicht, dass, was immer ihn mit Harry verband, nicht ohnehin schon seltsam und unerklärlich war, aber dies hier war anders… dies war physisch, dies war fassbar, dies war da und Beweis genug, dass Dracos Verzweiflung seine und Harrys vorsichtige Partnerschaft in etwas tieferes und gefährlicheres verwandelt hatte.

Harry verließ die Treppe, drehte sich zu Draco um, verschränkte die Arme und blockierte auf diese Weise effektiv den Ausgang. „Schau, Malfoy“, sagte er ärgerlich, „Ich verzichte auf eine Menge, um das für dich zu tun. Verdammt, ich habe bisher für dich selbstsüchtigen Arsch auf mehr verzichtet, als ich jemals sollte. Das mindeste, was du tun könntest, wäre mir zu sagen, wieso du plötzlich so nervös bist.“

Draco seufzte, als er auf den Flur hinaustrat und zögernd in Harrys Augen blickte. Normalerweise würde sein eigenes Temperament begeistert mit ihm durchgehen bei der Aussicht darauf, mit Harry zu streiten, aber alles, was er im Augenblick fühlte, war eine so tiefe Verwirrung, dass er nicht einmal ein paar Funken Entrüstung aufbrachte. „Vergiss es“, murmelte er.

„Dann sei zumindest ein bisschen höflicher, ich habe nämlich immer noch die Möglichkeit, zu McGonagall zu gehen und mein Angebot zurückzuziehen“, schnappte Harry, bevor er auf dem Absatz kehrt machte und durch die Öffnung verschwand, die sich in der Wand aufgetan hatte.

Dracos hochmütige Worte kamen ihm wieder in den Sinn. Ich schulde dir mein Leben, nicht Höflichkeit. Er öffnete den Mund, um sie Harry hinterherzufauchen, aber sie erstarben auf seiner Zunge.

Stumm folgte Draco Harry in den Korridor, während er sich innerlich krümmte und durch das Wissen niedergedrückt wurde, dass - Merlin helfe ihm - Harry seine Selbstkontrolle schließlich zerstört hatte.


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