
von GinnyNic
Es war 17 Uhr, als Sam und Maya die Subatlantikbahn betraten. Sam fand die Vorstellung sich weit unter der Meeresoberfläche zu befinden etwas unheimlich, aber er war zu beschäftigt Maya davon abzuhalten die Nerven, wegen der Begegnung mit ihren Eltern, zu verlieren, so dass er seine eigene Aufregung völlig vergaß.
Eine Stunde später waren sie in Amerika angekommen und verließen die Schleuse um 12 Uhr, da sie sechs Stunden zurückrechnen mussten.
Das Paar entschloss sich zuerst zu Mayas Eltern zu apparieren und später seinen Eltern einen Besuch abzustatten, die ebenfalls wieder in Amerika lebten.
Mit einem lauten Plopp verschwanden die Beiden aus der Vorhalle der Sub und erschienen vor einem großen weißen Haus mit Garten, das allzu offensichtlich in einer Zauberergegend lag, denn es gab so ziemlich keinen Garten, der nicht mit merkwürdigen, schwebenden, springenden oder die Farbe wechselnden Sachen gespickt war.
„Zauberer können es einfach nicht lassen mit ihrer Magie zu prahlen.“, schüttelte Sam den Kopf.
Maya zuckte die Schultern und meinte nur: „Das ist hier ganz normal. Wenn du so was nicht im Garten hast, dann halten dich die Nachbarn für einen Muggel oder Squib.“
Dann atmete der Rotschopf einmal tief durch, nahm Sams linke Hand und öffnete das Gartentor. Viel zu schnell, nach Mayas Geschmack, waren sie an der Haustür angekommen und sie wollte gerade anheben zu klopfen, als Sam etwas einfiel. Er kramte in seiner Tasche herum und sagte dann: „Warte, ich hab noch was für dich. Das hätte ich ja fast vergessen dir zu geben.“ In seiner Hand lag eine kleine samtene, quadratische, rote Schachtel. Er öffnete sie und es erschien ein wunderschöner goldener Ring, zwei Bänder, die sich umeinander schlangen. Sam nahm ihn heraus mit den Worten: „Nach unserer Hochzeit wird der Ring aktiviert. Er wird sich erhitzen und auf seiner Innenseite wird ein Spruch erscheinen. Über diesen Ring kann ich dich, egal wo ich bin, kontaktieren. Ich kann dir kleine Nachrichten schicken. So werde ich immer bei dir sein.“
In Mayas Augen traten Tränen der Rührung und sie hauchte, während ihr Verlobter ihr den Ring an den Finger steckte: „Sam. Dieser Ring ist wundervoll. Du bist wundervoll.“
Der Rotschopf betrachtete eine Weile das glänzende Schmuckstück an ihrem Finger, dann blickte sie in die braunen Augen ihr gegenüber und zog ihren Besitzer zu sich herunter um ihm einen langen, berauschenden Kuss auf den Mund zu drücken, der beide den Rest der Welt vergessen ließ.
Doch allzu schnell war der Kuss vorbei und Maya musste sich ihren Eltern stellen, also zögerte sie nicht weiter und klopfte an der Tür mit dem magischen Klopfer.
Ein lautes Klingen und darauf folgendes Getrappel ging durchs Haus, dann wurde dem aufgeregten Paar die Tür geöffnet.
„Gray, es ist Maya!“, schallte die überraschte Stimme Marys die Treppe hinauf ihrem Mann entgegen. Dann stürzte sich die Brünette an den Hals ihrer Tochter und zog sie in eine knochenbrecherische Umarmung, nur um sie eine Sekunde später unter tausend Küssen zu begraben. „Ich hab dich so vermisst mein Liebling, aber was machst du denn hier? Ich dachte du bist noch auf Hogwarts. Und warum hast du uns nicht bescheid gesagt?“
In diesem Moment kam Gray Cooper die Treppe herunter und schaute seine Tochter ebenso überrascht und fragend an.
Deshalb wollte Maya nicht um den heißen Brei herumreden und meinte: „Könnte ich erst einmal hereinkommen, dann erklär ich euch alles.“
„Gut kommt erst einmal rein. Es ist doch ziemlich kalt draußen. Ist dieser junge Mann hier nicht dein ehemaliger Schulkollege aus Shinebroom oder lieg ich da falsch.“, fragte Mary Cooper, während sie den beiden jungen Erwachsenen die Mäntel abnahm.
