
von goldenangel
Kapitel 6 - Offenbarung
Langsam wurde es Frühling in Hogwarts und das Leben erwachte nicht nur auf den Ländereien, auch die Schüler wurden munter, gingen mit neuem Elan ans Lernen – zumindest einige davon – und überhaupt war die Stimmung besser, so als bestünde keine Gefahr mehr durch Sirius Black und die Dementoren würden nicht mehr an den Grenzen der Schulgründe patrouillieren.
Aber nicht alle waren so hingerissen von den ersten warmen Sonnenstrahlen, Rommy Evans war immer noch eine nette Professorin und auch ihren Kollegen gegenüber hatte sie stets ein Lächeln auf den Lippen, für alle bis auf Professor Snape. Sie vermied seine Gegenwart und wenn sie in seinem Labor daran arbeiteten Tränken herzustellen schwieg sie eisern, holte sich alle Zutaten selbst und schrieb alles selbst auf, bat ihn um nichts und half auch nicht. Ihre komplette Freundschaft, die sich entwickelt hatte war nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern hatte sich zurückentwickelt zu ihren Anfängen. Severus konnte einerseits nicht behaupten, dass es ihm leid täte, immerhin schien die junge Hexe begriffen zu haben, dass sie ihn nicht liebte und dies zeigte sie ja nun auch deutlich, doch andererseits fehlten ihm ihre Gespräche miteinander, die Diskussionen und vor allem fehlte ihm ihr Lachen, welches sie jedem schenkte, nur nicht ihm. Doch war ihm auch klar, dass ihr Lächeln eine Farce war. Er kannte sie doch gut genug und wusste, dass jedes Lächeln gequält war, es stand in ihren Augen, doch nur für jemanden, der es sehen wollte. War er der Grund für ihre Qualen? Oder war es die Sorge um ihren Bruder? Es musste die Sorge um Potter sein, denn würde sich Rommy wegen ihm quälen, würde sie es ihn spüren lassen, dafür war ihr Temperament zu aufbrausend. Sie war neutral ihm gegenüber, gleichgültig, so als existiere er nicht und dies hieß, dass sie sich bestimmt nicht seinetwegen quälte, mit Sicherheit nicht.
Wieder einmal war es ein Abend in seinem Labor. Sie arbeitete in einiger Entfernung zu ihm still vor sich hin, bemerkte nicht, dass Snape sie von seinem Platz aus beobachtete, in Gedanken versunken war über sie. Irgendwann jedoch streckte sie ihren Rücken durch, löschte mit einem Schwenker ihres Zauberstabs das Feuer unter dem Kessel und ging ohne ein Wort des Abschieds. So war es immer. Sie kam und ging ohne Gruß, sah ihn nicht mal an und wenn es sich vermeiden ließ kam sie auch gar nicht erst in seine Nähe, so als wäre sie hier alleine im Labor und er nur ein Geist, der es nicht wert war beachtet zu werden.
Zorn stieg in ihm auf, dass diese Frau in so behandelte und er es sich gefallen lieĂź als wĂĽrde er bereuen, dass er sie damals vor den Kopf gestoĂźen hatte. Dieses impertinente Frauenzimmer war nichts weiter als ein kleiner Zeitvertreib gewesen und er hatte ihr nie LiebesschwĂĽre um die Ohren geschmissen und dennoch strafte sie ihn damit, dass sie keine Notiz mehr von ihm nahm. Es krachte als die Flasche in Severus Hand durch den zu starken Druck zerbarst. Fluchend verarztete sich der ehemalige Todesser und entschied sich fĂĽr einen Spaziergang um seine Wut wieder etwas unter Kontrolle zu bekommen, bevor er hier weiterarbeitete und dabei aus versehen sich und sein Labor in die Luft sprengte.
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Rommy war in ihren Räumlichkeiten, stand am Fenster und starrte hinaus in den sich zu Ende neigenden Tag. Sie atmete schwer und ihre Hände hatten sich krampfhaft um die Fensterbank geschlossen. Jedes Mal kostete es sie alle Kraft ihn so zu behandeln als existierte er nicht. Ihre Liebe, die sie geglaubt hatte zu empfinden war verschwunden und es war nichts zurück geblieben, absolut gar nichts außer der Wut und dem Zorn darüber, dass sie sich so zum Narren hatte machen lassen. Er hatte ihr nie ein eindeutiges Zeichen gegeben, dass er mehr von ihr wollte als das Bett mit ihr zu teilen. Sie war erwachsen genug um zu begreifen, dass sie sich wie ein kleines Mädchen verhalten hatte und nicht wie eine Frau. Dieser Fehler würde ihr nicht noch einmal... Sie stutzte als sie Gestalten durch die Nacht wandern sah. Ihre Augen wurden zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und ihr Gesicht drückte sich näher an die Fensterscheibe.
