
von GinnyNic
Langezeit noch fand Maya keinen Schlaf. Sie hatte Angst, dass dieser Abend sich, wenn sie einschliefe, nur als Traum herausstellen könnte und ihre Eltern beim Aufwachen nicht mehr da wären. Also wälzte sie sich in ihrem und Sams gemeinsamen Bett unruhig hin und her, bis Sam scharf die Luft ausstieß und dann fragte: „Willst du reden?“
Maya drehte sich zu ihrem Verlobten um und bemerkte: „Was war das denn gerade? Wenn ich dich störe, dann kann ich auch gerne wo anders schlafen! Dann hast du deine Ruhe!“
Das verwirrte Sam: „Was meinst du?“
„Na dein Ausatmen!“, rief Maya nun. „Wenn ich dich jetzt schon nerve, wie wird das dann, wenn wir erst verheiratet sind?! Vielleicht sollten wir das einfach lassen! Ich geh! Ich kann jetzt erst recht nicht mehr schlafen und du willst ja deine Ruhe haben!“ Mit diesen Worten stand sie auf und verließ das Zimmer in Richtung Küche.
James war von einer lauten Stimme aufgeweckt worden und er erkannte, dass seine Tochter gerade Sam anschrie, deshalb verließ er auch das kuschelige Bett und ging in das Nebenzimmer, wo ein ziemlich zerknirschter, junger Mann im Bett saß.
„Mach dir keine Sorgen.“, beschwichtigte James seinen Schwiegersohn in Spe. „Das hab ich zweimal erlebt, als Lily mit Harry und dann mit Maya schwanger war. „Ich red mal mit ihr. O.K.?“ Sam nickte, froh, dass sein zukünftiger Schwiegervater ihn nicht mehr verfluchen wollte.
Unten in der Küche war Maya, als James eintrat, schon nicht mehr allein. Ihr Geschrei hatte auch Harry geweckt, der ihr gefolgt war. Sie tranken heiße Schokolade und James wurde von Harry gefragt, ob er auch eine Tasse wolle. Dieser nickte und eh er sich versah, hielt er eine wunderbar heiße Tasse in der Hand, deren duftender Inhalt ihm köstlich dampfend in die Nase strömte.
Schuldbewusst fragte Maya kleinlaut: „Hab ich dich etwa auch geweckt?“
James grinste: „Nun, dein zartes Stimmchen war für mein sensibles Ohr einfach nicht zu überhören. Was war denn der Grund dafür?“
Der Rotschopf schüttelte abwiegelnd den Kopf: „ Es war nichts. Ich hab absolut überreagiert.“
James ließ es dabei bewenden, da Maya sich schon von selbst wieder abreagiert hatte und meinte nur, nachdem er seine heiße Schokolade ausgetrunken hatte: „Wir sollten jetzt wieder ins Bett gehen.“
Maya und Harry blickten sich an, dann sagte der Ältere: „Ich glaube nicht, dass wir schlafen können. Wir haben irgendwie noch Angst, dass das alles nur ein Traum ist.“ Maya nickte, die Worte Harrys bestätigend.
James legte den Kopf schief und schmunzelnd meinte er: „Na, dann kriecht zu uns ins Bett. Und wir quatschen noch ein bisschen.“
Die Geschwister zogen gleichzeitig beide Augenbrauen nach oben und Maya gab zurück: „Na das mit dem Bett überhöre ich einfach mal. Ansonsten klingt das Angebot gut, aber schläft Mom nicht?“
James winkte ab: „Ja schon, aber glaub mir, sie würde sicher gerne von euch in der Nacht geweckt werden, weil ihr nicht schlafen könnt. Das haben wir nämlich verpasst und würden das gerne nachholen.“
Also gingen die Drei hoch und nachdem Maya sich noch bei Sam entschuldigt hatte, legten die Potters sich zusammen in das Bett von Lily und James, was dieser vorher mit Harrys Zauberstab magisch etwas vergrößert hatte, damit alle Platz haben würden.
Lily war von dem Gewühle aufgewacht und nuschelte: „James, was ist los?“
Der antwortete mit sanfter, vor Vorfreude überbordender Stimme: „Unsere Kinder konnten nicht schlafen und wollen nun bei uns sein und noch etwas reden.“
Das ließ Lily hellwach werden. Und sie konnte sich James’ Freude nur anschließen, als Harry und Maya sich neben ihr ins Bett kuschelten.