Maya nickte bestätigend: „Du hast recht, Mom. Das ist Sam. Ich glaub, ich hatte dir mal von ihm erzählt.“
„Das ein oder andere Mal, immer wieder.“, neckte Mayas Mutter wissend um die Schwärmereien ihrer Tochter und stockte, als sie den Ring an der Hand Mayas wahrnahm. Doch schüttelte Mary den Kopf. Ihre Tochter hätte sich doch nicht ohne ihr Wissen verlobt...oder?
10 Minuten später saßen alle im Wohnzimmer und gespannt warteten die Eltern Mayas auf die Erklärung ihrer Tochter.
Kurz schloss Maya die Augen und ergriff Sams Hand um den Mut nicht zu verlieren, dann begann sie vorsichtig: „Mom, Dad. Das, was ich euch jetzt sagen will, ist schön und beängstigend zugleich. Es war keinesfalls geplant und es tut mir Leid, wenn ich euch dadurch graue Haare bereiten werde. Aber eins müsst ihr wissen. Sam und ich, wir lieben uns, das haben wir, glaube ich, schon immer getan.“ Noch ein letztes Mal atmete der Rotschopf tief ein, bevor sie ihr Geheimnis endlich lüftete: „Ich bin schwanger mit Zwillingen und Sam und ich wollen zwischen Weihnachten und Silvester heiraten. Mom!“
Mary Cooper war aufgestanden und ins Bad gerannt.
Als Maya eintrat ließ diese sich gerade kaltes Wasser übers Gesicht laufen. „Mom, hab ich dich jetzt sehr enttäuscht?“, fragte Maya mit bebender Stimme.
Die ältere Hexe trocknete sich ihr Gesicht ab und drehte sich dann mit einem zärtlichen Ausdruck zu ihrer Tochter um: „Wie, mein Liebling, könntest du mich jemals enttäuschen? Ich hab doch gesehen, wie er dich ansieht und wie du ihn ansiehst. Ich weiß doch, dass ihr euch liebt. Und ich hab dein Funkeln in den Augen gesehen, als du mir erzählt hast, dass du Zwillinge in dir trägst. Es war nur ein kurzer Schock. Immerhin muss mein kleines Mädchen jetzt so schnell erwachsen werden. Aber ich freu mich für dich. Für euch beide. Komm her!“
Mary nahm ihre Tochter noch einmal in die Arme, dann scherzte sie: „Lass uns lieber nach unten gehen, damit dein Zukünftiger diesen Besuch hier überlebt.“
„Ja, der musste dafür, dass er mich geschwängert hat, schon genug leiden.“, stimmte Maya ihrer Mutter zu.
Die schaute sie fragend an, so dass Maya weiter erklärte: „Harry hat ihn zusammengeschlagen, nachdem er von meiner Schwangerschaft erfahren hat. Er wäre deshalb fast von der Schule geflogen. Er durfte bleiben, aber dafür sind Sam und ich geflogen. Er war mein Lehrer und es gibt eine ‚Nulltoleranzpolitik’ für Schwangere in Hogwarts...dieses Wort kann ich eigentlich nicht mehr hören!“
„Was!“, nun war Mary völlig überrumpelt. „Die können dich doch dafür nicht von der Schule schmeißen. Immerhin bist du kurz vor dem Abschluss!“
Sarkastisch meinte Maya: „Oh, ich glaube die werden sagen, ich sei freiwillig gegangen. Immerhin hatte ich ja noch die ‚Wahl’ den Abortiotrank zu mir zu nehmen.“
„Den WAS?!!“, Mary Cooper zitterte am ganzen Leib. Sie hatte sich, genauso wie Lily und viele andere Mädchen auch, damals für den Trank entschieden, als sie vor die Wahl gestellt worden war. Bei den meisten hatte er keine Nebenwirkungen gehabt. Ihr hatte er es unmöglich gemacht, jemals wieder schwanger zu werden.