„Lupin? Snape?“, murmelte sie.
Snape war in großzügigem Abstand hinter Remus und es sah so aus als würde er ihn verfolgen. Was bedeutete das? Irgendetwas sagte ihr, dass etwas nicht stimme und ehe sie länger darüber nachdachte, hatte sie ihren Umhang übergeworfen und das Schloss verlassen um den beiden zu folgen.
Es dauerte nicht lange, da hatte sie Snape einholt, sah nur noch, wie er in einem Loch der Peitschenden Weide verschwand. Natürlich, ich erinnere mich. Dad hat mir davon erzählt., schoss es ihr durch den Kopf und mit festem Schritt ging sie auf den Baum zu, zögerte einen Moment und kletterte dann entschlossen in das Loch hinunter. Der Tunnel, der sich vor Rommy erstreckte schien endlos und das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Es war absolute Schwärze, nichts war zu erkennen und die junge Hexe fürchtete, dass sie entdeckt würde, wenn sie mit ihrem Zauberstab ein Licht entfachte. Und so entschied sie sich für die einfachere Variante... kurz darauf war Rommy Evans verschwunden und ein stattlicher Panther stand an der Stelle, wo eben noch die Professorin war. Der weibliche Panther knurrte leise und lautlos lief sie vorwärts, konnte nun deutlich ihre Umgebung wahrnehmen.
Wie lange es dauerte, bis sie den Tunnel überwunden hatte vermochte Rommy nicht zu sagen, doch in Gestalt des Panther war es wesentlich angenehmer und schneller gegangen. Schließlich kam sie bei einer Art Falltüre an, durch welche sie ins Innere eines Raumes hüpfte. Die Heulende Hütte., dachte sie und das Gesicht des Panthers verzog sich, als Rommy lächelte und daran dachte, wie ihr Remus und ihr Vater ihr beigebracht hatten, dass Lupin ein Werwolf war. Sie hatten ihr die Geschichte erzählt, was es mit der Heulenden Hütte und der Peitschenden Weide auf sich hatte. Ein Geräusch lies Rommy zusammenzucken und sie fauchte leise und ihr Schwanz zuckte wild ehe sie vorwärts lief in Richtung Treppe und dem lautstarken Gespräch lauschte; am oberen Ende sah sie Severus stehen und ihre Augen blitzten auf, doch sie hielt sich zurück, lauschte dem Gespräch, welches für ihre Katzenohren nur allzu deutlich war.
Sie hörte Hermine’s Stimme und die von Lupin und die von... Sirius Black. Ein leises Knurren entkam dem Panther. Dann hörte Rommy auch Harry und Ron, doch was viel wichtiger war, war der Inhalt dieses Gespräches. Pettigrew sollte Lilly und James Potter an Voldemort verraten haben? Es kam ihr kein anderer Peter in den Sinn, den Black meinen konnte. Sirius war unschuldig in Askaban gesessen? War dies möglich? Evans hatte keine Zeit zu überlegen, denn Snape entschied, in das Geschehen einzugreifen. Der Panther nahm die Stufen der morschen Treppe mit einer Leichtigkeit und ohne großartige Geräusche zu verursachen.
„Rache ist sooooo süß. Wie ich gehofft hatte, dass ich derjenige sein würde der dich fängt.“, erklang Severus Stimme so eiskalt, dass sich sogar Rommy in Gestalt des Panther die Haare aufstellten.
Langsam trat der Panther näher an die Türe heran, immer noch Verborgen und im Schutze des Schattens, doch nun konnte sie in den Raum blicken, sehen wo wer stand. Sirius und Lupin redeten auf Severus ein, wobei Black wesentlich weniger feinfühlig war als Remus. Natürlich ging der Tränkemeister nicht darauf ein, wollte Black den Dementoren übergeben, doch auf einmal änderte sich alles und Harry erlangte seinen Zauberstab.
„Expelliarmus!“, schrie er und Snape wurde durch die Luft geschleudert, aus Rommy’s Blickwinkel weg.
„Nein!“, schrie sie entsetzt auf, doch alles was aus dem Maul des Panthers kam war ein lautes Brüllen.
