
von goldenangel
Kapitel 1 – Ein neues Gesicht
“Willkommen! Willkommen zu einem weiteren Jahr in Hogwarts! Ich habe einige Dinge zu verkünden bevor wir zu gesättigt sind durch unser exzellentes Festessen...“, der Schulleiter von der Schule für Zauberer und Hexen sprach mit einem freudigen Funkeln weiter, während die Schüler neugierig die zwei neuen Gesichter am Lehrertisch begutachteten.
Harry, Ron und Hermine kannte Professor Lupin bereits, doch die andere Lehrkraft war ihnen ebenso unbekannt, wie allen anderen Schülern auch. Dennoch hatte Harry ein Gefühl in der Magengegend, dass er diese Frau mit den rotblonden Haaren schon einmal irgendwo gesehen hatte. Er schob das Gefühl beiseite und dachte, dass es vielleicht in der Winkelgasse gewesen sein mochte, auch wenn er sich überhaupt nicht sicher war.
Mittlerweile kam Dumbledore dazu die beiden neuen Lehrer vorzustellen. Harry und wohl auch viele andere Schüler lauschten nun wieder aufmerksam den Worten des weißbärtigen alten Zauberers.
„... Zuerst möchte ich mit Freude unsere beiden neuen Professoren willkommen heißen. Professor R.J. Lupin, welcher den Posten des Lehrers in Verteidigung gegen die dunklen Künste einnimmt. Außerdem Professor Rommy Evans, welche die ersten drei Jahrgänge in Zaubertränke unterrichten wird und...“, ein erstauntes Raunen ging durch die Menge der Schüler und als Harry einen Blick auf den eigentlichen Lehrer für Zaubertränke warf, sah er, dass Professor Snape eindeutig nicht angetan davon war, sich sein Fach mit jemand anderen „teilen“ zu müssen.
Doch dies war Potter ziemlich gleichgültig, denn was ihn wahrlich beschäftige war der Nachname der Professorin. Evans, Evans., dachte der junge mit der Narbe auf der Stirn. Irgendwo hatte er diesen Namen schon einmal gehört bzw. gelesen, doch er konnte sich nicht daran erinnern, so sehr er auch in seinem Gedächtnis kramte.
„Ruhe... Ruhe.“, rief Albus Dumbledore seine Schüler zur Ordnung, zwar mit einer sanften, aber dennoch mahnenden Stimme. Sofort war es wieder still in der Großen Halle und auch Harry konzentrierte sich wieder auf die Worte des Schulleiters. „Wie ich schon sagte, sie wird sich ab jetzt dieses Fach mit Professor Snape teilen und dies hat einen bestimmten Grund.“ Kurz hielt Dumbledore inne. Bevor er weitersprach, sah er über den Rand seiner halbmondförmigen Brille und ließ seinen Blick durch die Reihen der Schüler schweifen.
„Das Ministerium ist an Professor Snape herangetreten um ihn zu bitten an einem Projekt zu arbeiten, welches sich mit seinen Fachbereich – die Kunst der Zaubertränke – befasst. Damit ihm dafür mehr Zeit dafür zur Verfügung steht, wird zum einen Professor Evans einen Teil seiner Klassen übernehmen und zum anderen wird sie ihn bei der Arbeit unterstützen. – So... ich denke wir wünschen an dieser Stelle allen drei Professoren viel Glück in ihrem neuen Aufgabenbereich.“, er klatschte in die Hände, worauf es ihm die gesamte Halle gleich tat. Anschließend begann das herrliche Festessen.
Als Professor Dumbledore sich an den Lehrertisch gesetzt hatte beugte er sich zu Evans hinüber, welche zwei Plätze links von ihm saß; rechts neben ihr befand sich Lupin und links von ihr Snape.
„Ich hoffe Sie finden sich hier zu Recht meine Liebe, ich habe gehört die Schulen in Amerika sollen bei weitem moderner sein als Hogwarts.“, er schenkte ihr ein Lächeln welches Rommy ebenso erwiderte und ihre blauen Augen strahlten den alten Mann dabei an, sodass es einem warm ums Herz wurde.
