
von GinnyNic
Ginny war schon früh wach geworden und sie vermisste Harry unheimlich. Sie hatte ihn gestern Nacht noch einmal kurz gesehen, als er Sam aus dem Fuchsbau geholt hatte, weil Maya mal wieder zusammen gebrochen war. Daher wusste sie, wo sie ihren Freund nun finden konnte und war zum Grimmauldplatz aufgebrochen. Mit zwei schnellen Sätzen hatte sie den Schutzzauber im Haus abgestellt und hoffte nun, dass niemand deshalb aufgewacht war. Die junge Frau konnte sich vorstellen, dass die Familie Potter diese Nacht nicht allzu viel Schlaf bekommen hatte und deshalb noch in den Federn lag. Es war ja auch gerade mal 8 Uhr in der Frühe, aber Ginny hatte nichts mehr zu Hause gehalten.
Da sie keine Ahnung hatte, wo Harry im Augenblick war, entschied der Rotschopf sich dafür, in der Küche zu warten und schon einmal Frühstück zuzubereiten. Sie hatte schon den Tisch gedeckt und begann nun Kaffee zu kochen, als ihre Freundin Maya mit versteinertem Gesicht die Küche betrat und flehte: „Bitte wende einen Gedächtniszauber auf mich an!“
Ginny ging zu Maya, die sich auf einen Stuhl hatte plumpsen lassen und meinte trocken: „Ich wünsch dir auch ne frohe Weihnacht...Was ist denn passiert?“
Der angesprochene Rotschopf verzerrte das Gesicht zu einer Grimasse und gab zurück: „Ich meine, es war mir ja klar, dass sie ES zu ihren Lebzeiten getan haben. Sonst wären Harry und ich nicht zustande gekommen, aber uähh, so direkt damit konfrontiert zu werden, ist nicht gerade das, was man sich am frühen Morgen wünscht. Jetzt werd ich das bestimmt nie wieder aus meinem Kopf bekommen.“
Ginny riss die Augen weit auf, es gab kein Weasleykind, dass Arthur und Molly Weasley nicht wenigstens einmal in flagranti erwischt hatte. Das war immer der Zeitpunkt der jeweiligen Aufklärung gewesen. Sie konnte sich noch sehr gut daran erinnern, als es sie erwischt hatte und mit einem Wedeln ihres Kopfes, wischte sie diesen Gedanken beiseite und fragte: „Du hast sie in flagranti erwischt?“
Maya zuckte die Schulter und mit einem verwirrt fragenden Blick meinte sie: „Na ja. Ab wann kann man das denn so nennen? Ich meine, sie waren beide nackt und Dad lag auf Mom und küsste sie.“
Ginny nickte mitfühlend und bestätigte: „Ja, das kannst du in flagranti nennen, eindeutig. Haben sie was gemerkt?“
„Haben sie WAS gemerkt?“, erklang eine Männerstimme aus dem Hintergrund.
„Dad!“, Maya war aufgesprungen und knallrot angelaufen, aber schaffte es nicht ihrem Vater in die Augen zu blicken.
James grinste und meinte wissend: „Da war wohl heute Morgen jemand im Salon.“, immer noch höchst amüsiert, stellte Mayas Vater fest: „Scheinbar sind deine Babys dir zugeflogen, Maya-Schatz, oder wie ist das abgelaufen?“
Wenn das überhaupt möglich war, errötete Maya noch mehr und stammelte: „Also...Dad...aber...aber das ist ja was ganz anderes!“, Maya war nun bereit wieder klare Sätze zu formulieren: „Wie hättest du es denn gefunden, Sam und mich dabei zu erwischen?! Das ist nicht schön! Das ist peinlich!“
James nickte: „Okay, du hast Recht und jetzt sagt mal, riech ich hier Kaffee und wer bist überhaupt du?“, fragte der verstrubbelte Mann nun Ginny bemerkend.
Die erwiderte etwas erschrocken über die plötzliche Aufmerksamkeit mit ungewöhnlich hoher Stimme: „Ginny Weasley, Harrys und Mayas Freundin.“
„Zuallererst aber Harrys Freundin, damit das hier nicht untergeht.“, fügte Maya hinzu.