Sie sprang in den Raum und ihr Schwanz peitschte wild. Gelbe Augen funkelten den jungen Harry an. Sofort wich er zurück und Hermine konnte nur schwerlich einen Aufschrei unterdrücken. Langsam ließ der Panther den Blick zu Lupin und Black schweifen. Während Black irritiert aussah, lächelte der Werwolf und Rommy verfluchte sich dafür, sich nun wohl endgültig verraten zu haben. Langsam verwandelte sie sich zurück und zog ihren Zauberstab.
„Pro... Professor Evans?“, hauchte Hermine, doch Rommy reagierte nicht darauf.
„Ich wusste es.“, sagte Lupin schlicht und sein Lächeln wurde breiter.
„Oh ja, DU wusstest es... REMUS.“, zischte Rommy und richtete ihren Zauberstab auf ihn. „Du wusstest nichts und es war unfair mir das Stofftier zu schenken. Ich sollte dich zusammen mit Sirius den Dementoren überlassen.“
„Wer zum Teufel ist das?“, rührte sich nun Black und trat näher heran, lies sich von Evans erhobenen Zauberstab nicht beeindrucken.
„Das ist Rommy Evans, Sirus. Die Tochter von...“, begann Lupin doch Rommy stoppte ihn.
„Nein, nicht vor ihm.“, sie nickte mit dem Kopf zu Harry und Remus schwieg.
„Oh lassen wir diesen Mist und kümmern uns um das Wesentliche.“, sagte Sirius nun wirsch und wand sich zu Ron um, der seine zitternde Ratte fest an sich gepresst hatte. „Peter Pettigrew hat Lilly und James verraten.“
„Nein. Pettigrew ist Tod. Sie haben ihn getötet.”, fuhr Harry auf.
„Dachte ich auch. Bis du mir sagtest du hättest Pettigrew auf der Karte des Rumtreibers gesehen.“, antwortete der Werwolf.
„Die Karte des Rumtreibers? Sie existiert noch?“, wisperte Rommy und Remus nickte ihr kurz zu, lächelte leicht. „Aber wie kann Pettigrew... Sirius war doch der Geheimniswahrer...“
„Nein. Ich befürchtete, dass Voldemort es erahnen würde, das James mich zu seinem Geheimniswahrer ernennen würde, deshalb schlug ich Peter vor.“, erklärte Sirius und plötzlich war seine Stimme voller Trauer. „Ich war so ein Idiot.“
„Die Karte könnte lügen.“, wand Hermine nun ein, die offenbar wieder ihre Sprache gefunden hatte.
„Die Karte lügt nie. Pettigrew lebt. Und er ist hier. Genau dort.”, rief Black aufgebracht und zeigte auf Ron.
„I...ich?“, stotterte der rothaarige Junge.
„Nein. Die Ratte..”, gab der Flüchtling zurück.
Rommy trat skeptisch näher. Sie musterte die Ratte kritisch. Ihr fehlte eine Zehe und alles was man von Pettigrew gefunden hatte war ein Finger gewesen. Diese Gedanken sprach nun Sirius aus. Und auch Harry schien langsam zu begreifen als die Hexe zu ihm hinüber blickte, er verlangte, dass Black es ihm zeigte und schon hatte dieser Ron die Ratte genommen und einige Momente später stand Pettigrew vor allen.
„S... Sirus... R… Remus. Meine alten Freunde.”, wimmerte Pettigrew und wand sich schon darauf zu Harry um. „Harry!“, säuselte er mit lieblicher Stimme. „Sieh dich an, Du siehst deinem Vater so ähnlich. Genau wie James. Wir waren die besten Freunde. Er und ich...“
Dies war zuviel, es war eindeutig zu viel. Und während Black ihn anschrie, er sollte den Mund halten brodelte es in Rommy immer mehr, der Kessel drohte überzulaufen.
„Ich wollte doch nicht...“, stammelte Peter vor sich hin. „... Was hättest du denn getan Sirius?”
„Ich wäre gestorben!“, schrie Black ihn an. „Ich wäre eher gestorben als meine Freunde zu verraten. Und du hättest wissen müssen Peter, wenn Voldemort dich nicht tötet...“
„... wir es tun.“, beendete Lupin den Satz für seinen Freund.
„Nein. Bitte. Ihr könnt nicht…”, wimmerte er und dieses Gewinsel davon, dass er sich der Macht nicht entziehen hatte können genügte für Rommy nun endgültig.
Der Kessel explodierte und ihr Zauberstab, welcher mittlerweile ein Stück gesunkekn war richtete sich auf Pettigrew und die Hexe spie die Worte förmlich aus: „Stupor!“ Ein roter Lichtblitz schoss aus Evans Zauberstab hervor und traf den Verräter, welcher darauf hin wie tot zu Boden fiel.