„Oh ich hatte schon immer einen Faible für Dinge, die nicht so modern waren. Außerdem ist es schön in der Heimat meiner Vorfahren zu sein. Wie es scheint, habe ich in Professor Lupin jemanden gefunden, der ebenso neu ist wie ich. Somit habe/hätte ich schon mal einen Anschlusspunkt gefunden.“, die rotblonde junge Frau sah ihren rechten Sitzpartner an, welcher ihr flüchtig entgegen lächelte ehe er antwortete.
„Ich würde mich freuen.“, antwortete er leise und mit warmer Stimme.
„Schön, sehr schön.“, gab Albus von sich und lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück, um sich Minerva zu widmen, welche an seiner rechten Seite saß.
Eine Weile aßen alle stillschweigend, dann wand sich Rommy Snape zu. „Sagen Sie Professor, wäre es möglich mir ihre Unterlagen für die ersten drei Jahrgänge zur Verfügung zu stellen und eventuell auch in den nächsten Tagen eine kurze Zusammenfassung zu geben, wie weit die jeweiligen Jahrgänge mit ihrem Wissensstand sind?“
Snape reagierte zuerst gar nicht und die Professorin glaubte schon, er hatte sie bei all dem Lärm, der während des Essen herrschte, nicht gehört, doch dann richtete sich der Lehrer für Zaubertränke auf, lehnte sich etwas zurück und warf der wesentlich jüngeren Frau einen abschätzenden Blick zu. Als er antwortete, klang seine Stimme ölig und herablassend, so als würde er mit einem Schüler sprechen und nicht mit einer gleichberechtigten Lehrkraft.
„Ich hatte bei meinen Anfängen in Hogwarts auch keine Hilfe, ich denke Sie werden dass schon schaffen, immerhin sind sie ein Koryphäe in den Vereinigten Staaten.“ Das Wort Koryphäe sprach er mit einem spöttelnden Ton aus, der keinen Zweifel daran lies, dass er kaum glaubte, dass sie den Fähigkeiten gerecht wurde, die das Projekt verlangte, an welchem beide zu arbeiten hatten. Daraufhin beugte er sich wieder zum Tisch um weiter zu essen. Er beachtete nicht ihre Reaktion, ebenso wenig wie das leise und beschwichtigende „Severus“ von Lupin, welcher nicht umhin gekommen war, die laute Tonstärke des schwarzhaarigen Tränkemeisters zu überhören.
Hätte sich vielleicht jeder andere von Snape abgewandt und es fürs erste dabei belassen oder ihn gleich in eine Schublade gesteckt, so war dies bei Rommy nicht der Fall gewesen. Sie hatte noch nie etwas oder jemanden leicht aufgegeben, wenn sie ihn das erste Mal traf in und steckte erst recht niemanden in eine Schublade. Nein so war sie ganz und gar nicht und deshalb schenkte sie Snape eins ihrer bezaubernden Lächeln, welches er trotz seiner Haare, die links uns rechts vor sein Gesicht hingen, da er über den Tisch gebeugt war, deutlich spürte und es irritierte ihn auf eine Weise, die er nicht zu deuten wusste, oder vielleicht doch...
Es war lästig und er wollte sich schon erneut aufrichten, um ihr etwas entgegen zu schmettern, damit sie wusste, mit wem sie es zu tun hatte. Außerdem wollt er, dass man ihn, wie jeden anderen vernünftigen Menschen auch, in Frieden lies. Doch da begann sie schon erneut mit ihrer warmen und samtigen Stimme, welche fast dem Schnurren einer Katze glich, zu sprechen.
„Haben Sie sich schon überlegt, wann wir mit unserer Arbeit beginnen wollen? Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten. Ihr Ruf eilt Ihnen selbst in den USA voraus.“ Ein Lächeln, dass ehrlicher nicht hätte sein können, zierte ihr Gesicht, als Severus sich erneut wieder aufrichtete und sie anblickte. Dennoch hielt er dieses Lächeln für falsch und gestellt. Es war höchstens ein Zeichen von Höflichkeit, aber bestimmt nicht ehrlich. Niemand lächelte ihn so an oder redete in so einem Tonfall mit ihm, der so vor Nettigkeit triefte.
