
von GinnyNic
Die Woche war sehr schnell vergangen. Maya und Sam hatten noch viel vor der Hochzeit zu erledigen gehabt. Und waren sehr dankbar dafür, dass ihre beiden Väter die Renovierung und Einrichtung ihrer Wohnung übernommen hatten. Einen Tage vor Heilig Abend begannen dann die Weihnachtsferien und das Paar machte sich auf, ihre Freunde am Hogwartsexpress zu empfangen. Am frühen Abend fuhr der Zug in den Bahnhof ein und Maya sah zum ersten Mal Leute durch die Absperrung zwischen den Gleisen 9 und 10 kommen. Dabei musste sie sich unwillkürlich fragen, wie die Muggel das denn nicht mitbekommen konnten.
Nach wenigen Minuten entdeckte sie zwei Rotschöpfe, eine Brünette und eine Rabenkopf und winkte ihnen, damit die Gruppe auf sie aufmerksam wurde. Ginny hatte ihre Freundin bemerkt und teilte es den anderen mit. Dann bewegte die kleine Gruppe sich auf Sam und Maya zu.
Ginny schloss als erstes stürmisch ihre Freundin in die Arme und plapperte los: „Du wirst nicht glauben, was in Hogwarts gerade los ist! McGonagall und Sprout sind total zerstritten wegen eures Rausschmisses! Sie hat McGonagall vor ein Ultimatum gestellt. Entweder ihr kommt zurück oder sie geht. Ist das nicht unglaublich!? Das Beste kommt aber noch! McGonagall hat eigentlich keine Wahl, denn die Schüler haben alles mitbekommen und finden diese Nulltoleranz gar nicht witzig!“
Maya konnte gar nicht glauben, was sie da hörte: „Ginny, das kann doch nicht dein Ernst sein! Warum macht Sprout denn so was für uns?“
„Immerhin hat sie die ganze Zeit gewusst, dass wir ein Paar sind.“, meinte Sam nun Schulter zuckend.
„Nicht nur das.“, erwiderte Ginny. „Sie ist auch dagegen, dass die Mädchen den Abortiotrank nahezu aufgezwungen bekommen.“ Und mit einem Kichern fügte sie hinzu. „Soweit ich das verstanden habe, wird es bald Aufklärungsunterricht in Hogwarts geben, um noch weiteren Schwangerschaften vorzubeugen.“
„Tja, hätte bei mir wohl auch nichts gebracht.“, seufzte Maya. „Ich weiß sowohl, wie man den Verhütungstrank braut, als auch wie man den Verhütungszauber ausführt. Und dennoch hab ich in der Situation alles vergessen...aber egal, da die Hochzeit ja so kurz bevor steht, wollte ich dich und Hermine gleich fragen, ob ihr nicht meine Brautjungfern sein wollt und euch Harry und Ron, ob ihr gerne unsere Trauzeugen wärt?“
Ein einstimmiges ‚Klar!’ kam zu Maya zurück und diese strahlte, als sie meinte: „Gut, denn ich hab euch schon eure Kleider besorgt. Glaubt mir, sie sehen wirklich traumhaft aus!“, fügte sie noch mit einem entschuldigenden Blick hinzu.
Ginny wiegelte ab: „Mach dir deshalb bloß keinen Kopf. Die Zeit bis zur Hochzeit ist wirklich knapp und wir vertrauen deinem guten Geschmack. Nicht Hermine?“ Die Angesprochene nickte eifrig und mit einem Blick auf die Uhr sagte sie: „Ich denke wir sollten jetzt aber in den Fuchsbau apparieren, sonst macht sich Molly noch Sorgen. Wo schlaft ihr Beiden eigentlich?“, fragte die Brünette an Maya und Sam gewandt.
„Wir übernachten noch im Tropfenden Kessel. Unsere Eltern bestehen darauf, dass wir erst in der Hochzeitsnacht in unsere Wohnung einziehen.“, gab Maya zurück.