„Oh mein Gott.“, kreischte Hermine und alle anderen starrten Rommy schockiert an, welche schwer atmend da stand und ihren Zauberstab sinken lies.
„Was hast du getan?!“, schrie Sirius sie an und war mit einem Schritt bei ihr, packte sie an den Schultern und schüttelte sie; Rommy lies es geschehen.
„Sirius. Nicht.“, ermahnte Remus seinen Freund.
Doch es war gar nicht notwendig, denn Black betrachtete die junge Hexe, welche sich von ihm durchschütteln lies. Eingehend musterte er ihr Gesicht, ihr Haar und ihre Augen und plötzlich weiteten sich seine, so als würde er erkennen.
„Du.“, hauchte er fassungslos und seine Hände glitten von den Schultern der rotblonden Frau. „Du bist es wirklich? Wie kann das...?“
„Lange Geschichte.“, murmelte Rommy und hob nun endlich ihren Blick um ihm in die Augen zu sehen und sie lächelte zaghaft. „Ich bin froh dass du nicht der Verräter warst. Es tut mir leid, dass ich glaubte...“
„Vergessen.“, winkte Sirius ab und packte sie wieder bei den Schultern, schob Rommy ein Stück von sich um sie im Gesamtbild zu mustern. „Remus sie ist es. Sie ist es eindeutig. Ich kann nicht glauben dass...“
„Ja, ich weiß.“, Lupin trat an die beiden heran und lächelte Evans an.
„Es tut mir leid... Onkel Moony.“, die letzten beiden Worte kamen erstickt von Tränen, die sich in ihren Augen sammelten und es gab nichts mehr, was sie zurückgehalten hätte als sie dem älteren Mann um den Hals fiel, sich an ihn klammerte wie eine Ertrinkende. „Es tut mir so unendlich leid.“, wisperte sie erneut.
„Ist schon gut. Schon gut.“, murmelte der blondhaarige Mann und strich ihr über den Rücken. „Du hast einiges durchgemacht nehme ich an.“
„Wo warst du all die Zeit?“, fragte Sirius und Rommy löste sich von Remus, wischte sich über das Gesicht.
„Weit weg von Zuhause.“, war alles, was sie als Antwort zurückgab und dann umarmte sie auch Sirius. „Ich bin so froh euch zu sehen Onkel Tatze.“, murmelte sie an seiner Schulter.
„Was soll das alles?“, erklang Harrys Stimme und erst jetzt schienen die drei älteren Zauberer zu realisieren, dass sie nicht alleine waren.
„Ich denke du solltest es ihm sagen. Es hat ein Recht darauf.“, forderte Black die Tochter seines besten Freundes auf und gab ihr einen leichten Klaps auf die Schulter.
„Hm. Ja, ich denke es ist zu spät für einen Rückzieher.“, murmelte Evans und seufzte, ihr Blick glitt auf Pettigrew und sie war froh, dass er bewusstlos war und nichts von dem was nun gesagt wurde mitbekam. „Was ich euch jetzt sage, darf diesen Raum niemals verlassen. Versteht ihr?“, sie sah ihre drei Schüler durchdringend an. „Ihr dürft kein Wort darüber verlieren. Versprecht es!“, forderte sie und während Ron und Hermine es sofort versprachen, zögerte Harry.
„Was hat das alles mit Sirius zu tun?“, fragte der Junge.
„Du wirst verstehen Harry. Aber erst versprich mir, dass du niemanden außerhalb dieses Raumes davon erzählen wirst.“, bat Rommy nun etwas sanfter und der Junge nickte. „Gut. Also...“, sie seufzte ein wenig und dann begann sie zu erzählen und auch Remus und Sirius lauschten als die junge Hexe erzählte, was damals am See vorgefallen war, wie sie disappariert und dann in den Vereinigten Staaten gelandet war. Sie erzählte von ihrem Schock, dem Gedächtnisverlust und wie ihr ein Heiler die verdrängten Erinnerungen zurückgab. Alles erzählte Rommy, alles bis auf den Namen ihrer Eltern.
„Was hat dass nun alles mit mir zu tun? Wieso denken Sie, mich beschützen zu müssen?“, der junge Potter sah die rotblonde Hexe mit einem Hauch Verärgerung in der Stimme und in seiner Haltung an.
