
von Gini
Es war einmal ein kalter verschneiter Dezembertag kurz vor den Weihnachtsferien. Holz knisterte unter dem schwarzen dampfenden Kessel, sonst war es aber recht still im Unterrichtsraum des Kerkermeisters Snape. Alle arbeiteten fleißig und konzentriert, nur um nicht mit der alten Fledermaus anzuecken.
Es war ein einfach zu brauender Trank und Draco machte sich keinerlei Sorgen, dass Blaise etwas verderben könnte. Immerhin hatten sie den Schrumpftrank bereits im vergangenen Schuljahr mehrfach hergestellt. Da musste man schon ein Vollidiot wie Longbottom sein um da was falsch zu machen. Aber wie immer, wenn man sich allzu sicher war, lief etwas falsch. Draco brachte etwas zurück in den Zutatenschrank und Blaise nutzte die günstige Gelegenheit und schaute einem netten Ravenclawhintern nach. Er lehnte sich dabei etwas nach vorne, um die schöne Aussicht besser genießen zu können. Als er Draco zurückkommen sah, griff er schnell nach den Zutaten, ohne sie noch einmal zu kontrollieren und warf sie fahrig in den Kessel, um zu verheimlichen, dass er sich hatte ablenken lassen. So nahm das Übel seinen Lauf.
Draco stellte sich neben Blaise, schaute in den Kessel und meinte: „Na, das sieht doch gut aus.“
„Ja, sieht es“, antwortete Blaise, meinte aber nicht den Trank, sondern die Ravenclaw, auf deren Allerwertesten er eben noch gestarrt hatte. Plötzlich kochte der Trank rasend schnell auf und bevor Draco auch nur reagieren konnte, flog ihm der Kessel um die Ohren. Blaise rettete sich mit einem Hechtsprung unter den Tisch. Draco schrie auf, verstummte genauso schnell wieder und war blitzschnell verschwunden.
„Draco?“
„Ja, quak, verdammt, was hast du gemacht?“
„Ach du sch... äh... Snape bekommt das ganz sicher wieder hin, Draco, nur nicht aufregen!“
Draco blickte sich jetzt erst einmal um. Warum war denn alles schlagartig so groß geworden? Erst dann kam er auf die Idee, sich selber anzuschauen. Er erschrak zu Tode. Was er sah, konnte er nicht fassen. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Er war grün und als wenn das noch nicht reichen würde, war er klein, grün, hatte Glubschaugen und ein sehr breites Maul.
„Merlin, ich bin, quak, ein Frosch!“, platzte es aus ihm heraus.
„Blaise, ich, quak, bringe dich um, quak!“
Harry konnte nicht länger an sich halten und lachte los. „Ganze Arbeit, Malfoy! Du siehst wirklich niedlich aus!“ Mit diesen Worten hob er Draco vom Fußboden auf und setzte ihn auf dem Tisch ab. Sofort machte der Draco-Frosch einen Sprung vom Gryffindor weg, um sich nur ja nicht in dessen Nähe aufhalten zu müssen.
„Potter, pass besser auf, quak, dass dir der Kessel nicht um die Ohren fliegt, quak.“
„Und selbst wenn, das übertrifft dich nicht mehr für heute. Aber du bist echt ein süßer Laubfrosch“, lachte Harry noch immer. Der Gryffindor konnte nicht glauben, dass ausgerechnet Malfoy so etwas passierte. Draco Malfoy, Snapes Lieblingsschüler, der noch niemals etwas falsch gemacht hatte in diesem Fach.
Snape schaute auf und sah das grüne Etwas.
„10 Punkte Abzug für Gryffindor. War ja klar, dass Sie das nicht hinbekommen, Potter“, zischte der Tränkemeister gelangweilt und sah wieder auf das Pergament vor sich.
Draco vergaß für einen Moment seine neue Erscheinung und fing vor lauter Freude über den Punktabzug an zu hüpfen und zu quaken. Diesmal waren es nicht nur Harry und seine beiden Freunde Hermine und Ron, die fassungslos aussahen, denn durch den Aufruhr bekamen auch alle anderen Schüler mit, was passiert war und starrten ungläubig auf das Tier. Ein hüpfender Malfoy, der dazu noch quakte, das war einfach unglaublich.
„Professor, ich stehe hier. Das ist ihr Musterschüler auf dem Tisch“, verteidigte sich Harry und Snape wandte sich mit einer hochgezogenen Augenbraue dem Frosch zu.