Harry hatte den Arm um seine Mutter gelegt, während James seine Tochter in den Arm nahm und dieser über den Bauch strich. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass darin gerade seine Enkelkinder heranwachsen sollten. Sein Blick verdüsterte sich, als er sich wieder klar machte, dass er seine Enkel nie würde im Arm halten können, dass ihre Zeit auf der Erde nur eine gestohlene Woche war, die schnell vorbei sein würde.
Lily, die den Blick ihres Mannes zu deuten wusste, meinte: „James, lass uns nicht daran denken, dass wir wieder verschwinden und unsere Kinder allein lassen müssen. Wir sollten die Zeit, die wir jetzt mit ihnen verbringen dürfen genießen. Deshalb, Harry erzähl doch mal, wo hast du deine Zeit vor Hogwarts denn verbracht?“
Eigentlich war es nicht gerade die Zeit vor Hogwarts, die Harry seinen Eltern zu erst erzählen wollte, er wollte sie nicht damit belasten, aber er wusste, sie hatten ein Recht es zu erfahren. Also begann er: „Nun...Dumbledore hat mich zu Tante Petunia und Onkel Vernon gebracht.“ Man sah Lily an, dass sie begann an Dumbledores Verstand zu zweifeln, aber sie unterbrach ihren Sohn nicht. „Es war eine Erlösung, als ich zu meinem elften Geburtstag erfuhr, dass ich ein Zauberer bin und nach Hogwarts gehen durfte. Ich musste meine Verwandten nur noch in den Sommerferien sehen und nicht die ganze Zeit, da ich oft zu meinem Besten Freund in den Fuchsbau eingeladen wurde um die restlichen Ferien dort zu verbringen.“ Harry lachte, weil er daran denken musste, dass es nie einen normalen Abgang bei den Dursleys gegeben hatte. Immer war irgendwas geschehen und das erzählte er nun, auf die Frage, was denn so lustig sei seinen Eltern und Maya. „Mir ist gerade aufgefallen, dass ich nie ohne Zwischenfall das Haus meiner Verwandten in den Sommerferien verlassen habe.
In den ersten Ferien wurde ich nach einem Zwischenfall von meinen Verwandten in mein Zimmer eingesperrt und daraus mit einem fliegenden Auto von meinen Freunden befreit. In den zweiten dann habe ich Tante Magda aufgeblasen, nachdem sie schlecht über euch gesprochen hat und bin dann getürmt. Nach meinem zweiten Schuljahr haben die Weasleys mich geholt wegen der Quidditchweltmeisterschaft und dabei den Kamin der Dursleys gesprengt und Dudley, mein Cousin, hat eine Zunge von der Größe einer Schlange bekommen, dank ein paar Scherzartikeln der Weasleyzwillinge. In den 4. Sommerferien dann wurden die Dursleys auf eine nicht stattfindende Veranstaltung geschickt und ich bin von einer Truppe Auroren geholt worden, nachdem ich von ein paar Dementoren angegriffen worden war. Das nächste Jahr hat mich Dumbledore persönlich abgeholt, was doch recht reibungslos von statten ging und im letzten Sommer bei den Dursleys, als ich volljährig wurde, da haben zuerst die Dursleys das Haus aus Sicherheitsgründen verlassen müssen und ich bin mit einem leider gescheiterten Ablenkungsmanöver für Voldemort und seine Todesser da rausgeholt worden.“
Beiden Potter-Eltern standen die Münder offen und auch Maya konnte die Geschichte einfach nicht glauben. Ihr Bruder schien wirklich nie eine ruhige Minute gehabt zu haben.
Nach ein paar Minuten, in denen alle das Gesagte noch einmal reflektiert hatten, ergriff James als erster das Wort: „Du warst auf einer Quidditchweltmeisterschaft?“
„James!“, raunte Lily gekünstelt vorwurfsvoll, immerhin kannte sie ihren Mann ja nun schon ein Stück. „Du denkst bei all dem, was unser Sohn uns gerade erzählt hat, tatsächlich zuerst an Quidditch?!“
James blickte seine Frau abwehrend an: „Das weißt du doch genau.“ Und an seinen Sohn gewandt, fragte er aufgeregt: „Wie war es? Wer hat gegen wen gespielt? Wer hat gewonnen? War es in England?“
Harry grinste. Er hatte gewusst, dass sein Vater genauso versessen auf Quidditch war, wie er und seine Schwester und war gerne bereit mit ihm darüber zu sprechen. Immerhin ein Thema, das fern war von den Abenteuern, in die Harry sich immer wieder mehr oder weniger freiwillig gestürzt hatte.
