
von Sisilia D.S.
Hier kommt das dritte und vorletzte Kapitel, dieser kurzen Geschichte. Ich würde mich freuen, wenn ihr kurz was hinterlasst, damit ich weiß, ob die FF auch gelesen wird. Und wenn ihr noch was dazu schreibt, wie sie euch gefallen hat, wäre es natürlich klasse.
Eure Sisilia
Kapitel 3. Überraschende Wendungen
Am nächsten Morgen hatte Al Pech, denn Scorpius war früh nach London gereist, weil er etwas im Ministerium zu tun hatte und so konnte er ihm sein Schmuckstück noch nicht zurückgeben. Auch bis zum Abendessen war er noch nicht wieder da und so blieb Al nichts anderes übrig, als abzuwarten. Was ihm an dem Abend nicht sonderlich schwer fiel, denn er hatte die Hausaufgaben der Schüler zu kontrollieren, und saß an diesen bis weit nach Mitternacht. So war es nicht verwunderlich, dass er todmüde ins Bett gefallen war und doch tatsächlich am nächsten Morgen verschlafen hatte. Er ließ deshalb das Frühstück einfach ausfallen und machte sich sofort eiligst auf zu seinem Unterricht.
Als es endlich Mittag war, schien sein Magen schon an seinen Knien zu hängen und er hatte mächtigen Hunger. Er wartete, bis alle Schüler sein Klassenzimmer verlassen hatten, schwenkte dann den Zauberstab und löschte alle Lichter, die an diesem trüben Tag noch gebrannt hatten. Gerade als er auf die Türe zu ging, trat jemand durch diese und blieb dann im Türrahmen stehen.
„Professor Longbottom meinte, du hättest nach mir gefragt, Potter?“ Wie immer trug Scorpius sein arrogantes Schmunzeln im Gesicht und lehnte sich lässig mit der Schulter an der Türzarge an.
„Ja, das stimmt. Man sagte mir, dass du gestern in London warst.“
„Richtig, ich hatte etwas fürs Ministerium zu erledigen. Was gibt es denn so Wichtiges, dass du das halbe Schloss verrückt machst, um mich zu finden?“ Mit einem überheblichen Blick löste er sich von seinem Platz und ging Al entgegen, den er einen Augenblick von oben bis unten musterte.
„Nun, so wichtig war es auch nicht, ich wollte dir nur etwas zurückgeben, das du verloren hast“, erklärte der Dunkelhaarige und griff in seine Jackentasche.
„Etwas … zurückgeben?“ Deutlich konnte man Scorpius Überraschung in seinem blassen Gesicht erkennen. Dennoch funkelten seine Augen neugierig.
„Ja, du hast das hier …“, er hielt die silberne Schlange hoch, „… verloren, als wir vorgestern im Flur zusammengestoßen sind.“
Nun wurden Scorpius Augen groß und begannen dann förmlich zu leuchten.
„Du hast sie gefunden? Was für ein Glück. Ich dachte schon, ich hätte sie unwiderruflich verloren. Sie ist ein … Familienerbstück. Schon mein Großvater hat sie getragen und mein Vater, und als ich volljährig wurde, hab ich sie bekommen.“
Auch das Gesicht von Al hellte sich auf und als Scorpius lächelnd seine Hand aufhielt, legt er das Kleinod auf dessen Handfläche, deckte es aber mit seiner eigenen Hand einen Moment lang zu, so dass sich ihre Hände berührten und das Schmuckstück zwischen sich verbargen.
„Dann solltest du darauf aufpassen, damit du es irgendwann deinem Sohn vermachen kannst.“
Kurz schien es so, als wollte der Blonde etwas darauf erwidern, doch er schloss den Mund wieder, bevor ein Ton über seine Lippen gekommen war.
Unendlich langsam zog Al seine Hand zurück, ließ sie aber sanft über die Handfläche von Scorpius gleiten, bis seine Fingerspitzen die von ihm zart streiften und er die Berührung endgültig löste.