Besorgt blickte Maya in das entsetzte Gesicht ihrer Mom und fragte: „Was ist los? Hast du etwa auch...?“
Mary setzte sich auf der Treppe ab und leise Schluchzer begannen ihren Körper zu schütteln. Mit brüchiger Stimme erzählte sie: „Ich hätte nie gedacht, dass dieser Trank den Schülerinnen immer noch aufgedrängt wird. Ich hab ihn genommen. Er hat nicht nur mein Baby getötet, sondern auch meine Gebärmutter zerstört. Ich konnte keine Kinder mehr bekommen. Deshalb war es ein umso größerer Segen, dass ich dich aufziehen durfte. Und ich freue mich nun sehr, dass ich durch dich, mein Schatz, Enkel haben werde. Vielleicht sollten Gray und ich wieder nach England ziehen. Ich wäre so gerne in deiner Nähe und dein Dad sicher auch.“
Maya streichelte ihrer Mom über den Rücken und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe, dann sagte sie: „Ich liebe dich Mom und du wirst meinen Kindern eine so großartige Omi sein, wie mir eine Mutter. Es wäre wunderbar, wenn du mit nach England ziehen würdest. Übrigens, Sam und ich ziehen nach Godrics Hollow. Wir haben dort eine wirklich schöne Wohnung gefunden. Was sagst du dazu?“
Das zauberte Mary Cooper wieder ein Lächeln auf das Gesicht, doch nicht sie, sondern Gray Cooper schlug vor: „Wir kaufen euch die Wohnung als Hochzeitsgeschenk und wir dulden keine Widerrede. Außerdem müssen wir wohl noch ein Wörtchen mit der Schulleiterin von Hogwarts wechseln. Mein zukünftiger Schwiegersohn hat mir gerade alles erzählt. Einfach unglaublich.“ Und immer noch kopfschüttelnd nahm Gray seine Tochter in die Arme und sagte: „Ich freue mich für euch Beide. Ihr scheint sehr glücklich miteinander zu sein. Und ich kann es kaum erwarten meine kleine Tochter in ihrem Hochzeitskleid zu sehen.“
„Ach.“, bei diesem Thema war Maya eingefallen, wie wenig Zeit ihnen noch blieb. „Mir ist gerade eingefallen, Mom würdest du mit mir ein Kleid kaufen gehen? Wir müssen nur vorher noch bei meinen zukünftigen Schwiegereltern vorbeischauen und ihnen die freudige Nachricht überbringen.“
„Natürlich gehe ich mit dir ein Kleid kaufen, mein Schatz.“, und mit einer letzten Umarmung entließ Mary Cooper ihre Tochter und ihren zukünftigen Schwiegersohn wieder nach draußen in die Kälte, wo Beide mit einem lauten Plopp verschwanden.
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Auch Sams Eltern waren erstaunt, ihren Sohn so plötzlich vor sich stehen zu sehen. „Was ist los mein Junge? Wir dachten du unterrichtest in Hogwarts. Sind den schon Ferien?“, fragte Paula Diatour, die Mutter Sams. Dann bat sie das Paar hereinzukommen und geleitete es, nachdem ihnen von einem Hauselfen die Mäntel abgenommen wurden, in den Salon. Das Haus war in Mayas Augen ein Palast. Sie hatte ja keine Ahnung, dass Sams Eltern so viel Geld hatten. Eigentlich wusste Maya von Sams Familie reichlich wenig.
Das Paar nahm gemeinsam auf einem gemütlichen Sofa platz, während sich Sams Mom, von der Sam eindeutig die Augen geerbt hatte, ihnen gegenüber in einen Sessel setzte. Die Maya recht jung erscheinende Frau, warf ihre tiefschwarzen Haare zurück, bevor sie zu ihrem Sohn sagte: „Dein Vater wird gleich kommen. Ich habe ihm bescheid gesagt.“ Dann blickte sie Maya mit einem warmen Lächeln an und fragte: „Und wer bist du? Wenn ich raten müsste, würde ich auf Maya tippen. Ist das richtig?“
Maya, die gerade dem Gewusel eines Hauselfen gefolgt war, zuckte zusammen, als sie angesprochen wurde und antwortete dann verdattert: „Ähm...wie? Ja, Maya. Das bin ich.“ Und sogleich lief die junge Hexe tiefrot an. Was sollte Sams Mutter jetzt nur von mir denken? „Oh...es tut mir Leid...es war nur...“, begann Maya zu erklären, doch die schwarzhaarige Frau wiegelte nur ab und meinte: „Das ist doch kein Problem. Du brauchst dich von dem hier nicht beeindrucken lassen. Der Prunk ist uns nicht so wichtig. Aber das Haus ist schon Jahre im Besitz der Familie. Viele Erinnerungen hängen daran. Eigentlich ist das Haus viel zu groß für nur zwei Mann, es kommt mir manchmal sehr leer vor. Jetzt, wo Sam erwachsen ist, ist nicht mehr viel los hier. Hallo Charles, Liebling, setzt dich zu uns. Dein Sohn hat eine Freundin mitgebracht, die, von der er uns immer erzählt hat.“
Eltern schafften es doch immer ohne Probleme, den Kindern kleine Peinlichkeiten zu bescheren. Denn nun war es an Sam, neben Maya rot anzulaufen.