Blaise grinste, weil Draco wahrhaftig ein furchtbar lächerliches Bild abgab, aber als er Snape auf sich zukommen sah, hörte er bei dessen versteinerter Miene sofort auf damit.
Der Professor sagte nun mit einem ziemlich gefährlich klingenden Unterton: „Nehmen Sie Malfoy und kommen Sie mit in mein Privatlabor!“
Snape schaute zum Rest der Klasse und meinte abfällig: „Als Hausaufgabe schreiben Sie einen drei Ellen langen Aufsatz darüber, wie gefährlich eine Unachtsamkeit bei der Herstellung des Schrumpftrankes ist und finden Sie heraus, welche Zutat für diesen... diesen Unfall... verantwortlich war!“ Dabei warf er einen süßsauren Blick auf den Lurch. Dann drehte er sich um und verließ den Raum. Blaise nahm den merkwürdigen Draco auf seine Hand und mit angeekeltem Gesichtsausdruck lief er dem Professor nach. Im Geiste suchte er schon nach einem Taschentuch, um sich den Glibber von Draco abzuwischen. Den bildete er sich natürlich nur ein, denn der Frosch hatte in Wirklichkeit zwar eine feuchte, aber keinesfalls schleimige Haut.
„Was haben Sie da nur angestellt?“, meinte Snape und betrachtete Draco, nachdem die beiden ihm in seine Räume gefolgt waren.
„Ich habe, quak, keine Ahnung, Professor, alles, quak, lag auf dem Tisch bereit. Blaise, quak, hat es nur noch in den Kessel geben müssen, quak.“
„Oh halt den Mund, Draco, das hält ja keiner aus. Mr. Zabini, erklären Sie mir, was passiert ist“, forderte Snape, dem die unerwartete Metamorphose seines Lieblingsschülers und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten bereits jetzt mächtig auf die Nerven gingen.
Blaise war so zornig auf sich selbst und seine Nachlässigkeit, dass er nicht genau erklären konnte, wie es zu dem Vorfall gekommen war. Der Professor winkte ab und wanderte mit großen Schritten auf und ab, wobei er immer wieder einen Blick auf die beiden ungleichen Gestalten warf. Schließlich erklärte er, er würde nach einem Gegentrank suchen. In der Zwischenzeit sollten sie zum Krankenflügel gehen.
„Und, quak, was soll ich da?“, fragt Draco verzweifelt.
„Mach, was du willst, Draco, aber verschwinde!“, keifte Snape. Schließlich schob er beide energisch hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.
Blaise war dankbar für den Hinauswurf, kehrte zusammen mit Draco ins Klassenzimmer zurück und setzte ihn so schnell wie möglich wieder auf einem Tisch ab. Danach wusch er sich schleunigst die Hände. Die Mitschüler starrten erneut den Frosch an.
„Was hast du gemacht, quak, verdammt?“
„Ich habe alles gemacht, was du gesagt hast. Naja, also eigentlich hab ich nicht noch mal genau nachgesehen, ob die toten Fliegen die richtige Anzahl hatten.“ Als er die Fliegen erwähnte, fühlte Draco sich plötzlich irgendwie eigenartig. Er konnte allerdings nicht feststellen, was die Ursache für dieses seltsame Gefühl war. Währenddessen fügte Blaise seiner Erklärung kleinlaut hinzu: “Weißt du, ich habe der Ravenclaw mit den langen Haaren nachgeschaut, die hat aber auch einen geilen Hintern.“ Die letzen Worte hatte er eher geflüstert, schließlich war es nicht notwendig, dass besagte Schülerin auf ihn aufmerksam wurde.
„Ich bin wegen einem Hintern zum Frosch, quak, geworden? Hast du noch alle Kessel im Schrank? Kannst du, quak, nicht ein einziges Mal deine Hormone im Griff behalten, quak?“
Harry und seine Freunde standen in der Nähe und versuchten nichts zu verpassen. Hermine war ein bisschen rot geworden, aber sie hatte trotzdem ein Lachen auf den Lippen. Harry schaute sie neugierig an und fragte, was mit ihr los wäre. Sie sagte: "Harry, erinnerst du dich noch an das Muggelmärchen vom Froschkönig?" Und dann war es aus. Harry und Hermine prusteten los und Ron stand da wie ein begossener Pudel. Was hatten die denn auf einmal?
Harry ritt heute der Übermut. Er schob sich durch die Reihen der anderen Mitschüler, bis er die neue Klassensensation wieder richtig im Blick hatte.