„Das Spiel fand in England statt. Es war das Finale zwischen Irland und Bulgarien. Die Iren waren alle geniale Spieler. Die Bulgaren waren auch spitze, hatten aber nur einen genialen Spieler, den Sucher Viktor Krum, der selbst noch ein Schüler war. Der hat am Ende auch den Schnatz gefangen, aber die Iren hatte zu viele Punkte, also verloren die Bulgaren dennoch das Spiel. Das Spiel war berauschend und die Geschwindigkeiten waren faszinierend. Man hat nur noch farbige Umhänge gesehen, ein großes Durcheinander, klare Spieler waren nicht mehr auszumachen, alles war verschwommen und man musste wirklich aufpassen, wenn man verfolgen wollte, wo der Quaffel sich gerade befand. Und noch mal zu Viktor Krum: Er fliegt, als ob er keinen Besen bräuchte, so galant und bei ihm hab ich zum ersten Mal den Wronski Bluff gesehen. Dad, kennst du den Wronski Bluff?“ Und nach einem Kopfschütteln von James Seite, begann Maya den Zug zu erklären. Lily hörte geduldig zu. Es waren aber nicht die Worte, die sie faszinierten, sondern die Begeisterung, mit der ihre Kinder von diesem Sport, den ihr Mann ebenso vergötterte, erzählten. Der Glanz in den Augen der beiden jungen Erwachsenen machte sie glücklicher, als sie es sich jemals hätte vorstellen können.
James fragte, nachdem Maya geendet hatte: „Hab ich das vorhin unten am Eingang eigentlich richtig verstanden? Du hast in Shinebroom Quidditch gespielt, Maya? Und du Harry, warst du auch in der Mannschaft in Hogwarts?“
Die Beiden nickten emsig und Harry sagte stolz: „Ich hab es schon in der ersten Klasse in die Mannschaft geschafft. Und in meinem sechsten Jahr war ich Kapitän, bevor ich jagt auf Voldemort gemacht habe.“
„Und dieses Jahr?“, wollte James wissen.
„Bin ich Kapitänin gewesen.“, antwortete Maya wehmütig und fügte hinzu: „Sag mal Harry, würdest du das für mich ab nächstem Jahr übernehmen. Selbst wenn ich wieder zurück kann, darf ich sicher nicht mehr auf einen Besen steigen, so lange ich schwanger bin. Und es wäre auch zu gefährlich.“
Harry lächelte tröstend seine Schwester an. Er konnte genau fühlen, wie es ist nicht spielen zu dürfen. Das hatte er ja schon oft genug erlebt. Also sagte er: „Ich übernehme das gerne, aber ich teile den Posten gerne mit dir. Wenn du willst, kannst du vom Boden aus Anweisungen geben. Dann können wir die neuen Techniken und Manöver noch etwas perfektionieren.“
Maya nickte froh: „Ja, das machen wir. Aber jetzt erstmal genug vom Quidditch. Ich glaub wir langweilen Mom.“
„Nur ein bisschen.“, schmunzelte Lily. „Aber jetzt sagt mal, habt ihr noch was anderes an der Schule gemacht, als Quidditch zu spielen?“
Harry ließ seiner Schwester den Vortritt, aber die meinte nur Schulter zuckend: „Ach bei mir gab’s eigentlich nichts Interessantes. Nichts im Gegensatz zu dem, was du so erlebt hast, Harry.“
„Jetzt mach mal halblang!“, protestierte Harry. „Nur weil du nicht ständig irgendwelche bizarre, haarsträubende Sachen erlebt hast, heißt das ja nicht, dass dein Leben uninteressant gewesen wäre! Langweiliger wäre mir lieber gewesen, glaub mir. Und jetzt erzähl, ich würde nämlich auch gern mal erfahren, was du so gemacht hast!“
Lily half ihrer Tochter auf die Sprünge, indem sie fragte: „Wie war denn dein erster Schultag. Wir haben ja keine Ahnung, wie das in Amerika so läuft.“
Und Maya begann zu erzählen: „Also wir fahren nicht mit dem Zug nach Salem, sondern wir werden am ersten Schultag von den Eltern dahin begleitet. Da hab ich auch Sam kennen gelernt, denn er war mein Tutor. Er hat mir alles gezeigt und wenn ich Probleme hatte, konnte ich mich an ihn wenden. Wir haben uns schon damals super verstanden. Wir werden auch nicht in Häuser eingeteilt, sondern es werden die Mädchen und die Jungs getrennt unterrichtet und untergebracht.“
„Getrennt!?“, prustete Harry los.
