
von GinnyNic
„Alice, wie...?“
Lily blieben die Worte im Hals stecken, als Alice begann die Decke ihres Bettes zurückzuschlagen, ihre Füße nach draußen schwang und auf sie zukam.
„Lily, du bist es wirklich.“, lächelte Alice und umarmte ihre Freundin fest.
„Alice...!“, eine weitere sehr raue Stimme, die ebenfalls nicht zu ihnen gehörte, drang an ihre Ohren. Auch Frank war wieder richtig aufgewacht. Er blickte sich im Raum um und fragte: „Wo bin ich? Was ist geschehen?“
Augusta fiel in Ohnmacht und hatte Glück, dass James in ihrer Nähe gestanden hatte, denn Neville wäre momentan nicht in der Lage gewesen seine Großmutter aufzufangen.
„Ich hole jemanden!“, rief Maya und war auch schon losgerannt um einen Heiler oder wenigstens einen Pfleger zu holen. Sie hatte Glück und es kam ihr gerade ein Heilerteam entgegen, das die Visite machen wollte. Sie versuchte sich etwas zu beruhigen, ging auf das Heilerteam zu und meinte: „Sie müssen schnell mitkommen. Wir haben gerade die Longbottoms besucht, da hat Alice angefangen zu sprechen, kurz darauf auch Frank. Das hat dazu geführt, dass Augusta Longbottom in Ohnmacht gefallen ist.“
Eine Heilerin hatte zuerst die schnellen Worte Mayas aufgenommen und sagte nun: „Das kann doch gar nicht sein!“
Maya sagte schlicht: „Überzeugen Sie sich selbst.“
Also folgte ihr das Heilerteam noch ein wenig misstrauisch. Jedes Misstrauen verschwand aber beim Betreten des Zimmers, denn ganz offensichtlich waren beide Longbottoms aus ihrer Foltertrance wieder erwacht. Aber erst einmal mussten sie sich um die ältere Hexe kümmern. Schnell rief einer der Heiler einen Trank auf, den er der Hexe verabreichte, die kurz darauf wieder die Augen öffnete und flehte: „Bitte sagt mir, dass das nicht alles nur ein Traum war.“
„Nein, keine Sorge, es ist wahr. Sowohl Alice als auch Frank sind wieder richtig wach.“, beschwor James die ältere Hexe und hoffte, dass ihr Herz das alles mitmachen würde.
Der ältere Potter half ihr noch auf, dann ging er zu den Ärzten, die gerade eine Erklärung zu finden versuchten.
„Wir müssen herausfinden, was genau das ausgelöst haben könnte.“, meinte gerade einer der Heiler.
„Aber das ist doch wohl klar.“, verdrehte Maya die Augen.
„Na dann, erklären Sie es uns doch, wenn es so einfach ist.“, zischte einer der Heiler bissig.
„Gut.“, erwiderte Maya schnippisch. „Man braucht ja wohl nur zu überlegen, was all die Jahre nicht war...was heute anders ist. Und das ist ja wohl eindeutig die Anwesenheit von Mum und Dad, da die bisher tot waren. Außerdem war das erste, was Alice Longbottom gesagt hat – Lily. Und Frank Longbottom ist dann durch die Stimme seiner Frau aus der Trance aufgewacht.“
„Das klingt logisch.“, wand jetzt Alice ein, die es seltsam fand, dass über sie gesprochen wurde, als wäre sie nicht mit im Raum.
„Habt ihr nicht jemanden vergessen?“, wies Harry leise auf den reglosen in der Ecke sitzenden Neville hin.
„Wer ist das?“, erkundigte Frank sich flüsternd.
„Das ist euer Sohn, Neville.“, erklärte Harry.
Erschrocken sah Frank Harry an: „Wie viele Jahre sind vergangen? Wie lange waren wir nicht richtig da? Neville war doch gerade erst geboren!“
„Er ist inzwischen 18 Jahre alt, Mr. Longbottom. Sie sollten mal zu ihm gehen. Es ist sicher ein großer Schock für ihn.“, antwortete der jüngere Potter.
Frank und Alice, die ebenfalls auf Neville aufmerksam geworden war, nickten und gingen zu ihrem Sohn, der, als er seine Eltern auf ihn zukommen sah, schräg grinste um ihnen keinen Anlass zur Sorge zu geben. Er wollte stark sein, für sie.
