
von GinnyNic
Eine gestresste rothaarige Frau rannte den Bahnsteig 9 ¾ entlang und mahnte zwei weitere Rotschöpfe, eine Brünette und einen schwarzhaarigen Jungen zur Eile. „Mensch, ihr werdet noch den Zug verpassen, es ist gleich elf!“
Ein verwirrter Ron sah zu seiner Mutter und fragte dann: „Wo ist eigentlich Dad? Ich glaub ich hab ihn diese Woche kaum zu Gesicht bekommen!“
„Wo soll er schon sein? Auf Arbeit natürlich!“, erwiderte Molly Weasley hektisch aber nicht ohne ein wissendes Schmunzeln auf den Lippen: „Und jetzt rein mit euch Vieren.“ Sie hielt die Abteiltür auf, drückte ihre Kinder, sowie Hermine und Harry der Reihe nach ein letztes Mal ab und blickte ihnen dann hinterher, während die kleine Gruppe den Zug betrat. Als dieser losfuhr, hob sie die rechte Hand zu einem letzten Abschiedsgruß und winkte solange bis er außer Sichtweite war.
Harry wollte gerade in eines der Abteile gehen, als Hermine sagte: „Harry, hast du es schon wieder vergessen? Du bist jetzt Schulsprecher. Wir müssen ins Abteil der Vertrauensschüler und ihnen erklären, was ihr Aufgabenbereich ist.“
Ein unsicherer Harry fragte: „Wir müssen ihnen ihre Aufgabenbereiche erklären? Ich kenn noch nicht mal meine Aufgabenbereiche. Und wieso um alles in der Welt hat McGonagall MICH zum Schulsprecher gemacht?“
Hermine verdrehte die Augen, das hatte er sie gefragt, seit er den Brief aus Hogwarts bekommen hat.
„Ich frag mich, wer dieses Jahr Quidditchkapitän geworden ist.“, fügte Harry noch hinzu.
„Na, ich hoffe er oder sie wird gut sein. Das wird unser letztes Jahr. Wir brauchen unbedingt einen Sieg.“, meldete sich nun die jüngste Weasley zu Wort.
Harry grinste. Seine Freundin war anscheinend genau so besessen von Quidditch wie er selbst.
„Wenn ich das hier mal unterbrechen darf, wir müssen los Harry. Du kannst später noch viel Zeit mit deiner Liebsten verbringen und über Quidditch mit ihr reden, echt mal.“, womit hatte sie das eigentlich verdient?
Harry gab nach, auch wenn er wirklich keine Lust und noch dazu keine Ahnung hatte, er hätte die Broschüre über die Aufgaben wirklich mal in Augenschein nehmen sollen. Zum Glück hatte wenigstens Hermine ihre Hausaufgaben gemacht. Also drückte er Ginny noch schnell einen Kuss auf die Lippen, was von einem Bösen Blick aus Rons Richtung quittiert wurde, und verschwand dann mit Hermine weiter vorn in einem Abteil. Ron fragte sich nun schmollend, warum er eigentlich keinen Abschiedskuss bekommen hatte.
Ginny und Ron suchten sich gemeinsam ein leeres Abteil, fanden dann eins, wo nur Luna drin saß. „Hi Luna!“, begrüßte Ginny ihre Freundin, während sie sich setzte. „Wie geht’s? Bist du schon aufgeregt, immerhin wird das unser letztes Schuljahr.“
Luna blickte etwas betrübt drein und entgegnete dann: „Nicht für mich, da ich seid Weihnachten gefehlt habe, muss ich das sechste Jahr noch mal wiederholen. Du hast ja erst ab Ostern gefehlt.“
Darüber hatte Ginny überhaupt nicht nachgedacht. Nun versuchte sie Luna zu trösten: „Ist doch nicht so schlimm. Jetzt hast du noch ein Jahr länger um dich zu entscheiden, was du machen möchtest und du kannst uns zuschauen, wenn wir langsam verrückt werden vor Lernerei.“ Das zauberte ein Lächeln auf Lunas Lippen. „Ja, du hast recht, ich werde die gewonnene Zeit einfach genießen.“
Am Nachmittag kamen auch Harry und Hermine aus dem Vertrauensschülerabteil wieder und gesellten sich zu ihnen. Den Rest der Fahrt spekulierte das Abteil darüber, wer aus Gryffindor in der Lage wäre einen guten Quidditchkapitän abzugeben. Hermine schnaubte währenddessen hinter ihrem Buch versteckt alle fünf Minuten um zu zeigen, dass dieses Thema definitiv nicht ihrem Niveau entsprach.