Distanzierte Höflichkeit, dass war es, was Severus Snape gewohnt war und auch dass, was er von den Leuten – wenn sie ihn schon belästigen mussten – wollte, nicht mehr und nicht weniger. Und dieses Weib erdreistete es sich, sich einen Spaß daraus zu machen, so ausgesprochen nett und reizend zu ihm zu sein. Der letzte Mensch, der so zu ihm gewesen war – abgesehen von Dumbledore – war SIE gewesen, seine ehemalige Liebe... Lilly Potter, die Frau seines ärgsten Widersachers zu Schulzeiten. Doch dies war Vergangenheit, er mochte nicht daran denken. Seine Liebe war verloren und somit nicht Wert sich damit abzuquälen.
„Miss Evans,“, sprach er ihren Namen mit einer Bissigkeit aus, vor der eigentlich jeder zusammengezuckt wäre, doch die Frau zuckte nicht einmal mit der Wimper und für Sekunden war Snape aus dem Konzept gebracht. Ehe er weiter sprach, blinzelte er fast ungläubig. „Auch wenn das Ministerium und ebenso Professor Dumbledore unsere Zusammenarbeit wünschen, so ziehe ich es doch vor, alleine zu arbeiten. Sie können gerne mein Labor nutzen, WENN ich es Ihnen zur Verfügung stelle. Jedoch werden wir unsere jeweiligen Arbeiten separat dem Ministerium vorlegen.“ Kurz und knapp und mit einem entsprechenden Blick, der so eisig war, wie er es nur sein konnte, machte er Rommy deutlich, dass er keinen Wert darauf legte, in irgendeiner Weise etwas mit ihr zu tun haben zu wollen.
Nun huschte jedoch ein Schatten über das Gesicht der jungen Hexe. Es verletzte sie doch, dass er glaubte, sie wäre nicht kompetent genug, nur weil sie noch nicht so viele Jahrzehnte Erfahrung hatte wie er.
Doch, sie hatte viel Erfahrung, was redete sie sich da auf einmal ein?
Sie mochte vielleicht erst einige Jahre mit der Schule fertig sein, auch wenn dies nur die Grundausbildung gewesen war. Zuerst hatte sie eine Ausbildung zur Aurorin absolviert, was bei ihrem glänzenden Noten nicht sonderlich schwer war, danach lockte sie ein Gebiet, welches ihr schon immer sehr gut gelegen hatte... Zaubertränke. Somit ging sie als Assistentin in die Forschungsabteilung des Ministeriums der Vereinigten Staaten und schloss – nach wesentlich kürzerer Zeit als andere Assistenten – mit Summa cum Laude ihr Studium der Zaubertränke ab. Sie schrieb zwei bahnbrechende Arbeiten in diesem Fachgebiet und trotz ihres jungen Altes von 25 Jahren galt sie in den Vereinigten Staaten tatsächlich zu einer Reihe von Zauberern, die man – wie Snape es genannt hatte – durchaus als Koryphäen bezeichnen konnte. Umso mehr war sie nun schon fast beleidigt, als er ihr offenbar ihr Wissen absprach. Sie war eine der jüngsten Hexen überhaupt mit einem Doktorgrad und der damit einhergehenden Erfahrung beziehungsweise Wissen.
„Schön.“, sagte sie und ihre Stimme klang plötzlich so kühl und schneidend, dass sogar Lupin, rechts neben ihr, von seinem Essen kurz hochsah.
„In Zukunft ist es mir egal was SIE tun.“, Rommy hob eine Augenbraue ehe sie fortfuhr.
„Ich kann an diesem Projekt ebenso alleine arbeiten, doch bezweifle ich, dass es im Sinne des Ministeriums oder Professor Dumbledores ist. Aber wenn Sie meinen... Severus.“, sie erhob und verabschiedete sich von den Lehrern mit der Ausrede, sie müsse noch zu Ende auspacken und lies einen wie vom Donner gerührten Snape am Tisch zurück.
Die Art wie sie seinen Namen ausgesprochen hatte samt den wütenden vernichteten Blick, sowie die Art und Weise, wie sie ihr Haar über die Schultern warf als sie sich zur Seitentür begab, erinnerte ihn an eine bestimmte Stimme, an ein bestimmtes Augenpaar, überhaupt erinnerte ihn das an eine bestimmte Person, welche Snapes Sinne bis aufs äußerste spannte. Allein Lily war dazu in der Lage seinen Vornamen so auszusprechen, wenn sie wütend auf ihn war.