„Na, Froschkönig, schon überlegt, wer dich küssen soll?“, provozierte Harry und setzte sich auf einen der Tische.
„Froschkönig? Küssen? Potter, was willst du denn schon wieder?“, fauchte Pansy.
„Ach ja, Reinblüter... hatte ich ganz vergessen. Es gibt ein Märchen bei den Muggeln, das heißt Froschkönig und der Frosch muss geküsst werden, damit er wieder ein Mensch wird.“ Nach einem Moment fügte er noch hinzu: „Damit er wieder ein Prinz wird.“ Dabei betonte er „Prinz“, denn sein Erzfeind Malfoy war ja wohl der eindeutige Slytherinprinz.
„Wenn du Ärger machen willst, Potter, verzieh dich besser“, fauchte Blaise feindselig.
„Nicht doch, Zabini, ich will keinen Stress, nur den Spaß nicht verpassen. Toll zu sehen, wie albern ihr euch alle anstellt. Dein Gesicht war unschlagbar, als du Malfoy anfassen musstest“, meinte Harry und rutschte vom Tisch.
„Frösche sind ja auch eklig“, meinte Pansy.
„Jaa... und glitschig, nicht wahr?“, antwortete Harry zu Pansy gewandt.
„Wenn Malfoy ein echter Prinz wäre, würden die Damen Schlange stehen und ihn versuchen zu küssen. Ich schätze mal, auch als echter Malfoy kann er sich in dieser Beziehung auch nicht beschweren. Aber kaum passiert ihm ein Missgeschick, ist er nur noch die eklige, glibberige Kröte. Also, auf Freunde wie euch könnte ich ja wirklich verzichten.“
Betreten schaute Pansy auf den Boden und ärgerte sich. Zum einen, weil Potter Recht hatte und andererseits, weil sie wirklich gemein zu Draco gewesen war. Schließlich konnte der immer noch hören. Und eigentlich... naja... sooo hässlich war er nun auch wieder nicht. Sie beschloss, ihren Fehler wieder gut zu machen und ihm einen Schmatzer aufzudrücken. Sie ging auf Draco zu, spitzte die Lippen, beugte sich zu ihm hinunter und...
„HALT!“, schrie Snape, kam mit ausladenden Schritten auf die Gruppe zu, wobei sich immer wieder seine Robe aufbauschte und erreichte Dracos Tisch gerade noch zur rechten Zeit.
„Sie werden ihn nicht küssen!“, herrschte er die erschrockene Pansy an.
Dann verkündete er ernst: „Malfoy, Sie haben nur drei Chancen, also überlegen Sie gut, wen Sie wirklich lieben und wer Sie zurückliebt.“
Alle schauten Snape entgeistert an, dann schweiften ihre Blicke zu dem traurig dasitzenden Frosch, der seine kleinen eisgrauen Augen auf seinen Professor gerichtet hatte. Er sah aus, als hätte man ihm eine Fliege geklaut. Snape mahnte noch einmal, dass der Slytherin nur drei Versuche hätte um herauszufinden, wer seine große Liebe war. Und auch nur, wenn er es schaffte, dass dieses besondere Mädchen ihn auch wirklich aus Liebe küsste, würde dieser merkwürdige Zustand wieder aufgehoben und Draco zurückverwandelt werden. Er solle seine Worte ernst nehmen und beherzigen.
„Wenn Sie die Falsche küssen, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Dann passiert gar nichts. Wenn Sie allerdings drei mal einen Kuss bekommen haben und erhalten dann immer noch nicht Ihr eigentliches Aussehen zurück, fürchte ich, wir werden Sie ins St. Mungos schicken müssen. Und die Rückverwandlung könnte dann sehr schmerzhaft werden.“
Damit verließ Snape erneut den Raum und ein paar verwunderte und schockierte Schüler blieben zurück.
Harry fing sich als erster wieder und hockte sich vor den Tisch, so dass er mit Draco, der ziemlich niedergeschlagen aussah, auf gleicher Augenhöhe war. So leise, dass ihn die anderen nicht verstehen konnten, flüsterte er ihm zu:
„Nicht so betrübt, Draco, das schaffst du schon! Außerdem finde ich, du bist ein gelungener Frosch und der einzige mit so hübschen Augen. Du wirst kein Problem haben, eine zu finden.“
Draco schaute ihn an und legt den Kopf schief. War das Potters Ernst? Anscheinend, denn in seinem Gesicht spiegelte sich kein Spott wider.
