
von Ginny_93
Nach einer kalten Dusche und fielen Nachdenkens wurde Hermine allmählich die Bedeutung ihres Traumes klar. Wer immer sie auch bei ihrem Sturz festgehalten hatte – dies war die Person, die sie auch aus dem ganzen Chaos befreien würde. Und sie war sich recht sicher, dass es entweder Ron oder Draco gewesen sein musste. Sie liebte Draco wirklich – und doch hielt sie irgendetwas an Ron fest. Sie brauchte Abstand, von beiden. Doch bevor sie irgendetwas anderes tat, wollte sie erst einmal mit Ginny sprechen. So zog sie sich schnell Straßentauglich an, griff den Schlüssel, schloss die Tür, schritt auf die Straße und apparierte in einer Seitenstraße.
Sie lief die Treppen schnellen Schrittes hinauf. Die Tür war schon offen. Dort stand Harry, der schon auf Hermine wartete. „Hey, Mine. Wie geht’s dir?“ „Hallo Harry“ sie umarmte ihn zur Begrüßung und trat in die Wohnung. „Mir geht’s nicht so sonderlich gut, und dir?“ „Na ja, wie es einem werdenden Vater so geht“, grinste Harry. Also hatte Ginny es ihm tatsächlich schon gesagt. Hermine bekam ein schlechtes Gewissen. Sie war so mit sich selbst beschäftigt gewesen, dass sie ganz vergessen hatte, dass Ginny Harry hatte sagen wollen, dass sie schwanger war. Sie musste mit Ginny nachher dringend darüber sprechen und sich entschuldigen. „Setz dich doch. Ginny ist grade noch beim Arzt, sie dürfte aber gleich wieder hier sein. Normalerweise dürfte ein Arztbesuch nicht drei Stunden dauern. Aber bei Ginny weiß man ja nie, ob sie nicht doch noch in einen Laden geht oder jemanden von früher trifft.“ Harry schüttelte den Kopf. Hermine musste grinsen. Ja, so war Ginny. Hermine setzte sich aufs Sofa. „Ich hab von dem Gespräch zwischen dir und Ron gestern gehört. Wurde Draco wirklich geschlagen?“ fragte Harry Hermine. Sie nickte. „Ja, er kam erst Stunden nachdem ich aufgewacht war und sah ziemlich mitgenommen aus. Er hat Ron sofort beschuldigt. Ich wollte das klarstellen.“ Hermine sah auf den Boden. „Er hat dich durcheinander gebracht, nicht?“, fragte Harry mitleidig. Hermine konnte nur nicken. Ihr kamen die Tränen. „Es war alles so schön mit Draco. Ich konnte Ron tatsächlich vergessen. Der Streit war scheiße, okay, aber ansonsten. Wir haben auch so einen schönen Abend zusammen verbracht.“ Harry grinste. Er hatte eine leise Ahnung, was die beiden gemacht haben könnten. „Und dann dieser ganze Kack. Musste er mir das gestern so auf die Nase binden? Und mir diesen blöden, blöden Ring geben? Es ist schon schwer genug, ihn zu vergessen, aber jetzt Träume ich auch noch Dinge, die ich nicht träumen will.“ Harry guckte leicht verdutzt. „Was für ein Traum“ fragte er nach. Hermine erzählte ihm von ihrem Traum. „Und deswegen glaube ich, dass es für mich an der Zeit ist, von beiden ein bisschen Abstand zu gewinnen. Ich muss mir erst mal über alles klar werden. Ich glaube nur, dass Draco dann meinen wird, ich würde Ron immer noch lieben, was ja so nicht stimmt. Ich glaube nur, dass ich zu früh etwas mit Draco angefangen habe. Ich denke, ich hätte noch mehr Zeit gebracht. Und ich glaube, diese Zeit sollte ich mir jetzt nehmen“, schloss Hermine. Harry nickte. „Ich glaube auch. Wenn du die Zeit brauchst, solltest du sie dir nehmen. Sonst wäre es vielleicht tatsächlich unfair, euch allen drein gegenüber“, sagte eine Stimme von der Tür. „Ginny!“, sagte Hermine. „Jaa, tut mir leid, ich musste einfach zuhören“, scherzte Ginny. Harry stand auf und begrüßte Ginny mit einem kurzen Kuss. „Ich glaube, ich lass euch jetzt mal darüber tratschen, da hör ich dann lieber nicht zu. Ist bestimmt auch eher nicht für meine Ohren bestimmt“, grinste Harry. „Mine, du weißt, ich hör dir immer zu, wenn du was brauchst, dann sag es ruhig. Aber ich glaube, wenn du die Wahl zwischen Ginny und mir hast, bin ich wohl arm dran.“ Er umarmte Hermine noch einmal. „Ich muss auch los, hab ein Treffen mit Kingsley. Er wollte mit mir noch mal was besprechen. Na ja, wir sehen uns dann. Und, Mine, keine Sorge, Draco und Ron werden schon warten können. Auf dich auf jeden Fall. Und nur damit du’s weißt... Ron meint das alles wahrscheinlich tatsächlich ernst. Er redet ständig nur von dir. Kann einem schon fast auf die Nerven gehen. Aber obwohl ich Draco früher echt nicht ausstehen konnte... Was man so mitbekommt, liebt er dich auch wirklich. Jetzt musst du dich dafür entscheiden, was für dich am besten ist, okay?