„Sieh dir Professor Evans einmal genauer an Harry.“, sprach nun Lupin, trat neben den Schüler und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Erinnert sie dich nicht an jemanden? Das leicht rötliche Haar? Die Gesichtszüge? Die Augen vielleicht?“
Harry kniff die Augen hinter der Brille etwas zusammen und brummte. „Na sie sieht schon ein wenig aus wie meine Mutter, aber sie hat doch selbst gesagt...“
„Es war gelogen Harry.“, fiel ihm die Professorin ins Wort. „Ich bin nicht einfach die Tochter von zwei Zauberern die gegen Voldemort gekämpft haben.“ Sie rang nach den richtigen Worten. Wie sollte sie es ihm klar machen? Und wie würde er reagieren? Vielleicht würde er sie sogar dafür hassen, dass sie sich solange nicht um ihn gekümmert hatte, dass sie ihn so im Stich gelassen hatte und sich jetzt erdreistete aufzutauchen und ihn beschützen zu wollen.
„Ich bin James und Lilly Potters Tochter.“, ein schnell gesprochener Satz und sie hielt den Atem an, wartete, bis er ihre Worte realisierte.
„Aber das ist... Harry ist ein Einzelkind.“, stotterte Ron Weasley.
„Das ist nicht korrekt.“, Black schüttelte den Kopf. „James und Lilly bekamen nicht ganz ein Jahr nach ihrem Abschluss in Hogwarts und knapp einen Monat nach ihrer Hochzeit ein kleines Mädchen: Andromeda.“, er sah zu Rommy und lächelte milde, wenn auch verzerrt durch sein verwildertes Aussehen.
„Nach Rommys Tod sprach niemand mehr davon, die Trauer war zu groß.“, fuhr Lupin nun fort und er sah zu der jungen Frau zu der seine Patentochter geworden war. „Für jeden von uns.“, murmelte er leise und für einen Moment schien es in seinen Augen feucht zu schimmern.
„Aber dann ist Professor Evans ja...“, hauchte Hermine fassunglos.
„Meine Schwester.“ Harry war wie erstarrt gewesen, hatte Rommy nur angestarrt ohne sich zu regen, doch man sah, dass es in seinem Kopf arbeitete.
Die junge Hexe hatte er bemerkt, ließ seinen Blick zu und beantwortete ihn mit der Weichheit, wie nur eine große Schwester ihren Bruder ansehen konnte. Es lag alles in ihrem Blick. Die Trauer um die verlorenen Eltern, den Verlust der Kindheit, das Vermissen des Aufwachsens mit ihrem Bruder und das Glück, dass er lebte, dass es ihm gut ging und die stumme Bitte um Verzeihung, dass sie jetzt erst auf der Bildfläche erschien.
„Warum jetzt?“, kam die Frage über Harrys Lippen und es war eine durchaus berechtigte Frage.
„Ich war von Rachgelüsten geleitet. Nach meinem Abschluss wollte ich sofort nach England.“, die Hexe schüttelte den Kopf. „Ich sah jedoch ein, dass ich viel zu unerfahren war um irgendetwas bewerkstelligen zu können. Und so lernte ich, machte eine Ausbildung zum Auror und studierte Zaubertränke, sog alles Wissen in mich auf um für meinen Feldzug gerüstet zu sein.“ Sie strich sich eine Strähne aus dem Haar und trat vorsichtig und zögernd einige Schritte auf ihren Bruder zu. „Doch als ich soweit war, da sah ich, dass Rache nicht die richtige Lösung war, dass meine... unsere Eltern nicht gewollt hätten, dass ich mich für sie opfere und alleine in einen Kampf ziehe. Ich wusste, ich hatte eine andere Aufgabe. Die Aufgabe meiner Eltern weiterzuführen... meinen Bruder zu beschützen.“ Die letzten Schritte waren überwunden und Rommy stand nun direkt vor Harry, sah hinunter in sein Gesicht, welches dem ihren so sehr ähnelte, wenn man nur wusste, wo man hinsehen musste.
„Ich muss dich beschützen bis du alt genug bist. Und dann werde ich immer noch an deiner Seite sein. Du bist nicht allein.“, ihre letzten Worte waren geflüstert und wieder erstickt von Tränen. Sie wusste nicht, was es noch zu sagen gab und so stand sie einfach vor dem Jungen, der seine Eltern überhaupt nicht kannte und es erschien Rommy mit einem Mal so ungerecht, dass sie diese wenigen aber wundervollen Jahre in ihrer Erinnerung hatte und Harry hatte gar nichts außer ein paar Bildern und Erzählungen von Fremden.
Und auf einmal begann der Junge zu lächeln, ein freudiges und glückliches Lächeln. „Ich bin nicht alleine.“, hauchte er. „Ich hab eine Familie.“, er lachte lauthals auf und fiel seiner neu gewonnenen Schwester in die Arme.