Und die Art, wie Evans ihr Haar zurückgeworfen hatte und der Blick, welchem sie ihm noch zuteil werden hatte lassen... Evans! Aber natürlich. Wie dumm war er gewesen, dass er es nicht sofort bemerkt hatte. Beim Barte des Merlin… sie trug denselben Familiennamen wie Lily vor ihrer Heirat mit diesem Potter. War sie am Ende mit Lily verwandt? Soweit er wusste, hatte Lily nur eine Schwester gehabt… und diese hatte keine Tochter, aber vielleicht gab es eine Cousine oder einen Cousin von der er nichts wusste?
Plötzlich und ohne es zu merken, hatte diese Frau mit den rotblonden Haaren, die so stark an Lilys erinnerten, ihn mit seinen Gedanken gefangen genommen. Ohne, dass er es wirklich kontrollieren konnte, war Severus Snape aufgestanden und folgte Evans durch die Seitentüre. Er bemerkte nicht den verwunderten Blick, welcher ihm sowohl von einigen Lehrern als auch Schülern nachgeworfen wurde.
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Rommy war bereits am Ende der Treppe, welche in die Keller führte, als Snape von oben nach ihr rief: „Professor Evans!“
Sein Ruf klang nicht sehr freundlich und einladend, jedoch auch nicht befehlend, sondern eher wie eine Aufforderung zu Warten. Es klang fast schon wie eine Bitte, doch dafür war seine Stimme zu laut und zu harsch. Dennoch hielt Evans am Fuß der Treppe inne und hörte die Schritte hinter sich schnell die Stufen nach unten laufen. Ihre linke Hand lag an dem steinernen Treppengeländer und erst als sie sich über die rechte Schulter hinweg zu dem Professor umdrehte, lies sie die Hand davon heruntergleiten.
„Haben Sie noch etwas vergessen um mir meine Unfähigkeit klar zu machen?“, fuhr sie ihn bissig an und versuchte erst gar nicht ihre Stimme einen ruhigen oder gar freundlichen Klang zu geben.
Ihr war nicht klar, warum er sich ihr gegenüber so verhielt. Sie kannte ihn nicht und er sie ebenso wenig, also warum unterstellte er ihr einfach, dass sie kein Talent hatte, dass sie ihm nicht ebenbürtig war? Sie war ihm doch auch frei von allem was sie bereits im Vorfeld über ihn gehört hatte begegnet, wollte sich ihre eigene Meinung bilden und selbst jetzt, nachdem er so herablassend zu ihr gewesen war, glaubte sie nicht daran, dass er ein Grundweg schlechter Mensch war.
Snape hob eine Augenbraue bei den Worten, die aus dem Munde der jungen Professorin kamen und bemühte er sich um eine ruhige und – wie er hoffte – neutrale Stimme, um eine aufkeimende Diskussion zu unterbinden.
„Wenn mein Ruf mir voraus eilt, selbst bis zu Ihnen nach Amerika, so wundert es mich offen gestanden ein wenig, dass Ihnen nicht auch zugetragen wurde, welcher Art von Mensch ich bin. Und ich versichere Ihnen, ich bin keiner der angenehmen Sorte.“
Es war keine Entschuldigung und dies war es eigentlich, was Rommy erwartet hatte. Dennoch klang seine Stimme rauchig und fast schon samtig, so dass ein Teil ihrer Aufgebrachtheit verrauchte und ihre Stimme nur noch ein wenig wütend und leicht zittrig klang.
„Mir ist dies durchaus klar Professor.“, antwortete ihm die rotblonde Frau.
„Ich jedoch bilde mir IMMER selbst eine Meinung über die Menschen und ich lasse mich nicht von anderer Leute Meinung über eine Person nicht beeinflussen.“, fuhr sie unbekümmert fort.
Für eine Sekunde verzogen sich Severus’ Mundwinkel ein wenig und es hatte den Anschein eines kleinen Lächelns. Doch ehe dieses Lächeln auftrat, war es schon wieder weg und seine Lippen bildeten eine gerade Linie.