Dann fiel Ginny noch ein: „Ach, ich hab übrigens Mum von dir erzählt, Maya, natürlich hab ich gewisse Details weggelassen, aber du und deine Familie, ihr seid eingeladen morgen Abend zu uns in den Fuchsbau zu kommen. Sam, auch wenn Mum mich wahrscheinlich umbringen wird, du kannst natürlich auch kommen und deine Eltern gerne mitbringen.“
Sam schüttelte den Kopf: „Meine Eltern verbringen Heilig Abend in Deutschland bei ein paar Verwandten, damit sie zu Weihnachten, dann hier sein können. Aber ich komme gerne. Ist wohl auch besser für die Nerven deiner Mum. Wäre ja sehr unhöflich einfach so aufzukreuzen. Und nun macht euch mal endlich auf den Weg!“
Die Gruppe winkte noch einmal und suchte sich dann einen Ort um apparieren zu können, nur Harry blieb zurück und fragte Maya: „Kann ich kurz mal mit dir alleine sprechen?“
Noch bevor Maya antworten konnte, entfernte sich Sam einige Schritte und ließ die beiden Geschwister allein.
„Also es ist so...“, begann Harry und kratze sich nachdenklich am Hinterkopf. „Mrs. Weasley kannte Mum. Ich dachte, es wäre am Besten ich sag es ihr, bevor du in den Fuchsbau kommst. Wäre das O.K. für dich? Oder willst du das lieber selbst machen?“
„Ähm, Harry“, meinte Maya. „Meinst du nicht, sie weiß schon, dass es mich gibt und so. Immerhin weiß es Mr. Weasley ja auch. Der wird es ihr bestimmt schon erzählt haben.
„Oh, daran hab ich gar nicht gedacht. Du hast Recht. Na hoffentlich ist sie auch darauf vorbereitet, dass du Mom wirklich so ähnlich siehst.“, bestätigte Harry und umarmte seine Schwester noch einmal, bevor er ebenfalls in den Fuchsbau verschwand.
Maya blickte gedankenverloren auf die Stelle, wo Harry gerade verschwunden war, als eine warme Hand an ihrer sie wieder in die Gegenwart holte. „Gehen wir?“, flüsterte eine zärtliche Stimme an ihrem Ohr und fügte hinzu: „Du siehst ihn doch schon morgen wieder.“
Maya nickte mit einem Lächeln und das Paar apparierte in den Tropfenden Kessel um noch etwas zu essen und dann früh schlafen zu gehen, immerhin hatten sie eine harte Woche hinter sich und die nächste würde nicht weniger anstrengend werden.
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„Was meintest du mit deiner Schwester, Harry?“ Mrs. Weasley war völlig verwirrt. Harry hatte gerade fallen lassen, dass er sich darauf freut, das erste Weihnachten mit seiner Schwester verbringen zu können.
„Hat dir Arthur das gar nicht erzählt?“, fragte Harry erstaunt und Arthur zog den Kopf ein, denn er hatte seiner Frau völlig vergessen von Maya zu erzählen. Erst hatte er sich davor gedrückt. Was die Potters betraf, war seine Frau immer sehr sentimental gewesen, aber mit der Zeit hatte er nicht mehr daran gedacht und war noch nicht einmal auf den Gedanken gekommen, dass Maya an Heilig Abend herkommen könnte.
„Arthur William Weasley, hast du mir vielleicht irgendwas zu sagen?!“, fuhr Molly ihren Mann an.
„Tut mir echt Leid.“, nuschelte Harry an Herrn Weasley gewandt.
„Schon O.K. Harry, ist ja meine Schuld.“, entgegnete Arthur und an seine Frau gewandt meinte er: „Es tut mir Leid, dass ich es nicht schon eher gesagt habe. Lily und James hatten noch eine Tochter, die sie bei Mary McDonald in Amerika haben aufwachsen lassen. Du kennst doch Mary?“
Molly nickte nur, sie fühlte sich irgendwie auf den Arm genommen, aber eigentlich war das ja der Part von George. Wieso sollten ihr Mann und Harry so etwas Verrücktes erzählen?
„Du glaubst uns nicht.“, stellte Arthur fest.
„Nun, es klingt doch alles sehr seltsam. Warum taucht dieses Mädchen erst jetzt auf? Und wieso wusste niemand von ihr, wie konnte sie verborgen bleiben? Und mal ehrlich, ich kannte Lily und hätte doch wohl gesehen, wenn sie noch mal schwanger gewesen wäre.“, zweifelte Molly.