Rommy schluckte schwer und sank in die Knie um ihren Bruder fest zu umfassen. Sie legte ihren Wange an seine und flüsterte: „Ich werde dich nie wieder alleine lassen. Wir gehören zusammen. Wir müssen zusammenhalten. Für Mum und Dad.“
„Für Mum und Dad.“, murmelte Harry als Antwort.
Tränen rannen über die Wangen der beiden und auch Hermine schluchzte im Hintergrund leise während Ron nur perplex starrte und Remus und Sirius breit lächelten. Es erschien wie ein Wunder, dass nicht die ganze Familie Potter zerstört war, dass Harry nicht der einzige seiner Familie war und es jetzt wieder eine Familie Potter gab.
„Ich will euch ja nicht stören, aber wir sollten uns um Peter kümmern.“, warf Black nun doch ein.
Harry und Rommy lösten sich voneinander, lächelten sich glücklich an und sie verflochten ihre Hände miteinander, drückten sie fest und ließen sich dann los.
„Wir sollten ihn den Dementoren überlassen.“, wand Harry ein als Lupin und Black bereits ihre Zauberstäbe auf Peter gerichtet hatten. „Unsere Eltern,“ und dabei sah er kurz zu seiner Schwester auf, welche ihn milde anlächelte, „hätten nicht gewollt dass ihre beiden besten Freunde zu Mördern werden.“
„Er hat recht. Ich werde ihn wecken und wir bringen ihn zum Schloss.“, erklärte Rommy und sie vollführte den Enervate-Zauber und erweckte somit Pettigrew wieder zum Leben und während Lupin und die anderen mit Peter die Heulende Hütte verließen blieb Rommy stehen. „Ich kümmerte mich um Severus und komme nach.“, versicherte sie mit einem Lächeln.
„Du solltest ihn liegen lassen. Er kommt schon wieder zu sich der gute alte Schniefelus.“, kam es herablassend von Sirius. Als die junge Hexe ihn allerdings mit einem bösen Blick bedachte hob er kurz die Hände.
„Okay, okay. Mach was du willst.“, damit verließen alle die Hütte.
Rommy wand sich um und ging zu dem zusammengebrochenen Bett in dem Severus gelandet war. Sie kniete sich in den Staub, achtete nicht auf ihre Kleidung und strich das Haar aus seinem Gesicht, welches wirr seine Züge verdeckte. Sie hob ihren Zauberstab um die Kratzer in seinem Gesicht zu heilen, dann weckte sie ihn auf. Stöhnend öffnete Snape die Augen, starrte an die Decke ehe er sich mit einem Ruck erhob und orientierungslos den Blick wandern lies, bis er an der rotblonden Hexe hängen blieb.
„Potter.“, zischte er finster, als die Erinnerung wieder kam, dass Harry ihn außer Gefecht gesetzt hatte.
„Ich weiß, er hat vielleicht überreagiert. Aber du solltest wissen, dass es Pettigrew war der meine Eltern verraten hat, nicht Sirius. Er war die ganze Zeit hier, getarnt als Rons Ratte. Er ist ein unregistrierter Animagus, Severus.“, begann Rommy zu sprechen, ehe der Tränkemeister etwas unüberlegtes tat.
Snape schnaubte verächtlich und man sah, dass es ihm so gar nicht passte, dass Sirius offenbar unschuldig war. Er erhob sich, entstaubte seine Kleidung verließ den Raum, lies Rommy einfach stehen. Die junge Hexe sah ihm nach und war kurz darauf auf den Beinen und lief ihm hinterher. Der Weg durch den Tunnel war diesmal wesentlich länger, nun da sie ihn als Mensch und nicht als Panther zurücklegen musste, und als sie aus dem Loch trat, sah sie gerade noch wie ein Werwolf Snape und die drei Kinder mit einem Prankenhieb zu Fall brachte.
„Remus.“, hauchte die rotblonde Frau entsetzt.