„Miss... Professor Evans, ich denke Sie müssen nun doch feststellen, dass es der Wahrheit entspricht was sie gehört...“
„Blödsinn!“, fiel sie ihm ins Wort. Jeder andere, der dies gewagt hätte – sollte einer so mutig sein – den hätte er mit einem Fluch belegt. Auch wenn seine Finger kurz zuckten, so zog er doch nicht seinen Zauberstab, denn ihre folgenden Worte waren weich und warm, fast schon versöhnlich.
„Ich weiß nicht, warum Sie so reagiert haben und offen gesagt ist es mir nicht wichtig. Ich MÖCHTE mit Ihnen zusammenarbeiten Professor, weil es mir eine EHRE ist mit so einem fähigen Zauberer an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Und auch wenn Sie mich nicht dabei haben wollen, so sollten Sie dennoch bedenken, dass ich durchaus eine Hilfe sein könnte und außerdem...“, ein Schmunzeln trat auf ihr Gesicht. „… sind es drei Klassen von Schülern weniger, die Sie ertragen müssen. Ich habe gehört, Sie sind nicht gerade das, was man wohl einen leidenschaftlichen Lehrer nennt.“
Ihre Worte klangen ehrlich und der Blick, welchen sie ihm schenkte, war ebenfalls ehrlich.
Snape fragte sich, ob sie sich tatsächlich so gut verstellen konnte und diese ganze Nettigkeits-Tour heuchelte. Allerdings musste er sich eines eingestehen: Dass sie mit ihm zusammenarbeiten wollte und es gar als eine Ehre bezeichnete, schmeichelte seinem Ego, wie es schon lange nicht mehr vorgekommen war. Zwar verdrängte er dieses Gefühl, tief hinten in seinem Kopf und wahrte nach außen hin immer noch eine undurchdringliche Miene.
Seine Arme, welche eben noch vor der Brust verschränkt waren, sanken nach unten. „Folgen Sie mir.“, mehr sagte der Lehrer für Zaubertränke nicht und lief den Flur entlang und verschwand in einer Tür.
Rommy starrte ihm irritiert hinter her. Was bedeutet dass denn jetzt?, fragte sie sich kopfschüttelnd. Jedoch folgte sie ihm und betrat das Büro des Professors.
Sie hatte kaum Zeit sich in dem Raum umzusehen, als Snape sie zu sich an den Schreibtisch rief und irgendwie kam sie sich nun doch ein wenig wie eine Schülerin vor. So lange war es nun auch noch nicht her, dass sie die Schulbank gedrückt hatte und bei so einer autoritären Stimme wie der von Severus Snape, fühlte sich bestimmt jeder wie ein kleines Schulkind. Angekommen an seinem Schreibtisch sah Evans ihm unschlüssig dabei zu wie er auf seinem Schreibtisch Unterlagen herumschob, Pergamente anhob und wieder fallen lies.
„Setzen Sie...“, mitten im Satz stockte er, sah kurz auf und stellte mit dem Hochziehen einer Augenbraue fest, dass die blondhaarige Frau bereits Platz genommen hatte. Ein Schüler, der dies gewagt hätte, wäre sofort aus seinem Büro geflogen. „Hier.“, er hielt ihr drei dicke Stapel an Pergamente hin, welche alle in einer ledernen Mappe steckten. Bei dieser Übergabe sah er sie dabei nicht an, sondern sortierte weiter seinen Schreibtisch.
Evans blinzelte irritiert, streckte jedoch die Hand aus und nahm die Unterlagen entgegen. Ihr Arm sackte ein Stück nach unten, da sie die Schwere der vielen Seiten unterschätzt hatte. „Uhm... was ist das?“, fragte sie letztlich, legte die Mappen vor sich auf den Tisch und sah in Snapes Gesicht.
Der langhaarige Mann sah hoch und kurz flackerte der herablassende Blick auf, jedoch folgte kein solcher Kommentar sondern schlicht weg: „Die Unterlagen für die ersten drei Jahrgänge und der Wissensstand des zweiten und dritten Jahrgangs.“ Damit versank er wieder in seiner Arbeit und sortierte weiter seine Papiere.
