
von cherry blossom
Ein letzer Tanz
Der Wind wehte durch mein Haar. Mein türkisfarbenes Kleid,welches sich an meine Haut schmiegte, wurde aufgewirbelt und strich mir wild um meine Beine. Es schien zu tanzen. Tanzen. Das hätte ich an jenem Abend auch am Liebsten getan, doch so weit war es gar nicht mehr gekommen. Ich starrte in die Ferne, über den See, hinüber zum Verbotenen Wald und weiter zu Hagrids Hütte, dieser hatte heute Abend wenigstens seinen Spaß gehabt. Ich lächelte, aber es verschwand genauso schnell, wie es gekommen war.
Ich trat einen Schritt nach vorne, unter meinen Ballschuhen zerbarsten kleine Tannenzweige, die während der Herbststürme hinab gefallen waren. Trotz der Kälte zog ich meine Schuhe aus, meine Füße schmerzten. Möglichst leise versuchte ich voran zukommen, doch unter mir raschelten die Blätter. Am Tage hatten diese die tollsten Farben. Die Töne gingen von einem schönen hellgelb ,über braun und rot bis ins Lila. Jetzt waren sie nur dunkle Schatten, die durch den Wind laut raschelten und hin und her wehten. Ich kämpfte mich zu einem kleinen Felsen vor, der direkt am Seeufer stand und setzte mich auf ihn. Vorsichtig ließ ich die nackten Füße in das Wasser tauchen. Es war kalt. Erschrocken zog ich sie schnell wieder hinaus, doch wagte es erneut, diesmal nur langsamer. Es schien zu wirken. Das kühle Nass tat meinen wehen Füßen gut und ich genoss es. Ich zog meine Knie an den Oberkörper und legte meinen Kopf darauf. Jener Abend strich an mir vorbei, wie ein Film es sonst tat. Er hatte so schön begonnen, so vielversprechend.
Stolz war ich die steinernen Stufen zur Großen Halle hinunter gelaufen. Unten wartete er bereits auf mich, strahlte mich glücklich an. Ich tat es ihm gleich. Er nahm mich in Empfang und führte mich gentlemanhaft in die Halle. Von allen Seiten kassierte ich neidische Blicke. Selten hatte ich mich so wohl gefühlt. Immer mehr Schülerinnen und Schüler kamen hinein und grüßten mich, bestaunten mein Kleid, welches ich extra in London gekauft hatte und unterhielten sich mit uns.
Als es schließlich an den ersten Tanz gehen sollte, pochte es laut an der großen Eingangstür. Davor stand unser ehemalige Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Remus Lupin, und erzählte mit Entsetzen, dass Werwölfe und Riesen auf dem Weg nach Hogwarts seien. Panik brauch aus, alle Schüler wirbelten durcheinander und schrien um sich.
Er hatte mich mit seinen unglaublich schönen Augen angesehen und mir gesagt, ich solle fliehen. Fliehen, mich retten, leben. Ich wollte ihn nicht allein lassen, bei ihm bleiben und ihm helfen. Doch er wollte es nicht, flehte mich an, mich in Sicherheit zu bringen. Er würde es nicht ertragen, wenn mir etwas zustoßen würde. Mit Tränen erfüllten Augen sah ich ihn an. Schluckte schwer, als er mir eine Träne von meiner Wange wischte und mein Gesicht in seine Hände nahm. Nochmals sah er mich mit seinen Augen an, die voller Sorge waren. Langsam und vorsichtig kam sein Gesicht dem meinem immer näher, bis sich unsere Lippen schließlich berührten. Es war ein Kuss voller Hingabe und Zuneigung. Aber auch Angst und Verzweiflung war zu spüren. Angst, uns nie mehr wieder zu sehen.
Er ließ mein Gesicht los und ging. Er drehte sich noch einmal um. „Ich liebe dich. Für immer.“, waren seine letzten Worte gewesen, ehe er in den Korridoren verschwunden war. Nicht fähig zu sprechen,zu denken,geschweige überhaupt zu atmen, ging ich träumend zu einem der Kamine, in denen die Schüler nacheinander verschwanden und stellte mich davor. Eine besorgniserregte McGonagall huschte um uns Schüler, um uns ja alle in Sicherheit zu wissen. Ich nahm sie kaum war, war mit meinen Gedanken bei jemand anderem. Bei jemandem, wie ich nun wusste, unendlich liebte. Schon seit langer Zeit, doch war es mir nie wirklich bewusst geworden oder ich wollte es nicht glauben. Nur spärlich nahm ich die kurze Wärme wahr, die mich durchströmte, während ich aus dem Schloss gebracht wurde. Mir wurde komisch, ich wurde bewusstlos und wachte erst wieder im Krankenflügel in Hogwarts auf, Madam Pomfrey stand neben mir und setzte mir einen Zugang. Ich ließ alles über mich ergehen ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken. In Gedanken war ich nur bei ihm. Hoffte, bangte, flehte, dass er noch am Leben war. Vielleicht jeden Moment durch die Tür schreiten und mich umarmen würde. Doch er kam nicht. Niemand. Bis die Tür schließlich aufging und ein paar Lehrer und Schüler einen reglosen Körper hinein hievten. Ich konnte nicht erkennen, wer dort lag und es war mir auch eigentlich egal. Als sich die Leute jedoch in einem Halbkreis aufstellten und ich freie Sicht auf den Körper hatte, der da so reglos lag, durchfuhr mich ein stechender Schmerz. Ein Schmerz, wie ich ihn zuvor noch nie erlebt hatte. Es fühlte sich so an, als ob mein Herz gerade in Zwei gerissen wurde, aus meiner Brust gezogen und weggeworfen wurde. Ich sprang von meinem Bett, riss die völlig überflüssige Infusion mit und schleppte mich zu ihm,zu ihm, den ich so unendlich liebte. Er lag dort. Leblos. Kein Herzschlag, keinen Atemzug tat er mehr. Ich fing an zu schreien, auf ihn einzuhämmern und schließlich verschwamm alles vor meinen Augen und ich wurde wieder bewusstlos.
„Komm zu mir zurück.“, ich schrie in den Himmel, krallte meine Hände in den Stein, auf dem ich saß und weinte Tränen, die ich bislang zurückgehalten hatte und nun auf den Boden und mein Kleid tropften. „Bitte komm zurück.“, flehte ich abermals, doch nichts passierte. Ich fing wieder an zu schreien. „Du kannst mich nicht allein zurücklassen. Das kannst du nicht...“. Mir versagte die Stimme, blieb in meinem Halse stecken. Jemand packte mich hinten an den Schultern. Ich wandte mich um und sah mit meinen verheulten Augen in die seines Bruders. Er drehte mich herum und schloss mich in seine Arme und hielt mich fest. „Er soll wieder kommen. Wieder kommen.“ „Ich weiß. Es ist schwer, für uns alle.“ An seiner Stimme hörte ich, dass auch er den Tränen nahe war, sie jedoch zurück hielt, um mich zu stärken. Doch schaffte er es nicht, ich spürte eine seiner Tränen auf meine Schulter tropfen. Ich krallte nun meine Hände-wie zuvor in den Stein- in seinen Pullover. „Bitte George,mach, dass Fred wieder kommt. Ich kann ohne ihn nicht leben.“
George sagte nichts, sondern hielt mich nur fest in seinen Armen. Es konnte meine Wunden, die tief im Innersten meines Herzens saßen, nicht heilen, doch gab es mir unheimlich viel Kraft, die schwere Zeit durchzustehen.
„Er wird dich immer lieben, Angelina. Immer.“
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