Der Werwolf, welcher Professor Lupin nun war knurrte böse auf und wollte sich auf die am Boden liegenden Gestalten werfen, nahm keine Notiz von Rommy und dies gab der Lehrerin die Gelegenheit sich zu verwandeln. Der Panther brüllte lautstark und erlangte so die Aufmerksamkeit von Remus und ehe der Werwolf reagieren konnte hatte sie sich mit ihren großen kräftigen Hinterbeinen vom Boden abgestemmt und sprang ihn an. Sie warf ihren Gegner um und biss ihn in die Schulter, so dass der Werwolf aufheulte und mit der anderen Pranke nach ihr schlug. Seine Klauen rissen ihr das Fell auf und Blut tropfte auf den Boden. Heiß durchfuhr die Hexe der Schmerz und ihr Biss lockerte sich für einen Moment und der Werwolf schleuderte sie davon in das nächstgelegene Gebüsch. Von da an hörte Rommy nur noch einen Hund Bellen und Knurren, lautes Geschrei und getrampelt, dann wurde es schwarz um sie. Sie verwandelte sich mit letzter Kraft zurück, ehe sie das Bewusstsein verlor. Das letzte was sie sah, als sie noch einmal die Augen öffnete, war Severus, der zu ihr gekommen war und sie erstaunt und verwundert anstarrte.
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Waren es Stunden oder nur wenige Minuten die sie bewusstlos gewesen war? Rommy vermochte es nicht zu sagen. Doch als sie wieder zu sich kam durchfuhr sie sofort ein Schmerz an der gesamten rechten Seite ihrer Körpers. Ihr Kopf hämmerte schwer und sämtliche Knochen schmerzen.
„Hier. Trink das, es lindert die Schmerzen.“, erklang eine allzu vertraute Stimme.
Langsam öffnete die Hexe die Augen und orientierte sich. Sie lag in ihrem Bett und neben ihr saß in einem Sessel...
„Severus. Was tust du hier?“, hauchte sie und schon hatte sie ein Glas an den Lippen und musste das ekelhafte Gebräu schlucken.
„Du solltest nicht reden. Du hattest eine gebrochene Rippe und dein ganzer Körper scheint von dem Kampf ziemlich mitgenommen.“ obwohl es völlig unbeteiligt klang, so glaubte sie doch einen Hauch Besorgnis darin mitschwingen zu hören.
„Was ist passiert? Wo sind alle?“, fragte sie und brachte den Professor damit zum Seufzen.
„Potter, Granger und Weasley sind auf der Krankenstation und Black wartet auf den Kuss der Dementoren.“, kam es knapp.
„Was?!?“, mit einer ruckartigen Bewegung richtete sich die rotblonde Frau auf und zischte vor Schmerz, als sie selbiger durchfuhr, doch biss sie die Zähne zusammen und schob die Hände weg, welche sie in die Kissen zurückdrängen wollten. „Aber er ist doch unschuldig. Pettigrew...“
„Pettigrew entkam als Lupin sich verwandelte. Und somit gibt es keinen weiteren Beweis als das, was erzählt wurde und dies wird dem Ministerium kaum genügen. In einer halben Stunde wird von Sirius Black nicht mehr übrig sein als ein lebloser Körper.“
Rommy schauderte bei der Zufriedenheit in Snapes Stimme und sie schwang die Beine aus dem Bett und stellte sich mit wackeligen Füßen vor ihn. „Du dreckiges Schwein. Er ist Harrys Pate. So wie Remus meiner ist. Wie kannst du es wagen dich zu freuen.“ Ein Blick auf den Nachttisch und die Hexe hatte ihren Zauberstab ergriffen und war mit einem Schlenker desselbigen angezogen.
„Du solltest dich hinlegen.“, seine Stimme klang gelassen und ebenso langsam erhob er sich aus dem Sessel, doch Rommy beförderte ihn mit einem festen Schlag ihrer flachen Hand auf seine Brust wieder zurück in die sitzende Position, während die junge Frau aus ihren Räumen stürmte.
Sie wusste nicht wohin sie laufen sollte, doch dann sah sie aus dem Augenwinkel in der Nacht einen Vogel in dem kleinen Pausenhof landen und als wĂĽsste sie, welche drei Personen darauf saĂźen, lenkte sie ihre Schritte um und nach drauĂźen. Sie kam gerade an als Sirius sich bei Harry und Hermine bedankte.
„Andromeda.“, er lächelte, als er sie kommen sah und Harry und Hermine wanden sich erschrocken um.
„Du sollst mich nicht so nennen.“, schalt die junge Hexe ihn und kam heran gelaufen. Sie blickte zu Harry und Hermine und ahnte, dass sie etwas Verbotenes getan hatten, lächelte jedoch nur.
„Ich sollte jetzt gehen.“, er umarmte Rommy und dann Harry und Hermine. „Ich danke euch. Für alles.“ Sein Blick ging zu Rommy und Harry. „Passt gut aufeinander auf. Ihr dürft nie den Zusammenhalt verlieren, denn das macht euch stark. Vertraut einander und ihr könnt alles schaffen.“ Black schwang sich auf den Hippogreif und lachte. „Wir sehen uns.“, dann trieb er seine Beine in den Leib des Tieres und es erhob sich in die Lüfte und verschwand mit einem lachenden Black in der Nacht.