Nun war Rommy vollends überrumpelt. Wieso gab er ihr nun auf einmal seine Unterlagen? Was hatte diesen Wandel veranlasst? Er war wohl doch nicht so schlimm wie es ihr von allen Seiten verhemmend behauptet worden war.
„Danke, dass ist sehr nett von Ihnen Professor.“, kam es dann aus ihrem Mund und lächelte ihn wiederholt an diesem Abend an.
Dieses Lächeln. Es war fast ein Abbild des Lächelns von Lily.
„Ich möchte Ihnen einen Frage stellen.“, begann er für seine Verhältnisses fast schon zaghaft das Gespräch, auch wenn es für sein Gegenüber nicht so rüber kam, sondern eher einen schneidenden Tonfall hatte.
„Ihr Aussehen und Ihre Art, manche Dingen zu sagen und dann ihr Nachname... sind Sie mit Lily Evans verwandt?“
Für seine Sekunde versteifte sich etwas in Rommy und ihre Augen flackerten, doch dann lächelte sie und schüttelte den Kopf.
„Ich muss Sie enttäuschen Professor Snape, ich bin nicht mit der Ehefrau von James Potter verwandt.“
„Natürlich. Nur...“, begann Severus und die rotblonde Frau nickte.
„Es ist nicht das erste Mal seit ich hier in England bin, dass ich das gefragt werde.“, entgegnete sie.
„Der Name Evans ist nicht ungewöhnlich für England, aber auf Grund der ganzen tragischen Geschichte, vermutet jeder ich wäre eine... Verwandte der Potters.“, es klang für Snapes Geschmack ein wenig zu trocken und dennoch neutral.
Er fragte sich, ob es ihr einfach nur auf die Nerven ging danach gefragt zu werden oder ob mehr dahinter steckte.
„Im November könnten wir mit unserer Arbeit anfangen, wenn es Ihnen an einem Samstag passt .“, schlug er nun vor und erntete einen erstaunten Blick von Evans. Er begegnete ihr mit einem triumphierenden Lächeln, welches allerdings nur Sekunden anhielt.
„Ich denke wir können uns durchaus arrangieren, Professor Evans.“, fügte er mit wieder wesentlich finstererer Miene hinzu.
Rommy lächelte erfreut und nickte. Sie erhob sich und streckte ihre Hand dem Professor entgegen.
„Ich danke Ihnen. Und bitte, nennen Sie mich Rommy. Ich fühle mich so alt, wenn ich mit meinem Nachnamen angesprochen werde.“
Severus sah der Frau ins Gesicht und musterte sie eingehend. Sie besaß feine und weiche Züge, ein schmales aber nicht dünnes Gesicht, volle rosige Lippen, eine kleine und gerade Nase, sowie schöne große blaue Augen mit dichten Wimpern und darüber feinen Augenbrauen. Das blonde Haar mit einem roten Touch wirkte, als stünden ihre Haare in Flammen. Die Hand, welche sie ihm entgegenstreckte, war so zierlich und klein mit feingliedrigen Fingern und perfekt manikürten Nägeln.
Sie wirkte wahrlich nicht wie eine Professorin oder eine Frau, die soviel Intelligenz mit ihren 25 Jahren besaß, dass sie schon jetzt zu einer der besten Hexen ihrer Zeit galt. Es war erstaunlich, dass sie es geschafft hatte sich in so wenigen Jahren so zu entwickeln, sich soviel Wissen anzueignen, wozu er sogar wesentlich mehr Jahre benötigt hatte, auch wenn es wesentlich weniger waren, als es normal der Fall war. Es beeindruckte ihn einerseits und andererseits fühlte er sich durch soviel geballtes Wissen fast ein wenig bedroht. Mit einem inneren Schmunzeln verglich er sie mit der Alleswisserin Granger, die auch ein beachtliches Potential hatte. Sie würde es bestimmt eines Tages auch weit bringen, sollte sie es durch ihre Freundschaft mit Potter erleben. Snape fragte sich, ob Rommy in ihrer Schulzeit auch ständig die Hand gehoben und die perfekt aus dem Lehrbuch stammenden Antworten heruntergerasselt hatte und alles was es an Büchern gab in sich aufgesogen hatte.