„Oh die Freundin meines Sohnes!“, freute sich James und schloss Ginny in seine Arme. „Soweit waren wir noch nicht gekommen.“
Ginny blickte Maya fragend an, die daraufhin erklärte: „Dad meint damit, dass Harry noch nichts von dir erzählt hat. Ich glaub, heute werden wir noch viel reden. Hast du auch Lust mit hier zu bleiben oder erwartet dich deine Familie zurück?“
„Ich hab meinen Eltern einen Zettel dagelassen.“, erwiderte Ginny „Sie wissen also, wo sie mich finden können und ich würde unheimlich gerne mit hier bleiben. Das wird bei Harrys Leben sicher wie ne Märchenstunde.“
Maya nickte zustimmend: „Ja, ich bin auch schon gespannt, soviel hat er mir ja auch noch nicht erzählt. Und jetzt geh ich erstmal hoch, meinen Verlobten wecken. Übrigens – frohe Weihnachten ihr zwei!“
Während Ginny sich wieder den inzwischen brutzelnden Eiern zu wand und James nun noch gespannter auf die Geschichte seines Sohnes war, ging Maya die Treppe hoch zu Sam, betrat leise das Schlafzimmer und legte sich neben ihren Verlobten ins Bett. Eine Minute lang betrachtete die Hexe, wie sich der Brustkorb ihres Zukünftigen stetig hob und senkte, dann zog sie mit ihrem rechten Daumen seine leicht lächelnden Lippen nach, bevor sie ihm einen sanften Kuss auf diese drückte. Gerade wollte sich Maya wieder entfernen, als sie ein paar Hände um die Hüften packten und sie näher zogen.
„Seit wann bist du schon wach.“, fragte Maya, nachdem sie es geschafft hatte, sich von Sam zu lösen.
„Seit du dich zu mir ins Bett gelegt hast.“, gab dieser lächelnd zurück. Dann lehnte er sich wieder vor um dort weiterzumachen, wo seine Verlobte unterbrochen hatte. Dabei musste Sam daran denken, dass er jetzt würde jeden Morgen neben dieser wundervollen Frau aufwachen dürfen. Seine Hände, die bis jetzt nur auf ihren Hüften geruht hatten, schlüpften unter ihr Shirt und strichen über die warme Haut darunter, erst am Rücken hoch, dann an den Seiten nach unten und schließlich vorn über Mayas Bauch. Von einem plötzlichen Gefühl der Euphorie gepackt, löste sich Sam vom Mund seiner Zukünftigen und tauchte ab, um Mayas Bauch mit vielen kleinen Küssen zu liebkosen. Und ließ zwischen den Küssen ab und zu einen Satz fallen. „Hallo meine Süßen.“... „Ich bin euer Papa.“... „Und ich kann es kaum erwarten euch zu sehen und im Arm zu halten.“ ... „Ich liebe euch so sehr und...ich liebe eure Mama.“ Und mit diesem letzten Satz blickte Sam der strahlenden Maya in die grünen Augen, die ihm erst entgegenblickten, dann aber kurz an ihm vorbei zur Tür huschten. Deshalb drehte der Zauberer sich um, um in zwei weitere, leuchtende Smaragde zu blicken, die Mayas Ebenbild gehörten. Lily blickte noch eine Weile schweigend ihren zukünftigen Schwiegersohn an. Dieses Bild hatte sie zutiefst gerührt.
Dann meinte sie nur: „Frohe Weihnachten ihr zwei Süßen! Das Frühstück ist fertig, falls ihr Hunger habt. Aber vielleicht wollt ihr ja auch erst eure Geschenke auspacken, deine, Maya, liegen übrigens in unserem Schlafzimmer, weil du und Harry dort geschlafen habt. Harry ist gerade am Auspacken, kannst dich ihm ja vor dem Frühstück noch anschließen und dann runterkommen.“, dann machte Lily sich auf nach unten um zu frühstücken.
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„Frohe Weihnachten, Bruderherz!“, Maya hatte sich kurz geduscht und angezogen, dann war sie in das Schlafzimmer ihrer Eltern gegangen um ihre Geschenke auszupacken und war ganz überrascht von dem großen Stapel, der vor ihrem Bett lag. Nicht, dass sie jemals wenig bekommen hätte, sie konnte sich nur nicht vorstellen, wer sie alles beschenkt haben sollte.
„Frohe Weihnachten, Schwesterchen! Und danke für das Buch über die Quidditchmannschaften Amerikas und den signierten Schnatz, das ist genial!! Wo hast du den her?“
„Gern geschehen! Der Schnatz gehörte mir. Ich hab ihn aus Versehen gefangen, als er der Tribüne nahe kam, während eines Spiels meiner Lieblingsmannschaft. Ich musste ihn natürlich wieder fliegen lassen, aber nach dem Spiel hat der Sucher mir den Schnatz signiert und geschenkt. Da ich aber Jägerin bin und du Sucher, dachte ich mir, dass er für dich passender wäre und du dich sicher freuen würdest.“, erzählte Maya und machte sich dann daran, ihren eigenen Geschenke auszupacken. Zuerst nahm sie sich einen kleinen unscheinbaren Umschlag vor, der ganz oben auf dem Stapel lag. Sie öffnete ihn und aus dem Umschlag fiel eine Karte. Darauf stand geschrieben:
Liebe Maya!