Maya nickte und grinste dann schalkhaft: „Nicht, dass wir diese Regel tatsächlich beachtet hätten. Wir haben uns nur nicht erwischen lassen. Mal ehrlich, ich weiß nicht wieso, aber wenn mir jemand ne doofe Regel vor die Nase stellt, dann arbeitet es bei mir schon im Kopf einen Plan aus, wie ich diese umgehen könnte. Sonst wäre die Schulzeit auch echt langweilig gewesen.“
Nach diesen Worten wurde sie von einem überglücklichen James fast erdrückt: „Das hast du von mir!“
Leicht beleidigt bemerkte Lily: „Anscheinend hast du außer des Aussehens nichts von mir geerbt.“
„Doch hat sie.“, warf Harry ein. „Sie ist absolut genial in Zaubertränke und auch sonst, sie hatte alles Ohnegleichen in ihren ZAGs gehabt.“
Auf diese Worte hin errötete Maya nun und nuschelte mit ganz untypischer Bescheidenheit: „Ach, na ja.“
„Nein, erzähl.“, unterbrach Lily ihre Tochter. Froh nun auch eine Gemeinsamkeit mit ihr zu haben.
„Also, ich fand es nicht besonders schwer gut in meinen Fächern zu sein, ich konnte mir den Stoff einfach schnell merken. Aber mit Zaubertränke war das etwas anderes. Ich finde es so faszinierend, dass man durch die kleinste Veränderung einer Zutat, den Trank zu etwas ganz anderem machen kann. Diese haargenaue Arbeit ist toll. Ich hab ab der zweiten Klasse dann richtig Nachhilfe in Zaubertränke gegeben. Sogar ältere Schüler sind zu mir gekommen. Und das war echt toll!“
„Willst du dann etwas in diese Richtung machen?“, fragte Lily.
„Also als Heilerin muss man auch gut in Zaubertränke sein, ja es geht schon in die Richtung.", nickte Maya.
Lily machte große Augen. Ihre Tochter wollte Heilerin werden. Und sie meinte: „Du wirst sicher eine wundervolle Heilerin sein.“
Maya senkte den Kopf.
„Was ist los, Liebes?“, wollte die ältere Hexe wissen. Und James fragte misstrauisch: „Will Sam etwa, dass du zu Hause bleibst? Dem werd ich aber gewaltig den Kopf waschen!“ Aber Maya hinderte ihren Vater am Aufstehen und schüttelte den Kopf: „Ich hätte es für ihn und unsere Babys jederzeit getan und hatte auch vor es zu tun, aber er hat mir den Kopf gewaschen. Gemeint, dass es Verschwendung wäre, wenn ich nur zu Hause am Herd stünde. Und dass er das niemals zulassen würde. Also beruhig dich. Das ist nicht das Problem, sondern die Schule. Ich weiß noch nicht, ob ich zurück darf. Das entscheidet sich noch.“
James plusterte sich auf und rief: „Mit McGonagall hab ich sowieso noch ein Wörtchen zu reden! Dich rauswerfen, dass ich nicht lache! Was sie gemacht hat, war Erpressung!! Und sie wird mich kennen lernen, wenn sie dich nicht wieder nach Hogwarts lässt! Das hätte ich nie von ihr gedacht! Ein Kind abtreiben ist in meinen Augen Mord!! Jeder, der so etwas tut oder verlangt, dass ein anderer es tut, der ist ein Mörder!!!.“
Lilys Augen waren während dieser Tirade immer glasiger geworden und als James geendet hatte, rannte sie aus dem Zimmer. Maya, die wusste, was in ihrer Mom vorging, lief hinterher und fand sie auf dem Boden im Bad. Da, wo sie selbst noch vor ein paar Stunden gesessen hatte. Und die ältere Hexe weinte bitterlich, wegen der harten Worte James, die ihr gegolten hätten, hätte er gewusst, was sie getan hatte.
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