„Komm, ist doch dumm, so auf dem Tisch zu hocken und begafft zu werden“, meinte Harry und bot ihm die Handfläche so an, dass sie nach oben zeigte.
Draco überlegte einen Moment lang und bewegte sich dann sehr umständlich und zaghaft auf Harrys Hand. Der Gryffindor lächelte und stand wieder auf. Er schloss seine Hand ein wenig um sicher zu gehen, dass der Frosch nicht herunterfallen konnte. Wahrscheinlich konnte man als frischgebackener Lurch seine Sprungkraft noch nicht so gut einschätzen und Harry war sich auch nicht sicher, ob Frösche bei Stürzen aus einem Meter Höhe Schaden nehmen konnten.
„Merlin, Potter, du bist widerlich“, entfuhr es Millicent, die Draco angewidert betrachtete.
„Und du erbärmlich. Das ist immerhin Malfoy, euer Freund. Pansy wollte ihn gerade noch küssen, aber wohl auch nur aus dem Grund, damit sie sagen kann, sie hat ihn mal geküsst.“
„Harry?“, erklang eine Stimme direkt hinter ihm.
„Ja, Hermine?“
„Seit wann bist du ein Froschfanatiker?“
„Schau ihn dir an Hermine, er ist... ähm... ach lass mich doch“, stammelte Harry und wurde rot. Er fand nicht nur den Frosch niedlich, sondern auch die Person, die dahinter steckte, aber das konnte er ja wohl kaum zugeben. Nicht vor Hermine und schon gar nicht vor der ganzen Klasse. Immerhin war Draco ein Junge. Und noch dazu ein Slytherin und erklärter Erzfeind.
„Lass mich auch mal sehen. Schade, dass ich nicht so ein Fotodings habe. Das müsste man für die Nachwelt festhalten: Ein Malfoy als Frosch, welche Schande für die Reinblüter“, meinte Ron und grinste fies.
„Hör doch auf, Ron, ich glaube, er ist gestraft genug“, wies ihn Hermine zurecht, die das Benehmen von Ron unmöglich fand.
„Quak, Schnecken kotzen ist auch nicht edler, quak“, grummelte Draco sehr niedergeschlagen und machte sich in Harrys Hand noch kleiner als er sowieso schon war.
Harry tat das jetzt wirklich alles sehr leid.
„Also, Leute, keine dummen Sprüche mehr über Frösche. Wir sollten überlegen, wie wir das geheim halten, damit Draco nicht zum Gespött von ganz Hogwarts wird“, verlangte Harry und schaute in die Runde.
„Du verdirbst uns auch jeden Spaß, Harry“, meinte Ron beleidigt.
„Seit wann interessiert es dich, ob es Draco gut geht, Potter?“, fragte Blaise interessiert nach.
„Oh Mann, was weiß ich, ist doch auch egal. Hauptsache, er wird nicht zertrampelt oder landet in einem Glas als Wetterfrosch“, brauste Harry auf und Draco zuckte zusammen. Seit wann konnte der denn so fauchen, und das, um ihn zu verteidigen? Draco verstand gar nichts mehr und ergab sich in sein Schicksal.
„Sorry, Kleiner. Hier, Zabini, nimm du ihn jetzt und sieh zu, dass ihm nichts passiert. Und ihr anderen haltet gefälligst den Mund, bis wir eine Lösung gefunden haben. Er fügte leise hinzu: „Oder bis er erlöst wurde.“
„Vergiss es, Potter, quak, der ist schuld, dass ich, quak, so bin. Ich gehe, quak, nicht zu ihm, quak!“, wehrte sich Draco und stemmte sich gegen Harrys Hand.
„Wo willst du denn sonst hin? Bei mir bleiben etwa?“, fragt Harry, meinte die Frage aber eher im Spaß.
„Ja, warum nicht? Quak, du scheinst der Einzige, quak, zu sein, der mich in diesem Zustand nicht so eklig findet, quak, wie die Anderen.“
„Gut, wie du willst. Ich nehme dich mit“, meinte Harry. Die Anderen zweifelten an ihrem Gehör. Machten die beiden Feinde plötzlich auf Freunde, oder was war los?
„Wir sehen uns“, meinte Harry und ging mit Frosch Draco aus dem Klassenraum.
Im Gryffindorturm verschwand Harry gleich in seinem Zimmer und setzte Draco auf sein Bett, dann legte er sich neben ihn. Sie schwiegen lange und nach einer Weile wurde die Stille unangenehm.