Dieses Geschenk soll alle Geburtstage und Weihnachten umfassen, die ich verpasst habe, außerdem soll es dein und Sams Hochzeitsgeschenk sein.
Ginny und ich schenken dir und Sam eure „Flittertage“
Wir haben für euch Zimmer in einem Hotel auf Teneriffa gebucht. Und ein paar Portschlüssel für den 27. Dezember beantragt, die euch und eure Hochzeitsgäste direkt dorthin bringen können. Ich hoffe du bist mir nicht böse, dass wir über deinen Kopf hinweg entschieden haben und die Zeremonie dorthin verlegt haben, aber Ginny meinte, dass du ihr mal gesagt hast, dass du gerne dort heiraten würdest. Da nun Mom und Dad und einige andere Tote kurzfristig wiedergekehrt sind, werden wir wohl noch ein paar zusätzliche Zimmer buchen oder die gebuchten magisch verändern müssen, aber das wird bestimmt kein Problem sein.
Frohe Weihnachten!
Harry und Ginny.
Maya musste sich den Brief mehrmals durchlesen um das zu glauben, was dort stand. Als es endlich eingesunken war, sprang Maya auf und stürzte sich in die Arme ihres Bruders, wobei sie den sitzenden Harry umwarf und ihn mit ihrem Körper auf dem Boden festnagelte. Dabei rief sie: „Merlin, du bist wahnsinnig!!! Das ist so genial! Da komm ich mir ja dumm vor mit meinem Geschenk!“
„Ach sei doch nicht albern, Maya!“, brachte Harry seine Schwester zum Schweigen. „Dein Geschenk ist toll! Ich hab mich riesig gefreut und noch mehr als du gesagt hast, woher der Schnatz ist. Und Ginny und ich haben dir das Geschenk gerne gemacht. Also jetzt mach dir bloß keinen Kopf!“
Die Hexe befreite ihren Bruder wieder aus ihrer Umarmung und packte nun das nächste Geschenk aus. Es war von Ron und Hermine. Aber Ron hat wahrscheinlich nur seinen Namen darunter gesetzt denn es waren Bücher zu Schwangerschaft, Namenssuche, Geburtsmöglichkeiten und Erziehung. Gerade blätterte Maya in einem der Bücher herum und war auf einer Seite mit Schwangerschaftsgymnastik angelangt, als es neben ihr auf japste und sie sich eine Sekunde später am Boden wieder fand und Harry schrie: „Du hast mich ja voll reingelegt! Konnte ja keiner ahnen, dass sich in dem Schnatz noch was befindet!!
4 Logenplätze für die nächste Quidditchmeisterschaft im Sommer! Du musst ja verrückt sein!“
„Sagt der Herr, der meine Hochzeit mal schnell auf die Kanaren verlegt hat.“, kommentierte der gequetschte Rotschopf so sarkastisch, wie eben möglich, wenn man gerade zu Boden gestreckt wurde.
Beide machten sich weiter daran die Geschenke auszupacken. Maya erhielt ein paar Eulenkekse und Süßigkeiten von Vivian aus Amerika, einen dicken grünen Pulli von Mrs. Weasley, den sie sich gleich überstreifte (Ginny musste ihr ihre Lieblingsfarbe verraten haben), einen rot-gelben Kinderwagen für Zwillinge, der sich nach dem Auspacken prompt vergrößert hat von ihren Adoptiveltern (Maya war dabei nicht entgangen, dass das die Gryffindorfarben waren) und ein paar Umstandskleider von ihren Schwiegereltern, die Maya sehr gefielen.
Zu guter Letzt öffnete die Hexe noch einen Umschlag und zog ein Blatt Pergament heraus, auf dem nur stand: Später.
Maya schmunzelte und fragte sich, was Sam wohl mit ihr vorhatte, denn das war eindeutig seine Handschrift gewesen. Und dabei wusste er doch, wie ungeduldig sie war.
Hungrig blickte die Hexe zu ihrem Bruder, um sich zu erkundigen, wie weit er war, damit sie endlich zum Frühstück gehen konnten. Der hatte seine ganzen Geschenke ausgepackt und strahlte freudig übers ganze Gesicht und trug ebenfalls einen selbst gestrickten Weasleypulli in rot und gelb.