Doch auch wenn sie all die Jahre mit ihrem Sohn verpasst hatten und ihn nicht so gut kannten, wie sie gerne wollten, konnten Frank und Alice den Jungen vor ihnen gut durchschauen und als Alice sich hinunterbeugte und ihren Sohn das erste Mal seit Jahren bewusst in den Arm nahm, flüsterte sie zärtlich: „Du musst nicht stark sein Neville-Schatz. Die ganzen Jahre hast du schon stark sein müssen. Ich hab dich lieb, mein großer Junge.“
Mit diesen Worten war das Eis für Neville gebrochen. Er lehnte sich an seine Mutter und fing haltlos an zu schluchzen. All die Jahre hatte er das tun wollen - seine Mutter zu umarmen, mit ihr zu reden, ihre Stimme zu hören - nun konnte er nicht glauben, dass er genau das tat und nun für immer würde tun können.
„Wir sollten sie jetzt erstmal allein lassen. Was meint ihr?“, meinte Maya zu ihren Eltern und Harry. Diese stimmten ihr zu und Lily sagte noch zu Alice: „Wollt ihr nicht auf die Hochzeit unserer Tochter kommen? Übermorgen gehen die Portschlüssel auf die Kanaren. Wenn ihr mitwollt, kommt einfach früh am Grimmauldplatz 12 vorbei. Wie spät geht es los, Harry?“
Der Angesprochene sagte: „Seid am Besten um 9 Uhr da. Um 9.30 geht es dann mit mehreren Portschlüsseln los. Es wird bestimmt ein Chaos herrschen, nicht dass wir euch dann vergessen. So können wir uns gut organisieren.“
Frank, Alice und Neville nickten, dann ging die Potterfamilie und machte sich wieder auf in den Grimmauldplatz.
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Noch bis lang in die Nacht war großer Tumult in dem ehemaligen Hauptquartier des Ordens. Keiner hatte sich verabschieden wollen und einige waren auch über Nacht geblieben.
Am nächsten Morgen war Maya die erste, die auf den Beinen war. Viel zu aufgeregt war sie, denn sie würde morgen heiraten und sie durfte auf keinen Fall etwas vergessen nach Teneriffa mitzunehmen. Es war um sieben und schon seit einer Stunde wuselte Maya durch das Zimmer. Am Abend zuvor hatte sie sich noch daran erinnert, dass ihre ganzen Sachen sich ja noch im Tropfenden Kessel befanden und hatte Sam gebeten sie mit ihr zusammen noch schnell zu holen, außerdem mussten sie das Zimmer ja nicht unnötig weiter belegen.
So durchforstete der Rotschopf nun den Koffer auf der Suche nach Sachen, die sie unbedingt brauchen würde und legte diese auf einen Stapel.
„So ein Mist!“, fluchte die Schwangere gerade; da sie das blaue Strapsband einfach nicht finden konnte; was Sam aus dem Schlaf riss.
Der Braunhaarige setzte sich verschlafen im Bett auf und blickte auf um sich nach der Quelle des Lärmes zu erkundigen. Als er seine Verlobte entdeckte, die aufgeregt in ihren Sachen zu wühlen schien, musste er schmunzeln. Morgen würde er seine süße Rothaarige heiraten, die, wie es aussah, schon sehr aufgeregt war.
„Guten Morgen, Liebling.“, sagte Sam um Maya auf sich aufmerksam zu machen. Diese blickte kurz auf und wollte sich schon wieder ihren Sachen zuwenden, aber Sam ging zu ihr, zog sie hoch und sagte zu ihr ohne einen Widerspruch zu dulden: „Los, wir gehen jetzt runter und frühstücken was, da kannst du dich erst einmal beruhigen und dann, wenn alle wach sind, dann packen wir alle zusammen die Sachen für die Hochzeit ein und bereiten noch was vor.“
Und ohne auf ein Wort von Maya zu warten, packte er ihre Hand und zog die junge Frau nach unten in die Küche, platzierte sie auf einem der Stühle und bereitete Frühstück für sie beide und die anderen zu.
„Kann ich dir nicht wenigstens ein bisschen helfen?“, schmollte Maya, die einfach nicht ruhig dasitzen konnte.