Die hatte sich gerade erhoben und gab ihrem ahnungslosen Schwiegervater in Spe die Hand mit den höflichen Worten: „Freut mich Sie kennen zu lernen.“ Wenigstens bei einem Elternteil hatte sie sich nicht völlig daneben aufgeführt.
Der gab ein: „Die Freude ist ganz meinerseits.“ zurück und fragte dann neugierig: „Gibt es einen bestimmten Grund, warum ihr hier seit? Ich nehme nicht an, dass ihr extra von England hierher gereist seit um einfach mal vorbeizuschauen.“
Sam nickte: „Genau. Also ich mache es am Besten kurz. Maya und ich sind verlobt. Wir werden zwischen Weihnachten und Silvester heiraten. Außerdem werdet ihr bald Großeltern werden. Wir erwarten Zwillinge. Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr in Hogwarts sind. Maya war dieses Jahr meine Schülerin. Ich bin gefeuert worden und Maya wurde wegen ihrer Schwangerschaft der Schule verwiesen. Werdet ihr zur Hochzeit kommen oder nicht? Ich weiß, dass ich euch wahrscheinlich sehr enttäuscht habe, aber es würde mir viel bedeuten, euch dabei zu haben, wenn ich der Frau, die ich über alles liebe, mein Ja-Wort gebe.“
Tränen waren bei den letzten Worten ihres Sohnes in die Augen Paulas getreten. Sie erhob sich von ihrem Sessel, ging auf das Paar zu und zog beide in eine feste Umarmung.
Paula lehnte sich in der Umarmung etwas zurück um ihrem Sohn in die Augen blicken zu können, dann hauchte sie: „Ich freu mich so für dich, dass du tatsächlich Maya heiraten wirst. Sie hat dir schon immer so viel bedeutet. Wie könnten wir bei einem der glücklichsten Momente im Leben unseres Sohnes nicht dabei sein. Und wie könnte es uns enttäuschen, dass du mit der Liebe deines Lebens eine Familie gründest.“
Sam küsste seine Mutter dankbar auf die Stirn und ging dann zu seinem Vater, der ihn kurz in die Arme schloss und mit einem Augenzwinkern bemerkte: „Gleich zwei auf einmal, was für ne Leistung! Das kann mich doch nur stolz machen!“
„Dad!“, ermahnte Sam seinen Vater. Das war wieder mal typisch. Aber eigentlich wusste er, dass sein Vater solche Sprüche nie ernst meinte.
Charles war dann auch zu Maya gegangen, zog seine zukünftige Schwiegertochter in seine Arme und sagte strahlend: „Herzlich willkommen in der Familie! Und bitte, damit das gleich klar ist. Wir sind Charles und Paula für dich. Ja?“
Maya nickte, froh, dass sie so gut aufgenommen worden ist, ihr war aber plötzlich etwas schwindelig und sie musste sich wieder hinsetzten.
Sam nahm besorgt neben ihr platz und fragte: „Maya, geht es dir nicht gut?“
Diese schüttelte den Kopf: „Ich glaube, ich möchte mich etwas hinlegen. Es war ein ganz schön anstrengender Tag.“
Sam meinte: „Dann schicke ich deinen Eltern nur eine Nachricht, dass wir erst morgen zu ihnen kommen und uns erst einmal hier ausruhen werden. Ja?“
Maya nickte nur. Sie fühlte sich immer noch etwas benommen.
Das junge Paar ging hoch in Samuels altes Zimmer, das für ihn als Gästezimmer erhalten wurde, falls er mal zu Besuch kommen würde. Maya hatte sich noch keine Minute auf das weiche große Bett gelegt, da war sie schon ins Reich der Träume davon geglitten.
Sam zog ihr die Sachen bis auf die Unterwäsche aus, dann legte er sich neben seine Verlobte und breitete die große Decke über sie Beide aus. Dann schlief auch er neben seiner Geliebten ein.
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