„Danke.“ Leise flüsternd schloss er die Finger um die silberne Schlange, nickte noch einmal zu Al und drehte sich dann zum Gehen um. Doch in der Türe blieb er erneut stehen und wandte den Kopf um.
„Ähm Albus? Wäre es zu vermessen, wenn ich dich heute Abend zu einem Whisky zu mir einladen würde? Nach dem Abendessen, halb acht?“
Diesmal war Al überrascht, denn damit hätte er wirklich zuallerletzt gerechnet.
„Nein, das wäre es nicht. Ich … würde gerne kommen.“
„Gut, dann halb acht bei mir. Und sei pünktlich. Denn wenn ich etwas nicht leiden kann, ist es Unpünktlichkeit.
„Keine Sorge, ich werde genau um halb vor deiner Türe stehen“, gab er mit einem Lächeln zurück.
Dann verschwand Scorpius Malfoy mit schnellen Schritten, die er in der Ferne verklingen hören konnte.
Hatte Malfoy ihn tatsächlich beim Vornamen gerufen? Und hatte er ihn wirklich heute Abend zu sich auf einen Drink eingeladen? Er konnte es gar nicht glauben und hatte natürlich auch irgendwie Zweifel, ob das eine ehrliche Einladung war oder ob dieser ihn mal wieder ärgern wollte.
Aber was hatte er denn groß zu verlieren. Seine Kollegen und die Schüler sahen ihn ja sowieso schon als etwas „sonderbar“ an. Zwar nicht unbedingt im negativen Sinne, er hatte jedenfalls nicht das Gefühl, dass man ihn nicht mochte, aber er hob sich eben von den andern ab. Und wenn er ganz ehrlich zu sich selber war, war er sogar stolz darauf.
Du meine Güte, bis halb acht war es noch so lange. Und er hatte noch einiges zu tun. Zu aller erst etwas essen. Sein Magen machte sich langsam geräuschvoll bemerkbar, so dass er vor dem Nachmittagsunterricht, erst einmal die Große Halle ansteuerte und sich ein opulentes Mittagessen gönnte.
Danach hatte er Unterricht bei den 6. Klässlern, der sehr zu seiner Zufriedenheit verlief. Es war auch sehr angenehm mit dieser kleinen Gruppe zu arbeiten, die ein großes Engagement zeigte.
Die Zeit bis zum Abendessen verging wie im Flug und während des Essens, das Scorpius zu seiner Überraschung mit den Lehrern am Tisch einnahm, musste er sich immer wieder selber ermahnen, nicht alle fünf Minuten zu ihm zu sehen.
Malfoy erhob sich so ziemlich als Erster von seinem Platz, ging hinter dem Lehrertisch herum und neigte sich für einen Moment zu Al, dem er sogar kurz die Hand auf die Schulter legte.
„Halb acht. Ich warte“, flüsterte er ihm leise zu. Doch noch, bevor Al die Möglichkeit hatte, zu antworten, war er auch schon weiter und schritt mit sichtlich guter Laune durch die Große Halle, wo er dann durch die Türe verschwand.
War das wirklich nur gute Laune aus Freude oder doch eher aus erwartender Schadenfreude? Egal was es sein würde, er würde diese Einladung annehmen und auf keinen Fall kneifen. Diesmal wollte er um jeden Preis wissen, woran er war. Er musste Klarheit haben, damit er wusste, wie er sein Leben weiter regeln sollte.
Mit diesem festen Entschluss ging Al in seine Privaträume zurück und überlegte, wie er die zwei Stunden bis zu dem Treffen rumbringen sollte.
Klar könnte er Hausaufgaben kontrollieren, doch irgendwie hatte er noch genug von gestern und es eilte auch nicht. Während er sich überlegend in dem kleinen - aber gemütlichen Zimmer umsah, fiel sein Blick auf das Kopfkissen und auf das kleine schwarze Etwas, das darunter hervor lugte. Das Tagebuch. Snapes Tagebuch.