„Es ist eigentlich ganz logisch.“, erklärte Harry. „Mom und Dad wussten, dass Voldemort hinter mir her war. Sie wussten, dass auch Maya in Gefahr schweben würde, wenn jemand von ihr wüsste. Es war sicher nicht einfach, aber sie haben meine Schwester sehr gut verborgen. Und warum Maya erst jetzt aufgetaucht ist, ist ja wohl klar. Erst nachdem Voldemort verschwunden war, haben Mayas Adoptiveltern ihr etwas von ihrer Herkunft erzählen können, ohne sie in Gefahr zu bringen.“
Molly nickte: „Stimmt, das klingt logisch. Na gut, wir werden später weitersehen, wenn sie da ist.“ Mit diesen Worten ging sie wieder in die Küche und der ganze Raum atmete erleichtert auf. Harry setzte sich zur grinsenden Ginny aufs Sofa und fragte verwirrt: „Was gibt’s denn so zu grinsen?“
Ginny zuckte die Schultern und meinte: „Ich denke, du bist noch gut weggekommen. Ich glaube, sie war mit den Gedanken eigentlich beim Essen, sonst wären ihr sicher noch tausend andere Fragen eingefallen.
Harry nickte schluckend. Na da hatte er noch mal Glück gehabt, hoffentlich würde Maya auch soviel Glück haben und dann nicht ganz durchlöchert von den ganzen Fragen sein.
Drei Stunden später apparierten Sam und Maya zum Fuchsbau. Mayas Eltern wollten den Abend lieber in Amerika verbringen und den Weasleys nicht zur Last fallen. Die Hexe war unglaublich aufgeregt, denn Harry hatte ihr viel von den Weasleys erzählt. Mr. Weasley kannte sie ja schon ein wenig, aber privat hatte sie noch nie mit ihm gesprochen. Sie wusste nur, dass er unheimlich muggelvernarrt war. Für Harry war es die Familie, die er nie gehabt hatte. Es mussten tolle Leute sein und Maya wollte einen guten Eindruck auf sie machen.
Sam klopfte an die Tür und ihnen wurde von Arthur Weasley geöffnet. Und mit einem freundlichen Lächeln, bat er den Besuch hineinzukommen, dann sagte er:„Hallo Maya. Wie geht es dir?“ Und flüsternd fügte er hinzu. „Beziehungsweise euch Beiden.“
Maya war nicht überrascht. Sie wusste ja, dass ihre Schwangerschaft einiges an Aufruhr verursacht hatte. Sie lächelte und meinte: „Uns geht es sehr gut.“
Dann wand sich Arthur an Sam: „Hallo Samuel. Schade, dass Sie gefeuert wurden. Viele Schüler haben sich beschwert. Sie scheinen einen guten Unterricht gemacht haben. Manche meinen Sie hätten das verdient, aber ich bin ganz auf Pomonas Seite, Maya ist volljährig und Sie beiden haben sich ja schon vorher gekannt, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Also finde ich den Rausschmiss nicht berechtigt und über das andere wollen wir gar nicht erst reden. Wie geht es jetzt eigentlich mit euch weiter?“
Maya nahm die Hand Sams und antwortete dann: „Sam hat um meine Hand angehalten. Wir sind verlobt und werden noch dieses Jahr heiraten. Es wird keine große Hochzeit, aber ich würde Sie alle gerne dazu einladen. Sie findet am 27. Dezember statt.“
Bevor Arthur aber weiter sprechen konnte, kam Molly aus der Küche und raunte: „Nun lass sie sich doch erst einmal setzen, Schatz. Das Essen ist gleich fertig. Ihr könnt schon mal am Essenstisch platz nehmen. Ach...wo hab ich eigentlich meine Manieren? Ich hab euch noch gar nicht richtig begrüßt!“ Die ältere Hexe zog die jüngere in eine knochenbrecherische Umarmung à la Weasley: „Es freut mich so, dich kennen zu lernen. Ich wollte es Harry und Arthur nicht so richtig glauben, aber meine Güte! Du siehst Lily ja so ähnlich!“, plötzlich schlug die Stimmung von Mrs. Weasley um und sie fragte: „Hast du vorhin gesagt, dass ihr zwei bald heiraten werdet?“
Maya nickte.
„Aber, bist du nicht so alt wie meine Tochter?“, stutze Molly.
„Ja, Mrs. Weasley. Aber um ehrlich zu sein, wollte ich heiraten, bevor ich nicht mehr in ein anständiges Hochzeitskleid passe.“
Bei diesen Worten erblasste Mrs. Weasley. Sie mochte sich gar nicht vorstellen, wie sie darauf reagieren würde, wäre das Ginny.
