
von Franzi
Regulus hasste Gewitter.
Sie brachten ihn dazu sich wie ein Zweijähriger unter seiner Bettdecke zu verstecken und bei jedem Donnern zusammen zu zucken. Auch wenn er eine sonst so Black'sche Gelassenheit ausstrahlen konnte, die häufig noch von einem überheblichen Blick aus seinen grauen Augen unterstützt wurde: Bei Gewittern hörte diese Gelassenheit abrupt auf. Es waren Sommerferien, ein Tag bevor es zurück nach Hogwarts in sein viertes Schuljahr gehen sollte und eigentlich hatte es da doch gar nicht zu regnen!
Regulus zuckte zusammen, als ein Blitz sein Zimmer erhellte. Er sollte jetzt schlafen... Tief schlafen und diesem gruseligen Unwetter somit entkommen. Aber es gelang nicht und auch die Naturgewalt erbarmte sich seiner nicht. Also stand er zitternd auf, wankte eng an die Wand gepresst durch sein Zimmer und trat ängstlich hinaus auf den Flur.
Wenn seine Freunde ihn jetzt sehen könnten, sie würden sich halb totlachen! Ein Black, der sich vor ein bisschen Regen fürchtete! Aber für Regulus war es eben nicht nur ein bisschen Regen, es war etwas, gegen das er mit Arroganz oder Zauberkraft nichts tun konnte. Vorsichtig tapste er den Flur entlang zum Zimmer seines Bruders.
Sirius schlief vermutlich und sägte in seinen Träumen den gesamten Verbotenen Wald ab, denn sein Bruder schlief immer wie ein Stein und ließ sich auch nur schwer von einem Gewitter aus dem Reich der Träume jagen. Regulus drückte die Tür vorsichtig auf und versuchte nicht daran zu denken, wie lächerlich diese Aktion war.
Aber er wollte bei Unwettern einfach nicht alleine sein. Sirius, so nervig und eigensinnig er auch sein mochte, spendete ihm in gewisser Weise immer Trost mit seiner Anwesenheit. So viel Trost und Sicherheit, wie ein großer Bruder einem geben sollte. Regulus war insgeheim dankbar dafür, aber er hätte das niemals zugegeben. Wahrscheinlich wusste Sirius das auch so.
Der Jüngste der Blacks betrat das Zimmer und stolperte prompt über einen Kleiderhaufen auf dem Boden.
Mit einer eleganten Halbdrehung - so elegant wie es ein Black, der gerade drauf und dran war vor Angst zu sterben, bewerkstelligen konnte - konnte er sich noch in der Luft halten. Das Zimmer wurde von einem Blitz erhellt, Regulus langte panisch nach der Lehne eines Stuhls und warf einen Blick zu seinem Bruder, der immer noch selig schlief.
Während das Donnern allmählich sein klares Denken beeinträchtigte, kämpfte er sich zu Sirius vor (nicht ohne sich vorher noch den Zeh an einer Kante von Sirius' Koffer zu stoßen) und setzte sich erleichtert auf das Bett seines Bruders. Das war lächerlich, sagte er sich, er krabbelte tatsächlich ins Bett von Sirius, weil er sich so fürchtete.
Sirius erwachte aufgrund des plötzlichen Gewichtes auf seiner Matratze und blinzelte benommen, als er seinen kleinen Bruder dort sitzen sah, wie er bei jedem Blitz erschrak und sich verkrampfte. "Reg?", fragte er ungläubig.
"Hm?", machte Regulus und versuchte sich seine Beschämtheit nicht anmerken zu lassen. Sirius richtete sich auf: "Was machst du hier?"
"Ich hab Angst", murmelte Regulus so leise, dass es kaum zu verstehen war und zog die Knie an um sein Kinn darauf zu betten. Sirius wusste doch, dass er Furcht vor Gewittern hatte, warum fragte er dann? Okay, vielleicht war es ein wenig ungewohnt, weil er in sein Bett gekommen war.
Plötzlich spürte er Sirius' Hand auf seinem Oberschenkel und wandte fragend den Kopf. Zu seiner Überraschung lächelte sein Bruder und schlug die Decke beiseite. Regulus lächelte nicht - das tat ein vornehmer Black einfach nicht. Dass ein vornehmer Black auch nicht Zuflucht in fremden Betten suchte, verwarf er hastig aus seinen Gedanken, sondern legte sich wortlos neben Sirius, der schnell die Decke über sie faltete. Regulus seufzte kurz auf, als er Sirius nah und warm an sich spürte. Die begehrte Quelle des Trostes. Jetzt musste er keine Angst mehr haben. Sogar ein lautes Donnern ließ ihn kalt, während er den Kopf in Sirius' Kissen schmiegte.
"Ich nehme an, du gehst diese Nacht nicht mehr?"
"Nein", antwortete Regulus schlicht und schloss provozierend die Augen.
"Hast du echt so große Angst?"
"Musst du so viele Fragen stellen?", grummelte er und konnte spüren, wie Sirius schmunzelte, obwohl er ihn nicht berührte. Als Brüder wussten sie so etwas einfach.
Langsam zog das Gewitter weiter in Richtung Osten und ließ eine angenehme Stille, erfüllt von prasselnden Regentropfen zurück. Regulus war schon halb im Dämmerschlaf, als er Sirius' Arm bemerkte, der sich um seinen Oberkörper schlang und näher zu sich heranzog. Verwirrt öffnete er die Augen wieder, doch sein Bruder schien selig zu schlafen. Leicht grinsend schob er Sirius' Arm zurück auf die Matratze und kehrte ihm den Rücken zu.
Sekunden später war auch er ins Reich der Träume geglitten.
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