„Du, Draco, was machen wir denn jetzt?“
„Weiß nicht. Ihr habt es nett hier“, stellte Draco fest.
„Hm, ihr habt Einzelzimmer oder?“, fragte Harry, da das ein Gerücht war, was schon seit langem unter den drei anderen Häusern kursierte.
„Nein, quak, haben wir nicht. Ich teile mir das Zimmer mit, quak, Blaise, Vincent, Gregory und Theodor, quak“, setzte Draco dem Mythos ein Ende.
„Ihr Fünf seid ganz schön verschieden. Mich wundert, dass ihr euch so gut versteht.“
„Quak, warum?“
„Naja, du und Zabini, ihr seid die attraktivsten und wohlhabendsten Kerle von Slytherin. Crabbe und Goyle sind, nun ja, mehr so ein paar Gorillas, die euch helfen, Andere einzuschüchtern und recht blöd sind sie scheinbar auch noch. Und was Nott angeht, da will ich lieber nicht weiterreden“, meinte Harry.
„Was hast du gegen Theodor? Quak. Der ist doch eigentlich der Unscheinbarste von uns, quak, sitzt in der Bibliothek und lernt wie ein Irrer, quak.“
„Trotzdem!“
„Gut, wie du meinst, quak“, meinte Draco und wieder verfielen sie in Schweigen. Irgendwie hatten sie sich wohl nicht viel zu sagen. Das mochte daran liegen, dass ihre Gespräche sich für gewöhnlich darauf beschränkten, sich gegenseitig Beleidigungen und Gemeinheiten an den Kopf zu werfen. In der Position, in der Draco sich aufgrund seiner neuen Erscheinung befand, machte es ihm keinen Spaß, Harry zu ärgern, weil er erstens selbst ziemlich lächerlich aussah und vor allem, weil Harry sich so eine Mühe mit ihm gegeben hatte. Draco blieb natürlich ein wenig misstrauisch, wer glaubte schon an eine solch blitzartige Verwandlung von Feind in Freund?
Harry selbst hing ebenfalls seinen Gedanken nach und landete irgendwann bei Snapes Worten.
„Du, Draco, erinnerst du dich noch an das, was Snape gesagt hat?“, fragte er.
Draco schielte zu Harry hinüber und schaute ihn mit einem Glubschauge merkwürdig an.
„Potter, du nennst mich, quak, neuerdings Draco!“
Wie peinlich, dachte Harry. Erst jetzt bemerkte der Schwarzhaarige, das er das tatsächlich schon eine ganze Weile gesagt hatte, wurde rot und schaute schnell weg. Um schnellstens von diesem verfänglichen Thema abzulenken, murmelte er: „Hast du schon jemanden in Aussicht, die dich erlösen könnte? Wo du ja nur drei Chancen hast.“
Langsam drehte sich Harry wieder zu dem kleinen Laubfrosch und bemerkte, dass dieser richtig grün wurde vom Denken. Ach nein, er war ja grün.
Draco meinte nach kurzer Zeit, dass er sicher eine Chance an Pansy vergeben würde. Harry verspürte einen Kloß in seinem Hals und wusste nicht warum. Genauer gesagt, wusste er sehr genau warum, deshalb sagte er lieber nichts und nickte nur als Antwort.
Draco schaute den Gryffindor verwundert an. Was hatte der denn jetzt? Die kraus gezogene Stirn verriet ihm, dass Potter irgendetwas mächtig beschäftigte. Er konnte Potters Gesicht gut sehen, weil der sich inzwischen auf der Seite liegend ihm zugewandt hatte.
„Liebst du sie denn?“
„Hm?“, murmelte der Frosch, der sich von Harrys grünen Augen hatte ablenken lassen.
„Liebst du Pansy? Snape meinte, es funktioniert nur, wenn du sie liebst und sie dich auch liebt.“
„Was heißt lieben...“, antwortete Draco und dachte kurz nach.
„Ich mag sie eben und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mich auch ganz gern hat.“
Dabei beobachtete er Harry weiter mit seinen kristallklaren grauen Augen. Sah der plötzlich traurig aus? Unfug, ich muss mich an diese blöden neuen Augen erst gewöhnen!, entschied Draco im Stillen.
Harry seufzte schließlich auf, hob den „kleinen“ Draco von seinem Bett und meinte: „Einen Versuch könnten wir wagen!“
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