“ Mit diesem Satz verließ Harry dann die Wohnung. „Hey“ sagte Ginny zu Hermine und setzte sich ihr gegenüber, dort, wo Harry eben noch gesessen hatte. „Hey! Du Ginny, ich muss mich bei dir entschuldigen“, fing Hermine an. „Was? Wofür denn?“, fragte Ginny verwirrt. „Ich hab vollkommen vergessen, dass du Harry doch sagen wolltest, dass ihr Eltern werdet. Was ist denn nun alles passiert? Ich war so mit mir selbst beschäftigt, hab das voll vergessen“, gab Hermine peinlich berührt zu. Ginny jedoch grinste. „Macht doch nichts. Ich hab’s ihm gesagt, ja. Er war sichtlich überrascht. Hat sich aber total gefreut. Hat mich gleich in die Arme genommen, mich geküsst und mir gesagt, dass er mich über alles liebt. Seitdem ist er noch netter und liebevoller zu mir, wenn das überhaupt geht.“ Ginny hatte einen sehr glasigen Blick bekommen und sah so verliebt aus, dass Hermine einfach nur grinsen konnte. „Das freut mich sehr für euch“, sagte Hermine. Ginny lächelte sie lieb an. „Du, ich hab das ganze Gespräch mit gehört. Ich hoffe, du bist nicht böse. Aber ich dachte mir, du erzählst es mir so oder so, da erspar ich dir lieber die Qual des doppelten.“ Hermine lächelte. „Danke Ginny. Macht auch nichts, ich bin eh eigentlich hier, um mit dir darüber zu sprechen. Aber da nun Harry hier war...“ „Ja... Aber ich bin Harrys und deiner Meinung. Du solltest dir Zeit für dich nehmen. Das ist am sinnvollsten für euch alle drei“, sagte Ginny. Hermine nickte nur stumm. „Möchtest du mit mir was essen gehen? Ich hab so großen Hunger“, sagte Hermine. Ginny nickte erfreut. „Klar, dann könnten wir ja danach auch noch n Kaffee trinken oder so. Wollen wir dazu dann wieder in dieses eine Café, wo wir schon mal waren?“, fragte sie Hermine. Nun war es an Hermine zu nicken. „Okay, dann lass uns los.“
Nach einem sehr deftigen Essen und vielen Gesprächen saßen die beiden dann endlich im coffee'n'cake und aßen gemeinsam einen Kuchen. „Hast du dich eigentlich schon bei Draco gemeldet, seit du gestern gegangen bist?“, fragte Ginny. Hermine schüttelte betrübt den Kopf. „Er wird bestimmt sagen, ich hätte sonst was mit Ron getan. Und was er sich da zusammen denkt, will ich gar nicht so genau wissen“, meinte sie. Ginny strich ihr tröstend über die Schulter. „Man, es tut mir so leid, mein Bruder hat mal wieder bewiesen, dass er absolut nicht dazu fähig ist, Gefühle richtig einzuschätzen. Und Timing hat er erst recht nicht“, endete Ginny. Hermine musste lächeln. Nein, Ron hatte tatsächlich kein Timing. „Meinst du ich sollte heute noch bei Draco vorbei schauen?“, fragte Hermine Ginny. Diese schüttelte den Kopf. „Nein, ich denke du solltest dir zumindest diesen Abend noch nehmen. Es ist zwar ihm gegenüber nicht so sonderlich nett, aber bevor du noch einen Fehler machst, der dir hinterher leid tut, solltest du dir tatsächlich noch ein wenig Bedenkzeit nehmen“, sagte Ginny. Hermine nickte nachdenklich den Kopf. Draco machte sich sicherlich Sorgen, was seine Freundin gerade trieb. Doch im Moment war ihr das eigentlich auch ein wenig egal. Sie wollte noch ein bisschen mit Ginny hier quatschen und danach schlafen, um dann morgen mit ihm sprechen zu können.
So verging noch eine Stunde, bis Hermine und Ginny sich voneinander verabschiedeten und jeweils zu sich nach Hause gingen. Hermine jedoch apparierte nicht. Sie wollte noch nicht nach Hause. Alleine dort sein. An Draco denken und ein schlechtes Gewissen haben müssen. An Ron denken, schon allein weil er auch einmal mit ihr in dieser Wohnung gelebt hatte. Deswegen ging sie zu Fuß und lies sich ein wenig Zeit. Es war schon dunkel, als sie zu Hause ankam. Sie schloss die Tür zum Treppenhaus auf und ging die Treppen rauf. Und auf einmal saß dort eine Person auf den Treppen vor ihrer Haustür. ‚Oh bitte’, dachte Hermine, ‚lass das jetzt nicht Draco oder Ron sein.’ Doch ihre Bitte wurde ihr nicht erfüllt. „Hallo, Hermine. Wo warst du denn die Nacht und den ganzen Tag über?“
Hoffe, es hat euch gefallen :) Kommis?? :D:D
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