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Indessen wart ein Schreien in der Großen Halle laut. Empört ging Maya zum Lehrertisch auf Prof. McGonagall zu, postierte sich vor ihr mit den Händen an den Hüften und empörte sich ungläubig: „Wie könne Sie mich zum Quidditchkapitän machen? Sie haben mich doch noch nie spielen sehen! Das ist un-ver-antwortlich!
„Jetzt beruhigen Sie sich mal wieder Ms. Cooper.“, der entrüstete Gesichtsausdruck ließ McGonagall schmunzeln. „Ich habe an Ihren Direktor geschrieben und um weitere Auskünfte über Sie und um Ihre Akte gebeten. Er hat Sie mir wärmstens empfohlen und nur gesagt, dass ich keinen besseren Kapitän bekommen könne. Oder fühlen Sie sich nicht dazu in der Lage diesen Posten zu übernehmen.“
Immer noch entrüstet erwiderte Maya: „Natürlich bin ich dazu in der Lage, ich war schon Kapitän. Ich wollte nur Ihre Gründe wissen, warum Sie mich gewählt haben, ohne dass Sie mich je haben spielen sehen.“
„Nun, da das geklärt ist. Die Schüler werden ungefähr in einer Stunde hier eintreffen. Sie sollten sich schon mal fertig machen und Ihre Schulkleidung anziehen. Und Maya....es wird schon gut laufen.“
Zweifelnd zog Maya ihre Stirn kraus und ging dann zum Gryffindorturm davon.
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Eine Stunde später strömten Scharen von Schülern in die Große Halle, laut über ihre Ferienerlebnisse diskutierend. Harry wollte sich gerade ebenfalls hineinbegeben, als eine ihm bekannte Stimme von hinten rief: „Mr. Potter! Würden Sie bitte mit in mein Büro kommen, ich muss etwas mit Ihnen besprechen.“
Er drehte sich zu McGonagall um und folgte ihr dann. Er fragte sich wirklich, was es sein könnte. Mit fast hundertprozentiger Sicherheit wusste er, dass er nichts angestellt hatte. Oder hatte Hermine die Schulleiterin darüber unterrichtet, dass er seine Aufgabe als Schulsprecher nicht ernst genug nahm?
„Setzen Sie sich bitte, Mr. Potter.“ Harry sah überrascht auf. Er hatte gar nicht bemerkt, dass sie inzwischen schon im Büro waren. Aber am Klang der Stimme McGonagalls gerade hatte er nichts Mahnendes oder Verärgertes oder Wütendes entdecken können. Also folgte er ihrer Bitte und setzte sich.
„Ich möchte Sie nur kurz auf jemanden Vorbereiten. Ich werde Ihnen nichts genaueres sagen, das muss sie selber schon tun, aber dieses Gespräch soll verhindern, dass sie allzu sehr... geschockt sein werden. Die junge Frau, die jetzt gleich diesen Raum betreten wird, wird jemandem ähnlich sehen...nein eher gleichen, den du kennst. Es wäre sicher einfacher für Sie beide, wenn du sie einfach erklären ließest.“, dann hob McGonagall die Stimme und rief: „Ms. Cooper! Sie können reinkommen!“
Als Maya ins Zimmer trat, vergaß Harry zu atmen. Sie sah aus....das war...das konnte nicht sein!
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