Maya bemerkte den Farbwechsel und beschwichtigte die ältere Hexe: „Kein Grund so blass zu werden. Es ist alles in Ordnung. Sam und ich freuen uns sehr auf die Babys. Wir sind wirklich glücklich.“
Ein plötzliches Getuschel ließ Maya aufmerken. Hatte sie etwa etwas Falsches gesagt. Dann fiel es ihr, wie Schuppen von den Augen. Sie hatte gerade unfreiwillig offenbart, dass sie Zwillinge bekommen würde.
Ginny reagierte als erstes: „Hab ich das gerade richtig gehört? Babys?“
Maya strahlte übers ganze Gesicht: „Ja, das hast du.“
Und Harry tat etwas, das alle überraschte. Er erhob sich, ging auf Sam zu, umarmte ihn und sagte mit einem Grinsen: „Gratulation zum ZWEITEN Kind.“
Sam musste an seine Worte im Gemeinschaftsraum denken und grinste nun ebenfalls.
Alle schauten verwirrt die beiden Männer an.
Harry nahm aber nur seine Schwester in den Arm und versicherte ihr: „Das musst du nicht verstehen. Schön, dass du hier bist.“
„So, aber jetzt setzt euch erst einmal alle an den Tisch, dann können wir noch genug reden.“, forderte Mrs. Weasley die Meute auf.
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Das Essen war ein einziges Stimmengewirr. Alle unterhielten sich über das eine oder das andere und lachten viel, aber es lag auch eine unausgesprochene Traurigkeit über den Mitgliedern der Weasleyfamilie. Das war das erste Weihnachten ohne Fred und der einzige, der noch kein Wort gesagt hatte, war George, der die ganze Zeit auf den leer gelassenen Stuhl neben sich blickte und an die Zeit mit seinem Zwillingsbruder dachte. Auch für George hoffte Maya, dass die Prophezeiung eintreten würde.
Bis Mitternacht waren es jetzt nur noch drei Stunden hin. Alle saßen inzwischen im Wohnzimmer und lauschten zu magischen Weihnachtsklängen. Mit jeder Minute, die verstrich, wurde Maya angespannter. Und als es kurz vor Mitternacht war, blickte Sam, der nun nicht mehr umhin kam, das zu bemerken, seine Verlobte fragend an. Diese machte eine Kopfbewegung in Richtung Tür und da Sam verstanden hatte, erhob er sich und meinte zu den Weasleys: „Wir schnappen nur kurz frische Luft.“ Maya nahm die Mäntel von der Garderobe und folgte ihrem Verlobten nach draußen.
„Was ist los mit dir?“, Sam hatte sich zu seinem Rotschopf umgedreht und blickte in ihr angespanntes Gesicht.
„Ich hab noch niemandem davon erzählt, weil ich nicht wollte, dass sich irgendjemand falsche Hoffnungen macht. Aber ich hab eine Prophezeiung gehört, die sich heute um Mitternacht erfüllt, wenn sie denn stimmt. Heute Nacht werden die Toten, die wir lieben, auf die Erde zurückkehren und eine Woche bei uns bleiben. Ich hoffe so sehr, dass Mum und Dad und so viele andere, von denen mir Harry erzählt hat, kommen werden. Deshalb wollte ich unbedingt jetzt heiraten. Ich wollte, wenn schon die Gelegenheit dazu besteht, Mum und Dad dabei haben. Ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich das geheim gehalten habe.“, es war ein Wunder, dass Sam auch nur ein Wort davon verstanden hatte, denn Maya hatte das alles in einem irren Tempo heruntergerasselt. Doch verstand er völlig, die Beweggründe seiner Verlobten. Er hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt. Also beruhigte er Maya: „Keinen Grund dir Sorgen zu machen. Es gibt nichts zu verzeihen. Ich hätte es wohl auch für mich behalten. Und jetzt lenk ich dich erst einmal ein bisschen von der Prophezeiung ab.“ Mit diesen Worten und einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht trat Sam auf Maya zu, umrahmte mit seinen Händen zärtlich ihr Gesicht und drückte ihr einen heißen Kuss auf die kühlen Lippen. In ihr schien sich eine Feuer zu entzünden, als sie Sam an der Hüfte noch etwas näher zu sich heran zog. Und Beide vergaßen, dass sie draußen bei Graden um den Nullpunkt standen. Auch die Prophezeiung war in diesem Moment vergessen, denn kein klarer Gedanke konnte sich mehr in Mayas Kopf bilden. Langsam wanderten Sams Hände an Mayas Körper entlang und schoben sich unter ihre Jacke, als plötzlich von hinten ein Grölen kam und dann eine Stimme rief: „Leute nehmt euch ein Zimmer!“
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