Und jetzt sollte er sie beim Vornamen nennen? Nicht, dass es die Lehrerschaft untereinander nicht tat, aber sie war neu und soviel jünger, dass er sich schwer tat, in ihr eine vollwertige Lehrkraft zu sehen, egal was ihre Diplome sagten. Unhöflich zu sein war etwas, was er fast ständig war und dennoch entschied er sich dafür ihr Angebot anzunehmen... vorläufig.
„Severus.“, antwortete er ihr und ergriff fest ihre Hand .
Ein Kribbeln ging urplötzlich von seiner Hand in seinen Arm über. Anschließend übermannte dieses Gefühl seine Schultern und schließlich seinen gesamten Körper. Dieses Gefühl kam von ihrer Hand, die so warm und weich in seiner lag, sich fast schon an ihn schmiegte, sowie ihre Finger, die ein wenig über den Rücken seiner Hand streiften. So vertraut., dachte er verwundert und starrte auf ihre Hände, die noch immer einander hielten. Rommy erging es nicht anders. Seine Hand war groß und kräftig und auch wenn er fest zudrückte, so dass es fast ein wenig schmerzte, so war diese Männerhand doch unglaublich sanft. Es war als könne sie jede Faser in der Hand spüren, jeden Nervenstrang und es war angenehm und ihre Finger verselbstständigten sich, welche über den Handrücken des Zaubertränkelehrers strichen . Dieser Moment dauerte eigentlich nur wenige Sekunden, doch für beide schien er sich gefühlsmäßig sehr viel länger zu halten und es erschien wie Minuten, die vergangen waren, als ihre Hände sich zeitgleich voneinander lösten und sich zurückzogen.
„Danke nochmals.“, lächelte Rommy, griff sich die Unterlagen und drückte sich selbige an die Brust.
„Gute Nacht... Severus.“, damit wand sie sich um und verließ das Büro des Professors.
Severus lies sich in seinen Stuhl zurücksinken und runzelte irritiert die Stirn. Irgendetwas stimmte mit dieser Frau nicht, da war es sich sicher. Es konnte einfach etwas nicht mit ihr stimmen, wenn allein ein Händedruck von ihr so ein seltsames Gefühl in ihm auslöste. Und ihre Reaktion, als er sie gefragt hatte, ob sie mit Lily verwandt sei...
Etwas stimmte mit ihr nicht, da war sich Snape sicher. Die Skepsis wuchs und er überlegte schon, ob sie nicht zu Voldemorts Anhängern gehörten konnte, doch es war eher unwahrscheinlich. Immerhin hatte sie nachweislich ihr gesamtes Leben in den Vereinigten Staaten verbracht, auch wenn sie in England geboren worden war. Schwerfällig erhob sich der dunkelhaarige Mann und begab sich in seine privaten Räume. Schließlich hatte er sich noch mental auf ein schweres Schuljahr mit unzählig nervigen Gören vorzubereiten.
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Heute würden sie zum ersten Mal einen Zaubertrankunterricht haben, der Spaß machte. Kein Severus Snape der sie nur fertig machte und ihnen Punkte abzog. Ja, zum ersten Mal freute sich Harry auf Zaubertränke. Die neue Lehrerin hatte freundlich gewirkt, als sie beim Festessen dort bei den anderen gesessen hatte. Ron war ebenso euphorisch wie Harry, denn er war der Meinung, dass alles besser war als Snape. Hermine war da eher skeptisch, auch wenn sie Snape ebenso wenig mochte wie die anderen. Erstens gab sie zu bedenken, dass sie ihn nur für dieses Schuljahr los waren und zum anderen, dass er durchaus ein fähiger Lehrer war, von dem man viel lernen konnte, wenn man nur aufpasste, was Ron und Harry einfach zu wenig taten.
Sie sah es schon kommen, dass die beiden dieses Jahr noch weniger in Zaubertränke lernen würden als vorher und dies würden sie im nächsten Jahr, wenn sie wieder Professor Snape hatten, bitter bereuen. Hermine war es schließlich, die den beiden aus der Patsche helfen und ihnen Nachhilfe geben musste, weil sie mal wieder nicht mit dem Stoff hinterher kamen.