„Ihr habt mir eine Menge zu erzählen.“, murrte Rommy gespielt streng und sah ihren Bruder und Hermine an.
Doch dann ertönte der Glockenschlag und Hermine schrie erstickt auf. „Wir müssen gehen.“, rief sie und lief davon.
„Wir erklären es später.“, fügte Harry hinzu und folgte seiner Freundin.
Evans starrte ihnen verwirrt hinterher und fragte sich, wie es zwei Schülern gelungen war Sirius aus seinem Gefängnis zu befreien. Doch letztlich war was zählte, dass er frei war und auch wenn die Wahrheit noch nicht zu beweisen war, so wussten es doch die Personen, die es wissen mussten. Lächelnd wand sich Rommy ab und hielt sich für einen Moment keuchend die Seite, stützte sich an einer Säule ab. Es war wohl Zeit, sich wieder hinzulegen.
Einen Tag später hatten weitere Heiltränke die fast vollständige Genesung von Professor Evans bewirkt. Zwar würde sie noch ein wenig Probleme haben, die rechte Seite noch ein wenig schmerzen, doch es war nichts im Vergleich zu dem, was ihr ohne Heiltränke geblüht hätte. Madam Promfrey hatte die Lehrerin weiterbehandelt, nachdem sie selbst darum gebeten hatte, da sie Snape keinen Meter mehr an sich heranlassen würde. Jetzt war sie auf dem Weg um sich zu Verabschieden, auf Wiedersehen zu sagen zu ihrem Paten. Er war gerade dabei das große Tor nach Draußen zu passieren als sie ihn rief.
„Remus!“
Der ältere Mann blieb stehen und drehte sich um, schenkte ihr ein Lächeln und stellte für einen Moment seine Tasche zu Boden.
„Ich dachte schon wir sehen uns nicht mehr ehe ich Hogwarts verlasse.“, sagte er, als sie bei ihm angekommen war.
„Ich könnte nicht ruhig schlafen, hätte ich mich nicht von meinem Paten richtig verabschiedet.“, sprach Rommy leise genug, damit niemand anderes als Lupin es hörte. Sie umarmte ihn, drückte ihn allerdings nicht an sich, da er genau wie sie noch ein wenig lädiert war. „Du wirst mir fehlen.“, murmelte sie und sah ihn an.
„Du mir auch. Aber es ist besser so. Dumbledore hat außerdem andere Aufgaben für mich. Ich muss dem Orden helfen und als Lehrer weiter zu arbeiten wäre da...“
„Es liegt nur daran dass Severus dich verpfiffen hat.“, fiel sie ihm ins Wort und verzog ihr Gesicht zu einer bösen Fratze als sie an den Tränkemeister dachte und brachte Remus damit zum Lachen.
„Du solltest nicht zu hart über Severus urteilen.“, meinte der Werwolf in einem beschwichtigenden Ton.
„Er hat viel durchmachen müssen in unserer Schulzeit und Sirius und James waren daran nie ganz unbeteiligt. Ich wünschte ich hätte sie öfters davon abgehalten.“, er seufzte, wurde dann jedoch wieder ernst.
„Er ist ein schwieriger Mann und er hat Angst davor sich gehen zu lassen, er ist zu pflichtbewusst. Aber ich bin mir sicher, dass er etwas für dich empfindet und es nur selbst nicht versteht. Vielleicht ist es auch, dass du Lilly so ähnlich siehst was ihn zögern lässt.“, er hob seine Hand und fuhr fast zärtlich über Rommys Wange und strich kurz durch ihr Haar. „Du bist praktisch ihr Ebenbild, wären da nicht Züge von James und das eher blonde Haar und die blauen Augen.“
Die Hexe nickte leichte. „Ich verstehe, trotzdem hat er mich verletzt und es ist für mich keine Entschuldigung für sein Verhalten.“
„Vielleicht rauft ihr euch ja zusammen.“, grinste Lupin schief und umarmte sie noch einmal. „Passt gut auf einander auf.“, murmelte er dicht an Rommys Ohr und löste sich dann von ihr, nahm seine Reisetasche wieder in die Hand und öffnete das große Holztor.
„Machs gut.“, sie hob ihre Hand zum Abschied. „Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.“
„Wer weiß.“, sagte Remus vieldeutig und dann verließ er endgültig die Schule und Rommy sah auf die geschlossene Holztüre.
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