Langsam, beinahe wie magisch davon angezogen, ging er zum Bett hinüber, griff danach und zog es heraus. Es wirkte auf den ersten Blick unscheinbar und doch war es für ihn wertvoller, als ein wirklicher Schatz.
Mit dem Finger strich er über die Vorderseite des Einbandes, spürte mit der Fingerkuppe, die Schlange, die sich dort bewegte und ein Lächeln huschte über seine Lippen. Ob Snape der Schlange auch ab und an zugesehen oder sie sogar, wie er auch hin und wieder gestreichelt hatte? Ein warmes Gefühl der Verbundenheit durchströmte ihn und er konnte nicht anders, als es erneut aufzuschlagen und die Stelle zu suchen, an der er das letzte Mal geendet hatte.
Der Winter ist endgültig vorüber, die Tage werden wieder länger und Wiesen und Felder grüner.
Wie sich das anhört, als ob es mir wichtig wäre, ob es Winter oder Sommer ist. Dennoch ist es mir noch nie so deutlich bewusst geworden, wie in diesem Jahr.
Gestern war ich wieder bei D. Keine Ahnung, wo ich anfangen soll, wohl am besten am Anfang.
Er hatte mir eine Nachricht zukommen lassen, dass er mich sehen wollte, wie so oft ohne Angabe eines Grundes. Natürlich überlegte ich, ob ich einen Schüler wieder zu hart angepackt hätte, doch mir wäre nichts dergleichen bewusst gewesen.
Es war dunkel im Büro, als ich eintrat, nur im Kamin brannte ein Feuer, und während ich mich nach D umsah, ging oben eine Türe auf. Doch, anstatt mich wie bisher in seinem Büro zu empfangen, bat er mich nach oben. Er musste es mir zwei Mal sagen, bis ich es glaubte und seiner Aufforderung nachkam. Noch keiner hatte Zutritt in D's. Privaträume bekommen, außer den Elfen, die dort sauber machen, versteht sich. Doch tatsächlich, als ich die Stufen erklommen hatte, bat er mich einzutreten und ich trat in einen halbrunden Raum. Dieser hatte zwei große hohe Fenster, wovon eines nach Süden, das andere nach Westen zeigte. Die Wände waren mit großen und schweren Teppichen behangen, alle zeigten irgendwelche Motive und waren in den Farben Beige, Bordeaux und Royal gehalten. Wobei Beige und Bordeaux überwogen. Im hinteren Teil stand ein großes Himmelbett, das durch ein Regal vom anderen Raum etwas abgetrennt war und in dem sich die Bücher fast quetschten, so voll war es.
Albus bat mich auf dem antiken Ledersofa platz zu nehmen, und mein Blick fiel dabei auf den kleinen Tisch, wo Wein und Gläser bereitstanden. Nur wenige Kerzen erhellten den Raum und eigentlich war die Hauptlichtquelle das Feuer im Kamin.
Auf meine Frage hin, ob es einen bestimmten Grund gäbe, warum er mich hier hergebeten hat, antwortete er mir, dass er etwas zu feiern hätte. Ein Jubiläum, denn er sei genau heute vor 25 Jahren zum Schulleiter von Hogwarts ernannt worden und er hoffe, dass ich mit ihm darauf anstoßen würde.
Natürlich fragte ich ihn, warum er das nicht mit seinen ganzen Kollegen feiern würde, doch er meinte nur. Dass er das morgen im Lehrerzimmer wohl noch über sich ergehen lassen würde müssen und er es vorziehen würde, heute Abend mit mir zu feiern. Natürlich fühlte ich mich geehrt, doch auch etwas beklommen. Wenn er mir nur eine Andeutung gemacht hätte, hätte ich wenigstens ein Geschenk besorgt.