Sam verdrehte die Augen und meinte dann: „Meinetwegen darfst du den Tisch decken, wenn du magst.“
Strahlend erhob sich Maya, als hätte sie gerade ein riesiges Geschenk erhalten und begann Teller, Tassen und Besteck auf den Tisch zu räumen. Dann ging sie zu Sam, der gerade Speck und Eier briet, was Mayas Magen mit einem lauten Knurren quittierte und sie blickte ihren Verlobten rehäugig an und quengelte: „Kann ich bitte jetzt schon was bekommen, sonst verhungern ich und die Babys.“
Dazu konnte Sam einfach nicht ‚nein’ sagen. Kopfschüttelnd und mit einem Schmunzeln auf den Lippen, nahm er einen Teller und packte ein Paar Scheiben Speck und etwas Rührei auf einen Teller, den Maya freudig in Empfang nahm.
Gerade hatte sich die Rothaarige gesetzt und das Besteck erhoben, als das Lächeln in ihrem Gesicht erlosch. Sie legte Gabel und Messer beiseite und meinte nachdenklich mit im Schoß zusammengefalteten Händen: „Irgendwas fehlt.“
Sam drehte sich zu ihr um und wusste sofort, dass Maya keinen Bissen anrühren würde, wenn ihr nicht bald einfiel, was sie noch haben wollte, also versuchte er ihr auf die Sprünge zu helfen: „Wie wäre es denn mit sauren Gurken, die magst du doch so.“
Die Schwanger schüttelte den Kopf mit angewidertem Gesicht: „Nein, davon wird mir schlecht.“
Der junge Mann hob eine Augenbraue und machte sich eine gedankliche Notiz, endlich eine Liste zu erstellen, da er sonst Gefahr lief in ein schlimmes Fettnäpfchen zu laufen, wenn er eines der nicht mehr akzeptablen Lebensmittel während der Schwangerschaft noch ein weiteres Mal erwähnen würde.
„Ananas.“
„Was?“, fragte Sam in der Hoffnung sich verhört zu haben, denn die Vorstellung, dass seine Zukünftige Speck und Eier mit Ananas essen wollte, rief bei ihm einen leichten Brechreiz hervor.
„Ich möchte Ananas dazu haben...und vielleicht noch Ketchup?“, fragte Maya mit einem Bettelblick.
Sam musste erneut den Kopf schütteln und ging zur Vorratskammer, dort holte er eine Dose Erbsen hervor, die er in eine Dose Ananas verwandelte. Und ein paar Tomaten verwandelte er in eine Flasche mit Ketchup. Den Ketchup reichte der Braunhaarige seiner Verlobten, die Dose Ananas öffnete er zuerst und füllte sie in eine kleine Schale, die er ebenfalls Maya gab.
Die Rothaarige bedankte sich mit einem innigen Kuss, dann wendete sie sich ihrem Essen zu, sie tat sich Ananas auf den Teller und übergoss alles mit Ketchup, schließlich aß sie genüsslich das, was andere im Traum nicht hinunterwürgen könnten.
„Was riecht denn hier so gut?“, Lily war erwacht und immer ihrer Nase in die Küche gefolgt. Dort stand Sam am Herd und briet ein paar Sachen und ihre Tochter saß am Tisch und schien etwas Ungenießbares zu verspeisen.
„Was ist das denn?“, fragte Lily Nase rümpfend und setzte sich zu Maya.
„Was ist denn damit.“, fragte Maya zufrieden schmatzend.
„Ach nichts.“, schüttelte die Auferstandene ungläubig den Kopf.
Nach und nach kamen die restlichen Bewohner des Grimmauldplatzes und die Übernachtungsgäste in die Küche und setzten sich in freudiger Erwartung auf ein gutes Frühstück an den Tisch, der schon reichlich gedeckt war. Von den Gästen des Vortags waren „nur“ noch die Weasleys, die Lupins, Hermine, Ron und die Eltern von Sam und Maya geblieben. Alle zusammen saßen sie nun am Tisch und besprachen, was noch alles getan werden musste, bevor sie nach Teneriffa reisen würden.