Nun saßen die drei Freunde im Unterrichtsraum für Zaubertränke. Es waren die letzten beiden Stunden und gleich sollte es eine Doppelstunde Zaubertränke sein.
Wie es schien, waren nicht nur Ron und Harry, sondern auch alle anderen Mitschüler gespannt auf die neue Lehrerin und hofften, dass der Unterricht ebenso erfreulich war, wie der bei Professor Lupin vor einigen Tagen.
Als sich die Tür zum Klassenzimmer öffnete, verstummte das Schwatzen aller Schüler augenblicklich, alleine schon deshalb, weil die Tür sanft geöffnet wurde und nicht mit Karacho aufgeschlagen wurde, wie man es sonst gewöhnt war. Professor Evans betrat den Raum und ein Raunen ging vor allem unter den männlichen Schülern durch die Reihen. Sie trug einen bodenlangen beerenfarbigen Rock mit einer weißen Bluse kombiniert und darüber eine dünne Jacke, ebenfalls beerenfarben. Ihr Umhang schien schwarz doch sobald Licht darauf fiel, schien er ebenfalls in verschiedenen Lilatönen zu schimmern. Ihre Haare hatte sie locker zu einem Zopf geflochten und die Art und Weise wie sie sich langsam durch den Raum bewegte, mit einer Grazie und Eleganz, lies nicht vermuten, dass es sich um eine Lehrerin handelte.
„Hallo zusammen. Ich hoffe nach dem anstrengenden Tag könnt ihr noch ein wenig Konzentration für mich aufbringen.“, sie lächelte in die Runde und kicherte innerlich, als sie die Ausdrücke auf den Gesichtern der Jungs sah. Vielleicht hätte sie doch nicht ganz so freundlich sein sollen, denn die ganze Woche wurde sie schon von den Jungen der Schule mit solchen Blicken angesehen, als sei sie ein wahr gewordener Traum.
„Ich bin Professor Evans und werde euch in diesem Jahr in die Kunst der Zaubertränke einweisen.“ Ihren Zauberstab zückend, vollführte sie einige Bewegungen und an jedem Platz standen Kessel und diverse Zutaten für einen Trank. „Ich habe von Professor Snape erfahren auf welchem Wissensstand ihr seit und ich muss sagen ich bin ein wenig überrascht, dass ihr scheinbar so weit zurück liegt.“, sie stoppte kurz und sprach mehr mit sich selbst als zur Klasse: „Allerdings ist es bei allen anderen Klassen auch der Fall.“ Nach einem kurzen Räuspern wand sie sich wieder an die Klasse.
„Ich möchte, dass ihr den letzten Trank, den ihr mit dem Professor zusammengebraut habt, nochmals braut, damit ich mich selbst davon zu überzeugen kann, wie es um eure Fähigkeiten bestellt ist.“ Sie schwang abermals ihren Zauberstab und das Rezept für den Trank erschien an der Tafel.
„Ihr habt dreißig Minuten Zeit.“ Nachdem sie die Zeitvorgabe geäußert hatte, schnellte Hermines Hand nach oben.
„Ja Miss Granger?“, rief sie die junge Frau sofort auf und Hermine blinzelte für einen Moment verwirrt.
Sie war es nicht gewohnt sofort in Zaubertränke aufgerufen zu werden, und dass die Professorin schon ihren Namen kannte, obwohl dies ihre erste Unterrichtsstunde hier war, beeindruckte die junge Gryffindor sehr.
„Ähm... Professor Snape ließ uns für diesen Trank immer nur fünfzehn Minuten.“, erklärte sie.
„Ah... ja, dass hab ich in den Unterlagen gesehen.“. Sie ging einige Schritte näher auf die Klasse zu und schmunzelte ein wenig.
„Im Gegensatz zu Professor Snape bin ich der Ansicht, dass es seine Zeit braucht einen Zaubertrank zu brauen, vor allem, wenn man diese Kunst erst erlernen muss. Die Schnelligkeit kommt später von selbst. Erst mal ist die Qualität wichtig und nicht die Quantität.“
„Cool.“, kam es über Rons Lippen und Harry grinste breit, ja, genauso hatte er sich den Unterricht in Zaubertränke gewünscht.
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