Scheinbar hatte er meine Gedanken erraten, denn er meinte nur, während er uns jedem ein Glas von diesem wundervollen dunkelroten Elfenwein einschenkte, dass ich alles bei mir hätte, was ich ihm schenken könnte, um ihm eine Freude zu machen. Auf meinen bestimmt dämlichen fragenden Blick hin schmunzelte er und meinte, sein schönstes Geschenk wäre eine Umarmung von mir.
Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, was ich in dem Moment gefühlt hatte oder auch nicht. Nur das Gefühl der Wärme, das sich in mir ausbreitete, das werd ich nie vergessen.
Wir stießen an, tranken auf viele weitere glückliche Jahre für ihn als Schulleiter und dann … ja dann kam der Moment, der mein Leben auf den Kopf stellte.
Ich weiß nur noch, dass ich mein Glas abstellte, wir uns einen Moment ansahen und ich dann an der Reihe war, ihm das Geschenk, welches er sich wünschte und ich ihm nur zu gern geben wollte, zu überreichen.
Es war ähnlich wie an meinem Geburtstag und doch ganz anderes, denn damals war es nur eine tröstende Umarmung gewesen.
Immer noch glaube ich seinen Körper in meinen Armen zu spüren. Gar nicht schwach, alt und zerbrechlich, wie ich zuvor geglaubt hatte. Nein, warm, stark und einfach überwältigend.
Niemals werde ich diesen Abend vergessen. Niemals vergessen, was es heißt zu vertrauen, sich fallen lassen können und zu wissen, es ist jemand da, der dich auffängt, der dich hält. Niemals das Geschenk vergessen, das sich zwei Menschen geben können, die vertrauen.
Erst als er geendet hatte, fiel Al auf, dass es eigentlich viel zu dunkel geworden war in seinem Zimmer, um zu lesen und mit einem Schwenk seines Zauberstabes, machte er noch mehr Kerzen an.
Sein Mund war trocken und seine Augen brannten von der Anstrengung, im trüben Licht zu lesen. Gleichzeitig schlug sein Herz schnell und kräftig und die Bowtruckels schienen in seinem Bauch zu schunkeln. Er war sich nicht ganz sicher, wie er diese Worte deuten sollte. Wie tief war die Verbindung dieser zwei Menschen gewesen? Ging sie über das Freundschaftliche hinaus? Es war nicht leicht das zu beantworten, denn bisher hatte er immer geglaubt, Snape hatte nur einmal geliebt und zwar seine Großmutter. Aber wer konnte das schon sagen. Vielleicht war es eine Liebe, die auf einem anderen Fundament gebaut war.
Oder er bildete sich alles nur ein, und die beiden waren einfach nur Freunde in der Not und nichts weiter.
Jedenfalls verstand er nun besser, warum Albus Dumbledore Severus Snape so sehr und ohne Vorbehalte vertraut hatte. Sie teilten etwas. Genauso wie James - sein Großvater - und Sirius - dessen bester Freund - es geteilt hatten. Egal ob mehr zwischen ihnen am Ende war oder nicht. Sie verstanden sich ohne Worte. Nein sie hatten sich ohne Worte verstanden.
Fast neidisch blickte er auf die Zeilen, die nun leicht vor seinen Augen verschwammen, als er versuchte seine Tränen zurückzuhalten. Beinahe glaubte er die Wärme auch zu fühlen, die Snape in diesem Buch beschrieben hatte.
Aber dennoch … er hatte so einen Menschen noch nicht gefunden, der …
„Verdammt!“ Fast hektisch blickte er auf die Uhr. Er hatte Scorpius fast vergessen. Noch fünf Minuten. Ja, das konnte er schaffen. Hastig stopfte er das Tagebuch wieder unter das Kissen, rannte ins Bad und machte sich in Windeseile frisch, sogar eine schnelle magische Rasur brachte er noch zustande.
Schließlich kam er heftig atmend, Punkt halb acht, schlitternd vor Scorpius' Zimmertüre zum Stehen.
Wollt ihr wissen wie die FF ausgeht?
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