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Als Harry und Maya endlich am Frühstückstisch auftauchten, waren die anderen schon fast fertig. Aber Harry hatte das Frühstück beim Anblick eines gewissen Rotschopfes sowieso aus seinem Geiste verdrängt, war auf seine Freundin zu gerannt und schloss sie mit einem freudigen „Frohe Weihnachten, mein Engel!“ in die Arme und küsste sie anschließend, alles um sich herum vergessend bis Sirius anfing zu johlen und anschließend aufschrie, da Lily ihm unter dem Tisch gegen das Schienbein getreten hatte.
Harry löste sich widerwillig von Ginny und setzte sich dann neben sie auch den anderen eine frohe Weihnacht wünschend.
Nachdem alle fertig gefrühstückt hatten gingen sie in den Salon um die Gespräche vom Vorabend fortsetzen zu könne, denn James, der wirklich gespannt war, hatte gedrängelt.
Maya erhob zuerst das Wort, denn sie wollte den anderen noch schnell von ihrem ganz speziellen Hochzeitsgeschenk erzählen und den damit verbundenen Änderungen: „Harry und Ginny waren so verrückt mir und Sam zu Weihnachten ein paar Flittertage inklusive vorheriger Hochzeit auf Teneriffa zu schenken, deshalb müssen wir etwas umdisponieren. Und um ehrlich zu sein, hab ich keine Ahnung, wie das alles laufen soll, vielleicht haben sich die Beiden auch dabei schon was gedacht?!“ und herausfordernd blickte Maya erst zu Ginny und dann zu ihrem Bruder, der nur meinte: „Keine Sorge. Wir haben schon dafür gesorgt, dass alles geregelt wird. Ein paar Hauselfen sind schon auf der Insel um alles zusammen mit dem, Hotelpersonal vorzubereiten. Wir haben in einem magischen Hotel gebucht, also dürfte alles kein Problem sein und du kannst dich entspannen.“, versicherte Harry seiner schon zufriedener dreinblickenden Schwester.
„Na gut, wenn das so ist, dann können wir ja mit der Märchenstunde beginnen.“, meinte Maya Schulter zuckend und blickte erwartungsvoll zu Harry.
Der allerdings wusste nicht, was er jetzt genau erzählen sollte, wo er am besten anfangen sollte, also fragte er: „Wollt ihr vielleicht etwas bestimmtes wissen, wenn ich jetzt alles erzähle, wird das bestimmt ein bisschen viel.“
„Dann fangen wir doch mit etwas schönem an.“, grinste Sirius. Wie seid Ginny und du denn zusammen gekommen. Als ich noch lebte, schien es mir nicht, als hättet ihr irgendwelche Gefühle füreinander.“
„War ja klar, dass DU so was fragst, aber es würde mich schon auch interessieren. Wie habt ihr euch denn genau kennen gelernt?“, fragte James.
„Soll ich?“, fragte Ginny, die an Harry gelehnt auf dem Sofa saß. Dieser hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt und nickte.
„Also.“, begann Ginny zu erzählen. „Ich erinnere mich noch immer daran, als wäre es erst gestern gewesen, da bin ich mit meinen Brüdern zum Zug gegangen. Ich durfte als einzige noch nicht nach Hogwarts und war traurig, weil jetzt keiner meiner Brüder mehr bei mir war. Da fragte uns ein Junge, mit ziemlich zerzaustem Haar und grünen Augen, die meinen Blick gefangen hielten und mir mein Herz raubten, wie er denn zum Bahnsteig käme. Ich glaube Mom hat dich da auch ins Herz geschlossen. Du hattest sie so höflich gefragt und schienst so verunsichert zu sein. Es war irgendwie süß.“, Ginny lächelte beim Gedanken an diese Erinnerung und gab Harry einen kleinen Kuss auf den Mund.
„Das war für mich alles so verwirrend.“, ergriff der junge Potter nun das Wort. „Ich habe bis zu meiner Auswahl noch geglaubt, dass das ein Missverständnis sein müsse. Ich dachte der Hut würde mir sagen, dass alles nur ein Fehler sei und mich wieder nach Hause schicken.“
Ginny verdrehte die Augen: „Du und deine Bescheidenheit, Schatz. Alle Welt kennt den großen Harry Potter, nur er selbst glaubt, dass er nicht gut genug für die Zaubererwelt wäre.“
Harry schloss kurz die Augen und öffnete sie dann wieder: „Worauf sollte ich denn stolz sein? Bis zu dem Zeitpunkt, als Hagrid mich abholte, hatte ich keine Ahnung wer ich eigentlich war. Ich dachte, meine Eltern wären bei einem Autounfall gestorben und schlief bis ich elf wurde in einem Schrank unter der Treppe.“
Gerade wollte Lily zu Harry gehen und ihn in den Arm nehmen, als es an der Tür klingelte.
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