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Viel zu schnell, nach Mayas Geschmack war der Tag vergangen. Alle Koffer waren gepackt und Maya hatte das dumme Gefühl etwas vergessen zu haben. Noch lange wälzte der Rotschopf sich im Bett herum, weil er nicht einschlafen konnte. Ginny bemerkte die Unruhe ihrer besten Freundin, die diese Nacht bei ihr im Zimmer schlief, da die Tradition es ja so verlangte und alle Frauen darauf bestanden hatten. Deshalb war Maya auch ein wenig schlecht gelaunt ins Bett gegangen. Ihr war die Tradition ja so was von egal. Sie wollte auch in dieser Nacht kurz vor ihrer Hochzeit in Sams Armen einschlafen. Aber die Vorstellung, dass sie das nächste Mal als seine Frau neben ihm einschlafen würde, brachte doch ein seliges Lächeln auf ihre Lippen.
„Maya, kannst du nicht schlafen?“, fragte Ginny ihre Freundin nach einer halben Stunde, in der die junge Frau sich immer wieder von einer Seite auf die andere gewälzt hatte.
„Hab ich irgendetwas vergessen?“, fragte Maya verzweifelt.
„Überlegen wir, was wir auf keinen Fall vergessen dürfen, alles andere ist sowieso unwichtig.“, schlug Ginny vor.
Maya nickte und sagte: „Ja.“, als ihr einfiel, dass Ginny ein Nicken ja nicht sehen konnte.
„Die Ringe?“, fragte Ginny.
„Hat Harry.“, antwortete Maya knapp.
„Was Blaues, Neues, Geborgtes und Altes?“
„Mein Strapsband, das Kleid, das Diadem meiner Adoptivmom, die Kette – ein Erbstück von meiner Grandma.“.
„Das Kleid?“
„Dumme Frage.“
„Schuhe?“
„Im Koffer.“
„Schleier?“
„Oh...das ist es, ich hab meinen Schleier vergessen.“, Maya war aufgesprungen und begann hektisch aus dem Zimmer zu laufen. Ginny folgte ihr und Maya erklärte: „Mom wollte noch etwas daran verändern. Er ist noch in ihrem Zimmer.“
„Und du meinst nicht, dass sie ihn eingepackt hat?“, fragte Ginny sarkastisch.
Maya ignorierte das einfach, ging ins Zimmer von Lily und James ohne anzuklopfen und gleich wieder hinaus.
„Mist.“, fluchte die baldige Braut.
„Schon wieder?“, fragte Ginny wissend.
Noch bevor Maya antworten konnte, öffnete sich die Tür erneut und Lily trat heraus mit einem neugierigen Blick. Peinlich schien ihr das nicht zu sein, aber sie bemerkte sehr wohl, die Röte Mayas, da sie das Licht im Zimmer angedreht hatte.
„Was ist denn los, Maya-Liebling? Warum schläfst du noch nicht?“, fragte Lily nun.
„Ich hatte das Gefühl etwas vergessen zu haben.“, erklärte die Rothaarige. „und da fiel mir der Schleier ein.“
Lily seufzte: „Ach Schatz, du bist einfach viel zu aufgeregt. Denkst du denn, ich hätte den Schleier nicht schon längst eingepackt? Es ist alles O.K. Leg dich jetzt wieder hin.“
Mayas Augen wurden wässrig und sie schluchzte: „Ich will aber bei Sam schlafen. Nur so werde ich gut einschlafen können.“
Lily seufzte erneut und meinte dann: „Eigentlich ist mir diese Tradition auch egal. Ich bin auch in der Nacht vor unserer Hochzeit in James Bett geschlichen. Also geh ruhig. Aber tu mir einen Gefallen und sag es Molly nicht, sie ist ja so abergläubig.“
Maya nickte strahlend und verschwand schnell in Sams Zimmer.
Ginny meinte grinsend zu Lily: „Man muss sie einfach lieben. Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Ginny.“, gähnte Lily und beide gingen zurück in ihre Zimmer.
Maya schlich sich an Sams Bett und legte sich zu ihrem Zukünftigen. Sie drehte sich mit dem Rücken zu ihm und legte einen Arm von Sam um sie, so dass sie noch näher an ihn heranrücken konnte und seine wohlige Wärme spürte.
Sam, der aufgewacht war, grinste. Er hatte gewusst, dass sie sich letztendlich über die Tradition hinweg setzen würde. Er genoss ihre Nähe und schlang seinen Arm noch fester um ihren Körper. Dann schliefen Beide mit breiten Lächeln auf den Gesichtern das letzte Mal als Unverheiratete ein.
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